Die narzisstische Persönlichkeitsstörung oder der narzisstische Persönlichkeitsstil Teil 1

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Rainer Sachse

Prof. Dr. Rainer Sachse erklärt in einer 3-teiligen Beitragsreihe die typischen Merkmale einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung oder eines narzisstischen Persönlichkeitsstils. Prof. Dr. Sachse ist Psychologischer Psychotherapeut und Direktor des Instituts für Psychologische Psychotherapie in Bochum. Zudem ist er ein bekannter Autor von zahlreichen Bücher zum Thema Narzissmus. Dies ist der 1.Teil der Beitragsreihe:

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1. Was charakterisiert eine narzisstische Störung oder einen narzisstischen Stil?

Eine narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung (NAR) reicht, wie andere auch, von einem leichten Stil bis zu einer schweren Störung: Ein Stil weist die psychologischen Charakteristika nur in leichten Ausprägungen auf, wo hingegen eine Störung deutliche bis extreme Formen der Charakteristika aufweist. Stil und Störung bilden ein Kontinuum und es ist eine willkürliche Entscheidung, wann man annimmt, dass aus einem Stil eine Störung wird.

Da viele Personen einen (mehr oder weniger ausgeprägten) Persönlichkeitsstil aufweisen, ist es nicht „pathologisch“, „unnormal“ o.ä., einen solchen Stil aufzuweisen: Im Gegenteil, damit ist man in bester Gesellschaft! Es wird hier von „Stil“ gesprochen, dabei soll mitbedacht werden, dass die Charakteristika einer „Störung“ inhaltlich sehr ähnlich, jedoch von stärkerer Ausprägung sind.

Personen, die einen narzisstischen Stil aufweisen, zeigen eine hohe Erfolgsorientierung: Sie wollen in bestimmten Berufen/Bereichen (sehr) erfolgreich sein und, falls sie über die entsprechenden Fähigkeiten verfügen, sind sie das meist auch.

  • Sie sind leistungs- und anstrengungsbereit, wollen, dass andere sie bewundern und spannen Interaktionspartner gerne für ihre Belange ein.
  • In der Regel können sie schnell Entscheidungen treffen, orientieren sich an „großen Entwürfen“ und kümmern sich wenig um Details.
  • Sie sind einerseits von ihren Fähigkeiten überzeugt, weisen andererseits jedoch (massive) Selbstzweifel auf.
  • Sie sind kritikempfindlich, oft nachtragend, lassen sich nur ungern kontrollieren und nicht bevormunden.
  • Sie gehen Beziehungen ein, sind aber unvertrauten Personen gegenüber vorsichtig; sie produzieren Images (Bilder) von Großartigkeit, Kompetenz und Fähigkeit, um andere zu beeindrucken.
  • Sie weisen meist eine hohe soziale Kompetenz auf, jedoch ist NAR relativ oft mit einer Selbstunsicherheit gegenüber potentiellen Partnern verbunden.
  • NAR weisen ein hohes Anerkennungsmotiv auf: Sie wollen Lob, positives Feedback über ihre Leistung, ihre Fähigkeiten, ihre Person u.a.

2. Biographie

In aller Regel ist die Biographie von NAR durch eine Frustration des Anerkennungsmotivs gekennzeichnet: Die Person bekommt nur wenig Anerkennung (oder weniger als sie gebraucht hätte) und bekommt stattdessen eher Abwertungen ihrer Person.

Die Person möchte von wesentlichen Bezugspersonen (den Eltern, aber auch von anderen Familienmitgliedern, Peers usw.) positives Feedback über die eigene Person erhalten: Dass sie als Person ok ist, dass sie liebenswert ist, dass sie positive Eigenschaften aufweist, wie z. B. intelligent ist, kompetent ist, spezifische Fähigkeiten aufweist, die Erwartungen von Bezugspersonen gut erfüllen kann usw.

Personen, die einen NAR-Stil ausbilden, erhalten aber nur wenig von solchem Feedback. Vielmehr erhalten sie mehr oder weniger deutliche Abwertungen, wie:

  • Du bist nicht gut genug.
  • Du entsprichst nicht meinen Erwartungen.
  • Du bist nicht intelligent, nicht kompetent, nicht erfolgreich genug usw.
  • Ich kann nicht stolz auf Dich sein.
  • Du enttäuschst mich usw.

