Die Verwöhnung unserer Kinder – Süßer Zucker für den kindlichen Narzissmus

Ein Gastbeitrag von Dipl.-Psych. Roland Kachler

In meinem Buch „Am besten ganz normal. Kinder vor Narzissmus schützen.“ stelle ich verschiedenste Risiken für eine Entwicklung zum kindlichen und dann später erwachsenen Narzissmus dar. In diesem Beitrag geht es um einen heute oft nicht mehr wahrgenommenen Erziehungsstil, den wir als verwöhnend bezeichnen können. Verwöhnung ist auch für uns Erwachsene ganz normal geworden. Aber tut sie auch unseren Kindern und Jugendlichen gut?

Bild: © Drmytro Gilitukha – 123rf.com

Was Verwöhnung bedeutet– Zu viel ist zu viel!

Verwöhnung ist immer ein zu viel: Verwöhnung gibt dem Kind zu viel Essen, zu viel Spielzeug, zu viel Aufmerksamkeit, zu viel Fernsehen. Es gehört zu Kindern, dass sie noch ganz ungehemmt ihren Bedürfnissen folgen. Die Bedürfnisse von Kindern sind immer riesengroß. Sie spüren noch nicht, wann es genug ist. Zudem können sie sich selbst kein Stopp-Signal geben, das bei uns Erwachsenen der so genannte präfrontale Cortex sendet. Dieser vordere Bereich der Gehirnrinde ist bei Kindern und Jugendlichen noch nicht ausgereift. Kinder kennen natürlich auch nicht die negativen langfristigen Folgen eines Zuviel. Auch diese Einschätzung ist im präfrontalen Cortex angesiedelt. Kinder leben ihre Bedürfnisse aus dem Jetzt. Weil diese Bedürfnisse jetzt so intensiv, brennend und mächtig sind, sind Kinder in ihrem Verlangen und Fordern gegenüber den Eltern sehr massiv und mächtig.

Warum verwöhnen wir unsere Kinder? 

Als Eltern wissen oder ahnen wir zumindest, dass wir gegenüber den mächtigen Wünschen und Bedürfnissen unserer Kinder immer wieder ein Nein sagen müssten.

Manchmal allerdings ist es einfacher, dem Kind das zu geben, was es will, anstatt einen Kampf mit ihm auszufechten. Manchmal geschieht dies aus Angst vor diesen Konflikten, manchmal aus Müdigkeit oder fehlender Energie im Stress des Erziehungsalltages. Manche Eltern haben es auch schwer, die Enttäuschung und Traurigkeit des Kindes nach einem Nein auszuhalten.

Dazu kommt aber auch, dass Eltern ihren Kindern immer das Beste geben wollen. Sie tun das auf der bewussten Ebene immer auch aus Liebe. Sie wollen ihre Liebe zeigen, indem sie den Kindern viel geben, erlauben und ermöglichen. Allerdings kommen Sie dann in Gefahr, den Kindern zu viel zu geben. Liebe, die nur die unmittelbare Befriedigung der Kinder sieht, wird zu Verwöhnung. Eltern verwechseln so das Verwöhnen mit Liebe. Liebe zu unseren Kindern ist aber mehr als Geben, Erlauben und Versorgen. Gerade das Geben von Materiellem wie Spielzeug oder die Erlaubnis zum langen Computerspiel oder Play-Station-Spiel, ist gerade keine Liebe. Diese Liebe sieht zwar die Bedürfnisse des Kindes, aber nicht das ganze Kind, das mehr braucht als die Erfüllung seiner kurzfristigen Wünsche. Die Liebe sieht immer das ganze Kind, dazu gehört auch die der Blick der Liebe die negativen Konsequenzen der Verwöhnung und die Zukunft des Kindes sieht. Gute Elternliebe meint immer auch das langfristige Wohl und die Zukunft des Kindes als Person, die mit sich glücklich werden kann.

Bei welchen der folgenden Statements neigen sie zur Zustimmung?

  • Ich will es meinem Kind recht machen.
  • Mein Kind soll es möglichst gut haben
  • Mein Kind soll auf nichts verzichten müssen.
  • Für mein Kind würde ich selbst auf Vieles verzichten
  • Ich würde meinem Kind alles ermöglichen.

