Co-Narzisst – Was bedeutet das?

Der Co-Narzisst hat die gleichen emotionalen Bedürfnisse wie der grandiose Narzisst – nur dass er sie in entgegengesetzter Richtung zu befriedigen versucht. Er zieht seine Befriedigung aus der Unterstützung und Verwöhnung des Narzissten und ordnet sich zu diesem Zweck seinem Partner vollständig unter. Co-Narzissmus verstärkt den Narzissmus des anderen, indem der Co-Narzisst dem Narzissten genau das gibt, wonach dieser verlangt. Auf diese Weise fühlt sich der Co-Narzisst gebraucht und damit wichtig.

Der Co-Narzisst

Bild: © luckybusiness – 123rf.com

“Co-Narzisst” ist die Abkürzung für „Komplementärnarzisst“ und bedeutet, dass sich der Partner des Narzissten zu diesem ergänzend verhält. Das heißt, der Co-Narzisst erfüllt dem Narzissten durch seine Eigenschaften und sein Verhalten auf unbewusste Weise dessen emotionalen Bedürfnisse und kann darüber gleichzeitig die eigenen Bedürfnisse befriedigen. Durch die perfekte gegenseitige Befriedigung ihrer Bedürfnisse passen Co-Narzisst und Narzisst hervorragend zusammen, wie der Schlüssel zum Schloss, und scheinen daher eine stabile und aussichtsreiche Verbindung einzugehen.

Oft ist der Begriff „Co-Narzisst“ missverständlich, weil Partner von Narzissten in der Regel meinen, sich nicht narzisstisch und schon gar nicht respektlos und ausbeuterisch zu verhalten. Es ist aber keineswegs so, dass Partner von Narzissten nicht auch narzisstische Anteile in sich tragen, die sie aber auf andere Weise – und in der Beziehung mit einem Narzissten in genau gegenteiliger Weise – ausleben. Genau wie der grandiose Narzisst hat auch der Co-Narzisst ein starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Bewunderung und will sich aus diesem Grund seinerseits den Narzissten zu eigen machen, um dessen Größenbild zu stärken und sich darüber aufzuwerten.

Der Co-Narzisst fällt im Gegensatz zu dem Narzissten weniger durch Wichtigtuerei, Arroganz, Dominanz, Egoismus und Rücksichtslosigkeit auf, sondern eher durch Bescheidenheit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Unterwürfigkeit und Nachgiebigkeit. Dadurch kann der Eindruck entstehen, der Co-Narzisst habe mit krankhaftem Narzissmus überhaupt nichts zu tun. Tatsächlich versucht er aber, mithilfe seiner Eigenschaften und seines Verhaltens die eigenen narzisstischen Bedürfnisse zu befriedigen, geht dabei nur anders vor als der grandiose Narzisst. Während dieser mit seiner offen aggressiven Weise versucht, seine Bedürfnisse einzufordern, geht der Co-Narzisst zurückhaltend und verdeckt vor – häufig aber genauso manipulativ.

Der Co-Narzisst fördert die Eigensucht des Narzissten

Co-Narzissmus kann auch als Co-Abhängigkeit bezeichnet werden. Der Co-Narzisst wird im Laufe der Beziehung von dem Narzissten emotional abhängig gemacht: Weil sich der Narzisst  zunehmend fordernd, aggressiv und verletzend dem Partner gegenüber verhält, bemüht dieser sich, den Narzissten durch angepasstes und unterwürfiges Verhalten nicht noch mehr zu provozieren. In der Folge tut er alles dafür, den Narzissten zufriedenzustellen und dessen Vorstellung zu entsprechen.

Dadurch fixiert sich der Co-Narzisst aber zu stark auf die Wünsche und Bedürfnisse des Narzissten und lernt, dass er sich ohne dessen Bestätigung und Wohlwollen nicht sicher und liebenswert fühlen kann. Somit entwickelt er seinerseits im Laufe der Beziehung ein erhöhtes Verlangen nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, um mithilfe der Wertschätzung des Narzissten sein Selbstwertgefühl regulieren zu können. Er macht seinen Wert somit allein davon abhängig, ob er dem Narzissten gefällt oder nicht.

