5 Irrtümer über die Beziehung mit einem Narzissten

Es ist ein wunderbares Gefühl, frisch verliebt zu sein und einen Partner gefunden zu haben, der wie das fehlende Puzzleteil zu passen scheint. Sofort entstehen im Kopf die unglaublichsten Fantasien von einer glücklichen und harmonischen Beziehung. Man fängt an, vom zukünftigen Glück zu träumen und die Liebe zu idealisieren. Gerät man dabei jedoch an einen Narzissten, zeigen sich sehr bald große Diskrepanzen zwischen den eigenen Erwartungen und der Realität.

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Die meisten Menschen erwarten von einer Beziehung die Erfüllung all ihrer Träume. Frei nach dem Motto „Gemeinsames Glück ist doppeltes Glück“ will man zusammen mit seinem neuen Partner in eine hoffnungsfrohe Zukunft starten. Leider erweisen sich aber in einer Beziehung mit einem Narzissten diese hohen Ideale oft als eine Luftblase und nichts bleibt am Ende von den schönen Träumen übrig. Im Folgenden werden einige typische Irrtümer über die Beziehung mit einem Narzissten beschrieben:

1. Mein Partner soll mich glücklich machen

Die Erwartungen an eine Beziehung sind meistens unrealistisch hoch. In einer Beziehung möchte man sich angenommen fühlen, geliebt werden und wichtig für den Partner sein. Man möchte das Gefühl haben, gebraucht zu werden, sich anlehnen sowie offen und vertrauensvoll miteinander kommunizieren können, Verständnis vom Partner erhalten, körperliche Nähe, Sex sowie emotionale und wirtschaftliche Sicherheit. Von einer Beziehung erwarten die meisten ganz allgemein die Erlösung von allem Übel und den Übergang ins Paradies.

Schon unter normalen Umständen sind diese hohen Ziele kaum zu erreichen. Gerät man dann noch an einen Narzissten und reduziert dabei nicht gleichzeitig seine Erwartungen, müssen Enttäuschung und Verzweiflung die Folge sein. Das hohe Ideal, von dem Partner träumen, können in einer Beziehung mit einem Narzissten keine Erfüllung finden. Die Partner von Narzissten hoffen zwar, dass er ihnen Sicherheit, Liebe und Geborgenheit geben sowie Wertschätzung entgegenbringen wird, stoßen dabei jedoch auf das genaue Gegenteil.

Die Partner richten meistens ihre ganze Konzentration auf den Narzissten: zum einen, weil sie verliebt sind, zum anderen, weil ihnen der Narzisst ständig das Gefühl gibt, ihnen nicht vollständig zu gehören. Sie fixieren sich daher auf ihn und sind ständig mit den Gedanken bei ihm: Was macht er gerade? Denkt er an mich? Gefalle ich ihm? Wird er heute Abend anrufen? Sie sind ständig darauf erpicht, dass sich der Narzisst um sie kümmert und ihnen seine Liebe bestätigt, um sich seiner sicher sein zu können. Da ein Narzisst jedoch nicht daran denkt, dem anderen die nötige Sicherheit zu geben, sondern nur darauf bedacht ist, dass seine eigenen Bedürfnisse erfüllt werden, dürfte dies wohl in anhaltenden Beziehungsstress münden.

Außerdem schleppt der Narzisst selbst eine innere Leere mit sich herum, die er durch seinen Partner zu füllen versucht. Er erwartet von seinem Partner, dass er ihm vollständig zur Verfügung steht und alle seine Wünsche vorausahnend von den Lippen abliest. Er sieht in der Beziehung die Möglichkeit, seine emotionalen Wünsche zu befriedigen und sich in seiner Größe und Einzigartigkeit bestätigt zu fühlen.

Beide Partner brauchen den anderen, um ihren inneren Mangel an Selbstliebe auszugleichen. In erster Linie geht es den meisten darum,  geliebt zu werden, statt selbst zu lieben, um damit ihr labiles Selbstwertgefühl zu stabilisieren.

Erst in zweiter Linie dreht es sich in einer Beziehung um den Partner. Das bedeutet, dass narzisstische Beziehungen primär zum eigenen Nutzen geführt werden und meistens auch auf Kosten des anderen. Es geht weniger um den Partner als vielmehr um die Funktion, die er für den anderen haben soll. Er bekommt unbewusst die Rolle aufgedrückt, jederzeit für den anderen da zu sein – und zwar auf die Weise, wie dieser es benötigt. Auf ihn wird unbewusst die Verantwortung übertragen, den anderen glücklich zu machen.