Neben diesen meist unbewussten Einstellungen gibt es aber auch schwierige Umstände wie eine partnerschaftliche Konflikt- oder Trennungssituation, in denen wir Eltern dazu tendieren unsere Kinder zu verwöhnen. Manche Elternteile wollen unbewusst damit ihr Kind für sich gewinnen; fast alle geschiedenen Eltern wollen ihre Schuldgefühle gegenüber den Kindern über verwöhnende Wohltaten besänftigen.

Wie die Verwöhnung den kindlichen Narzissmus füttert

Wenn Kinder verwöhnt werden, also wenn sie zu viel von dem bekommen, was sie möchten,  dann lernen sie unbewusst Folgendes:

  • Ich bekomme alles, was ich will.
  • Ich bekomme es sofort oder spätestens nach längerem Quengeln.
  • Ich muss nur fordern oder unverschämt werden, dann bekomme ich es.
  • Was ich will, ist wichtiger als alles andere.
  • Ich bekomme (fast) alles und muss nichts dafür tun.

Kinder lernen dabei, dass sie sehr mächtig sind und ihre Forderungen erfüllt werden. So entsteht ein großes, mächtiges Ich. Je mehr dieses mächtige Ich gefüttert wird, umso größer und großartiger erlebt sich das Kind. Da die Nahrung der Verwöhnung eigentlich eine Ersatznahrung ist, stärkt sie die Kinder nicht in ihrem Selbstwertgefühl. Sie müssen sich nicht anstrengen und bekommen doch alles. Die Anstrengung und Leistung, die nötig ist, etwas zu bekommen, würde Kinder stärken.

Weniger ist mehr – Verzicht lernen

Wenn das Verwöhnen ein zu viel ist, dann gibt es auf der anderen Seite – oft ganz unbemerkt und unbewusst – ein zu wenig. Nämlich ein zu wenig an Verzicht. Dabei wird unseren Kindern  nicht zugemutet, mit dem Weniger auszukommen, die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen oder zu zügeln. Diese Fähigkeiten aber stärken die Selbststeuerung eines Kindes. Wenn das Kind einen unmittelbaren Wunsch zurückstellt, muss es sich selbst gegenüber treten, sich selbst gegenüber ein Nein aussprechen und schließlich sich selbst über das Nein trösten. Wenn es dann den Verzicht ausgehalten und geschafft hat, kann das Kind darauf auch stolz sein. Dabei muss es von seinen Eltern unterstützt werden.

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Also muten Sie Ihrem Kind auch zu, auf ein heiß gewünschtes Spielgerät oder elektronisches Gadget zu verzichten. Muten Sie Ihren Kindern zu, auf etwas Ersehntes oder Erwünschtes längere Zeit zu warten oder etwas anderes dafür zu opfern. Muten Sie Ihren Kindern zu, dass Sie zum Erfüllen von Bedürfnissen einen eigenen Beitrag vom Taschengeld oder in Form der Mithilfe im Haushalt erbringen. Wichtig ist nun bei diesen Zumutungen des Verzichts, dass Sie mit Ihrem Kind darüber reden. Ermutigen Sie ihr Kind mit den dabei auftretenden Gefühlen wie der Enttäuschung und des Wartens umzugehen.

Nicht zuletzt fördert das Umgehen mit dem Weniger auch die Kreativität des Kindes. Wenn Legosteine oder eine bestimme Farbe beim Malen fehlen, muss das Kind improvisieren und  eigene kreative Lösungen finden.

Beim Verzichten kann ein Kind also sehr viel lernen, was seinen Selbstwert steigert – anders als bei der Verwöhnung. Es kann lernen, für sich einzustehen, für sich zu kämpfen und es kann lernen, dass es auch beim Weniger einen Gewinn gibt. Und schließlich kann das Wenige auch zu etwas ganz Besonderem werden: ein Stofftier, das das Kind lange Zeit begleitet, ein Fußball, der viele harte Schüsse aushält oder das zersplitterte Handy sind allemal wertvoller als die vielen neuesten, aber dann doch bei Seite gestellten Spielobjekte.

