Narzisstische Kinder

Narzisstische Kinder verhalten sich angeberisch, egoistisch und vorlaut. Dahinter steckt meistens ein Mangel an Aufmerksamkeit und Liebe oder ein Übermaß an Verwöhnung durch die Eltern. Doch manchmal ist das narzisstische Verhalten des Kindes auch nur das Symptom einer anderen psychischen Störung. Daher sollte man vorsichtig sein, zu frühzeitig bei Kindern von krankhaftem Narzissmus zu sprechen.

Narzisstische Kinder

Bild: © Aaron Amat– 123rf.com

Da eine Persönlichkeitsstörung in der Kindheit oder Adoleszenz zwar beginnt, sich aber erst im Erwachsenenalter herausbildet und manifestiert, spricht man bei Kindern mit auffälligem Verhalten nicht gleich von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Es wäre klinisch falsch, bei Kindern eine Persönlichkeitsstörung zu diagnostizieren, auch wenn sie eine Akzentuierung aufweisen und durchaus eindeutig narzisstische Tendenzen zeigen mögen.

Kinder können sich sehr selbstbezogen, egoistisch, rücksichtslos, arrogant, eingebildet, ungeniert, herablassend, achtlos und gefühllos ihrer Umwelt gegenüber verhalten. Sie können zu unangepasstem und impulsivem Verhalten, zur regelmäßigen Verletzung von sozialen Regeln und Normen sowie zu aggressivem bis hin zu dissozialem Gebaren neigen. Alle Eigenschaften, die man beim krankhaften Narzissmus beobachten kann, können sich auch bei Kindern zeigen. Da aber noch nicht klar ist, wie dieses Verhalten einzuordnen ist und wie es sich im Laufe der Entwicklung des Kindes weiter ausbildet, vermeidet man es, von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung oder von krankhaftem Narzissmus zu sprechen.

Stattdessen spricht man von Verhaltens- oder emotionalen Störungen in der Kindheit und Jugend wie z. B. hyperkinetischen Störungen (ADHS), Störungen des Sozialverhaltens (aufsässiges und dissoziales Verhalten), emotionalen Störungen (z. B. Ängstlichkeit, phobische Störung, Identitätsstörung), Störungen sozialer Funktionen (z. B. Bindungsstörung) oder Entwicklungsstörungen (insbesondere Autismus). Von der Norm abweichendes Verhalten und auffällige Symptome müssen zunächst beobachtet und beschrieben werden, bis man sie eindeutig zuordnen kann. Auf der anderen Seite gehen viele psychische Störungen bei Kindern zweifelsfrei mit narzisstischen Tendenzen einher, ohne dass man hierbei von krankhaftem Narzissmus sprechen kann – es handelt sich dabei eher um eine Randerscheinung oder ein Symptom eines anderen klinischen Krankheitsbildes.

Narzisstische Phasen in der Kindheit

Jedes Kind durchläuft in seiner Kindheit narzisstische Phasen, die für eine gesunde psychische Entwicklung wichtig sind. So gibt es die frühnarzisstische Phase (im Alter von ca. 0 bis 1,5 Jahren), in der sich das Kind noch nicht als eigenständig erlebt, sondern mit der Mutter eine Dyade bildet. Es kann seine Mutter noch nicht als ein selbständiges, von ihm getrenntes Wesen erkennen und sieht sie nur als Quelle der Befriedigung der eigenen Bedürfnisse. Das Kind kann noch nicht realisieren, dass andere Menschen auch Bedürfnisse haben und sich nicht ständig alles um die eigene Person drehen kann. Dieses narzisstische Verhalten ist aber nicht krankhaft, sondern dient der Selbsterhaltung.

