Wer trägt die Schuld am Beziehungskonflikt?

Die meisten Partner von Narzissten beschäftigen sich aufgrund ständig wiederkehrender Schwierigkeiten in der Beziehung sehr intensiv mit den möglichen Gründen für den Beziehungskonflikt. Meist finden sie aber keine befriedigende Antwort und glauben, selbst schuld an den Problemen zu sein – vor allem dann, wenn der Narzisst eindringlich und überzeugend die Schuldfrage in Richtung des Partners lenkt, indem er ihm fortlaufend ein schlechtes Gewissen einflößt. Wie kommt es aber in der Beziehung wirklich zu dem Konflikt?

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Auch wenn Betroffene entdeckt haben, dass es sich bei ihrem Partner um einen Narzissten handelt, der in vielen Situationen ein gestörtes und unangemessenes Verhalten zeigt, so glauben sie dennoch, die Schuld an dem Beziehungskonflikt zu tragen. Sie sind davon überzeugt, dass es nicht zu ständigen Streitereien kommen würde, wenn sie sich anders verhalten würden. Der Narzisst wird dann häufig von jeglicher Verantwortung freigesprochen.

Vielleicht wollen Betroffene deshalb an diese Vorstellung glauben, weil sie ihnen die Hoffnung gibt, die Beziehung positiv beeinflussen zu können. Schließlich sind sie durch diese Interpretation selbst der Auslöser aller Probleme, und somit müsste sich durch ein verändertes Verhalten ihrerseits die Beziehung verbessern lassen. Sie haben es durch die Schuldannahme also vermeintlich selbst in der Hand, die  Probleme zu beseitigen und somit das Miteinander zu verbessern, was bei ihnen paradoxerweise ein Gefühl der Zuversicht auslöst.

Auf der anderen Seite wäre es auch verkehrt, nur dem Narzissten die Schuld am Beziehungskonflikt zu geben – Partner tragen sehr wohl einen Anteil daran. Doch wie schwer wiegt der Anteil des Narzissten und wie schwer wiegt derjenige des Partners? Hier muss man differenzieren, um zu einer realistischen Einschätzung hinsichtlich der Verantwortung und der Möglichkeiten einer Konfliktlösung zu kommen.

Die narzisstische Kollusion 

Bei der narzisstischen Kollusion dominiert der Wunsch nach einer Verschmelzung mit dem Partner bei gleichzeitiger Angst vor deren Verwirklichung. Die Themen einer narzisstischen Beziehung werden von beiden Partnern in gegensätzlicher Form inszeniert, wobei jeder Einzelne die Rolle einnimmt, die ihm eine kontrollierbare Form der Liebe ermöglicht: Der Narzisst nimmt die führende Rolle ein und ist immer der Starke, der Mächtige und der Beschützer, während der Partner sich auf die Idealisierung des Narzissten beschränkt. Beide erwarten aber Bewunderung für ihre Rolle, die sie für den anderen wahrnehmen.*1

Auf diese Weise lebt ein Partner die verborgenen oder fehlenden Anteile des anderen aus und wird vom jeweils anderen darin unbewusst unterstützt. So sind am Ende beide glücklich: Der eine gibt dem anderen, was dieser benötigt und fühlt sich gestärkt. Solange beide glauben, die Kontrolle über den jeweils anderen zu haben, trauen sie sich die Beziehung zu und erleben sie als zufriedenstellend.*1

Die narzisstische Beziehung hat somit für beide Partner zunächst einen hohen emotionalen Nutzen: Der Narzisst braucht seinen Partner zur Aufrechterhaltung und Steigerung seines Größenselbst, während der Partner umgekehrt sein eigenes geringes Selbstwertgefühl durch den Narzissten aufbessern möchte. Der Narzisst leiht dem Partner seine Stärke, die dieser nicht hat, und der Partner gibt dem Narzissten seine Schwäche, die diesen aufbaut und erhöht. Der Narzisst wird so in seinem Wunsch, großartig zu sein, unterstützt, was seine destruktiven narzisstischen Tendenzen anwachsen lässt – er erfährt ja keinen Widerstand, sondern bekommt im Gegenteil immer das, was er braucht. Der Partner wiederum wird in seiner Rolle, hilfsbedürftig und schwach zu sein, vom Narzissten bestätigt und glaubt daher, den Narzissten als Beschützer zu brauchen. Solange keiner der beiden die Ängste des jeweils anderen berührt, kann diese Form der Beziehung gelingen.

Die Motive des jeweiligen Partners haben zunächst nichts Gestörtes. Zu Problemen kommt es erst, wenn das Gleichgewicht außer Kontrolle gerät. Der Narzisst beginnt dann plötzlich, mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und sich dem Partner nicht mehr hinreichend positiv zuzuwenden. Der Partner erhält keine positive Zuwendung mehr, muss aber im Gegenzug Lob und Bestätigung geben. Die Balance zwischen Geben und Nehmen gerät dadurch auf verheerende Weise aus den Fugen. Aufgrund seines überzogenen Bedürfnisses nach Anerkennung und Bewunderung erfüllt der Narzisst nicht mehr seine Pflicht, dem Partner Wertschätzung entgegenzubringen, während sich der Partner nur noch damit begnügen darf, den egoistischen Wünschen des Narzissten nachzukommen.

Das Modell der narzisstischen Kollusion kann eine Hilfe sein

Das Modell der narzisstischen Kollusion kann eine Erklärung bieten, warum sich der Narzisst und der Partner gegenseitig anziehen, was sie verbindet und was sie in dem jeweils anderen sehen oder sehen wollen. Dieser theoretische Ansatz kann aber nur bedingt einen Beitrag zur Lösung des Konflikts leisten. Bestenfalls kann in der Theorie aufgezeigt werden, wie der Beziehungskonflikt zu lösen wäre, wenn sich beide ihrer Grundstörung bewusst würden und bereit wären, daran zu arbeiten und sich dabei gegenseitig zu unterstützen.

Das setzt aber die Fähigkeit zur Selbstreflexion und Selbstkritik voraus – und nebenbei auch Verständnis und Toleranz gegenüber dem anderen. Es dürfte mehr als fraglich sein, dass eine Person mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung zu diesen grundlegenden Voraussetzungen fähig ist. Bestenfalls lernt der Partner etwas über die psychodynamischen Prozesse der Beziehung sowie die eigenen neurotischen Anteile und beginnt, daraus zu lernen und sich weiterzuentwickeln, während der Narzisst jegliche Schuld von sich weist.