Damit erhalten sie auch Botschaften wie:

  • Du bist als Person, so, wie Du bist, nicht ok.
  • Du bist, so wie Du bist, nicht liebenswert.

Die Person erhält solches Feedback aber nicht nur „ab und zu“; das wäre kaum weiter bedeutsam: Sie erhält dieses Feedback vielmehr durchweg, in sehr vielen Kontexten, über lange Zeit hinweg. Und da sie das Feedback von Personen erhält, denen sie eine hohe „definitorische Macht“ zuschreibt, glaubt sie diese Annahmen irgendwann selbst. Sie macht in der Interaktion mit den relevanten Personen aber auch die Erfahrung, dass sie ständig bewertet wird, „auf dem Prüfstand steht“, abgewertet und kritisiert wird.

Als Lösung bietet sich nun an, genau das zu tun, was die relevanten Personen oder die Person (häufig der Vater) erwartet: Will er gute Leistungen, da das das Einzige ist, was für ihn „zählt“, dann erbringt man (wenn man kann) gute Leistungen. Und dann erhält man positives Feedback für diese Leistungen (jedoch immer noch nicht dafür, dass man als Person ok ist), denn nach wie vor ist man ja nicht als Person ok, man „erkauft oder erarbeitet“ sich das „ok sein“ nur. Sobald man mit dem Leisten aufhören würde, wäre man nicht mehr ok!

Ist man dann erfolgreich, dann erhält man dafür positives Feedback und kann daraufhin ein positives Selbstschema (ein Netzwerk von positiven Annahmen über sich selbst) entwickeln.

Frustrationen gibt es aber auch auf dem Wichtigkeits-, Autonomie- und Solidaritätsmotiv. Ein Wichtigkeitsmotiv bedeutet, dass man im Leben anderer Personen eine wesentliche Rolle spielen will und dass man entsprechende Signale erhalten möchte. Das Autonomie-Motiv sorgt dafür, dass man über sich selbst und sein Leben bestimmen und nicht bevormundet werden will. Und das Solidaritätsmotiv ist das Bedürfnis danach, von anderen, wenn nötig, Unterstützung, Hilfe, Schutz, Geborgenheit zu erhalten.

Dies liegt vor allem daran, dass ein Vater, der so handelt, im Grunde an der Person seines Kindes gar nicht wirklich interessiert ist. Deshalb gibt er dem Kind auch keine Wichtigkeitssignale, er ist nicht solidarisch und er schränkt, da das Kind „ja nicht gut funktioniert“, auch dessen Autonomie ein. Und auch das lässt sich durch Leistung lösen: Denn wenn man erfolgreich ist, dann darf man eher tun, was man will, man wird eher bedeutsam und erhält eher „Unterstützung“: Leistung kann damit mehrere Probleme zugleich lösen.

3. Beziehungsmotive

Das zentrale Beziehungsmotiv der NAR ist Anerkennung: Sie wollen als Person ein Feedback erhalten, dass sie ok sind, liebenswert, dass sie viele positive Eigenschaften aufweisen, dass sie kompetent sind, intelligent, leistungsfähig etc. Solche Botschaften wollen NAR in allen Beziehungen bekommen: Von Partnern, Freunden, Arbeitskollegen, Chefs usw.

  • Bekommen sie diese, dann wirken sie wie „Futter“: Sie tun gut, machen zufrieden, lösen einen angenehmen affektiven Zustand aus.
  • Kommt das Feedback von jemandem, der selbst besonders kompetent oder besonders mächtig ist, ist es besonders angenehm (der „Nährwert des Futters“ ist besonders hoch).
  • Bekommt ein NAR solches Feedback nicht, dann ist er enttäuscht, „hungert“ danach und vermisst die Anerkennung: Es entsteht ein Zustand von Mangel.
  • Erhält ein NAR dagegen das gegenteilige Feedback wie „du bist nicht ok“, „du kannst nichts“, „du bist nicht intelligent“ u.a., dann löst das (massiv) negative emotionale Zustände aus: Ein Gefühl, abgelehnt zu werden, abgewertet zu werden, von Enttäuschung und Traurigkeit.
  • Das Motiv nach Anerkennung wird frustriert und damit wird das Motiv stärker: Je länger dieser negative Zustand andauert, desto stärker wird das Motiv.