Im Alter von ca. 3 bis 6 Jahren kommt das Kind erneut in eine narzisstische Phase. In diesem Stadium versucht das Kind, seine sozialen Bedürfnisse zu befriedigen und ein soziales Verhalten zu erlernen. Es nimmt die beiden Geschlechter wahr und beginnt, sich mit den Unterschieden zwischen Mann und Frau zu beschäftigen. Diese Phase ist durch Rivalität und Neid gekennzeichnet und dient der Identitätsfindung. Hierzu bedarf es der Energie des Narzissmus, um zu lernen, sich von anderen Menschen abzugrenzen und Andersartigkeit zuzulassen.

Diese narzisstischen Phasen sind für jedes Kind sehr wichtig und Eltern sollten das Kind daher nicht in seiner Entwicklung stören, sondern es unterstützen. Narzisstische Tendenzen sind nicht immer gleich bedenklich. Auch in der Jugendzeit versucht das Kind, sich mehr und mehr von den Eltern abzunabeln und seine eigene Identität zu finden sowie Selbstvertrauen zu entwickeln und seine Persönlichkeit zu entfalten. Daher kann es sich aufsässig und störrisch verhalten, weil es autonom werden will. Auch hier ist die Energie des Narzissmus bis zu einem gewissen Grad erforderlich, um zu einer reifen Persönlichkeit heranzuwachsen.

Gründe für eine narzisstische Störung des Kindes

Entwickelt das Kind auffallend narzisstische Züge, die sich im Laufe der Zeit immer mehr herausbilden, kann dahinter eine genetische Veranlagung oder eine dysfunktionale Eltern-Kind-Beziehung stecken. Das Kind erfährt in letzterem Fall keine angemessene Behandlung durch seine engsten Bezugspersonen und muss defizitäre Erfahrungen machen: Es erfährt zu wenig Sicherheit und Geborgenheit, es wird nicht seiner Veranlagung entsprechend gefördert und gefordert, es lernt entweder keine Grenzen und Regeln kennen oder muss sich zu strengen Regeln unterwerfen, es erfährt keine Wertschätzung seiner Person und seiner ureigensten Eigenschaften und Fähigkeiten und kann daher aufgrund des mangelnden Interesses seiner Bezugspersonen kein gesundes Selbstvertrauen entwickeln.

Das Gefühl, nicht hinreichend beachtet und anerkannt zu werden und offenbar minderwertig zu sein, löst eine tiefe Kränkung aus, die das Kind später mit einer übertriebenen Selbstdarstellung zu kompensieren versucht.  Auch wenn der Alltag des Kindes durch die Eltern sorgsam geregelt wird und es dem Kind scheinbar an nichts fehlt, kann es dennoch einen emotionalen Mangel erfahren. Die Eltern haben dann möglicherweise zu viel mit sich selbst zu tun und sind ständig mit den eigenen Ängsten und Sorgen beschäftigt, die verhindern, sich wirklich auf das Kind einzulassen und eine enge Beziehung zu ihm aufzubauen.

Narzisstische Kinder werden nicht mit einer Störung geboren. Vielmehr sind emotionale Belastungen in ihrer kindlichen Entwicklung maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich narzisstische Tendenzen ausbilden und das Kind somit ständig Konflikte mit seiner Umwelt provoziert. Folgendes Verhalten narzisstischer Kinder kann in Erscheinung treten:

  • Narzisstische Kinder fordern extrem viel Aufmerksamkeit und wollen immer im Mittelpunkt stehen.
  • Alles dreht sich für sie nur darum, Lob und Anerkennung zu bekommen.
  • Sie werden schnell unzufrieden, wenn sie nicht beachtet werden oder neidisch, wenn andere im Mittelpunkt stehen.
  • Sie neigen zu Konkurrenzdenken und wollen immer besser sein als andere.
  • Es geht ihnen immer nur um die eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Interessen. Sie nehmen keine Rücksicht auf andere und gehen über Befindlichkeiten anderer hinweg.
  • Sie drängeln sich vor, bevormunden oder benachteiligen andere, nehmen sich Sonderrechte heraus und ignorieren Regeln und Anweisungen.
  • Sie versuchen, andere für ihre Dienste einzuspannen, und wirken manipulativ auf andere ein.
  • Sie reden schlecht über andere, wenn diese etwas besser können als sie oder wenn sie von ihnen kritisiert oder abgelehnt werden.
  • Sie spielen gleichaltrige Freunde, aber auch die eigenen Eltern gegeneinander aus.
  • Sie sind eigensinnig, sprunghaft, launisch und unzuverlässig.

