Narzissten und Empathen

Narzissten suchen sich gerne Empathen als Partner aus, weil sie von ihnen aufopferungsvolle Zuwendung, Anteilnahme und Warmherzigkeit erwarten dürfen. Die Bereitschaft des Empathen, sich anderen zuzuwenden und für andere da zu sein, Verständnis aufzubringen sowie Gefühle und Gedanken anderer nachzuempfinden, macht sie für Narzissten interessant. Da ein Empath viel Toleranz und Nachsicht in sich trägt, kann ihn ein Narzisst leicht beherrschen und dessen positive Lebensenergie von ihm absaugen.

Narzissten und Empathen

Bild: © racorn – 123rf.com

Im Gegensatz zu Narzissten haben Empathen die Fähigkeit, sich auf andere Menschen einstellen, ihre eigenen Bedürfnisse hintanstellen und sich in das Erleben ihres Gegenüber einfühlen zu können. Sie können Mitgefühl für ihre Mitmenschen aufbringen und schenken ihnen daher Aufmerksamkeit, um ihre Sorgen und ihren Schmerz nachempfinden und ihnen helfen zu können. Diese gute menschliche Eigenschaft verleibt sich ein Narzisst zum eigenen Nutzen ein: die Bereitschaft des anderen, ihm Aufmerksamkeit zu schenken und für ihn da zu sein.

Narzissten brauchen Menschen, die für sie da sind und sich um sie bemühen, um darüber ihren Selbstwert zu regulieren. Wenn andere Menschen sich für sie ein Bein ausreißen, dann glauben sie, eine besondere Persönlichkeit zu sein. Dabei ist es ihnen einerlei, ob sein Gegenüber ihm die Zuwendung aus tiefster Liebe heraus schenkt oder ob er es aus Schuldgefühlen oder dem Zwang einer Abhängigkeit heraus tut. Solange ihm der andere Aufmerksamkeit schenkt und alles für ihn zu tun bereit ist, fühlt er sich großartig.

Während für den Empathen das DU im Vordergrund steht, zählt für den Narzissten nur das ICH. Der Empath ist bereit, sein Gegenüber durch seine Zuwendung zu stärken, während sich der Narzisst die Eigenart des Empathen zunutze macht und dessen Mitgefühl und Fürsorge ausbeutet, um sein ICH aufzublähen. Während der Empath aus seiner angeborenen Veranlagung heraus gerne gibt, nimmt der Narzisst nur und erwartet, dass die Versorgung endlos anhält. Dieses Ungleichgewicht muss aber zwangsläufig zu Spannungen und Konflikten in der Beziehung führen.

Empathen fällt es schwer, sich von Narzissten abzugrenzen

Empathen können das Leid anderer Menschen nur sehr schwer ertragen: Sie fühlen den Schmerz des anderen, als wäre es ihr eigener. Um diese unangenehmen Empfindungen wieder loszuwerden, sind sie bereit, dem anderen zur Verfügung zu stehen, um auf diese Weise gleichzeitig ihre eigene innere Spannung zu reduzieren. Empathen unterliegen der Gefahr, sich im Befinden eines anderen zu verlieren und sich auf diese Weise von dessen Stimmung abhängig zu machen.

Empathen spüren auf einer sehr feinen, aber unbewussten Ebene, dass hinter dem prahlerischen und selbstherrlichen Getue des Narzissten eine große Bedürftigkeit steckt. Zwar lassen sie sich von seinen Größeninszenierungen durchaus beeindrucken, da der Narzisst aber permanent ihre Zuwendung  einfordert, glauben sie, dieser komme allein wohl nicht zurecht und sei daher hilfsbedürftig. Mit ihren hochsensiblen Antennen spüren sie seine Not und seine Unzufriedenheit, die hinter seiner grandiosen Fassade schlummern.

Die Abgrenzung zum Verhalten und Erleben des Narzissten fällt einem Empathen aufgrund seiner hohen Sensibilität sowie der Tiefe seiner Wahrnehmungsfähigkeit und -verarbeitung äußerst schwer. Zwar hat der Empath ein gutes Gespür für die Abläufe im Äußeren, häufig mangelt es jedoch an der korrekten Deutung. Das wiederholte unangemessene und egoistische Verhalten des Narzissten wird zu leicht entschuldigt und als Missverständnis fehlgedeutet – häufig auch, um darüber Konflikten aus dem Weg zu gehen. Obwohl der Empath stundenlang über die Rücksichtslosigkeit des Narzissten grübeln kann, erkennt er nicht das perfide Muster hinter dessen vordergründigem Verhalten und kommt zu falschen Schlussfolgerungen. Oft will er auch die negative Seite des Narzissten gar nicht sehen, weil sich der Empath verbietet, schlecht über seine Mitmenschen zu denken. Wenn er dies tut, glaubt er, selbst ein schlechter Mensch zu sein.