Autonomie

Ein weiteres wichtiges Motiv von NAR ist Autonomie: Die meisten NAR wollen über große Teile ihres Lebens selbst bestimmen: Sie wollen z. B. selbst entscheiden, welchen Beruf sie wählen, wie sie wohnen, welchen Partner sie auswählen, wie sie ihre Freizeit gestalten usw.

Autonomie, das sollte jedem Interaktionspartner klar sein, ist ein spezielles Motiv: Wird es von anderen eingeschränkt, d.h. fühlt sich der Betreffende kontrolliert, bevormundet u.ä., dann resultiert schnell sogenannte „Reaktanz“: Es ist die Tendenz, sich jetzt extra nicht kontrollieren zu lassen! Reaktanz ist ein starker Widerstand, eine „erwachsene Form von Trotz“: „Jetzt erst recht nicht!“

Alle Personen mit starkem Autonomie-Motiv sind „reaktanzempfindlich“: Wenn sie den Eindruck haben, bevormundet zu werden, werden sie schnell ärgerlich und „widerspenstig“: Das sollte man als Interaktionspartner wissen und beachten! Denn tut man das nicht, kann man sich schnell Ärger einhandeln!

Wird Autonomie dagegen respektiert und vom Interaktionspartner akzeptiert, entsteht ein Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung: Und das brauchen NAR. Und das führt auch dazu, dass der NAR mehr Respekt dem Interaktionspartner gegenüber entwickelt, der ihm die Freiheiten gibt.

Solidarität

Ein drittes Motiv ist Solidarität: Ein NAR möchte von Interaktionspartnern erfahren, dass diese an seiner Seite sind, ihn unterstützen, sich mit ihm verbünden und ihn nicht im Stich lassen oder sich gar gegen ihn wenden!

Erhält man Solidarität, erzeugt das ein Gefühl von Sicherheit oder, in starker Form, von Geborgenheit. Erhält man Solidarität nicht, dann resultiert ein Gefühl von Bedrohung, von „im Stich gelassen werden“ oder von „verraten werden“. Es kann aber auch ein starkes Gefühl von Traurigkeit erzeugen.

4. Selbst-Schemata

Ein „Selbst-Schema“ ist eine Verbindung von Annahmen, die eine Person über sich selbst macht. Diese bestimmt stark, wie eine Person sich fühlt, wie „selbstsicher“ sie ist, was sie sich zutraut etc. Ein entscheidendes Charakteristikum von NAR ist das „doppelte Selbstschema“:

NAR weisen einerseits ein negatives Schema auf mit (mehr oder weniger großen) Selbstzweifeln, die aus ihrer Biographie stammen: „Ich bin nicht kompetent“, „ich kann nichts“ u.ä. Wir bezeichnen eine solche Art von Schema (pars pro toto) als „Versager-Schema“. Was genau in dem Schema steht, ist von der jeweiligen Biographie abhängig.

Haben die NAR dann durch kompensatorische Leistung reale Erfolge zu verzeichnen, erhalten sie positives Feedback und entwickeln neben dem negativen ein positives Schema der Art: „Ich bin intelligent“, „ich bin leistungsfähig“ usw. Dieses Schema kann realistisch sein, indem es die realen Fähigkeiten der Person widerspiegelt oder aber es kann übertrieben sein, indem es Annahmen über Fähigkeiten enthält, die die Person nicht aufweist.

Ein NAR kann sich für intelligenter halten, als er ist oder er kann annehmen, dass er über viel größere Fähigkeiten verfügt, als alle anderen: In einzelnen Fällen können solche Selbstüberschätzungen durchaus „krass“ werden. In der Regel gilt: Je negativer das negative Schema ist, desto unrealistischer werden die Annahmen des positiven Schemas (das ist notwendig, um das negative Schema „in Schach zu halten“!).

