Verdeckter Narzissmus

Verdeckter Narzissmus tritt nach außen unauffällig und nur schwer erkennbar auf. Zwar äußert sich der verdeckte Narzissmus völlig gegenteilig zum offenen Narzissmus, die dahinterliegende Motivation ist aber dieselben; das übersteigerte Verlangen nach Aufmerksamkeit und Bewunderung. Der verdeckte Narzisst versucht nur, sein Anerkennungsbedürfnis zu befriedigen, indem er hierzu seine Mitmenschen auf leise und indirekte Weise missbraucht.

Bild: © alphaspirit – 123rf.com

Der verdeckte Narzissmus ist eine Form des krankhaften Narzissmus und tritt nicht so offen zutage, wie es bei dem offen-grandiosen Narzissmus der Fall ist. Während sich der grandiose Narzisst exhibitionistisch in Szene setzt und mit seinen Eigenschaften, Fähigkeiten und Erfolgen protzt, verzichtet der verdeckte Narzisst auf jede Form der prahlerischen Selbstinszenierung und verbirgt seine Größenfantasien und sein großes Anerkennungsbedürfnis vor anderen. Während der grandiose Narzisst stark extrovertiert ist und mit seiner Selbstüberschätzung andere von sich zu beeindrucken versucht, ist der verdeckte Narzisst introvertiert und gibt sich zurückhaltend, bescheiden, freundlich und altruistisch.

Dennoch verbirgt sich hinter dem unauffälligen Verhalten des verdeckten Narzissten der starke Wunsch, von seinen Mitmenschen für seine Eigenschaften geschätzt und gewürdigt zu werden. Er wendet zur Befriedigung seiner Bedürfnisse jedoch nicht so offensiv-aggressive Methoden an wie der grandiose Narzisst, sondern geht auf stille, indirekte Weise vor, um Anerkennung oder Bewunderung zu erlangen. Er bedient sich subtiler Manipulationstechniken (z. B. Vorspiegelungen, Heimlichkeiten, Lügen oder Heuchelei), die für seine Mitmenschen nicht so leicht durchschaubar sind, und neigt dazu, sich unersetzlich zu machen, um damit die eigene Wichtigkeit zu unterstreichen.

Folgende Typen zählen zu den verdeckten Narzissten:

Der erfolglose Narzisst: Dieser Narzisst kann den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden. Er redet zwar ständig von seinen großartigen Fähigkeiten und Leistungen und träumt von zukünftigen Erfolgen, in Wirklichkeit kann er aber nichts dergleichen vorweisen. Seine Stärke liegt in der grandiosen Ausschmückung seiner Ideen und der Schwärmerei von kommenden Triumphen und vom ganz großen Ruhm. Zu diesen Narzissten gehören die Träumer und die ewig Benachteiligten.

Der vulnerable Narzisst: Dieser Narzisst fühlt sich unsicher, leidet unter andauernden Gefühlen von Angst, Besorgnis und Minderwertigkeit und macht sich von der Meinung und Entscheidung anderer abhängig. Er tritt ängstlich, gehemmt, vermeidend und unauffällig auf. Seine Stärke liegt darin, sich klein und schwach zu machen und sich selbst zu entwerten, so dass jeder sieht, dass er hilfsbedürftig ist. Auf diese Weise gelingt es ihm, die Aufmerksamkeit anderer auf sich zu lenken. Seine extreme Unsicherheit wird somit zu einem Vorteil umgemünzt, indem er seine Schwäche ganz offen inszeniert.

Der Co-Narzisst: Dieser Narzisst ordnet sich einem grandiosen Narzissten unter und identifiziert sich vollständig mit ihm. Dafür stellt er eigene Bedürfnisse und Überzeugungen zurück, unterstützt den Narzissten in allem, was dieser will, und ist mit allem einverstanden, was dieser macht. Diese Aufopferung erfolgt aber keineswegs selbstlos. Der Co-Narzisst will sich über die perfekte Befriedigung aller Wünsche des Narzissten unersetzlich machen und sich dadurch selbst aufwerten. Letztlich will er über die totale Anpassung und Unterwerfung die eigenen emotionalen Bedürfnisse befriedigen.