Empathen müssen Reize intensiver verarbeiten als andere

Empathen brauchen viel Zeit, um sich innerlich zu sortieren. Da sie alle Eindrücke, die auf sie einprasseln, und alle Gefühle und Stimmungen aus ihrem Umfeld aufsaugen, müssen sie häufig in die Einsamkeit fliehen, um Abstand zu erlangen und sich ihrem inneren Empfinden zu widmen. Sie können nicht so schnell umschalten und sich auf neue Dinge konzentrieren, wie es Menschen gelingt, die weniger feinfühlig sind. Sie brauchen sehr viel länger, um ihre Erfahrungen zu verarbeiten. Dafür gewinnen sie aber aufgrund eines intensiven Reflexionsprozesses in der Regel höherwertige Erkenntnisse als derjenige, der Eindrücke weniger intensiv aufnimmt und verarbeitet, und können so ihr Bewusstsein erweitern.

Empathen müssen sich aufgrund ihrer hochsensiblen Veranlagung vor zu vielen Reizen abschirmen. Ihr Nervensystem leidet schneller als das anderer, wenn sie mit der Reizverarbeitung nicht nachkommen – vor allem, wenn es sich um Reize wie emotionale Verletzungen handelt. Ihr Umfeld reagiert dann häufig ungeduldig, weil sich der Empath immer alles so zu Herzen nimmt und damit die Stimmung herunterzieht. Immer muss er wieder mit denselben Themen anfangen und kann scheinbar kein Ende finden. Dies führt häufig dazu, dass sich seine Mitmenschen von ihm abwenden, weil sie seinen Grübelzwang und sein Selbstmitleid nicht nachvollziehen können und sich davon belästigt fühlen.

Ein Narzisst gewährt einem Empathen nicht den Freiraum, den dieser braucht, um sich von seelischen Strapazen zu erholen. Der Empath muss sich ständig mit überzogenen Ansprüchen, einer ungerechten und rücksichtslosen Behandlungsweise, Demütigungen und der Drangsalierung durch den Narzissten auseinandersetzen und bekommt nicht die Chance, zwischenzeitlich die richtige Einstellung zu den Ereignissen zu finden und ein Gefühl inneren Friedens zu erfahren. Seine Nerven werden im Laufe der Beziehung allmählich überreizt, was dann schleichend zu psychosomatischen Beschwerden und zur Abnahme der Lebensfreude führt.

Empathen können sich aus dem Einfluss des Narzissten kaum befreien

Am äußeren Erscheinungsbild lässt sich nach einer gewissen Zeit der Zustand des Empathen aufgrund des destruktiven Dauereinflusses des Narzissten unschwer erkennen: Die Haut wirkt blass, gräulich und faltig, die Haare sind matt und spröde, die Augen blicken müde und unkonzentriert und das gesamte Auftreten ist von Erschöpfung und Trostlosigkeit geprägt. Im Laufe der Beziehung saugt der Narzisst die gesamte Lebensenergie des Empathen ab und dieser verwandelt sich zu einer wandelnden Leiche. Seine Gutmütigkeit und die Unfähigkeit, sich entschieden von dem Narzissten abzugrenzen, führen ihn in den Abgrund.

Empathen müssen sich daher so schnell wie möglich aus dem Einflussbereich des Narzissten zurückziehen, um sich wieder zu regenerieren. Sie müssen erkennen, dass der Narzisst ihr Problem ist und dass ohne Abstand keine Heilung erfolgen kann. Da der Narzisst eine Distanzierung aber als Ablehnung seiner Person und somit als Kränkung erlebt, wird er jeden Versuch des Empathen, sich zu distanzieren, unterbinden und noch präsenter sein als je zuvor, weil er fürchtet, allein gelassen zu werden und dann keine narzisstische Zufuhr mehr zu erhalten.

