Narzissten in der Familie

Selbst im Familienleben muss sich alles um den Narzissten drehen. An einem Ort, wo es im Allgemeinen um Verständnis, Rücksichtnahme, Entspannung und den Austausch von Gefühlen geht, wirkt der Narzisst wie ein Elefant im Porzellanladen. Ständig muss er regulierend eingreifen, duldet keinen Widerspruch und unterwirft alle seinen Regeln. Es geht ihm nicht darum, ein glückliches und beschauliches Familienleben zu gestalten, sondern nur darum, nach außen eine perfekte Familie zu präsentieren.

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Narzisstische Eltern    ♦   Narzisstische Mutter     ♦    Narzisstischer Vater     ♦    Narzisstische Großeltern     ♦    Narzisstische Geschwister

Narzisstische Eltern

Narzisstische Eltern machen häufig den Fehler, ihre Kinder zu instrumentalisieren. Zwar können sie sehr verständnisvolle und fürsorgliche Eltern sein, empfinden aber ihre Kinder stets als einen Teil ihres Selbst. Sie können nicht unterscheiden, zwischen ihren eigenen Bedürfnissen und den Bedürfnissen der Kinder. Für sie sind ihre Kinder sozusagen ein Ableger ihrer eigenen Persönlichkeit und müssen daher ihre Einzigartigkeit und Grandiosität widerspiegeln. Das, was für sie gut ist – so glauben sie – ist auch uneingeschränkt für die Kinder gut.

Sie können ihre Kinder nicht als eigene Persönlichkeit wahrnehmen und helfen ihnen auch nicht dabei, eine solche zu entwickeln. Sie erwarten von ihren Kindern, so zu werden, wie sie es für richtig halten. Die Kinder werden so zu einem Objekt gemacht, das nach den Vorstellungen der Eltern zu funktionieren hat. Dadurch sind die Kinder  unfähig, sich selbst zu begegnen und ihre eigene Persönlichkeit zu entdecken und zu leben.

Gute Erziehung besteht darin, dass man verbirgt, wie viel man von sich selbst hält und wie wenig von den anderen.       Jean Cocteau

Narzisstische Eltern legen viel Wert darauf, dass ihre Kinder gut erzogen sind, dass sie glänzende Leistungen in der Schule bringen, sich vorbildlich in der Öffentlichkeit präsentieren und im Sportverein zu den Besten gehören oder im Musikunterricht zu einem kleinen Mozart heranwachsen. Immer erwarten sie von ihren Sprösslingen, repräsentative Höchstleistungen zu zeigen und sich gegenüber anderen abzusetzen und zwar nicht nur, weil sie glauben, dass sich die Kinder besser fühlen, sondern weil es letztendlich ein befriedigendes Gefühl für die Eltern selbst ist, wenn sie sich mit den Leistungen ihrer Kinder hervortun können und damit ihren erfolgreichen Erziehungsstil bestätigt sehen.

Oberflächlich betrachtet scheint dies ein ehrenwertes Ziel zu sein. Wer hat nicht gerne begabte Kinder in seiner Familie und welches Elternteil wäre nicht stolz, wenn die Kinder erfolgreich sind? Dieses Streben entspringt durchaus einer gesunden und liebevollen Fürsorge der Eltern. Wenn sich das Kind dafür allerdings selbst aufgeben muss, um einem Bild gerecht zu werden, dem es innerlich gar nicht entspricht, das es aber unentwegt suggeriert bekommt, geht dies zu Lasten der eigenen Persönlichkeitsentwicklung und wird später im Leben mit mehr oder weniger starken inneren Spannungen einhergehen.

Alles muss sich am Maßstab der Eltern ausrichten

Es ist narzisstischen Eltern nicht möglich, ihre Kinder als eigenständige Person zu erleben. Sie projizieren ihre Wünsche und Vorstellungen auf die Kinder und schließen ganz selbstverständlich von sich auf ihre Nachkömmlinge. Ihre persönlichen Lebenserfahrungen sind der unwiderrufliche Maßstab für die Kinder. Hieran haben sie sich auszurichten. Was die Eltern bislang nicht erlebt und erfahren haben, tolerieren sie auch nicht bei den Kindern und respektieren diese Erfahrungen auch nicht als Alternative zu ihrem eigenen Weg. Das, was sie nicht erlebt haben, das hat entweder nicht zu existieren oder es ist ganz einfach schlecht.

