Meine Mutter – der Teufel

Anita P. erzählt von ihren frustrierenden Erlebnissen mit ihrer narzisstischen Mutter. Was Anita auch tut und wie sehr sie sich auch anstrengt – sie ist nie gut genug für ihre Mutter. Immer wieder wird sie von der Kritik und dem Argwohn ihrer Mutter schwer getroffen und kann nicht verstehen, warum sie von ihr derart abgelehnt und entwertet wird.

Bild: © JackF – Fotolia.com

Ich bin das Aschenputtel unserer Familie. Meine Schwester wird immer in den Himmel gelobt und ich bin immer das böse und dumme Kind. In den Augen meiner Mutter bin ich eine alte Kratzbürste, die anderen nur Schaden will, die nur Böses im Schilde führt und mit der man nur Probleme hat. Bei jeder Gelegenheit hält sie mir vor, dass ich ein Querkopf bin. In ihren Augen bin ich zu nichts zu gebrauchen!

Bei mir ist und war alles schlecht. Es ist vollkommen egal, was ich mache – es kommt nur Kritik von meiner Mutter. Daher habe ich früh mein Elternhaus verlassen und bin in eine andere Stadt gezogen. Ich hatte einen guten Job, einen netten Partner kennengelernt und wir hatten ein Haus zusammen gekauft. Meine Mutter kritisierte alles: Mein Beruf wurde schlechtgemacht, mein Haus wurde als Bruchbude bezeichnet, mein Partner wurde gar nicht für voll genommen und an meiner Lebensweise gab es auch unentwegt etwas auszusetzen.

Wenn ich arbeiten war, kam meine Mutter unaufgefordert und putzte einfach mein Haus. Und wehe, ich lobte sie dafür nicht in höchsten Tönen … Obwohl ich sie nie darum gebeten hatte, mir im Haushalt zu helfen, musste sie den ganzen Tag bei mir putzen. Es ging so weit, dass sie sogar Dekorationsgegenstände aus dem Haus in den Müll warf, weil sie diese hässlich fand. Wenn ich mich beschwerte, hielt sie mir sofort meine Schwester vor: „Wie können Geschwister nur so unterschiedlich sein? Deine Schwester ist so ein gutes Kind – und du?“

Meine Mutter, der Satan

Jedes Mal, wenn sie zu Besuch kommt oder wenn ich zu ihr fahre, bin ich schon tagelang vorher verspannt und hektisch. Meine Mutter weiß immer alles besser, sie hat immer Recht und sie ist davon überzeugt, auch alles besser zu können. Der Einzige, der mir beisteht und mit dem ich reden kann, ist mein Vater. Aber sobald er sich für mich einsetzt, wird sie sofort eifersüchtig und sie geht sofort wieder auf mich los und beschimpft mich. Sie glaubt, ich würde meinen Vater auf meine Seite ziehen wollen. Dabei brauche ich einfach nur mal jemanden, der mir zuhört und der mich versteht.

Als ich als Kind eines Tages von der Schule nach Hause kam, machte sie nicht die Tür auf. Da sich meine Eltern zu der Zeit sehr viel stritten und sich auch manchmal gegenseitig Gewalt antaten, musste ich vom Schlimmsten ausgehen. Eines Tages fand ich sie im Keller auf dem Boden liegend. Sie hatte viele blaue Flecken an den Armen und Beinen. Von dem Zeitpunkt an wurde ich immer nervös, wenn sie nicht sofort die Tür aufmachte. Um meine kleine Schwester zu schützen, lief ich dann immer erst um das ganze Haus und schaute durch alle Fenster, um zu prüfen, ob irgendetwas vorgefallen war. Das war für meine Schwester und für mich sehr belastend.

Ich trennte mich von meinem damaligen Lebensgefährten, der eine andere kennengelernt hatte. Ich war am Ende und es ging mir in dieser Zeit sehr schlecht. Der Kommentar meiner Mutter war nur: „Das ist ja auch kein Wunder – du hast es auch nicht anders verdient. Aber komm bloß nicht zu mir zurück. Besser ist es, wenn du weit weg bist und ich dich nicht sehe.“ Sie rief sogar hinter meinem Rücken meinen Ex-Partner an, um ihm zu sagen, dass er bloß nicht wieder zu mir zurückgehen soll und dass er froh sein kann, mich los zu sein.