Empathen knicken dann häufig ein, wenn sie sich getrennt haben, der Narzisst sie aber nicht gehen lassen will und sie weiterhin belagert und drangsaliert. Ihre Nerven halten nicht stand und sie kehren wieder zu ihm zurück, weil sie dem Psychoterror des Narzissten nicht länger standhalten können. Sie finden dann vorübergehend etwas Ruhe, weil die Tyrannei aufhört. Der Missbrauch in der Beziehung geht aber weiter, so dass sie am Ende bei jedem weiteren Trennungsversuch nur noch geschwächter sind und sich immer weniger Hoffnung auf Erfolg machen können. Empathen brauchen in einer solchen Situation dringend die Hilfe von anderen, um den Narzissten endgültig in die Wüste zu schicken.


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Veröffentlicht in Beziehung mit einem Narzissten
24 Kommentare zu “Narzissten und Empathen
  1. lilli sagt:

    Zum Prozess Depp/Heard:
    Könnte Johnny Depp ein eskalierter Narzisst sein? und
    könnte Amber Heard eine darin verstrickte, missbrauchte Empathin sein?

    • Pusteblume sagt:

      Ja, so würde ich das auch sehen. M.E. passt das Verhalten Depps (besonders auch die Tatsache dass er den Prozess öffentlich im Fernsehen übertragen wollte) zu einem Narzissten.

  2. Uschi sagt:

    Frage an Herrn Gruettefien. Was passiert mit dem Narzissten, wenn sie ihr Opfer ins Grab gebracht haben und somit ihre Zufuhr für immer versiegt?

    • Gabriele sagt:

      Die Frage beantwortet sich von selbst, wenn Du verstanden hast, was ein Narzisst ist.
      Was wird da schon passieren ?

      Der Narzisst wird sich kurze Zeit selber leid tun und sich dann ein neues Opfer suchen.
      Was sonst ? Wenn dein altes Autos nicht mehr fährt und es verschrottet wurde, kaufst du dir ein neues.
      Genau das tut der Narzisst.

    • Gabriele sagt:

      Hallo Uschi,
      ich bin nicht Herr Grüttefien ….. aber die Frage beantwortet sich selbst.
      Was wird ein Narzisst schon machen ?
      Er wird sich eine Weile selber leid tun und herumjammern, weil er Aufmerksamkeit bekommt
      und sich dann ein neues Opfer suchen.
      Wenn dein Auto Schrott ist und du willst weiterhin Autofahren, was machst du ?
      Du kaufst oder mietest dir ein neues Auto. Es ist das Überlebensprinzip dieser Charakteure, dass sie immer IHR Glücklichsein in den Vordergrund stellen.
      „Was habe ich davon, dass es andere Menschen gibt?“
      Der Empath denkt genau anders herum:
      „Was haben andere Menschen davon, dass es mich gibt?“

      • Uschi sagt:

        Ja wenn ich noch Geld habe kaufe ich mir ein neues Auto….. Lies was ich unter die Antwort von Herrn Gruettefien geschrieben habe. Was meinst du dazu? Es kann und darf nicht sein, dass das SCHLECHTE immer gewinnt.

    • … Sie suchen sich ein neues Opfer und setzen dafür ihre ganze Manipulationskunst ein! Es geht einem Narzissten nicht um den Menschen, sondern um dessen Bewunderungsbereitschaft.

      • Uschi sagt:

        Ja, das ist schon klar. Die Person an die ich denke fing ihre Opfer mit SEX ein. Nun ist sie aber nicht mehr die jüngste und ihr schlechter Charakter zeigt sich auch in ihrem Gesicht. Finden sie wirklich immer neue Opfer? Und als frage an Gabriele, was machen Narzissten, wenn sie selber Schrott geworden sind? So einfach wird es nicht mehr jemanden zu verführen, wenn man ins Alter kommt. Zudem wird immer mehr über Narzissmus aufgeklärt.
        Kann es sein, dass diese Leute wirklich immer durchkommen mit ihren Lügen und mit ihrer Manipulation?

        • In solchen Fällen werden auch gerne die Kinder über das permanente Einflößen von Schuld- und Minderwertigkeitsgefühlen zu lebenslangen Opfern gemacht.

