Weihnachten mit einem Narzissten

Alle Jahre wieder steht das Weihnachtsfest vor der Tür. Weihnachtliche Vorfreude breitet sich aus, der Duft von Zimt, Bratäpfeln und Lebkuchen zieht durch die Straßen, Schneeflocken rieseln vom Himmel und strahlende Lichter schmücken die Häuser. Wer freut sich da nicht auf ein schönes Fest im Kreise seiner Liebsten und auf gemütliche Stunden mit einem guten Festessen, stimmungsvollen Klängen und reichlich Geschenken? – Doch wie kann ein Weihnachtsfest verlaufen, wenn ein Narzisst dabei ist?

Bild: © cherezoff – Fotolia.com

Das Weihnachtsfest zu feiern ist für viele der Höhepunkt des Jahres. Alle wünschen sich, dass Weihnachten das Fest der Liebe und Harmonie wird. Mit Weihnachten verbindet man Freude, Sinnlichkeit, Geborgenheit und gemütliches Beisammensein im Kreise seiner Liebsten. Doch gerade weil die Erwartungen besonders hoch sind und die Festtage unbedingt schön werden sollen, sind Enttäuschung und Ärger unter dem erleuchtenden Tannenbaum häufig die Folge.

Das gekaufte Geschenk war nicht passend, die Verwandten nerven mit dummen Bemerkungen, der Weihnachtsbraten misslingt, die CD mit den Weihnachtsliedern wird nicht gefunden und die Kinder sind völlig überdreht. Dabei liegen die eigenen Nerven aufgrund der stressigen Vorweihnachtszeit und der vielen Vorbereitungen seit Tagen ohnehin schon blank und man wünscht sich nichts sehnlicher als Ruhe und Entspannung. Dann kann bereits der kleinste Auslöser dafür sorgen, dass sich die innere Gereiztheit entlädt und sich ein Streit entwickelt, noch bevor das Fest überhaupt begonnen hat.

Aber wie verläuft das Weihnachtsfest, wenn man bei alledem noch einen anstrengenden Narzissten in der Familie hat? Oft haben Narzissten eine sehr klare Vorstellung davon, wie das Weihnachtsfest ablaufen soll, und sie dulden keine Einwände. Sie wollen den Tannenbaum auswählen und bestimmen, wo er zu stehen hat und wie er zu schmücken ist. Sie wollen über den gesamten Ablauf des Weihnachtsfestes allein entscheiden: Was wird gekocht, wann wird gegessen, wann gibt es Geschenke, in welcher Reihenfolge werden sie übergeben und wie lange dürfen die Kinder aufbleiben? Alles muss sich so abspielen, wie es der Narzisst wünscht. Dieser übernimmt oft die Traditionen seiner Eltern oder Großeltern oder entwickelt eigene Rituale, nach denen sich jedes Jahr die ganze Familie richten muss.

Der Narzisst erwartet die perfekte Umsetzung der von ihm geplanten Weihnachtszeremonie und wird daher bei jeder noch so kleinen Diskrepanz seinen Unmut an allen anderen auslassen. Dieser erhöhte Erwartungsdruck sorgt bei allen Beteiligten dafür, dass erst gar keine entspannte und besinnliche Weihnachtsstimmung aufkommen kann. Auf der anderen Seite kann es aber auch sein, dass sich der Narzisst überhaupt nicht um die Vorbereitung und den Ablauf des Weihnachtsfestes kümmert und keinerlei Wünsche einbringt, sich hinterher jedoch über alles und jeden beschwert und damit die Stimmung herunterzieht. 

Worauf sollten Sie achten, um eine positive Atmosphäre während des Weihnachtsfests aufrechtzuerhalten, den Narzissten nicht zu verärgern und selbst ein paar schöne Stunden zu verbringen?

