Karriere verdirbt den Charakter

Narzissten streben in der Regel nach Führungspositionen, sie wollen Karriere machen und das große Geld verdienen. Dahinter steht die Motivation, Bewunderung für die eigene Person zu bekommen sowie Ansehen, Status und Besitz zu vermehren. Das berauschende Gefühl vom eigenen Erfolg mit den damit verbundenen Privilegien kann süchtig machen. Der Mensch erlebt sich dann als etwas Besonderes und kann leicht arrogant und überheblich werden.

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Es stellt sich die grundsätzliche Frage, ob der Charakter von Narzissten bereits vor ihrer Karriere verdorben war oder ob sie der Job erst zur Hochmütigkeit verleitet hat. Ist es das Amt, das egoistisch, eingebildet, gierig, skrupellos und größenwahnsinnig macht, oder ist es der Amtsinhaber selbst, der es mit seinen negativen Eigenschaften ausfüllt? Macht eine bestimmte Position aus einem Menschen einen Narzissten, ohne die er dazu nicht geworden wäre, oder nutzt der Mensch die Position, um seine narzisstischen Bedürfnisse besser ausleben zu können?

Die Antwort dürfte eindeutig lauten: Sowohl als auch! Für gehobene Positionen werden Bewerber gesucht, die gewisse narzisstische Eigenschaften wie großes Selbstbewusstsein, Überzeugungskraft, Ehrgeiz, Eloquenz, Durchsetzungskraft und Begeisterungsfähigkeit mitbringen. Ohne diese Eigenschaften wird es von vornherein schwierig, überhaupt in höhere und attraktive Positionen zu gelangen. Doch die Freiheiten und Privilegien, die eine bestimmte Position bei entsprechendem Erfolg gewährt, können die narzisstischen Eigenschaften einer Person unbeschränkter zum Vorschein bringen und sie somit verstärken.

Geld verdirbt den Charakter

Auf der anderen Seite können auch Menschen, die eher einen gesunden Narzissmus haben, durch eine Position, die Freiheit und Macht verleiht, zu Taten verführt werden, die mehr dem eigenen Wohl und dem eigenen Status dienen. Erfolg kann süchtig machen! Jeder träumt irgendwann einmal von einem sorgenfreien Leben in Saus und Braus. Wer die Vorzüge des großen Geldes, Macht und Einfluss erlebt hat und in die Welt der Reichen und Schönen eingetaucht ist, hat möglicherweise Blut geleckt und wird plötzlich gierig. Ohne die Position und ohne die Verlockung wäre er vielleicht bescheidener geblieben.

Die landläufige Meinung, dass Karriere und Geld den Charakter verderben, entsteht meist dadurch, dass Mitarbeiter, die von ihrer bisherigen Position aufgestiegen sind und sich zuvor kollegial, uneigennützig, partnerschaftlich und teamorientiert gezeigt haben, auf einmal den Boss spielen, der knallharte Forderungen stellt. Natürlich bringt eine Führungsposition zwangsläufig ein anderes Verhalten mit sich: Man muss nun unbeliebte Entscheidungen treffen, Anweisungen geben und Arbeitsergebnisse kontrollieren. Da kann es schon mal zu unerfreulichen Gesprächen kommen, um die Ziele der Abteilung zu erreichen. Ein Chef braucht immer eine gewisse wohlwollende Distanz zu seinen Mitarbeitern, um Motivation zu schaffen und gleichzeitig Disziplin einzufordern.

Im Fall eines Narzissten ist es aber so, dass er seine wahren und weniger vorteilhaften Eigenschaften über einen sehr langen Zeitraum hinweg verbergen kann, nur um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Hat er sich vorgenommen, in seinem Betrieb Karriere zu machen, wird er sich gegenüber Vorgesetzten und anderen Entscheidungsträgern immer von seiner besten Seite zeigen. Auch indem er sich innerhalb eines Teams als besonders kollegial hervortut, kann er Punkte sammeln. Ein Narzisst handelt dann nicht freundlich und zuvorkommend, weil er so ist, sondern weil es ihm hilft. In diesem Fall verdirbt nicht die Position oder das Geld den Charakter der Person, sondern sie oder es bringt nur seine ohnehin vorhandene Arroganz und Eitelkeit deutlicher zum Vorschein.

