Was ist Narzissmus ?

Narzissmus galt über Jahrhunderte hinweg als ein Makel und eine Sünde. Hochmut war sogar im religiösen Sinne eine Todsünde. Später wurde er von Psychiatern als Persönlichkeitsstörung erkannt. Heutzutage ist es schon fast schick, wenn man zeigt, was man hat und wer man ist. Es ist förmlich zum Ideal geworden, seine Besonderheit und Einzigartigkeit überall zur Schau zu stellen. Doch tatsächlich beschreibt Narzissmus ein abnormales, krankhaftes Verhalten, dass sich negativ auf die Gesellschaft auswirkt.

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Definition   ♦   Kennzeichen des Narzissmus   ♦   Formen des Narzissmus   ♦   Narzisstische Persönlichkeitsstörung   ♦   Mythos    

Definition von Narzissmus

Mit dem Begriff „Narzissmus“ ist die Eigen- oder Selbstliebe gemeint, die ein Mensch in übertriebener Weise für sich empfindet. Narzissmus steht für die auffällige Selbstverliebtheit eines Menschen und die damit einhergehende übertriebene Selbstbezogenheit. Dieser Mensch befasst sich nur noch mit sich selbst und interessiert sich nicht für andere. Er überschätzt sich maßlos und hat eine überzogene Anspruchshaltung. Die ständige Gier nach Bewunderung, eine enorme Empfindlichkeit gegenüber Kritik an der eigenen Person sowie ein völliger Mangel an Einfühlungsvermögen gegenüber seinen Mitmenschen kennzeichnen den Narzissten in besonderer Weise.

Beim Narzissmus sind das Gleichgewicht zwischen Altruismus und Egoismus, Achtung und Rücksichtslosigkeit, gesunder Sensibilität und Kränklichkeit sowie das Empfinden des Selbst- und Fremdwerts gestört. Die eigene Person wird hoffnungslos überbewertet, während alle anderen Personen entwertet werden.

Gesunder Narzissmus

Dabei ist der gesunde Narzissmus vom krankhaften Narzissmus zu unterscheiden. Im rechten Maß sind die genannten Grundeigenschaften keineswegs schädlich oder gar krankhaft. Jeder Mensch benötigt ein gesundes Maß an Selbstliebe. Er sollte in der Lage sein, sich selbst in positiver Weise zuzuwenden und seine eigenen Bedürfnisse spüren und beachten. Selbstvertrauen, Selbstachtung und Selbstbewusstsein sind die Voraussetzung für eine stabile Persönlichkeit, die kraftvoll ein erfülltes Leben führen möchte.

Solche Menschen behalten ihr stabiles Selbstwertgefühl auch dann, wenn sie Rückschläge, Niederlagen oder Kritik erfahren. Positiv narzisstische Menschen haben eine harmonische Ausstrahlung, ruhen in sich selbst und wirken ausgeglichen. Sie strahlen Verbindlichkeit und Wärme aus, sind gefestigt und stehen zu ihren Überzeugungen. Sie können geben, gleichermaßen aber auch nehmen. Sie sind tolerant und verständnisvoll anderen gegenüber, bleiben standfest und haben ein gesundes selbstbewusstes Auftreten ohne jegliche Form der Überheblichkeit. Sie sind stolz auf die eigenen Leistungen und freuen sich über das Erreichte.