Innerhalb der Beziehung mit einem Narzissten kann eine Veränderung des Partners im günstigsten Fall dazu führen, dass die Eigenschaften des Narzissten nicht noch durch unpassende Reaktionen des Partners verstärkt werden und dieser sich durch geeignete Verhaltensstrategien besser vor emotionalen Übergriffen des Narzissten schützen kann. Das veränderte Verhalten des Partners kann so möglicherweise das unangemessen Verhalten des Narzissten eindämmen; es wird dadurch aber nicht aufgelöst und schon gar nicht sieht ein Narzisst dadurch eine Veranlassung, sich selbst zu ändern.

Der Narzisst scheut die Veränderung

In vielen Fällen sieht der Narzisst in der Veränderung des Partners sogar eine Bedrohung, weil dieser nun sehr viel reifer und souveräner mit dem destruktiven Verhalten des Narzissten umgeht. Das kann bei dem Narzissten die Angst auslösen, in der Beziehung in die unterlegene Position zu geraten, weil er seinen Partner nicht mehr unterwerfen kann und dieser sich nun sehr viel autonomer verhält. Diese Angst kann bei dem Narzissten wiederum zu Aggressionen führen.

Findet eine Trennung statt, regt dies den Narzissten kaum dazu an, sich über die Gründe tiefere Gedanken zu machen, sondern er begnügt sich in der Regel mit Schuldzuweisungen in Richtung seines Partners. Im Gegensatz hierzu ist der Partner, wenn er merkt, dass er so mit dem Narzissten einfach nicht weiterkommt, in der Regel eher bereit, durch eine Bewusstwerdung der eigenen verdrängten Ängste und eine intensive Auseinandersetzung mit den eigenen neurotischen Verhaltens- und Reaktionsmustern den eigenen Anteil am Beziehungskonflikt zu erkennen und daraus eine persönliche Entwicklung abzuleiten.

Eine Beziehung mit einem Narzissten führt also bestenfalls dazu, dass sich der Partner durch das vom Narzissten ausgelöste Leid selbst näherkommt und zu einem neuen Bewusstsein gelangt – wobei dieser Prozess sehr schmerzhaft ist. Der Narzisst entgeht diesen Schmerzen, indem er all seine Schwächen und negativen Seiten verdrängt und auf den Partner oder andere projiziert.

Der Narzisst fühlt sich nicht schuldig

Beide wählen somit unterschiedliche Wege der Konfliktbewältigung. Das hängt im Wesentlichen damit zusammen, dass einer von beiden eine Persönlichkeitsstörung hat, die so stark im Kern der Persönlichkeit verwurzelt ist, dass sie nicht so einfach aufzulösen ist. Auf der anderen Seite wird diese Person durch den intensiven Verdrängungsprozess davor geschützt, die Selbstsicherheit zu verlieren und wahnsinnig zu werden.

Man muss bedenken, dass das gestörte Verhalten des Narzissten für ihn ein starker seelischer Schutzmechanismus ist. Es ist wie bei dem Fundament und den tragenden Wänden eines Gebäudes: Wenn man hier ansetzt und eine Sanierung vornimmt, muss man befürchten, dass das ganze Haus einstürzt. Insofern muss man immer abwägen, ob das Haus nicht besser in bestehender Weise erhalten bleiben soll und lediglich in Teilbereichen Verbesserungen und Sanierungen vorgenommen werden sollen.

Partner können nicht die alleinige Schuld an dem Beziehungskonflikt auf sich nehmen. Sehr wohl können sie jedoch ihren eigenen Anteil reflektieren und daraus Verhaltensänderungen für den Umgang mit dem Narzissten ableiten. Sie werden aber den Narzissten nicht grundlegend ändern und dieser wird auch nur bedingt bereit sein, an dem Beziehungskonflikt zu arbeiten und irgendeine Form der Schuld seinerseits anzuerkennen.

Der Partner kann nicht an allem schuld sein

Die Schuld vor allem auf den Partner zu schieben, ist für den Narzissten also ein Schutzmechanismus, der ihn davor bewahrt, sich mit den eigenen negativen Anteilen auseinandersetzen zu müssen, und so den völligen Zusammenbruch seines Selbstwertgefühls verhindert. Partner tragen bestenfalls eine Teilschuld, indem sie dazu beitragen, dass sich das destruktive Verhalten des Narzissten durch unangemessene Gegenreaktionen potenziert.

Nur dieser Anteil kann vom Partner bearbeitet und verändert werden. Der weitaus größere Anteil, der durch die Persönlichkeitsstörung in die Beziehung getragen wird, kann vom Partner nicht gelöst werden und er trägt auch keine Schuld daran. Bestenfalls kann er den Narzissten unterstützen und ihn auf sanfte Weise auf seine Anteile aufmerksam machen – die Einsicht und die Bereitschaft müssen aber vom Narzissten kommen.

*1 Vgl. Jürg Will, Die Zweierbeziehung, Rowohlt Verlag, Hamburg 1990, Seite 87 ff.


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Veröffentlicht in Beziehung mit einem Narzissten, Blog
57 Kommentare zu “Wer trägt die Schuld am Beziehungskonflikt?
  1. silvi sagt:

    Es ist erstaunlich! Die Parallelen, die sich hier auftun:

    1. unser Nichtwissen
    2. das eigene „Gelähmtsein“
    3. die evtl. Süchte des N.
    4. das „charmante“ Werben des N.
    5. das sich vor Augen halten der perfiden Verhaltensweisen (um ja nicht rückfällig zu werden)
    6. inflationär sagt der N.: ich liebe dich – nicht wissend, was die Worte bedeuten
    7. die nicht zu verkraftenden Stimmungsschwankungen des N.
    8. die vorgeschobene Fürsorge des N., die eigentlich Kontrolle und Manipulation ist
    9. das übergroße Sicherheitsgefühl, das u.a. den Panzer des N. stärkt und festigt
    usw. usf.

    Die Parallelen machen mir Mut, und das ist so wichtig und hilfreich. Ich hoffe, dass ich stark bleibe und keinen Piep ihm gegenüber von mir gebe. Denn dann würde sofort sein Arm – einer Krake gleich – „zupacken“. Und ich wäre wieder in dem Strudel …

    • Kxenia sagt:

      Silvi
      Das ist richtig , alle aufgeführten Punkte .
      Und der Vergleich Krake passt, kann man nicht besser beschreiben.
      Sich zu schützen und keinen Piep von sich zu geben, denke ich ist nach der Trennung, die ich wollte, der schwierigste Akt.
      Ständig der aufkommende Gedanke , es doch richtig stellen zu wollen. Bei jeder SMS oder E-Mail.