Gleichzeitig verstärkt er durch sein nachgiebiges Verhalten die narzisstischen Tendenzen des Narzissten. Der Narzisst fühlt sich aufgrund der Hörigkeit seines Partners erst recht großartig, unwiderstehlich und unantastbar. Da ihm von seinem Partner keine Grenzen aufgezeigt werden, sondern er nur Unterstützung und Bewunderung erhält für alles, was er sagt und tut, wird sein narzisstisches Verhalten nicht nur bestätigt – es wird auch immer zügelloser. Der Co-Narzisst trägt so mit seinem Verhalten und Bestreben unbewusst dazu bei, dass der Narzisst immer überheblicher wird – auch wenn er hieran mitnichten die Hauptschuld trägt.

Daher ist der Begriff „Co-Narzisst“ durchaus zutreffend: Der Partner identifiziert sich mit dem grandiosen Narzissten, fühlt sich durch dessen Stärke und Überlegenheit beschützt und aufgewertet und kann auf diese Weise seine Selbstunsicherheit und Ängste überwinden. Er gibt dem Narzissten seine Schwäche und Unterlegenheit, damit sich dieser mächtig und stark fühlen kann. Dafür idealisiert der Narzisst seinen Partner, weil dieser ihm auf so liebevolle Weise zur Verfügung steht und seine Bedürfnisse kritiklos erfüllt. Dies wiederum führt dazu, dass sich der Partner geliebt fühlt und damit seinen eigenen Selbstwert erhöhen kann. Der Co-Narzisst schlüpft gegenüber dem Narzissten in eine Rolle, die es ihm ermöglicht, seine eigenen Bedürfnisse bestmöglich zu befriedigen.

Der Co-Narzisst hat ebenfalls eigensüchtige Tendenzen

Der Co-Narzisst verhält sich dem Narzissten gegenüber ebenso manipulativ: Er braucht ihn in einer ganz bestimmten Art und Weise, um seine Bedürfnisse befriedigt zu bekommen und sich vor seinen Ängsten zu schützen. Daher versucht er, durch sein Verhalten dafür zu sorgen, dass der Narzisst ihn unbedingt braucht, nicht mehr ohne ihn sein kann und er unersetzlich für ihn wird. Er zeigt ihm nur die Seiten an sich, die dem Narzissten gefallen, und umgekehrt möchte auch der Co-Narzisst an dem Narzissten nur die Seiten sehen, die ihm behagen und ihn stärken.

Der Narzisst fühlt sich geschmeichelt, wenn er von seinem Partner bedingungslos verwöhnt und angehimmelt wird und sich ihm gegenüber als edler Ritter inszenieren kann. Und der Co-Narzisst fühlt sich gestärkt, wenn er dem Narzissten dienen kann, dadurch in dessen Nähe ist und Teil von dessen Grandiosität wird. Beide wollen den anderen so haben oder so sehen, wie sie ihn brauchen – aber nicht, wie dieser tatsächlich ist. Beide lieben nur das Ideal, das sie in ihrem Partner sehen, und präsentieren diesem auch nur das Ideal, das dieser braucht. Sie wollen sich mit dem anderen schmücken und brauchen ihn lediglich als Spiegel, um in dem anderen ihre eigene Großartigkeit oder Liebenswürdigkeit zu erkennen.

Auch wenn es nach außen die perfekte Symbiose zu sein scheint, so besteht doch jederzeit die Gefahr, dass einer von beiden seine Rolle verlässt und nicht mehr die Funktion ausübt, die den Selbstwert des anderen maximal stabilisiert. Der Narzisst kann mit der Zeit immer fordernder, launischer, abweisender und aggressiver werden, so dass er die Angst des Co-Narzissten berührt, nicht mehr geliebt zu werden. Umgekehrt kann sich der Co-Narzisst zunehmend von dem Narzissten distanzieren, weil er dessen Egoismus und selbstherrliches Getue nicht mehr ertragen kann, und somit die Angst des Narzissten berühren, nicht mehr bewundernswert zu sein.

Co-Narzissmus erzeugt das Gefühl, gebraucht zu werden

Löst sich der Co-Narzisst allmählich aus der emotionalen Abhängigkeit und wird selbstständiger, fühlt der Narzisst seine Größe dezimiert. Er kann sich nicht mehr als einzigartig erleben, weil sein Partner offenbar nicht länger auf ihn angewiesen ist. Sein Status des edlen Ritters, der seinen Partner beschützt und verteidigt, ihm alle wichtigen Entscheidungen abnimmt und für dessen Wohl sorgt, gerät ins Wanken. Der Narzisst beginnt, sich minderwertig zu fühlen, und muss daher das Verhalten seines Partners kritisieren.