Diese Eigenschaften narzisstischer Kinder müssen aber nicht auf die Entwicklung einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung hindeuten. Es können auch andere Störungen dahinterstecken, deren Symptome ähnlich sind. Daher kann ein auffallend narzisstisches Verhalten bei Kindern durchaus beunruhigen, es muss aber genau beobachtet und festgestellt werden, was die Ursache dafür ist und welches Störungsbild sich dahinter verbirgt. Nicht jede Verhaltensauffälligkeit muss ihren Ursprung in einem krankhaften Narzissmus haben.

Narzisstische Kinder: Wie lässt sich eine narzisstische Störung vermeiden?

Eltern fragen sich, wie sie es verhindern können, dass ihr Kind einen krankhaften Narzissmus entwickelt und sich destruktive Eigenschaften aneignet. Wie können sie günstig auf ihr Kind einwirken und es unterstützen, damit es nicht zu einem Narzissten heranwächst? Folgende Maßnahmen können dabei helfen, dass das Kind kein überzogenes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Bewunderung entwickelt und aus diesem Grund zwischenmenschliche Beziehungen missbraucht:

  • Dem Kind Sicherheit und Geborgenheit schenken und so gegenseitiges Vertrauen aufbauen.
  • Das Kind so annehmen, wie es ist, und ihm stets das Gefühl geben, in Ordnung zu sein, auch wenn es situativ nicht immer alles richtig macht. Sein unangemessenes Verhalten sollte ihm dann verständnisvoll erklärt werden.
  • Dem Kind durch das eigene maßvolle und respektvolle Verhalten ein Vorbild sein.
  • Das Kind in seiner ureigensten Veranlagung unterstützen und fördern.
  • Dem Kind angemessene Wertschätzung entgegenbringen und es gleichwertig, aber altersgerecht behandeln.
  • Dem Kind Grenzen aufzeigen und Regeln beibringen, dabei aber nie die Würde des Kindes verletzen.
  • Das Kind öfter zu einem Perspektivwechsel anregen und es ermutigen, die Dinge auch mal von einer anderen Seite zu betrachten, um so der Gefahr einer zu starken Selbstbezogenheit und der Entwicklung von Vorurteilen entgegenzuwirken.
  • Das Einfühlungsvermögen des Kindes trainieren, indem man es häufiger dazu anhält, sich in die Haut eines anderen zu versetzen, indem man fragt: „Wie würdest du dich in einer solchen Situation fühlen?“ – „Was meinst du, warum hat er so gehandelt oder geantwortet?“ – „Was würdest du an seiner Stelle tun?“
  • Die Empathie des Kindes trainieren, indem es öfter dazu ermuntert wird, sich mit allem Kleinem, Feinem und Zartem zu beschäftigen (z. B. durch die Pflege einer Katze, das Pflanzen von kleinen Blumen, das Basteln mit weichen Materialien, bei dem Fingergeschicklichkeit notwendig ist). Zur Entwicklung von Empathie braucht es Feingefühl und das kann in frühen Jahren durch den Umgang mit allem Kleinen und Feinen unterstützt werden.

Bemerken Eltern zu spät, dass sich bei ihrem Kind starke narzisstische Züge entwickelt haben, und werden sie mit diesem Verhalten auch noch konfrontiert, wenn das Kind bereits erwachsen ist, können sie nichts mehr daran ändern und nur noch den Umgang mit ihrem Kind verändern und anpassen. Narzisstische Kinder brauchen im Erwachsenenalter therapeutische Hilfe, um ihre Störung zu erkennen und ihre soziale Kompetenz zu verbessern. Eltern werden dann nichts mehr rückgängig machen können – egal, wie sehr sie auf ihr Kind einzureden versuchen.