Ehrgeiz, selbstbewusstes Auftreten und Durchsetzungswille allein entsprechen nicht der Definition von Narzissmus. Das Streben nach Selbstverwirklichung und Anerkennung ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis, das manchmal allerdings allzu schnell mit einseitigem Egoismus oder Arroganz gleichgesetzt wird. Hier muss man aber, will man den Narzissmus richtig verstehen, sehr sorgfältig differenzieren. Ohne die konstruktive Seite dieser Energie kann menschliches Zusammenleben nicht funktionieren. Gesunder Narzissmus ist der Motor jeder Entwicklung, Leistungsfähigkeit, Widerstandskraft, Kreativität und jedes Fortschritts

Krankhafter Narzissmus

Der krankhafte oder auch negative  Narzissmus zeichnet sich dadurch aus, dass die betreffenden Menschen vorwiegend sich selbst  zugewandt sind, sich auf ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche konzentrieren, lieber nehmen als geben, wenig bis gar keine Empathie aufbringen und sich selbst gerne als Mittelpunkt des Geschehens betrachten. Da sie ein schwaches Selbstwertgefühl haben, sind sie auf ständige Bestätigung von außen angewiesen. Bleibt diese Zufuhr aus, kommt es zu erheblichen Problemen in zwischenmenschlichen Bereichen. Narzissten sind auf sich selbst bezogene Menschen, die andere vernachlässigen und wenig beachten. Der Eigennutz geht ihnen über das Gemeinwohl. Wenn sie lieben, dann nur, um selbst geliebt zu werden.

In seiner negativen Form ist der Narzissmus die Ursache von Hass, Neid, Eifersucht, Kränkungen und Streit. Und in der bösartigen Form ist er die Ursache von Gewalt, Verbrechen und Krieg. Der negative Narzissmus ist eine echte Herausforderung in Partnerschaften und Freundschaften, in Ehen und Familien, im Berufsleben und in sonstigen zwischenmenschlichen Verbindungen. Er ist meist der Nährboden für unangenehme Auseinandersetzungen, unüberwindbare Konflikte, Feindschaften und Straftaten.

Letztendlich hat aber jeder Mensch narzisstische Züge, was auch vollkommen richtig und gesund ist. Schwierig wird es, wenn diese massiv und in extrem übersteigerter Form ausgelebt werden. Krankhaft und problematisch wird der Narzissmus erst dann, wenn ein Betroffener entweder selbst darunter leidet, weil er ständig bei anderen Menschen aneckt und ausgegrenzt wird, oder sein Umfeld unter ihm leiden muss, weil er keinerlei Rücksicht auf andere nimmt.

Die Bandbreite für den Ausprägungsgrad von Narzissmus kann in grober Form so aussehen:

    1. Gesunder und natürlicher Narzissmus in selbstbewussten Menschen
    2. Narzisstische, situationsbedingte Reaktionen bei ansonsten normalen Menschen
    3. Eine ausgewachsene narzisstische Persönlichkeitsstörung (krankhaft)
    4. Bösartiger Narzissmus (extremste Form)

Kennzeichen des Narzissmus

Narzisstisches Verhalten ist immer gekennzeichnet durch das Gefühl der eigenen unantastbaren Größe und Einzigartigkeit, durch ein Gefühl grenzenloser Macht und Herrschaft, durch maßlose Überheblichkeit und Selbstüberzeugung sowie einem unersättliches Anspruchsdenken.  Narzissten haben das bewundernswerte Talent, alles auf sich zu beziehen und sei es noch so abwegig ist. In ihrem hochnäsigen Auftreten blicken sie auf andere herunter. Sie haben eine kaltherzige Art und fallen durch anmaßende und übertriebene Verurteilungen anderer auf.

Der Narzisst glaubt, von allen Mitmenschen um seine Grandiosität, seine Intelligenz und sein Talent beneidet zu werden. Er geht gerne voran, übernimmt die Führerschaft und setzt sich über alles hinweg. Er sieht nur sein eigenes Interesse und seine Ziele. Dabei ist der eigentliche Gegenstand des Zieles niemals primär. Für ihn sind nur die Darstellung der eigenen Größe und die Lorbeeren, die er durch Erfolge ernten kann, von Bedeutung.