Geld verführt und macht süchtig

Mit Geld will man all die schönen Dinge erwerben, von denen man immer geträumt hat. Geld macht frei und unabhängig, es erlaubt ein genussvolles Leben und ermöglicht den Aufstieg in höhere soziale Schichten. Man hat Kontakt mit anderen Bessergestellten und befindet sich in einem elitären Club. Man hat nicht nur viel Geld, sondern hat sich dafür auch nach oben gearbeitet und darf sich als etwas Besonderes erleben. Man hat es zu etwas gebracht!

Geld ist letztlich nur ein Mittel, um sich von anderen abzuheben und den eigenen Mangel an Selbstwert zu kompensieren. Geld und Macht sind Verlockungen und wirken dabei wie eine Droge: Sie können berauschen, doch wirkt irgendwann die Dosis nicht mehr und sie muss erhöht werden.

Ab einem gewissen Punkt geht es nicht mehr darum, Geld für die eigene Lebenssicherung und die Befriedigung elementarer Bedürfnisse zu verdienen. Ab einer bestimmten Grenze hat Geld nur noch die Funktion, den eigenen Einfluss, das eigene Vermögen und das eigene Ansehen weiter zu steigern oder abzusichern. Man möchte immer mehr bewundert werden, immer elitäreren Gruppen angehören, immer mehr besitzen und immer mehr vorzeigen können. Es geht nur noch darum, nachzulegen und andere zu übertrumpfen. Dann wird das Geld nicht mehr genutzt, um ein sorgenfreies Leben zu führen, sondern als Investition in den Aufbau eines noch größeren Egos.

Mein Auto, mein Haus, mein Boot

Nichts kann den Neid eines Narzissten mehr anregen als die Beobachtung, dass es einem anderen besser als ihm selbst zu gehen und dieser mehr zu haben scheint als er. Sofort muss er beginnen, den anderen zu überbieten, indem er auf irgendeine Weise zeigt, dass er mehr kann oder mehr hat. Und wenn er ihn nicht übertrumpfen kann, dann entwertet er den anderen, um selbst besser dazustehen. Mit dem sozialen Aufstieg bekommt der Narzisst das prekäre Luxusproblem, auf dem hohen Niveau mithalten zu müssen. In der Champions League hat er es mit anderen Größen zu tun und der Kampf um die besten Ränge wird härter.

Auf diese Weise richtet sich der Blick des Narzissten vermehrt und einseitig auf materielle Güter, auf Genuss und Vergnügen, ohne jedoch jemals die Sättigungsgrenze zu erreichen. Um im Club der Reichen und Mächtigen mithalten zu können, müssen die eigene Attraktivität und Leistungsfähigkeit, die Einkünfte und der Besitz immer weiter gesteigert oder vermehrt werden, um nicht vom Podest zu fallen. Der Wert eines Menschen wird dann nur noch an seiner Geldbörse, seinem Erfolg und Status gemessen. In solchen Kreisen ist Geld die Eintrittskarte zum Höhenrausch.

Geld macht nicht glücklich

Auf diese Weise werden natürlich Eigenschaften wie Gier, Wichtigtuerei, Gewissenlosigkeit, Eitelkeit, Egoismus und Schamlosigkeit gefördert. Positive Eigenschaften, die das harmonische zwischenmenschliche Miteinander fördern, wie Verständnis und Toleranz, Empathie und Kompromissbereitschaft sowie Ehrlichkeit und Vertrauen sind auf dem Weg nach oben und im Kampf um das knappe Gut der Bewunderung hinderlich. Sie werden nach außen vielleicht vorgegeben, hinter dem Rücken der anderen wird aber anders agiert. Es geht immer nur darum, besser als andere zu sein.