      Sich innerlich selbst zurecht weisen „hast du es immer noch nicht kapiert, es bringt nichts“

      • silvi sagt:

        @ Kxenia. „Ständig der aufkommende Gedanke , es doch richtig stellen zu wollen. Bei jeder SMS oder E-Mail.
        Sich innerlich selbst zurecht weisen „hast du es immer noch nicht kapiert, es bringt nichts“. “

        Deswegen müssen wir uns immer wieder sagen: der Mensch ist krank, und wir können ihm nicht helfen. Und die Energie der Richtigstellung (zu der wir neigen) anderweitig einsetzen. Das ist jedoch riesig schwer und dieses „sich zurückhalten“ ist nicht zu unterschätzen.

  2. Peter sagt:

    Und schließlich: Es mag vergleichsweise einfach sein, sich nach drei Wochen Freundschaft mit einem Narzissten wieder zu trennen. Es ist aber alles andere als einfach, eine jahrelange Partnerschaft, womöglich mit gemeinsamen Kindern, aufzulösen, oder auch die Beziehung zu Vater und Mutter – zumal schon der Prozess, herauszufinden, dass eine NPS vorliegt, meist ein langer und steiniger Weg ist. Wer einem solchen NPS-exponierten Menschen vorwirft, eine Heulsuse o.ä. zu sein und keine Verantwortung für sein eigenes Handeln und für sein eigenes Glück zu übernehmen, tut dem NPS-exponierten Menschen zutiefst Unrecht. Ich persönlich gebe jedem NPS-exponierten Menschen die Absolution, wenn er ein paar Jahre braucht, die NPS-Situation überhaupt erst zu erkennen und dann den entscheidenden, radikalen Schritt zu machen mit allen Konsequenzen. Eine kategorische Verantwortungshalbierung ist ohnehin ein logischer Fehlschluss (ein ARGUMENTUM AD MEDIUM nämlich), und dieses ewige „du bist sicher auch daran schuld“ oder sogar „genauso daran schuld“ aus dem Munde mancher Freunde, Psychologen oder Juristen ist das, was ein NPS-exponierter Mensch am allerwenigsten verdient hat oder weiterbringt.
    Und nicht zuletzt ist die Verantwortungshalbierung ein äußerst wertvolles Missbrauchsinstrument in der Hand des NPS-Menschen: Ein geübter NPS-Mensch, der seine Klaviatur kennt, versteht es, bei Fehlern des Partners gnadenlos auf dem Fehler herumzureiten und Klarheit zu schaffen, dass der Fehler zu 100% beim Partner liege. Und bei offensichtlich eigenen Fehlern kommt dem NPS-Menschen stets reflexartig die scheinbar faire, angeblich universelle Verantwortungsteilung in den Sinn, nicht etwa als Ausgangspunkt der Evaluation, sondern als unverrückbares, definitives Urteil.

    • Maritt sagt:

      Ja, sehe ich auch so. Den Begriff „Schuld“ im Zusammenhang mit dem Verhalten des CoNarzissten zu verwenden halte ich für fatal. Weil es meines Erachtens „Wissen“ voraussetzt. Und „Verantwortung“ habe ich als langjährige Co ununterbrochen übernommen. Aber eben aus einem falschen Blickwinkel heraus. Erst als ich mir über den „Narzissmus“ im Klaren war, konnte ich erkennen was bisher, auch von meiner Seite aus, falsch gelaufen ist. Und das Erkennen ist erst der Anfang. Dann geht der Kampf ja erstmal richtig los.

      • Maritt sagt:

        ….und wenn dieser Kampf dann losgeht, dann sollte man sich wirklich nicht zuerst mit den eigenen Anteilen befassen, sondern sich die Gemeinheiten des Narzissten ständig vor Augen halten, dass man nicht dem Irrtum verfällt, man kann mit der Regulation des eigenen Verhaltens wieder mit dem Narzissten zusammen kommen.

        • Kxenia sagt:

          Maritt
          Da stimme ich dir voll und ganz zu.
          Man kämpft, mit sich, nicht mehr seinem Werben, oder seinen aufgeblasenen Drohungen nachzugeben
          Diesen wechselnden Stimmungsschwankungen von ihm , Gehör zu geben. Oder noch schlimmer sich auf ein Treffen mit ihm einzulassen.

  3. Peter sagt:

    Ich danke Sven Grüttefien einmal mehr für den guten Artikel.
    Die Schuldhalbierung (oder neutraler: die Verantwortungshalbierung) ist meiner Meinung nach ein äußerst sensibles Thema. Denn: In der normalen Beziehungswelt ist die Verantwortungshalbierung sehr wohl ein fairer Ausgangspunkt: die Halbierung basiert auf der Goldenen Regel oder der christlichen Nächstenliebe, die Halbierung gründet auf psychologischen Regeln wie „Ich bin OK, du bist OK“ (Harris). Und die Verantwortungshalbierung ist Grundlage für die sog. Selbstwirksamkeit (Bandura): Nur wer in einer Beziehung eigene Verantwortung anerkennt, hat auch eine Möglichkeit, etwas in dieser Beziehung zu verbessern.
    Aber: Vielleicht sollte man aufhören damit, eine Interaktion mit einem NPS-Menschen überhaupt als Beziehung zu bezeichnen, zumindest wenn man ein dialogisches Hin und Her als Teil der Definition des Wortes „Beziehung“ betrachtet. In der Interaktion mit einem NPS-Menschen muss man sich überwinden, all diese schönen Dinge von der Selbstwirksamkeit bis zur Goldenen Regel temporär auszusetzen – weil es einfach nichts bringt.
    Die Selbstwirksamkeit ist einzig und allein darauf beschränkt, dass man die Option hat zu gehen (oder die Interaktion ggf. wenigstens auf ein absolut formales Minimum zu reduzieren). Man muss erkennen, dass es sich im Falle der NPS (und nur in diesem Falle!) nicht lohnt, eine andere, weitergehende Verantwortung zu übernehmen, etwa „die Beziehung neu zu gestalten“ oder „die eigene Kommunikation zu überdenken“ und all die anderen an sich weisen Bemühungen, die in einer normalen Beziehung mit einem normalen Nicht-NPS-Menschen absolut empfehlenswert und fair sind.

    • silvi sagt:

      Danke für die 2 guten Artikel! Sie beinhalten überdenkenswerte Ansätze, z.B. es nicht als eine Beziehung zu betrachten, stattdessen als „Interaktion“, in der die beziehungscharakteristischen Merkmale nicht vorhanden sind. Diese Betrachtungsweise hilft! Ich hoffe, es richtig verstanden zu haben.