Der altruistische Narzisst: Dieser Narzisst tritt uneigennützig, bescheiden, höflich und scheinbar hochanständig auf. Er ist immer für andere da, stellt seine eigenen Bedürfnisse und Interessen jederzeit zurück und scheint sich für seine Mitmenschen aufzuopfern. Seine Stärken sind sein großes Verständnis sowie seine enorme Toleranz, seine Rücksichtnahme, Fürsorglichkeit und sein Wohlwollen. Indem er stets als gutes Beispiel vorangeht und sich als Gutmensch präsentiert, zieht er die Aufmerksamkeit anderer auf sich, die ihn loben und sich an ihm ein Beispiel nehmen wollen.

Der passiv-aggressive Narzisst: Dieser Narzisst verhält sich seinen Mitmenschen gegenüber absichtlich unehrlich, ignorierend und boykottierend, um darüber seine innere Wut abzubauen und sich als überlegen und nicht beherrschbar zu erleben. Der passiv-aggressive Narzisst geht dabei verdeckt vor, weil er mit seiner Feindseligkeit und Boshaftigkeit nicht auffallen will und unangenehme Gegenreaktionen fürchtet. Also ist er vordergründig freundlich, hilfsbereit und kooperativ, hinter dem Rücken anderer verhält er sich aber gegenteilig und sabotiert. Dieser Narzisst zieht seine Befriedigung daraus, dass er andere hintergeht und diese ihm nicht auf die Schliche kommen.

Der neidische Narzisst: Dieser Narzisst ist chronisch neidisch auf die Fähigkeiten, Erfolge oder Besitztümer anderer. Angesichts des vermeintlichen Vorteils eines anderen fühlt er sich sofort minderwertig, weil dieser scheinbar etwas besser kann oder mehr hat als er. Da er nicht in der Lage ist, dem anderen das Wasser zu reichen, wertet er ihn ab, um sich auf diese Weise nicht so mickrig vorkommen zu müssen. Sein Bestreben liegt darin, den guten Ruf anderer zu beschädigen, um von der eigenen Durchschnittlichkeit abzulenken.

Verdeckter Narzissmus ist meist von einer Opferhaltung geprägt

Verdeckte Narzissten erreichen ihr Ziel häufig, indem sie sich als bemitleidenswertes Opfer präsentieren, das keine Schuld an den schwierigen oder unglücklichen Umständen trägt, in die es geraten ist, und alle anderen dafür verantwortlich macht, dass es nicht erfolgreich, fröhlich oder gesund sein und ein erfülltes Leben führen kann. Verdeckte Narzissten fühlen sich verkannt und sind der Meinung, dass ihre Talente, Fähigkeiten,  Leistungen und Erfolge nicht hinreichend gewürdigt werden. Mit einer theatralischen Inszenierung gelingt es ihnen, andere davon zu überzeugen, dass sie benachteiligt und von anderen ungerecht behandelt wurden oder dass das Leben es ganz allgemein schlecht mit ihnen meint. Auf diese Weise schaffen sie es, das Mitgefühl anderer zu wecken, sie auf ihre Seite zu ziehen und dann für ihre Zwecke zu missbrauchen.

Verdeckter Narzissmus äußert sich bei Männern meist in einer zögerlichen und unterwürfigen Haltung. Sie wollen dem anderen unbedingt gefallen und aus diesem Grund keinen Fehler machen. Männer warten zunächst, bis der andere seine Meinung oder seinen Wunsch vorgetragen hat, und stimmen dann zu oder gehen vollumfänglich darauf ein. Sie erhoffen sich dessen Wertschätzung, wenn sie dem anderen mustergültig dienen, und sind entsprechend enttäuscht, wenn die Anerkennung ausbleibt. Bei Frauen kann sich der verdeckte Narzissmus in ähnlicher Weise äußern, sie fordern aber häufig mehr die aktive Mithilfe des anderen ein, indem sie um konkreten Rat bitten, sich mehrmals in ihrem Vorgehen absichern und sofort besorgt sind, sobald etwas nicht ganz reibungslos läuft.

Bei Müttern kann sich der verdeckte Narzissmus in der Form äußern, dass sie stets alles für ihre Kinder machen – nicht den Kindern zuliebe, sondern um sie von sich abhängig zu machen. Indem sie ihnen alles abnehmen, immer für sie da sind und sie rundum verwöhnen, erleben sie sich als großartige Mutter. Dass sie mit diesem Verhalten ihre Kinder nicht zur Selbstständigkeit erziehen, nehmen sie dabei in Kauf. Verdeckt narzisstische Mütter können extrem empfindlich reagieren, sobald etwas nicht nach ihren Vorstellungen geht, oder sind ständig besorgt um ihre Kinder, reden diesen eine Krankheit oder ein anderes Handicap ein oder wollen sie ständig um sich haben, um so im Mittelpunkt zu stehen oder sich unersetzlich zu machen. Alles dient nur dazu, sich selbst als wichtig und wertvoll zu erleben.