Es ist dann auch wenig hilfreich, wenn sich Eltern fortlaufend den Vorwurf machen, bei der Erziehung ihres Kindes versagt zu haben, und sich schuldig fühlen. Dies verhindert, dass sie sich von ihrem narzisstischen Kind abgrenzen, und sie sind stattdessen bereit, das selbstherrliche Verhalten über sich ergehen zu lassen. Sie können ihr Kind nicht mehr verändern, sie können ihm aber durch ihre Abgrenzung sein unangemessenes Verhalten spiegeln.

Die Eltern mögen einen Anteil an der Störung des Kindes haben, aber ohne die professionelle Einschätzung eines Fachmanns werden sie nie erfahren, welcher ihr Anteil gewesen sein könnte. Und sich pauschal schuldig zu fühlen führt nur dazu, dass sich Eltern defensiv gegenüber ihrem Kind verhalten und somit den Narzissmus ihres Kindes fördern. Eltern müssen akzeptieren, dass sich das Kind entsprechend entwickelt hat, und sich von seinem inadäquaten Verhalten distanzieren, ohne es deswegen völlig zu ignorieren oder abzuwerten.


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Veröffentlicht in Blog, Familie und Erziehung
16 Kommentare zu “Narzisstische Kinder
  1. Volker Rachow sagt:

    Bei mir verstärkt sich immer mehr die Sorge, dass sich meine bei ihrer narzisstischen Mutter lebenden Kinder zu genau solchen narzisstischen Menschen entwickeln.

    Im Nachhinein haben mich meine Erfahrungen mit der Ursprungsfamilie der Mutter meiner Kinder gelehrt, dass narzisstische Eltern immer narzisstische Kinder hervorbringen.

    Da meine Kinder selten bei mir sind, bin ich kaum in der Lage, ihnen den anerzogenen Narzissmus wieder abzuerziehen. Trotzdem versuche ich es immer wieder bis an die Grenze meiner psychischen und physischen Leistungsfähigkeit. Merke dabei aber, wie ich scheitere und nicht mehr gegen die deutlich längere Einwirkdauer der Mutter auf unsere Kinder ankomme.
    Kann schwer einschätzen, wie ich das noch durchhalte.

    • Anka sagt:

      Nun ja Volker,
      die Einstellung und das damit verbundene und vermittelte Verhalten von Eltern und anderen engen Bezugspersonen, hat schon einen wesentlichen Einfluss…

      Gerade überzogener Narzissmus verführt bekanntlich ja oft zu (kindlicher) „Bewunderung“ und Nachahmung .

      Es ist kräftezehrend, sich in einen „Kampf“ GEGEN „ETWAS“ zu stellen. Zu leicht verliert man sich selbst und die eigene Position-ierung dabei aus den Augen.

      Von „Erziehung“ kann (und sollte wohl auch) in dem angesprochenen, zeitlich eng begrenzten Rahmen, nicht wirklich gesprochen werden.

      Für dich ist doch in der Situation eher wichtig, einen Weg zu respektvollen Umgang
      mit-ein-ander zu finden.
      Dir müssen deine eigenen Grenzen klar und bewußt sein.
      Ich denke, das ist deine einzige Möglichkeit, mit entsprechendem Verhalten Ein-fluss zu nehmen.
      Nach meiner Ansicht ist es das einzig „mach-bare“ für dich.

      Das wird dir „helfen“ und zumindest auch ein wenig subtil den Kindern…
      Wenn du damit vielleicht (noch) Schwierigkeiten hast, wende dich doch damit bitte einmal Van eine Beratungsstelle.

      Vor vielen Jahren gab es zumindest bei der AWO entsprechende kostenfreie Angebote.

      Ich wünsche dir alles Gute !