Binden Sie den Narzissten mit ein

Der Narzisst will immer gefragt werden und mitbestimmen. Dies trifft leider auch auf den Ablauf des Weihnachtsfestes zu. Sie sollten es daher vermeiden, auf Verdacht – wenn auch in bester Absicht – irgendetwas zu organisieren, ohne zuvor den Narzissten in Ihre Überlegungen eingebunden zu haben. Nehmen Sie seine Wünsche ernst und stimmen Sie sich mit ihm ab. Er wird ansonsten schon aus Prinzip gegen Ihre Ideen sein und darin einen willkommenen Grund finden, jedem die Stimmung während des Festes mit seiner missmutigen Art zu vermiesen.

Die häufigsten Streitpunkte an Weihnachten stellen immer das Festmahl und die Dekoration des Weihnachtsbaumes dar. Hier können die Geschmäcker bekanntlich weit auseinandergehen. Bevor Sie daher Ihre ganze Kreativität an dem Weihnachtsbaum auslassen, teure Deko anschaffen und sich Anregungen aus Zeitschriften besorgen, sollten Sie den Narzissten vorher in Ihre Pläne einweihen und den Ablauf der Weihnachtstage mit ihm besprechen. Oft wird aber genau dieser Schritt ausgelassen, weil sich Betroffene nicht in endlose Diskussionen mit dem Narzissten verwickeln wollen und daher eigenmächtig vorgehen.

Weil sich der Narzisst aber in diesem Fall übergangen fühlt, wird er mit Sicherheit seine schlechte Laune unter dem Tannenbaum auslassen. Dann konnten Sie zwar zuvor Ihre Kreativität ausleben – in der Hoffnung, den Narzissten mit Ihren Ideen angenehm zu überraschen –, haben aber hinterher nichts als Ärger und unnötige Diskussionen. Der Narzisst wird die Missachtung seiner Vorstellungen und Wünsche als Angriff auf seine Person verstehen und deshalb einen Streit entfachen, der das ganze Fest zerstören kann.

Schenken Sie ihm Ihre volle Aufmerksamkeit

Der Narzisst will auch an Weihnachten im Mittelpunkt stehen. Beschenken Sie ihn großzügig, hören Sie ihm zu, binden Sie ihn in die Gespräche mit ein, lassen Sie ihn den Wein aussuchen, weisen Sie ihm den besten Platz am Tisch zu, setzen Sie ihn neben angenehme Gesprächspartner, falls die Runde größer sein sollte, und wählen Sie Gesprächsthemen, an denen sich der Narzisst aktiv beteiligen kann. Schaffen Sie einen Rahmen, in dem sich der Narzisst rundum wohlfühlt – und schmeicheln Sie ihm!

Gerade an Weihnachten möchte der Narzisst verwöhnt werden, weil er glaubt, zum Fest der Liebe besonders Anspruch auf Wertschätzung zu haben. Machen Sie ihm daher schöne Geschenke, die ihn überraschen, regelrecht begeistern und seine Erwartungen nicht nur erfüllen, sondern noch übertreffen. Achten Sie vor allem darauf, dass sein Geschenk nicht minderwertiger ist als die Geschenke aller anderen. Er darf nicht das Gefühl bekommen, zu kurz gekommen zu sein.

Der Narzisst stört den Ablauf

Es ist gut möglich, dass der Narzisst am Heiligen Abend nicht pünktlich zuhause ist, weil er morgens nochmal ins Büro fahren musste, um letzte Arbeiten zu erledigen oder weil er noch Besorgungen in der Stadt machen wollte und dabei alte Freunde oder Bekannte getroffen hat. Da er insgeheim davon ausgeht, dass das Fest für ihn ausgerichtet wird und es daher ohne ihn nicht beginnen kann, nimmt er es mit der Pünktlichkeit nicht so genau und lässt die anderen Familienmitglieder auch mal warten.

Während des Festes fällt es dem Narzissten zudem oft schwer, sich ausschließlich auf seine Familie zu konzentrieren. Er schaut ständig auf sein Handy und sieht nach, ob er Nachrichten bekommen hat, schaltet zwischendurch den Fernseher ein, telefoniert oder liest in einem Buch. Möglicherweise wird ihm auch die Weihnachtsgesellschaft zu viel und er gibt vor, einen Gang mit dem Hund um den Block machen zu müssen, obwohl dieser gar nicht das Bedürfnis hat.