    • Klarsicht sagt:

      Nicht einmal das hat man, lieber Peter, die Option einfach zu gehen… er wird alles tun und daran setzen, einen zurückzuhalten, und er wird wieder kommen. Die meisten von uns konnten erst „weggehen“, als sie ganz am Boden waren, zerstört einem Burnout oder einer schweren Krankheit nahe… dann lässt er es zu, weil es ja nichts oder nicht mehr viel zu holen gibt. Doch sobald wir wieder auf den Beinen stehen, Kraft haben, saugt er wieder an… spinnt sein Netz wieder aus, in das wir fallen sollen und so viele von uns haben dieses on-off immer wieder erlebt… Ich finde es auch dann, danach noch schwierig und Kräfte raubend, da ich immer noch achtsam sein muss. Doch mir geht es am besten, wenn ich das Positive daran sehe, nicht die Jahre und Kraft, die ich verloren habe, sondern was ich gewonnen habe, eine neue selbstsichere und selbstliebende und selbstbestimmende Identität…

      • Rose sagt:

        Und wenn man es schafft zu gehen, dann ist Kampf angesagt. Kampf um sein Eigentum und dazu gehört man als Partner. Wenn der Druck über Pflicht- und Schuldgefühle nicht reicht, weil man gelernt hat, sich dem zu entziehen, dann wird Druck von aussen ausgeübt. Es werden andere Menschen mit einbezogen, es werden Vereinbarungen einfach vergessen, es werden Dinge gemacht, die nicht vereinbart sind (in Kontrolle verpackte Fürsorge). Es werden Aktionen gestartet, die den Partner nicht mehr zu Ruhe kommen lassen, ihm die Chance rauben, einfach mit der Geschichte abzuschließen. Und dabei immer schön mit selbstwerterhaltender Realitätsverzerrung eine Welt aufrecht erhalten, in der der Partner der Kranke und Böse ist.

      • Peter sagt:

        @silvi: Ja, so habe ich es gemeint. (Leider sind meine beiden Absätze verkehrt herum dargestellt, man müsste erst den unteren, dann den oberen lesen. Das ist leider etwas verwirrend.)
        @Klarsicht/“Nicht einmal das hat man, lieber Peter, die Option einfach zu gehen“. Ich würde meine Aussagen so verdeutlichen: Die Option zu gehen hat man schon. Aber das ist alles andere als „einfach“, denn der Mensch mit NPS kann dir auch dann noch nachlaufen (Blumen, Beteuerungen, Drohungen, Mobbing, Schwüre…), und vor allem: Du bist möglicherweise gezwungen, den gesamten gemeinsamen Freundeskreis, die Herkunftsfamilie, das Sorgerecht für deine Kinder, die Arbeitsstelle und/oder den Wohnort aufzugeben, je nach Konstellation. Die Konsequenzen sind fast immer sehr gravierend. Es kann daher durchaus sein, dass man das kleinere Übel wählt und diese Option NICHT wählt (oder zu einm wohlkalkulierten, späteren Zeitpunkt).

        • Zufrieden sagt:

          Ich meinte, aus heutiger Sicht, wurde mir mein Wunsch nach Kindern erfüllt aus genau oben genannten Gründen. Das Gehen ist um einiges schwerer und es besteht ein Band, was nicht mehr zu lösen ist. Kinder sind nach der Trennung der Angriffspunkt, wenn alles andere nicht mehr greift oder bereits abgearbeitet wurde. Mit einem Kind im Spiel trifft der Narzisst immer die Achillesferse.

  4. Zufrieden sagt:

    Herr Grüttefien, eine Frage zu den gesamten Manipulationen, Lügen und Schuldabweisungen, die im Laufe des Lebens das Konto des Narzissten füllen. Hat der Narzisst ein Gewissen? Meine Logik sagt, jeder Mensch hat eins. Wie geht der Narzisst damit um? Runterspülen durch Alkohol und geheuchelte Sozialprojekte?

    • Hope67 sagt:

      Diese Frage interessiert mich auch sehr!

    • Hope67 sagt:

      Bei all meinen Expartnern, allesamt Narzissten, waren irgendwelche Süchte im Spiel.

      • silvi sagt:

        Das stimmt auffällig: essen, Geldspiele, x Hilfsprojekte (deswegen ist er auch so gut „angesehen“) etc. ….und die Nachfrage hinsichtlich des Gewissens interessiert mich auch!

        • Kxenia sagt:

          Dies was Herr Grüttefien schreibt,
          Er hat ein Gewissen, er will damit aber nicht in Berührung kommen, und tut alles dafür, um nicht sein Selbstbild in Frage zu stellen.

          Er hat es vergraben, wenn er merkt es geht in diese Richtung, schießt er mit Worten gegen einen, ich war oft wie gelähmt im Denken , was in dem Moment passiert. Zutiefst gekränkt, wie Pfeile ins Herz , konnte ich gar nicht begreifen , das ich jetzt angegriffen werde, obwohl es ihn betraf .

          Ein Meister, von seiner Person auf mich zu lenken , und es hörte stundenlang nicht auf .
          Gelähmt und unfähig aus der Situation auszubrechen,
          Kräftezehrend, er der Sieger und strahlende Held.
          Nur solche Menschen die sich selbst nicht spüren, können so abscheulich, menschenverachtend handeln.
          Um danach noch sagen , ich liebe dich mein Schatz

          Nie mehr werde ich zulassen, mich von irgendjemandem so behandeln zu lassen

          Kraft und Mut uns allen

    • Um nicht mit seinen negativen Anteilen in Kontakt zu kommen, hat der Narzisst verschiedene Abwehrmechanismen entwickelt. Er schützt sich davor, sich mit Schuld- und Gewissensfrage auseinandersetzen zu müssen, indem er leugnet, verdrängt, verschiebt, sublimiert, rationalisiert, spaltet, projiziert und vieles mehr. Er tut alles, um nicht sein Selbstbild in Frage stellen zu müssen und tut dies in so konsequenter Weise, dass er erst gar nicht mit seinem Gewissen in Berührung kommt.

      • Ben sagt:

        Sehr geehrter Herr Grüttefien,

        wieder ein so passender, treffender und zugleich vernichtender Artikel!