  2. lilli sagt:

    Hallo,
    aus meiner Sicht ist der Schlüssel
    die Verschiedenheit der Menschen bzw. Kinder.
    Wenn die Ansprüche an ein Kind zu groß sind,
    noch dazu von einem narzisstischen Elternteil, der sich in Wirklichkeit selbst nicht gut einschätzen kann,
    dann können Fehlverhalten entstehen.
    Ich vertraue auf den Strom des Guten,
    dass die Kinder guten Leuten bzw. anderen Kindern begegnen, die authentisch sind und gesundes Sozialverhalten haben,
    das sie erlebenbund einsehen können,
    das ihnen in den Sinn kommt, wenn es nötig wird. Und dass sie Hilfe finden, wenn sie welche suchen.

  3. Mr. X sagt:

    Eine Anmerkung zu den 10 Maßnahmen, wie man möglicherweise Narzissmus verhindern kann: Ich glaube, dass es heute sehr wichtig ist, den Kindern Grenzen zu setzen und ihnen nicht alles sofort zu geben, was sie wollen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der man alles sofort und möglichst unverbindlich haben will. Man sieht etwas auf Amazon, bestellt es und am nächtsten Tag ist es da. Doch Kindern müssen lernen Bedürfnisse und Wünsche aufzuschieben. Wer gelernt hat zu warten, wird leichter durch´s Leben gehen. Denn man bekommt im Leben nicht alles sofort. Für manche Dinge muss man hart arbeiten. Ebenso braucht ein Kind sichere Grenzen. Es muss wissen: Das darf ich und das andere darf ich nicht! Wenn ich etwas Gutes tue, werde ich gelobt, bzw. belohnt, wenn ich etwas Schlechtes tue, werde ich ermahnt oder (angemessen!) bestraft. So bildet sich das Gewissen. Ein guter Vater ist hierbei gefragt. Denn der Vater fungiert als moralische Instanz. Die Bibel drückt es so aus:

    Spr 29,17: Züchtige deinen Sohn, so wird er dir Erquickung verschaffen und deiner Seele Wonne bereiten.

    Wenn die Bibel von Züchtigung spricht, meint sie nicht immer körperliche, brutale Schläge, wie manche fälschlicherweise behaupten. Die Züchtigung in der Bibel meint das ganze Spektrum der Erziehung. Von Wissensvermittlung, über tägliches Training, aber doch auch bis hin zur Strafe, wenn es nicht anders möglich ist. Aber es heißt bei falscher Erziehung auch:

    Eph 6,4: Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn.

    Ich glaube, das größte Problem für die Entstehung von Narzissmus ist es, dass keine allgemein gültigen Grenzen mehr vorhanden sind. Jeder will sich heute alles sofort und ohne Verantwortung nehmen ohne Rücksicht auf Verluste.

  4. Sonne sagt:

    Ich habe da mal eine Frage, ich war mehrere Jahre mit einem narzisstischem Partner zusammen. Wir haben nie zusammen gewohnt. Mein Part hat sich als er sich von seiner Frau getrennt hat, wahnsinnig um sein „verlassenes“ Kind gekümmert. Alles hat er getan, immer stand er zur Verfügung. Selbst in den wenigen Momenten der Zweisamkeit hat er alles für sein Kind stehen und liegen lassen. Er hat stundenlang mit ihm telefoniert. Es gab dazu keinen „Anlass“. Das Kind hatte nur Langeweile und wollte sich unterhalten. Mittlerweile lebt das Kind bei ihm. Die Mutter hat kaum noch Kontakt. Das Kind hat keinerlei Freunde oder Hobbys. Ist mittlerweile 16 Jahre alt und lässt sich zu jeder Gelegenheit herumkutschieren. Grenzen gibt es nicht. Auch meine persönlichen Grenzen wurden mehrfach überschritten. Ich musste mich zum Teil im Bad und Schlafzimmer einsperren. Das ich mir Beschimpfungen anhören musste, war noch das geringste. Der Vater ist nie eingeschritten. Auch auf Aufforderung erhielt ich die Antwort, dass es eine Sache zwischen „uns“ wäre. Mittlerweile sind wir getrennt und mir ist klar geworden dass mein Partner eine NPS hat. Da ich mir immer noch irgendwie Gedanken im das Kind mache (ich bin selber Mutter) würde ich gerne wissen, ob jemand eine Ahnung hat, wie man dem Kind helfen kann?
    Da es auch in der Schule auffällig war, ist bereits seit mehreren Jahren eine erziehungsunterstützung da. Allerdings wird hier nur „gespielt“ und ich frage mich ob es wirklich das richtige ist.
    Vielen Dank für eure Hilfe