Dabei verhält sich der Narzisst dominant und fordernd, während der Partner zurückhaltend und aufopfernd agiert. Der eine lebt seinen Narzissmus offen aus, der andere verdeckt. Beiden geht es aber nur um die Erhöhung des eigenen Selbstwertgefühls und das Gefühl, für das, was man tut und ist, geliebt zu werden. Es ist ein unbewusster permanenter Kampf um Anerkennung und Bestätigung, der dem Aufbau einer glücklichen Beziehung im Weg steht.

2. Die Beziehung soll harmonisch sein

Da die meisten Menschen innere Spannungen mit sich herumtragen und alles andere als mit sich im Reinen sind, verharren sie in dem festen Glauben, dass sich durch einen Partner die ersehnte Harmonie einstellen könnte. Sie suchen das passende Gegenstück, das bislang zur Glückseligkeit fehlte, und glauben, es in dem Partner zu finden. So rennen sie jahrelang diesem Beziehungsideal hinterher, das sich einfach nicht einstellen will, solange die Partner nicht bei sich selbst suchen und nicht den Mangel in sich selbst erkennen, sondern immer nur den Grund für die Probleme und das eigene Unwohlsein beim anderen suchen.

Um eine Beziehung in Harmonie und Frieden zu führen, müssen gegenseitige Wertschätzung, Respekt, Mitgefühl, Ehrlichkeit, Offenheit und eine bedingungslose Liebe, aber auch Toleranz gegenüber der Andersartigkeit des Partners die Voraussetzungen sein. Dies sind Eigenschaften, die nicht im Vermögen eines Narzissten liegen. Er erwartet zwar Liebe, Respekt, Nachsicht und Wertschätzung von den anderen, hält es aber nicht für nötig, mit gutem Beispiel voranzugehen. Es ist ein einseitiger Austausch, bei dem der Partner lange auf die Harmonie warten kann, nach der er in einer Beziehung sucht.

Ein Narzisst muss immer wieder aus dem Alltagstrott ausbrechen, er kann gar nicht eine gleichmäßige, geregelte und harmonische Beziehung führen. Um seinen Adrenalinpegel zu heben, braucht er immer wieder die Abwechslung und das Abenteuer. Er bricht aus der Routine aus und sucht sich Zerstreuung jeglicher Art. Solange der Partner zu stark auf den Narzissten fixiert ist, wird er es immer als Ablehnung seiner Person verstehen, wenn sich der Narzisst von ihm abwendet und seiner Wege geht. Sicherlich trägt dieses Verhalten nicht gerade zur Vertrauensbildung bei. Jedoch entgeht man von vornherein einer ganzen Reihe von Enttäuschungen, wenn man sich davon verabschiedet, einen Narzissten in ein Beziehungskorsett zwingen zu wollen. 

Bevor man Harmonie in einer Beziehung sucht, sollte man zuerst die Harmonie in sich selbst gefunden haben. Man sollte in der Lage sein, sich selbst zu lieben. Der Narzisst wird dem eigenen inneren Unfrieden nur noch mehr Zündstoff geben.

3. Partner sollten Verständnis füreinander haben

Eine sehr vernünftige Einstellung! Nur leider setzt dies einen gewissen Grad an Empathie und Charakterstärke voraus. In der Regel erwartet man vom anderen, dass er Verständnis hat und lernt, mit den Eigenarten des Partners umzugehen. Den meisten Menschen fällt es hingegen selbst schwer, sich auf einen Menschen mitsamt seinen Stärken und Schwächen einzustellen. Meistens hat man immer etwas an dem anderen auszusetzen.

Der Narzisst wiederum erwartet von seinen Mitmenschen nicht nur, dass sie ihn akzeptieren, wie er ist, sondern dass sie ihn dafür auch noch bewundern. Während er von seinem Partner erwartet, dass er sich voll und ganz auf ihn einstellt und seine Marotten ohne jeglichen Widerspruch befürwortet, geht er mit seinem Partner umgekehrt weniger tolerant um. Der Narzisst meckert an allem herum, was ihm nicht gefällt und was nicht in sein Idealbild passt. Insofern kann man beim besten Willen nicht davon ausgehen, dass ein Narzisst in irgendeiner Form Verständnis für den Partner aufbringt, wenn der nicht so funktioniert, wie es sich der Narzisst vorstellt.