Weitere Anregungen für eine Erziehung zu einem starken Selbstwert statt zum Narzissmus finden Sie in meinem Buch „Am besten ganz normal. Kinder vor Narzissmus schützen.“

Aktuell weise ich auf mein neuestes Buch „Die Therapie des Inneren Kindes. Konzepte und Methoden für Beratung und Psychotherapie.“ hin.


Roland Kachler

Dipl.-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut, Zertifizierte Transaktionsanalytiker (DGTA), Systemischer Paartherapeut, Supervisor, Klinische Hypnose (MEG), Fortbildungen in systemischen Ansätzen und in psychodynamisch-imaginativer Traumatherapie (PITT), Ego-State-Therapie; langjähriger Leiter einer psychologischen Beratungsstelle; eigene psychotherapeutische Praxis; Vorträge und Workshops.

Autor von Büchern zur Trauer, besonders der Best- und Longseller „Meine Trauer wird dich finden. Ein neuer Ansatz in der Trauerarbeit“ (Herder Verlag), auch ein Kinderbuch zur Trauer „Wie ist das mit der Trauer?“ (Gabriel Verlag).

Bücher zur Arbeit mit dem Inneren Kind: „Sei dein eigenes Wunschkind. Das Innere Kind lieben lernen“ (Herder Verlag) und „Die Therapie des Inneren Kindes“ (Klett-Cotta-Verlag)

Und schließlich das Buch zum Narzissmus von Kindern: „Am Besten ganz normal. Kinder vor Narzissmus schützen“ (Herder Verlag).

Näheres zu mir und meiner psychotherapeutischen Praxis in Remseck bei Stuttgart: www.Kachler-Roland.de


Veröffentlicht in Blog, Expertenwissen zum Thema Narzissmus
15 Kommentare zu “Die Verwöhnung unserer Kinder – Süßer Zucker für den kindlichen Narzissmus
  1. Yvonne sagt:

    Diese „Vergottung“ der eigenen Kinder ist nur noch abnormal. Die Kinder werden für jeden Pups den sie lassen, in den grünen Klee gelobt. Ausser den eigenen Eltern und ihrer Lobhudelei sieht man von aussen nur ein verwöhntes Balg, das versucht, alle um den Finger zu wickeln. My way or the highway. Ausserdem sind alle Kinder plötzlich hochbegabt und ganz speziell. (Dafür unerzogen, frech und fordernd). Bescheidenheit und Anstand, Fremdwörter. Keine Ahnung wann diese Kinder und Jugendlichen die Welt übernommen haben. Kein Wunder werden alle immer infantiler. Die Eltern versuchen sich den Kindern unterzuordnen und anzupassen. Man kann von aussen kaum zusehen.

  2. Susanne sagt:

    Schwieriges Thema. Auch für Grosseltern. In meinem Fall für mich als Grossmutter.
    Meine Tochter, alleinerziehende Mutter eines kleinen/ grossen Sohnes von mittlerweile 10 Jahren, „benutzt“ ihr Kind, als den „kleinen Prinzen“, von Anfang an, um sich selbst aufzuwerten, um selbst bewundert zu werden, um selbst im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit zu stehen, als Mutter von einem so „hübschen, schönen, bezaubernden, aussergewöhnlichen Kind“.

    Weil sie der Ansicht ist, dass ihr Sohn so sehr etwas ganz besonders ist, hatte dieser Narrenfreiheit von Anfang an, bestimmte und bestimmt der Wille des Kindes alles und jede Situation, gil nur ihm ihre Aufmerksamkeit. Selbst enge Freundinnen hat sie dabei vor den Kopf gestossen, weil es immer nur nach dem Willen des Kindes gehen muss.
    Ihr Sohn ist der „kleine Prinz“ ihrem Leben, das Einzige, was zählt, der Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens ist, alle anderen Menschen ausgeblendet werden.

