Susannes Tagebuch

Ein Gastbeitrag von Angela Rudloff

Dieses Buch entstand auf Grundlage der hohen Nachfrage zu Susannes Geschichte, die ich auf meiner Website anreiße. Susanne (Name geändert) ist meine Freundin. Einst war sie erfolgreich im Business, wunderschön, aufregend, geistreich, humorvoll und witzig. Sie führte eine harmonische, ruhige langjährige Beziehung und in ihrer Freizeit leitete sie eine Tanzgruppe.

Dann traf sie IHN. Arzt, ebenfalls erfolgreich, mittelmäßig aussehend (für sie war er jedoch göttlich), vermeintlich liebevoll und äußerst charismatisch.

Sie verliebte sich und damit begann sie sich, umfassend zu verändern. Mir fiel anfangs zwar auf, dass diese Euphorie in Richtung dieses Mannes beinahe etwas Krankhaftes an sich hatte, aber noch erkannte ich nicht die Tragweite, die diese Begegnung bald für Susanne haben würde.

In der Folge setzte anstelle der Euphorie eine gewisse Zerstreutheit ein. Sie vergaß Termine, begann ihre Arbeit zu vernachlässigen und ihren Freundeskreis. Man hatte das Gefühl, dass man mit ihr über nichts anderes mehr reden konnte, als über IHN.

Nichts schien sie mehr zu interessieren

Ihre Welt drehte sich nur noch um diesen Mann. Jedes Detail wurde berichtet, jede noch so kleine Lappalie der Zugewandtheit seinerseits an sie wurde aufgebauscht und herausgestellt. Manchmal schien sie mir etwas ver-rückt geworden zu sein, aber ich konnte es nicht in Worte fassen. Noch nicht.

Im Laufe der Zeit wurde Susanne trauriger, irgendwie depressiv. Sie hatte keine Lust mehr, mit uns auszugehen und verließ ihren Mann. Sie sagte, dass ER ihr Seelenverwandter sei und sie den Weg freimachen wolle für ein gemeinsames Leben. Doch dazu kam es nie. In tausenden Gesprächen versuchte sie mir (im Grunde wohl sich selbst) klarzumachen, dass er jetzt noch nicht könnte, weil er dies …, weil er das …. erst noch klären, erledigen, verarbeiten müsse.

Ich zweifelte immer mehr an ihrem Verstand

Bei Widerspruch wurde sie aggressiv oder depressiv. Man kam an sie einfach nicht mehr heran. Ich machte mir große Sorgen, denn nun begann sie, sich zu vernachlässigen, wenn ER, wie immer, seine Wochenenden mit wem auch immer verbrachte. Ihr ganzer Lebensinhalt schien nur noch darin zu bestehen, ihr Handy mit Argusaugen zu beobachten, dass sie bloß keinen Anruf, keine Nachricht von IHM verpasste. Diese Verbindung wurde für sie zunehmend anstrengender, aber je mehr sie litt, umso mehr hielt sie daran fest.

Für mich ergab das keinen Sinn. Ich fühlte mich hilflos und wütend. Einer Eingebung folgend kramte ich meine alten Polizeiunterlagen heraus. Irgendwie taten sich hier Parallelen auf zu früheren Kriminalfällen, die ich bearbeitet hatte. Frauen, die wie besessen an ihren Männern hingen, die sie misshandelten und vergewaltigten. Der Begriff NARZISSMUS sprang mich an und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Susanne hatte zwar keine blaues Auge, aber ihre Seele schien eingefroren. Alles Leben war aus ihr gewichen. Sie war wie lebendig begraben. Abgemagert, eingefallen und inzwischen suizidal.

Von da an laß ich, was ich in die Finger kriegen konnte. Dabei stieß ich auf die Seite von Sven Grüttefien: Umgang-mit-Narzissen.de. Mit Engelszungen redete ich auf Susannes ein, schickte ihr die Links zu dem Thema und drängte, sich zu informieren. Vor meinen Augen hatte sie sich inzwischen fast in Luft aufgelöst.

Irgendwann begann sie zu lesen und noch viel später zu verstehen. Es hat Jahre gedauert, bis sie sich von dem Schock, dass sie eine Illusion geliebt hat, dass sie sich so derart verraten und verkauft hat, dass für sie nichts mehr gezählt hatte – außer ER – erholt hat.

Es geht ihr heute besser, manchmal sogar schon wieder gut, doch sie ist verändert. Sie sagt oft, dass sie im Kern der Seele erschüttert ist und dass sie weiter an sich arbeiten will, um endlich bei sich anzukommen.

Den Kontakt zu IHM konnte sie lange nicht ganz abbrechen, zu groß war das Gefühl, daran zu sterben. Inzwischen jedoch ist sie „clean“, seit 1,5 Jahren hat sie keinen Kontakt mehr und langsam findet sie sich im Leben wieder zurecht.

Sie hat mir ihr Tagebuch zur Verfügung gestellt, um andere an ihrer Geschichte teilhaben zu lassen, um aufzuzeigen, dass es von existenzieller Wichtigkeit ist, in der Bewusstheit zu leben, immer bei sich zu bleiben, auf das Bauchgefühl zu hören und sich nicht selbst zu verraten.

Passen Sie gut auf sich auf!

Angela Rudloff


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Veröffentlicht in Blog, Erfahrungsberichte
10 Kommentare zu “Susannes Tagebuch
  1. Lilli sagt:

    Angela,
    ich hatte mich auch durch narzisstische Partner verloren.
    Ich überschätzte bei ihnen, was ich bei mir selbst vernachlässigt hatte.
    Ich denke, dass dies das Grundproblem ist, wenn man auf einen Narzissten mit Vollgas anspringt.

