Maligner Narzissmus

Der maligne Narzissmus ist eine Steigerung des Narzissmus hin zum Bösartigen und Gemeinen. Er kann als die Kombination einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, antisozialen Verhalten mit hohem Aggressionspotenzial und paranoiden Neigungen gesehen werden. Solche Menschen beanspruchen die Herrschaft innerhalb einer Gemeinschaft für sich allein und nehmen keinerlei Rücksicht auf die Belange anderer Menschen. Der Bezug zur Realität ist völlig verloren gegangen und nicht selten werden terrorisierende Mittel eingesetzt, um das eigene Begehren durchzusetzen.

Merkmale des maligner Narzissmus

  1. Entwicklung eines nicht der Realität angemessenen Größenselbst bis zum vollständigen Realitätsverlust
  2. Herrschaftsanspruch innerhalb einer Gruppe ohne jegliches Verantwortungsgefühl und Gewissen sich  selbst und anderen gegenüber
  3. Einsatz von Lügen und Intrigen, ohne Schuld- und Schamgefühle.  Der Narzisst täuscht, um sich Zuwendung, Anerkennung und Geltung zu sichern oder seinen Willen durchzusetzen.
  4. Bei Stress und in gespannter Atmosphäre reagiert er ungeduldig und aggressiv.
  5. Er neigt zu einer primitiven Machtausübung, sieht nur den eigenen Vorteil, humanitäres Denken findet keine Anwendung.
  6. Er ist unbarmherzig, rücksichtslos, ausbeuterisch, sadistisch und sprunghaft.
  7. Er sucht zwanghaft nach Macht und Reichtum, drängt nach Erfolg und persönlicher Erhöhung.
  8. Er zeigt einen ausgeprägten Neid, der zu einer ständigen Entwertung und Entwürdigung anderer führt. Andere Menschen in seinem Umfeld werden ständig gedemütigt und unterdrückt.
  9. Manchmal ist er auch in der Lage, moralische Bedenken zu entwickeln, wenn er sich dadurch einen Vorteil erhofft.
  10. Weil er das Auftreten noch großartigerer Personen fürchtet, die ihn von seiner Empore verdrängen könnten, ist er extrem misstrauisch und sieht in seinen Mitmenschen überwiegend unwillige, bösartige und hinterhältige Wesen. 
  11. Für ihn gelten nur die eigenen Regeln. Er schert sich nicht um das Gesetz oder die allgemeinen Sitten. Für ihn gilt das Recht des Stärkeren und Mächtigeren, weshalb er auch nicht vor Gewalttätigkeiten zurückschreckt.

Gründe für den maligner Narzissmus

Das gefühllose und brutale Vorgehen des bösartigen Narzissten muss neben einer äußerst unglücklichen Veranlagung  auf schwere Kränkungen in der Kindheit zurückgeführt werden. Diese Narzissten haben aufgrund schlimmster Erlebnisse in jungen Jahren ihr Gefühlsleben vollständig unterdrückt, um sich vor emotionalen Verletzungen zu schützen. Werden Gefühle nicht gepflegt, dann verkümmern sie. So können bösartigen Narzissten auch in solchen Situationen keine Gefühle zeigen, wo sie eigentlich angebracht und wünschenswert wären. Sie verhalten sich durch und durch herzlos und unempfindlich anderen aber auch sich selbst gegenüber.

Bösartige Narzissten lassen sich nur zu extremen Einschätzungen hinreißen und können keine feineren Differenzierungen vornehmen. Dafür fehlt ihnen einfach die Empfindungsfähigkeit. Entweder es ist alles überragend oder alles ist ganz schlecht. Alle denkbaren Abstufungen nehmen sie nicht wahr, situatives Einschätzen oder Abwägen kennen sie nicht, Alternativen lässt ihr Urteilsvermögen nicht zu. Sie sehen nur schwarz oder weiß und begegnen ihren Mitmenschen mit einem extremen und oft unbegründeten Misstrauen.

Aufgrund ihrer extremen Empfindlichkeit und der leichten Verletzbarkeit ihres labilen Selbstwertgefühls leben bösartige Narzissten ihre grauenhaften Aggressionen ungehemmt aus. In ihrer narzisstischen Wut zerstören sie geradezu alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Durch keinerlei Gewissen gebremst müssen sie den psychischen Verletzungen ein Ventil bieten, was in erschütternden Taten seinen Niederschlag finden kann.

Beispiele des maligner Narzissmus an bekannten Persönlichkeiten

Viele Kriminelle und Verbrecher sind unter diesen bösartigen Narzissten zu finden, aber auch bekannte Führer und Diktatoren wie z.B. Nero, Hitler, Stalin, Attila oder aus der jüngeren Geschichte Muammar al-Gaddafi:

Der libysche Staatschef Gaddafi sah sich stets als Schnittstelle zwischen Islam, Afrika, der Dritten Welt und dem Nahen Osten, sozusagen als Sprachrohr für die Benachteiligten. Sein Lebenswerk ist der Kampf gegen das Establishment. Als er kleine terroristische Organisationen im Westen unterstützte, glaubte er, Gruppen zu helfen, die das Establishment bekämpften. 