Erziehen heißt, das Kind zu sich selbst, zu seiner eigenen Persönlichkeit zu führen, nicht aber dressieren.       Judith L. Bach 

Alternative Wege können aus Sicht der Eltern gar nicht zum Ziel führen. Diese Betrachtungsweise betonen sie meist durch arrogantes Auftreten, herablassende Bemerkungen oder das Hervorheben ihrer eigenen Lebensleistung als nachzuahmendes Beispiel. In ihren Augen muss man sich das eigene Glück hart erarbeiten. Es wird niemandem im Leben etwas geschenkt und wenn man ein wenig Glück und Liebe erhalten möchte, dann muss man sich dafür anstrengen. Je mehr man sich anstrengt und je erfolgreicher man ist, umso mehr Anerkennung und damit Liebe kann ein Mensch ihrer Meinung nach erhalten. Dieses materialistische Weltbild wird den Kindern von ihren narzisstischen Eltern täglich vorgelebt. Die Kinder haben gar keine andere Möglichkeit, als diesen Glaubenssätzen zu entsprechen.

Das Kind soll zu seinem Besten in die Knie gezwungen werden

Seine wahren Gefühle, seine eigenen Bedürfnisse und seine Kreativität muss das Kind zwangsläufig zu Gunsten des Willens seiner Eltern unterdrücken. Es macht sich vollständig abhängig von den Wünschen und Interessen seiner Eltern. Oft ist dieses Kind im Erwachsenenalter leicht zu manipulieren und bleibt empfänglich für andere Formen der Abhängigkeit, zum Beispiel als Mitglied einer Sekte, einer totalitären Partei oder anderer fanatischer Gemeinschaften.

Gelingt es dem Kind hingegen, sich trotz des hemmenden Einflusses der Eltern die Möglichkeit zu bewahren, seine eigenen Vorstellungen auszuleben, dann wird es sich auch im Erwachsenenalter besser schützen können gegen narzisstische Verhaltensweisen. Es wird seine Authentizität gegenüber anderen bewahren, sich leichter abgrenzen und in seiner Meinung gefestigt bleiben können.

Ich erziehe die Kinder nicht zu etwas, sondern in etwas.        Jean Paul

In den meisten Fällen bleiben Narzissten, wenn sie heiraten, nicht kinderlos. Sie „lieben“ Kinder, da sie in ihnen eine einfache, konstante Quelle von Aufmerksamkeit und Bestätigung finden. Menschen in schwächeren Positionen, die nicht die Möglichkeit haben, sich dem Narzissten zu entziehen, werden von ihm als ständige „Bewunderungsquelle“ missbraucht. Kinder lernen im narzisstischen Umfeld sehr schnell, dass sie ihre eigene Identität aufgeben müssen, um ihren Eltern zu gefallen.

Versuchen sie hingegen, sich aus der Abhängigkeit zu befreien und konsequent und unabhängig ihren eigenen Weg zu gehen, wird der narzisstische Elternteil alles daran setzen, ihm dieses Vorhaben auszureden. Er wird sämtliche Nachteile und Gefahren aufzeigen, dem Kind Angst einjagen vor den Konsequenzen seiner Absichten und ihm klar machen, dass es scheitern wird. Zwar wird er stets betonen, dass es ihm immer um das Wohl seines Kindes geht und dass er möchte, dass es glücklich wird. In Wahrheit erkennt der Narzisst aber nur, dass sich das Kind von ihm distanziert, und fürchtet, einen Teil seines Selbst zu verlieren.