Der bekannte österreichische Psychiater und Neurologe Reinhard Haller fundiert die Definition von Narzissmus in seinem Buch „Die Narzissmusfalle“ anhand der folgenden vier  „E“:

1. Übertriebene Egozentrik

Der Egozentriker schenkt seinen Mitmenschen und deren Handlungen keinerlei Beachtung. Er sieht alles nur durch seine Brille. Seine Meinung und seine Perspektive ist die einzig richtige, er ist der Maßstab aller Dinge, er ist der Mittelpunkt. Alles, was um ihn herum geschieht, bezieht er auf sich, ob es nun objektiv mit ihm zu tun hat oder nicht. Er glaubt, alle auf dieser Welt seien für oder gegen ihn.

Ich weiß nicht immer, wovon ich rede, aber ich weiß, dass ich Recht habe!     Muhammad Ali

Ein Narzisst ist von sich und seiner Meinung überzeugt. Niemals plagen ihn Zweifel an der Richtigkeit seiner Ansichten und niemals kommt er ins Grübeln in Bezug auf seine Urteile. Er weiß, dass er immer Recht hat und niemals irrt. Neben seiner Meinung kann es keine andere geben. Das Betrachten einer Sachlage von unterschiedlichen Seiten ist ihm fremd, das Tolerieren anderer Sichtweisen kommt für ihn nicht in Frage. Alles, was er äußert, ist genial und vollkommen. Seine Erkenntnisse sind allgemeingültig und unantastbar. Er macht einfach keine Fehler. Der legendäre Boxer Muhammad Ali konnte diese Selbstüberschätzung in einem einzigen Satz ausdrücken.

2. Übersteigerte Empfindlichkeit

Narzissten sind großzügig im Umgang mit grober und unsachlicher Kritik. Sie dient ihnen als besonderes Instrument, um andere klein neben sich erscheinen zu lassen. Selbst reagieren sie hingegen äußerst empfindlich auf jede Form der Kritik, auch wenn sie sehr vorsichtig und wohlwollend angebracht wird. Diese Kritik verletzt ihr Selbstwertgefühl dermaßen, dass unmittelbar Gefühle von Zorn und Hass in ihnen aufsteigen.

Kritik kann der Narzisst nicht als hilfreiche Anregung oder gutgemeinte Empfehlung empfinden. Er hat von sich selbst das Bild des Perfekten, des Genies und des Allwissenden und glaubt nicht, dass jemand Zweifel an seiner Person anbringen könnte. Er erwartet kritikloses Akzeptieren seiner Ansichten, Ideen und Vorschläge. Wer hiergegen verstößt, wird bekämpft, erniedrigt und, falls notwendig, aus dem Weg geräumt. 

Eigenliebe ist ein windgefüllter Ballon, woraus Stürme hervorbrechen, wenn man hineinsticht.      Voltaire

Die tief verwurzelte Unsicherheit des Narzissten über seinen eigenen Wert zieht eine ständige Furcht vor Entwertung durch die Mitmenschen nach sich. Narzissten haben sehr sensible Antennen, die schon lange im Voraus selbst kleinste  Feindseligkeiten aufspüren. Alles, was auf verletzende Kritik hinweisen könnte, wird sofort im Keim erstickt. Narzissten kommen schon mit dem Feuerwehrwagen vorgefahren, wenn nur eine Kerze brennt.

Die permanente Angst vor Missachtung oder Geringschätzung zwingt sie in eine starre Abwehrhaltung, die auf Dauereinsatz programmiert ist. Diese Hypersensibilität geht sogar so weit, dass Narzissten nicht nur aggressiv auf Kritik und die Ablehnung ihrer Person reagieren, sondern auch dann, wenn sie keine Privilegien bekommen oder Bevorzugungen durch andere erfahren, sondern nur ganz normal wie alle anderen behandelt werden. Dies empfinden sie als Ungeheuerlichkeit, die ihrer grandiosen Persönlichkeit nicht gerecht wird.