          • Uschi sagt:

            Leider, am liebsten würde ich die Tochter aufklären. Ein Sohn wohnt in USA und der andere ist ein grosser Egoist und nicht viel besser als sie. Ist es eine gute Idee, die Tochter aufzuklären? Sie ist keine schlechte Person, bedauerlicherweise ist sie das ideale Opfer!
            Was meinen sie? Ist es kontraproduktiv, sie darauf anzusprechen?

          • Die Frage ist, wie sehr sie den Konflikt mit der Mutter verdrängt und diese verherrlicht. In dem Fall könnte es kontraproduktiv sein. Wenn es ihr aber zunehmend bewusst ist, dass ihre Mutter der Auslöser ihres Unwohlseins ist, kann man sich vorsichtig nähern und unterstützen, damit sie mit ihren Zweifeln nicht allein bleibt.

    • Amy sagt:

      Dann finden sie kreative Erklärungen für diese Tragödie. Ich hatte z.B. die Trennung meiner Mutter von meinem Vater befürwortet, weil sie sich nur noch stritten, und sie nach besten Kräften unterstützt, obwohl ich erst 11 war und die Trennung für mich u.a. die Übersiedlung in ein fremdes Land bedeutete.
      Ich weiß, wie sie darüber denkt. Hätte sie mich in den Selbstmord getrieben, hätte sie gejammert und allen vorgeklagt, „Ach, das arme Scheidungskind! Sie hat die Trennung von ihrem Vater nicht überwunden und geglaubt, ich hätte mich von ihm getrennt, um ihr den heißgeliebten Vater wegzunehmen! Dabei habe ich alles getan, damit sie begreift, was er für ein Monster ist, und ihr immer meine Liebe gezeigt“ (indem sie mich zur Unselbständigkeit erzogen hat).

      Anschließend hätte sie möglicherweise meinen Vater bestürmt, er sei an meinem Selbstmord schuld, denn wenn er sie besser behandelt hätte, hätte sie sich nicht scheiden lassen müssen und ich wäre nicht „geisteskrank“ geworden.
      Klingt wie ein schlechtes Theaterstück, aber es ist die Realität. Genauso denkt diese Frau. Egal, was passiert: sie ist immer die Heldin.

  3. Hermine sagt:

    Ich hatte das alles vor 6 Jahren nach 28 Jahren schon einmal überwunden. Nach einem Jahr Trennung, in dem es mir gut ging, habe ich mich wieder einfangen lassen..endlich fühlte ich mich da, wo ich immer sein wollte: geliebt, geachtet, verstanden, endlich angekommen und angenommen. Ich müsse ihm sagen, wenn er etwas falsch mache, denn er erkenne es nicht immer, ich müsse ihm helfen. Natürlich war ich dazu bereit, auch wegen unserer Familie, wegen unserer 4 Kinder. Wir hatten dann 1 1/2 tolle Jahre, aber dann kippte es wieder. Heute stehe ich wieder vor einem Scherbenhaufen, an dem ich allein schuld sein soll. Ich erkenne den kleinsten Mechanismus, den er anwendet, bin aber machtlos. Ich will einfach nur meine Ruhe. Leider wirkt er mit seine Persönlichkeit auch auf unsere wunderbaren Kinder ein und stößt ihnen genauso vor den Kopf. Leider fehlt mir ein dickes Fell, das alles abprallen zu lassen.

    • lilli sagt:

      Hallo Hermine,
      vom 20.März 2022 0:55 Uhr,

      warum war ich in meinem Fall die Empathin, die Narzissten jeweils anfangs so besonders fand und sich dann für diese einsetzte bzw. sich ausnutzen ließ ??
      Weil ich mich, lange unbewusst und mit den Jahren von mir in immer mehr Situationen der Einseitigkeit meinerseits halbbewußt und dann bewusst erkannt,
      als Sündenbock gefühlt hatte.
      Dazu hatte meine narzisstische Mutter mich gemacht, wenn sie mich für sich einspannte, meine Wünsche unterdrückte, und bei Schwierigkeiten mir die Schuld gab.
      Ich ging meinen Wünschen immer wieder nach, doch nach Partnerschaften mit Narzissten, heiratete ich einen nicht so krassen doch wiederum Narzisst, den Vater unserer nun erwachsenen Kinder.
      Aus Vorsicht ging ich von Anfang an immer wieder zur Familienberatungsstelle, was mir und unseren Kindern den Rücken stärkte.
      Doch über viele Jahre versuchte ich meinen narzisstischen Ehemann und Vater unserer Kinder zum Demokraten innerhalb unserer Familie zu pushen, mit geringen Ergebnissen.
      Statt dessen kamen, wie ich erkannte seit ich weiß was Narzissmus ist,
      Schweigen, lovebombende Bevorzugungsversuche, Abwertungsversuche.
      Die Kinder treffen sich nicht oft mit uns, machen mit ihm Konversation oder lassen ihn stehen.
      Doch warum bemühte ich mich so lange zu viel ?
      Weil ich mich schuldig fühlte, dass meine Bemühungen um Demokratie in der Familie nicht fruchteten.
      Dann nahm ich auch immer mehr Abstand und beschränke mich auf Konversation. Ob noch mehr Demokratie kommt statt seines oft Überlegentuns und Ignorierens oder Abwertes,
      warte ich nicht mehr ab,
      sondern lasse ihn auch stehen.
      ich mache meine Angelegenheiten und gehe meinen Hobbys nach.

