Die narzisstische Freundin

Die narzisstische Freundin sucht Bekanntschaften, in denen ihr andere zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse zur Verfügung stehen und sie kritiklos bewundern. Sie hat keine anderen Absichten, als ihr Ego durch eine enge Verbindung zu stärken –  eine beste Freundin oder ein bester Freund dient dabei nur als Gehilfe. Aus diesem Grund täuscht sie Treue und Verbundenheit vor und versetzt den anderen in den Glauben, höchst kameradschaftlich zu sein.

Die narzisstische Freundin

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Eine narzisstische Persönlichkeit kann aufgrund ihrer charismatischen Ausstrahlung, ihrer Eloquenz und Begeisterungsfähigkeit, ihres Wissens und Könnens, aber auch aufgrund ihres Humors, ihrer Verrücktheit und Lebensfreude sehr schnell die Aufmerksamkeit anderer Menschen auf sich lenken und Freunde gewinnen. Man fühlt sich zu so einer Person hingezogen, weil sie außergewöhnlich erscheint und ihre Gegenwart viel Abwechslung und Spannung vermuten lässt. Sie erzeugt Neugier und Faszination, so dass andere sie gerne kennenlernen und Teil ihrer Lebenslust werden möchten.

Stellt man zudem noch Gemeinsamkeiten fest wie ein gleiches Alter, eine ähnliche berufliche oder familiäre Laufbahn, gleiche Hobbys und Interessen oder sich deckende Sehnsüchte und Ziele, kann aus der netten Bekanntschaft schnell die beste Freundin werden. Es wird dann sehr viel Zeit miteinander verbracht, man freut sich jedes Mal aufeinander, hat sich viel zu erzählen und teilt sämtliche Erfahrungen und Intimitäten. Es entsteht ein tiefes Gefühl von Verbundenheit, weil man sich so ähnlich ist, weil man alles offen miteinander besprechen kann, sich gegenseitig vertraut und sich scheinbar blind versteht. Die Freundschaft kann sich dann wie eine Seelenverwandtschaft anfühlen.

Doch die Freude hält nicht lange an: Nachdem es der narzisstischen Freundin gelungen ist, das Vertrauen des anderen zu gewinnen und ihn glauben zu lassen, nichts wäre ihr wichtiger als das Glück ihres neuen Freundes, beginnt sie, diesen mehr und mehr für die eigenen Bedürfnisse einzuspannen. Immer häufiger stellt sie ihre eigenen Vorstellungen und Wünsche in den Vordergrund, geht über die ihres Freundes hinweg und sorgt dafür, dass sich fortan nur noch alles um sie dreht.

Folgendes Verhalten tritt dann in der Freundschaft immer häufiger in Erscheinung:

  • Die narzisstische Freundin geht nicht mehr auf die Wünsche des anderen ein. Sie fragt nicht mehr nach dessen Sorgen, Interessen und Pläne, so wie sie es noch am Anfang der Freundschaft noch getan hat.
  • Sie zeigt sich übertrieben interessiert an dem Freund und besorgt um ihn, um seine Schwachstellen zu finden und ihn sukzessive abhängig von sich zu machen.
  • Die Vorschläge des anderen werden ignoriert, seine Ideen werden boykottiert und seine Meinung wird entweder fortlaufend korrigiert oder abgewertet.
  • Sie übernimmt die Meinungsführerschaft innerhalb der Freundschaft und gibt dem anderen unterschwellig immer das Gefühl, klein und unwissend zu sein.
  • Die narzisstische Freundin muss immer alles bestimmen, legt die Regeln fest, definiert das Ziel und den Ablauf.
  • Sie muss ihre Fähigkeiten, Leistungen, Erfolge, aber auch ihre äußerliche Attraktivität – für die sie alles tut – immer besonders betonen.
  • Sie wird sofort wütend oder hinterhältig, wenn man nicht macht, was sie will, wenn sie nicht im Mittelpunkt steht oder wenn sie kritisiert und missachtet wird.
  • Sie wird sehr schnell neidisch, wenn jemand mehr hat oder etwas besser kann als sie und muss dann sofort mit Lästern beginnen.
  • Sie hält dem anderen sehr schnell Egoismus oder Illoyalität vor, wenn dieser sich ihr nicht im gewünschten Maß zuwendet und für sie da ist.
  • Sie hält sich nicht an Vereinbarungen, legt Abmachungen so aus, wie sie es gerade braucht, und erweist sich als äußerst unzuverlässig und unsolidarisch.
  • Die narzisstische Freundin stellt Sachverhalte immer wieder anders dar, lässt plötzlich etwas weg oder dichtet etwas hinzu. Es zeigt sich, dass sie nicht ehrlich ist.
  • Sie neigt zur Übertreibung und Dramatisierung.
  • Wenn etwas in ihrem Leben schiefläuft, sind immer andere daran schuld.
  • Sie gibt sich ihren momentanen Gefühlen hin, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen.
  • Sie macht Unternehmungen alleine oder mit anderen und grenzt ihre besten Freunde oder engsten Bekannten aus, obwohl sie sie vorher angekündigt hat oder eine Einladung zu erwarten gewesen wäre.
  • Sie teilt Geheimnisse und Intimitäten mit anderen, obwohl sie zuvor beteuert hat, niemandem so nah zu stehen wie dem besten Freund oder der besten Freundin.
  • Sie redet hinter dem Rücken ihrer besten Freunde schlecht über diese.
  • Wenn die narzisstische Freundin mit ihren engsten Freunden einmal nichts zu tun haben will, dann schneidet sie diese, kommt aber irgendwann wieder gut gelaunt auf sie zu, so als sei nichts gewesen.