Meine Mutter, die Sadistin

Ich war wie verloren in dieser Zeit – meine Mutter stand mir nicht bei. Alles, was ich ihr anvertraute, wurde im nächsten Moment gegen mich verwendet – angeblich nur zu meinem Besten, weil sie mich so sehr liebt und es nicht ertragen kann, wenn ich leide und unglücklich bin. Dabei wollte sie mir nicht wirklich helfen und in ihrem Blick sah ich genau, dass sie sich insgeheim darüber freute, dass meine Beziehung gescheitert ist. Ich denke, sie war nur für mich da, um zu sehen, wie ich leide.

Ich lernte jemand anderen kennen und wurde sehr schnell schwanger. Kurz danach kam schon das nächste Kind. Meine Mutter traute mir natürlich nicht zu, zwei Kinder großzuziehen. Sie war der Meinung, dass alles im Chaos versinken würde. Und sobald etwas schiefging, war sie auch schon zur Stelle und hat mich wieder kritisiert und mir Vorwürfe gemacht. Sie wollte mir die Kinder sogar wegnehmen und sie zur Adoption freigeben, damit sie in eine vernünftige Familie kommen.

Außerdem konnte sie meinen Mann nicht ausstehen, weil sie glaubte, dass er nichts auf die Reihe bekommt. Sie hat ihn auch nie eingeladen. Wenn ich mit den Kindern kommen sollte, dann durfte er nie dabei sein. Wenn er dennoch kam, dann hat sie ihn aus dem Haus gejagt und er musste sich ins Auto setzen und solange auf uns warten. Ich weiß auch nicht, warum ich das überhaupt mitgemacht habe. Aber ich glaubte, es meiner Mutter recht machen zu müssen.

Meine Mutter, die Abgebrühte

Der Spruch meiner Mutter war immer: „Deine Schwester ist wirklich gelungen und du bist total missraten!“ Sie erinnert sich nur an meine schlechten Seiten. Alles, was ich für sie getan habe, hat sie entweder vergessen oder es zählt nicht für sie. Heute ist sie eine alte Frau und genießt ihr Leben. Sie fährt häufig in den Urlaub und kauft sich jedes Jahr ein neues Auto. Sie sagt immer, sie war clever und hat sich einen gut verdienenden Mann geschnappt, der er alles bezahlt hat.

Nach dem letzten Besuch ist mir klar geworden, dass ich es mit ihr nicht mehr aushalte und dass ich sie auch nicht mehr brauche. Vertrauen kann ich ihr sowieso nicht. Leider läuft es mit meinem Mann auch nicht besonders gut, da er ein ähnliches Verhaltensmuster wie meine Mutter hat. Somit habe ich niemanden, mit dem ich mal vertrauensvoll reden kann.

Leider unterstützt mich mein jetziger Mann auch nicht richtig und verwendet ebenfalls alles, was ich ihm anvertraue, gegen mich. Meine Mutter und er können sich nicht ausstehen und beide hacken auf mir herum – besonders, wenn es mir schlecht geht. Meine Mutter sagt: „Na, bei dem Mann würde ich mich auch schlecht fühlen!“ Und mein Mann sagt: „Na, bei der Mutter würde ich auch heulen!“

Meine Mutter, die Miesmacherin

Neulich war meine Mutter wieder zu Besuch und gleich ging es wieder mit dem Lästern los: „Wie sieht es hier denn aus? Was hast du nur für schreckliche Kleider an? Kann dir dein Mann nicht mal etwas Vernünftiges zum Anziehen kaufen? Die Küche ist auch nicht sauber! Warum dürfen die Kinder so lange aufbleiben? Hier ist wieder mal das totale Chaos!“

Ich hätte explodieren können, ich hätte ihr den Kopf abreißen können – aber stattdessen tat ich mal wieder gar nichts und war nur frustriert. Ich konnte nicht schlafen und war den ganzen Tag hypernervös. Dennoch habe ich in der Zeit, in der sie bei uns war, mehrfach etwas mit ihr unternommen. Ich dachte, ich könnte ihr zeigen, dass ich doch gute und liebenswerte Seiten habe. Aber es brachte natürlich nichts.

Meine Mutter, die Quertreiberin

Am letzten Tag habe ich sie nicht zum Bahnhof gefahren – ich habe sie in ein Taxi gesetzt. Sie war sichtlich beleidigt, dass ich sie nicht fahren wollte. Sicher hatte sie vor, im Auto noch ein wenig über meinen Mann und mein Leben herzuziehen und mir zu sagen, wie leid ich ihr tue. Nun konnte sie es aber nicht.