Die Kinder wachsen selbst zu Narzissten heran

Die Gefahr, dass narzisstische Eltern ihrerseits Kinder mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung heranziehen, ist sehr groß. Entweder die Eltern schenken dem Kind keine ehrliche Zuwendung und Liebe oder sie verwöhnen das Kind und überschütten es mit allen möglichen Dingen. Der typische Wesenszug eines Narzissten kommt an dieser Stelle zum Ausdruck: Für ihn gibt es nur Schwarz oder Weiß. Entweder er entwertet sein Kind und bringt keinerlei Verständnis auf oder er hebt es in den Himmel. Haben narzisstische Eltern mehrere Kinder, kann es durchaus sein, dass sie zwischen den Kindern spürbare Unterschiede machen. Das eine Kind ist immer das „gute“ Kind und das andere Kind immer das „schwarze Schaf“, was wiederum eine narzisstische Karriere begünstigt.

Narzisstische Eltern unterstützen nicht die Entwicklung des Selbstwertgefühls und die eigene Individualität des Kindes. Sie sind unfähig, die Folgen ihrer Erziehungsmethoden zu überblicken. Auch wenn ihnen die Fehlentwicklung sichtbar wird, obwohl das Kind alles getan hat, was sie von ihm verlangten, erkennen sie nicht, dass diese etwas mit ihrer Erziehung zu tun haben könnte. Narzissten halten sich für unfehlbar und glauben, immer alles richtig zu machen. Wenn ihre Kindern nicht erfolgreich werden, ist es niemals ihre Schuld.


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Die narzisstische Mutter

Im Grunde sucht eine Narzisstin die Unabhängigkeit und bindet sich nicht gerne. Beschließt sie dennoch, eine Familie zu gründen, ist ihr Partner in der Regel das defensive Ausführungsorgan und die Kinder werden zum kostbaren Prestigeobjekt. Sie hegt große Erwartungen und stellt hohe Forderungen an die Kinder. Sie will, dass die Kinder ganz nach ihren Vorstellungen gute Leistungen in der Schule, zuhause in der Familie und im Haushalt, im Sport oder ganz allgemein in der Gesellschaft bringen.

Die narzisstische Mutter duldet es nicht, wenn die Kinder ihre Zeit einfach nur „vergeuden“. Sie leitet sie sehr früh an, sinnvolle Dinge zu tun und zielorientiert vorzugehen. Es geht ihr dabei weniger um das Wohl der Kinder als vielmehr um ihr eigenes Ansehen in der Öffentlichkeit. Sie will mit den Leistungen ihrer Kinder angeben, sie will etwas vorweisen können. Alle sollen sehen, was sie aus den Kindern gemacht hat.

Die narzisstische Mutter will eine perfekte Familie vorzeigen können

Alles muss funktionieren wie ein Schweizer Uhrwerk. Nach außen will die Narzisstin stets eine glückliche und harmonische Familie präsentieren. Sie nimmt alles in die Hand, organisiert das Familienleben, plant die Termine der Kinder und den Urlaub, beteiligt sich aktiv an den Schularbeiten, entscheidet, welche Freunde ihnen guttun, spricht mit Lehrern, um auf dem Laufenden zu bleiben und gibt der Tagesmutter für jedes einzelne Kind eine detaillierte „Gebrauchsanweisung“ mit. Sie will ständig wissen, wo ihre Kinder sind und was sie machen. Niemand hat die Chance, irgendetwas zu tun, was nicht vorher mit ihr abgestimmt und großzügig von ihr genehmigt wurde.

Nach außen erscheint dieses Vorgehen in der Tat so, als würde sie sich aufopferungsvoll für die Kinder engagieren und als lägen ihr deren Bedürfnisse sehr am Herzen. Dies ist aber nur oberflächlich betrachtet so. In Wirklichkeit sieht sie die Kinder nicht als eigenständige Individuen, sondern als Objekte für ihre Selbstdarstellung. Die Kinder haben für sie da zu sein und nicht umgekehrt. Allerdings ist ihr dies kaum nachzuweisen. Niemals würde sie zugeben, ihre Kinder zu benutzen. Im Gegenteil: Sie würde eher aufzeigen, wie viele Opfer sie schon für ihre Kinder erbracht hat und worauf sie selbst bereit ist, zu verzichten.