Die narzisstische Freundin nimmt ihre engsten Freunde wie selbstverständlich in Beschlag: Sie kommt unangemeldet vorbei und erwartet, dass ihre Freunde unbegrenzt Zeit für sie haben. Dann lädt sie ihre Sorgen und Probleme bei ihnen ab, will sie für irgendwelche Dienste einspannen, muss von ihren neusten Erlebnissen, Ideen und Plänen berichten oder will umgehend etwas mit ihnen unternehmen. Ohne Rücksicht darauf, was ihre Freunde gerade machen, und ohne zu reflektieren, ob sie gerade unpassend kommt und stört, erwartet sie, dass man sich ihr zuwendet und ihr volle Aufmerksamkeit schenkt.

Hat man sich am Anfang noch gerne auf sie eingelassen und war immer für sie da, wird ihr grenzüberschreitendes Verhalten zunehmend zur Belastung. Auffällig ist dabei, dass sie sich für Themen, die ihre Freunde betreffen, keine Zeit mehr nimmt oder diese bagatellisiert oder abwertet, nur um wenig später wieder mit den eigenen Themen fortfahren zu können. Die narzisstische Freundin sieht in ihren Freunden – ganz besonders in ihren angeblich besten Freunden – nur Erfüllungsgehilfen, die einzig und allein für sie da sind, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen und sie zu verehren.

Die narzisstische Freundin geht Freundschaften aus folgenden Gründen ein:

  • Sie will sich mit ihren Freunden und Bekannten schmücken.
  • Sie will von ihren Freunden bewundert werden und Bestätigung für ihre Persönlichkeit bekommen.
  • Sie will sich über die Schwächen ihrer Freunde als besser erleben.
  • Sie will, dass sich ihre Freunde um sie kümmern, ihr bei ihren Pflichten zur Verfügung stehen und bei ihren Problemen helfen sowie Unannehmlichkeiten vom Hals halten.
  • Sie will über die Fähigkeiten, das Wissen, die Kontakte oder finanziellen Möglichkeiten ihrer Freunde verfügen, um darüber ihre eigenen Ziele zu erreichen.
  • Sie braucht einen Sündenbock, dem sie immer die Schuld geben und auf dem sie ihren Frust abladen kann.

Freundschaften sind für die narzisstische Freundin nur Zweckbekanntschaften, mit denen sie sich aufwerten will und die einen Vorteil für sie haben müssen. Dazu wird Gemeinsamkeit, Offenheit und Vertrautheit vorgegaukelt, um in dieser vertrauensvollen Atmosphäre den Freund besser für die eigenen Zwecke missbrauchen zu können. Solange der Freund alles für die narzisstische Freundin tut, wird er idealisiert und darf sich “bester” oder “liebster Freund” der Narzisstin nennen. Weicht er hingegen von den Vorstellungen der narzisstischen Freundin ab oder hat er seinen Zweck erfüllt, kann er sehr schnell fallen gelassen werden und durch einen neuen angeblich besten Freund ersetzt werden.