Muammar al-Gaddafi auf einer Konferenz in Rom – ( ©Franco Origlia – istockphoto.com )

Gaddafi ist blitzgescheit und arglistig. Ein paranoider, bösartiger Narzisst ! Weil es ihm an Einfühlungsvermögen mangelte, störten Erfolge wie Misserfolge sein Urteilsvermögen. Im Erfolg glaubte Gaddafi, sogar Supermächte wie die USA herausfordern zu können. Nach Misserfolgen richtete er ein Chaos an. Er handelte emotional, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Erst nach einer Tat versuchte er, sie zu rationalisieren.

Dabei hörte er auf niemanden. Kein Gewissen plagte ihn, kein Verantwortungsgefühl seinen Mitmenschen gegenüber. Gaddafi hinterließ eine Politik der verbrannten Erde. Er selbst betrachtete sich als den großen Revolutionsführer mit Vorliebe für operettenhafte Outfits und hielt sich in absolutistischer Manier für die Verkörperung des Staates. Gaddafi war Libyen und Libyen war Gaddafi. Er hielt sich unzweifelhaft für Gott. Es war die absolute Überhöhung der eigenen Person. Es gab für ihn nur zwei Optionen: Sieg oder Vernichtung.

Schon in jungen Jahren war Gaddafi glühender Anhänger arabisch-sozialistischer Ideologien. Sein Geografiestudium brach er ab und ließ sich in Großbritannien zum Offizier ausbilden. 1969 putschte der 27-Jährige mit seinem „Bund freier Offiziere“ den libyschen König Idris aus dem Amt und formte das Land zu einem sozialistischen Staat um. Im Volk wurde er als Revolutionär und Befreier wahrgenommen – und er verstand es geschickt, diesen Nimbus zu nutzen, um einen Kult um seine Person aufzubauen – ein Paradebeispiel für einen bösartigen Narzissten.

Die Physiognomik eines Tyrannen

Aus seinem Gesicht springt förmlich die ganze Bösartigkeit. Eine Aura der Aggressivität und Wut umhüllt diesen Mann. Schiefe Gesichtszüge, eine unreine, lederartige und geradezu zementartige Haut, ein böser, durchdringender Blick, eine erhobene Kopfhaltung ( Vergl. mit den Ausführungen in Körpersprache von Narzissten ) und ein unwilliger, schiefer und  spannungsloser Mundausdruck sind einige wenige äußere Erscheinungsmerkmale, die vermuten lassen, dass hier nichts Gutes zu erwarten ist.

Die äußeren Körpermerkmale spiegeln immer die inneren Wesenszüge wider. Hieran kann man – ein geschulter Blick vorausgesetzt – unweigerlich den abgründigen Charakter erkennen. Eine solche Person hätte niemals in die Position uneingeschränkter Macht gelangen dürfen. Leider ist festzustellen, dass es solchen bösartigen Disputen immer wieder gelingt, sich in Schlüsselfunktionen zu schleichen, wo sie ihre Leidenschaften ungezügelt ausleben können und viel Leid über die Mitmenschen bringen.

Diese bösartigen Charakterstrukturen sind aber nicht nur bei Kriminellen, Mördern und Diktatoren zu finden. Auch wenn sie hier in besonders ausgeprägter Form zum Ausdruck kommen, so kann man sie abgeschwächt und weniger vordergründig bei sozial meist angepassten und äußerlich wenig auffälligen Menschen finden. Diese Personen verbergen sich lange Zeit hinter einer unauffällig Fassade und einem scheinbar normalen, bürgerlichen Leben. Doch die abgründige Innenwelt kann mit plötzlicher Wucht zum Vorschein kommen und in grausamsten Verbrechen enden ( z.B. Sexualtäter oder Amokläufer ).

Die narzisstische Wut eines Amokläufers

Der 22-jährige Student Elliot Rodger nahm im Mai 2014 sechs unschuldigen Menschen im kalifornischen Santa Barbara das Leben, bevor er sich anschließend selbst erschoss. Weil er noch Jungfrau war, hatte sich offenbar so viel Hass in ihm gestaut, dass dieser sich – wie es bei Amokläufern typisch ist – plötzlich und völlig unerwartet entlud.

Noch vor der Tat hat der junge Mann, der aus einem guten Eltern-Haus stammte, ein Video auf YouTube hochgeladen, in dem er unmissverständlich seinen Frust kundtat und Vergeltung ankündigte. Er hatte noch nie in seinem Leben eine Freundin, nie hatte er eine Frau zuvor geküsst, geschweige denn, dass er Sex hatte. Er lebte in Einsamkeit, wurde zurückgewiesen und musste seine unerfüllten Sehnsüchte ertragen.