    Wenn ich das so schreibe, könnte der Eindruck entstehen, dass ich als Grossmutter mich „hinten an gesetzt“ fühle, ja, könnte der Eindruck entstehen, dass es mir an Aufmerksamkeit fehlen würde oder dass ich gar eifersüchtig sein könnte. Aber dieser Eindruck würde falsch sein, würde nicht zutreffend sein, sondern ist es vielmehr die Sorge um die Entwicklung meines Enkelsohnes und vorausschauend zu erkennen, dass es dieser später einmal schwer haben wird in seinem eigenen Leben, in Partnerbeziehungen, wenn von Anfang an sich alles nur um ihn dreht, es nur darum geht, ihm alle seine Wünsche und seinen Willen zu erfüllen. Das ist es, was mich mit Besorgnis erfüllt.

    Dem Kind werden keine Grenzen gesetzt, einem kleinen Gott gleich, wird das Kind von meiner Tochter förmlich angebetet. Er hat es inzwischen geschickt raus, manipulativ zu agieren. Schuld sind immer die anderen. Die verständnislose Lehrerin, andere „blöde, primitive, unsensible“ Kinder, die als gemein hingestellt werden, meiner Tochter Ansicht nach, niemand, ausser ihr selbst, ihren Sohn in seiner Sensibiltät versteht.

    Es so oft skurrile Situationen gibt, wo ich einfach nur weggehen muss, weil mir ansonsten meine konträren Ansichten anzumerken wären.
    Wenn er beispielsweise etwas zu trinken haben möchte, sagte er nur laut:“Durst“!!! Und sogleich springt meine Tochter auf, rennt los und bringt ihm das Gewünschte.
    In der Kinder-Musiziergruppe werden die Mütter aller anderen Kinder als blöd, primitiv und verständnislos hingestellt, weil niemand den „kleinen Grösus“, das kleine Genie im Sohn meiner Tochter anerkennt, sich dort eben nicht alles um ihn dreht.
    Nicht einfach, die Dinge nüchtern und sachlich betrachten zu können. Und hat auch nichts mit lieblos zu tun. Ist schmerzhaft, wenn man folgerichtig vorausschauend erkennen muss, wo die Reise hingeht und dennoch nichts machen kann, man mitansehen muss, wohin etwas unweigerlich führen muss, wo die Problematik heute schon absehbar ist…
    .
    Auch ich als Grossmutter, die konsequent reagiert, dem „kleinen Mann“ Grenzen aufzeigt, werde deswegen als jemand „abgestempelt“, der keine Ahnung hat, als unsensibel und verständnislos hingestellt, nur weil ich mich weigere, diesen Tanz ums Goldene Kalb nicht mitzutanzen, weil ich der Ansicht bin, dass dem Kind damit nicht wohl, nichts Gutes getan wird, wenn ihm keine Grenzen aufgezeigt werden, wenn er nicht lernt, dass es auch ein Nein geben kann, dass es auch andere Kinder, andere Menschen neben ihm geben kann, deren Wünsche und Bedürfnisse und Befindlichkeiten ebenfalls zählen.

    Alle Versuche meiner Tochter nahezubringen, dass ihr Sohn kein Ersatz sein kann für irgendwas, zum Beispiel einen Partner, oder irgend etwas, was ihr in ihrem Leben fehlt; dass sie ihrem Sohn nichts Gutes damit tut, wenn sie ihn in den Status eines „Prinzen“ erhebt, nach dem sich alle und jeder zu richten hat, nur dessen Bedürfnisse und Launen (Ja, man will´s nicht für möglich halten: Launen eines 10-Jährigen) sofort nachgekommen werden muss), alle anderen Anwesenden sofort zurücktreten und sich unterordnen müssen, damit des Kindes Wunsch und Laune und im Mittelpunkt-sein-müssen erfüllt wird.

    Alles Denken, alles Sein meiner Tochter wird bestimmt von diesem kleinen Jungen, ihrem Sohn. Sicher, Mutter-Liebe ist etwas – keine Frage – Wunderbares. Aber meiner Ansicht nach sollten Kinder auch soziales Denken, soziale Kompetenz lernen, und dass sich nicht alles nur um sie selbst und ihre Bedürfnisse dreht, sondern auch auf andere Menschen neben ihnen Rücksicht zu nehmen ist. Meine Tochter sieht das anders. Alle ihre Beziehungen scheiterten u. a. auch aus diesem Grund. Und heute ist ihr Knd ihr einziger Lebensinhalt, der Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens.

