Der vulnerable Narzissmus

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Claas-Hinrich Lammers

Prof. Dr. Claas-Hinrich Lammers ist Psychiater und Psychotherapeut und in der Asklepois Klinik Nord in Ochsenzoll (Hamburg-Langenhorn) als ärztlicher Direktor der psychiatrischen Kliniken und Chefarzt der Klinik für Psychiatrie tätig. Prof. Lammers hat sich auf das Forschungsgebiet der Persönlichkeitsstörungen spezialisiert und zu diesem Thema viele Publikationen veröffentlicht, u.a. auch zum Thema Narzissmus.

Wenn man von Narzissmus spricht, dann ist in der Regel die sogenannte grandiose Form des Narzissmus gemeint, für welche die Einstellung „Ich bin der Größte und alle sollen das sehen!“ bezeichnend ist. Menschen mit grandiosen narzisstischen Eigenschaften zeichnen sich durch Verhaltensweisen wie Extravertiertheit, Anspruchshaltung, Selbstidealisierung und -darstellung, Suche nach Aufmerksamkeit und Bewunderung sowie Empathiearmut aus. Sie sehen sich als den Mittelpunkt der Welt und lassen genau dies auch ihre Umwelt spüren.

Diese Ausstrahlung verfehlt in der Regel nicht ihre Wirkung auf die anderen Menschen. Während man anfänglich vielleicht noch Interesse oder sogar Bewunderung für diese Menschen spürt, fühlt man sich alsbald aber von ihnen dominiert, ignoriert, missachtet oder sogar ausgenutzt. Wehrt man sich dann gegen sie in Form von Kritik, dann prallt diese entweder an ihnen ab oder sie holen gekränkt zum Gegenangriff aus. Viele dieser narzisstischen Menschen sind mehr ein Problem für ihre Umwelt als für sich selbst und nur wenige von ihnen finden den Weg in die Psychotherapie.

Der vulnerable Narzissmus – häufig übersehen, aber problematischer als der grandiose Narzissmus

Doch es gibt eine ganz andere, häufig unbekannte Form des Narzissmus, welche man als vulnerablen (oder auch verdeckten) Narzissmus bezeichnet. So paradox dies klingen mag, aber Menschen mit dieser Form des Narzissmus erscheinen auf dem ersten Blick eher schüchtern, gehemmt und alles andere als selbstidealisierend, arrogant oder dominant. Nicht selten werden sie deswegen sogar als sozialphobisch oder gar depressiv diagnostiziert, wenn sie sich bei einem Psychotherapeuten vorstellen.

Doch je näher man sie kennenlernt – als Partnerin, Freund, Kollege oder Psychotherapeut -, desto mehr wird man mit einer ganz anderen Seite ihrer Persönlichkeit konfrontiert. Auf einmal entdeckt man bei diesen Menschen Größenideen (häufig kombiniert mit Klagen darüber, von anderen Menschen verkannt zu sein), eine Anspruchshaltung mit ausgeprägter Empathiearmut, ein eher kühle und distanziert Haltung gegenüber anderen Menschen, die häufig von Konkurrenz und Neid geprägt ist, und eine deutliche Kränkbarkeit bei Kritik.

Letzteres tritt bei ihnen viel häufiger als bei grandiosen narzisstischen Menschen auf. Menschen mit dieser Form des Narzissmus sind leicht verletzbar, woraus sich der Begriff des vulnerablen Narzissmus erklärt. Dieser wird auch verdeckter Narzissmus genannt, da die Betroffenen auf den ersten Blick keinen narzisstischen Eindruck machen.

Warum sind diese Menschen trotz ihrer narzisstischen Eigenschaften so verletzbar?

Warum können sie Kritik nicht wie andere narzisstische Menschen eher an sich abprallen lassen? Dies rührt daher, dass ihr inneres Erleben vielmehr als bei den grandiosen narzisstischen Menschen trotz der Überzeugung, anders und besser als die anderen Menschen zu sein, von Angst- und Schamgefühlen gekennzeichnet ist. Folglich trauen sie sich schlichtweg nicht, ihre Größenideen und ihre Anspruchshaltung wie die grandiosen narzisstischen Menschen nach außen zu tragen. Viel zu groß ist ihre Angst vor Kritik und damit Beschämung, während die grandiosen narzisstischen Menschen hier ein deutlich dickeres Fell haben. Vulnerable narzisstische Menschen sind extrem dünnhäutig, so dünnhäutig, dass sie beständig auf der Hut sind, sich durch allzu offensichtliche narzisstische Verhaltensweisen in eine Situation zu manövrieren, in welcher ihre Schamgefühle durch Kritik und Ablehnung verstärkt werden könnten.