Schuldgefühle sind die Nahrung des verdeckten Narzissten

Der verdeckte Narzissmus äußert sich in scheinbar selbstlosem Verhalten. „Ich mache das doch nur für dich!“ oder „Ich meine es doch nur gut!“ sind häufig Sätze, die von verdeckten Narzissten geäußert werden. Sie stellen das Wohl des anderen vermeintlich über alles, um darüber ihre Einmischung, Belehrung und Hilfe zu legitimieren. Nach außen geben sie vor, dass es ihnen nur um den anderen geht und niemals um sie. Werden sie zurückgewiesen, erkennt man an ihrem enttäuschten Gesichtsausdruck – und häufig auch an anhaltender Kritik verbunden mit der Prophezeiung, der Betroffene werde scheitern, wenn ihr Rat nicht befolgt werde –, dass sie unfähig sind zu akzeptieren, dass der andere sie nicht braucht und ihnen somit die Anerkennung für ihre Dienste verwehrt.

Das Einflößen von Angst- oder Schuldgefühlen ist ein häufig eingesetztes Instrument des verdeckten Narzissten: Der andere wird auf subtile Weise in die Defensive gedrängt, aus die er sich angeblich nur befreien kann, wenn er sich von dem verdeckten Narzissten helfen lässt und dessen Vorstellungen folgt. Der verdeckte Narzisst kann so den anderen an sich binden und über ihn verfügen. Indem er dem anderen einredet, dass dieser ohne ihn hilflos ist, erweitert der Narzisst seinen Einflussbereich und erlebt sich als mächtig und überlegen.

Letztlich wollen verdeckte Narzissten nichts weiter, als besser zu erscheinen als andere und dafür Bewunderung zu erhalten. Empathie und echtes Interesse an den Mitmenschen sind genauso wenig vorhanden wie bei dem grandiosen Narzissten. Der verdeckte Narzisst ist extrem ichbezogen und geht Beziehungen zu anderen Menschen nur ein, um von diesen fortlaufend die eigene Großartigkeit gespiegelt zu bekommen. Wird sein Anerkennungsbedürfnis nicht befriedigt, bricht seine übersteigerte Erwartungshaltung plötzlich aus ihm heraus und er reagiert extrem empfindlich, wenn er Kritik, Abweisung oder schlicht Ignoranz erfährt. Hinter dem Verhalten des verdeckten Narzissten steckt eine große Bedürftigkeit, die er über vermeintliche Aufrichtigkeit, Freundlichkeit und Selbstlosigkeit zu verbergen versucht.


Autor des Webseite

Mein Name ist Sven Grüttefien. Ich bin der Verfasser dieser Webseite. Als ausgebildeter Heilpraktiker für Psychotherapie habe ich mich auf die Beratung von Menschen, die unter narzisstischen Missbrauch leiden, spezialisiert und biete zu diesem Thema zahlreiche Bücher, Coachings, Seminare und Vorträge an.

Mehr über mich


Veröffentlicht in Blog, Formen des Narzissmus
34 Kommentare zu “Verdeckter Narzissmus
  1. Jo sagt:

    Herzlichen Dank für diesen Artikel.
    Ich verstehe das so, dass verdeckte Narzissten sich ihres Narzissmus oft nicht bewusst sind, sondern sich tatsächlich z. B. für extrem empathisch, hypersensibel, altruistisch, hochintelligent etc halten.
    Eine feine Kombination aus
    – zahlreichen Schwächen, auf die Rücksicht zu nehmen ist (Unverträglichkeiten o.ä.),
    – alten Verletzungen, die ihn immer noch belasten und niemals ad acta gelegt werden können (-> Schuldgefühle beim Gegenüber!),
    – großem Bedürfnis nach Lob und Anerkennung für Geleistetes
    ist offenbar ein Indiz für verdeckten Narzissmus und kann eine Beziehung nachhaltig stören.

    Dieses Thema beschäftigt mich aktuell sehr.

  2. Sven Sch. sagt:

    Danke für diesen Artikel. Erklärt diesen Aspekt der NPS sehr gut.