    All das sehe ich mit grosser Besorgnis. Weil man kein Hellseher sein muss, um erkennen zu können, wohin das Ganze führt, wie schwer es dieser heute kleine Junge später mal in seinem Leben haben wird – aus dem heute verzogenen kleinen Tyrannen, dem „kleinen Prinzen“ folglich ein kleiner Narzisst herangezogen wird.

    So direkt trau ich mir das meiner Tochter nicht einmal zu sagen. Auch, weil ich schon zu hören bekommen habe, dass ich mir überlegen sollte, wie ich mich ihr gegenüber äussere, ich achtgeben solle, wenn ich denn mein Enkelkind auch weiterhin sehen möchte…

    Jedoch bin ich ein „schlechter Schauspieler“, lasse mich in meinen Ansichten und Überzeugungen nicht verbiegen und kann bei meiner Tochter nicht all meine Überzeugungen über Bord werfen, nur weil es meine Tochter ist.
    Ich bin davon überzeugt, dass es sie ihrem Sohn „keinen Gefallen“ damit tut, nicht wirklich was „Gutes“ tut, wenn sich alles nur darum drehen soll, dass einem 10-Jährigen von Anfang an ständig nur versucht werden soll, dass ihm alle seine Wünsche und sein Willen stets ud sofort erfüllt werden soll, sich alles und jedes nur um das Kind drehen soll, das Kind Dreh- und Angelpunt alle Denkens und Tuns ist.

    Ich bin nicht bereit diesen Tanz ums „Goldene Kalb“ mitzutanzen, auch auf die Gefahr hin, immer wieder als lieblose Grossmutter hingestellt zu werden, bin der Ansicht, dass es für eine positive Entwicklung eines Kindes wichtig ist, ihm Grenzen aufzuzeigen und auch, dass ein Kind einmal „zurückstehen“ muss, auf andere Menschen – Erwachsene wie Kinder – Rücksicht nehmen sollte.
    Da ich diese meine Meinung vertrete, meint meine Tochter mich „bestrafen“ zu müssen und „rationiert“ bzw. unterbindet den Kontakt zu meinem Enkelsohn.
    Das ist emotional nicht einfach für mich zu verkraften, weil ich meine Ansichten und Überzeugungen dennoch nicht verleugnen kann (auch auf die Gefahr hin, dass mir als Grssmutter der Kontakt zu meinem Enkelsohn entzogen wird), ich der Meinung bin, dass es falsch verstandene Liebe ist, wenn eine Mutter ihren Sohn in den Status eines kleinen „Prinzen“ erhebt und sich alles und jedes nur noch um die Wünsche und Aufmerksamkeit um den kleinen Prinzen zu drehen hat.
    Damit, es wird meiner Ansicht nach, ein Narzisst herangezogen.

    • lilli sagt:

      Hallo Susanne,

      ich meine, das für Deine Tochter und Deinen Enkel,
      Du Oma eine wertvolle Abwechslung und Ergänzung bist.
      Für mich sind Alleinerziehende in unserem Wohlstandsland die Helden unserer Zeit.
      Nicht wenige verzichten gleich ganz auf Kinder, aus ‚Rücksicht‘ auf ihr Ego.
      Nobody is perfekt, wie Du schreibst,
      wenn Liebe im Spiel ist,
      wird alles gut !

  3. Amy sagt:

    Wenn man Psychologen fragt, antworten diese aber oft, die meisten Eltern hätten Angst davor, ihre Kinder zu „verweichlichen“, denn dann könnten sie sich in unserer auf Konkurrenz ausgelegten Gesellschaft nicht mehr „durchsetzen“.

    Ob sie abgehärtet oder verwöhnt werden, eines scheint sich nicht zu ändern: Kinder sind kleine Projekte. Sie werden nicht geliebt, wahrscheinlich weil die Eltern selbst keine Liebe erfahren haben. Und Liebe ist keine Wissenschaft, die man erlernen und anwenden kann. Traurig.

