Wie man einen narzisstischen Chef im Vorstellungsgespräch erkennen kann

Bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle,  sollte man darauf achten, dass man nicht an einen narzisstischen Vorgesetzten gerät. Narzissten haben zwar ein beeindruckendes Auftreten und machen  große Versprechen, fordern aber hinterher einen unverhältnismäßig hohen Einsatz von ihren Mitarbeitern. Sie gehen wenig zimperlich mit ihren Angestellten um, erwarten Höchstleistungen und können bei Misserfolgen sehr ungerecht werden.

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Narzissten führen ihre Mitarbeiter oft nach Gutsherren-Art, nehmen wenig Rücksicht auf ihre Angestellten und versauern durch ihr rücksichtsloses Verhalten und ihren autoritären Führungsstil das Betriebsklima. Ihre Anweisungen werden ständig umgestoßen und durch neue Ziele und Aufgaben ersetzt. Entscheidungen trifft der Narzisst alleine, ohne die Mitarbeiter einzubeziehen. Handeln Mitarbeiter eigenständig oder werden Fehler gemacht, dann reagiert der narzisstische Chef mit scharfer, unsachlicher und unfairer Kritik. Gute Ergebnisse schreibt er sich zu, für schlechte Ergebnisse sind die Mitarbeiter verantwortlich.

Mitarbeiter werden durch diesen Führungsstil wenig motiviert, weshalb sie oft ihre Aufgaben nur mechanisch ohne wirkliche Freude ausführen. Durch die hohen und zum Teil unrealistischen Forderungen sowie den rauen Umgangston leidet auf Dauer die Leistungsfähigkeit und die Gesundheit der Mitarbeiter. Ständige Konflikte überschatten den Alltag in der Abteilung, die Produktivität geht nach unten und Leistungsträger wandern ab. Für den Narzissten steht nur der kurzfristige Erfolg im Vordergrund, für den alle Ressourcen restlos ausgebeutet werden.

Nach außen kann der Narzisst zwar demokratisch und großzügig auftreten. In Wahrheit aber trifft er alle Entscheidungen selbst, lässt sich nicht in die Karten schauen und übt eine strenge Kontrolle aus. Hinter dem Gewand der Liberalität verbirgt sich Druck, Manipulation, Unterdrückung, Ungerechtigkeiten und Kränkungen. Daher sollten Sie bereits in einem Vorstellungsgespräch darauf achten, ob Ihnen narzisstische Eigenschaften begegnen:

Auf was Sie in den ersten Minuten achten sollten

Narzissten treten in der Regel sehr selbstbewusst und charismatisch auf. Sie haben einen festen Händedruck, einen intensiven Augenausdruck und eine gespannte Körperhaltung. Man kann kaum übersehen, wer der Chef ist, weil ihre Ausstrahlung und ihre Präsenz alle anderen in den Schatten stellt. Meistens ist das Verhalten der Angestellten sehr unterwürfig, verängstigt oder demotiviert.

Findet das Vorstellungsgespräch in seinem Büro statt, dann sollte Sie darauf achten, wie sein Büro eingerichtet ist. Ist es besonders groß und geräumig, stehen moderne und luxuriöse Einrichtungsgegenstände im Raum oder befindet sich sein Büro in einer exponierten Lage, dann spricht das für sein Bedürfnis, sich gegenüber anderen abheben und als etwas Besonders gelten zu wollen.  Finden sich mehrere Urkunden oder andere Zeichen seiner Verdienste in seinem Büro, so will er seine Kompetenz betonen.

Da narzisstische Vorgesetzte immer sehr beschäftigte Menschen sind, kann es sein, dass Ihr Vorstellungsgespräch nicht pünktlich beginnt, sondern dass Sie mit einer langen Wartezeit rechnen müssen. Für das Warten erhalten Sie allerdings keine Entschuldigung. Ein narzisstischer Chef hält es für selbstverständlich, dass Sie seine Zeit für ihn opfern.