Wenn es dem Narzissten zu langweilig wird, kann er die Familie mit zynischen Sprüchen reizen und damit schlechte Stimmung produzieren. Er zieht dann die Laune der anderen hinunter, um sich heimlich an deren Verärgerung zu erfreuen. Wenn sich alle anderen dann mies fühlen, verströmt er plötzlich Heiterkeit, indem er zum Beispiel einfach so eine Flasche vom teuersten Champagner öffnet, um mit allen „Frustrierten“ anzustoßen und die Stimmung damit wieder zu heben. Später wird er dann behaupten, die Feier vor dem Reinfall bewahrt zu haben.

Meiden Sie kritische Themen

Aufgrund des Alltagsstresses im Beruf, bei der Versorgung der Kinder oder der Haushaltsführung kommen Paare oft nicht dazu, intensiv miteinander zu sprechen und sich über ihr Befinden auszutauschen. Vieles geht dann im Trott unter, wird als selbstverständlich vorausgesetzt oder einfach nicht zu Ende besprochen. Da können die Ruhe und die Zweisamkeit an den Weihnachtstagen eine willkommene Gelegenheit sein, um endlich einmal Unerledigtes und Unausgesprochenes auf den Tisch zu bringen oder Konflikte in der Beziehung anzusprechen.

Kommen Sie nicht in Versuchung, die harmonischen Stunden durch zweideutige Anmerkungen zu zerstören oder einen günstigen Augenblick der Vertrautheit zu nutzen, um Ansprüche anzumelden, am gegenwärtigen Glück der Beziehung zu zweifeln, Kritik zu äußern oder sonstige heikle Themen klären zu wollen. Auch wenn sich der Narzisst in einer aufgeräumten und entspannten Verfassung befinden sollte, darf Sie dies nicht dazu verleiten, unangenehme Diskussionen zu beginnen. Das wäre schlagartig das Ende eines schönen Festes und Sie müssen sich dann sehr wahrscheinlich den Vorwurf gefallen lassen, das Weihnachtsfest verdorben zu haben.

Der Narzisst verlässt das Fest

Ist das Schlimmste mit der Geschenkübergabe, den Weihnachtsliedern und dem Festmahl überstanden, kann es gut sein, dass der Narzisst das bis dahin gelungene Fest durch plötzliches Verschwinden doch noch scheitern lässt. Er springt dann einfach auf und verlässt die Familie, weil er sich noch mit Freunden in der Stadt treffen will oder irgendeine sonstige Verabredung hat.

Ein solches Verhalten ist natürlich sehr schwer zu tolerieren – verhindern werden Sie es aber wohl nicht können. Sie sollten es allerdings zum Anlass nehmen, über die Qualität der Beziehung nachzudenken, nachdem Sie der Partner – kaum, dass das Schönste an Weihnachten vorbei ist – einfach sitzen gelassen hat, obwohl Sie sich selbst in Bezug auf Ihre eigenen Wünschen mehr als zurückgehalten haben. An dieser Stelle kommt einmal mehr das egoistische und parasitäre Verhalten eines Narzissten zum Ausdruck.

Beistand durch Gäste

Einfacher wird es, mit den Launen eines Narzissten umzugehen, wenn Gäste am Weihnachtsabend anwesend sind, vor denen er einen guten Eindruck machen möchte und deren Urteil ihm sehr wichtig ist. Dann kann sich der Narzisst äußerst charmant, zuvorkommend, unterhaltsam und angepasst präsentieren. Vielleicht legt er großen Wert darauf, vor seinen eigenen oder Ihren Eltern gut dazustehen, und wird sich aus diesem Grund so manche unschöne Extravaganz, die er sich leistet, wenn er mit Ihnen allein ist, unterdrücken.