    Zur „Hilfe“ durch pseudo-altruistische Narzisten:

    Ich brachte mal als Beispiel an: „Das machst du mit mir:“
    *Ich drückte frisch sprießende Kräuter in einem Blumentopf nieder; diese richteten sich langsam wieder auf; ich drückte sie wieder platt* – das wiederholte ich mehrmals, bis die Kräuter sich immer langsamer erholten …

    Sie sagte dann tatsächlich sowas wie: „Jetzt begreife ich was du meinst.“ – Nur um einfach so weiter zu machen wie vorher auch, nur immer besser neu kaschiert / kostümiert.

  3. Caacoo sagt:

    Wieder ein sehr interessanter Beitrag. Ich habe in meinem Leben auch schon einige Narzissten kennen gelernt und einiges gelesen aber diese Homepage bzw. Herr Grüttefien erkennt sehr tief worum es geht und beschreibt das sehr gut.
    Was mich fassungslos macht ist der Typ Altruistischer Narzisst. Der Blender ist noch leicht zu erkennen.
    Ein ehemaliger Freund war so ein altruistischer Narzisst. Stets überhöhte er sich selbst indem er seine Rolle, der Gute zu sein, auslebte. Irgendwann habe ich gemerkt dass ihm andere Menschen völlig egal sind, er null Echte Empathie aufbringen kann.
    Es ging immer nur um seinen Narzisstischen Gewinn wenn er jemanden zB „retten“ konnte.
    Ohne das Innere Versprechen auf diesen N-Gewinn tat er gar nichts und fühlte auch gar nichts.

    • lilli sagt:

      Hallo,

      schwer zu erkennen,
      der ‚überchristliche‘ Narzissmus einer ‚Freundin‘,
      die sich nicht wirklich interessiert,
      doch behauptet, dass dies oder jenes bei mir gut gelaufen sei, käme davon dass sie dafür gebetet hätte.
      Ihr zu erklären, dass Vorbereitungen Durchführungen für den Erfolg gesorgt hätten, ignoriert sie.
      Seit Monaten melde ich mich nicht mehr bei ihr und von ihr kommt entsprechend ihrem geringen echten Interesse nichts.
      Dass diese Homepage von Sven Grüttefien sehr tief geht und sehr gut ist,
      unterschreibe ich voll.

      • Lise1 sagt:

        @lilli
        Diese Beter nerven mich auch. So beqeum am warmen Ofen ohne großen Aufwand ein paar Gedanken an irgend einen einen der Millionen Götter zu schicken – und wenn man selber mit viel Mühe irgendwas geschafft hat, denken sie, das Gelingen läge an ihnen. Dabei haben sie nichts getan, gar nichts. Ich kennen einen, der sagte zu jemandem in Not, er solle nichts unternehmen, der liebe Gott regelt das schon. Der regelte natürlich nchts und der Notleidende begann viel zu spät mit der Selbstrettung.

        (Wie bei der Homöopathie, wenn deswegen wirksame Therapien unterbleiben oder zu spät beginnen.)

        Ich gönne ihnen dieses Gefühl, geholfen zu haben, nicht. Und sage das auch.

        • lilli sagt:

          … die tun wegen ihrer Komplexe-beladenen Narzissmusstörung überlegen
          und dagegen hilft nur ein klares Nein und Abstand,
          denn ein persönlicher Meinungsaustausch auf Beziehungsebene ist mit Egozentrikern/innen nicht möglich.

          • lilli sagt:

            Hallo,

            ich bin von meiner narzisstischen Mutter und dem dritten Partner mit Narzissmusproblemen immer mehr
            bei mir selbst angelangt:
            Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst und beschäftigen Sie sich mit Ihren Dingen,
            Sammeln Sie ihre Kräfte und regenerieren Sie sich,
            lese ich oft hier auf der Homepage in ‚Befreiung von Narzissten‘.
            Wenn ich zurückfalle in
            Gedankenkreisen um die Narzissten,
            ist das bei mir der co-narzisstische Erfolgsdruck.
            Also, zurück zu den Slogans:
            Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst, beschäftigen Sie sich mit sich selbst,
            Sammeln Sie Ihre Kräfte und regenerieren Sie sich !