Es gibt die Auffassung, dass der vulnerable Narzissmus eher die weibliche Form des Narzissmus sei; zumal man weiß, dass der grandiose Narzissmus häufiger bei Männern als bei Frauen vorkommt. Diese Idee lässt sich sicherlich im klinischen Alltag anhand von bestimmten Patientinnen (z. B. mit einer Essstörung) nachvollziehen, wird aber durch Studien derzeit nicht belegt. Als Psychotherapeut bzw. Psychiater sieht man im klinischen Alltag deutlich mehr Patienten vom vulnerablen Typ als vom grandiosen. Das ist darauf zurückzuführen, dass vulnerable narzisstische Menschen deutlich instabiler und verletzbarer sind und häufiger Suizidgedanken und andere psychische Störungen (u.a. Depression, Angststörungen) haben, welche nicht zuletzt durch ihre ständige Anspannung befördert werden.

Ein Fallbeispiel für den vulnerablen Narzissmus

Zu Beginn einer Therapie werden sie eher als depressiv oder selbstunsicher eingeschätzt und erst bei einem näheren Kennenlernen kommt die narzisstische Seite zum Vorschein. So z. B. bei der 43-jährigen Patienten, die mit einem depressiven Syndrom zur Aufnahme kommt. Sie gibt an, dass sie an dem Mobbing ihrer Arbeitskollegen leiden würde, welches sie seit mehreren Jahren ertragen müsse. Zunächst löst die Patienten viel Mitleid und Mitgefühl bei ihrer Therapeutin und dem Pflegepersonal aus. Doch nach zwei Wochen wandelt sich das Bild auf einmal. Es beginnt damit, dass die Patienten zunehmend mit anderen Patienten in Streit gerät, welche ihr wechselweise zu laut, zu jammerig, zu gestört und zu nervig seien. Auch ihre Therapeutin gewinnt zunehmend einen anderen Eindruck von der Patientin, die nämlich u. a. sehr abwertend über ihre Arbeitskollegen zu sprechen anfängt („Alles Nieten und Idioten!“).

Außerdem tritt ein Konflikt mit ihrem Vorgesetzten zutage, der sie seit geraumer Zeit zu beschäftigen scheint und anhand dessen eine Selbstidealisierung deutlich zu erkennen ist. Dieser sei auch „eine Niete“ und würde merken, dass sie „eigentlich viel besser für die Position geeignet sei!“. Keiner in der Firma würde aber dies so deutlich erkennen, im Gegenteil, alle stünden hinter diesem Vorgesetzten, wahrscheinlich „aus Angst“. Hierüber habe es bereits mehrere Auseinandersetzungen gegeben, was eine Abmahnung wegen ihres aggressiven Auftretens zur Folge hatte. Und auch gegenüber der Therapeutin tritt die Patientin immer kritischer und fordernd auf. Sie bräuchte mehr Einzelgespräche, die Therapeutin sei noch zu jung, um sie verstehen zu können uvm. Bei der Visite beschwert sie sich dann über die „vollkommen unzureichende Therapie auf der Station“ und kurze Zeit später bricht sie die Behandlung dort ab.

Anhand dieses Fallbeispiels lassen sich noch einmal die wesentlichen Charakteristika von Menschen bzw. Patienten mit einem vulnerablen Narzissmus aufführen. Sie erscheinen nach außen zunächst eher zurückhaltend, unsicher und manchmal sogar depressiv. Doch bei näherem Kennenlernen tut sich eine ganz andere Seite auf, nämlich die narzisstische Seite. Wie bereits oben erwähnt sind vulnerable narzisstische Menschen instabiler, kränkbarer und auch suizidgefährdeter als die grandiosen narzisstischen Menschen. Sie haben eben keine grandiose narzisstische Hülle, mit welcher sie sich immer wieder, wenn häufig auch nur kurzfristig, Anerkennung und Bewunderung verschaffen können. Und sie haben auch kein so dickes Fell, wenn es um Auseinandersetzungen und Kritik geht.

Auch der grandiose Narzisst hat eine vulnerable Seite

Aber haben nicht auch die grandiosen narzisstischen Menschen diese vulnerable Seite und sind sie deswegen nicht auch so kränkbar? Nein und ja! Viele Menschen (nicht Patienten!) mit grandiose narzisstischen Eigenschaften haben diese vulnerable Seite nicht, wie wissenschaftliche Untersuchungen ergaben. Sie halten sich wirklich für die Größten, Tollsten und Besten, ohne dass sie dieses Bollwerk an Selbstidealisierung dazu bräuchten, ein vulnerables Selbst dahinter zu verstecken. Deswegen können diese narzisstischen Menschen sehr durchsetzungsfähig und erfolgreich sein.