Diese beiden Schemata hemmen sich gegenseitig: Ist das positive Schema stark aktiv, dann hemmt es das negative Schema: Dann hat die Person ihre Selbstzweifel „nicht mehr auf dem Schirm“. Dies kann z. B. passieren, wenn sie in einer Situation besonders erfolgreich war. Ist dagegen das negative Schema stark aktiv, dann hat die Person keinen Zugang mehr zu ihren Fähigkeiten: Sie kann sich dann selbst für einen kompletten Versager halten und davon auch völlig überzeugt sein. Und: Sie kann zwischen solchen positiven und negativen Zuständen hin und her wechseln.

Im „Normalzustand“ ist das positive Schema stärker aktiviert als das negative: Damit hemmt es aber das negative Schema auch nicht völlig. Und dadurch kommen dem NAR immer wieder negative „automatische Gedanken“ ins Bewusstsein. So geht ein NAR in ein Meeting und sein positives Schema signalisiert ihm, dass er das gut kann; dennoch läuft noch ein „zweiter Film“ mit, der sagt: „Du schaffst das nicht!“, „Du wirst versagen!“ u.a. Dies ist der normale Zustand von NAR: Die Selbstzweifel sind nur selten ganz verschwunden. Sie „lauern“ im Hintergrund und erzeugen ein ständiges Gefühl von Unbehagen.

Erhält ein NAR Lob, positives Feedback („ihre Arbeit ist sehr gut“ u.a.), dann wird das positive Schema aktiviert: Der NAR kommt dadurch in einen positiven Zustand, fühlt sich wohl, traut sich viel zu, ist optimistisch etc. Und er ist dem Geber des Feedbacks gewogen: Er bildet Vertrauen, ein positives Gefühl, Nähe u.a.

Erhält der NAR dagegen Kritik, dann aktiviert das das negative Schema: Und dann drängen sich dem NAR alle negativen Gedanken auf: „Du bist ein Versager“, „Du kannst nichts“ usw. Das bringt den NAR in einen (sehr) negativen Zustand: Er fühlt sich abgewertet, wertlos, abgelehnt; hat kein Selbstvertrauen und ist eher pessimistisch.

Das bedeutet: Wird ein Schema aktiviert, dann erzeugt das einen sehr generalisierten Zustand und die Person kann das kaum verhindern!

Das negative Schema ist der Grund für die hohe Kritikempfindlichkeit

Sehr entscheidend ist es hier zu sehen: Auch geringfügige Kritik kann eine komplette Schema-Aktivierung schon bewirken und da das Schema hyper-allergisch ist, reichen „Spuren von Kritik“ oft aus, das Schema als Ganzes auf den Plan zu rufen. Dadurch kommt die hohe Kritikempfindlichkeit der NAR zustande: Es geht dabei nicht nur um die Kritik selbst, sondern darum, was die Kritik im NAR auslöst!

Egal ob Kritik nur schwach war, ob sie in Lob eingebettet war, ob sie gar nicht persönlich gemeint war o.ä.: Sie kann in jedem Fall das Schema aktivieren und damit zu massiven Reaktionen führen! Und das ist eine Achilles-Ferse des NAR: Durch die Kritikempfindlichkeit reagiert er unter Umständen schroff auf Kritik und verprellt damit Interaktionspartner; er kann sich aber damit auch selbst von wichtigen Feedbacks abschneiden: Denn man lernt wesentlich aus Fehlern und daraus, auf Fehler aufmerksam gemacht zu werden: Setzt man sich aber nicht mit Kritik auseinander, dann lernt man nicht!

5. Beziehungsschemata

Ein Beziehungsschema ist ein Netzwerk von Annahmen, die eine Person über Beziehungen hat: Wie Beziehungen funktionieren oder nicht funktionieren (z. B.: „Beziehungen sind verlässlich.“) oder darüber, was man in Beziehungen zu erwarten oder nicht zu erwarten hat (z.B.: „In Beziehungen wird man kritisiert.“).

NAR weisen auch negative Beziehungsschemata auf, z. B.:

  • In Beziehungen wird man bewertet.
  • In Beziehungen wird man abgewertet.
  • Jede Schwäche kann gegen einen verwendet werden u.ä.

Aufgrund dieser Annahmen geht ein NAR in jede neue Beziehung mit einem gewissen Misstrauen: Er denkt, dass er bewertet, „getestet“, geprüft wird und dass er dabei durchfallen kann und (massiv) abgewertet werden könnte. Und dieses Schema wird aktiviert, egal ob man zu einem Vorstellungsgespräch, zu einem Essen, einem Date usw. geht: Für den NAR wird alles zu einer „Prüfungssituation“ (und damit entsprechend stressig).