Ich verabschiedete mich nicht von ihr, sondern ließ sie einfach im Flur stehen, als das Taxi kam. Als sie endlich weg war, fiel ich in ein tiefes Loch und musste den ganzen Vormittag weinen. Mein Mann meinte nur dazu, dass das mal wieder typisch wäre, dass ich nach einem Besuch meiner Mutter immer stundenlang heulen muss, statt etwas zu kochen und mich um die Kinder zu kümmern. Daraufhin bin ich ausgerastet und hysterisch geworden.

Dann bin ich im Internet auf den Begriff Narzissmus gestoßen. Nach dem, was ich alles gelesen habe, ist mir schlecht geworden. Aber das erste Mal in meinem Leben bin ich davon überzeugt, dass es mir nur besser gehen wird, wenn ich endlich den Kontakt zu meiner Mutter abbreche. Jedenfalls bin ich nun fest entschlossen, es endlich zu tun.

Ich werde es nicht zulassen, dass sie mir jemals wieder wehtut. Und nur allein bei diesem Gedanken geht es mir schon besser und ich fühle mich wie erlöst. Ich weiß, das sie irgendwann wieder anrufen wird oder einen Brief mit den Worten sendet, dass sie mich über alles liebt. Aber das ist alles gelogen – das nächste Mal werde ich nicht mehr darauf eingehen.


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Veröffentlicht in Blog, Erfahrungsberichte
16 Kommentare zu “Meine Mutter – der Teufel
  1. Heike sagt:

    Ich habe den Kontakt vor fast 50 Jahren abgebrochen und es war eines der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich wäre sonst heute nicht mehr am Leben und habe den Kontaktabbruch bis heute nicht einen Tag bereut.

    • Lena sagt:

      Das hätte ich auch mal tun sollen, der „Kontakt“ ist erst beim Tod meiner Mutter abgebrochen, und trotzdem herrscht sie heute noch über mich.
      „Du solltest gar nicht auf die Welt kommen, und dann bist Du auch noch ein Mädchen, breite Nase, wulstige Lippen.
      Ich musste auf Vieles durch Dich verzichten.
      Du hast viele Fehler gemacht.
      Du bist Schuld am Tod Deines Bruders – ihr Abgott.
      Du kannst keinen Mann halten (nachdem mein erster Mann fremd gegangen ist).
      Sieh bloß zu, dass Dein zweiter Mann nicht wieder wegrennt.
      Du hast uns viel Kummer bereitet.
      Du bist Deinem Vater wie aus dem Arsch gekrochen (er war Halbjude und Juden hasste sie).
      Werde bloß nicht wie Tante x und Tante Y. Ich wusste gar nicht, wie die waren, kannte nur Tante x und fand sie in Ordnung.
      Schaff Dir keine Kinder an.
      Als ich dann doch zwei Töchter bekam und diese 9 Jahre allein groß ziehen musste, gab es kein Anerkenntnis, im Gegenteil: Jahre später fand sie großes Lob für eine Frau, die zwei Kinder mit ihrem Mann, der nur stundenweise zur Arbeit gehen brauchte und ihr überall half. Außerdem hatte diese Frau eine Flüchtlingsfrau aus Kroatien bei sich aufgenommen. Meine Mutter: Ich habe große Achtung vor S., wie sie das alles mit zwei Kindern schafft.
      Lob von meiner Mutter – ich kann mich nicht erinnern.
      Was ich tat, war falsch. Ich war die Magd meiner Mutter und meines Bruders, der 7 Jahre älter war – los, mach mal das und jenes. Nur wenn Besuch kam, war ich das liebe Töchterlein. Ich musste ein Leben lang büßen, weil ich ungewollt auf die Welt gekommen bin.

      Vati hätte Dich auch nicht heiraten wollen – hpps?

      Sie spionierte mir auch noch im Erwachsenenalter nach, ebenso ihr Sohn.

      Heute denke ich, sie war im höchsten Grade eifersüchtig auf mich, sie hatte alle Krankheiten dieser Welt, ist aber 94 Jahre alt geworden.

      Das ist nur ein Ausschnitt, ich könnte noch vieles berichten.