Weil der Narzisst sich aus seinem Inneren heraus nicht als etwas Wertvolles und Liebenswertes erleben kann, braucht er unentwegt seine Mitmenschen, die ihm seinen Wert als Person spiegeln. Er glaubt daher, sein Glück nur im Äußeren finden zu können, und fühlt sich so lange wohl, wie er von seinem großen Besitz, hohen Status und jubelnden Menschen umgeben ist. Dabei merkt er gar nicht, dass er nicht für seine Person bewundert wird, sondern eben nur für seine Leistungen, seine Funktion oder sein Vermögen. Brechen diese Säulen weg, fühlt er sich sofort einsam, leer, unnütz und nicht mehr liebenswert. Er kann sein Selbstwertgefühl nicht mehr regulieren: Es bricht zusammen, sobald von außen nichts mehr kommt.

Für einen Narzissten ist es immer wieder ein täglicher Überlebenskampf, seine Position zu festigen, indem er seine Macht ausweitet und seinen Besitz vermehrt, um damit ein starkes Selbstwertgefühl aufrechterhalten zu können. Hat er sich erst einmal dem Rausch von Macht und Geld hingegeben, muss er sich zwangsläufig immer weiter steigern, um nicht zurückzufallen und dem Gefühl von Erfolglosigkeit zu entkommen. Alles wird diesem Ziel untergeordnet und der Narzisst hat kaum noch Zeit für andere Dinge. Prioritäten werden zugunsten der Karriere verschoben. Die Familie, Freizeit, Partnerschaft und Freundschaften können und müssen sogar geopfert werden, nur damit er sich seiner Karriere widmen kann und nicht von der narzisstischen Zufuhr abgeschnitten wird.

Alles muss einen wirtschaftlichen Nutzen haben

Vor dem Aufstieg wurden Arbeiten oder Hilfeleistungen vielleicht noch freiwillig und entgegenkommend erledigt oder erbracht. Später achtet der Narzisst dann nur noch darauf, ob eine Gefälligkeit auch einen Nutzen hat und ob damit Geld zu verdienen ist. Jede Leistung, die erbracht wird, muss früher oder später etwas einbringen, nichts wird mehr getan, was nicht dem eigenen Sparbuch, Image oder Einfluss dienlich ist. Jeder Dienst wird an seiner Werthaltigkeit beurteilt. Für „Hilfsarbeiten“ oder Gefälligkeiten ist sich eine solche Person zu schade geworden.

Hinzu kommt bei Narzissten die ständige Angst, ihr Vermögen oder ihre Position verlieren zu können und damit von der Quelle der Bewunderung abgeschnitten zu werden. Ständig sind sie in Alarmbereitschaft und haben sich ein übertriebenes Misstrauen antrainiert, um nicht bestohlen, hintergangen, überfallen oder ausgestochen zu werden. Zuweilen kommen sie dann gar nicht dazu, sich an ihrem Vermögen zu erfreuen und das Leben zu genießen, weil sie überall nur noch Gefahren, Konkurrenten, drohende Verluste, Scheitern, Missgunst und Neid sehen. Nicht selten unterdrücken sie ihren Kummer mit Alkohol oder Drogen, statt sich mit dem zufriedenzugeben, was sie erreicht haben.

Karriere kann einen Menschen in dieses Hamsterrad führen, wenn er sich durch Macht, Einfluss und Einkommen verführen lässt und eines Tages glaubt, ohne diese nicht mehr existieren zu können. Das berauschende Gefühl von Unabhängigkeit, Freiheit und materiellem Lebensgenuss kann einen Menschen dazu verleiten, sich einseitig der materiellen Bedürfnisbefriedigung zu widmen und sich in Äußerlichkeiten zu verlieren, ohne einen Blick nach innen zu wagen und echte gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Er verliert sich selbst aus den Augen und damit die Verbindung zum realen Leben.


Veröffentlicht in Narzisstische Gesellschaft
15 Kommentare zu “Karriere verdirbt den Charakter
  1. Yvonne sagt:

    Meiner Erfahrung nach KANN Karriere, Geld, Macht und Ansehen im Beruf Narzissmus fördern, muss aber nicht. Es gibt viele sog. „Habe-Nichtse“ gerat auch unter den „Neubürgern“, die meinen, alle schulden ihnen etwas und die Welt gehöre ihnen allein. Besonders perfide wird es dann, wenn man da zwischen die Fronten gerät und von Unten und Oben gleichzeitig „ausgesaugt“ wird.