Doch ihre mangelnde mütterliche Wärme und die Unfähigkeit, ihren Kindern wirklich zuzuhören, sich in sie hineinzuversetzen oder sie wohlwollend in ihren Absichten zu unterstützen, zeigen ihre Distanz zum Wesen ihres Nachwuchses. Während sie nach außen hin alles für die Kinder zu tun scheint, will sie doch letztendlich nur, dass alles so geschieht, wie sie es will. Sie opfert sich nicht für die Kinder, sondern für das Bild, das sie von sich und ihrer Familie hat und das sie um jeden Preis aufrechterhalten möchte.

Sie zeigt keinerlei Gefühle und versteckt sich hinter einem imaginären Schutzwall

Dies tut sie zum einen, weil sie nicht verletzt werden möchte, und zum anderen weil dies in ihren Augen ein Zeichen von Schwäche wäre, die die Kinder womöglich ausnutzen würden. Die Kontrolle würde ihr dabei entgleiten, was sie um jeden Preis verhindern will. Um den Schein nach außen zu wahren, liegt ihre Priorität immer auf stumpfer Funktionalität und nicht  auf nährender Herzlichkeit.

Wenn dir die Seele deines Kindes verschlossen bleibt, hast du als Mutter versagt.                                      Elisabeth Maria Maurer

Die narzisstische Mutter kann ihre Zufuhr von Bewunderung nicht allein aus der Kindererziehung ziehen, sondern muss noch bei anderen Unternehmungen glänzen. Vielleicht hat sie ein eigenes Geschäft, engagiert sich in einem Verein oder bekleidet ein soziales Mandat. Eine narzisstische Mutter will auch außerhalb der Familie ihre Größe und Einzigartigkeit zur Schau stellen. Sie ist nicht die liebe Mutter, die immer und jederzeit für die Kinder verfügbar ist. Sie kümmert sich um alles Organisatorische und glaubt, damit ihrer Pflicht zu genügen. Sich liebevoll den Kindern zuzuwenden und ihnen etwas von ihrer kostbaren Zeit zu schenken, gehört nicht zu ihren Stärken.

Der Vater muss sich in der Regel mit der Befehlsempfänger-Rolle begnügen. Die narzisstische Ehefrau hat schon sehr früh damit begonnen, seinen Widerstand zu brechen, und ihm unmissverständlich klar gemacht, dass er sich aus Erziehungsfragen und der Familiengestaltung herauszuhalten hat. Bestenfalls darf er ihre Anweisungen umsetzen, eigene Kreativität ist aber nicht erwünscht und wird sofort im Keim erstickt. Die Kinder spüren zwar instinktiv, dass sie beim Vater mehr Wärme und Verständnis empfangen, sie wissen aber auch, dass er an den Umständen nichts ändern kann.

Weitere Verhaltensweisen, die eine narzisstische Mutter kennzeichnen:

  • Sie unterstützt ihre Kinder nur in Belangen, die sie als gute Mutter dastehen lassen.
  • Sie stellt Regeln auf, an die sich alle zu halten haben außer sie selbst.
  • Sie regelt alles Organisatorische für die Kinder und wendet sich dann ihren eigenen Interessen und Hobbys zu.
  • Sie strahlt keine mütterliche Wärme aus, sondern tritt als funktionale Mutter auf.
  • Sie erzeugt Schuldgefühle bei den Kindern, um sie in die Defensive zu treiben.
  • Hat sie mehrere Kinder, wird sie die Kinder untereinander ausspielen.
  • Sie spioniert den Kindern hinterher, um zu kontrollieren, ob sie auch das tun, was sie will.
  • Sie kann und will sich nicht in die Perspektive der Kinder hineinversetzen.
  • Auf ein Fehlverhalten der Kinder reagiert sie mit eigentümlichen Bestrafungen.
  • Sie redet schlecht über ihre Kinder gegenüber Dritten, wenn sie nicht ihren Vorstellungen entsprechen.
  • Sie gibt Informationen nur bruchstückhaft oder falsch weiter, weil sie glaubt, dass die anderen nicht alles zu wissen brauchen oder um andere absichtlich in die Irre zu führen.
  • Haben die Kinder Schwierigkeiten oder entwickeln sie eine schwache Persönlichkeit, empfindet sie dies als ganz persönliche Niederlage.
  • Sie unterbindet und bestraft Autonomiebestrebungen der Kinder.
  • Sie erwartet von den Kindern, dass sie so werden, wie sie es möchte. 
  • Sie empfindet die kleinsten Abweichungen von ihren Regeln als Vertrauensbruch und stellt die Kinder unmittelbar zur Rede.
  • Sie glaubt, das Kind besser zu kennen, als es sich selbst kennt.
  • Sie bestimmt, was die Kinder zu denken und zu fühlen haben und erwartet sogar, dass sich die Kinder daran halten.
  • Sie vergisst nie und ist nachtragend.
  • Sie wird jedes  noch so weit zurückliegende Fehlverhalten des Kindes wieder zur Sprache bringen, um Schuldgefühle zu erzeugen.
  • Mitunter sabotiert sie die Familiengründung der Kinder, damit sie sich nicht abnabeln, sondern ihr weiterhin uneingeschränkt zur Verfügung stehen.


