Ein Narzisst kann starke Gefühle provozieren

Ein Narzisst kann mit seiner aufdringlichen, selbstherrlichen Art leicht Gefühle bei seinen Mitmenschen provozieren. Entweder wirkt er auf sein Umfeld charmant, verführerisch und imponierend ein oder aber rechthaberisch, anmaßend und rücksichtslos. Meistens schafft er es, mit seinen unangemessenen oder extravaganten Verhaltensweisen heftige Gefühlswallungen bei seinen Mitmenschen auszulösen.

Ein Narzisst kann Gefühle provozieren

Bild: © sifotography – 123rf.com

Ein Narzisst kann mit seinem überheblichen Auftreten und seiner eingebildeten Art bei seinen Mitmenschen heftige Gefühle provozieren. Allein seine arrogante Körperhaltung verbunden mit einem abschätzigen Blick von oben herab kann Abscheu auslösen, weil er so das Gefühl vermittelt, etwas Besseres zu sein und deswegen seinen Mitmenschen keine Achtung entgegenbringen zu müssen. Sie kann aber auch Unbehagen auslösen, wenn man sich von der dominanten und hochmütigen Ausstrahlung bedrängt und eingeschüchtert fühlt.

Dem Narzissten gelingt es häufig, nur über seine Anwesenheit seine Mitmenschen  zu verunsichern. Mithilfe einer starken Präsenz und bohrender Blicke drängt er seine Mitmenschen in die Defensive. Unterschwellig versprüht er permanent eine Aura der Ungeduld, Gereiztheit und Ansprüchlichkeit, vor der sich jeder ganz automatisch in Acht nimmt. Ein Narzisst kann seinen Mitmenschen auch minutenlang starr in die Augen sehen oder zwischendurch verächtliche Grimassen ziehen, so dass diese völlig verunsichert und gehemmt sind und in der Folge nicht  mehr wissen, was sie sagen und wie sie sich verhalten sollen.

Ein Narzisst kann mit seiner Ausstrahlung einen ganz Raum ausfüllen und zwingt dadurch die Anwesenden unbewusst zu Zurückhaltung, Unterwürfigkeit und vorauseilendem Gehorsam. Sein herrschsüchtiges Auftreten schüchtert ein und man verhält sich in seiner Gegenwart nicht mehr so, wie man sich normalerweise verhält: Man wird unruhig, nervös und zögerlich, weil man Angst hat, etwas Falsches zu machen und den Narzissten zu verärgern. Irgendwie fühlt man sich in seiner Gegenwart immerzu klein und schuldig, weil er jedem das Gefühl gibt, es ihm nie recht machen zu können.

Der Narzisst braucht die Gefühle seiner Mitmenschen

Die bloße Anwesenheit des Narzissten kann bei seinen Mitmenschen unangenehme Gefühle provozieren – er kann mit seiner Ausstrahlung aber auch höchst angenehme und erregende Gefühle auslösen. Wenn sich der Narzisst von seiner charmanten Seite präsentiert, zuvorkommend und höflich ist, kann er seine Mitmenschen mit seinen vorbildlichen Manieren beeindrucken und verdient sich so einen Ruf als Sonnyboy. Man sucht dann seine Nähe, fühlt sich von seinem Glanz angezogen und ist irgendwie ergriffen, wenn er sich Zeit nimmt und seinem Gegenüber freundlich, warmherzig oder zärtlich zuwendet.

Der Narzisst lässt seine Mitmenschen mit seiner Sprachgewandtheit, seinem schauspielerischen Talent und seinem unverwechselbaren Charisma ins Schwärmen geraten. Mit seinen Erzählungen, Ideen, Plänen und Fantasien kann er sein Publikum begeistern und es zum Staunen bringen. Mit seiner Attraktivität und seiner Liebenswürdigkeit kann er die Sinne seines Partners vernebeln und ihn in einen Liebesrausch versetzen. Sein Talent, andere mitzureißen, erzeugt bei seinen Mitmenschen eine ungeheure Motivation und beflügelt sie zu Taten, die sie ohne seinen Anstoß und seine Hilfe gar nicht ausführen könnten.

Der Narzisst versteht es auf vorzügliche Weise, seine Mitmenschen zu manipulieren und für sich zu gewinnen. Dies macht er jedoch weniger über den reinen Inhalt eines Sachthemas als vielmehr darüber, dass er nachhaltig ihre Gefühle berührt. Er braucht die Gefühle der anderen, denn nur wenn seine Mitmenschen auf ihn reagieren – ob positiv oder negativ – merkt er, dass er Einfluss auf sie ausüben kann und somit Macht über sie besitzt. Dies erzeugt das Gefühl von eigener Größe und Überlegenheit, das ein Narzisst braucht, um sich wertvoll und einzigartig fühlen zu können.