    • S. B. sagt:

      Genau so habe ich es erlebt…auch als Alleinerziehende…danke dir !!
      Ich wollte raus aus dem Karriere System und auf dem Land in den Bergen und see mit Natur und anderen Werten mit einem Partner leben und er wollte als ( Leerer)Aussteiger rein…und saugt alles aus was er bekommt… er kommt aus einer Arztfamilie und hat das Studium nicht geschafft, Schreinerlehre auch nicht, weil er so nicht erzogen wurde… nur „liebevoll “ spuren
      Und jetzt macht er es mit mir so!!

  2. S. B. sagt:

    Ich bin so fröh,mich verstanden zu fühlen,wenn ich diese heftigsten Beiträge und Kummer lese. Ich als evangelische Christin bin am Rande von inneren und äusseren Isoliertheit nach 10. Jahren mit einem kranken Narzissten, weil er meine Werte benutzt hat, um all seinen Hass Frauen gegenüber und der Einsamkeit weil er ausgestiegen ist wie ein Vampier zu füllen mit meiner liebevollen Art und der Sehnsucht nach Partnerschaft mit Werten.Er kam aus einer christlichen Sekte( angeblich sei er schon lange raus, aber ist jetzt noch mehr zerstörend und manisch einsam wie ein lauernder Wolf und hat sich dies wie ein Auftrag statt zu arbeiten als gemeine Aufgabe gemacht ohne es zu merken )…. er hat nur gespielt mit mir meinen Kindern und Familie… geschmeichelt und getrennt… usw und wieder und wieder bis ich nichts mehr war als ein Frack. Und alle um mich verstehen nicht was er mir angetan hat, weil ich ..ganz ehrlich treu und hoffend war und ihn nicht aufgeben wollte. Er war ganz ausgestiegen und ich habe ihm geglaubt… Privatier… dabei ist er Obdachlos gewesen und sein Spiel mit Macht ist es nicht Karriere zu machen sondern extrem von nichts zu leben, zu schmarotzern und uns die arbeiten, ein Auto haben und Wohnung benutzen auszusaugen auf ärmiche , mitleidvoll schauspielernde Art und wenn er was besseres hat oder wenn ( die Frau es merkt) kickt er sie weg, macht aus mir ein Monster bei der Neuen und findet wieder ein Bett. Bis er sie alle eingewickelt hat mit einladen, Philosophieren und Freie Zeit für Einsame…. und charismatisch das nächste Haus betritt…
    zu lange habe ich es nicht gemerkt, weil er in München nach „Urlaub“ bei mir wieder abgehauen ist, bist ich geschaut habe wo er wohnt… nur war ich da schon zu in seinen Fängen
    Unsd all die schönheiten hier hat er dann nach sich gut gehen lassen getriggert mit gemeinster Provokation … damit ich immer mehr ihn anflehe bis er jetzt nach 10. Jahren sich parallel was “ besseres “ aufgesaugt hat und mich wegkickt….
    Jetzt wo ich nix mehr habe ..alles verloren ..Arbeit, Freunde, Hobbies, Kraft uvm!!!! Und in dem getriggerten Zuhause sitze und im wunderschönen Chiemgau und alles nur Panik auslöst … wenn ich das Zuhause aufgebe hat er genau was er will … so wie er nix haben, sein, ohne mein Zuhause!!! er hat sein Leben bei mir abgelassen und
    noch eines .. angeblich hat er missbrauch erlebt, sagt ein Freund.. und halte durch er kommt wieder… bis ich hier gelandet bin und mich verstanden fühle und begreife…. extrem kranker Narzisst , der seine “ Lebens-Karriere“ so sich holt !!!