Gibt hingegen der Narzisst seinem Partner keine Wertschätzung mehr, nörgelt er unentwegt an allem herum und ist er ständig mit allem unzufrieden, was der Co-Narzisst tut, fühlt dieser einen Angriff auf seinen Selbstwert. Der Co-Narzisst erhält keine Sicherheit mehr und muss feststellen, dass er für den Narzissten offenbar nie gut genug sein kann. Er bekommt Angst, nicht mehr gebraucht zu werden, und bemüht sich dann umso mehr, dem Narzissten alles recht zu machen, um ihn an sich zu binden und das Gefühl von Sicherheit zurückzuerlangen.

Da sich beide nicht ein Leben lang für den anderen verstellen können, brechen irgendwann die unterdrückten Anteile des jeweiligen Partners durch, die dann zu einem Konflikt führen: Der eine ist nicht mehr so, wie ihn der andere benötigt. Einer von beiden hört auf, den anderen zu bewundern, und das scheinbare Gleichgewicht gerät somit ins Wanken. Co-Narzissmus zeichnet sich durch eine hohe Kränkbarkeit und Bedürftigkeit aus, die durch den Schutz des Narzissten abgeschwächt werden sollen, aber sofort hervorbrechen, wenn der Schutz verlorengeht.


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Veröffentlicht in Blog, Formen des Narzissmus
16 Kommentare zu “Co-Narzisst – Was bedeutet das?
  1. Manes sagt:

    Guten Morgen,
    Wie ist es mit Kindern? Wir trennten uns als unser Sohn ein Jahr alt war. 9 Jahre später ist er zum Co-Narzisten trainiert. Seine Mutter unternimmt alles, um mich zu vernichten. Sie sieht mich als Konkurrenz und Bedrohung, nicht als wichtiger Vater. In den Gerichtsverhandlungen zum Sorgerecht hatte ich aufgrund ihrer vielen Lügen und ihrer perfekten Maske keine Chance, habe aber immer noch zwei Tage Umgang pro Woche. Ich stärke meinen Sohn wo ich kann, habe sie inzwischen komplett durchschaut und entziehe mich ihren Spielchen ganz. Mein Sohn aber ist ihr hörig, obwohl er sieht wie sie lügt, dass sie sich in ihrer Dominanz mir gegenüber auch vor ihm nicht zügelt, obwohl er spürt dass es nicht um ihn geht, sondern nur um sie usw. Er hat so große Angst vor ihr… Die Versager bei Gericht und Jugendamt erkennen in den Kurzzeitkontakten nichts. Wie kann ich dem entgegen wirken. Wir üben Sätze doch mit „ ich möchte…“ beginnen, aber das reicht hinten und vorne nicht, um ihm mit seinem Überlebensmuster Anpassung zur Kraft zu verhelfen. Hat jemand Tipps zum Umgang mit co-narzisstischer Kindern?

      • Manes sagt:

        Vielen Dank Herr Grüttefien, für den Verweis und Ihre tollen Texte generell.

        Diesen Text zur Situation der Kinder finde ich super, wobei ich schon in die Richtung gehe, mit Verständnis, Stärkung, bedingungsloser Liebe usw.
        Ihr Text bringt’s aber total auf den Punkt. Das hilft mir sehr, auch die Kommentare der anderen Betroffenen finde ich gut und wichtig. Danke.

        Ich will mich mal outen.
        Ich studierte Erziehungswissenschaften, bin Familientherapeut und einiges mehr und arbeite im Auftrag von Jugendämtern. Ich denke, dass ich das gut mache, bekomme viele gute Rückmeldungen von allen Seiten. Die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt finde ich eigentlich gut. Einige Fachkräfte und deren wichtige Arbeit schätze ich sehr.

        Wenn man aber Pech hat, kommt man an die Falschen. Kinderschutz ist deshalb auch eine Frage der Postleitzahl.

        In meiner sehr langen Ausbildung und zwei Studiengängen hörte ich NICHTS zu Narzissmus! Das geht ganz sicher auch fast allen anderen Fachkräften im sozialen Bereich so.