Doch ab einer gewissen offensichtlichen Ausprägung narzisstischer Eigenschaften, und insbesondere, wenn diese mit spürbaren negativen Folgen für die betreffende Person einhergehen, weisen sie auch ein vulnerables Selbst auf. Dieses verstecken sie eine zeitlang ganz gut hinter ihrer narzisstischen Fassade, doch wenn sie Kritik, Misserfolg oder Zurückweisung erleben, dann kann es auch bei ihnen passieren, dass dies nicht mehr an ihrer Fassade abprallt, sondern ihr vulnerables Selbst getroffen wird. Dann erleben auch sie insbesondere ihre Schamgefühle in quälender Art und Weise, worauf sie dann wieder mit Wut und Hass reagieren; entweder auf sich selbst (Suizidalität) oder andere (aggressive Durchbrüche).

Als Psychiater bzw. Psychotherapeutin wird man am häufigsten auf vulnerable narzisstische Patienten treffen oder Patienten mit einem grandiosen Narzissmus, deren vulnerable Seite stark ausgeprägt ist. Seitens des Therapeuten brauchen sie ein hohes Maß an Empathie und Validierung für ihre vulnerable Seite, damit sie überhaupt Vertrauen entwickeln können. Letztlich wird es in der Therapie im Wesentlichen darum gehen, dass die Patienten ihr vulnerables Selbst in Frage stellen, sich mehr und mehr anderen Menschen (insbesondere ihrem Therapeuten) gegenüber öffnen können, um zu erfahren, dass andere Menschen entgegen ihren Erwartungen und ihrem Gefühl in der Regel nicht abwertend und ablehnend ihnen gegenüber eingestellt sind. Aber bis dahin ist es ein weiter therapeutischer Weg.

Autor

Prof. Dr. Claas-Hinrich Lammers

Prof. Dr. Lammers ist Psychiater und Psychotherapeut und hat seine Forschungsschwerpunkte auf emotionsfokussierte Ansätze in der Psychotherapie sowie die psychotherapeutische Behandlung von Persönlichkeitsstörungen gelegt.

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Veröffentlicht in Blog, Expertenwissen zum Thema Narzissmus, Formen des Narzissmus
50 Kommentare zu “Der vulnerable Narzissmus
  1. Vani sagt:

    Ich leide seit 14 Jahren unter einem verdeckt narzisstischen Familienmitglied. Meistens wird auf sarkastische Art abgewertet und als Humor getarnt. Dies hat immer erst hinterher einen faden Nachgeschmack.
    Bei Besuchen wird zunächst groß aufgefahren mit Spezialitäten, doch sobald dies nicht gelobt, gedankt und anerkannt wird, mutiert der NPS’ler zum Eisklotz. Es wird ignoriert und geschwiegen bis die Stimmung von jedem getrübt ist! Danach folgt monatelanges Ausschweigen.
    Mit einem Familienmitglied wird regelmäßig gestritten, danach kannst du die Uhr stellen. Wut und Frustration werden regelmäßig an der einen Person entladen.

  2. Friedel sagt:

    Insbesondere von diagnostizierten vulnerablen – gerne besonders hervorgehoben „fragilen“ – zerbrechlich – Narzissten, spielen im Außen sehr gerne mit dieser Diagnose. Hinter der Fassage steckt jedoch ein enormes Potenzial an Manipulation, ermattendes Aufmerksamkeitsbedürfnis-/Verlangen. Erschöpfend für das Umfeld. Vulnerable Narzissten verfügen über eine Überzeugungsfähigkeit, um dann ihr Umfeld derart manipulativ zu verdehen. dass dieses am Ende vollkommen erschöpft nur noch „die Flügel“ strecken kann. Allerhöchste Vorsicht ist geboten vor vulnerablen Narzissmus!

    • Lilli sagt:

      Hallo Friedel,
      vor einigen Jahren wollte sich eine neue, bescheiden wirkende Frau in meinem Yogakurs, mit mir privat treffen.
      Dazu fragte sie mich dann nach meinen Wünschen, was wir gemeinsam machen könnten,
      um dann Ihre Vorstellung durchzudrücken mit der jeweiligen Scheinfrage: Ist das ok für Dich?, worauf sie meine Antworten mit anderen Wünschen überhörte,
      ihre Vorstellung wiederholte und betonte, wie schön das wäre.
      Nachdem ich mich dann dreimal angepasst hatte, wurde mir klar,
      mir ehemals Co- Abhängiger,
      dass sie sich für meine Wünsche überhaupt nicht interessierte
      und traf ich mich nicht mehr mit ihr.
      Bald kam sie auch nicht mehr zum Yoga.
      Das war, denke ich nun,
      eine Frau mit verdeckten Narzissmusproblemen.