Auf was sollten Sie während des Gesprächs achten

Es sollten Ihnen nicht schwerfallen, den Vorgesetzten während des Gesprächs zu beobachten, da Sie möglicherweise nicht viel zu Wort kommen. Ein narzisstischer Chef erzählt lieber selbst, als dass er anderen zuhört:

  • Er hält einen Monolog über sich und die Firma. Er möchte sich gerne mit der Firmenpräsentation darstellen und Sie mit der Größe und den Erfolg des Betriebes beeindrucken.
  • Er hält einen starren Blickkontakt und starrt Ihnen unentwegt in die Augen.
  • Er macht abwertende Bemerkungen über die Konkurrenz.
  • Er betont immer wieder den Erfolg des Unternehmens und ganz besonders den eigenen Anteil.
  • Er hat einen sehr hohen Anspruch gegenüber Ihren beruflichen Qualifikationen und prüft Ihren Lebenslauf sehr intensiv.
  • Er verlangt ein hohes Engagement und betont sehr, dass Sie sich voll und ganz auf die Firma konzentrieren sollen.
  • Er macht verlockende Versprechungen, die er meistens jedoch nicht einhält.
  • Das Gespräch wird durch Telefonate oder durch die Sekretärin immer wieder gestört.
  • Auf Ihre Fragen antwortet er nur kurz oder nimmt das Thema als Anlass, ausschweifend zu werden.
  • Er zeigt wenig Resonanz auf Ihre Darstellungen. Sie können nicht einschätzen, ob das, was Sie äußern beim Vorgesetzten auf Zuspruch oder Ablehnung trifft.
  • Hat er Interesse an einer Einstellung, wird er Ihnen in irgendeiner Weise schmeicheln.
  • Er drängt auf eine schnelle Entscheidung.
  • Sie haben das Gefühl, von oben herab behandelt zu werden.

Was Sie fragen sollten

Verdichtet sich der Verdacht, dass es sich bei Ihrem möglichen zukünftigen Vorgesetzten um eine Person mit starken narzisstischen Zügen handelt, dann könnten Sie Ihren Eindruck noch durch folgenden Fragen, die Sie dem narzisstischen Chef stellen, überprüfen:

Was sind die aktuellen Projekte und wie sehen die Zielvorgaben aus?

Narzissten haben immer sehr ambitionierte Ziele. Meist ist der Zeitplan sehr eng, die Vorgaben extrem hoch und nur die besten Mitarbeiter werden rekrutiert. Ein narzisstischer Chef hat immer sehr hohe Ansprüche an seine Angestellten. Diese Erwartungshaltung wird Ihnen sicherlich in jedem Unternehmen und bei jedem Vorgesetzten begegnen. Bei einem narzisstischen Chef allerdings kann man oft seinen Höhenrausch durch seine Worte und die Betonung erkennen. Er will sehr viel besser sein als alle anderen, es darf keinen mehr vor ihm geben, er will mit allen Ergebnissen beeindrucken und er lässt sich negativ über durchschnittliche oder schlechte Ergebnisse anderer aus.

Wie lange ist der Vorgesetzte bereits im Unternehmen? Wo hat er angefangen und wie war sein Karriereweg bis zur aktuellen Position?

Ein Narzisst ist in erster Linie an seinem beruflichen Fortkommen interessiert. Wechselt er rasch die Abteilung und steigt dabei permanent auf, dann spricht es dafür, dass er unbedingt nach oben kommen will und dabei extrem engagiert und leistungsbereit ist. Wechselt er zudem in unterschiedliche Sparten (vom Einkauf in die Logistikabteilung und dann ins Controlling), dann ist er weniger an der Aufgabe und das Thema interessiert, als vielmehr an einen lukrativen Job mit guter Bezahlung, reichlich Privilegien und Einfluss. Die Abteilung spielt dann weniger eine Rolle, im Vordergrund steht nur die eigene Karriere. 

Wie sieht sein Arbeitsalltag aus?

Narzissten sind in der Regel Workaholics. Sie tun alles, um voran zu kommen und fordern aus diesem Grund die Belegschaft extrem. Sie machen viele Überstunden, beginnen meist sehr früh am Tag und machen nur wenig Urlaub. Oft betonen sie auch, wie voll ihr Terminkalender ist und dass sie ständig von einer Besprechung zur nächsten rennen müssen. Sie betonen ausdrücklich, dass sie vielbeschäftigt sind, wenig Zeit für Privates haben und immer im Dienst der Firma unterwegs sind. Auf diese Weise wollen sie unterstreichen, wie wichtig sie sind.