Aus Rache wollte er nun alle „verwöhnten Schlampen“ abschlachten, die ihm in den Weg kamen. Es ist seiner Unscheinbarkeit und bis dahin völlig unauffälligen Lebensweise zu verdanken, dass niemand diese Botschaft ernst nahm. So ließ der junge Mann in einem qualvollen Gefühl der Kränkung und Benachteiligung seiner narzisstischen Wut freien Lauf, um sich wenigstens einmal in seinem Leben zu erheben und Macht über andere zu besitzen – wenn auch nur für einen kurzen, verheerenden Augenblick.

Der Todesschütze von Erfurt

Robert Steinhäuser lief maskiert am Tag der letzten schriftlichen Abiturprüfungen im April 2002 mit Munition bewaffnet durch das Gutenberg-Gymnasium von Erfurt und erschoss zielstrebig und kompromisslos beinahe jeden Lehrer, der ihm vor die Nase kam, bis er zum Schluss, nachdem bereits die Polizei eingetroffen war, sich selbst erschoss. Dieses Blutbad erregte in der gesamten Republik Aufsehen, unsagbares Mitgefühl für die Opfer und Fassungslosigkeit über diese grauenvolle Tat.

Robert Steinhäuser war kein guter Schüler und wurde nicht zum Abitur zugelassen, weil er ein ärztliches Attest gefälscht hatte. Wahrscheinlich überschätzte er sich, und seine Familie überschätzte ihn. Den Leistungsanforderungen war er nicht gewachsen, oder er wich ihnen aus. Sein Schulversagen erstreckte sich über Jahre. Doch offenbar zogen weder die Eltern noch der Schüler Konsequenzen. Wäre er auf eine niedrigere Schule gegangen, wäre er möglicherweise erfolgreicher gewesen und hätte nicht mit den permanenten Demütigungen leben müssen.

Auch Steinhäuser kam aus einem guten Elternhaus, war allerdings wegen seinen schlechten schulischen Leistungen, seinem Hang zu gewalttätigen Computerspielen und seinem offenkundigen Besitz von Waffen in seinem Umfeld bestens bekannt. Auch kannten viele seine reizbare und zum Teil cholerische Charakterveranlagung. Hätte jemand frühzeitig die Fakten addiert, wäre es wohl nicht zu diesem grauenvollen Massaker gekommen.  So werden aus scheinbar normalen, unauffälligen Menschen plötzlich schießwütige Bestien.

Der maligner Narzissmus im Alltag

Der bösartige Narzissmus muss seinen Niederschlag nicht ausschließlich in kriminellen und zerstörerischen Taten finden, sondern ist auch im alltäglichen Leben zu entdecken. Hier äußert er sich zum Beispiel in einem erdrückenden Dominanzverhalten in der Partnerschaft, bei Vorgesetzten und Untergebenen oder in der Familie. Verhaltensweisen wie das Abwerten, Mobben, Intrigieren oder Schikanieren sind an der Tagesordnung. Weil dieses Vorgehen im Zweifel schwer zu beweisen ist und durch das Gesetz weder geregelt oder noch limitiert wird, kann der Narzisst seine sadistischen Verhaltensweisen ausleben, ohne dass man ihn dafür anklagen kann.

Frauen sind weitaus weniger bösartig narzisstisch als Männer. Hier äußert sich das antisoziale Verhalten eher in einer mangelnden Bindungsfähigkeit und wechselnden Beziehungen. Die eigentlichen Grausamkeiten spielen sich eher auf einer emotionalen statt auf einer tätlichen Ebene ab. Das mangelnde Selbstwertgefühl verbirgt sich hinter einer äußerlich selbstbewussten Fassade und entpuppt sich in emotionalen Gemeinheiten, sobald ihr Selbstbild angegriffen wird.

 

E-Book: „Wie erkenne ich einen Narzissten?“

Wie erkenne ich einen Narzissten ? E-Book-Cover-1

Mehr Informationen hier

Psycho – Test

?????????

Kennen Sie einen Menschen in Ihrem Umfeld, bei dem Sie eine narzisstische Veranlagung vermuten ?

zum TEST

5 Schwächen von Narzissten, die Sie kennen sollten

Narzisstischer Mann schaut auf eine Frau herabDer Narzisst offenbart durch sein selbstherrliches und überhebliches Ver- halten gleichzeitig sehr große Schwächen. In seinem Größenwahn verliert er oft die Sicht für die Realität und seine mangelnde Umsicht verleitet ihn zu unnötigen Fehlern. ( WEITER ... )

Die 5 größten Ängste von NarzisstenHandsome man covering his eyes

Narzissten und Ängste scheinen auf den ersten Eindruck eher Gegensätze zu sein. Doch einen Großteil seiner Energie verwendet der Narzisst darauf, seine Ängste zu verbergen und ihnen nicht zu begegnen. ( WEITER ... )

Berühmte Narzissten

????????????????????????????????????????????

Es gibt viele berühmte Politiker, Schau- spieler, Wirtschaftsbosse, Sportler und Künstler mit auffallend narzisstischen Eigenschaften. Es scheint so, als sei Narzissmus notwendig, mindestens aber von Vorteil, um erfolgreich zu sein und berühmt zu werden.

zu den BIOGRAFIEN