    • Mariadirohan sagt:

      Dieser hier geschildert Vater hat sicherlich keine NPS, denn dann würde er sich nicht so intensiv um sein Kind kümmern, er ist offensichtlich einfach nur erziehungsunfähig. Und wer soll da von außen helfen, der nicht einmal zur Familie gehört? Das könnte nur eine professionelle Hilfe sein, und die muss von den Betroffenen selbst angefordert werden. Sei froh, dass du da raus bist und halte dich fern.

      • Barbara sagt:

        Gerade Menschen mit einer NPS bemühen sich um die Kinder, weil es meist die einzigen Menschen sind die ihnen Bewunderung schenken und von ihnen abhängig sind

    • lilli sagt:

      Hallo,
      die ‚Erziehungsunterstützung, in der nur gespielt wird‘,
      ist das eine Beratungsstelle, das Jugendamt oder die Schulpsychologie/-sozialpädagogik ?,
      das ist schon mal besser als gar keine Unterstützung.
      Als Exfreundin des Vaters kannst Du nicht viel für diesen Jugendlichen tun.
      Wie oft er seine Mutter sieht, können nur die beiden selbst beeinflussen.

    • Anka sagt:

      Sonne, ich verstehe ehrlich gesagt nicht ganz, wieso du dir ausgerechnet um DIESES KIND GEDANKEN MACHST …

      Ein wenig mehr „gesunder Narzissmus“ in Bezug auf dich selbst, wäre da eher notwendig, nach meiner Ansicht.
      Du hattest ja mehrere Jahre diesen Mann als „Partner“ betrachtet…

      So wie ich deine Beschreibung verstehe, hat er sich dir gegenüber aber von Anfang an keineswegs in seinem Verhalten dazu tatsächlich „positioniert“.

      Da scheint mir doch eher ein wesentlicher Schritt zu sein, dir Gedanken über „das Kind in dir“ zu machen.
      Dem solltest du deine volle Aufmerksamkeit und Zuwendung schenken.

      Es liegt da ja wahrscheinlich vielleicht eine Art „Muster“ vor,
      wenn du eine derartig beschriebene „Zurücksetzung“ deiner Person er-duldet hast.

      Es gibt die irgendwie schon zutreffende „Zuweisung“ von Verantwortlichkeit für „Sachverhalte“ :
      DEINE, MEINE und „GOTTES“ …
      Halte dich besser fern von Sachen, die dich nicht wirklich etwas angehen oder betreffen.
      Fühlst du dich da aber „irgendwie an- oder hingezogen“, so gibt es da wohl tatsächlich ein unerkanntes und unbewältigtes „Thema“, dich selbst betreffend, in dir.

      Alles Gute für dich 👍🙋

  5. Asta sagt:

    Ich wünsche mir, Kinder, die ja eher reagieren und sich an das Verhalten ihrer erwachsenen Bezugspersonen anpassen – Jesper Juul würde sagen: sie kooperieren – nicht mit Labels psychischer Erkrankungen zu versehen. Viele Verhaltensweisen, die Kinder zeigen, weisen auf noch nicht ausreichend entwickelte Selbatsteuerungskompetenzen hin. Das ist normal, die Fähigkeiten dafür sind erst mit Anfang zwanzig ausgebildet. Auch wird z.B. oft ein Verhalten, das für Hochbegabte normal ist, als narzisstisch fehlgedeutet. Man sollte sehr genau hinsehen! Daher der Hinweis auf ein Fachbuch für Berater:innen: James T. Webb – Doppeldiagnosen und Fehldiagnosen bei Hochbegabung. Es ist auch für Laien gut lesbar und liefert erste Anhaltspunkte, die dann mit Expert:innen besprochen werden können.