      Lena

      • Lise1 sagt:

        Liebe Lena, es ist selbstverständlcih, dass die Macht der Eltern nicht mit deren Tod endet. Schon allein die übernommenen Glaubnssätze wirken lebenslang nach, wenn man sie nicht gründlich hinterfragt. Auch nach dem Tod muss man von sich aus aktiv den Abschied nehmen. Da das mit vielen Tabus verbunden ist und vom Umfeld oft mit Unverständnis wahr genommmen wird, kann ich dir aber dazu raten, dazu Hilfe zu suchen, damit deine nächstern Jahre frei davon werden können.

        Für den Angfang ist z.B. das Buch Abschied von den Eltern nicht so schlecht, ersezt aber nicht das Gespräch mit einem lebendigen Menschen, der damit Erfahrung hat und auf professionelle Art versteht, was dir geschehen ist.

        Viel Glück

  2. Estelle sagt:

    Sehr geehrte Anita P,

    ich versteh insgesamt nicht, wieso Sie überhaupt bei dem Sch***ss mitmachen. Ich fände es in Ihrem Fall vernüftiger, den Kontakt mit Ihrer Mutter einfach mal komplett abzubrechen, d.h. irgendwo wegreisen, all ihre Kontakten löschen, die Vergangenheit hinter Ihnen zu lassen, denn sonst zerstören Sie sich nur selbst, indem Sie versuchen, in ihr noch einen Tropfen Gutes herauszuschöpfen. Sie tun mir sehr leid und da ich (soll jetzt echt nicht angeberisch klingen) selber wie sowas wie ne Bourgoise ausgewachsen bin, tun mir generell Menschen sehr leid, die es nicht so gut wie ich haben, sei es Hungernde, Kriegsopfer oder Opfer emotionaler Vernachlässigung. Ich muss sagen, das ist krass. Aber andererseits liegt Ihr Schicksal auch in Ihren Händen und indem Sie entscheiden, den Kontakt mit ihr abzubrechen, müssen Sie auch nicht mehr heulen und können ein glückliches Zukunftsleben führen.

  3. Yvonne sagt:

    Ja, scheusslich. Ich kenne auch dieses ständige Genörgel und die Giftpfeile. Aber irgendwann ist Schluss. Als erwachsene Frau kann ich (muss ich) alle Beziehungen abbrechen, welche mir nicht (mehr) gut tun. Ich bin es mir, meiner Selbstachtung und Selbstliebe schuldig. Es nützt nichts, die Schuld und das Verhalten immer wieder durchzukauen. Nebst meiner Mutter „durfte“ ich auch noch andere NarzisstInnen kennenlernen. Solange man immer gibt und lächelt, ist alles Paletti. Aber wehe man sagt endlich einmal Nein. Zur Zeit scheinen besonders viele narzisstisch Gestörte unterwegs zu sein. Bei denen wachsen die Forderungen parallel mit der Anzahl der „erfüllten Freundlichkeiten“. Nein Danke. Besser keine Freunde als falsche Freunde, welche nur kommen, wenn sie etwas wollen. Und dann auch noch nörgeln und gifteln. Unerträglich.

  4. Erika sagt:

    Eine schlimme Geschichte und ich habe das Gefühl, da war keinerlei Übertreibung dabei. Du hast viel mitgemacht.
    ein narzisstische Mutter, die auch soziopathische Wesenszüge trägt kann ein ganzes Leben negativ beeinflussen.
    Gottseidank gibt es Vergebungsrituale und Loslösungsprozesse, die man machen kann, um den Schaden einigermaßen wieder auszugleichen.
    Wenn ich solche Geschichten höre wie die hier und es gibt ja noch extremere, da wundert mich nicht, wenn ich täglich in der Zeit lese, dass wieder ein Sohn oder eine Tochter die halbe Familie ausgelöscht hat oder der Sohn seine Mutter erschlagen hat. Diese Täter werden in der Presse immer als geisteskrank dargestellt. Und sicherlich sind sie krank und sicherlich auch oftmals krank gemacht worden und haben ihre/n Peiniger erschlagen, erschossen.
    Alles, woran die Menschheit krankt ist der Mangel an Liebe. Jeder will sie haben, doch nur wenige können sie geben.

