Mobbing am Arbeitsplatz

Dass Mitarbeiter am Arbeitsplatz misshandelt und gemobbt werden, ist mittlerweile keine Seltenheit mehr. Doch was sind das für Menschen, die anständigen und fleißigen Arbeitnehmern durch ständige Schikanen ein Bein stellen und ihnen das Leben zur Hölle machen? Warum findet Mobbing am Arbeitsplatz statt und was kann Menschen dazu bewegen, ihre Kollegen oder Untergebenen pausenlos zu demütigen, die nichts weiter wollen, als ihren Job ordentlich zu erledigen?

Bild: © Peggy Blume – Fotolia.com

Narzissten streben in einem Unternehmen nach Macht, sei es nun innerhalb einer Abteilung unter den Kollegen oder als Vorgesetzte in einer Führungsposition bis hin zur Geschäftsleitung. Dabei sind sie in der Regel sehr ehrgeizig, gehen wenig rücksichtsvoll mit ihren Mitmenschen um und versuchen immer, in irgendeiner Form eine Vorrangstellung zu erreichen. Um die nächste Karrierestufe zu erklimmen, strengen sie sich enorm an, und sofern sie bereits eine Abteilung leiten, erwarten Sie von ihren Untergebenen unentwegt Höchstleistungen und Perfektion. Aus diesem Grund kann der Narzisst extrem autoritär und kaltherzig vorgehen. Fehler werden nicht toleriert, Widerspruch wird nicht geduldet, Kritik bestraft und leistungsschwache Mitarbeiter werden unverzüglich ausgewechselt oder störende Kollegen aus der Abteilung geekelt.

Schwächelt jemand und zieht er nicht mit, kann er zur Zielscheibe des Narzissten werden, der diesen für seine Minderleistung oder seinen Widerstand bestrafen zu müssen glaubt. Jeder, der den Anforderungen des Narzissten nicht genügt oder sich ihm auf dem Weg nach oben in den Weg stellt, kann in sein Visier geraten und gnadenlos bekämpft werden. Dazu bedient sich der Narzisst verschiedener Methoden und Tricks, die seine wahren Absichten verschleiern, denn er will nicht, dass seine Boshaftigkeit auffällt und er als gemein gilt: Manipulieren, täuschen, hintergehen, drohen, isolieren, verleumden, intrigieren, erpressen, lügen, betrügen und sabotieren gehören zu seinem Repertoire.

Narzisstisches Verhalten ist oftmals der Nährboden für Mobbing am Arbeitsplatz. Wenn sich Mitarbeiter oder Kollegen querstellen, sich nicht der Meinung des Narzissten anschließen und sich ihm nicht unterordnen, wenn sie gegen den Narzissten agieren, bessere Qualifikationen und Leistungen als der Narzisst vorweisen können und sich nicht scheuen, die Fehler des Narzissten offen anzusprechen und ihn bloßzustellen, dann bekommt der Narzisst große Angst, die grandiose Fassade, die er um sich aufgebaut hat, könnte zusammenstürzen. Damit dies nicht passiert, beginnt der Narzisst, unerwünschte Kritiker und Konkurrenten zu bekämpfen und diese aus dem Verkehr zu ziehen. Insofern muss man sich in Abteilungen, in denen ein Narzisst tätig ist, darauf gefasst machen, dass mit unsauberen Methoden gearbeitet wird, die nur dazu dienen, das Selbstwertgefühl des Narzissten zu stärken, jedoch nicht das Betriebsklima und die Effektivität der Betriebsabläufe zu verbessern.

Was ist Mobbing?

Mobbing am Arbeitsplatz ist eine anhaltende feindselige Haltung gegenüber einem Mitarbeiter.  Angriffe und Schikanen werden gezielt und systematisch über einen längeren Zeitraum ausgeübt mit dem Ziel, die Würde des Mitarbeiters zu untergraben, ihn zu demütigen und auszugrenzen. Betroffene fühlen sich zunehmend außerstande, sich zur Wehr zu setzen und ihren Peinigern entschieden entgegenzutreten.