  4. Kerstin sagt:

    Ja, diese Erfahrung musste ich auch machen. Die Trennung ist 1 1/5 Jahre her.
    Im Moment habe ich nur Angst, dass die Kinder wieder anfängt zu manipulieren, sobald er wieder Umgang wahrnehmen darf (Jugendamt hatte diesen aufgrund von Vorkommnissen ausgesetzt).
    Ich hoffe auf die Fachleute im Traumainstitut, in dem beschützte Umgänge stattfinden sollen, dass wenigstens die ihn durchschauen. Richterin und Verfahrensbeiständin sind pro Vater eingestellt. Da nutzen einem auch die Beweise gegen ihn nichts.

    Es ist ein Trauerspiel.

  5. Lina sagt:

    Auf den Fotos die während meiner Ehe mit einem N gemacht wurden, sehe ich immer müde und angespannt aus. Nach der Trennung sagten mir mehrere Menschen, man sähe mir das optisch an, ich würde jünger und glücklicher aussehen. Mein Mann war und ist auch so ein Exemplar, vor Publikum und mit Worten ein Traummann, aber mit seinen Ansprüchen wie ein Fass ohne Boden.
    Ns haben ein unumstössliches tiefes Anspruchsdenken. Selbst wenn man sich wehrt: es ist so anstrengend dagegen zu kämpfen und Grenzen zu ziehen, dass man es nicht lange aushält, aber man ist so ausgelaugt, dass man einfach nichts tut um das ganze zu beenden. Meine Chance kam während einer 14tägigen Fortbildung, da wurden meine Gedanken klar und von lieben fremden Menschen bestätigt. Am Tag nach der Rückkehr habe ich die Ehe beendet, weil ich wusste, dass ich 1 oder 2 Wochen später wieder keine Kraft dafür hätte.

    • Mina sagt:

      Und dann gab es keinen Kontakt mehr mit dem N.?

      • lilli sagt:

        Hallo Lina
        … von lieben fremden Menschen bestätigt, innerhalb der Freizeit während einer Fortbildung ?
        War das ein Dich bestätigender Mann, der in so kurzer Zeit Dein Leben mit Narzissmus versteht und Verständnis vorspielen kann,
        weil er auch narzisstisch ist ?
        Am langsam aber sicher Selbständig werden,
        mit wachsendem Zusichselberstehen auf den eigenen Beinen, in eigenen Meinungen und Interessen,
        ob neben oder ohne Narzissten,
        führt kein Weg vorbei.

        • lilli sagt:

          Denn, liebe Lina,
          ich meinerseits merkte am anfänglichen Zu-gut-verstandenwerden, dass ich es höchstwahrscheinlich mit einem/er Narzisste/in zu tun hatte, der/die dann, in der Partnerschaft oder in der Freundschaft, immer mehr und egoistischer mein ungesundes Zuviel an Empathie brauchen und einfordern würde.