  4. Gerd M. sagt:

    Ich denke, wir bewegen uns hier auf dünnem Eis.
    Denn die Grenzen sind fließend. Und ein gewisses Maß an Narzissmus hat nicht nur jeder, sondern ist auch lebensnotwendig. Und wie überall gilt „Die Dosis macht das Gift“.
    Was ich aber feststellen kann: Versteckte Narzissten ziehen sich Narzissten an, die ihr Ego aktiv und offen nach aussen tragen. „Gleich und Gleich gesellt sich gerne“
    Dieses Kombipaket findet man oft bei Paaren. Mir hat mal eine Hausfrau gesagt: „Ich kriege von meinem Mann immer, was ich will. Ich muss ihm nur das Gefühl geben, es wäre seine Idee, seine Entscheidung gewesen“
    Nun, ob das noch „weibliche List“ ist oder schon extreme „Manipulation aus Selbstsucht“ wer weiß das. Wenn es aber allen Beteiligten nutzt, wer sollte das ver-urteilen ?
    Jedenfalls finde ich die „versteckten Narzissten“ am schlimmsten. Es sind extrem unangenehme Leute. Da ist mir der offen gezeigte Narzissmus lieber. DA weiß ich wenigstens, woran ich bin.

    • oopsie sagt:

      du bist scheinbar noch neu im narziss-business..
      dran bleiben mein guter.
      gruss
      ute

      • Simone sagt:

        Ich finde, Gerd spricht einen sehr wichtigen Punkt an. Die Realität ist nicht schwarz-weiss, die Übergänge sind fliessend und ich bin überzeugt, es tut uns allen gut, genau hinzuschauen- auch bei uns selber. Nur so gelingt es, toxische Narzissten rechtzeitig zu erkennen, bevor man in der Falle sitzt. Wer glaubt, Narzissten seien alle so scharf umzeichnete Figuren wie beispielsweise Trump, der irrt.

  5. Anka sagt:

    Das Thema finde ich wirklich noch einmal gut gewählt!
    Es ließen sich da auch noch einige „Formen“ ergänzen…

    Die Auflistung hat mich ein wenig an die „Narzissten-Galerie“ in Reinhard Haller’s „Narzismussfalle“ erinnert.

    Wir Menschen haben sicher alle Anteile, die wir in einem „besseren Licht“ sehen, als bei den „Anderen“ 🤔😉😊

    Herzliches Dankeschön 😊

  6. Yvonne sagt:

    PS: Ich denke halt, dass wir in einer sehr selbstbezogenen Kultur leben. Das narzisstische Verhalten hat sich exponentiell ausgebreitet und bringt solche Verhaltensweisen zutage. Was mich an der ganzen Narzissmus Diskussion stört, ist dass man fast alles Verhalten, (auch sich gegen übergriffige Forderungen wehren) als Narzissmus auslegen kann. (und oft auch tut) Ausserdem ist immer der Andere der Narzisst, was ich ungesund finde, denn es verhindert Introspektion und eigenes Wachstum. Schuldzuweisungen sind halt immer einfacher, als das eigene Verhalten ebenfalls unter die Lupe zu nehmen und den eigenen Anteil, welcher im Andern evt. sogar den Narzissmus noch unterstützt. Das ist wie beim Alkoholiker mit seinem ganzen Feld von Co-Alkoholikern, welche die Sucht noch befördern und es nicht mal merken. Langer Rede kurzer Sinn, man sollte immer beide Seiten kennen und anhören. Der andere kann ja ebenfalls denken, ich sei der „wahre“ Narzisst. Dann geht die Schuldverschiebung immer weiter, zu den Eltern, dem Lehrer, den Grosseltern, usw. usw. Und nichts hat sich wirklich geändert. Wenn eine Beziehung toxisch oder krank wird, muss der „leidende“ Teil gehen. Es gibt viel zu viele solche Leidensbeziehungen. Leid hat aber in einer Partnerschaft, Freundschaft oder Ehe langfristig keinen Platz, da weder der Täter noch das Opfer wachsen können.

  7. Hallo Herr Grüttefien,

    herzlichen Dank für diesen weiteren, hervorragenden Beitrag über das weitverbreitete Thema verdeckter Narzissmus.

    Bei mir selbst hab ich mit erschrecken vor 4 Jahren diese Art von Narzissmus entdeckt, in Zügen, situativ bedingt, und das als jemand, der ebenfalls seine Hochsensibilität vor einiger Zeit entdeckt hat.