  3. Günther sagt:

    Danke für diese Abhandlung, die sehr aufschlussreich war.
    Mein Vater ist ein Narzisst und ein erfolgreicher Geschäftsmann (selbständiger Handwerker).
    Er hat sehr viel erreicht, seine Familie durchgebracht, zwei schöne Häuse gebaut. Eines als Sicherheit später im Alter, weil es Mieteinnahmen bringt, was ja eigentlich alles nicht verwerflich ist und wofür er Respekt verdient.
    Allerdings war er nie ein Vater für mich. Er war kalt und meistens nicht greifbar (klar, er musste ja Geld ranschaffen).
    Heute schaut er auf mich herab, weil ich kein Geld angehäuft habe, kein Haus gekauft, keine Wohnung, sondern mein Geld lieber Tierschutzorganisationen gab oder Menschen, die Hilfe brauchten. Das kommt in seiner „Welt“ nicht vor. Er ist überheblich und verspottet mich zwar nicht ganz offen, aber so versteckt feindseelig. Wenn ich ihn um Geld bat, weil ich in einer Notlage war, gab er es mir. Aber von sich aus würde er nie fragen „Brauchst du was oder wie gehts dir?“
    Ich bin unendlich traurig darüber und fühle mich ungeliebt, unnütz und wie der letzte Dreck, obwohl ich mein Leben lang anderen geholfen habe, sie in Arbeit gebracht, Alkoholiker in den Entzug, Singles verkuppelt, bei Umzügen geholfen usw.usf. aber was sollst.
    Ich kann ihn dafür nicht verachten oder hassen. Er kennt es nicht besser und LEIDER und jetzt komme ich zum Punkt:
    Solche Narzissten haben ihre Art und Weise als Überlebensstrategie entdeckt und der materielle Erfolg und das Ansehen in der Gemeinde, bei den Nachbarn und Kunden ist so hoch, dass es ihn immer wieder bestätigt und darauf hin KEINE Überprüfung der eigenen Werte mehr stattfindet, KEINE Selbstkritik hochkommt und dadurch bleibt einer, wie er ist, verändert sich nicht. Da müssen vielleicht ernsthafte Dinge geschehen, die ihn emotional aus der Bahn werfen, aber vorher passiert da nichts. Narzissten dieser Art sind keine Monster, aber man sollte sich von ihnen fern halten, auch wenn es der eigene Vater ist, weil sie einen ständig frustrieren, runterziehen und KEINE Liebe geben können UND was am schmerzlichsten ist: KEINE Liebe annehmen können. Kinder besitzen nichts. Das einzige, was sie ihren Eltern geben können, ist Liebe. Und wenn die nicht gewollt ist, wird das Kind bis ins Mark verletzt und seine ganze Existenz in Frage gestellt ! Labile oder hypersensible Menschen werden später Probleme haben und sicherlich oft über Selbstmord nachdenken. Also sollte man solche Narzissten meiden, wo und wann immer es geht ! Sie sind Rasierklingen „in der Spielzeugkiste des Lebens“.

    • Lise1 sagt:

      „er kennt es nicht besser“ ist doch eine subtile Verachtung, du stellst dich über ihn.

      OK, es ist also gegenseitig. Einer nicht besser oder schlechter als der andere.

      Was ist mit dem Helfersyndrom? Bekommst du die erhoffte Zuwendung von irgendwo?

      Warum musst du ihn um Geld bitten? Er spendet damit indirekt und ungefragt an die Wohltätigkeitsvereine. Du bist doch erwachsen und machst dich abhängig mit dem um-Geld-bitten und wunderst dich dann, dass er nicht mit dir auf einer Linie ist. Mit erbetteltem Geld von den Eltern ist gut spenden und helfen. Ist das wirklich gut? Auf wessen Kosten gibst du ein gutes Bild ab?