Die narzisstische Freundin nimmt keine Rücksicht

Personen, die ihre Besonderheit nicht zu schätzen wissen oder die besser sind als sie, werden gemieden, missachtet und verleumdet. Sobald sich jemand negativ über sie äußert oder nur leiseste Kritik wagt, dreht sie sich fort, spricht nie wieder mit ihm oder macht ihn vor anderen schlecht. Wer sie nicht bewundert, der wird zum Feind erklärt und dessen Ruf wird nachhaltig beschädigt.

Die narzisstische Freundin

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Auch hat die narzisstische Freundin keine Skrupel, ihren angeblich besten Freund zu kränken, indem sie schlecht über dessen Familie, Beruf oder Interessen spricht, seine Eigenschaften, Ansichten und Überzeugungen abwertet, ihm nicht zum Geburtstag gratuliert, allein in den gemeinsam geplanten Urlaub fährt oder ihm seinen aktuellen Lebenspartner ausspannt. In einer Wohngemeinschaft kann sich die narzisstischen Freundin als Schmarotzer entpuppen, indem sie sich am gefüllten Kühlschrank bedient, ohne ihn jemals selbst zu füllen und die Wohnung stets in Unordnung bringt, ohne sich jemals an Aufräumarbeiten zu beteiligen.

Zudem wiegelt sie den Freundeskreis gegeneinander auf, hetzt und provoziert, setzt Lügen und Gerüchte in die Welt und erzeugt Konflikte, nur damit Unfrieden entsteht und alle unzufrieden sind. Am Leid der anderen kann sich die narzisstische Freundin dann aufbauen, indem sie entweder den anderen ihre Schwächen vorhält oder indem sie eine Aussprache koordiniert und sich dann damit brüsten kann, den Fortbestand der Clique gesichert zu haben.

Warum bleiben Betroffene der narzisstischen Freundin treu?

Die meisten gehen eine Verbindung zu einer Narzisstin mit freundschaftlichen Gefühlen und ehrlichen Absichten ein. Sie glauben, in der narzisstischen Freundin einen guten Freund gefunden zu haben, und können nicht erkennen, dass sie von der Narzisstin gnadenlos ausgenutzt werden. Zwar wird das egoistische und rücksichtslose Verhalten im Laufe der Freundschaft immer sichtbarer, Betroffene erkennen dahinter aber nicht den Missbrauch und die Beziehungsunfähigkeit der Freundin. Da ihre narzisstische Freundin bereit ist, Zeit mit ihnen zu verbringen, denken sie, dass sie ihr wichtig sein und daher am Herzen liegen müssen.

Eine solche Freundschaft wird dann oft aufrechterhalten, weil Betroffene nicht glauben können, dass es der Narzisstin nur um sich selbst geht und dass sie keine echte Wertschätzung für den anderen empfindet. Betroffene hoffen, dass die Gegenseitigkeit und Intensität der Freundschaft, wie sie am Anfang vorhanden war, irgendwann zurückkehrt und dass es sich bei dem egoistischen Verhalten ihrer Freundin nur um Ausrutscher handelt. Die tieferliegende Verhaltensstörung der narzisstischen Freundin wird nicht erkannt. Dadurch, dass man ständig von ihr in Beschlag genommen wird, wird man gezwungen, sich zu stark auf sie zu fixieren, und verliert somit den objektiven Blick auf die Beziehung. In vielen Fällen denken Betroffene dann, sie müssten der Narzisstin bei ihren Problemen helfen, und glauben, ein schlechter Freund zu sein, wenn sie es nicht tun. Die Angst vor ihrer Missgunst unterdrückt jeglichen kritischen Gedanken.

Im Leben von Narzissten gibt es keine aufrichtigen freundschaftlichen Beziehungen. Sie gehen Beziehungen zu anderen Menschen ein, weil sie diese zur Selbststärkung brauchen. Ihre Freunde sind nur „Objekte“, die sie zur Befriedigung ihres Bedürfnisses nach Anerkennung und Vergnügen benötigen. Kommen ihre Freunde dieser Aufgabe nicht mehr nach, wird die Freundschaft von heute auf morgen gekündigt – wobei über den ehemaligen Freund meist noch lange Zeit übel geredet wird, um den Schmerz über den angeblichen Verrat zu überwinden.