    Wie sie in einer Antwort auf einen Kommentar schreiben: Es kommt auf die Kontinuität und Starheit des Musters an. Ich beachte es immer öfters, z.B. in Situationen, wo ich mich gekränkt fühle, und das hilft schon ungemein. Noch erschreckender war nach diesem Erkenntnisprozess, dass ich das Muster von verdecktem Narzissmus bei einigen Leuten aus meinem Freundeskreis erkannte (wie so oft: erst wenn man es selbst erkennt, fällt es einen bei anderen auf), insbesondere was das von Ihnen skizzierte Thema der subtilen Schuldgefühle angeht und dem, was sie hier beschrieben haben:“Hinter dem Verhalten des verdeckten Narzissten steckt eine große Bedürftigkeit, die er über vermeintliche Aufrichtigkeit, Freundlichkeit und Selbstlosigkeit zu verbergen versucht.“

    Mittlerweile habe ich andere Freunde gefunden 😉

    Herzliche Grüße

  8. Lambert Thomas sagt:

    Waidgerechter Blattschuss: Der Beitrag wird (Mein Drucker macht mal wieder Mist) als PDF vom Sicherungslaufwerk auf das Tablet kopiert und geht dann stationär für einige Wochen mit in die Klinik, um so Einiges an seelischen Trümmern, Flashbacks, Kindheitsmissbrauch, F 22 paranider und Minderwertigkeitswahn, F 60.8, Passiv Aggressiv, Ganser – Syndrom und noch Einiges Anderes habe ich teils schon reflexiv selbst gefunden, teils diagnostiziert,zu verarbeiten.

    Gelegentlich habe ich mich schon gewundert, warum ich mich falls möglich für Andere einsetze, krankhaften Narzissten und Soziopathen liebend gerne am Ego „herum kratze“ und nie für möglich gehalten, dass bei mir evt. altruistischer und passiv – aggressiver Narzissmus vorliegen könnte. Spuren von KPTBS bzw. deren Folgeschäden wurden auch schon in der Klinik bestätigt:

    Das wird jetzt demnächst fachkundig analysiert…

    Auch der Narzissmus hat ja seine zwei Seiten, die positiv von Martin Luther-King über Mutter Theresa und den Besatzungen von Rettungsschiffen bis negativ zu solchen traurigen Typen wie Trump, Schröder, Putin, Hitler, Nero usw. variieren.

    Manchmal verschwimmt es in der gleichen Person, ich erinnere mich noch an meine Zeit in der FFW: So langsam wird mir klar, wie Jemand gleichzeitig als Ortsbrandmeister selbstlos aktiv sein, aber gleichzeitig fleißig fremd gehen und abhängig sein (O – Ton P. Will: „Inne Vüüerweermann mott inne Süper on Hurebock sien! Dä poppt neet on dä süüpt neet!“) kann.

  9. Uschi sagt:

    Dann ist ein Co-Narzisst auch ein Narzisst. Etwas stimmt ja sicher etwas nicht mit einer Person, die sich mit einem Narzissten einlässt und ihm jeden Wunsch von den Augen abliest. Sich wegen dem Narzissten von seinen Freunden abwendet und am Schluss auch noch mit seiner Ursprungsfamilie zerstreitet. Herr Gruetefien können sie nicht ein paar Beiträge verfassen, die sich mit den Co-Narzissten, Flying Monkeys usw. befassen. Das heisst diese etwas beleuchten. Für mich ist es völlig unverständlich, wie sich eine Person so vorschieben und missbrauchen lässt. Ich denke, dass so ein Co-Narzisst keine starke Persönlichkeit hat.

    • Anka sagt:

      Ein Co-Narzisst hat keine starke „Persönlichkeit“ ?

      Ganz im Gegenteil…
      Er hat wohl eher sogar eine sehr starke frühe „Prägung“ und/oder
      „An-leitung“ erfahren.

      Dieses, Seele und Ent-wicklung einengende Konstrukt müßte von ihm/ihr einmal genau beleuchtet werden, wenn er/sie leidet…

    • Zu den von Ihnen genannten Schlagwörtern existieren bereits Beiträge auf meiner Webseite. Bitte unter der Suchfunktion nachsehen!

  10. Fritz sagt:

    Die für mich wichtigere Frage ist wie man damit umgeht und wie man es den Kindern erklärt warum bspw. die Mutter so oder so reagiert. Nähert man sich die Problem rational hat man jeden Tag Hölle zu Hause, versucht man das zu umgehen in seiner Vorgehensweise kann man moeglichwerweise den Kindern nicht richtig helfen.

    • Anka sagt:

      Warum sollte man Kindern „unangemessenen Verhalten“ ihnen gegenüber er-klären ?