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Der narzisstische Vater

Im Gegensatz zur narzisstischen Mutter kümmert sich der narzisstische Vater weitaus seltener um die Kinder. Er geht in erster Linie seinen eigenen Interessen nach und überlässt die Erziehung der Kinder weitestgehend der Partnerin. Allerdings ist er in besonderen Augenblicken des Lebens für sie da. Wenn es um entscheidende Fragen in der Entwicklung des Kindes geht, bringt er seine Meinung dominant zum Ausdruck und gibt eine klare Richtung vor.

Mit seinen manipulativen Fähigkeiten gelingt es ihm fast immer, dem Kind seinen Willen aufzuzwingen. Der narzisstische Vater sieht seine Kinder immer als Teil seiner selbst und ist überzeugt, dass seine Kinder ihm gehören und er sie nach seinem Ebenbild formen darf. Er betrachtet sie als treue Verbündete, mit denen es gemeinsame Interessen und Ziele geben muss. Der Narzisst möchte sich in seinem Kind wiedererkennen. Ob dabei die Bedürfnisse des Kindes abgedeckt werden, ist für ihn keine Frage. Er ist der Meinung, dass sein Kind das glücklich macht, was auch ihn glücklich macht.

In Alltagsangelegenheiten oder bei Interessen des Kindes, die der Vater für unwesentlich hält, zeigt er keine Präsenz. Dies erscheint ihm nicht relevant und er zeigt dem Kind allein schon durch das abweisende Desinteresse die Bedeutungslosigkeit seiner eigenen Wünsche auf. Eher wird das Kind dem narzisstischen Vater bei dessen Angelegenheiten helfen müssen, als wäre es sein Leibeigener. Der Vater nimmt das Kind ganz selbstverständlich unter Beschlag und erwartet von ihm treue Gefolgschaft – insbesondere wenn es sich um einen Sohn handelt. Dieser wird ungefragt zum Stammhalter erkoren, ob er nun dafür geeignet ist oder nicht. Schlimmstenfalls muss er gegen alle Widerstände geeignet gemacht werden.

Der narzisstische Vater gibt den Kindern die Richtung vor

Der narzisstische Vater kommt gar nicht auf die Idee, dass seine Ansichten und sein Vorgehen dem Kind nicht helfen oder gar schaden könnten. Er weiß besser als jeder andere, was gut für sein Kind ist. Widerspruch duldet er nicht, Ausweichmanövern kommt er zuvor und eigene Initiativen des Kindes werden unterbunden. Gelingt es dem Kind dennoch, sich mit seinem Vorhaben durchsetzen, wird es vom Vater schlechtgeredet.

Der narzisstische Vater wird dem Kind dann klarmachen, dass es in die falsche Richtung läuft. Er wird es warnen, die Gefahren nicht überblicken zu können und ihm Angst davor machen, mit allen Konsequenzen zu scheitern. Oft geht dann in selbsterfüllender Prophezeiung die Sache auch tatsächlich schief, und zwar nicht, weil der Sohn es nicht hätte schaffen können, sondern eher durch die Verunsicherung, die der Vater ausgelöst hat und die ihn an sich zweifeln ließ sowie durch vorenthaltenen moralischen Rückhalt des Vaters, der für ein Gelingen unter Umständen von Nutzen gewesen wäre.