Das Entgegenbringen von Verständnis muss sich in der Beziehung mit einem Narzissten als Einbahnstraße herausstellen: Der Narzisst darf alles und der Partner darf nur das, was dem Narzissten recht ist. Ein selbstbestimmtes Vorgehen des Partners wird nicht geduldet.

 4. Je mehr Nähe und Gemeinsamkeiten, desto glücklicher ist die Beziehung

Auch dieser Grundsatz muss sich im Umgang mit einem Narzissten als Irrtum herausstellen. Der Narzisst hat ein großes Problem mit Nähe: Zum einen hat er Angst, mit dem Partner zu sehr zu verschmelzen und von ihm abhängig zu werden, zum anderen muss er stets befürchten, dass bei zu viel Nähe seine Schwächen auffliegen könnten. In der Distanz kann er sich besser tarnen. Außerdem engt Nähe zu sehr seinen Drang nach Freiheit ein. Er braucht das Gefühl, jederzeit tun und lassen zu können, was ihm gerade in den Sinn kommt. Einschränkungen und Abhängigkeiten jeglicher Form sind ihm ein Dorn im Auge.

Jeder Partner braucht in einer Beziehung Luft zum Atmen. Wenn Paare ununterbrochen zusammen sind, kommt irgendwann nichts Neues mehr in die Beziehung und die gemeinsame Liebe verblasst. Leidenschaft lebt dort, wo etwas Unbekanntes und Neues ist, und sie entsteht durch eine gewisse Distanz und Neugierde. Jeder Partner sollte daher in einer Beziehung seinen Freiraum haben, um sich selbst, aber auch neue Dinge zu erleben.

Die Wahrheit liegt also, wie bei vielen Dingen, irgendwo in der Mitte. Der Narzisst will ständig ausreißen, um seine Leidenschaft neu zu entfachen, und der Partner ist nur auf den Narzissten fixiert und will ihn ständig um sich haben. Der Partner fühlt sich alleine ungeliebt und minderwertig und will sich mit der Anwesenheit des Narzissten aufbauen. Hier stoßen zwei extreme Einstellungen aufeinander, die zwangsläufig einen Beziehungskonflikt hervorrufen. Der Wunsch nach völliger Verschmelzung führt letztlich nur zu noch mehr Unfrieden und muss ein unerreichbares Ideal bleiben.

5. Ich muss den anderen bedingungslos lieben

Viele Menschen glauben, dass eine Liebe nur dann funktionieren kann, wenn man seinen Partner bedingungslos liebt. Sie wollen ihn so akzeptieren, wie er ist. Das setzt aber wiederum voraus, dass man seine eigenen Urteile und Vorurteile zurücknimmt, über die negativen Aspekte des Partners hinwegsieht und sein Verhalten toleriert. Sich diesem Ideal zu unterstellen – einen Partner bedingungslos anzuerkennen und zu lieben – stellt jedoch in den meisten Fällen eine maßlose Überforderung dar.

Wie sehr sich Partner mit diesem Wunsch selbst belasten, wird ihnen vor allem durch einen Narzissten gezeigt: Sie kommen täglich mit den eigenen seelischen Wunden in Berührung, an die der Narzisst nur allzu gerne rührt. Das Selbstwertgefühl wird auf diese Weise angegriffen und Partner erleiden unentwegt seelische Schmerzen. Sie fühlen sich gekränkt und müssen Gefühle wie Wut, Eifersucht oder Neid verarbeiten. In solchen Situationen fällt es schwer, einen Partner bedingungslos zu lieben und ihm seinen egoistischen und unfairen Umgang zu verzeihen.

Die Partner von Narzissten lernen nach einer gewissen Zeit, sich zu unterwerfen und ihre Bedürfnisse zu unterdrücken. Sie zahlen sehr oft den Preis der Selbstaufgabe, um die Beziehung zu retten und den Narzissten nicht zu verlieren. In seiner Gegenwart werden sie klein wie eine Maus, heben den Narzissten auf einen Sockel, passen sich seinen Wünschen und Interessen an, geben sich die Schuld an allen Problemen und verlieren sich selbst aus dem Auge. Sie glauben, nur so wenigstens ein Mindestmaß an Harmonie in der Beziehung aufrechterhalten zu können, und reden sich ein, es aus Liebe zu tun.