Mobbing am Arbeitsplatz beginnt schleichend

Einzelne diskreditierende Handlungen für sich betrachtet erscheinen zunächst harmlos oder passieren scheinbar versehentlich. Mobbing am Arbeitsplatz beginnt meist mit kleinen Gemeinheiten: Der Mitarbeiter wird nicht begrüßt, er bekommt den schlechtesten Arbeitsplatz im Büro oder den größten Arbeitsaufwand zugewiesen, Informationen werden vorenthalten oder Termine falsch weitergegeben. Da sich diese Ereignisse scheinbar aus dem normalen Betriebsablauf heraus ergeben, kann der Mitarbeiter zunächst keine Absicht hinter diesen Phänomenen erkennen und glaubt, es handele sich um ein Versehen oder einen dummen Zufall. Mit der Häufigkeit solcher Vorfälle stellt er sich jedoch mehr und mehr die Frage, warum es ausgerechnet immer ihn trifft und ob er etwas falsch macht.

Die ersten Mobbinghandlungen sind in ihrer Vorsätzlichkeit kaum zu beweisen. Es ist ein äußerst subtiles Verhalten, das keine Spuren hinterlässt. Sprechen Mitarbeiter in dieser Phase den unfairen und destruktiven Umgang an, müssen sie damit rechnen, dass sie als übersensibel bezeichnet werden oder ihnen unterstellt wird, an Wahnvorstellungen zu leiden, was ihre Außenseiterrolle nur weiter festigt und sie zur Zielscheibe weiterer Misshandlungen macht. Es kann sogar im Fall einer Unterstellung so weit kommen, dass der Aggressor jeden Affront und jede böse Absicht empört leugnet und den Spieß einfach umdreht: Das Opfer wird zum Provokateur gemacht, der mit seiner Anschuldigung den Frieden unter den Mitarbeitern stören will. Auf diese Weise wird das Mobbingopfer zum Schweigen gebracht und werden Beschwerden zukünftig verhindert.

Die Folgen für die Opfer

Halten die verdeckten Schikanen an und nehmen sie mit dem schwindenden Widerstand des Opfers sogar noch zu, dann reagieren betroffene Mitarbeiter mit einem wachsenden Gefühl von Stress verbunden mit körperlichen und seelischen Folgen:

  • Nervosität und Angespanntheit
  • regelmäßiges Unwohlsein
  • Kopfschmerzen
  • Magen- und Darmverstimmungen
  • Müdigkeit, Erschöpfung, Antriebslosigkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • Schulter-, Nacken-, Rückenschmerzen oder Verspannungen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Schlafstörungen
  • übermäßige Angst, Fehler zu machen oder unangenehm aufzufallen
  • Depressionen

In der Folge führt die geschwächte Verfassung zu Arbeitsfehlern, mangelnder Motivation, Reizbarkeit und häufigeren Ausfallzeiten, was den Aggressor erst recht dazu verleitet, den Mitarbeiter zu kritisieren, ihm Vorwürfe zu machen und ihn zu drangsalieren. Der Mitarbeiter wird systematisch zermürbt und kann seinen Arbeitspflichten nicht mehr in vollem Umfang nachkommen, was zu weiteren Konflikten und anhaltendem Mobbing am Arbeitsplatz führt.

Ursachen von Mobbing am Arbeitsplatz

Der Leidensweg von Mitarbeitern beginnt häufig damit, dass sie nichtsahnend eine berechtigte Kritik anbringen und dabei unglücklicherweise auf einen Narzissten stoßen, der jede Form von Kritik als einen persönlichen Angriff auf seine Person versteht. Sofort hat sich der Mitarbeiter einen Feind gemacht, unabhängig davon, ob es sich nun um seinen Vorgesetzten oder einen Kollegen handelt. Wer es wagt, einen Narzissten – womöglich noch in der Öffentlichkeit – bloßzustellen, der muss sich auf entsprechende Rachefeldzüge einstellen, die so lange andauern können, bis das Ansehen des Mitarbeiters vollständig zerstört ist. Weitere Ursachen von Mobbing am Arbeitsplatz können sein:

  • mangelnde Kommunikation
  • fehlende oder mangelnde Führungskompetenz
  • Über- oder Unterforderung von Mitarbeitern – im Fall der Unterforderung kann Mobbing zu einer Ersatzbefriedigung werden
  • Machtmissbrauch: Mitarbeiter werden aus reiner Freude am Drangsalieren schikaniert
  • Konkurrenzkampf
  • Neid
  • Antipathie
  • Rassismus
  • gutes Verhältnis zu den Vorgesetzten, was Neid bei den Kollegen auslösen kann

Das Waffenarsenal eines Narzissten, mit dem er seine Opfer unentwegt demütigen und dessen Würde verletzten kann, ist breit gefächert und oft sind seine feindseligen Machenschaften so subtil, dass man sie kaum nachweisen kann. Erst wenn die Misshandlungen zu offensichtlich werden und jeglicher Respekt verlorengegangen ist, weil sich das Opfer nicht angemessen wehren kann und nur noch leidet, fällt die Diskriminierung auf. Verhaltensweisen von Mobbern am Arbeitsplatz sind:

  • gehäuftes Anschreien und Beschimpfen von Kollegen und Mitarbeitern
  • permanente Drohungen und Beleidigungen
  • offensichtliches Ignorieren (der Name des Mobbingopfers wird bei Bekanntmachungen nicht erwähnt)
  • ständiges Kritisieren der Arbeit
  • Doppeldeutigkeiten, Anspielungen, ironische oder sarkastische Bemerkungen
  • ununterbrochene und übertriebene Kontrolle der Arbeitsergebnisse
  • Einsatz von Gerüchten und falschen Informationen, um so gegen einen Mitarbeiter zu intrigieren
  • Aussprechen von Verdächtigungen
  • Fälschung von Unterlagen
  • öffentliche Beleidigungen und Kritik vor versammelter Mannschaft
  • Lächerlichmachen des Mitarbeiters, abfällige Bemerkungen über seine Person
  • Lenken im Hintergrund, aber kein öffentliches Agieren (Intrigen)
  • Verweigerung des Kontaktes, demonstratives Meiden oder Ignorieren der Person
  • Zuweisung von Aufgaben, die den Mitarbeiter entweder über- oder unterfordern
  • Ausgrenzung und Isolation
  • Demontierung der fachlichen Kompentenz und des beruflichen Ansehens
  • Zuteilung von unliebsamen Aufgaben, Einsatzorten oder Arbeitszeiten
  • Sabotage von Arbeitsergebnissen
  • Verleumdung bis hin zum Rufmord

Auch Vorgesetzte können Opfer von einem ihrer unterstellten Mitarbeiter werden. Wenn es dem Vorgesetzten an Entscheidungsfreude, Durchsetzungskraft und energischem Auftreten mangelt, kann ein Narzisst diese Schwäche zu seinem eigenen Vorteil ausnutzen, indem er passiv-aggressiv gegen seinen Chef vorgeht: Der Vorgesetzte wird falsch informiert, Anweisungen werden unterlaufen, Aufträge unkorrekt oder unvollständig ausgeführt und Termine nicht eingehalten. Vordergründig zeigt der Narzisst ein freundliches, kooperatives Verhalten, so dass er auf Rückfrage leicht den Unschuldigen spielen und die Verantwortung für die Mängel auf andere Kollegen abwälzen kann. Lässt sich der Vorgesetzte auf die Täuschung ein und zeigt er sich großzügig und verzeihlich, werden ihm genau diese Eigenschaften zum Verhängnis.

Was können Unternehmen tun?