3. Mangelnde Empathie 

Narzisstisch gestörte Menschen können sich nicht in andere Menschen hineindenken, sie können nicht mitfühlen oder mitleiden. Sie können sich nicht in die Lage des anderen hineinversetzen und die Gedanken und Gefühle des anderen verstehen. Empathie bezeichnet die Reaktion auf die Gefühle anderer wie z. B. Trauer, Mitleid oder Schmerz. Zur Empathie bedarf es der Selbstwahrnehmung. Je mehr ein Mensch seine eigenen Gefühle zulässt und spürt, desto eher kann er auch die Gefühle anderer Mensch deuten und nachempfinden.

Mitleid und Mitgefühl werden vom Narzissten nur dann eingesetzt, wenn es für ihn einen Vorteil bringt und seine Größe darstellen oder unterstützen kann. Sie werden also als Mittel eingesetzt, um weitere Bewunderung zu ernten. Daher sind ihm solche Gefühle nicht gänzlich fremd: er kann sie nur nicht sinngemäß einsetzen. Wenn er vorgibt, Mitleid zu haben, dann tut er dies als eine noble Geste, nicht aber, weil er es innerlich wahrhaftig empfindet.  

Es stimmt zwar, dass selbstsüchtige Menschen unfähig sind, andere zu lieben, aber sie sind auch nicht fähig, sich selbst zu lieben.         Erich Fromm

Demgegenüber können Narzissten jedoch ausgesprochen viel Mitleid sich selbst gegenüber empfinden – aber nur, wenn die äußeren Umstände sie dazu zwingen. Denn wenn sie sich mitleidsbedürftig zeigen, ist dies ein Zeichen von Schwäche. Daher greifen sie nur im äußersten Notfall zu dieser Methode, wenn alle anderen Mittel versagen. Dann aber können sie in tiefstes Selbstmitleid verfallen. So unfähig sie sind, mit anderen zu leiden, so spektakulär können sie sich selbst bedauern. Sie inszenieren ihr Leid als kaum zu ertragendes Drama, das nicht zu überbieten ist.

Der christlichen Empfehlung „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu“ kann ein Narzisst nicht folgen – er versteht sie nicht einmal. Sein Mangel an Empathie spricht für eine nicht entwickelte, niedrige emotionale Intelligenz. Er hat seine eigenen „höheren“ Ideale: „Wenn du nicht willst, dass man dir wehtut, dann tu anderen weh, um sie daran zu hindern!“

4. Entwertung anderer

Es reicht nicht, dass der Narzisst allen zeigt, dass er der Beste und Größte ist, sondern er muss die anderen auch noch verletzen und  niederdrücken, was ihn letztlich noch größer und einmaliger erscheinen lassen soll. Der Narzisst will anderen überlegen sein und schafft sich durch die Entwertung eine herausragende Position. Er will sich selbst erhöhen, während er andere erniedrigt. Dadurch erhält der Narzisst seinen eigentlich bösen und gefährlichen Charakter. Um sein eigenes Selbstwertgefühl zu erhöhen, bedient er sich der Erniedrigung anderer. Hierzu benutzt er Instrumente wie Schuldzuweisungen, Mobbing und Zynismus. In ganz extremer Form wird er auch sadistisch oder gar kriminell.

Ein Narzisst kann nicht wirklich lieben, bestenfalls oberflächlich und ohne Tiefgang. Die Gefühle anderer Menschen berühren ihn nicht, sie lassen ihn kalt. Das Gefühl der Liebe ist ihm fremd, sowohl für andere Menschen wie auch für sich selbst.             Reinhard Haller

Formen des Narzissmus

Zwar kann die Definition von Narzissmus eine Klarheit in der Begrifflichkeit schaffen, in den Erscheinungsformen trägt der Narzissmus jedoch viele unterschiedliche Gesichter. Bei jedem Narzissten zeigt er sich in anderer Ausprägung, so dass eine eindeutige Zuordnung nach der reinen Definition oftmals kaum möglich ist. Daher sollen hier ein paar typische Formen des Narzissmus dargestellt werden. Der amerikanische Psychologe Theodore Millon hat folgende narzisstische Typen beschrieben:

1. Normaler narzisstischer Mensch

Er erscheint kompetitiv, selbstsicher und erfolgreich. Er stellt sich den beruflichen und privaten Herausforderungen und ist allen Lebenssituationen souverän gewachsen. Gegen alle Widerstände des Lebens kann er sich behaupten und geht selbstbewusst und autonom seinen Weg.