Was erwartet er im besonderen Maße von seinen Mitarbeiter?

Narzissten fordern von ihren Mitarbeiter besonders viel Einsatz und Loyalität. Auf Sonderwünsche oder persönliche Befindlichkeiten wird keine Rücksicht genommen. Der Mitarbeiter muss voll und ganz der Firma zur Verfügung stehen – auch nach Feierabend. Erreicht ein Mitarbeiter nicht seine Ziele oder wird er häufiger krank, dann wird er ganz schnell ausgewechselt oder in eine andere Abteilung versetzt. Ein narzisstischer Chef hat immer nur sein berufliches Ziel im Auge. Da er Scheitern und Misserfolge nicht ertragen kann und stets überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen will, erwartet er nicht nur eine gründliche Arbeit, sondern Perfektion.

Wie hoch ist die Fluktuation in der Abteilung oder im Unternehmen?

Durch die hohen Ansprüche und Erwartungen des Narzissten und seinem Mangel an Empathie den Mitarbeiter gegenüber entsteht häufig eine Unzufriedenheit in seiner Abteilung, weil sich die Angestellten nicht richtig behandelt fühlen. Sie werden stark kritisiert, wenn sie ihre Vorgaben nicht erreichen oder sich nicht an seine Anweisungen halten. Sie werden sehr eng kontrolliert, damit gar nicht erst Fehler passieren können und der narzisstische Chef stets über alles informiert ist. Das Konkurrenzdenken in der Abteilung und unter den Kollegen wird gefördert. Die Mitarbeiter werden regelrecht bedrängt und genötigt, um die hohen Ziele zu erreichen. Ihre Arbeitskraft wird häufig bis zum Anschlag ausgebeutet, ohne dass die Kollegen eine entsprechende Wertschätzung dafür erhalten. Sein Führungsstil ist häufig unberechenbar und er behandelt die Mitarbeiter, als wären sie sein Eigentum. Das wirkt sich dann in einer starken Unzufriedenheit aus und einem häufigen Wechsel des Arbeitsplatzes.

Wie hoch ist der Krankenstand?

Die Überbelastung der Mitarbeiter führt dann auch zu vielen krankheitsbedingten Ausfällen. Allerdings ist davon auszugehen, dass der narzisstische Chef bei dieser Frage nicht mit offenen Karten spielt.

Was Sie überprüfen sollten

Sollten Sie nach wie vor unsicher sein, dann könnten Sie noch Folgendes tun:

  • Beobachten Sie beim Hinausgehen die Mitarbeiter des Betriebes, sofern Ihnen welche begegnen, und achten Sie auf deren Ausstrahlung. Wirken sie angespannt, nervös, überlastet, unsicher oder unterwürfig? Oder wirken sie bereits abgestumpft, wenig freundlich, eher nüchtern und routiniert. Mitarbeiter eines narzisstischen Vorgesetzten können entweder besonders engagiert und beschäftigt wirken, weil sie unbedingt die hohen Ziele des Narzissten einhalten müssen und äußerst bemüht sind, nur keinen Fehler zu machen. Oder sie sind schon länger im Unternehmen, haben sich an den Narzissten irgendwie gewöhnt und sich aus Selbstschutz ein dickes Fell zugelegt, um sich vor seelischen Angriffen zu schützen. Das macht sie im Ausdruck entsprechend reservierter, abgeklärter und kühler. Obwohl sie vordergründig ihre Aufgaben korrekt erledigen, sind sie dennoch wenig engagiert. Sie funktionieren eher so, wie es das Firmenhandbuch vorsieht, um sich nichts vorwerfen zu lassen.
  • Lassen Sie sich den Betrieb zeigen und achten auf das Verhalten der Mitarbeiter. Vor allem achten Sie darauf, wie sie sich verhalten, wenn ihr narzisstischer Chef vor ihnen steht. Werden sie nervös und ängstlich oder wollen sie unbedingt gefallen? Gehen sie dem Chef eher aus dem Weg oder lassen sie alles stehen und liegen, um für den Chef da zu sein? Wenn ein Chef in der Abteilung erscheint, bewirkt es natürlich immer einen gewissen Grad an Anspannung bei den Kollegen. Das ist auch bei nicht-narzisstischen Chefs der Fall. Tritt ein narzisstischer Chef auf, dann sind die Reaktionen in der Regel ausgeprägter. Entweder die Kollegen wenden sich ab, weil sie nicht von dem Narzissten angesprochen werden wollen und Kritik fürchten oder sie gehen direkt auf ihn zu, um sich bei ihm beliebt zu machen.
  • Informieren Sie sich durch Pressemeldungen über den Betrieb. Hier kann man eventuell etwas über das Betriebsklima erfahren, über die Methoden, wie mit dem Personal umgegangen wird und wie beständig das Unternehmen am Markt operiert.
  • Prüfen Sie, ob Sie im Internet oder aus anderen Quellen noch mehr Informationen über Ihren möglichen zukünftigen Chef bekommen können.