        Dass ich dann leider privat an eine hochgradige Narzisstin geriet und diese auch noch schwängerte, ist sehr hart. Ich habe das aber tiefgründig aufgearbeitet und bin mit mir und meinem Schicksal im Reinen.
        Warum schreibe ich das?

        Fachmann sein ist das eine, Vater und Opfer das andere. Als Vater bin ich fassungslos und sehr erschüttert, nachdem ich dieses System der angeblichen Kinderschützer von der anderen Seite kennenlernen musste. Ich kam leider durchweg an die ganz Falschen. Diese Erfahrungen mit dem ganzen Helfersystem sind für mich noch schlimmer, wie der Wahnsinn mit der Mutter selbst.

        Ich kann es nicht glauben wie dumm Gerichte sind, wie naiv Sozialarbeiter (bei Jugendämtern, Erziehungsberatungsstellen etc.), wie schlampig und desinteressiert die gerichtlichen „Experten“ (Verfahrensbeistände) agieren, wenn sie sich nach nur einem Gespräch und ohne pädagogische / therapeutische Ausbildung völlig naiv für die „Täter“ zerreißen.

        Gerichten reicht es, wenn eine Anwältin sagt, mit zwei eigenen Kindern hat sie genug Hintergrund und Erfahrung, um für Gerichte als Verfahrensbeistand den Willen des Kindes zu vertreten, was eigentlich Familiendiagnostik ist. (Ich baue keine Häuser, nur weil ich früher mit Lego spielte).

        Wenn man dann bei so jemandem Bedenken äußert, dass die Wahrnehmung und Deutung nach dem einzigen Gespräch nicht richtig sein könnte, werden sie böse und arbeiten ihr unbewusstes Trauma an einem ab, in dem sie ihre Macht fies und hinterrücks ausspielen. Den Gerichten ist das egal. Sie sind dumm und denken gar nicht ansatzweise so weit. Formal muss aber alles richtig sein…

        Ganz ehrlich, mit der Mutter hab ich’s hart getroffen. Es gibt einige inszenierte Gewaltanzeigen, eine Strafanzeige wegen Misshandlung eines schutzbefohlenen Kindes, es ging um Kindesentführung und natürlich auch um sexuellen Missbrauch. Alles erfunden und erlogen. Die Kripo war hinter mir her usw.

        Doch meine Erfahrungen mit den ganzen Experten sind noch viel schlimmer als mit der Mutter selbst. Sie ist ja nur selbst ein Opfer ihrer eigenen Mutter und eigentlich ganz arm und schwach (selbstverständlich nur innerlich und hinter der Maske). Die Experten und Kinderschützer versagen jedoch bei ihrem Auftrag, in dem sie alles noch verschlimmern und die falschen unterstützen.

        Was die Entscheidungsträger für ein Chaos und Leid anrichten, schlampig, desinteressiert, ahnungslos und dumm, sprengt alles.

        Zugleich weiß ich, dass Fachleute in den wenigen Kurzzeitkontakten keine Chance haben, krankhaften Narzissmus zu erkennen. Sie haben aber auch einfach KEINE Ahnung davon.

        Nur wer selbst, privat, betroffen ist, hat das Thema auf dem Schirm. Die Wahrscheinlichkeit so einen selbst betroffenen Fachmann zugewiesen zu bekommen, geht nahezu gegen Null.

        Neun Jahre (!!!) sage ich immer wieder das gleiche. Ohne Chance. Im Gegenteil. Ich bin der Böse. Ich meine z. B. mit meiner Ausbildung alles besser zu wissen usw. Die Mutter schlachtet diese natürlich auch aus, fühlte sich immer therapiert usw. So einfach ist das. Sie zieht sich eine schöne Jacke an, verkündet ihren Bullshit und der wird sofort 1:1 übernommen. Meine Ausbildung wurde zum Problem, nicht die Persönlichkeitsstörung der Mutter. Beweise nimmt niemand ernst.

        Als Fachmann rieche ich das Thema inzwischen 100 Meter gegen den Wind. Betroffene Angehörige weinen vor mir, weil sie ernstgenommen, angehört, verstanden werden. Ich durchschaue auch nicht die perfekte und verlogene Maske der Narzissten, sondern ich Taste mich über die völlige Verzweiflung, die unglaubliche Angst, das totale Chaos im Umfeld heran.