Der narzisstische Vater lässt seine Kinder mit ihren wahren Bedürfnissen allein

Die ureigensten Wünsche seiner Kinder stellen für ihn keine echte Option da, es sei denn, sie entsprechen seinen eigenen Vorstellungen. Ein narzisstischer Vater begleitet seine Kinder nicht durchs Leben, er will sie bedingungslos führen. Diese Männer wissen ihren Kindern im Grunde nichts beizubringen. Sie können ihnen Vorträge über das Leben halten, aber wie die Kinder ihren eigenen Weg finden und gehen können, das wissen sie nicht. Sie nehmen ihren eigenen Lebensweg als Beispiel und glauben, dass alle anderen Menschen damit ebenfalls gut fahren. Er ist so sehr von sich überzeugt und identifiziert sich so sehr mit seiner Einstellung, dass er sich nicht im Entferntesten vorstellen kann, dass andere Lebenswege oder Lebensformen auch wünschenswert sein können.

Der grundlegende Fehler von Vätern besteht darin, von ihren Kindern zu erwarten, dass sie ihnen Ehre machen.                          Bertrand Earl Russell

Nach außen tut er freilich so, als seien die Kinder unabhängig, könnten alles machen, was sie wollten und hätten stets seine uneingeschränkte Unterstützung. Mit einer vorgetäuschten Großzügigkeit kann der narzisstische Vater nach außen demonstrieren, dass er sich in seiner Vaterrolle vorbildlich verhält. Seine Kinder spüren aber das genaue Gegenteil. Sie erkennen, dass der Vater nur eine Rolle spielt, und fühlen sehr früh, dass er das, was er nach außen darstellen möchte, nicht wirklich lebt. Die Kinder gelangen hierdurch in einen weiteren Widerspruch zu ihren eigenen Empfindungen und der vorgetäuschten Wirklichkeit.

Der narzisstische Vater will, dass alles aus seiner Quelle stammt

Alles, was das Kind weiß und kann, soll von ihm stammen. Mit nonverbaler Kommunikation wie eine ablehnende Mimik, nichtssagendem Schweigen oder entwertenden Blicken kann das Kind die Worte zwischen den Zeilen unmissverständlich deuten. Um dem Vater aber letztlich zu gefallen und die notwendige Anerkennung zu erhalten, wird es in der Regel gehorchen oder tagelang mit einem schlechten Gewissen herumlaufen.

Auf diese Weise macht er seine Kinder von sich abhängig, sie orientieren sich an ihm und bekommen nicht die Chance, ihren eigenen Weg zu gehen. Werden die Kinder am Ende unglücklich, erfolglos, unausgeglichen, reizbar oder gar krank, bringt er das natürlich nicht in Zusammenhang mit seinem Verhalten. Das Kind ist dann eben schwächlich und hat nicht seine Gene geerbt, sondern vornehmlich die Anlagen der zarten Mutter.

Im Grunde kann dem Kind gar nichts Besseres passieren, als dass der narzisstische Vater seine Bemühungen, das Kind zu formen, aufgibt. Es wäre sofort frei. Leider ist es aber so, dass ein narzisstischer Vater nicht aufgeben kann, weil er das als Niederlage empfinden würde, die er sich nicht eingestehen will. Darüber hinaus wurde das Kind schon so sehr von der Meinung des Vaters abhängig gemacht, dass es sich – selbst wenn sich der Vater nicht mehr kümmern würde oder bereits verstorben wäre – immer noch Gedanken darüber machen würde, ob das eigene Handeln dem Vater wohl recht wäre. Die Vorstellungen seines Vaters haben sich bei ihm eingraviert.