Positive oder negative Gefühle – beides ist dem Narzissten recht

Positive Gefühle erzeugt der Narzisst bei seinen Mitmenschen, indem er Begeisterung, Faszination, Leidenschaft oder Ekstase auslöst. Dies gelingt ihm, indem er ihnen seine Sympathie entgegenbringt, sie anerkennt, lobt, idealisiert oder mitreißt und sie an etwas Besonderem teilhaben lässt. Negative Gefühle löst er bei seinen Mitmenschen aus, indem er ihnen Angst- und Schuldgefühle einflößt und ihr Selbstwertgefühl angreift. Dies gelingt ihm, indem er hohe Erwartungen ausspricht, ihnen ständig ihre Fehler und Schwächen vorhält, sie unter Druck setzt und abwertet oder ausgrenzt. So wie der Narzisst seine Mitmenschen in den Himmel heben kann, so kann er sie auch abgrundtief verachten. Indem der Narzisst spaltet, provoziert er nachhaltige Gefühlsregungen bei seinen Mitmenschen.

Es ist recht schwer, die unsachlichen Äußerungen eines Narzissten einfach hinzunehmen, ruhig zu bleiben und sachlich zu entgegnen oder überhaupt keinen Kommentar abzugeben. Ein Narzisst stellt gern gemeine Behauptungen auf, verdreht die Tatsachen, vertritt extreme Ansichten, lügt oder bezichtigt den anderen der Unwahrheit. Zudem kann er arrogant-belehrend und bevormundend auftreten, dem anderen einfach das Wort abschneiden und seine Bemerkungen mit Ironie und Sarkasmus unterlegen. Immer tritt er so anmaßend und dreist auf, dass es dem anderen glatt die Sprache verschlägt oder dieser völlig empört und kopflos reagiert.

Der Narzisst überschreitet jegliche Grenze des guten Tons und nimmt bewusst gegenteilige und radikale Standpunkte ein, nur um seine Mitmenschen aus der Reserve zu locken und ihre Gefühlswelt in Wallung zu bringen. Er achtet nicht die Bedürfnisse, Rechte, Meinungen oder Würde seiner Mitmenschen, sondern tritt noch zu, wenn diese schon emotional am Boden liegen und um Nachsicht betteln. Er spürt eine Überlegenheit, wenn er seine Mitmenschen fortlaufend wie Trottel behandelt, sie ständig kleinmacht, entwertet und kränkt und damit schmerzhafte Gefühle in ihnen auslöst. Denn je schlechter sich seine Mitmenschen aufgrund seiner Beeinflussung fühlen, desto mächtiger fühlt sich der Narzisst.

Mit Gefühlen bindet der Narzisst seine Opfer an sich

Mit dem Provozieren von Gefühlen lähmt der Narzisst sein Gegenüber und nimmt ihm die Möglichkeit, sich rational mit einem Thema zu beschäftigen und angemessen auf seine Äußerungen zu reagieren. Der andere beginnt sich zu rechtfertigen oder den Narzissten seinerseits zu beschuldigen und zu kränken, kann sich aber nicht mehr sachlich mit dem Thema auseinandersetzen. Im Vordergrund steht für ihn, seine unangenehmen Gefühle wieder loszuwerden und zu einem emotionalen Gleichgewicht zurückzufinden.

Er denkt, sich über einen Gegenschlag emotional wieder aufrichten zu können, wenn er sich die Unverschämtheit des Narzissten nicht gefallen lässt und diesen ebenfalls verletzt. Der Narzisst wird sich jedoch nicht so einfach kränken lassen, sondern in den Kampf einsteigen und den anderen niederringen wollen. Der Narzisst hat niemals vor, ein Thema einfach nur sachlich zu diskutieren. Er will mit dem anderen streiten, kämpfen und gewinnen, um allen zu zeigen, dass er der Bessere ist. Und dies gelingt ihm, indem er Gefühle in seinem Gegenüber weckt und dieser daraufhin mit ihm in den Boxring steigt.

Er kann seine Mitmenschen über das Provozieren leidenschaftlicher Gefühle jedoch auch in eine Abhängigkeit treiben. Er wertet sie dann derart auf und verschafft ihnen auf diese Weise solche Glücksmomente, dass sie nie mehr auf diese Zufuhr von wunderbaren Gefühlen verzichten wollen. Auf diese Weise bleiben sie dem Narzissten erhalten und er kann über sie verfügen, indem er seine Zuwendung an für ihn vorteilhafte Bedingungen knüpft. Er ist dann nur noch nett zu seinen Mitmenschen, wenn diese auch nett zu ihm sind. Ein Narzisst bindet seine Mitmenschen an sich oder er stößt sie fort, indem er deren Gefühle auf gezielte Weise provoziert und lebendig hält.


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Veröffentlicht in Blog, Eigenschaften eines Narzissten
10 Kommentare zu “Ein Narzisst kann starke Gefühle provozieren
  1. Waltraud sagt:

    Den Inhalt dieses Blogbeitrags kann ich nur bestätigen, weil genauso erlebt.