  6. Rita Huber sagt:

    Ich kann alles nur bestätigen und irgendwann ist man so am Ende, dass man sich selber aufgibt. Könnte ich nochmals zurück, ich würde viel früher die Grenzen aufzeigen, wie weit der N. gehen kann und wann ich seine selbstherrliche arrogante Art nicht mehr ertragen möchte. Seit ich mich aber hier und durch andere Medien informiert habe, ist mir sehr geholfen worden. Ich kannte zuvor das Bild und die Gemeinheiten des N. nicht. Heute verhalte ich mich so, dass ich ziemlich rasch Ende sage, mich auf keine langen Diskussionen einlasse und mich einfach entferne, um zur Ruhe zu kommen. Das kann ich nur jedem Geplagten empfehlen. Diskussionen waren bei uns endlos, zermürbend und grundsätzlich erfolglos!! Sie brachten nur mich aus der Seelenruhe und zum Dauergrübeln über meine (scheinbaren totalen Unfähigkeiten und mein schlechtes Wesen). Hilfe von aussen ist leider auch kaum zu erwarten, da sich der N. eben im Umfeld als der ach so Hilfsbereite, Verständnisvolle, Liebevolle präsentiert, so dass einem kaum geglaubt wird. Leider musste ich das sogar von einer Therapeutin erfahren- sehr bitter.
    Nochmals ganz klar, rechtzeitig die Grenzen ziehen und sich ja nicht einreden, man sei der Schuldige.

    • SonjaS sagt:

      ging mir auch so, bzw. geht mir noch so bei meiner mutter. da hilft nur grey rock.
      frueher in der 20jährigen ehe gab es endlose diskussionen und monologe des N, da er ja doch immer recht hatte. leider hatte er wenig ahnung , war auch nicht so gebildet, hat es aber immer hinbekommen, dass man seinen ‚fakten‘ glaubt. das habe ich dann irgendwann nicht mehr gemacht, ihm recht gegeben, mir meinen teil gedacht und so diesen erschöpfenden diskussionen (na, eher monologe) aus dem weg gehen können. es ging ja eh nie um die sache.
      sich als empathen vom N trennen, ist nicht einfach, vor allem, wenn man gar keine ahnung hat, dass es ein N ist, weil man es gar nicht anders kennt, so behandelt zu werden oder das menschen so sind, weil man ein narz. elternteil hat. wird einem von geburt an eingetrichtert, man sei nichts wert und muss sich immer an andere orientieren oder immer nach liebe suchen und bekommt sie nie. erst nach 50 jahren ist mir die erkenntnis gekommen, aber nur weil meine schwester gestorben ist und ich aus dem wattebausch herausgucken konnte und es begriffen habe. viel zu spät, aber immerhin.

  7. Karisabeth sagt:

    Aus eigener sehr schmerzhafter Erfahrung, kann ich nur sagen , dass dies unglaublich schwierig ist. Besonders wenn der Narzisst sehr intelligent alles plant und alles sehr “ vernünftig und sehr schlüssig auslegen kann. Jeder fällt rein, denn er hat ja auch , sehr geschickt , die “ Gut Mensch Seite “ . Hilft wo er dann natürlich auch in den Himmel gelobt wird für diese ungewöhnliche, qualifizierte Hilfe.
    Hat sich von mir nach 15 Jahren , morgens beim Frühstück, als ich nach schwerer Krankheit das erstmal wieder in die Küche kommen konnte, getrennt. Es ist vorbei. Ohne Gespräche , ohne Erklärungen. Keiner der es Verstanden hat , er aber hat eine Story und einige Menschen sind dann tolerant. Selber bin ich auch nicht frei zu denken, was hätte ich besser machen können. Aber das ist nicht der Weg. Doch ist es sehr , sehr schwer und sehr schmerzhaft wieder zu sich selbst zu kommen.
    Hier die Berichte zu lesen hilft mir sehr.
    Allen alles Gute ,

  8. HK sagt:

    Sehr gut beobachtet- die Lösung ist Abgrenzung und damit die Trennung, es gibt wohl keinen anderen Weg. Auch wenn es sehr schwer fällt, durchhalten! Viel Glück!

  9. Waltraud sagt:

    Kann ich so bestätigen leider. Aber auf Hilfe von außen konnte ich nicht zurück greifen und hoffen, der Narzisst hatte alles und alle im Griff. Und erst mit Herausfinden der Störung konnte ich mich abgrenzen und meiner eigenen Wahrnehmung trauen. Was man bis dahin und darüber hinaus alles mitmacht und aushalten muss, ist ohne Worte. Er hat weiter Erfolg mit seiner Gutmenschen-Nr. und mir muss es egal sein, auch im Hinblick auf manipulierte Kinder. Heute ziehe ich sofort meine Linie bei Grenzüberschreitungen, was anderes kann ich nicht mehr aushalten.

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