        Zu Ihrer Antwort und meine Fragen:

        „Er tut alles, dass er gar nicht erst mit seinem Gewissen in Berührung kommt“ – Ich hatte eine langjährige Ehe mit einer N., zwei Kinder. Brutales Ende, Wegwurf, Psychologe, Seelsorge, Ausgebrannt ..
        Nun ist es aber immer noch so, daß diese Frau für mich nicht wirklich Vergangenheit darstellt; vielmehr ist da immer noch eine nicht zu leugnende Verbundenheit von mir.
        Gestern war eine Beratung über die Kinder in einer Stelle mit zwei Fachkräften. Die Dauer der Beratung erstreckte sich auf fast vier Jahre und was hat sie gebracht? NIX! Da fallen mir die Kommentare von Peter weiter oben sehr auf. Die Grundlage der gesamten Zeit war immer eine Teilung – und das war Nonsens! Auch habe ich nie verstanden, warum der Leiter dort meine Ex nie darauf angesprochen hat. Gestern hat er es beendet und es ist der gleiche „Zustand“ wie 2014… Er pochte nochmal auf Elternvereinbarungen, Respekt, gemeinsame Absprachen etc. Nur hat sie sich nie daran gehalten, bis heute. Immer wenn ich sie in den Jahren konfrontierte oder anging, platzte sie und demonstrierte sehr eindrucksvolle narzisstische Kränkungen (Rausrennen, Rumbrüllen, Heulen wie ein Wolf).
        Verantwortung kennt sie nicht, wohl aber ist sie Meisterin von Ihren genannten Abwehrmechanismen! Ich bin ausgetauscht worden 2016 und der neue Typ ist natürlich „perfekt“. Ich lehne jeglichen Kontakt mit ihm ab; sie versucht das immer wieder – so auch Gestern. So sagte sie „Du solltest dankbar sein, denn er ist sehr lieb und so ist es doch eine Win-Situation für Alle“ (Zitat Gestern!). Der Leiter der Beratungstelle ging dazwischen, doch erreichte nichts – dann entließ er uns. Wo ich jetzt mit Sorgen wegen der Kinder hingehe, weiß ich noch nicht wirklich.

        Warum ich sie immer noch haben will und so aggressiv gegenüber dem neuen Energieversorger agiere oder eher reagiere – ich weiß es nicht….! (?)
        Irgendwann müssen solche Menschen doch auch mal „voll“ sein – oder?? Verbrannte Erde, entsorgte Menschen und Partner – wie geht das? und dann noch über Jahre und wie bei mir über Beziehungsenden hinweg?

        LG

        • Maritt sagt:

          Nein, eben nicht. Diese Menschen können nicht zufrieden oder „voll“ sein. Sie sind von einer inneren Unruhe getrieben. Und statt zu erkennen, dass diese Unruhe aus Ihnen selbst kommt, versuchen sie Andere dafür verantwortlich zu machen oder den inneren Druck auf andere abzulassen. Sie können Glück kaum genießen weil sie sofort von der Sorge geplagt werden, dass das Glück vergehen könnte oder das Andere noch größeres Glück erfahren. …eigentlich ganz schrecklich. Aber bloß kein Mitleid. Du hilfst Ihnen damit nicht sondern richtest Dich zugrunde.

          • Kxenia sagt:

            Maritt
            Genau richtig, sie sind immer auf der Suche nach was besserem, das auszuhalten geht einem selbst an die Grenzen.
            Ich war so programmiert, besser zu sein als alles, was ihm im Laufe des Tages begegnet. Das ich nur noch ein Schatten war, ausgesaugt.
            Und es war nie genug.

      • Zufrieden sagt:

        Besten Dank Herr Grüttefien für Ihre prompte Antwort.

        Zu dem Thema Gewissen habe ich verschiedene Meinungen gelesen, unter anderem auch die, dass das Gewissen eine eigenständige Komponente sein soll und sich nicht so einfach wegdrücken oder verleugnen lässt.
        Von daher stellte sich mir die Frage, wie der Narzisst damit umgeht, mit etwas konfrontiert zu werden, was nicht manipulierbar ist.

        • Lise1 sagt:

          @ Zufrieden,

          ich verstehe deine Frage nicht. Was meinst du mit eigenständiger Komponente? Wo steht dazu etwas? Ein Gewissen ist nicht fest stehend, es kann sich wandeln durch die Erfahrungen, die man hat, auch durch die umgebende Gesellschaft geprägt. Was an einer Stelle verboten ist, ist woanders erlaubt und gut. Wie soll das Gewissen da starr sein?

          Jedenfalls hat ein N. Methoden entwickelt, um zu überleben mit seinem Gewissen nicht in Berührung zu kommen, ob Komponente oder nicht

  5. Hope67 sagt:

    Hallo guten Morgen! Ich bin jeden Tag hier am Lesen und es tut so gut! Die sachlichen, fachlichen Inhalte und auch die Kommentare,Leidensgeschichten, wo man merkt, man wird irgendwie getragen und ist nicht allein! Als ich eben den Hinweis auf den Bibeltext “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ gelesen habe, dachte ich, ja, wie wahr. Leider sind ja besonders wir Frauen (nicht nur, aber oft) so erzogen (von narz Vätern???) dieses Zitat so zu deuten und zu leben, dass wir uns selbst zurücknehmen und bloß nie vergessen, auch schön treu und brav den anderen zu sehen. Welch unglaublich guter Nährboden doch für narzisstische Ausbeutung in Beziehungen. Bei mir hat diese Erkenntnis nun 50 Jahre gedauert. Dabei hatte ich vor ca. zwei Jahren mal eine Predigt gehört, bei der der Pfarrer darauf hinwies, dass,diese Bibelstelle eben NICHT so gemeint war. Tja, aber wenn man solange im verkehrten Sinne gelebt und funktioniert hat, dann ist das Umprogrammieren nicht ganz so leicht. Ich sehe mich trotz vieler negativer und belastender Erfahrungen mit Narzissten, die mich bereits vor vielen Jahren sogar in einen Burnout getrieben haben, hatte es geschafft, mich zu trennen, allerdings wirklich nur, um die nackte Haut zu retten, ohne Erkenntnis, dass es sich um einen schwer narz gestörten Mann handelte, das habe ich erst nach dem Studium dieser Website hier begriffen, nicht als Opfer, sondern habe meine Erfahrungen, Schmerzen etc. jetzt zum Anlaß genommen, mir meinen eigenen Anteil an den ganzen Dramen bewusst zu machen (dazu muss ich mir jetzt erstmal einen guten Therapeuten suchen, denn das ist wohl nicht alleine zu schaffen). Aber es ist schon hart zu erkennen, wie sehr und schwerwiegend falsche Glaubenssätze (von Narzissten in die Kinderseele gebrannt) so ein ganzes Menschenleben überschatten.