Autor der Webseite

Mein Name ist Sven Grüttefien. Ich bin der Verfasser dieser Webseite. Als ausgebildeter Heilpraktiker für Psychotherapie habe ich mich auf die Beratung von Menschen, die unter narzisstischen Missbrauch leiden, spezialisiert und biete zu diesem Thema zahlreiche Bücher, Coachings, Seminare und Vorträge an.

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Veröffentlicht in Blog, Narzisstische Gesellschaft
12 Kommentare zu “Die narzisstische Freundin
  1. Böser Gutmensch sagt:

    Lol, das liest sich fast schon wie ne Checkliste für meine Ex.

    Sie sagte ja immer ich wäre auch ihr bester Freund, nicht nur ihr Partner.

    Naja… Hab’s mit mir machen lassen. Was allerdings nicht erträglich ist sind dann die Verleumdungen welche sich bei einigen Menschen trotz objektiv überprüfbarer Fakten in ihrer Interpretationsebene halten, lol.

    Menschen wollen glauben, was sie glauben wollen und etwas falsch darzustellen ist all zu leicht geworden.

    Denke es ist wirklich Zeit das die Menschen endlich erwachsen werden. Es ist wirklich schwierig so was von aussen zu beurteilen. Gerade deswegen ist es wohl so leicht Resentiments zu bedienen.

  2. Ü40, w. sagt:

    Es hat Jahrzehnte gebraucht, bis ich gemerkt habe, dass ich für meine “Freundin” nur interessant war, solange ich ihr subjektiv nicht das Wasser reichen konnte. Wir haben beide Abitur, sie hat studiert, ich nicht. Erst, als ich mich beruflich selbständig machte, konnte ich die subtilen Abwertungen hinsichtlich meiner Qualifikation nicht mehr ignorieren. Wie konnte ich nur ohne Studium so mein eigenes Ding machen und aus ihrem “Schatten” treten (Ironie).
    Eine Freundin kann einem die berufliche Neuorientierung gönnen, eine Neiderin nicht.

    Ich habe dies beendet.

  3. Marianne P. sagt:

    Wieder mal sehr gut beschrieben von Herr Grüttefien.
    Dasselbe lässt sich auch auf Freundin-Freundin beziehen. Ich hatte so eine “Freundin” mal.
    Es hat allerdings über 20 Jahre gedauert, bis ich gemerkt habe, wie die tickt !
    Als ich unmittelbar nicht mehr nützlich war für sie, wurde sie immer seltsamer mir gegenüber
    und war nicht bereit, mir auch nur den kleinsten Gefallen zu tun. Ich war geschockt und habe
    dieses sinnlose Verhältnis sofort beendet.

  4. Nico sagt:

    Yvonne, klar passiert das auch in “nicht narzisstischen” beziehungen, aber die Unterschiede, weas wie passiert, sind dann doch sehtr unterschiedlich.
    Wenn eine normale Beziehung den Bach runtergeht, aus welchem Grund auch immer, wirst Du nie die Faktoren dabei haben, die ein Narzisst mit sich bringt. Von den Langzwitnachbeben mal ganz zu schweigen

  5. Julia sagt:

    Liebe Yvonne, du hast meiner Meinung nach recht! Beziehungen welche aus dem Gleichgewicht geraten sind, bewegen sich immer auf ähnliche Art dem Abgrund zu. Das Füreinander und die Freude nehmen ab, Misstrauen, Missgunst, fehlende Empathie, Gleichgültigkeit etc. setzen sich durch. Auf BEIDEN Seiten. Narzissten oder nicht, auf der ganzen Welt geschieht dies.