Die folgenden Merkmale sind kennzeichnend für einen narzisstischen Vater:

  • Er weiß immer, was das Beste für seine Kinder ist.
  • Er kümmert sich nicht wirklich um das Familienleben.
  • Die Gefühle seiner Kinder interessieren ihn nicht.
  • Er interpretiert die Gefühle seiner Kinder um und ist der Meinung, er wüsste besser, wie es in seinen Kindern aussieht.
  • Er ist nur an seinen eigenen Angelegenheiten interessiert und erwartet die Gefolgschaft seiner Kinder.
  • Er hat eine enorme Überzeugungskraft und kann wie ein Wasserfall auf die Kinder einreden.
  • Hat das Kind dem Vater einen Wunsch erfüllt, wird es zur nächsten Aufgabe gejagt. Die Leistungen seines Kindes werden ihm nie genügen.
  • Ein Lob gibt es nicht, nur die Aufforderung weiterzumachen.
  • Er erinnert seine Kinder stets daran, was er für sie getan hat und dass sie ihm etwas schuldig sind.
  • Geht man nicht auf seine Bedürfnisse ein, wird er wütend, ist beleidigt und erwartet eine Entschuldigung
  • Er mischt sich ständig in das Leben seiner Kinder ein, er gibt sie niemals frei.
  • Die Auswirkungen seines selbstsüchtigen Verhaltens auf die Kindern kann er nicht erkennen.
  • Fehler wird er sich nicht eingestehen, und wenn er Zugeständnisse macht, dann nur mit dem Hinweis, dass andere auch nicht immer alles richtig machen.
  • Da er sich keine Schuld eingesteht, kann er sich auch nicht entschuldigen.
  • Gefühlsausbrüche der Kinder werden ignoriert und als vorübergehende Entgleisungen abgehakt.
  • Er vergleicht seine Kinder mit anderen Kindern und führt ihnen dessen Leistungen als Ansporn vor Augen.
  • Er will, dass sein Lebenswerk von den Kindern fortgeführt wird. 


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Narzisstische Großeltern

Die wichtigste Funktion von Großeltern besteht in ihrem großen Erfahrungsschatz und der moralischen Unterstützung ihrer Kinder. Da Eltern heutzutage in der Regel beide berufstätig sind, dienen die Großeltern nicht selten als Betreuungsstätte für die Enkelkinder. Dabei wird es von den Kindern als besonders wichtig empfunden, dass ihre Großeltern für sie da sind, ihnen zuhören und Zeit für sie haben.

Die meisten Enkelkinder erleben ihre Großeltern als sehr liebevoll und großzügig. Die Kinder können sich in den Stunden bei den Großeltern fallen lassen und empfinden diese Zeit als weniger stressig als die bei den Eltern. Die Großeltern haben keinen direkten Erziehungsauftrag, stehen selbst nicht mehr unter Leistungsdruck und können sich in der verfügbaren Zeit voll und ganz den Enkeln widmen. Während im Elternhaus Regeln vorherrschen, erleben viele Kinder bei ihren Großeltern das Gefühl, so sein zu dürfen und so angenommen zu werden, wie sie sind.

Was geschieht, wenn ein Großelternteil eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat?

  • Die Großeltern maßen sich an, die Kinder besser erziehen zu können als die Eltern.
  • Die Großeltern wollen die Enkel nach ihren Ansichten formen.
  • Sie erwarten von den Enkelkindern gutes Benehmen und besondere Leistungen.
  • Das Verhalten der Enkelkinder wird ständig bewertet oder korrigiert.
  • Sie erziehen die Kinder anders, als es sich die Eltern wünschen.
  • Sie belehren die Eltern über den richtigen Erziehungsstil.
  • Sie legen Wert darauf, dass die Enkelkinder eine besondere Schule besuchen und eine besondere Berufsausbildung machen.
  • Oft wird die Mutter oder der Vater vor den Enkelkindern entwertet und als schlechte Mutter oder schlechter Vater bezeichnet.
  • Manchmal lassen die Großeltern die Kinder auch spüren, dass der angeheiratete Elternteil von vornherein nicht erwünscht war.
  • Sie entwickeln kein wirkliches Interesse an den Bedürfnissen der Kinder.
  • Sie unternehmen Dinge mit den Kindern, die diese gar nicht wollen.
  • Sie geben mit ihren Enkelkindern bei anderen an.