    • silvi sagt:

      … gibt doch auch diese Aussage: „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“

      • Hope67 sagt:

        Ja, oder “was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“ Aber selbst dieser Satz wurde in meiner Familie zugunsten meines narzisstischen Vaters interpretiert. Aber auf solche Gedanken komme ich leider auch jetzt erst…

  6. Goldmund sagt:

    Ich finde die Schuldfrage schwierig. Im juristischen Sinne mag sie Sinn machen, ansonsten eher weniger. Schuld geht einher mit Schuldgefühlen. Das wird uns schon als Kind eingetrichtert und ist nichts anderes als Manipulation. Ein buddhistischer Mönch sagte mir sogar einmal, er halte Schuldgefühle für eine Psychose. Reue ja, Schuld nein (Schuld antizipiert)!

    I.d.R. geht es aber nicht um Schuld, sondern um Verantwortung. Leider können das offensichtlich nur sehr wenige unterscheiden. Deshalb geht es auch nicht um eine Umkehr von Täter und Opfer. Indem wir Verantwortung übernehmen, kommen wir aus der Ohnmacht, also aus der Opferrolle heraus und kommen in die Macht. Wir haben es (unser Leben) in der Hand! Die Opferrolle hingegen gibt/lässt die Macht beim Täter (ähnlich wie, wenn wir nicht verzeihen können).

    Im Englischen heisst es: „It takes two to tango!“, was soviel heisst, dass die Anteile immer 50:50 sind. Hier mag narzisstischer Missbrauch eine Ausnahme bilden. Es ist grds. nicht unser Fehler, wenn so mit uns umgegangen wird, aber es ist unser Fehler, wenn wir es zulassen, dass so mit uns umgegangen wird. Und genau da liegt die Lernaufgabe von Opfern narzisstischen Missbrauchs: Abgrenzung (lernen, NEIN zu sagen!), Selbstliebe, etc. Erst wenn wir das gelernt haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir jemals wieder Opfer von narzisstischem Missbrauch werden.

    • Goldmund sagt:

      * …ist die ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir jemals wieder Opfer von narzisstischem Missbrauch werden, äusserst gering.

      • Ina sagt:

        Und das wirklich zu verinnerlichen, kann eine unfassbare Chance sein. Ich bin 1.5 Jahre später nicht mehr traurig darüber das er mir passiert ist, sondern nur noch darüber das es nicht früher war :)) Und vor allem durch Seiten wie diese, Beiträge wie deinen,zu wissen das man nicht allein ist um die Spur in sein Inneres zu finden ist es möglich sich besser zu fühlen als je zuvor.
        Danke Euch allen!

    • silvi sagt:

      @Goldmund – Ja, das mit der „Schuld“ würde ich auch so sehen wie GOLDMUND. Es geht um Verantwortung, und die übernimmt der Narzisst sehr wohl. Und jetzt kommt’s: AUSSCHLIEßLICH für sich und sein Wohlgefühl. Er sieht das allerdings ganz anders. Seine vermeintliche VERANTWORTUNG für andere ist pure MANIPULATION. Und das erkennt sein Umfeld nicht.

      Ich habe dem Narzissten in der Mehrzahl der Fälle gesagt, wenn ich mich verletzt und gekränkt gefühlt habe. Allerdings hätte ich auch gegen ’ne Wand sprechen können. Die Reaktion war nämlich gleich 0! Ich schäme mich dafür, dass ich es zugelassen habe, aber ich betone nochmals: Unwissenheit war eine gravierende Ursache. Und die Nadelstiche kamen versteckt, und wenn ich gar nicht damit gerechnet hatte. So rasch konnte ich gar nicht reagieren, weil mir der Mund offen stehen blieb. Das soll beileibe kein Entschuldigung sein – aber vielleicht eine Erklärung. Natürlich hatte ich „SCHULD“, als ich die „doch so unproblematische Beziehung“ beendet habe.

      Diese Seite hat mir die Augen geöffnet sowie die zahlreichen Kommentare. Die Intensität der Beziehung hängt von mehreren Faktoren ab, zb. was man/frau zuvor erlebt hat, ob Kinder da sind, ob frau/man jemand Vertrautes sucht… etc. etc.

      • Goldmund sagt:

        Hallo Silvi

        Das interessant, was du schreibst. Ja, was die Verantwortung für das Wohlbefinden betrifft, da stimm ich dir zu! Und genau das ist, was wir von Narzissten lernen können.

        • Goldmund sagt:

          Noch eine kleine Anmerkung zu: „Ich schäme mich dafür, dass ich es zugelassen habe […]“.

          Verzeihen heisst auch, sich selbst zu verzeihen und mit sich selbst nicht zu hart ins Gericht zu gehen. Akzeptieren, was ist/war und daraus lernen. Für mich war das auch eine völlig neue Erfahrung. Niemand ist allwissend 🙂

          • Lise1 sagt:

            @Goldmund, ja so sehe ich das auch, man kann auch gnädig sich selbst gegenüber sein. Für mich war das auch neu und es fühlt sich sehr gut an, sich nicht mehr ständig selber zu herabzusetzen, sogar wenn man gar nichts Schlimmes gemacht hat

          • Goldmund sagt:

            Lise, behandle dich so, wie du von anderen behandelt werden möchtest 🙂

      • Waltraud sagt:

        Hallo Silvi,
        Deinem Beitrag kann ich mich anschliessen. Auch Deine Aussage, man kann sich genauso gut mit der Wand unterhalten, teile ich.
        Als ich ihm mal sagte, man könne sich die Zähne an ihm ausbeissen – Antwort; das ist auch gut so!
        Als ich am Anfang noch Differenzen mit ihm klären wollte, kam die Antwort; Seine Eltern hätten solche Probleme nicht!!! Hä???
        Oder ein anderes mal kam von ihm, ich müsse mich ändern!!
        Aber wie Du auch geschrieben hast, Unwissenheit war eine gravierende Ursache. Ja so ist es, erst mit Wissen dieser NPS hatte ich einen Ansatz der mir überhaupt erst Klarheit verschaffte,um mich dagegen abgrenzen zu können und nicht wieder auf die geschickten Spielchen von ihm reinzufallen.

        • Goldmund sagt:

          Hallo Waltraud

          Das geht vermutlich jedem so, der das erste Mal Erfahrung mit einem Narzissten gemacht hat. Vielleicht ändert sich das durch die aktuelle Aufklärung bald.