Sie opfern sich für die Beziehung und sind überzeugt, dies sei eine tugendhafte Leistung. Da sie aber gleichzeitig Wertschätzung für dieses Opfer erwarten, lieben sie ebenfalls nicht bedingungslos.


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Veröffentlicht in Beziehung mit einem Narzissten
23 Kommentare zu “5 Irrtümer über die Beziehung mit einem Narzissten
  1. Gabriela sagt:

    Ich lese jeden Dienstag aufs Neue den Newsletter und immer sind Dinge dabei, die ich kennengelernt habe.
    Das beste war der Satz:
    https://umgang-mit-narzissten.de/wie-lebe-ich-mit-einem-narzissten/
    …sehen Sie die Verbindung als Aufgabe und nicht als Seligkeit!“
    Aus eigener Erfahrung fehlt mir hier etwas, das die Unveränderbarkeit des Narzissmus erklären könnte, es ist die Vererbung oder die genetische Vorgegebenheit hirnstruktueller Voraussetzung bzw. Unabänderlichkeit.
    Vielleicht sucht der Narzisst die Übertragung seiner eigenen Empfindungen durch Inszenierung, eine Kommunikation, die nicht wirklich funktioniert, um seine eigenen schlechten Gefühle loszuwerden.
    In jedem Fall sorgt er massiv dafür, dass die eigene Meinung von ihm die ist, die er von anderen über sich haben will.
    Er wäre so gern der, den er vorgibt zu sein. Einen solchen fake kann man sonst nur in Amerika erleben.

  2. Maritt sagt:

    Ich tue mich noch immer schwer mit der Aussage „meine Erwartungshaltung war zu hoch“ bzw. „Meine unerfüllten Ansprüche können nicht erfüllt werden und schon gar nicht von einem Menschen mit narzisstischer Prägung“. Für mich persönlich Quatsch. Einen hohen Anspruch hatte ich nie an eine Beziehung. Ich wollte eine „ganz normale Beziehung“ mit Höhen und Tiefen und ist doch ganz klar, dass ein Partner nicht dazu da ist, um einem die Welt zu Füßen zu legen. So naiv war ich nicht. Und diese Partnerschaft wäre auch möglich gewesen, wenn der N. nicht immer „dagegen geschossen hätte“, als es eigentlich in diesem Sinn gut gelaufen ist. Erst die Erkenntnis, dass genau dieses Verhalten einen Narzissten ausmacht und sich das nie ändern wird, egal welche Erwartungen oder Ansprüche ich ablege (wenn da überhaupt was unrealistisches vorhanden war), hat letztlich dazu geführt mich (schweren Herzens) zu trennen.

    • Melanie sagt:

      …..wie heißt es doch so schön: „In guten wie in schlechten Zeiten, bis das der…….“! Wenn man dieses Versprechen abgegeben hat, glaubt man doch auch daran – oder?
      Leider musste ich rückblickend feststellen und das schmerzt bis heute – dass mein NZ die weniger guten bis schlechten Zeiten noch zusätzlich „befeuert“ hat!

      Wenn meine Kinder nicht zu mir gestanden hätten, wäre ich sehr, sehr alleine gewesen….! Dem Ablösungsprozess hat es sehr geholfen, denn ich brauche im wahren Leben mit all seinen Höhen und Tiefen kein schönes Aushängeschild😳 als Alibi, eine verheiratete Frau zu sein, an meiner Seite!!!

      Genießen wir das Jetzt, Hier und Heute, denn dieser unglaublich schwere Weg, den wir leider a l l e gehen müssen, wenn wir nicht lebenslang Opfer sein wollen, macht uns unglaublich stark😀

      In diesem Sinn m u t i g e. Grüße
      Melanie

  3. Sonnenblume sagt:

    Dieser Beitrag spannt einen weiten Bogen hinein in einen größeren Zusammenhang….

    …. er ist für mich, als würde ich eintreten in die größere Suche des Menschen nach Erfüllung und wahrer Liebe….

    Herr Grüttefien – meinem Empfinden nach formulieren Sie Spuren, denen zu folgen neue Horizonte öffnen…..

    Zum Beispiel, wenn Sie schreiben „….Von einer Beziehung erwarten die meisten ganz allgemein die Erlösung von allem Übel und den Übergang ins Paradies….“

    Da soll ein Mensch sowas wie Gott sein. Ein Erlöser. Ein Befreier. Das große vollkommene „Du“.

