Narzissten in Führungspositionen

Narzissten in Führungspositionen ausgestattet mit uneingeschränkter Macht können eine tickende Zeitbombe für ein Unternehmen sein. Aufgrund ihrer Überheblichkeit neigen sie dazu, unnötige Risiken einzugehen. Dabei geht es ihnen nicht um das Unternehmen, auch wenn sie es nach außen vorzugeben versuchen. Es geht ihnen in erster Linie um ihre eigene Macht, ihr eigenes Ansehen und ihr eigenes Wohlergehen. Narzissten sind nicht für das Unternehmen da, sondern das Unternehmen hat für ihre Bedürfnisse da zu sein.

Auch der Mächtigste strauchelt irgendwann, wenn er die ihm gesetzten Grenzen überschreitet.     –    C.C. Bergius

Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstruktur bringen optimale Eigenschaften mit, die für die Ausübung einer Führungspositionen unerlässlich sind und die es ihnen ermöglichen, in einem Unternehmen die Karriereleiter schnell nach oben zu klettern. Sie sind extrem ehrgeizig und leistungsorientiert, willensstark und widerstandsfähig. Für den Erfolg tun sie alles. Dabei sind sie kommunikativ und redegewandt, intelligent und schlagfertig, überzeugend und begeisterungsfähig. Sie können sich perfekt inszenieren und andere Menschen gekonnt von sich beeindrucken. Sie haben ein selbstsicheres Auftreten, scheinen in jeder Situation zu wissen, was das richtig ist und ahnen instinktiv, was andere von ihnen erwarten und was sie anderen geben müssen.

Narzissten sehen in der Bewältigung von Herausforderungen und riskanten Unternehmungen vor allem die Möglichkeit, sich hervorzutun und vor anderen zu glänzen, um deren Bewunderung zu bekommen. Sie haben von vornherein weniger Angst vor Fehlern und machen sich weniger Gedanken über die Folgen eines möglichen Scheiterns. Sie sind einfach von sich überzeugt und strotzen geradezu vor Selbstbewusstsein. Deshalb gehen sie entschlossen voran und haben niemals Zweifel an ihrer Meinung und an ihren Entscheidungen.

Das heißt aber nicht, dass sie deswegen talentierter oder besser sind als die Kollegen. Sie können eben lauter und schriller „klappern“, fallen daher schneller auf und erscheinen auf diese Weise wichtiger und kompetenter als sie in Wirklichkeit sind. Die Folge ist meist, das andere aufgrund der überzeugenden Ausstrahlung des Narzissten zurücktreten und diesem bereitwillig das Feld überlassen, weil sie glauben, dass er es besser könnte als sie. Der Narzisst übernimmt gerne schwierige Aufgaben oder hohe Ämter – jedoch weniger aus Verantwortungsbewusstsein, sondern eher, weil er sich geschmeichelt fühlt und sich dadurch großartig fühlen kann.

Der Narzisst hat kein Einfühlungsvermögen

Im Kampf um Macht und Unabhängigkeit gehen Narzissten wenig zimperlich mit ihren Mitmenschen um. Wenn es um ihren persönlichen Vorteil, ihre Karriere, ihr Image und dem Ausbau ihres Einflusses geht, können sie extrem rücksichtslos und kaltherzig vorgehen – auch wenn sie sich vordergründig vielleicht charmant und hilfsbereit zeigen. Mitarbeiter sind für sie nur Hilfsobjekte, die für ihre ehrgeizigen Ziele eingespannt werden. Sie sind für sie lediglich ein seelenloser Kostenfaktor, der einen größtmöglichen Nutzen einfahren muss. Da Narzissten einen großen emotionalen Abstand zu ihren Mitmenschen pflegen, können Sie so gewissenlos gegenüber Mitarbeiter agieren und diese wie Figuren auf einem Schachfeld hin und her schieben.

Sollten Narzissten selbst noch einen Vorgesetzten haben oder an einen Vorstand oder Aufsichtsrat berichten, dann werden sie sich dort stets von ihrer allerbesten Seite präsentieren. Sie werden es ihrem Vorgesetzten in jeglicher Hinsicht versuchen, Recht zu machen, indem sie sich als unkomplizierter, lösungsorientierter und emphatischer Mitarbeiter zeigen, der die gewünschten Vorgaben in Rekordzeit erreichen kann. Dabei geben sich Narzissten sehr viel Mühe dabei, die Wahl ihrer wahren Mittel sorgfältig zu verbergen und es so aussehen zu lassen, als könne sie geradezu Wunder vollbringen.

Haben Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstruktur hingegen einen Vorgesetzten, den sie als schwach ansehen, werden sie versuchen, diesen ohne Skrupel auszustechen und vom Stuhl zu stoßen. Das wollen sie zwar im ersten Fall auch, nur merken sie hier, dass sie sich diplomatischer verhalten müssen, weil sie es mit einer höheren und gefestigten Autorität zu tun haben, die sich nicht scheuen wird, den Narzissten im Falle eines Scheitern vom Amt zu entheben. Erfolgreiche Narzissten streben immer danach, der erste Mann im Staat zu sein – und wenn sie dieses Ziel nicht erreichen, dann entwerten sie ihre Vorgesetzen hinter deren Rücken und protzen vor jedem damit, dass sie es besser machen könnten.