          Ja, auch ich hatte den Eindruck, gegen eine Wand zu sprechen. Und ja, Narzissten respektieren die Grenzen, die man ihnen setzt, nicht. Ihnen ist alles erlaubt 🙂 Auch die von dir beschriebenen Projektionen sind typisch für einen Narzissten, weil sie keine Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen können. Der Narzisst würde daran zugrunde gehen. Deshalb hat er sich die Maske, an der alles abprallt, aufgebaut. Ergo muss zwangsläufig immer der andere Schuld sein und sich ändern.

      • Rose sagt:

        @silvi
        Das mit der Wand kenne ich. Im Übrigen: von einer Wand kommt noch etwas zurück, von einem Narzissten? Nie!
        @goldmund
        Was ich immer noch nicht verstehe, wie kann man Verantwortung übernehmen ohne sich schuldig zu fühlen? Ich habe mir jahrelang Schuldgefühle einreden lassen: Schuld, dass die Karriere nicht lief, Schuld, dass das Auto in den Graben gefahren wurden….ich war der Sündenbock für alles. Und jetzt soll ich auch noch schuld daran sein, was er mir angetan hat? Ich habe Verantwortung für mich übernommen und habe mich getrennt…

        • Kxenia sagt:

          Rose, ich schildere dies jetzt aus meiner Sicht

          Verantwortung heißt , die Beziehung zu dir, Verantwortung zu übernehmen, jeder die Hälfte im Idealfall.
          Das es dir emotional gut geht, dich umsorgt, so wie du es tust, er für dich da ist ( wenn das Auto im Graben ist) dir Nähe und Vertrauen gibt, das du ja gibst, Harmonie und Frieden, Ruhe in der Beziehung vorherrscht.
          Verantwortung für die Kinder übernimmt, an der Erziehung und ein Vorbild ist.
          So wie du es vorlebst.
          Nicht Aggression und Desinteresse , und du sollst daraus sein Inneres unzufriedenes Loch füllen
          Wie ich oben geschrieben habe, das ist meine Sichtweise

  7. Silke sagt:

    ich war 25 Jahre mit einem Narzissten verheiratet. Vor 3 Jahren habe ich gemerkt, dass ich nicht die alleinige Schuld am Konflikt trage. Eine Paartherapie hat nur noch deutlicher seine narzisstische Seite nach Außen gestellt. Ich habe über ein Jahr nicht gewagt mich zu trennen, wegen der Kinder, wegen des Vermögens … und es dann doch geschafft. Ich bin seit 6 Monaten getrennt, habe eine neue Arbeitsstelle (vorher bei ihm angestellt), die zwei kleinsten der 5 Kinder leben bei mir. Ich bin wieder in einer neuen Beziehung.
    Es gibt natürlich Rückschläge, aber: ICH LEBE WIEDER. Ich habe gelernt, dass ich nicht die bin, die alleine Schule hat. Ich habe ihm viel zu viel Macht über mich gegeben und ihm keine Grenzen gesetzt.
    Ich trage Schuld am Scheitern dieser Beziehung, aber ich merke jetzt in meiner neuen Beziehung, dass mir so viel gefehlt hat im Leben früher.

    • Kxenia sagt:

      Schuld oder nicht Schuld !
      Stellt sich diese Frage überhaupt ?

      Des einen wird der Narzisst , einen Schutzmechanismus aufbauen, und er hat es noch mit Persönlichkeitsstörung zu tun , und der Partner soll ihn noch sanft auf seine Schuld Anteile aufmerksam machen. ( Zusammenfassung)

      Ich lach mich gleich schlapp,
      Sorry ist der Narz mit mir sanft umgegangen ?
      Nein !!!
      Ich war nur so dumm und hab es zugelassen!!!

      Jeder sollte eigentlich einen Exit Plan im Hinterkopf haben
      Wenn die Altlasten des anderen oder die eigenen , zu schwer werden , müssen wir in unserem Sinne handeln und die Reissleine ziehen .
      Wir sind frei zu gehen.

      Wünsche allen Mut
      Glg Kxenia

      • Goldmund sagt:

        Die Schuldfrage stellt sich m.E. nur im juristischen Sinne. Wenn wir die Frage nach Schuld stellen, sind wir nicht bei uns, sondern beim anderen. Wenn wir jedoch Verantwortung übernehmen statt die unsinnige Frage nach Schuld zu stellen, sind wir bei uns. Verantwortung übernehmen ist gewissermassen eine Selbstermächtigung. Wir können aus den Erfahrungen lernen, uns transformieren und heilen.

    • Goldmund sagt:

      Hallo Silke

      Du trägst allenfalls eine MITschuld, aber bestimmt nicht die alleinige Schuld. Diese besteht darin, den Narzissten gewähren zu lassen. M.E. sollten wir uns allerdings sowieso von der Schuldfrage lösen und uns stattdessen der Verantwortung widmen. Und da wird’s plötzlich interessant! Ja, wir tragen die Verantwortung, dass wir dem Narzissten keine Grenzen setzen (welche ohnehin nicht respektiert werden), doch der Narzisst trägt die Verantwortung für sein (Fehl)Verhalten. Und da wird’s interessant, weil der Narzisst nicht in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen (deshalb die Schuldzuweisungen, welche wir eigentlich an uns abprallen lassen sollten). Mit der Selbstreflexion, die dem Narzissten fehlt, müsste es uns gelingen, Verantwortung für die fehlende Abgrenzung ggü. dem Narzissten und das Wahrnehmen und Einstehen für unsere eigenen Bedürfnisse zu übernehmen. Damit wird auch die Frage nach dem Verzeihen schon fast obsolet und es kann sich sogar eine Dankbarkeit für die wertvolle Lernaufgabe, die uns der Narzisst gestellt hat, entwickeln.

  8. Lissy sagt:

    Hallo Sven Grüttefien,
    Vielen Dank für diesen sensiblen Beitrag. Ich habe mich vor fast vier Jahren aus einer langjährigen Ehe mit einer Narzisstin getrennt. Bis heute suche ich oft nach der Schuld des Scheiterns – da hilft ihre Sicht sehr. Wir beschrieben, bleibt mir als Partnerin der Schmerz nicht erspart, aber ich kann meine Anteile besser einschätzen und versuche mit wechselndem Erfolg ein persönliches Wachstum meinen Erfahrungen zu ziehen. Mehr als ein Jahrzehnt Partnerschaft mit einer Narzisstin hat Spuren hinterlassen, schmerzende, aber auch schöne. Ich versuche das Gift aus der Vergangenheit zu entfernen, will aber auch nichts verklären. Diese Balance empfinde ich noch immer als sehr schwierig.