    Tatsächlich glaube ich, dass diese Sehnsucht, dieser Traum, diese innere Ausrichtung umso stärker ausgeprägt ist, je mehr in der Kindheit gefehlt hat (da sind Vater und Mutter ja gottähnliche Figuren).

    Und wenn dann ein Mensch auftritt – Jahre oder Jahrzehnte später im Leben, der all diese Träume, Sehnsüchte und das innerste Verlangen nach dieser Erfüllung wach macht, anspricht und aufweckt, dann passieren mindestens zwei Dinge.

    Das innere Kind will endlich zu seinem Recht kommen, gestillt und gesättigt und versorgt und gesehen werden. Und das auch sozusagen aus der unreif gebliebenen, bedürftigen und empfangsbereiten Entwicklungsstufe, die logischerweise genau so sein muss, da nun mal nicht entwickelt, weil so viel gefehlt und verhindert wurde….. Ganz verständlich und ganz menschlich….

    Und da man ja nicht mehr Kind ist, sondern längst im Leben steht, vieles gemeistert und geschafft hat, erweitern sich die Sehnsüchte noch und haben auch über viele Jahre Nahrung bekommen….. Die innere emotionale Rechnung geht nicht auf. Immer mehr kommt ins Minus. Die Erwartungen steigen. So wie Sie die Erwartungen an eine Beziehung beschreiben…..

    Liebe
    allumfassend

    Doch ein Mensch bleibt ein Mensch.

    Vielleicht führt gerade ein Narzisst einem das gnadenlos vor Augen.

    Der Fokus liegt auf dem Narzissmus. Dafür ist ja auch diese Seite da.

    Aber darüber hinaus bleibt die Frage ja trotzdem offen, wo finden wir Menschen – mit Ihren Worten gesagt – Erfüllung und Erlösung….

    So frag ich jetzt einfach in die Runde:

    Habt „ihr“ schon Antworten gefunden?

    • Klarsicht sagt:

      Ja, liebe Sonnenblume, ich habe für mich eine Antwort gefunden…
      „Wenn dann ein Mensch auftritt, der all diese Sehnsüchte und Träume wach macht“ und nicht nur das auch noch verspricht, sie zu erfüllen, dann sage ich mir heute (wozu ich Jahre gebraucht habe): „Wenn es zu schön ist um wahr zu sein, dann ist es auch nicht wahr“… Und Deine andere Frage „wo finden wir Menschen Erfüllung und Erlösung?“ Meine Antwort wäre: „Nur in uns selbst“. Wir dürfen nicht erwarten, dass ein anderer Mensch uns unsere Erfüllung gibt, unsere „Löcher“ stopft, aber für mich ist der Narzisst der Mensch, der mir aufgezeigt hat, dass (und wo) ich überhaupt Löcher habe. Seit ich mich in Selbstliebe übe, muss ich nicht mehr ins Aussen schauen, nicht mehr auf ihn schauen, was er tut/tat (er hat auch seine Löcher und Gründe, dass er „so“ handelt, aber das muss er selbst lösen, so wie ich meins selbst lösen muss). Das hat ungeheuer viel zur Schmerzauflösung beigetragen, nebst anderem natürlich. Das Wichtigste war mir schon seit langem: Wie erkenne ich einen Narzissten und gerate nie mehr an einen solchen Partner?( Ich behaupte, ich erkenne einen Narzissten schon an der Stimme: Männer sehr tiefe Stimme, Testosteron-beladen, und weibl. Narzisstinnen sehr weiche, „verständnisvolle“, liebliche, ja manchmal süsse (gespielt) Stimme, Oestrogen-beladen?) Doch heute, wenn meine Löcher gestopft sind, ich voll ganz bei mir bin, dann glaube ich, bin ich gar nicht mehr eine potentielle Partnerin für einen Narzissten…
      Ich wünsche Euch allen auf dem harten schmerzvollen Weg auch etwas Freude sich selbst zu erkennen, sich selbst zu beschenken, sich Gutes zu tun…

      • Sonnenblume sagt:

        Liebe Klarsicht….

        … den Satz merke ich mir „wenn es zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist es auch nicht wahr“…..

        Danke für Deine Gedanken!