  4. lilli sagt:

    Hallo,

    ‚das ist nicht normal‘,
    kenne ich als Argument von narzisstischer Seite.
    Laut Montessori ist für Kinder wichtig, Eigeninitiative und Hingabe zu entwickeln.
    Ihre Pädagpgik, das Kind gutes Lern – und Spielmaterial wählen und es auf dem eigenen Platz damit lernen und üben zu lassen begründete sie als Ärztin unter armen Familien.
    Ich sehe heutzutage die Schwierigkeiten da, wo Kinder unter Druck sind, besonders begabt sein zu sollen und Schul- und Berufs-Vorstellungen der Eltern ‚dienen‘ zu sollen.
    Einfach verschieden sein lassen, ist meine Meinung.

  5. Eva sagt:

    In meinem Bekanntenkreis habe ich aktuell 2 Kleinkinder (4 und 6J.) welche, meiner Meinung nach und mit meinem hier erworbenen Hintergrundwissen, diese im Text genannte narzisstische Tendenz besitzen. Und manchmal Frage ich mich insgeheim, ob ich den Kindrn zuliebe, den Eltern gegenüber in die Richtung dezent was andeuten sollte. Oder wäre das schon ein übler Eingriff in ihre Erziehungsmethoden? Ich weiß nicht…

    • Susanne sagt:

      Hallo Eva,

      würde ich nicht machen. Das mache ich nicht einmal als Oma. Warum nicht?

      1. Weil es mir nicht zusteht.
      2. Weil es nicht verstanden werden würde und
      3. bin ich der Auffassung, dass die Eltern es so gut machen, wie sie es eben können.
      Dazu kommt die allgemeine gesellschaftliche Verunsicherung, dass heute alles zerredet und durchdiskutiert wird, anstatt sein eigenes Ding zu machen. Junge Eltern, besonders Mütter, werden schon genug verunsichert. Was sie alles sollen und müssen….

      Es kommt wohl auf die Gesamtpaket an, wie liebevoll wird mit dem Kind umgegangen,
      werden auch mal Grenzen gesetzt und vor allem auch konsequent eingehalten.
      Nicht jedes Kind wird pathologisch narzisstisch, wenn die Eltern mal Fehler machen.

    • Anka sagt:

      Das ist sehr „heikel“, aus meiner Erfahrung…

      Eva, ich denke, es spielt auch eine wesentliche Rolle, wie eng oder vertraut das Verhältnis zu diesen Bekannten ist und wie sich das Verhalten der Kinder darstellt.

      Für einen „üblen Eingriff in Erziehungsmethoden“, halte ich einen „dezenten Hinweis“ keinesfalls.
      So wie ich deine Zeilen verstanden habe, liegt bei dir ja das Wohl der Kinder, vor allem perspektivisch gesehen, im Vordergrund.

      Ich meine schon, daß du mit „angemessenen Worten“ durchaus vorsichtig und achtsam äußern kannst, was dir aufgefallen ist, dein Bedenken und eventuelle „Zukunftssorgen“ einmal aussprechen.

      Über Narzissmus würde ich persönlich da nicht reden…
      Eher über Freundschaft, willkommen sein, auf- und angenommen werden können von anderen…

      Na ja, wie gesagt nicht ganz einfach.
      Aber manchmal ergibt sich doch ganz unerwartet ein passender Moment. Den braucht es schon, denk’ich, damit es nicht wie ein „Überfall“ erscheint.
      Und vielleicht triffst du damit sogar einen Punkt, der den Eltern selbst bisher schon oder nur „schwante“…

      Du brauchst ja nichts „über’s Knie brechen“, kannst dir selber Zeit geben, über die „richtigen Worte“ zu sinnieren.
      Wenn du die gefunden hast, ergibt sich bestimmt auch noch ein wirklich guter Moment.