        Wenn ich meine Vermutung (ich bin kein Psychiater und kann das nicht diagnostizieren) in Berichte packen will, stoße ich aber an Grenzen, weil es schwer greifbar ist. Wenn es mir gelingt, wird es nicht erkannt, weil die nichtwissenden „Experten“, die das dann lesen, der Narzisstin und deren Show ja verfallen sind.

        Ich schreibe übrigens weiblich von Narzisstinnen, weil mir in meiner Arbeit viel mehr betroffene Mütter begegnen.

        Obiger Text zu den Kindern hilft mir künftig noch besser zu unterstützen. Gefühlt ist das aber viel zu wenig, besonders wenn das Kind bei der Narzisstin wohnt. Wohlwollend und naiv hingezwungen vom Familiengericht.

        Ich könnt ewig schreiben. Ich bin sehr stolz auf mich, das alles überlebt zu haben und immer noch zwei Tage pro Woche für mein Kind da sein zu dürfen, obwohl die Mutter auch daran natürlich seit Jahren mit allen Mitteln sägt.

        Für den sexuellen Missbrauch interessierte sich die Mutter übrigens nicht mehr, als ich ihr anbot, ihre Bedenken bei einer fachkundigen Beratungsstelle auszuräumen. Das und vieles mehr kann ich schriftlich aus Mails nachweisen. Es interessiert niemand. Niemand hinterfragt sie.

        Das ganze Helfersystem ist aus Sicht eines Elternteils, das gegen Narzissmus kämpft, völlig kaputt, schlecht und sogar durchtrieben, weshalb es völlig versagt. Bitter ist das.

        Genug geschrieben. Allen ganz viel Kraft!!!

        • Kersten sagt:

          Hallo Mane,
          ich hab ne Gänsehaut gekriegt beim Lesen.
          Das was Du schreibst, dass lieber der Fassade geglaubt wird als den Fakten, und das von Laien, die die Macht haben – das ist die Realität, die ich schon oft erlebt habe.
          Was für machtvolle Kognitionen sind da am Werken.
          Es macht so hilflos, so wütend. Man weiss es besser, aber das interessiert nicht…

          “Ich will nur Gutes tun” (aber nur für sich selbst, nicht wahr?)

          “Ich helfe doch nur” (und mache mal eben hilflos .. helfen tut es, wie überraschend, nur dem, der den blöden Spruch losgelassen hat).

          “Ich will es doch nur recht machen ” – ( .. aber was recht ist, bestimme ich, nicht die Person, die beglückt werden soll…)

          Danke für den Post!

    • lilli sagt:

      WHallo Mane,was machen Deine Kinder und Du gerne gemeinsam,
      schwimmen, Fahrrad fahren, Drachen steigen lassen,Ballspiele …
      Ich möchte-Sätze zu üben,
      finde ich sehr gut !

      • Manes sagt:

        Liebe Lilli, wir machen sehr viel tolle Sachen miteinander und haben wirklich einen sehr guten Kontakt. Wir setzen uns auch neuerdings 15-30 Minuten bei Umgängen zusammen. Einfach mit Zeit zum Reden. Er kann wenn er will was Schönes sagen und aber auch Schwieriges und Belastendes. Ich hoffe, das letzteres mit zunehmender Sicherheit zunimmt.
        Ich möchte ihm zeigen, das seine Worte und Gefühle gehört und beachtet werden, ohne damit gleich die Mutter zu konfrontieren. Ich kenne seine Situation sooo gut. Die Experten kann man vergessen. Keinen lasse ich an ihn heran.

        Der Weg, auch über die Mutter, ist in jeder Hinsicht total sinnlos. Es geht nur mit bedingungsloser Liebe und Stärkung, in der Hoffnung, dass er in der Pubertät seinen Mut und seine Wut findet. Letztere ist längst abgespalten, was der Mutter zusätzlich in die Karten spielt und natürlich von ihr so herbeigeführt wurde.

  2. Uschi sagt:

    Frage an Herrn Gruettefien:
    Ich zitiere “Auch wenn es nach außen die perfekte Symbiose zu sein scheint, so besteht doch jederzeit die Gefahr, dass einer von beiden seine Rolle verlässt …….,”
    …. oder dass der Co Narzisst krank wird und stirbt………
    und was passiert wenn der Co Narzisst stirbt? Findet der Narzisst dann sofort ein neues Opfer.