      Da gehören ganz eindeutig Grenzen aufgezeigt, meiner Ansicht nach.
      Zum Einen zu deren Schutz und zum Anderen als Lernerfahrung, daß kein Mensch „Alles“ hinnehmen/ertragen muß.

      Erklärungen werden leider sehr schnell als eine Art „Recht-fertig-ung“ betrachtet.
      Wäre das tatsächlich in deinem Sinne ?

  11. Susan sagt:

    Ich pflichte Yvonne bei. Das waren auch meine ersten Gedanken beim Lesen dieses Artikels. Ich lese schon seit langer Zeit alle Newsletter, dieser jedoch verunsichert mich dahingehend, dass man davon ausgehen muss, dass es weit mehr Narzissten unter uns gibt, als ich anfangs dachte?!

  12. Sarah sagt:

    Ein narzisstischer Anteil schlummert sicher in jedem Menschen.
    Ohne diesen wäre weder Liebe noch Fortpflanzung denkbar.
    Die Frage ist, wie hoch ist dieser Anteil und ab wann wird dieser destruktiv.
    Der verdeckte, erfolglose Narzissmus scheint mir der gefährlichste,
    da er sehr schwer zu entdecken ist.
    Vor 6 Jahren verliebte ich mich in ein solches Exemplar. Mein eigener Narzissmus hatte sicher einen Anteil daran, war ich doch den Schmeicheleien am Anfang der Verbindung sehr zugetan.
    Ich dachte damals, nachdem ich mehrere Erfahrungen mit offenen Narzissten in meinem Leben hinter mir hatte, dass ich endlich einem bescheidenen, loyalen und fürsorglichen Menschen begegnet wäre.
    Er verkündete hohe moralische Werte und arbeite im kirchlichen Umfeld.

    Von Anfang an hatte ich jedoch das Gefühl, dass etwas in der Beziehung nicht ganz stimmte.

    Sehr schnell sprach er von größter Liebe und ewiger Treue, stellte mich seinen Eltern vor und ich wurde ganz selbstverständlich in die Familie integriert.
    Was er ihnen verheimlichte, war, dass ich noch verheiratet war.
    Es stellte ein großes Problem für ihn dar, dass ich mit meinem „Ex“ Mann noch freundschaftlich verbunden bin, jedoch sprach er am Anfang nicht davon.

    Weder hatte er das on/off Verhältnis zu seiner Ex sauber beendet, noch verhielt er sich im Beisein anderer Frauen loyal zu mir.
    Es ging ihm hautsächlich darum, bei den anderen gut anzukommen.

    Meinen beruflichen Erfolg im künstlerischen Bereich benutzte er, das sehe ich im Nachhinein, hauptsächlich um vor anderen damit zu prahlen.
    Er selbst, künstlerisch und beruflich relativ erfolglos, interessierte sich gar nicht für mich und meine Arbeit. Nichtmal für Kunst.
    Seine hohe Moral und christlichen Werte endeten wenn er sich selbst verletzt fühlte,
    was fast ein Dauerzustand war.

    Ich trennte mich nach einem halben Jahr, als das Schweigen, das er als Strafe gegen mich einsetzte, für mich unerträglich wurde.
    Ich wurde schnell ersetzt, mehrfach, ebenfalls erfolglos.
    Er hat nicht gelernt.

    Mir geht es nun, nach einem ausgeprägten Tief sehr viel besser.
    Ich habe eine Zufriedenheit gefunden, die in all den narzisstischen Beziehungen in meinem
    Leben undenkbar war.
    Eine sehr gute Psychologin an meiner Seite, die sehr früh erkannt hat, dass es sich bei ihm um einen verdeckten, pathologischen Narzissten handelte,
    betrachte ich als großes Glück.

    Ebenso hat diese wunderbare Seite dazu beigetragen, auch dass ich Narzissten nun viel schneller erkenne.

    Vielen Dank an Herrn Grüttefien und die tollen Forenbeiträge!