Um seinen inneren Stress zu lösen, der dadurch entstanden ist, dass er sich während des Festes stark beherrscht hat, neigt der Narzisst hinterher dazu, über die Gäste, die er zuvor noch umschmeichelt hat, ausgiebig zu lästern. Er wird sich dann darüber beschweren, wie wenig das Essen und der schöne Weihnachtsbaum gewürdigt wurden, was für einfallslose Geschenke überreicht wurden, wie niveaulos die Gespräche waren oder über die mangelnden Manieren der Gäste. Das Lästern dient dem Narzissten zur Selbstaufwertung, um die Demütigung, die er durch die notgedrungene Anpassung erfahren hat, zu kompensieren.

Narzissten im erweiterten Familienkreis

Sofern es sich bei dem Narzissten nicht um Ihren Partner handelt, sondern um ein Mitglied der Familie (Eltern, Großeltern, Schwiegereltern, Onkel, Tante, Geschwister), sollten Sie es vermeiden, diese Narzissten zu sich nach Hause einzuladen. Es wäre geschickter, sich von ihnen einladen zu lassen, weil Sie dann selbst entscheiden können, wann Sie das Fest wieder verlassen möchten. Das destruktive Verhalten von Narzissten hat ja leider über die Weihnachtstage keine Betriebsferien, so dass Sie jederzeit mit Provokationen, unterschwelligen Beleidigungen und zweideutigen Anspielungen rechnen müssen. Sie können sich dann leichter der negativen Energie entziehen, wenn Sie selbst das Ende des Beisammenseins bestimmen können. 

Fühlen Sie sich dazu verpflichtet, den Narzissten zu sich nach Hause einzuladen, dann denken Sie daran, kritische Themen zu vermeiden, dem Narzissten für seine noblen Geschenke zu danken und ihn auch ansonsten für seine Eigenschaften zu loben. Vergessen Sie nicht, dass es das Fest des Narzissten ist und nicht das Fest der Familie. Also werden Sie leider in diesen Stunden Ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen und der Großartigkeit des Narzissten huldigen müssen, um keinen Stress zu provozieren. 

Wenn Sie getrennt von dem Narzissten leben

Leben Sie getrennt von Ihrem ehemaligen Partner und haben Sie gemeinsame Kinder, dann sollten Sie sich nicht auf den Vorschlag einlassen, das Weihnachtsfest den Kindern zuliebe gemeinsam mit dem Narzissten zu verbringen. Bleiben Sie auf Distanz und schonen Sie Ihre Nerven! Weihnachten soll auch für Sie mit schönen Momenten gesegnet sein und Sie sollten nicht auch noch über die Festtage Ihre Zähne zusammenbeißen müssen. Regeln Sie den Umgang mit den Kindern über die Weihnachtstage und feiern Sie getrennt. Auch wenn es vielleicht der Wunsch der Kinder ist, dass Mama und Papa zusammen mit ihnen Weihnachten feiern: Erklären Sie ihnen ruhig und liebevoll, dass dieser Wunsch leider unerfüllt bleiben muss.


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Veröffentlicht in Beziehung mit einem Narzissten
2 Kommentare zu “Weihnachten mit einem Narzissten
  1. M. Ink sagt:

    So einen Sinn habe habe ich ja schon lange nicht mehr gelesen. Ich denke der Autor hat noch nie unter einem Narzisten gelitten. Man kann sich nur selber schützen wenn man den narzisten nicht einlädt und muss man es doch mal sollte man ein dickes Fell haben und alles überhören. Miteinbinden.. So ein Blödsinn.. Als ob sich ein Narzist davon dann abhalten lässt dumme Kommentare abzugeben und das Weihnachtsfest dann nicht absichtlich in den Abgrund zu reißen. Einen Naristem kann man rein gar nichts recht machen. Hier wird es so beschrieben als hätte man eine Wahl. Als läge es bei einem selber wie der narzist mit einem umgeht. Schlimm.. Den Naristen huldigen.. Man man man.. Ich hoffe das ist nur Ironie

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