  6. Yvonne sagt:

    Stimmt! Ich sehe jedoch dieses Verhalten sowohl bei der Narzisstin wie auch beim Opfer der Narzisstin. Alles fast spiegelgleich. Am Schluss ist nicht mehr auszumachen, wer jetzt genau die Narzisstin ist und wer das arme Opfer. Dann dreht sich die Spirale dem Ende zu. Auch die gegenseitigen Vorwürfe gleichen sich. Mir scheint nicht alles so total einfach in gut/böse, schwarz/weiss, Narzisstin/Opfer gestrickt zu sein, sondern eben eine Beziehung, die total aus dem Gleichgewicht geraten ist und schlussendlich Beide in den Abgrund zieht. Passiert auch bei andern, die keine Narzissten sind. Oder täusche ich mich da?

    • lilli sagt:

      Hallo,
      … aus dem Gleichgewicht geraten ?
      Eine Beziehung zu Freunden/innen mit Narzissmusproblemen
      ist von Anfang an nicht im Gleichgewicht
      und kann nbringt Abstand oder führt zum Ende.
      Eine narzisstische Freundin behauptete mal, sie hätte mir eine Kiste voll Bücher vor die Tür gestellt als ich mal länger krank war und verlangte diese in der Freundinnenrunde von mir zurück.
      Ich stellte klar, dass ich klipp und klar keine Bücher von ihr gewollt hatte und auch keine von ihr vorfand. Unglaublich !
      Die anderen hielten sich raus und zwei zu ihr, wie nett das Bücherbringen gewesen wäre.
      Ich ging auf Abstand und suchte mir eine andere Interessengruppe über Volkshochschulkurse.

    • Anka sagt:

      Nun, ich glaube in den meisten Fällen ist “von außen” nur in sehr wenigen Fällen eindeutig erkenn- oder einschätzbar, wer welchen Anteil hat. Vor allem natürlich, wenn man selbst sein “Wissen” nur aus den Erzählungen der beiden Parteien bezieht.

      Nach meiner Erfahrung liegen derartigen “Freundschaften” oder selbst Bekanntschaften, die gleichen familiär geprägten (Beziehungs)Muster zugrunde, wie auch bei “Paar-Partner-schaften”.

      Jeder nimmt (oft) unbewußt oder unbemerkt von Anfang an (s)eine selbstverständliche “Position” ein.

      Da bleibt wirklich nur eine ganz aufrichtige Selbstreflexion, sobald sich ein gewisses Störgefühl bemerk-bar macht.
      Und anschließend sehr viel Aufmerksamkeit und Achtsamkeit.

      Ich hatte erst vor kurzem ein wiederholtes “Erlebnis” mit einer Bekannten.
      Diese hatte mich erst im vergangen Dezember überfallartig auf der Straße (im wahrsten Sinne des Wortes) von hinten “erwischt” …
      Ihr Mann war im Oktober verstorben.

      Sie wollte jemanden zum Spazieren gehen.
      Gedacht hatte sie an Samstag, Nachmittag.
      Die Geschichte muß gar nicht weiter ausgeführt werden. Mir schwante sehr, sehr, sehr schnell, daß die Einstellungen und Verhaltensweisen dieser Frau, ihre subtil vorgebrachten Ansprüche und Regelvorgaben wirklich völlig lähmend sind…

      Das Wichtigste für mich war aber die Erkenntnis, daß ich DAS kannte.
      Jedes Treffen war eine emotionale Rückkehr in die “Vergangenheit”…
      Hat mir sehr geholfen, zu verstehen. Mich selber zu verstehen.

      Heute kann ich auch verstehen, was ich früher (als Kind) nicht konnte.
      Es hat mit derart strukturierten Menschen wirklich keinen Sinn.

      Wie im Artikel beschrieben. Alles hat sich nur nach ihnen und ihren momentanen “Befindlichkeiten” zu richten, die in der nächsten Minute wieder anders sein können…

      Und ja,
      da braucht es dann doch wirklich eine ordentliche Portion eigenen Narzissmus, oder besser gesagt Selbstliebe, um aus so einem Spiel auszusteigen.

      DAS meinst du vielleicht, fällt dir als narzisstisch auf, wenn ich dir ausführlicher davon berichten würde.

      Und ich muß Lilli da zustimmen. Solche Art “Freundschaft” ist von Anbeginn einseitig nicht auf Gleich-wertig-keit ausgerichtet.

      In dem Fall ist es mir, mehr oder weniger, “sofort” aufgefallen.
      Früher habe ich gefühlt ewig gebraucht, zu akzeptieren, was ist.