    • Silv sagt:

      @Erika bei narz. Störungen helfen keine Vergebungsrituale sondern einzig und allein eine bestmögliche Abgrenzung vor dem Gedanken, dass es sich eben um eine solche Störung handeln könnte. Menschen die einem zu schaden versuchen-intrigant handeln mit dem offensichtlichem Grund, Anderen auch Familienangehörigen, schwer zu schaden- meide ich möglichst bzw. reduziere den Kontakt auf das Notwendigste.
      Natürlich steht eine narz Störung ursprünglich vor dem Hintergrund eigenem erlebtem Leides. Trotzdem ist Mitleid hier nicht förderlich.

    • Goldmund sagt:

      Rituale können sehr hilfreich sein, das hat Erika richtig erkannt. Leider spielt das Ego vieler Menschen einen Streich, das sie daran hindert, vergeben zu können (das Ego mancher Menschen ist so groß, dass sie nicht einmal vergeben wollen). Solche Menschen werden ein Leben in Verbitterung verbringen.

      • Lise1 sagt:

        Nein Goldmund, davon träumst du.

        Jeder Mensch kann frei bestimmen, was er vergibt, niemand muss Angst haben, zur Strafe, dass – wenn er sich nicht zum millionsten Mal um das Wohlbefinden der Täter durch Vergebung bemüht- in Verbitterung leben muss.
        Es ist schlicht und ergreifend unwahr und Nichtigmachen/verurteilen der berechtigten Gefühlswelten traumatisierter Menschen.
        Es gibt Dinge, die sind nicht verzeihbar, vor allem wenn es nicht mal eine symbolische Wiedergutmachung gibt.

        Ein Leben in Verbitterung ist damit jedoch nicht gekoppelt, das wünschen vielleicht jene, die sich für ihre Vergebung wirklich sehr disziplinieren mussten und sich nun wundern, dass es für Andere ohne diese Qual ein glückliches und sinnvolles, gutes Leben auch ohne dieses nochmalige Reglementieren der eigenen Gefühle gibt.

        Es ist keine besondere Größe oder besonders hoch anrechenbare Gutmütigkeit, denn es ist jedem selbst überlassen, was und wem und wie viel er vergeben will.

        Es gibt keine Strafe in Form von Verbitterung oder Ähnlichem, wenn Schulden auf den Schultern der Täter belassen werden! Warum müssen sie mit Gewalt entschuldet werden?

        Warum?

        Zumal ja oft die Täter frei von jedem Schuldgefuhl sind, wozu als vergeben, was nicht mal als vergebenswert vom Täter angesehen wird?

        Es gibt ein freies und glückliches Leben, unabhängig von Vergebung. Dazu sind ganz andere Kriterien entscheidend! Lasst euch nicht schon wieder schuldig sprechen, wenn ihr nicht vergeben könnt, sondern betrachtet es als eine von vielen möglichen Varianten des bunten Lebens.

        Diese Drohungen bei nicht Wohlverhalten regen mich auf. Ich frage mich immer, zu wessen Vorteil und zu wessen Nachteil kommen solche mit der Muttermilch eingesogenen unreflektierten Dogmen?

      • Silv sagt:

        Liebe(-r) Goldmund…so handelt eben Jede/-r wie es guttut: vergeben immer wieder aufs Neue und im Laufe der Zeit verbittert werden oder eben einfach mal den Kontakt zu Menschen abbrechen, die – aus welchem innerem Grund auch immer- Schaden anrichten ( bewusst und unbewusst). Ganz einfach aus reinem Selbstschutz und in dem Bewusstsein dass eine echte Persönlichkeitsstörung nichts heilt.

  5. Alex sagt:

    Aus eigener Erfahrung kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass trifft zu 100% NICHT auf meine Mutter (oder Vater) zu.
    Allerdings, wenn ich an die Tochter meiner Ex denke, wird mir angst und Bange.
    Ich gehe mal davon aus, wenn das Kind alt genug ist, und u.a. erzählt bekommt, wie ihre Mutter damals gewütet hat, wird sich das ändern. Plus, sobald das Kind selbst denken kann und sieht, wie es anderswo läuft, kann ich mir mehr als gut vorstellen, dass sich die Tochter von der Mutter abgrenzt.
    Zu wünschen wäre es, denn die Muttrer versaut ihr Kind so sehr, dass sie es jetzt noch nicht sehen kann.