  3. Lilli sagt:

    Hallo,
    seit meiner Mutter habe ich mit Leuten mit Narzissmusproblemen zu tun.
    Seit ich erkannte, was das ist,
    habe ich die Bücher darüber gewälzt, Videos angeschaut/angehört,
    und, das Beste, Sven Grüttefiens Umgang- mit- Narzissten- Seiten entdeckt,
    mit den auch fachärztlichen, aufschlussreichen, Beiträgen von Dr. Sachse, und nun Dr. Lammers.
    Wie das Überlegenheitsbedürfnis
    der Leute mit Narzissmusproblemen in meiner Verwandtschaft,
    zu Tage tritt,
    ist für mich zweitrangig.
    Die Grandiosität ist als sozusagen Egozentrik,
    schneller erkennbar.
    Mitleidheischen oder falsche Bescheidenheit kommt bei mir betroffener ehemals co-abhängiger Angehöriger,
    auch von Anfang an komisch rüber,
    und weist auf Egozentrik bzw. Überlegenheitsbedürfnis hin.
    In meiner Verwandtschaft sind Leute, die beides haben,
    Grandiosität, und,
    auf Mitleid machen oder falsch bescheiden zu sein,
    wie’s gerade passt.
    Das Hauptmerkmal ist für mich,
    dass Leute mit Narzissmusproblemen nicht zuhören,
    und dies nur zäh lernen.
    Meiner Erfahrung nach,
    ist Anerkennung geben,
    wo immer es geht,
    und, mich deutlich zu Gehör bringen,
    trotz Abwehr, it immer wieder in Distanz gehen,
    erfolgreich.
    Für mich selbst ist,
    zum Ausgleich,
    über Beruf und Hobbys,
    regelmäßiger Umgang mit normalen Leuten wichtig.
    Wenn ich schwächle, brauche ich Ärzte und ‚meine‘ Familenberatungsstelle,
    die ich seit langem
    immer wieder frequentierte.

  4. Katinka sagt:

    Vulnerable Narzisst_innen sind trojanische Pferde. Sie schleichen sich über Mitleid und üble Geschichten aus der Kindheit durch dein Hintertürchen, welches auch die entsprechende Codierung dafür im Lebenslauf mitbekommen hat. Sie geben dir immer gerade so viel, dass du bei der Stange bleibst und noch von der überaus tollen Anfangszeit zehrst. Es gibt immer ein „Irgendwann“ (in das du natürlich dann investierst) und ein Feuerwerk an schönen Worten, die wie Honig sind und unfassbar berauschende Höhenflüge und Verständnis im Gepäck haben. Nur die Einlösung der Versprechungen und Bekundungen, die wird es nie geben. Denn dann müssten sie ja selbst mal investieren, unterstützen, stark sein, etc. Dazu sind sie aber zum einen gar nicht in der Lage und wollen es zum anderen auch gar nicht. Bloß keine Routine, bloß kein Antrag. Immer noch sehnsuchtsvoller, noch grandioser, noch weiter auf der Suche sein. Es gibt immer noch irgendwo „mehr“. Gegen Ende der Beziehung merkt man dann auch, dass die oftmals so grandios zelebrierte Bindung nur Schall und Rauch ist. Ersetzt haben sie dich schnell, meist schon überlappend. An Loyalität und Ehrlichkeit hast du nichts von ihnen zu erwarten und – wenn man ehrlich ist – hat man das vorher auch schon gewusst, da man vielleicht sogar selbst der oder die andere war. Als Krönung bekommt man dann oft die ganze toxische Sauce der Selbstabwertung übergekippt und die Beziehung und man selbst wird kleingeredet und abgewertet. Auf zum nächsten Wirt! Prost!

    • Markus sagt:

      Wunderbar beschrieben. Habe das zweieinhalb Jahre mitgemacht, immer in der Hoffnung, dass sich etwas bessert. Wunderbare Erfahrungen, Gespräche, man denkt, es wächst etwas in der Partnerschaft. Leider war ich so naiv, sämtliche Red Flags wohlwollend zu übersehen. Es muss doch Liebe sein? Falsch gedacht. Ständige Kontaktabbrüche, Silent Treatment, Gaslighting, Wutausbrüche. Man redet es sich schön, ein leeres Glas ist eben nicht halbvoll.
      Mache mir meine Naivität und mein Glaube ans Gute im Menschen jetzt zum Vorwurf.