  4. Mascha sagt:

    Ich stimme Elisabeth sehr zu!! Es macht mich so fertig, dass das Spiel was diese Menschen spielen, für Außenstehende nicht sichtbar ist! Ich habe soviel Gerichtsprozesse verloren, weil man mir nicht geglaubt hat, weil man ja immer mit Verständnis für beide Seiten an die Sache gehen wollte, nur wurde meine Seite von ihm total verfälscht! Das hat er geschafft und würde es im Zweifel immer wieder schaffen!
    Ja, auch der private Umkreis und Freunde durchschauen das oft nicht! Es tut so weh wenn man eh schon alles verloren hat! Der Narzist will zerstören! Ich lebe seit 6 Jahren die meiste Zeit ohne meine 3 Kinder, nur aller 14 Tage am Wochenende . Der Älteste ist jetzt 9. Klasse. Ich habe immer wieder Phasen wo ich das eigentlich nicht aushalte, weil mir meinen Kinder so fehlen! Und weil er diese Tatsachen mit so niederen Mitteln geschaffen hat. Dazu zahle ich kräftig Unterhalt obwohl er mindestens das Doppelte von mir verdient.
    Ich kann wenig Verständnis für ihn aufbringen, ich sehe immer nur wie er sich sein Leben bequem gestaltet. Ich habe dazu einen sehr hohen Aufwand die Kinder zu holen und zu bringen. Und ich leide darunter und die Kinder eigentlich auch, viele Alltagsdinge sind nicht im Sinne der Kinder, sonder dienen nur seiner Bequemlichkeit.
    Da die Lage für mich auch immer so angespannt ist, er sitzt halt immer am längeren Hebel……. fällt es mir sehr schwer, ich weiß nicht wie,ich Verständnis für ihn aufzubringen, weil ich selbst kaum über die Runden komme mit der ganzen Situation.
    Mir kann ich das verzeihen, aber ihm? Das ist viel schwieriger weil, wie gesagt, die Qual ja immer noch anhält, durch die Kinder und ich habe einen Ehevertrag unterschrieben wo ich ihm wahrscheinlich noch Rente zahlen muss. Wenn ich mich damit vorübergehend abfinden kann, drücken doch die traumatischen Erinnerungen, seine psychischen Spielchen , bei denen man nur verlieren kann, egal was man tut!
    Und wie gesagt, daß es häufig nicht gesehen wird vom Umfeld!
    Ich sehne mich nach ein bisschen Trost und Annerkennung für das was ich über Jahre jetzt schon aushalte! Ich schreib das hier einfach mal so ehrlich, meine Kräfte sind auch endlich und allein diese immmer wiederkehrend Traurigkeit kostet so viel Kraft und Lebensfreude!
    Ich war letzte Woche erst beim Psychater, weil ich Nachts so schlecht schlafe gerade wieder. Und er meinte ich sollte meine Ellebogen mehr einsetzten. Natürlich kann man in 20 Minuten Gespräch ( das ist ja schon viel) nicht die ganze Situation vermitteln. Oder sie ist nicht zu vermitteln weil Leute die es nicht selbst erlebt haben ( das zerstörerische Handel eines Narzissten) sich das wirklich nicht vorstellen können.
    Ich habe auch den Eindruck das einem da kein Tipp mehr helfen kann, aber gerade diese dann erlebt Hilflosigkeit macht mich so fertig.
    Es ist nicht eine Arbeitstelle die ich kündigen kann ( und auch das geht ja nicht immer ) es sind meine Kinder! Und die sind noch in einem Alter ( und vor 6 Jahren erst recht) wo sie ihre Mutter brauchen! Und abgesehen davon brauch ich sie auch, diese 6 Jahre haben so gezehrt an mir, eigentlich dachte ich es wird leichter mit der Zeit….fühlt sich gerade gar nicht so an..
    So nun hab ich alles abgeladen, vielleicht fällt einem Leidensgenossen/ in was dazu ein…
    VLG

    • Barbara sagt:

      Mir kommt deine Geschichte sehr bekannt vor, habe sehr Ähnliches erlebt. Ich hab gebetet und zu Gott geschrien und – Antwort erhalten! Ich „hörte“ „Lass los und vertraue“ und ich „sah“ 3 Personen je in einer Lichtsäule stehen (meine 2 Kinder, die damals beim Vater wohnten, und mich). Nach heftiger Schlammschlacht hat sich – unter hartnäckigem Beibehalten von Glauben, Beten und Vertrauen auch wenn mir oft genug nicht danach war – alles nach und nach (über Jahre) zum Guten gewendet, und zwar in vielen Punkten. Lies in der Bibel, bete und bleib dran – und du wirst Antworten und Lösungen erhalten, auf die du anders nie gekommen wärst. Du wirst auch Kraft und Trost erhalten. Und Wegweisung. Probiers einfach, es kostet dich weder Geld noch sonstwas und wird dir einfach nur gut tun. Und garantiert niemals schaden. LG

      • S. B. sagt:

        Das habe ich auch gemacht, doch er hat gerade meine Hoffnung, Glaub, Liebe und Treue so ausgenutzt, dass ich so vom Glauben weg gelaufen bin… aber du hast recht, dort ist Hilfe und ich fange wieder etwas an zu Singen… etwas…. Er kam aus einer fundamentalistischen Adventgemeinde … vorsicht!!!!! und wird dort auch noch “ gefüttert“und es wird geschwiegen über was er tut!!, damit sie ihn evangelisieren und retten können… und ich werde als schlechte Kreatur und Hure und Ehebrecherin bezeichnet … das ist gemeine und falsche Liebe! Und 10 Jahre unterschwelige Gehirnwäsche… und er wäscht sich rein und taüscht sie und schmarotzert bei ihnen!!