      Freundliche Grüße Anka 🙋

  6. Virginia sagt:

    Danke Herr Kachler für den Interessanten Beitrag. Ja, es ist so, dass man sich als Eltern ab und zu mal zügeln muss (vor allem wenn die finanziellen Mittel hat). Und Ich finde gut, dass sie das hier Mal auf den Punkt bringen. Kinder müssen abwarten auch aushalten können, damit sie geduldige Erwachsene werden. Dann ist mein Handeln in der Tat richtig…

  7. Anka sagt:

    „Am Besten ganz normal.
    Kinder vor Narzissmus schützen“

    Offengestanden erscheint mir das Geschriebene viel zu trivial.
    Ich halte dies im Großen und Ganzen für „Binsenweisheiten“.
    Doch wer will die überhaupt noch hören?

    Ist Narzissmus nicht leider schon viel zu NORMAL geworden?
    Mir scheint dieser manchmal sogar ein uneingestandenes „Erziehungsziel“ zu sein.
    Wenn ich allein in meinem Wohnumfeld zusehe …
    Es könnte einem Übel werden!

    Ein voll „ausgereifter präfontaler Cortex“ dürfte ja wohl bei Eltern vorausgesetzt werden. Ebenso bei Großeltern. Der „hilft“ offenbar nicht…

    Die sehen gar keine Notwendigkeit.
    Da wird sich „scheckig“ gelacht über jede Frechheit.
    Da wird regelmäßig „Ungehorsam“ übergangen, Aufforderungen jetzt nach Hause zu gehen 20 Mal wiederholt… Nein bei Omi wird doch noch geklingelt und auch noch mit Gummibärchen belohnt.

    Alle wollen sich beständig beliebt machen. Und das ununterbrochen.
    Eine Rüge, irgendeine Konsequenz ? Niemals !

    Da liegt
    „der Hase im Pfeffer“ !
    Und ich ich finde, da bräuchte es viel deutlichere Worte, zu und über derartiges Verhalten der Eltern/Großeltern, in so einem Buch.
    Dieses seichte weichgespül weckt niemanden auf… Und die angesprochenen „Geschenke“ sind doch lediglich die kleinste Spitze eines regelrechten „Eisberges“.

    Woran fehlt es denn wirklich?
    Warum haben denn „alle“ Stress?

    Keine vernünftige Tagesstruktur.
    Ständig das Smartphone in den Händen.
    Keine Ohr frei …

    Ja ich bin dafür, Kinder vor Narzissmus der Eltern und Großeltern schützen!

    Aber wie im großen Stil, weiß ich auch nicht.
    Ansonsten gilt wie immer, jeder kann nur bei sich anfangen.
    Deshalb gibt es für mein „Ferienkind“ zumindest bei mir eine klare Tagesstruktur.
    Absprachen werden gemeinsam getroffen und ich bestehe auf beidseitige Einhaltung.
    Gemeinsam wird gegessen. Gemeinsam wird gespielt, gelesen und gequatscht…
    Und er beschäftigt sich auch alleine.
    In der Ruhe liegt die Kraft! Dann klappt es auch…

  8. Annemarie H sagt:

    Da kann ich mich ganz anschließen. Wer frägt nach den Eltern. Das Wichtigste, das Zähl sind Bedürfnisse der Kinder. Heute ist es egal, wenn die Eltern bluten.

    • Anka sagt:

      Annemarie,

      genauso ist es eben oft nicht!

      Die wirklichen Bedürfnisse, bzw. die Bedürftigkeit der Kinder wird gar nicht wahrgenommen. Sie werden mit den o.g. „Zuwendungen“ lediglich kurz(fristig) be-fried-igt, ruhig-gestellt…

      Wirklich auf sie eingegangen wird überhaupt nicht.
      Es wird weder irgendetwas besprochen noch aus diskutiert (bei älteren Kindern!). Es gibt keine klaren, überdachten Entscheidungen. Alles läuft nur darauf hinaus, seine Ruhe schnellstmöglich zu haben oder großzügig/freigiebig (= ganz dolle lieb) zu erscheinen.

      Wie viele „Alte“ stehen mit „strahlenden Kinderaugen“ da, wenn sie zu hören bekommen:
      „Du bist sooo lieb!“
      „Du bist der/die Beste!“
      „Omi, ich hab dich lieb!“

      Was heißt, egal wenn die Eltern bluten ?
      Wer bestimmt da eigentlich im Leben oder über das Leben der Eltern?

      Da läuft aber gewaltig was schief !