Narzisstische Großeltern üben in der Regel massiven Druck auf die Eltern aus, weil sie die Enkelkinder nach ihrem Bild formen wollen. Sie halten die Eltern oder ein Elternteil für nicht geeignet, die Kinder richtig zu erziehen. Immer haben sie etwas auszusetzen und nie sind sie mit der Entwicklung der Sprösslinge zufrieden. Dabei übernehmen sie niemals selbst die Verantwortung, sondern stacheln nur von außen an und geben die Schuld an einer Fehlentwicklung den Eltern. Sie halten sich während ihrer Zeit mit den Enkelkindern nicht an die Spielregeln der Eltern, wenn ihnen diese nicht in den Kram passen.

Eine brisante Situation entsteht, wenn sich ein Enkel nicht in der von den Großeltern erhofften Richtung entwickelt. Dann werden die Eltern zur Rede gestellt und mit Vorwürfen, Ratschlägen und Handlungsaufforderungen überschüttet. Für die Großeltern ist klar, dass dieses Kind nicht ihre Gene geerbt hat, sondern der Mangel an Talenten einzig von der angeheirateten Familie stammen kann.

Die Kinder spüren, dass sie sich in einer Atmosphäre befinden, in der sie nicht so angenommen werden, wie sie sind. Die Folge wird sein, dass sie sich von den Großeltern abwenden und sie immer seltener besuchen kommen. Die Großeltern wiederum werden sich bei den Eltern beschweren und behaupten, diese hätten die Kinder gegen sie aufgewiegelt. Dass ihre eigenen Verhaltensweisen unpassend waren, kommt ihnen nicht zu Bewusstsein. Schuld haben immer nur die anderen.


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Narzisstische Geschwister

Narzisstische Geschwister gehen in der Regel selbstbewusst ihren Weg. Sie wissen schon sehr früh, was sie wollen und lassen sich nicht beirren. Haben sie eher nachgiebige und schwache Eltern, so werden sie ihren Freiraum entsprechend ausnutzen und Grenzen überschreiten. Ihre narzisstische Veranlagung wird sich hierdurch eher verstärken. Haben sie hingegen sehr strenge Eltern, die womöglich selbst eine narzisstische Persönlichkeitsstörung entwickelt haben, dann werden regelmäßige Auseinandersetzungen und Machtkämpfe an der Tagesordnung sein. Möglicherweise gibt das Kind gegenüber den Eltern nach, aber nur, um dann seinen Interessen heimlich nachzugehen. Die Ursachen für die Bildung einer narzisstischen Persönlichkeit liegen in einer Kombination aus den individuellen Veranlagungen des Kindes und der Erziehungsweise der Eltern, die gekennzeichnet sein kann durch zu wenig Aufmerksamkeit und Liebe oder zu viel Zuwendung und Verwöhnung.

Im Folgenden werden einige typische Eigenschaften narzisstischer Geschwister genannt:

  • Das Geschwisterteil muss stets im Mittelpunkt des Geschehens stehen.
  • Es wird sich Privilegien gegenüber den Geschwistern erkämpfen.
  • Es wird in der Schule, im Sport oder in einem anderen Hobby außergewöhnliche Leistungen erbringen.
  • Es wird die Wünsche der Eltern auf nette Art ignorieren, wenn es andere Vorstellungen hat.
  • Es geht nicht ehrlich mit den Eltern um.
  • Es wird die Geschwister für die eigenen Zwecke missbrauchen.
  • Werden die Geschwister bevorzugt, wird es neidisch und reagiert zornig.
  • Es wird wütend, wenn seine Geschwister bessere Leistungen erbringen.
  • Es kann geschickt den Geschwistern unangenehme Aufgaben schmackhaft machen.
  • Es wird seine Geschwister bei den Eltern anschwärzen oder es erpresst die Geschwister, es nicht zu tun, wenn es dafür etwas bekommt.
  • Es kann seine Wünsche immer wieder bei den Eltern oder in der Familie durchsetzen.
  • Es übernimmt in der Familie nicht freiwillig Pflichten, dies überlässt es den Geschwistern.
  • Es kann sich heldenhaft gegenüber für seine Geschwister einsetzen, wenn es sich selbst einen Vorteil davon verspricht.
  • Es nimmt bereits früh, zum Beispiel in der Schule, eine Anführerrollen ein.
  • Es hat das Talent, Menschen um sich zu scharen und an sich zu binden.

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