  2. Susha sagt:

    Es ist schon Wahnsinn wie sehr man manipuliert werden kann .
    Danke für ihre sehr hilfreiche Seite !
    Es ist ein geistiger Kampf , Gottes Segen für Alle die damit zu tun haben !

  3. Punkt sagt:

    Perfekt beschrieben.

    Und der letzte Absatz ist die Krönung des Artikels!!!

    Wer in diese Abhängigkeit gerät und nicht weiß/erkennt,( oder es nicht erkennen will), womit man es zu tun hat, ist bereit, sich äußerlich so zu verändern, wie es sich der Narzisst wünscht. Man wird zur Marionette – und zwar so lange,bis man aufwacht.

    Es war alles eine Illusion.

    Aber : da es sich ja echt angefühlt hat, erlebte man für einen bestimmten Zeitraum eine schöne Zeit, die einem niemand mehr nehmen kann.

    Nach dem Erwachen muss jedoch erst ein tiefes Tal durchschritten werden – Lernprozesse beginnen – man muss sich mit sich selbst auseinandersetzen….

    Und irgendwann ist man dann froh,dass man sich nicht mehr verbiegt, dass dem Körper nicht weiter durch zu wenig Schlaf, Diäten,nur Kaugummi kauen, Verlustängsten oder Angriffen auf das Selbstwertgefühl geschadet wird. Körper und Seele erholen sich.

    Und dann kommt dieses wunderschöne Gefühl von Freiheit und von Freude auf eine gesunde Zukunft!!!

    • Sonnenblume sagt:

      … ist das nicht ein wunderschöner Entwicklungsweg, wenn am Ende die wahre Freiheit lacht und der Weg der Freude in eine gesunde Beziehung zu sich selbst, Gott und der Welt mündet….

      …. wäre ich aufgewacht ohne diesen „Alptraum“????

      …. hätte ich das Leben im Inneren begriffen und was unreife und reife und immer reifere Liebe bedeuten kann???

      …. nun, ich weiß es nicht, aber mir scheint, dass am Ende der neue Anfang vor der Türe steht und neue Räume sich öffnen. Vorher nicht.

  4. Martina sagt:

    Ganz genau so habe ich das 25 Jahre erlebt!!! Franzi, bevor du diesen Schritt der Trennung gehst, so verstehe ich dich zumindest, bereite dich gut vor!!! Ich habe hier jeden Beitrag gelesen und eine Trennung vom Narzissten ist noch um so vieles schlimmer, als alles andere bevor. Bitte lese dir ganz viel Wissen an, gerade weil du 2 Kids hast. Ich habe diese Seite leider erst nach meiner Trennung gefunden und habe 3 Jahre lang die Hölle durchlebt, so wie wohl fast alle hier 🙁

  5. Nikita sagt:

    Ich bin sprachlos und gleichzeitig erleichtert, dass es in meiner 20 jährigen Beziehung nicht an mir liegt. Ich habe immer an mir gezweifelt. Nach diesem Beitrag ist Schluss damit. Nur nicht ganz so einfach mit 2 Kids diese gewisse Entscheidung zu treffen.
    Danke für diesen aufschlussreichen Beitrag oder Text!!!
    Alles Gute und Gottes Segen!

  6. THOMAS sagt:

    Stimmt, Dritte bekommen dann die Gefühlswallungen des Partner mit und wird somit als der böse empfunden. Den provokanten Vorlauf des Narzissten/in nicht! Gerne auch dirch Triangulation! Hab das alles erlebt!

  7. Reh sagt:

    Dem ist nichts hinzuzufügen

    • lilli sagt:

      So ist es.

      Schweigen, um nicht mehr mitzuspielen,
      fällt mir beim Vater meiner Kinder und Großvater meines Enkelkindes schwer,
      doch es gelingt mir öfter und öfter.

      Der langen Bemühungen kurzer Sinn:
      Anders geht’s nicht!

      Darum sind die Filme ‚Besser geht’s nicht‘ und ‚Was das Herz begehrt‘ mit Jack Nicholson,
      u.a.Filme so schön:
      Sie enden happy,
      nicht wie im wirklichen Leben mit TrennungScheidung oder einengenden Kompromissen.

      Auf zu neuen Ufern!
      Ich mag die Nordsee mit dem Watt nicht mehr, da war ich zu Familienzeiten mit meinem narzissmusproblematischen Mann und unseren Kindern.
      Ich fahre nun lieber an die Ostsee oder ans Mittelmeer.
      Im Watt zu stapfen ist für mich DAS Bild meiner anstrengenden Ehe.
      Unsere Kinder fahren mit ihren Familien zu den Seenlandschaften, ans Mittelmeer oder gleich an die Weltmeere.

      Gute Zeit!

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