Ein narzisstischer Chef lockt meistens mit großen Versprechungen, interessanten Projekten und einem lukrativen Posten. Dabei wird in der Regel alles ein wenig zu blumig dargestellt, nur um den Kandidaten zu locken. Der Arbeitseinsatz wird als anspruchsvoll, aber moderat dargestellt, das Klima unter den Kollegen wird lobend hervorgehoben, Weiterbildungsmaßnahmen werden versprochen und eine stattliche Bezahlung. Meist finden sich dann im Arbeitsvertrag so manche unschöne Klauseln, die vorher nicht erwähnt worden sind.

Die genannten Punkte können ein Hinweis auf eine narzisstische Persönlichkeitsstörung sein, sie beweisen sie aber nicht. Ein Merkmal aus den Aufzählungen allein macht noch keinen Narzissten aus. Es müssen mehrere Faktoren zusammenkommen. Da sich ein Narzisst sehr geschickt verstellen kann, wenn er Ihre Gunst gewinnen will, kann es mitunter schwierig sein, seine wahre Gesinnung zu erkennen. Daher ist es wichtig, sich ein waches Auge für das Umfeld zu bewahren und ein Ohr für die scheinbaren Nebensächlichkeiten.


Veröffentlicht in Beruf und Führung, Blog
3 Kommentare zu “Wie man einen narzisstischen Chef im Vorstellungsgespräch erkennen kann
  1. Lieber Sven,
    ich bin seit ein paar Tagen auf deinem Blog – und komme nicht mehr so ganz los davon … 😉 Zwar beschränkt sich meine eigene Erfahrung mit Narzissten auf das „alltägliche Leben“, sprich, ich habe keine therapeutische Sitzung notwendig, um tiefe Wunden zu heilen, doch deine Seite ist wirklich unglaublich nützlich und öffnet die Augen. Ich habe in der Tat lange Zeit einen narzisstischen Chef gehabt, 3 Jahre lang, dem ich als Sekretärin nie etwas Recht machen konnte, was letzten Endes dazu führte, dass ich den Beruf wechselte. Doch wäre ich früher auf das Thema gestoßen, so wie du es präsentierst, hätte ich innerlich in besseres Rüstzeug gehabt. (Und hätte vermutlich trotzdem den Beruf gewechselt.) *lach* Herzlichen Dank für dein Engagement. Dein Artikel wurde soeben von mir geteilt.
    Liebe Grüße, Tanja

  2. Marina sagt:

    Der Rückmeldung von Stella kann ich mich anschliessen.
    Ist bei meinem Chef gensu so. Es könnte nach der Beschreibung auch mein Chef sein.

  3. Stella sagt:

    Zum Stichwort „Workalholic“: mein Ex-Mann ist auch Narzisst und Chef. Bei ihm zeigt sich sein Narzissmus jedoch nicht im Workaholic-Sein, sondern er ist vielmehr eher selten im Büro, fängt spät an und geht früh, nimmt sich frei, wann er will und gönnt sich sehr viel Freizeit, um so zu demonstrieren „ich lasse für mich arbeiten“ oder „ich racker mich nicht wie alle anderen Idioten ab und verdiene trotzdem wahnsinnig viel Geld“ und „ich bin mein eigener Herr und mache, was ich will“. Narzissmus kann sich also auch so zeigen! Das würde er allerdings bei einem Vorstellungsgespräch wohl nicht so darstellen…

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