    • Anett sagt:

      Liebe Mascha, ich kann sehr gut verstehen, was du meinst. Durch dieses „Tal der Tränen“ bin ich auch gegangen, diese Hilflosigkeit habe ich auch erlebt. Meine Kinder habe ich noch seltener gesehen als du, mit zunehmenden Alter haben sie sich aber ihre ganz eigene Meinung dazu gebildet, den Lügen und Verdrehungen des Vaters nicht mehr bedingungslos geglaubt und inzwischen selbst erkannt, wie schön er sich alles zurecht gebogen und sich damit saniert hat, indem er bei anderen absaugt, was nur geht.
      Unterhaltzahlungen, übertragene Rentenpunkte, der Verlust des Anteils am Haus, was mal die Bleibe im Alter sein sollte, die Fahrtkosten und der Aufwand, den ich betreiben musste, um meine Kinder zu sehen, das vorausgegangene Gezerre vorm Jugendamt und Gericht, die permanente Vorspiegelung falscher Tatsachen … hat auch unendlich an meinen Nerven gezerrt. Vor allem durch dieses Forum habe ich erstmals wirklich Klarsicht bekommen, was überhaupt gespielt wird.
      Meine Kinder sind nun alle volljährig und jeweils sofort nach dem Abi beim Vater ausgezogen. Wir sehen uns, so oft es geht, unser Verhältnis ist wunderbar und (fast) ungestört, wir schauen nach vorn. Der Vater muss sich nun andere Quellen suchen. Was geschehen ist, kann man nicht mehr ändern, Angriffe prallen inzwischen an mir ab, ich muss keine Rücksicht mehr auf die Kinder nehmen.
      Ich hoffe so sehr für dich, dass du auch bald an diesen Punkt gelangst und wünsche dir viel Kraft.

  5. Angelika sagt:

    Ja, da ist viel Wahrheit in den Zeilen. Eines ist aber auch wahr, um ein Beispiel zu nennen:
    „Viele Lehrer haben einen Vollbart, aber nicht jeder, der einen Vollbart hat, ist ein Lehrer“

    Nicht jeder, der Karriere macht, ist ein Narzisst.
    Denn es gibt Berufene. Wenn die den richtigen Job haben, sind sie so gut, dass sie „automatisch“ erfolgreich werden. Aber man merkt auch schnell, ob sie menschlich geblieben sind oder angehoben haben.
    Und manche müssen auch einfach nach den gutbezahlten Jobs streben, weil sie Ziele haben, die viel Geld kosten oder gar Schulden haben, die sie schnell abbezahlen wollen.

    Aber tendentiell ist es schon so, dass wir es oftmals mit Chefs zu tun haben, die Narzissten sind und keinerlei Sozialkompetenz. Mögen sie auch in Ihrem Fach viel wissen, mit Menschen können sie nicht korrekt umgehen. Ein steter Wechsel ist dann die Folge. Leider spülen die Arbeitsämter und Bundesagenturen solchen Firmen immer wieder neue Leute zu, die dann dort verheizt werden oder ins Burn Out getrieben werden. Ich habe das mehrfach erlebt.
    Deshalb habe ich mich selbständig gemacht. Ich will nicht mehr einem dummen Boss die Taschen füllen und ihm meine unwiederbringliche Lebenszeit für ein paar Groschen verkaufen.