    • ..die entstandene Lücke muss wieder gefüllt werden, sonst gerät der Narzisst in eine narzisstische Krise. Da er sich nicht die Frage stellt, was er falsch gemacht haben könnte und warum es in der Beziehung immer wieder zu Konflikten kam, wird er so weitermachen wie bisher – für ihn ist dies sein Erfolgsmodell.

  3. Arte sagt:

    Nachtrag:

    Mein jetziger Partner ist ein vulnerabler Narzisst mit einigen Jahren psychiatrischer Sitzungen. Er zieht alle Register, die man sich bei einem Narzissten vorstellen kann.

    Sein Verhalten erinnert mich deutlich an meine Mutter. Beispiel: Immer, wenn ich aus der Schule kam, drückte ich die Wohnungseingangstür bis zum Anschlag auf. Ließ sie sich nicht ganz öffnen, wusste ich, dass meine Mutter mit einem Knüppel dahinter stand. Ich hatte mal wieder etwas “verbrochen”. Ich wusste nur nicht, was.
    Ich hab mich immer sehr angestrengt, um es ich Recht zumachen oder sie gar zum Lächeln zu bringen. Hat alles nichts gebracht. Liebe schon gar nicht.

    Dieses Gefühl kenne ich mit meinem jetzigen Partner. Nein, er schlägt nicht. Aber er versucht mit allen verbalen und mimischen Mitteln, mich zu verärgern, klein zu machen, zu verunsichern und abzuwerten. Entsetzlich launisch ist er – wie meine Mutter.

    Zuckerbrot und Peitsche.

  4. Tippi sagt:

    Gut beobachtet – gut beschrieben. Danke.
    Hmja, gehöre da wohl auch ein Stück in diese Kategorie. . . – Habe mir überlegt, dann wäre es ja wunderprächtig, wenn sich zwei Co-Narzissten finden würden. Sie könnten einander dienen und auf Händen tragen, dann wäre das ganze Leben ein Paradies. Keiner beleidigt, keiner am Stänkern und Trotzen, beide friedfertig und hilfsbereit, stets offen und interessiert, an sich zu arbeiten. – Würde mich ja schon Wunder nehmen; klappt so etwas?

    Frage mich auch: Interessieren mich überhaupt andere Co-Narzissten, oder denkt ein Teil von mir, sie seien eher “langweilig”, “substanzlos”, “uninteressant”? Einem selbst zu ähnlich? – Hm,… vielleicht weiss es hier jemand? – Gibt es Beziehungen zwischen zwei Co-Narzissten und kann das gut herauskommen?

    Wenn es rundherum plötzlich keine Narzissten mehr hat, kann dann der Co-Narzisst endlich glücklich leben? – Wie wimmelt man lästige Narzissten ab, ohne sie zu verletzen?
    Achje, das Leben scheint kompliziert. . . – Hat jemand gute Tipps?

    Manchmal denke ich, Narzissten finden einen überall, so, wie die Obstfliegen den Fruchtsalat 😮 .

    • Zwei Co-Narzissten würden ständig versuchen, sich gegenseitig zu verwöhnen und zu idealisieren, um darüber Anerkennung von dem anderen zu bekommen. Sie wären wahrscheinlich ausgesprochen lieb zueinander. Auf der anderen Seite wollen sie sich aber über die Stärke eines anderen einen Wert verschaffen. Wenn dieser aber auch immer nachgibt und in die unterwürfige Position geht, muss der andere Co-Narzisst die Führungsrolle übernehmen, die ihm aber nicht behagt. Der Konflikt besteht darin, dass sie ihre Unsicherheit und Verletzlichkeit nicht über die Stärke des anderen ausreichend schützen können – wenn einer von beiden nicht die Führungsrolle übernimmt – und diesen daher mit zunehmender Dauer abzuwerten beginnen und ihm Vorwürfe machen. Dann ist plötzlich aus mit dem Frieden. Der Co-Narzisst kann erst dann glücklich werden, wenn er bereit ist, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und autonom zu werden, statt diese Aufgabe an einen anderen zu delegieren.