Erst dann, wenn ein Interaktionspartner „bewiesen“ hat, dass er den NAR nicht abwerten wird, kann der NAR entspannen und sich vertrauensvoll auf die Situation einlassen.

Der NAR hat aber noch weitere negative Annahmen, die sich auf die anderen Motive beziehen: Bezüglich des Autonomie-Motivs hat er Annahmen wie:

  • Andere versuchen, mich zu kontrollieren.
  • Andere versuchen, mich zu bevormunden etc.

Auch diese Schemata machen den Klienten vorsichtig: Er rechnet damit, dass das in Beziehungen leicht passieren kann.

Und auch im Hinblick auf das Solidaritätsmotiv gibt es negative Annahmen wie:

  • Du kannst Dich nicht auf andere verlassen.
  • Im Ernstfall werden andere Dich im Stich lassen etc.

Dies hat zur Folge, dass ein NAR auch eher nicht damit rechnet, dass Interaktionspartner solidarisch sein werden.

Inhalt Teil 2:

  • Norm-Schemata
  • Regeln
  • Manipulation
  • Weitere Eigenheiten des Stils 

Hier geht es weiter zum 2. Teil des Beitrages von Prof. Dr. Rainer Sachse


Autor des Beitrages:

 

Prof. Dr. Rainer Sachse  ist ein deutscher Psychologe und Begründer der Klärungsorientierten Psychotherapie. Er ist Professor für klinische Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum und leitet das Bochumer Institut für Psychologische Psychotherapie. Prof. Dr. Sachse entwickelte die Klärungsorientierte Psychotherapie als eine Erweiterung der Gesprächspsychotherapie. Dabei wurde er durch die Arbeiten Carl Rogers, Leslie Greenbergs und Klaus Grawes beeinflusst.

 

Weiterführende Literatur

Sachse, R. (2019). Persönlichkeitsstile im Alltag. Paderborn: Junfermann-Verlag.

Selbstverliebt – aber richtig, 9. Auflage. Klett-Cotta.

Sachse, R., Sachse, M. & Fasbender, J. (2011). Klärungsorientierte Psychotherapie der narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Göttingen: Hogrefe.

Sachse, R. (2018). Persönlichkeitsstörungen verstehen. 10. Auflage. Köln: Psychiatrie-Verlag.

Sachse, R. (2014). Manipulation und Selbsttäuschung. Wie gestalte ich mir die Welt so, dass sie mir gefällt: Manipulationen nutzen und abwenden. Berlin: Springer.

Sachse, R. (2018). Persönlichkeitsstörungen verstehen. 10. Auflage. Köln: Psychiatrie-Verlag.

Sachse, R. (2014). Klärungsorientierte Verhaltenstherapie des Narzissmus. In: S. Sulz & Th. Bronisch (Hrsg.), Verständnis und Psychotherapie der narzisstischen Persönlichkeitsstörung, 43-51. München: CIP-Medien.

Sachse, R. (2006). Narzisstische Persönlichkeitsstörungen. Psychotherapie, 11 (2), 241-246.


Veröffentlicht in Blog
21 Kommentare zu “Die narzisstische Persönlichkeitsstörung oder der narzisstische Persönlichkeitsstil Teil 1
  1. Lilli sagt:

    Hallo,
    ich bin auch sehr froh über die Aufschlüsselung von Dr.Sachse.
    Mal kommt das negative Schema hoch, mal das positive Schema, bei meinem Mann mit seinen narzissmusgestörten Zügen, man kann nicht vorhersehen, wann welches.
    Es ist erleichternd zu wissen, dass er darin lebt und von außen nichts zu machen ist, man nicht schuld daran ist, wie er zu behaupten versucht.
    Mich bestätigt dies auch wieder darin, Distanz einzuhalten um mich zu schützen um selber zu leben, und darin unseren Kindern auch ein Vorbild zu sein.
    Mein Mann ist nicht der einzige Narzisst in unserer Verwandtschaft.
    Immer wieder und wieder und wieder musste ich feststellen, dass die Narzissten kaum Rücksicht nehmen, und Konsequenzen, die zu Distanzen führen, nötig sind.
    Das Kennzeichen einer handfesten Narzissmusstlrung ist, dass er nicht nachfragt um was vom anderen zu erfahren, sondern dass er ignoriert bzw. mit fiesen Außerungen Ärger provoziert, um das Selbstwertgefühl anzugreifen und über einen zu verfügen als sein Diener sozusagen.
    Wenn ich hier schreibe, führe ich mir auch immer vor Augen, dass einfach verzeihen und weitermachen unmöglich ist, diese Provokationen und Gemeinheiten, dieses Ignorieren und unverhofft verschwinden etc. IST unerträglich,
    und Konsequenzen mit Distanzen,
    sind unumgänglich.

  2. Alex sagt:

    „Das zentrale Beziehungsmotiv der NAR ist Anerkennung.“

    Aber hier kommt es drauf an wie viel!
    Bekommt der NAR zuviel Anerkennung, wird’s schnell langweilig, weil, dann hat man ja sein Ziel erreicht. Somit wird die Person langsam aber sicher uninteressant und es wird sich, zT schon parallel, nach einer neuen Quelle unmgeschaut, wo das gleiche Spiel, nach immer den gleichen Regeln erneit abgespielt wird.

    Dem NAR geht’s nie um Liebe, Zuneigung, Sicherheit oder Anderem, was eine richtige Beziehung ausmacht. Aufmerksamkeit und Bewunderung ist sein Antrieb und mehr ist da leider auch nie hinter!

    Das schöne ist aber, auch der /die NAR wird mal älter und verliert sein fast immer perfektes optisches Erscheinungsbild. Die tun zwar sehr viel dafür, aber bestimmte Dinge können auch die nicht aufhalten. Das Alter ist für Sie ein weiterer Feind, gegen den Sie aber machtlos sind. Und je älter sie werden, umso weniger Opfer lassen sich finden als noch mit Anfang 20. Das ist meine Beruhigung, dass meine in 10 Jahren alleine auf der Couch sitzen und, wie immer, jedem Anderen die Schuld dafür geben wird.
    Aber was Anderes hat sie auch nach Allem nicht verdient!

  3. Sandra sagt:

    Es ist doch trotz aller Widrigkeiten im Leben eine Entscheidung, die man trifft: ob man andere für sein Leid leiden lassen will, wie der Narzisst es tut oder sich selbst nicht genug liebt um möglicherweise ein zu guter Mensch zu sein und möglicherweise ein Opfer von „bösen“ Menschen wie Narzissten zu sein oder sich mit sich selbst beschäftigt und in sich geht und das Böse und Gute in sich selbst entdeckt. Etwas provozierend, ich weiß…

    • Lise1 sagt:

      Einigen wurde aberzogen, eigene Entscheidungen zu treffen, unter Schmerzen. Und sie wurden konditioniert auf der einen oder anderen Seite des Narzissmus zu stehen, um zu überleben. Der Narzisst genau so wie der Konarzisst.

      Sie können mit Hilfe von Kompetenter Seite lernen, zu sehen, was los ist und wen sie wollen, können sie lernen, weniger Schaden anzurichten und sich teilweise auf gesündere Art zu suchen, was sie so dringend benötigen. Das ist nicht einfach und ein jahrelanger Prozess, der oft auch unkomplett bleiben muss.

      Aber „eine Entscheidung treffen können“ hat im herkömmlichen Sinn nichts damit zu tun. Dazu hat man die falschen Glaubensmuster. Und trifft deshalb die falschen Entscheidungen, Zb dem narzisstischen Partner gegenüber loyal zu sein, ihn auch noch zu unterstützen, weil man das für Größe halt. Oder für Liebe, weil man nie lernte, was wirklich Liebe ist und sie daher mit Hörigkeit verwechselt usw

  4. Sandra sagt:

    Dieser Artikel ist in Teilen für mich unverständlich. Als ob jeder Mensch, der in seiner Kindheit und Jugend abgewertet wurde, eine narzistische Persönlichkeitsstörung entwickelt…??

    • Lise1 sagt:

      Es steht dort ja auch was von unterschiedlichen Ausprägungen des narzisstischen Stils.