2. Charakterloser Narzisst

Er ist betrügerisch, ausnutzend und skrupellos, hat häufig damit Erfolg, wird aber unter Umständen auch straffällig. Ein degeneriertes Gewissen hilft ihm, die Schwächen seiner Mitmenschen eiskalt auszunutzen und zu seinem Vorteil einzusetzen. Er kann Wohlanständigkeit vorgeben, dahinter verbirgt sich aber ein grausamer Charakter.

3. Amouröser Narzisst

Er präsentiert sich verführerisch und exhibitionistisch und kann sich nicht auf tiefe Beziehungen einlassen. Bei jeder Begegnung mit dem anderen Geschlecht wird sofort mit dem Spiel des Verführens begonnen und der andere muss auf jeden Fall verführt werden. Für diese Narzissten gibt es keine andere Kontaktaufnahme, als den Verführer zu spielen. Sie sind Meister im Inszenieren erotischer Spannung und sehen in den Mitmenschen nur Objekte, die es zu verführen gilt.

4. Kompensatorischer Narzisst

Er führt ein übersteigertes Selbst vor, dem jedoch massive Selbstzweifel, Minderwertigkeits- und Schamgefühle zugrunde liegen. Oft rühren diese von einem tatsächlichen oder vermeintlichen Handicap her. Dies muss nicht nur ein körperliches Leiden sein. Daher ist er immer bestrebt, seine Schwächen zu verbergen und auf einem anderen Gebiet lobenswerte Bestleistungen zu erbringen. Oft schießt er allerdings mit seinen Versuchen über das Ziel hinaus.

5. Fanatischer Narzisst

Er kompensiert sein niedriges Selbstwertgefühl und die reale Bedeutungslosigkeit durch einen Omnipotenzwahn. Sein Verhalten hat paranoide Züge. Er entwickelt eine Idee und keiner darf auch nur den geringsten Zweifel an deren Erfolg oder Originalität haben – ansonsten wird man sofort zum Feind. Es wird ein irrwitziger Aufwand betrieben um das eigene Recht, die eigene Überzeugung durchzuboxen und deren Richtigkeit zu beweisen. Der Narzisst hat missionarische und kämpferische Züge.

Der Narzissmus trägt viele Masken: Heiligkeit, Pflicht- bewusstsein, Freundlichkeit und Liebe, Bescheidenheit und Stolz. Er reicht damit von der Haltung eines hoch- mütigen und arroganten Menschen bis zu einer bescheidenen und unauf- dringlichen Person.                  Erich Fromm

An all diesen Formen des Narzissmus wirken die beschriebenen vier „E“ mit. Ein oder mehrere Kennzeichen können dominieren, die anderen sind im Hintergrund aber immer vorhanden. Reiner Egoismus oder reine Empfindlichkeit allein, auch wenn sie extrem sind, bedeutet noch keinen Narzissmus. Liegt nur ein Mangel an Empathie vor, handelt es sich bestenfalls um eine psychische Persönlichkeitsstörung. Menschen, die sich negativ über andere äußern, selbst aber Kritik vertragen, sind ebenfalls keine Narzissten.