Mobbing am Arbeitsplatz geht immer von Personen aus, die aus niedrigen Gefühlen heraus andere Menschen quälen wollen und sich dafür Opfer suchen oder aufgrund einer Kränkung Rachegefühle und -absichten entwickeln und beharrlich verfolgen. Narzissten brauchen das Gefühl, Macht über andere Menschen zu haben und ihnen überlegen zu sein, um sich selbst wertvoll fühlen zu können. Sobald das grandiose Selbstbild des Narzissten angegriffen wird und er sich verletzt fühlt, schlägt er zu – oft verdeckt und unerwartet. Meist ist es sogar purer Neid auf die Fähigkeiten oder Vorteile eines anderen, der den Narzissten dazu anstiftet, seine Kollegen fortwährend zu erniedrigen.

Daher ist es das Beste, wenn Vorgesetzte offen kommunizieren, präsent sind und ihre Mitarbeiter in Entscheidungen einbeziehen sowie einen vertrauensvollen und partnerschaftlichen Umgang pflegen. Dann können Mobbingprobleme bereits sehr frühzeitig aufgedeckt werden. Problematisch wird es nur dann, wenn der Chef selbst das Mobbing am Arbeitsplatz ausübt oder sich daran beteiligt. Auch wenn er nur wegsieht, weil er Konflikten aus dem Weg gehen will, beteiligt er sich schon am Mobbing, weil er es als Vorgesetzter duldet und seiner Fürsorgepflicht nicht nachkommt.

Was können die Opfer tun?

Der Mitarbeiter muss im Unternehmen nach Unterstützung suchen und sich jemandem anvertrauen, der ihm zuhört und sein Anliegen ernst nimmt. Oft werden solche Beschwerden bagatellisiert oder der Mitarbeiter wird vertröstet, es wird aber nicht mit der notwendigen Ernsthaftigkeit gegen den Mobber vorgegangen. Aufgrund von zeitlichen Engpässen, anderen betrieblichen Prioritäten oder des Fehlens einer klaren Zuständigkeit verläuft die Angelegenheit dann oft im Sande. Es kann jedoch auch sein, dass der Mobber eine wichtige Funktion im Betrieb einnimmt und man ihn deswegen schützt.

Der Mitarbeiter sollte sich von Instanz zu Instanz vorarbeiten. Zuerst muss er sich an den Vorgesetzten wenden. Findet er hier kein Gehör, sollte er den Personalchef kontaktieren, danach den Betriebsarzt, Vertrauensmänner, den Betriebsrat oder direkt den Vorstand. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz verstößt der Arbeitgeber gegen seine Fürsorgepflicht und die Persönlichkeitsrechte des Arbeitnehmers, wenn er sich nicht einer Beschwerde über Mobbing am Arbeitsplatz annimmt. Es ist sicherlich eine langwierige Prozedur, die unter Umständen sehr zermürbend sein kann und am Ende doch nur die Kündigung und Suche nach einem neuen Arbeitgeber zur Folge hat.

Wenn es sich bei dem Mobber tatsächlich um einen Narzissten handelt, dürfte die Misshandlung eines Mitarbeiters oder Kollegen kein Einzelfall sein. Dann sollte man sich einmal intensiver mit der Vergangenheit des Narzissten befassen und der Frage, ob es früher schon ähnliche Beschwerden in der Belegschaft gab. Hierzu können andere Mitarbeiter, Kollegen, Vorgesetzte oder eventuell frühere Arbeitgeber befragt werden. Auf diese Weise könnte sich der Verdacht bestätigen, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt und die Situation nicht der Schuld oder dem Unvermögen des Mitarbeiters, sondern der destruktiven Wesensart eines Narzissten geschuldet ist.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter https://www.arbeitsschutzgesetz.org/


Veröffentlicht in Beruf und Führung
Ein Kommentar zu “Mobbing am Arbeitsplatz
  1. Barbara sagt:

    Es reicht leider rechtlich nicht, zu einer Abmahnung und zu sonstigen Konsequenzen, wenn ein gleich gestellter Kollege mobbt. Nach Aussage meines Rechtsanwaltes muss ein Vorgesetzter den Mitarbeiter diffamieren, oder gegenüber den anderen Kollegen schlecht machen, damit das als Mobbing im strafbaren Sinne gilt. Gleichgestellten Kollegen ist man demnach völlig ausgeliefert.

Schreibe einen Kommentar zu Barbara Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*