  13. Mr. X sagt:

    Der verdeckte Narzisst ist viel gefährlicher als der offene, weil er zunächst nicht erkannt wird, im Hintergrund die Fäden zieht und so langsam sein Netz spinnt. Ich war mit so einem Typen über 30 Jahre lang „befreundet“. Aber es gab immer wieder Red-Flags, die ich nicht sehen wollte. Ich war halt naiv und dumm. Hat man einmal so eine Typen entlarvt, sich von ihm losgesagt und vor allem: daraus gelernt, hat man schon an Weisheit gewonnen und fällt nicht mehr so leicht auf narzisstischen Missbrauch herein. Manchmal ist so eine kalte Dusche notwendig! So war es auch bei mir…

    • Sonja sagt:

      ging mir genauso, 35 jahre meines lebens…und ich habe es nicht erkannt, weil ich es gar nicht anders kannte, so behandelt zu werden (narz-mutter und großmutter)

      • lilli sagt:

        Hallo,

        für mich stellt sich in dieser Hinsicht die Frage:
        Was ist gesunde Eigennitiative,
        was ist abhängiges Agieren?
        Eigeninitiative entspricht dem eigenen Willen,
        abhängiges Agieren
        ist unter die Vorstellungen eines anderen gepresst,
        also nur eigentlich.

  14. Yvonne sagt:

    Nach dieser Aufzählung ist ja fast jeder mehr oder weniger ein Narzisst. Ein verdeckter halt. Kann das sein? Ich dachte, nur ca.) 1% der Bevölkerung sei narzisstisch.

    • Stefan sagt:

      Ja, das war auch mein Eindruck nach dem Lesen dieses Artikels. Ich habe mich sogar kurz gefragt, ob ich auch so jemand bin. Aber letztlich sehnt sich ja jeder nach Anerkennung, das ist doch ganz normal. Es kommt wohl auf die „narzisstische Dosis“ an: Erst ab einer bestimmten Schwelle fängt es an, krankhaft zu werden.

      Da fällt mir ein, dass eine Bekannte einem guten Freund einmal vorwarf, er würde nur Trinkgeld geben, um sich selbst besser zu fühlen. Er konnte das damals nicht ganz von der Hand weisen. Ich fand das indes übergriffig, konnte aber nicht erklären, wieso. Alles ganz normal. Heute weiß ich: Wäre das tatsächlich bereits Narzissmus, wäre ja jeder betroffen, der Trinkgeld gibt. Handlungen haben immer mehrere Ursachen.

      • Anka sagt:

        Stefan,
        das sehe ich auch so. Anerkennung kann als Normal gelten.
        Bei „Be-WUNDER-ung“ bekomme ich eher Bauchschmerzen…

        Das Bsp. mit dem Trinkgeld fand ich richtig gut!
        Alleine dieser „kleine Satz“ lässt derartig viele Varianten der unterschiedlichen Interpretationen und auch Motivationen der Beteiligten zu …
        Klasse 👍

    • Narzisstische Anteile trägt letztlich jeder Mensch in sich und dies ist bis zu einer bestimmten Grenze auch völlig normal und unbedenklich. Erst wenn das Umfeld zur Befriedigung des eigenen Bewunderungsbedürfnisses benötigt oder missbraucht wird, wird es gefährlich. Dies kann von einem situativen Verhalten, über einen akzentuierten Persönlichkeitsstil bis hin zu einer Persönlichkeitsstörung gehen. Die Grenze ist dabei immer fließend und kann situationsbedingt variieren. Daher können sich sicher viele Leser in der Aufzählung wiederfinden. Die Frage, ob sie tatsächlich davon betroffen sind, liegt an der Kontinuität und Starheit bei der Umsetzung des beschriebenen Musters.

      • Bianca sagt:

        Lieber Herr Grüttefin,

        ich weiß nicht, ob es ein Phänomen ist, Zufall o.ä., aber ich habe bei den verdeckten männlichen Narzissten immer die Erfahrung gemacht, dass sie maximal 1,70 m lang waren…
        Einer sagte sogar ganz offen, dass er toll findet, Menschen zu verraten…!
        Weil ihm die körperlich wirkende Überlegenheit fehlte, baute er Stück für Stück die manipulative und emotional erpressende Art aus…
        Außerdem ist meine Beobachtung, dass sie immer in sozialen Berufen arbeiten ,wo sie Schwächere in Abhängigkeit haben.
        Krankenpfleger, juristische Berufe, die Hartz-IV Leuten helfen, Betreuer in WG psychisch Kranker usw.

        Sie können somit ihre Machtgier und Bestätigung im Stillen genießen…

        Ist dies Ihrerseits eine Betrachtung wert, wer offen und wer versteckt agiert und weswegen…?

        Herzliche Grüße und danke für Ihre wertvolle Arbeit.

        Bianca

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*