      • Tippi sagt:

        Danke viel Mal. Ja, das passt! Dichte Worte, über die es sich lohnt, noch etwas tiefer nachzudenken. – Genau: Es ist eine Frage der (Selbst-)Verantwortungsübernahme. Es scheint auf den ersten Moment einfacher, die Verantwortung an den Narzissten abzudelegieren. Dieser scheint sie ja sogar sehr gern anzunehmen. – Folge – Ziel: Also daran Arbeiten, dass man mehr Eigenverantwortung übernimmt! Vom Narzissten quasi die Führungsaufgaben aktiv wieder aus der Hand holt. (Der wird ‘Freude’ haben :-/ )
        Kann sein, dasss genau DORT der ‘Narzisstenmagnet liegt. Ich liebe es sehr, wenn andere Menschen meine Dinge entscheiden (sofern sie klug sind). So werde ich nicht ‘schuldig’, mache ‘keine Fehler’, und muss mich bei niemandem entschuldigen (falscher Stolz).
        Dann zieht das die Narzissten an, weil sie intuitiv spüren, dass sie hier ‘Regieren’ können. Die Regeln selber setzen.
        Ich werde ihr ‘langer Arm’, den sie in früher Kindheit vermissten.
        Für mich ist es bequem, nichts selber Denken und Entscheiden zu müssen (Entscheidungen sind für mich oft Energiefresser).

        Muss ich doch ab jetzt genauer Beobachten. Und Massnahmen finden, die passen.
        Guter Hinweis! – Merci.

  5. Yvonne sagt:

    Das ist alles sehr sehr wahr. Ich bin (war) einer dieser Co-Narzissten, bis es mir reichte. Ich verwechselte es mit Liebe. Bevor dieser ganze Narzissmus hype aufkam, hat es diese Art von Beziehungen auch schon gegeben. Sie liefen einfach unter einer andern Bezeichnung. Die Leute in der Umgebung haben dann getuschelt und von “amour fou” gesprochen. Also neu ist das nicht. Nur die Diagnose Narzissmus ist neu dazu gekommen. Dafür spricht keiner mehr davon, dass “alle” Frauen “hysterisch” sind. Heute haben sie dafür Borderline. Etiquetten halt. Wer ist eigentlich noch normal? Und wer bestimmt das?

  6. lilli sagt:

    Hallo,
    sehr gute differenzierte Darstellung des Co- bzw. Komplementär- Narzissmus.
    Zu erkennen, dass ich zu letzterem tendiere,
    war für mich Schwerarbeit und ein Segen
    Die Freiheit

    nicht perfekt sein zu müssen, hat mich befreit
    von den Narzissten/innen in meinem Leben angefangen bei meiner Mutter.
    Ich klinke mich aus wennbich die alte Verstrickung spüre.
    Wenn ich meine, als erste auf andere zugehen zu müssen,
    ist dieser Müssendrang ein Co- bzw.Komplementär– Merkmal und ich lasse es bleiben.
    Ich wende mich an Gott und das Univerdum und bitte
    im Strom des Guten zu sein.
    Und ich schaue regelmäßig hier rein,
    danke Sven Grüttefien,
    danke allen Teilnehmern,
    hier ist meine wichtigste Quelle gege meinen Anerkennung- heischenden Komplementär-Drang zum angepassten Rechtmachen
    sowie für den
    ‘Umgang mit N ‘

    • Arte sagt:

      Ich bin jetzt 69 Jahre alt und beschäftige mich (notgedrungen) seit Jahrzehnten mit dem Thema Coabhängigkeit. Auslöser war meine zunehmend schwierige Beziehung mit meiner „großen Liebe“, einem charismatischen Alkoholiker, der in den neunziger Jahren von einem Psychiater die Diagnose „zentralnarzisstische Störung“ bekommen hatte. Unter Alkoholismus konnte ich mir etwas vorstellen, unter einer narzisstischen Störung nichts. Also meinte ich, der Grund für alle unsere Konflikte sei sein Alkoholkonsum. Den es zu drosseln galt – ich war sicher, durch meine Liebe zu ihm würde das schon klappen.
      Es klappte immer weniger. Schließlich besuchte ich lange Jahre eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alkoholikern. Rückblickend sehe ich: Wir waren gemeinsam schimpfende und jammernde Opfer unseres alkoholkranken Partners. Logisch, dass ich damit kaum ein Stück weiter gekommen bin. Ich war zwar bereit, mir selbstkritisch mein Verhalten anzusehen, wusste aber nicht, was Coabhängigkeit genau ist. Ich verstand nur, dass ich als Coabhängige den Alkoholiker nach außen schütze, damit niemand mitkriegt, dass er trinkt. Und dass er mit meiner Unterstützung ohne Druck von außen weiter trinken kann. Diese Rolle wollte ich auf keinen Fall spielen. Dabei spielte ich sie schon längst und blieb dabei, dass „mein Alkoholiker“ nur weniger trinken müsse, und dass ich nur noch liebevoller und verständnisvoller sein müsse. Ich wollte die Last der Beziehung auf meine Schultern nehmen und stärker werden. Ein größenwahnsinniger, ein komplett überforderter Gutmensch also.
      Nun habe aber auch ich ein Ego. Ich eigne mich nicht wirklich dazu, mich ständig belügen, abwerten betrügen, ausnutzen usw. zu lassen. Nach der ersten tiefen Verzweiflung explodiere ich, und das heftig! Nach 12 Beziehungsjahren habe ich meinen narzisstischen Alkoholiker (drei Wochen vor unserer voll durchorganisierten Hochzeit) rigoros aus meinem Leben geschmissen. Und ihm keine Möglichkeit mehr gegeben, mich zu erreichen. Es war entsetzlich schmerzlich für mich, aber schon nach einigen Wochen fühlte ich mich besser, erleichterter, freier. Danach hat mich das Wort Coabhängigkeit nicht mehr interessiert.
      —————————
      18 Jahre später begegnete ich meiner zweiten “großen Liebe”, wieder einem besonders charismatischen Mann. „Gott sei Dank ist er kein Alkoholiker!“, dachte ich. Alles andere war mir egal, jedenfalls am Anfang. Schleichend und undeutlich gab es plötzlich Probleme in unserer Beziehung. Das erinnerte mich zunehmend an die Zeit mit dem Alkoholiker. Und wieder setzten meine alten Selbstzweifel ein: “Herrgott, was mache ich denn falsch, dass ich schon wieder bei so einem gefühlskalten Egoisten angedockt habe!?”
      Ich habe also – wieder notgedrungen – aktuelle Informationen gesucht: Was verdammt ist denn das Coabhängige an mir??? Ich fand Antworten, aber keine für mich. Ich wollte ganz praktisch wissen, wo/wie/was ich AN MIR SELBST erkennen müsste, um hinter den blinden Fleck in meinem Auge sehen zu können.
      Wollte ich das denn wirklich? Will ich das denn heute?
      Vielen Dank, Sven Grüttefien! Ich kann mich jetzt, nach dem Lesen von „Co-Narzisst – Was bedeutet das?“, nicht mehr vor mir selbst wegducken. Noch nie hab ich eine so geradlinige, logische und pragmatische Erklärung für Coabhängigkeit gehört oder gelesen. Mit Ihrer Beschreibung komme ich mir endlich – ich hätt’s natürlich gern anders – deutlich mehr auf die Schliche. Endlich habe ich den Zipfel bei mir selbst gefunden, den ich anpacken kann.

      PS.: Sogar das Buch habe ich mir – entgegen meines üblichen Verhaltens in Bezug auf “Psycho-Ratgeber” – gekauft / allerdings bei Amaz*, da bekomme ich es schon morgen. 😉

      Beste Grüße
      Arte

      • Sonja sagt:

        Hallo Arte, danke für deine ehrliche Selbsterkenntnis an der du uns teilhaben lässt !
        Es tut gut zu sehen, dass viele andere auch wie ich, auf dem Weg der Entwicklung sind.
        Die beste Hilfe ausser Sven Grüttefien hier, hat mich vor 5 Monaten gefunden, das Buch MEIN NEUES ICH wie Sie in 4 Wochen ihre Persönlichkeit ändern … von Joe Dispenza – die Meditation zu lernen bin ich immer noch dabei und vor allem mich nicht selbst davon abzuhalten … 😉
        Erkennen, benennen und dann auflösen und neu gestalten wie ich es mir wünsche ….
        genau das sollten WIR ALLE endlich beginnen zu tun !

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