Die Mitarbeiter leben unter Daueranspannung

Nach unten aber wird getreten, was das Zeug hält. Bei Vorgesetzten mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstruktur muss man immer davon ausgehen, dass sie ihre Mitarbeiter unmittelbar kritisieren und zurechtgewiesen, wenn sie auch nur die kleinsten Fehler machen und nicht in ihrem Sinne funktionieren. Da ein Narzisst ausschließlich Perfektion erwartet und Toleranz nicht gewähren kann, muss man davon ausgehen – da Fehler nun einmal im Leben unvermeidlich sind -, dass Mitarbeiter mit unentwegt harter Kritik, unnötigen Beleidigungen, überzogenen Belehrungen, massiven Druck und im schlimmsten Fall mit Bestrafungen (z. B. Versetzungen oder Kündigungen) rechnen müssen.

Damit der Erfolg sichergestellt ist, müssen sich Narzissten überall einmischen und alles haarklein kontrollieren – denn schließlich steht ihr persönliches Ansehen auf dem Spiel. Daher gewähren sie ihren Mitarbeitern so gut wie keinen Freiraum zur eigenen Entfaltung. Autonomes Vorgehen und selbstständige Entscheidungen werden nicht geduldet. Stattdessen wird in einem Firmenhandbuch jeder Handgriff genauestens geregelt. Sind situativ Abweichungen von den Richtlinien notwendig oder sogar sinnvoll, müssen Mitarbeiter damit rechnen, vor der gesamten Belegschaft bloßgestellt zu werden, indem man ihnen vorwirft, durch eigenmächtiges Verhalten das Unternehmen zu gefährden. So werden aus qualifizierten Fachleuten unmündige Mitarbeiter gemacht, die dann entweder wie Roboter funktionieren und das Denken verlernen oder früher oder später das Unternehmen verlassen.

Mitarbeiter von narzisstischen Vorgesetzten lernen schnell, das Eigenständigkeit und Kreativität nicht erwünscht sind. Ihr Chef sagt ihnen, wie alles zu laufen hat und von ihnen wird lediglich verlangt, dies umzusetzen. Verhalten sie sich nicht im Sinne des Narzissten oder leisten womöglich Widerstand, müssen sie mit gereizten und destruktiven Reaktionen rechnen. In den meisten Fällen hängt von ihre Bereitschaft zur bedingungslosen Konformität ihr Arbeitsplatz ab. Mitarbeiter von narzisstischen Chefs sind daher häufig wenig motiviert, haben innerlich gekündigt und erledigen ihre Arbeit nur noch stumpf und routinemäßig ohne jegliche Leidenschaft.

Der narzisstische Chef wird auf die Dauer größenwahnsinnig

Wird der Narzisst mit der Zeit immer erfolgreicher und erreicht er alle seine Ziele, konnte er mit seinen herausragenden Leistungen alle anderen übertrumpfen und abhängen und erfährt er von niemanden noch Widerstand, wird seine Rücksichtslosigkeit und Risikobereitschaft immer größer. Er kommt an einen Punkt, an dem er sich für unbesiegbar hält und glaubt, die Allmacht zu besitzen. Konnte er anfänglich seine Mitmenschen durch seine großartigen Visionen mitreißen und begeistern, so entwickelt er später im Rausch eines Größenwahns sonderbare Fiktionen, die sich jeglicher realistischer Grundlagen entziehen.

Da er keinen Widerstand mehr erfährt und die Macht besitzt, jegliche Strategie anzuordnen und durchzusetzen, können die verrückteste Ideen zur Umsetzung gelangen, selbst wenn sie niemals von Erfolg gekrönt sein werden – was unabhängige Experten in der Regel frühzeitig erkennen, auf die allerdings nicht gehört wird. Ein Mensch mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstruktur umgibt sich nicht von sachkundigen Fachleuten, die ihm seine Illusionen aus dem Kopf reden und ihn vor Fehlern schützen, sondern von Angestellten, die ihm nach dem Mund reden und ihn in alles unterstützen, was er fordert. Der Narzisst hat es dann geschafft, den gesunden Menschenverstand seiner Mitmenschen auszuschalten und seine Spinnereien zu verwirklichen.


Veröffentlicht in Beruf und Führung
Ein Kommentar zu “Narzissten in Führungspositionen
  1. Willy Bauhofer sagt:

    Wie wahr.

    Schlimmer noch wenn der Chef, wie in der Schweiz üblich, den obligatorischen Militärdienst absolvieren musste und bis zum Kommandeur befördert wurde. Und dessen schlechten Manieren im Zivilleben ein zu eins übernimmt und im seinem Kompetenzbereich blind anwendet.

    Unten dem Motto:

    „Kommandiere ich und erteile dich Befehl, verlange von dir absoluter Gehorsam, genaue Ausführung, akzeptiere kein Kommentar oder Widerspruch“.

    Zum Beispiel, der Chef weiss auch immer besser und genauer aus seinem Arbeitspult vom Stammhaus das Geschehen in abgelegten Baustellen als seine Mitarbeitern die in Busch oder der Wüste mit technischen und zeitraubende Probleme konfrontiert sind.

    Der Chef glaubt aus der Ferne, die Probleme werden durch seine Befehle und Drohungen von sich selbst in die Luft auflösen.

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