  6. Yvonne sagt:

    Was mich bei dieser ganzen Narzissmus Debatte immer wieder stört, ist die Fokussierung auf die Eltern und die Ausklammerung des gesamten übrigen Umfeldes, wie Peergroup, Freunde, Lehrer, Medien, Zeitgeist und anderes. Diese Faktoren sind besonders in der Pubertät ebenso prägend für das Verhalten des Kindes oder Jugendlichen. Immer alles auf das Verhalten der Eltern, vor allem der Mutter zurück zu führen, greift meiner Ansicht nach einfach zu kurz. Wir leben momentan in einer Zeit, wo InfluenzerInnen und soziale Medien einen sehr grossen Einfluss auf Jugendliche ausüben. Und dort ist Narzissmus nicht nur weit verbreitet, sondern Standard. Es scheint mir, als sei Narzissmus das neue Normal, in das Jugendliche einfach hinein wachsen und es nachahmen und kopieren. Ich habe Eltern erlebt, die zusammen mit ihren jugendlichen Kindern plötzlich selbst narzisstische Züge entwickelt haben, die vorher nicht da waren. Früher nannte man das dann Midlifecrisis. Alles etwas sonderbar.

    • Asta sagt:

      Dieselben Beobachtungen mache ich auch und komme zu ähnlichen Einschätzungen. Unsere Gesellschaft ist auf Karriere und Egoismus ausgerichtet – Rücksichtslosigkeit und Verachtung Schwächerer sind weit verbreitet und als durchsetzungsstark akzeptiert.

      • Mariadirohan sagt:

        Auch ich muss nach einem langen gelebten Leben die von Asta und Yvonne geäußerten Meinungen voll bestätigen. Es sind fast mehr die Medien und die Umwelteinflüsse, die Jugendliche heute beeinflussen, als das Elternhaus. Wir haben noch nie eine so empathielose und aggressive Gesellschaft gehabt wie heute, was zu meinem Erstaunen auch von jungen Menschen nicht als die typisch schrullige Meinung eines alten Menschen abgetan, sondern voll bestätigt wird, denn die von unserer Jugend ab einem gewissen Alter, das im Laufe der Jahre immer jünger wurde, als Leitbilder ausgewählten Vorbilder sind leider nicht mehr die Eltern, sondern die sogenannten Promis aller Sparten, die meistenteils nicht als Vorbilder geeignet sind. Und dagegen sind wir leider fast machtlos. Es hilft auch meiner Meinung nach nur das Vorleben durch uns, die Eltern, auch Großeltern und andere Bezugspersonen in der Familie und im Freundeskreis, das Jugendliche wieder umkehren lässt, wenn die schwierige Phase der Selbstfindung durchlaufen ist. Und in dieser Phase können wir helfen mit unserer Lebenserfahrung, indem wir keine Vorwürfe machen, nicht bestrafen, sondern vorleben und die Beherrschung behalten.

    • Anka sagt:

      Ja,es ist durchaus so, wie du schreibst, Ivonne.

      Allerdings sehe ich durchaus die ersten und engsten Bezugspersonen als wesentliche „Weichensteller“ im Leben.

      Selbstverständlich nimmt das gesamte „System“ Einfluss.
      „Niemand ist eine Insel“, heißt es ja so zutreffend.

      Umso wichtiger ist es aus meiner Sicht, daß „der eigene Stall“ achtsam unter einer gewissen „Kontrolle“ ist.
      Jeder kehre vor der eigenen Tür, am besten wohl vorher das eigene Zuhause … 😉🙋

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