    • Diese Balance zu bekommen ist auch eine große Herausforderung: Man soll die Beziehung mit dem Narzissten nicht verfluchen, sie soll nur eine andere Bedeutung bekommen. Das geht aber nur, wenn man sich seines eigene Anteils bewusst wird, sich damit auseinandersetzt, zu neuen Erkenntnissen über sich kommt und eine persönliche Entwicklung vollziehen kann. Dann hat diese Beziehung bei all den vielen negativen Aspekten auch einen Wert gehabt: sich selbst zu lieben lernen.

      • Klarsicht sagt:

        Ja genau, den Wert hat diese Beziehung gehabt: „Sich selbst lieben zu lernen… “ und das ist für mich so ungeheuer wertvoll (auch für die Begegnung oder im Kontakt mit anderen Narzissten), dass ich darob all den Schmerz (fast) vergessen habe… Sogar wenn ich ihm heute begegne: ich beobachte ihn nur noch, ich nehme nichts mehr auf, es geht mir nichts mehr unter die Haut. Es (er) ist mir schlichtweg egal! Sehr wertvoll!
        Besten Dank für all die guten Tipps, Herr Grüttefien!

      • Lissy sagt:

        Vielen Dank, daran arbeite ich.

      • Zufrieden sagt:

        Dankeschön Herr Grüttefien, das ist der Kern des Punktes und wohl auch einer solch entstandenen Beziehung.
        Von einer sogenannten Schuldfrage würde ich generell Abstand nehmen. Ein Mensch tritt in unser Leben, weil beide gleich schwingen und sich wohl zu geben und zu nehmen haben, im ausgewogenen und beide zufriedenstellendem Verhältnis, bis die Schwingungsfrequenz nicht mehr kongruent geht, aber das hat aus meiner Sicht nichts mit Schuld zu tun, sondern mit Entwicklung, Reifung und Weg, für dessen Wegweiser und Gabelung der Weg gemeinsam mit dem narzisstischen Partner eine Grundvoraussetzung war oder ist, die aus meinem Verständnis oft eine Weiterführung aus einem vorangegangenem Prozess bildet.
        Ich habe Jahre gebraucht, bis ich der erlebten Beziehung einen positiven Inhalt geben konnte. Trotz Verlust auf der einen Seite gibt es viel Gewinn auf der anderen, so dass im Endeffekt die ausgeglichene Balance vorherrscht, man muss es nur annehmen!

        • Kxenia sagt:

          Zufrieden,
          Ich stimme dir zu, es entwickelt sich im Laufe der Zeit, eine völlig andere Sichtweise, der man viel positives abgewinnen kann.
          Das sind aber wir!!!! negativ sieht es eben der Narzisst.
          Wir haben in seinen Augen Schuld .

          Das positive dabei abzugewinnen ist , das wir ganz bewusst für uns nun sorgen, und dies in der nächsten Beziehung im Keim ersticken . JeglichemUnterdrückung und Manipulation.
          Und nicht wieder auf Eierschalen zu gehen , um ihn bei Laune zu halten.,

          Was mir eventuell Sorge macht , ist das ich soviel abgeschaut und Kenntnis habe , in Manipulation, das ich es vielleicht in der nächsten Beziehung selbst anwende .
          Denn der Narzisst fährt ja dabei , jahrelang sehr gut

          Nur mal ein Gedanke zum nachdenken

          • Klarsicht sagt:

            Liebe Kxenia
            Ist doch egal wie es der Narzisst sieht. Was zählt ist wie Du, wie wir es sehen… Und wir wissen, dass wir keine Schuld haben, dass wir höchstens (wie bei jeder Beziehung) unseren Anteil hatten und er den seinen. Lassen wir seine Sichtweise bei ihm. Denn wenn wir auf ihn schauen, sind wir bei ihm und nicht bei uns. Und das möchte ich nicht mehr. Ich möchte bei mir sein… was mich auch schützt und mir so gut tut!
            Ich hatte mir das auch schon überlegt, ob ich ev. nun auch narzisstisch werden könnte… vielleicht könnten wir nicht einmal weil wir es abgeschaut haben, aber zu unserem Schutz, etwas narzisstisch werden. Und deshalb glaube ich, dass es gut ist, wenn wir im Moment noch gar keine neue Beziehung haben, solange das Pendel noch auf die andere Seite ausschlagen könnte, sondern, dass wir warten bis das Pendel „ausgeschlagen“, sich beruhigt hat… ich glaube, dann werden wir wieder ganz bei uns sein, lieben uns sehr und können den Nächsten lieben wie uns selbst 🙂 und somit eine gesunde Beziehung führen…
            Alles Liebe Klarsicht

          • Klarsicht sagt:

            oder um es mit etwas anderen Worten zu sagen. Wir waren ja diejenigen mit Verlustangst in der narzisstischen Beziehung. Und er, der Narzisst, jener mit Bindungsangst. Dass wir nun auch eine gewisse Bindungsangst entwickeln ist doch ganz normal nach einer solchen Beziehung… aber in einer gesunden Beziehung sollte dies nicht der Fall sein. Bindungssichere Partner rufen beim anderen weder eine Verlustangst noch eine Bindungsangst hervor (daher vielleicht auch unser Anteil?). Dahin sollten wir kommen in eine gesunde Beziehung, wenn wir gesundet sind.

          • Zufrieden sagt:

            Liebe Klarsicht, liebe Kxenia,

            Eure Gedanken zu der narzisstischen Komponente, die man selber nach solch einer Erfahrung entwickeln könnte, hatte ich auch bereits. Eine neue Beziehung nach der Trennung hat mir da auch einiges bestätigt, dass ich nicht mehr so bin, wie ich mal war. Ich erlaube mir aber zu behaupten, dass dies unter gesundem Selbstbewusstsein läuft und wir, die aus einer narzisstischen Beziehung kommen, wohl eher erschrocken über uns selber sind oder sein werden, da äussern der eigenen Bedürfnisse und sich an erster Stelle sehen fremd für unser Wesen ist.
            Mein täglicher Indikator ist:
            Nehme Dir nie die Rechte heraus, die Du Deinem Partner oder einem anderen Menschen nicht selber zugestehen würdest.

            Alles Gute

  9. Riess sagt:

    Hallo,
    ich habe eine Frage. Besteht die Möglichkeit in den Newsletter auch einen Teil über die narzisstische Mutter und ihre Tochter einzubinden? Bei gleichen Themen? Ich finde die Newsletter echt klasse und hilfreich, aber mir fehlt manchmal der richtige Gedanke dies auf Mutter-Tochter abzuleiten.
    Vielen Dank und viele Grüße Sabine Riess

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