  6. Arabiata sagt:

    Soviel geballter Hass – Hölle pur. Ich wünsch dir viel Kraft und Gottes Segen, dass du es schaffst liebe Anita. Erinnert mich an meine Beziehung die zwar nicht annähernd so schrecklich war wie die oben beschriebene. Auch ich habe gelitten, geweint, versucht Versöhnung herzustellen, mich entschuldigt, überlegt was ich anders machen könnte – statt zu sagen „Verp… Dich Du A….“.. Schade um die verlorene Lebenszeit und Gefühle die man für Lohnenderes hätte investieren sollen.. können..

  7. Mick sagt:

    Leider muss man sich manchmal auch von seiner narzisstischen Mutter (oder anderen Familienmitgliedern) trennen. Das habe ich gemacht! Und es war wie eine Befreiung!
    Leider bin ich zwar danach im Leben immer wieder an Narzisstische Partner geraten. Aber ich erkenne inzwischen das Muster und arbeite an meiner Selbstliebe. Ein sehr langwieriger sehr schmerzvoller Prozess der Abbabelung aber irgendwann versteht man es tatsächlich! Mein Dank für viele Erkenntnisse gebührt auch sehr diesem hilfreichen Forum!

    • Heike sagt:

      Da kann ich Dir nur beipflichten. Verstehen tut man das wirklich irgendwann und irgendwie, nach langwierigen und sehr schmerzvollen Prozessen. Es ist zwar ab und an immer noch schwer zu fassen, wieviele Masken der Niedertracht es gibt(schlimmer geht ja immer…) , aber mittlerweile kann ich damit recht gut umgehen.
      Der Schlüssel ist tatsächlich die Liebe zu sich selbst – man ist einfach wertvoll, so wie man ist!
      Wenn man das wirklich begriffen hat, lässt man sich nicht mehr fremdbestimmen. Mir hat dieses Forum auch sehr weiter geholfen, ich bin dankbar, dass ich es gefunden habe.

    • Lilli sagt:

      Hallo Mick, hallo alle, ich besuchte meine narzisstische Mutter die letzten Lebensjahre im Altersheim, nachdem ich sie Jahre gemieden hatte. Ich konnte loslassen, dass sie mir z.B. nie von selbst die Hand entgegenstreckte, meiner Schwester schon, etc. .
      Ihre hohen Erwartungen erfüllte ich nicht,und hatte immer schon etwas Abstand zu ihr, doch ich hatte immer wieder mit Männern oder Freundinnen/Freunden mit narzisstischen Zügen zu tun.bIch grenze mich inzwischen ab,und sehe zugleich die Gemeinheiten als Hilflosigkeit, die ich mir nicht reinziehe.
      Ich mache wenig Gemeinsames mit ‚meinen‘ Narzissten und wachse aus meinem Michvereinnahmenlassen oder Andocken bei Narzissten heraus, indem ich nicht mehr mit ihnen kämpfe, sondern unbeirrt MEINEN Aufgaben und Hobbys nachgehe.
      Unsere Kinder sind gesund, da ich lange die Beratungsstelle in unserer Großstadt zu Rate zog.
      Doch mit meinem Mann und auch Freunden geht wenig, da sie zu sehr vereinnahmen und kritisieren würden. Sie respektieren mich am meisten, wenn ich eher distanziert in Liebe loslasse und MEINE Dinge tue.
      Ich beneide die Gesunden um ihre Partnerschaften und Freundschaften, Verwandtschaften.Ich selbst bin schon froh wenn ich MEINE Dinge machen kann und mit wenig Gemeinsamkeiten neben’meinen‘ Narzissten selber leben kann.

    • perlchen2018 sagt:

      Moin Mick,
      genauso habe ich es auch gemacht. Ich bin heute 58 Jahre alt und habe mit 40 die narzisstische Frau, die mich geboren hat, verlassen. Seit 18 Jahren habe ich nun keinen Kontakt mehr und ich bereue NICHTS!
      Auch ich habe begriffen, dass ich durch meine Herkunftsfamilie immer wieder Narzissten anziehe. Deswegen habe ich mich damals zeitgleich von verschiedenen Freunden verabschiedet, die auch narzisstische Merkmale aufwiesen. Die Trennung von meiner „Mutter“ hatte ich wahrscheinlich schon viel früher unbewußt im Sinn, das habe ich gut durchgestanden. Aber als sich meine Freunde aufgrund meiner Erkenntnis entpuppten……das war teilweise hart und geprägt von Beschimpfungen und hysterischen Anfällen meiner damaligen Freunde. Ich bin sehr vorsichtig geworden, wenn es um die Wahl der Menschen geht, die ich in mein Leben lasse.

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