    • Lilli sagt:

      … und auch noch ‚freiwillig‘ in seine so gut vorgeführte unwahrscheinliche Seifenkiste umsteigt.
      Aussteigen und mit dem echten Auto wieder selber fahren.

      • Lilli sagt:

        … ich bin bei zwei Partnern mit natzissmusgestörten Verhaltensweisen lange in der sozusagen Seifenkiste, nachdem die Showattrappe abgefallen war, mitgefahren.
        Um wieder mit dem echten Auto selber zu fahren, musste ich erkennen, was Narzissmusstörung und Co- Abhängigkeit ist, und verschmerzen, dass dies seit meiner Mutter mein Leben mitbestimmt hat.
        Allen alles Gute !

  2. Natalia sagt:

    Das könnte meine Geschichte sein. Sehr gut auf den Punkt gebracht.
    Sehr gut formuliert wie sich ein Mensch der in so einer Beziehung steckt verändert und zu einem Häufchen Elend wird.
    Und trotzdem vor lauter Liebe oder viel mehr emotionaler Abhängigkeit kaum noch schafft sich herauszulösen.
    Ich habe es mit letzter Kraft geschafft, weil ich angefangen habe die Prozesse und Dynamiken die von seiner( meiner Seite) dahinter stecken zu verstehen . Die Seiten von Sven und Angela haben mir sehr geholfen.
    Schlimme Narben sind auch bei mir geblieben. Mehr als 1 Jahr nach der Trennung von ihm bin ich noch in Psychologischer Behandlung um das Trauma zu bewältigen. Das “ clean“ werden dauert lange! Ich erlebe immer noch Momente wo ich mich als extrem rückfallgefährdet bezeichnen muss.
    Es ist und war wie eine Drogensucht, man weiss dieser Mensch schadet einem massiv aber man kommt nicht von ihm los.
    Ich bin nicht mehr die, die ich vorher war. Das ganze hat so unglaublich viel mit mir gemacht.

  3. Leonie sagt:

    Das Buch ist von einer nicht Fachkundigen verfasst. Sie beschreibt die Beziehungskatastrophe einer Freundin, ist nicht mal selbst Betroffene. Alles ist so allgemein gehalten, dass es auf alles und jeden zutrifft, so wie die Horoskope in der Astrowoche.
    An welche Zielgruppe richten sich solche „Werke“? Man beachte auch den überaus anpruchslosen Schreibstil.

    • Klarsicht sagt:

      @Leonie
      Das Buch sei nicht von einer Fachkundigen verfasst? Sie beschreibe so allgemein und sei nicht mal selbst Betroffene? Woher willst Du das wissen, Leonie, ob sie nicht auch selbst Betroffene ist (war)? Und zum allgemeinen Schreibstil… Schau Dir Angela Rudloff doch einmal bei Youtube an, kaum woanders erhält ein Hilfe-Suchender einer tox. Beziehung so viele und gute Inputs, so gute Erklärungen wie bei ihr! Und gerade ihre klare und gut gewählte Wortwahl bewundere ich immer wieder!
      Und damit wäre auch gerade Deine Frage beantwortet, an welche Zielgruppe sich solche Werke richten. Sie richten sich an Hilfe Suchende. Personen, die in und nach tox. Beziehungen Hilfe suchen. Und wenn Du keine Hilfe suchst, dann frage ich mich, was Du hier in einem solchen Forum suchst und Leute die soviel investieren wie Angela Rudloff auch noch kritisierst?

    • Lise1 sagt:

      Leonie, bei ihrer Arbeit bei der Kripo kam sie mit Narzissmus in Kontakt. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie so einige Auswüchse beobachten konnte und auch was die Opfer erlebten, ohne dass ihnen wirksam geholfen werden konnte von den Behörden.

  4. Cordula sagt:

    Die Susanne in Frau Rudloffs Geschichte könnte auch ich sein – nur, dass ich meinen Mann dann doch nicht verlassen habe, irgend etwas sagte mir, dass mein vermeintlicher „Seelenverwandter“ etwas an sich hat, was nicht stimmt, nicht ehrlich, nicht echt ist. Ich habe es immer irgendwie wie eine Glasscheibe zwischen uns wahrgenommen. Es war wohl Rettung in allerletzter Sekunde, aber trotzdem hat es zwei Jahre lang gedauert, bis ich aus der Geschichte heraus war. Aber ein Riss in meiner Seele ist geblieben, verheilt mittlerweile, aber eine grobe Narbe wird für immer bleiben.
    Gibt es Susannes Geschichte irgendwo genauer zu lesen?

    • Nele sagt:

      Wie willst du denn drüber weg kommen, wenn du dich wieder und wieder mit der selben Geschichte befasst???

      • Lise1 sagt:

        Cordula, die Narbe muss nicht grob bleiben, es gibt Hilfe, dass sie zumindest ganz klein wird und als Bestandteil eines bunten Lebens , mit „Auf“s und „Ab“s angesehen werden kann. Seelenverwandte gibt es nicht, aber Einige können einen glauben machen, dass man doch auf so einen gestoßen ist. Illusion.

        Nimm dir alle Zeit der Welt, dich damit zu befassen, aber parallel dazu genau so viel Zeit, dein neues Leben aufzubauen, ohne ein Opfer zu sein

        Viel Gutes auf dem Weg dahin!

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