Die gemeinsame Basisstörung aller Narzissmusformen ist ein gestörter Selbstwert. Ständige Minderwertigkeitsgefühle und die Angst vor dem Versagen zwingen einen Menschen dazu, dieses Manko auszugleichen, indem er in seiner Phantasie ein neues, überhöhtes Selbstbild von sich kreiert. Fühlt sich ein Mensch zu wenig geliebt, erhält er zu wenig positive Zuwendung und glaubt er, nicht genügend Wert zu besitzen, dann wird er versuchen, sich liebenswert zu machen und die Anerkennung von anderen auf irgendeine Weise zu holen. Das negative Selbstbild, das er tief im Inneren von sich selbst besitzt, tauscht er gegen ein übertriebenes positives Selbstbild aus.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung kann immer dann gesprochen werden, wenn das Bedürfnis nach Zuwendung, Bewunderung und Anerkennung in übertriebener und krankhafter Weise ausgelebt wird. Der krankhafte Narzissmus ist eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Die Ursache besteht in den meisten Fällen darin, dass solche Menschen in ihrer frühen Entwicklung zu wenig wirkliche Liebe erfahren haben. Sie versuchen, dieses Defizit auf unterschiedliche Weise auszugleichen, ohne jedoch jemals zu ihrem wahren Kern vorzustoßen. Wie bereits beschrieben hat die narzisstische Persönlichkeitsstörung viele Facetten und Ausdrucksformen, so dass verschiedene Symptome in unterschiedlicher Ausprägung auftreten können. 

Mythos

Der Begriff „Narzissmus“ leitet sich von dem Namen Narziss, einem Jüngling der griechischen Mythologie, ab. Der 3000 Jahre alten Geschichte nach war Narziss der schöne Sohn des Flussgottes Kephissos und der Nymphe Leiriope, der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte.

Der Vater ließ Leiriope schwanger zurück, und nachdem diese einen Sohn zur Welt gebracht hatte, suchte sie den Wahrsager Teiresias auf, um ihn zu fragen, ob dem Knaben ein langes Leben beschieden sei. Dessen Antwort lautete: So lange, bis er sich selbst kennenlernt. Leiriope konnte diese Worte nicht deuten und schenkte ihnen keine weitere Beachtung.

Aufgrund seiner Schönheit wurde Narziss von Männern wie Frauen umworben, die er allesamt verschmähte und grob abwies. Er zeigte sich unberührbar und hartherzig, ließ niemanden an sich heran und widerstand jeder Annäherung. Besonders verliebt war die Bergnymphe Echo in den schönen Narziss. Echo wurde jedoch von Zeus Frau Hera der Sprache beraubt und war dazu verdammt, nur die Worte anderer nachsprechen zu können. Narziss wies auch sie schroff zurück. Echo versteckte sich daraufhin in den Wäldern, lebte einsam, wurde menschenscheu und nahm keine Nahrung mehr zu sich, bis sie schließlich verstarb.

Narziss jagte danach noch viele andere Anbeterinnen davon und enttäuschte sie alle. Als er eines Tages an einer klaren Quelle seinen Durst stillen wollte, beugte er sich über das Wasser und erblickte darin das Bild eines wunderschönen Jünglings. Er war entzückt von diesem Anblick, konnte aber nicht erkennen, dass er sich selbst sah und verliebte sich in das Bild. Bei dem Versuch, sich dem geliebten Gesicht im Wasser zu nähern, sich mit seinem Ebenbild zu vereinen, beugte er sich voller Liebesschmerz immer tiefer und tiefer über das Wasser, bis er in den See stürzte und ertrank.

Narziss liebte nicht sich selbst, sondern nur das Bild, das er von sich hatte. Er war unfähig, eine Verbindung zwischen seinem Selbst und seinem Bild herzustellen.

Obwohl die Bezeichnung „Narzissmus“ auf diesen Mythos zurückzuführen ist, bedeutet Narzissmus weit mehr als nur reine Selbstliebe. Nur weil ein Mensch sich besonders attraktiv oder in irgendeiner Form herausragend findet, ist er noch lange nicht narzisstisch. Zu einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung gehören noch weitere Eigenschaften, wie übertriebene Egozentrik und extreme Empfindlichkeit, der Mangel an Empathie und die Entwertung anderer.

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