  4. Tom sagt:

    Narzissten/innen wollen in einer „Ehe“ oder „Beziehung“ ein Singleleben führen mit ALLEM was dazugehört und erwarten vom Partner Huldigung, Selbstaufgabe und das aufgeben einer eigenen Meinung! Wenn das der Partner irgendwann nicht mehr mitmacht und aufbegehrt oder bei normalen Themen widerspricht fällt er zuerst von weiss auf schwarz und wird dann im Grand Finale übergangslos ausgetauscht. Ob da Kinder im Spiel sind ist denen völlig Schnuppe. Im Gegenteil, die werden dann gegen den Ex-Partner instrumentalisiert und entfremdet!

    An Narzissten darf man absolut null Ansprüche stellen!!!

  5. Elke sagt:

    Danke fuer den Artikel! Diese Punkte kann ich nur bestätigen!
    Es tut schon weh wenn man sich darin wiederfindet und doch sogleich die Augen oeffnet! Vor allen Dingen nicht in der Verurteilung stecken bleiben sondern die eigene Selbstliebe endlich wieder erlernen. Dann hoert auch “ich brauche die Bestätigung vom anderen” auf und wirft ein total anderes Licht auf so eine Beziehung!

  6. Waltraud sagt:

    ….der Partner fühlt sich alleine ungeliebt und minderwertig und will sich durch die Anwesenheit des Narzissten aufwerten….
    kann ich so für mich nicht teilen. Ich war froh, wenn er sich in Abwesenheit befand. Wenn er da war, hab ich mich zurück gezogen. Das mit auf den Sockel stellen hab ich von meiner Mutter vorgelebt bekommen, die einerseits ein Feindbild von Männern vermittelt hat, sie aber gleichzeitig auf einen Sockel gestellt hat. Das hat sie ihren Töchtern leider vermittelt. Was ich bestätigen kann, das ich meinen Narzissten am Anfang für seine Zielstrebigkeit bewundert habe. Das hat sich sehr schnell verändert, weil er mir auf der einen Seite ständig Schuldgefühle suggerierte, damit ich gefügig wurde und seine Ziele zu meinen werden.
    Vieles wird einem als Muster vorgelebt und man selbst glaubt, es wäre normal und deshalb müsse man Dinge manchmal aushalten, was einem Narzissten in die Hände spielt.

  7. Werner P. sagt:

    Sie schreiben so voll aus dem Leben. Wenn ich Ihre Artikel lese denke ich oft, woher weiß er das alles. Das kann doch nicht sein, dass Sie das bis aufs „I-Tüpfelchen“ so genau wissen. Sie haben echt was drauf als Psychologe, Verhaltensforscher (wenn ich das mal so sagen darf)und Therapeut.
    Da kann sich manch‘ anderer eine Scheibe von abschneiden. Vielen Dank für IHre wertvolle Arbeit.

  8. MeToo sagt:

    Ein Beitrag, der durch sein Relativieren mehr kaputtmacht als hilft! Natürlich wünscht sich mensch Liebe und Geborgenheit. Natürlich ‚gibt“ mensch und versucht, ehrlich bedingungslos zu lieben.
    Dass mensch an einen *seelischen Gewalttäter* geraten ist, ist hier der Fehler, nicht die 5 Grund-Eigenschaften.
    Wie bereits geschrieben: Sie relativieren, weisen die Partner*in auf sich selbst zurück und weisen damit die erlittene Gewalt ab. Eine gefährliche Herangehensweise, die echte Opfer psychischer Gewalt leicht in weitere Krisen stürzen kann.

    • Melanie sagt:

      Hallo MeToo,
      Du hast mir mit Deiner „Relativierung“ sehr geholfen, denn beim Lesen der fünf Eigenschaften fühlte ich mich irgendwie unwohl…..! Ich fühlte mich so mitschuldig….
      Warum ? – i c h habe geliebt, vertraut und gehofft, dass wir es schaffen glücklich zu sein – nicht mehr und nicht weniger! Vor lauter Fürsorge und Empathie habe ich viele Jahre nicht mitbekommen, dass ich Erfüllungsgehilfin und einen bestimmten Zweck dienlich war! In meiner Mutterrolle bin ich voll aufgegangen, ich war immer aktiv und ständig auf Achse, so dass bis zur Pubertät der Kinder die Nichtbesetzung der Vaterrolle überhaupt keinen Platz in meiner Gefühlswelt hatte! Ab dann begann jedoch eine massive Verweigerungshaltung, da die Kinder keine Antworten auf Ihre Fragen erhielten😒
      Wir haben dann zu Dritt intuitiv die fehlende „Besetzung“ der Vaterrolle übernommen – eine Familienaufstellung wäre interessant!