      Freundliche Grüße Anka 🙋

      • Katinka sagt:

        In diesem Fall ist der “Narzissmus” der anderen Person aber ein simples “für sich und die eigenen Bedürfnisse einstehen” und das schmeckt dem egozentrischen Gegenpart dann natürlich nicht. Es verändert die Dynamik, da die von dir ja beschriebenen Befindlichkeiten und aktuellen Bedürfnisse nicht mehr im Mittelpunkt stehen. Da kippt dann auch ganz schnell die Stimmung und es wird einem dann Egoismus und Kälte unterstellt. Ebenfalls ein “Ja” zum Ungleichgewicht von Anfang an. Es ist von Anfang an vorhanden und dreht sich meist um
        Macht und Kontrolle. Der Part, der weniger will, kontrolliert die Beziehung und lässt den anderen rödeln. Oft getrieben durch falsche aber rhetorisch schön verpackte Versprechungen.

      • lilli sagt:

        Danke Anka, gut beschrieben.
        Von außen ist das schwer einschätzbar, das denke ich auch.
        Klare Meinung sagen war für mich wichtig, aber keine Rechtfertigung erzwingen wollen,
        in meinem damaligen Freundinnenkreis, war für mich sehr gut;
        von denen ‘nur noch’eine Kontakt zu mir hält, über die ich mich aber doppelt freue. Ihr Mann hatte einen Schlaganfall und ist im Pflegeheim,
        auch ein ziemlicher Narzisst, vermute ich, und sie hat nun Abstand und,
        eventuell halbbewusst,
        den nötigen Abstand für sich und ihre Kinder, sowie erweitertes Verständnis.
        Man kann nur selber Abstand nehmen.
        Um so wichtiger ist Literatur und diese Site hier !

        • Anka sagt:

          Ja Lilli, das mußte ich auch einsehen, daß das eine reine
          Not-wendig-keit ist.

          Ich halte es ja schon für menschlich und natürlich, einen Anderen in seiner offenbarten “Not” nicht von sich zu stoßen, nur weil es für einen Selbst in diesem Moment irgendwie belastend oder “unbequem” ist.

          Allerdings darf “man” sich auch nicht selber dabei ganz ver-aus-geben und verlieren.

          Falsche “Gleich-setzungen” oder Projektionen, passieren mir persönlich immer noch.
          (Kann man das überhaupt so ausdrücken? 🤔)
          Allerdings erkenne ich diese mittlerweile schneller an den (scheinbar) “unangemessen”
          Re-aktionen…

          Es stimmt, da trete ich auch erst einmal innerlich einen Schritt zurück und überprüfe meine “Denke” und Annahmen. Die stellt sich dann doch meist als offenbar unrichtig heraus.

          Gerade bei der flüchtigen Bekannten… (Auweia 😳 Treffender geht nicht! Ist wohl sowas wie ein “Freud’scher Versprecher 🤭)
          … hat sich das ganz deutlich gezeigt.

          Herrn Grüttefien muß ich da ein wenig widersprechen, da er schrieb, diese Menschen gehen nur Beziehungen ein, weil …

          Ich mußte jetzt erkennen, daß von Beziehungen, nach herkömmlichen Verständnis, überhaupt nicht die Rede sein kann/sollte.
          Diese Menschen treten lediglich nur ganz kurz in Kontakt und verschwinden tatsächlich sofort wieder in ihr eigenes
          Traum- Drehbuch.
          Diese Menschen sind gar nicht wirklich “richtig da/hier”.

          So erschien mir auch deine Bücherepisode.
          Ein Anflug von “mentaler Großartigkeit” der Dame.
          Solche Aus- oder Einsätzer hatte die Frau, die mich geboren hat immer einmal wieder.
          Das läßt einen selbst richtig fassungslos sein, wenn es an Geistesgegenwärtig keit fehlt oder die alte Schockstarre zuschlägt…

          Ja, da gibt’s nichts zu diskutieren, sondern nur klar zu stellen und Konsequenzen für sich selber zu ziehen.

          Na, das war jetzt bissel mehr geworden … 🤭😆

          Liebe Grüße von mir und allen eine angenehme Himmelfahrt heut’ Anka 🙋

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