    • Anka sagt:

      P.S.
      Auch wenn es „hart“ klingt…
      Ich halte derartiges Verhalten von Eltern sogar für ein Zeichen von gewisser „Bequemlichkeit“…
      Es zeigt sich für mich damit auch Desinteresse an Ent-wicklung und Wachstum der Kinder! Und, selbstverständlich am eigenen.
      Mann/Frau wachsen im Normalfall mit ihren Kindern und den stetig neuen Herausforderungen.

  9. Tippi sagt:

    Hab‘ ich gleich bestellt, das Buch. Ich hoffe, es hilft mir im Umgang auch mit „erwachsenen“ Narzissten. Denn ich habe oft das Problem, dass ich „das Kind in ihnen“ sehe, und sie dadurch zu wenig in ihre „Schranken“ weisen kann.

    Vielleicht hilft es mir auch, mit den eigenen narzisstischen Innenanteilen angepasster umzugehen? Beides beschäftigt mich im Moment sehr. – Ich erlebe viele Narzissten, die andere gern als ihren „verlängerten Arm“ benutzen (möchten), aufgrund von (eingebildeter) eigener Hilflosigkeit. Und wehe, man tut nicht, was sie wünschen :-/ .

    Mein „Trick“ ist es, ihnen von Zeit zu Zeit ein ‚genaues Erfüllen‘ ihres Wunsches zu gewähren. Dazwischen kann man wieder machen, wie man will, und eigene Forderungen, Bedürfnisse und Wünsche anbringen, die sie dann, zwar zähneknirschend, aber doch akzeptieren.

    Da sie sonst kaum dauerhafte Freunde haben (weil ihre fordernden inneren Kinder jeden wegekeln, ausser einige (getarnte) ‚Barmherzige‘), akzeptieren sie diese Methode als ‚erträgliche dauerhafte Beziehungsform‘.

    Es ist aber schon etwas anstrengend, der chronisch ‚pädagogische Eiertanz‘. Trotzdem, habe ich einige dieser Narzissten einfach gern. Sie haben auch viele positive Qualitäten, die ich sehr schätze.

    Einige von ihnen haben auch echte Behinderungen, gehirnorganisch, genetisch, nachhaltige Traumastörungen. Da ist es manchmal wirklich schwierig, zu unterscheiden, wo genau ist es jetzt ein behinderungsbedingtes Bedürfnis, den anderen als ‚langen Arm‘ zu benutzen, und wo genau ist es das ’narzisstische Ego‘, das die Kräfte des anderen missbraucht.

    Ich hoffe, dass mir das Buch hilft, besser zu Unterscheiden, und freue mich sehr darauf! – Gleichzeitig bin ich auch an mir selber daran, zu entdecken, in welchen Bereichen auch ich noch versuche, andere Menschen als ‚langen Arm‘ zu benutzen, um eine, möglicherweise erlernte scheinbare Hilflosigkeit gegen Selbstkompetenz und Selbstverantwortung einzutauschen. – Das Lernen im Leben hört ja nie auf. . .

  10. Susanne sagt:

    Als Oma von 3 Enkelkindern (6 Wochen alt, 1 Jahr und 2 Jahre) fällt mir vor allem auf, dass die Kinder heute bei jedem Pieps überschwänglich gelobt werden.
    Da wird teilweise richtig in Beifall verfallen und jede noch so kleine Aktion der Kids wird so mitunter sehr übertrieben kommentiert.
    Dazu kommt, dass selbst den Kleinsten viel zu viel Wahlmöglichkeit gelassen wird. Da bestimmt der Knirps, was gegessen wird und der Platz sieht später aus, als wenn eine Bombe eingeschlagen hat. Lebensmittel wurden dann oft nur angebissen und weggeworfen.

    Da wird der 11/2 jährige Knirps gefragt, ob er laufen oder lieber in die Karre möchte. Der kann sich nicht entscheiden und will mal rein und mal raus und wenn er raus ist, dann macht er Unsinn. Anstatt dass die Erwachsenen entscheiden, denn Kleinkinder sind noch überfordert mit derlei Möglichkeiten.
    Ich denke hier auch an die Helicoptereltern.

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