  6. Elisabeth sagt:

    Hallo Ihr Lieben
    Ich danke für die präzise liebevolle Aufklärung und bin froh, all dies hier lesen zu dürfen. Da die Menschen im Umfeld und auch Freunde nicht erleben und sehen, was passiert, weil Narzissten die besten Schauspieler sind, fehlt oft jeglches Verständns für uns. Nein, es geht nicht um normale „Beziehungsprobleme“ und wir übertreiben nicht, es geht um die pure Existenz, Innerlich gebrochen gespalten und zerstört zu werden, so wie es diesen gefühllosen Menschen selbst geschah. Denn wenn du ein gefühlvoller Mensch bist, empfindet der Narzist neben dir seine Schwäche. Da er nicht mit seinen Gefühlen, seinen inneren Schmerzen, seinem verletzten inneren Kind in Kontakt kommen möchte, wird er subsessive mit allen Mitteln auf allen Wegen versuchen dich zu zerstören nd zu brechen. Er findet deinen Schwachpunkt wo Du am verletzbarsten bist wenn ihm dies nicht gelingt, wühlt er tiefer um den dir den Kick zu geben der dich bricht. Gelngt es ihm nicht dich zu brechenn wird er dich ignorieren und kalt stellen. Für ihn fühlt es sich wahrscheinlich an, wie berechtigte Notwehr. Er hasst dieses flackernde Gefühl denn dies ist auch der Moment wo du erkennen kannst wer er wirklich ist, ein zutiefst verletzter Mensch mit der Entschlossenheit im Grauen Gesicht.
    Ohne Sich Kompetente Hilfe zu suchen, kommt er da nicht raus und das Schauspiel geht weiter.
    Ich wünsche allen Menschen mit grossen LiebevollenHerzen, die Stärke diesen Menschen zu zeigen, dass Sie mit dem Theater nicht ankommen. Bitte zelebriert wahre Liebe Mit und zu Euch selbst und seid gut und liebe voll mit Euch. Verzeihen wir uns dass wir hereingefallen sind und geben wir uns einen liebevollen Platz auf unserer eigenen Lebensbühne. Angezogen haben wir so einen Narzissten in unser Leben nur damit. wir lernen emphatisch mit uns selbst umzugehen und unseren Wert zu Schützen.Liebevolle sonnige Grüsse von Elisabeth

  7. Christa Bartels sagt:

    Ich befinde mich seit fast 50 Jahren in dieser Hölle.
    Aber jetzt erst hat das Unglück einen Namen.
    Narzissmus.

    Hoffentlich noch rechtzeitig lerne ich damit umzugehen und
    finde einen Weg in Gelassenheit.

  8. Heidi Ruske sagt:

    Guten Tag Herr Grüttefien,

    die Newsletter helfen mir sehr, wenigstens zu annähernd zu verstehen wie mein Partner tickt. Seit dem ich überhaupt weiß, was das für eine Störung ist geht es mir viel besser. Bloß gut, habe ich von Anfang an Grenzen aufgezeigt. Ich bin ihm nicht hörig – mache mein Ding. Was mir noch so auffällt:

    Kälte: ich friere bei ihm einfach viel früher, es ist ein Mix aus Heizkosten sparen und emotionaler Kälte, wenn ich viel Kraft und eigentlich innerlich platzen könnte, dann bibbere ich regelrecht automatisch – Dann hilft nur noch ein heißes Bad.

    Auch die Pflanzen im Garten wachsen viel schlechter als bei den Nachbarn. Dabei kenne ich mich aus und habe Gärtenerfahrung. Als ob die Pflanzen die negative Energie spüren. Auch die Hunde und Katzen aus der Nachbarschaft machen um ihn einen großen Bogen- zu mir kommen sie gern.

    Wenn Sie noch neue Themen brauchen – fragen Sie einfach.

    Umstrukturierung / Aufräumen ist auch so ein Thema für sich.

  9. Elena sagt:

    ja stimmt so, in dem Fall meines Exfreundes haargenau.
    Mit der Pensionierung und Krebserkrankung, wurde es ganz eng…
    Jetzt passen seine Ehefrau, bach 15 Jahre Trennung, als ob nichts wäre, und die drei Söhne gerne auf ihn auf. Ich bin aus der nummer raus, Verlustgefühl ist trotz dem da.

  10. Lili sagt:

    Präzise auf den Punkt gebracht. Ihren Beitrag sollte jeder lesen, denn dies ist die Welt, in der wir leben. Besten Dank, Herr Grüttefien.

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