      Damals hätte ich mir viel Zeit nehmen müssen. – habe ich aber nicht….! Ich bin mir sicher, die Ehezeit wäre nicht so lange weitergegangen – so sind bis zum „Knall“ viele Jahre ins Land gegangen und wirklich glücklich waren wir alle nicht wirklich!

      Es ist wie es ist, ich akzeptiere mein Leben, wenn ich auch noch sehr zu kapern habe, denn es erwischt mich z. Zu. noch bei der Vermögensauseinandersetzung die volle Skrupellosigkeit und Grauseimkeit! Aber besser „ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!!!!!
      Viel Kraft für alle „Mitkämfenden“……
      LG Melanie

      • Melanie sagt:

        ….soll heißen: Mitkämpfenden…

        Noch eine kleiner Hinweis: Mein NZ gehört zu den im Stillen „Agierenden“! Immer freundlich, zuvorkommend, hilfsbereit…..Heute weiß ich es besser….. er war und ist ein „Monster“😣

        • Waltraud sagt:

          Hallo Melanie,
          da hatten wir wohl die gleiche Sorte „Narzisst“. So kenn ich das auch nur von meinem. Auch als „Vater“ stand er nicht zur Verfügung, schließlich musste er sich um die Belange seines Unternehmens kümmern. Man sollte immer Verständnis für seine Belange aufbringen und wir bzw. ich mussten uns dann auch immer anhören, für wen er das denn alles mache. Für uns natürlich!! Das er immer Gelder weg schaffte und auch alles allein entschied – natürlich für uns🤗!! Oh man, was für eine V…….
          LG Waltraud

      • Monika sagt:

        Liebe Melanie
        Hut ab und ein wunderschönes Leben ich war mal
        die Schwiegermutter eines solchen Monsters,Scheidung läuft wieder mal.
        Wir haben alle viele, viele Jahre die Hölle durchgemacht

    • Elke sagt:

      Me Too sie haben keine Ahnung was Narzissmus wirklich ist!

    • Es geht in diesem Beitrag nicht um Fehler, die Betroffene gemacht haben, sondern um deren Erwartungshaltung. Zu hohe oder unrealistische Erwartungshaltungen erhöhen das Leid für Betroffene – was im Übrigen nicht nur in einer Beziehung mit einem Narzissten zutrifft, sondern in nahezu allen Beziehungen. In einer Beziehung mit einem Narzissten sind die Auswirkungen nur sehr viel höher. Deswegen trifft Betroffene aber keine Schuld – im Gegenteil: Indem Sie Ihre Erwartungshaltung reduzieren oder anpassen, entgehen sie zusätzlichen Schmerz.

      • Melanie sagt:

        ……vielen Dank – ich wollte einfach nicht aufgeben und habe deshalb zu viele Jahre erwartet und gekämpft! Ich musste diesen Weg gehen, denn ich brauchte die absolute „Keule“…..
        Leider…. – Jetzt mache ich andere Betroffene stark, damit sie das Ausmaß früher erkennen😳

    • Dahl sagt:

      Du sprichst mir aus der Seele!

      Die Artikel werden im Gegensatz zu früheren Artikeln zu der Zeit, als ich diese HP entdeckte (vor etwa 2 Jahren) und sie mir half, ENDLICH zu verstehen wie so weshalb warum, leider immer öfter relativierend… Das führt dazu, dass man denkt: „Bist selbst schuld!“ und das tut weh!
      Narzisstische Persönlichkeitsstörung ist krank, also hat man mit Jemandem zu tun, der sich NICHT normal verhält. Und darunter leidet man als normaler Partner bis zur Selbstaufgabe!
      Erst, als ich diese HP fand, war es mir möglich, wieder zu mir selbst zu finden und mich gegen den Narzisst abzugrenzen.

  9. Claudia sagt:

    Danke.

    Das ist sehr gut zusammengefasst erklärt…., was auch mich ausmachTe als „das Gegenstück“ meines Bilderbuchnarzissten.

    Ich habe viel über mich dazugelernt durch diese katastrophale toxische Beziehung.

    Interessanterweise kamen aber einige meiner Verhaltensweisen erst mit diesem Menschen auf. Ich konnte gut freilassen bis zu ihm…. Er hat meine „dunkle“ Seite rigoros rausgeholt.

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