      Ja, und wenn ein Mensch in seiner frühen Zeit oder dauerhaft erniedrigt, ignoriert oder verächtlich behandelt wird, werden Abwehrmechanismen entwickelt, um das Selbstwertgefühl stabil zu halten. Diese sind meist destruktiv, selbst – oder fremdverletzend, die Ausprägung ist je nach erlittenen Unrecht mehr oder weniger ausgeprägt

    • Nicht jeder, der in seiner Kindheit abgewertet wurde, entwickelt eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Es hängt von der eigenen Konstitution und dem Missbrauch durch die Bezugspersonen ab, ob jemand eine Störung entwickelt oder nur narzisstische Akzentuierungen oder überhaupt kein Schaden nimmt. In diesem Artikel geht es nicht nur um die Entwicklung einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, sondern auch um die Entwicklung eines narzisstischen Stils, der sich nicht ganz so destruktiv auf zwischenmenschliche Beziehungen auswirkt, dennoch situativ unangemessen sein kann.

  5. Maren T. sagt:

    Ja, das ist interessant. Wenn ich mir so überlege, was Eltern bei ihren Kindern so alles falsch machen an dem dann später die Gesellschaft bzw. Partner, Geschäftspartner, Kollegen leiden müssen, muss sich dringend etwas ändern. In die Schulen gehört unbedingt statt „Religion und Sozialkunde“ besser: „Philosophie und Psychologie“.
    Die Schulabgänger und leider viel zu häufig junge Eltern haben keine Ahnung vom Leben und wie man Kinder liebevoll begleitet beim Großwerden. Die meisten wollen Kinder abrichten wie Hunde. Sind sie lieb und still und beschäftigt, sagt keiner was. Erst wenn das Kind schreit oder was kaputt macht, gibts Aufmerksamkeit. Da fängt schon die falsche Konditionierung an.
    Doch ich habe das Gefühl, dass die Politik, die Regierung gar nicht wünscht, dass wir alle gesunde, intelligente und selbstbewusste Menschen sind. So ein Volk wäre unregierbar und die Pharma würde auch nichts verdienen. Und die vielen Kriminellen unterstützen mit ihrer „Arbeit“ ja eine ganze „Strafindustrie“ angefangen von Justizangestellten, bis zum Gefängnis, Kantine, Bewährungshelfer und natürlich muß, was bei Einbrüchen usw. defekt gegangen ist, ersetzt und neu gekauft werden.
    Und wenn ich mich umschaue in der Berufswelt. Die größte Null, das größte A-Loch sitzt in der obersten Etage. Empathielose Egozentriker, die über Leichen gehen, kommen am weitesten und machen eine dicke Karriere. Der Hilfsbereite, liebevolle, schüchterne, sensible bleibt auf der Strecke. Es läuft alles verkehrt in dieser Welt.

    • Waltraud sagt:

      Damit hast Du leider sowas von Recht….

    • Lise1 sagt:

      Das macht nicht „die Politik“, sondern wir alle, die Gesellschaft, du und ich. Es dauert lange, die alten Muster der schwarzen Pädagogik und die Kriegstraumen der Großeltern aus dem kollektiven Bewusstsein zu streichen. Wie oft hört man, ein Klaps hat noch keinem geschadet. Oder Leute erzählen von den Schlägen ihrer Kindheit und finden es verdient oder ok und sagen, sie hätten ja auch keinen Schaden davon gehabt. Sicher?

      Solche Veränderungen ziehen sich hin und da muss jeder seinen Teil beitragen und nicht nur die Schuld bei der anonymen Politik suchen.

    • Klarsicht sagt:

      So weit würde ich gar nicht gehen Maren. Ganz nach dem Buchtitel von Jirina Prekop und Christel Schweizer habe ich es versucht zu handhaben, weil ich das Glück hatte auf solche Bücher zu stossen als mein Kind noch ganz klein war… »Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen. Es gilt, den Gästen einen guten Ort anzubieten und ihnen so lange Sicherheit und liebevollen Halt zu geben, bis sie ihren Weg selber gehen können.«
      Ich hatte als Mutter eine Elternschulung besucht, die für Eltern und Lehrpersonen angeboten wurde… Es muss nicht gerade zum Pflichtfach werden, aber es wäre schön, wenn man solches vermehrt lehren und lernen könnte…
      Lieben Gruss Klarsicht

    • Anika sagt:

      Du sprichst mir aus der Seele!!!!!

    • Goldmund sagt:

      Bis und mit „Da fängt schon die falsche Konditionierung an“, stimme ich Maren zu. Danach wird es für mich etwas „verschwörungstheoretisch“.
      Was die Berufswelt betrifft, pflichte ich Maren ebenfalls bei. Im Beruf geht es um Wirtschaft, da sind nicht die empathischen Menschen gefragt, um Karriere zu machen. Die braucht es zwar auch, aber nur als Befehlsempfänger und Ausführungsorgan. Um Karriere zu machen, sind eher rücksichtslose Menschen gefragt, die sich durchsetzen können – ggf. ohne Rücksicht auf Verluste! Der Mensch wird zur Maschine, er sollte möglichst „wirtschaftlich“ sein. Deshalb sind in den oberen Etagen eher Egozentriker zu finden. Aus humaner Sicht mag das durchaus eine verkehrte Welt sein, aus unternehmerischer Sicht ist sie es indes jedoch nicht.

    • Yvonne sagt:

      Stimmt leider, dafür genau!

  6. Ina sagt:

    Sie wollen z. B. selbst entscheiden, welchen Beruf sie wählen, wie sie wohnen, welchen Partner sie auswählen, wie sie ihre Freizeit gestalten usw.
    🤔 das möchte ich auch….bin ich gestört?

    • Goldmund sagt:

      Ina, ich denke, das sich die meisten Menschen das oben im Art Aufgeführte wünschen. Auch bin ich noch auf keinen Psychologen gestossen, der nicht sagte, dass wir alle narzisstische Anteile in uns haben. Das ist durchaus normal und wird im Artikel auch erwähnt. Problematisch ist nicht zwingend der „Stil“, wie er im Artikel genannt wird, sondern die Ausprägung. Erst wenn die Ausprägungen stark bis sehr stark sind, kann von einer Störung gesprochen werden.

  7. Elke Jahn sagt:

    Vielen Dank für die sehr praktischen und einfach zu verstehenden Erklärungen – ich bin selber NAR (wie schön wäre es noch ein R anzuhängen 😉 und arbeite daran… dieser Beitrag ist nicht nur für Opfer sondern auch für alle verzweifelt Gefangenen „Täter“… Danke!

  8. Sandra sagt:

    Vielen Dank Prof. Dr. Sachse, das ist ein sehr aufschlussreicher Artikel. Ich freue mich auf die weiteren Beiträge.

  9. Claudia sagt:

    WOUW! Ganz toll geschrieben! Vielen Dank dafür!
    Ich finde es auch sehr wichtig, dass hier noch einmal die Bandbreite der Auswirkungen beschrieben wird -denn, und das wird mir immer klarer, die Co-Abhängigen hängen auf demselben Seil – nur eben auf der anderen Ausprägungsseite.
    Ich freu mich schon auf die Fortsetzung 🙂

  10. Hochinteressant! Ich war 11 Jahre mit einem Narzissten zusammen und habe mich vor 2 Jahren getrennt. Noch immer denke ich fassungslos an viele Situationen, die ich mit ihm erlebte, zurück. Doch nun kann ich mir wenigstens ansatzweise seine extremen Stimmungsschwankungen und cholerischen Anfälle erklären. Auslöser waren (für mich) nie erkennbar. Im Verlaufe der Beziehung veränderte er sich vom charmanten, gepflegten, mir zugewandten Mann zu einem, am Leben (und an mir) völlig desinteressierten, immer negativ gestimmten Alkoholiker. Diese Entwicklung ist mir immer noch unerklärlich. Ich werde es wohl nie begreifen! Es gibt aus solchen Beziehungen leider nur einen Ausweg: Trennung!!!

    • Lilli sagt:

      Ja, hochinteressant !
      Ich lese Dr.Sachses dreiteiligen Gastbeitrag rauf und runter,
      ebenso wie Sven Grüttefiens Texte,
      sowie Eure Beiträge,
      um Erfahrung, Kraft
      und auch Hoffnung,
      zu teilen.

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