      Auf der anderen Seite das Wissen, dass diese Menschen letztlich nicht anders können und in ihrem inneren Gefängnis schmoren. Lebenslang.

      Am Ende die kalte Entsorgung, nach Wochen Hoffen und Warten, Raum geben; in der Konsequenz die totale Löschung.

  5. Arianna sagt:

    Ich halte klassische Gesprächstherapie bei narzisstisch Gestörten für sinnlos. Die meisten werden sich nicht in Behandlung begeben außer um Aufmerksamkeit zu bekommen, d.h. sie werden so oder so nicht „gesund“ werden wollen. Ein Fass ohne Boden.
    Es wäre m.E. eher sinnvoll, eine Art Erziehungstherapie anzusetzen, d.h. diesen Menschen Regeln aufzuzeigen und ihnen klar zu machen, dass sie mit ihrer Masche nicht durchkommen. Aber sobald sie wieder irgendwo wittern, dass sie „Verständnis“ bekommen (und nach meiner Erfahrung buhlen sie bei jeder Gelegenheit danach, ob bei Laien oder Experten), werden sie wahrscheinlich in ihre alten Muster zurückfallen. Ein Teufelskreis.
    Eine Persönlichkeitsstörung sitzt sehr, sehr tief. Auch wenn man einen narzisstisch Gestörten zur Einsicht bringen könnte: er müsste dann ja sehen, dass er sein ganzes bisheriges Leben verpfuscht hat mit seiner Einstellung und dass er sich wirklich von Grund auf ändern muss. Wer lässt sich schon darauf ein? Die wenigsten…

    • Das Erlernen sozialer Kompetenzen setzt voraus, dass der Therapeut das Vertrauen des Narzissten gewinnt – wozu eine Gesprächstherapie durchaus sinnvoll sein kann. Wenn der Narzisst zunächst sein Futter (Bewunderung) bekommt, fällt es ihm leichter, zu vertrauen, sich zu öffnen und auch mal andere Standpunkte einzunehmen. Ohne diese vorbereitende Tätigkeit erreichen sie einen Narzissten niemals – aber natürlich wird es auch bei diesem Vorgehen zu Rückfällen kommen, aber seltener, als wenn man ihn nur mit strengen Regeln konfrontiert, ohne zuvor eine vertrauensvolle Basis aufgebaut zu haben.

      • Laila sagt:

        Herr Grüttefien, hat ihr Staubsauger Sie schon jemals erreicht, oder Ihr Auto oder Ihr Schuh, auch nach jahrelanger, „vertrauensvoller“ Zusammenarbeit nicht.. Nein? Warum sollten diese Gegenstände Sie auch erreichen, richtig, Sie benutzen sie, wenn Sie sie brauchen und schmeißen sie weg, wenn es Ihnen passt. Es sind doch NUR Gegenstände… Ja, so wie Sie diese Gegenstände sehen, so sieht ein ECHTER Narzisst die Menschen um sich herum, daher ist es lachhhaft, eine vertrauensvolle Basis schaffen zu wollen, wenn es sich um einen ECHTEN Narzissten handelt. Es wird heute vielen Menschen, die sich schlecht benehmen, Narzissmus angedichtet, diese sind natürlich therapierbar, oder besser… erziehbar… Aber ECHTE Narzissten können nicht anders, so wie Sie nie die Gegenstände um Sie herum als Menschen wahrnehmen werden, egal wieviele Therapien Sie machen, so wird das auch mit echten Narzissten nicht funktionieren. Was die Gesellschaft machen muss, ist, die Menschen darüber frühzeitig aufzuklären, z. Bsp. in den Schulen, dass es solche Menschen gibt, wie man sie erkennt und wie man sich dagegen wehrt, von diesen benutzt, kaputt gemacht und weggeschmissen zu werden. Das ist die einzig sinnvolle Lösung. Davon ist unsere Gesellschaft nur leider meilenweit entfernt und deswegen leben sich echte Narzissten gerade so richtig aus und haben damit soviel Erfolg (aka Geld und Macht), dass viele (normale) Menschen deren Verhalten nachahmen, um auch diesen ach so tollen Erfolg zu haben.

        • Wenn ein „echter“ Narzisst bereit ist, sich in eine Therapie zu begeben, sollte ihm sein Therapeut dann gleich sagen, dass es keinen Zweck hat und die Behandlung verweigern? Würden Sie jede Form von Hilfe für einen „echten“ Narzissten ablehnen?

        • Icke Bins sagt:

          Ja richtig, diese Narzissten sind alle ganz bösartige Menschen. Am besten segregieren in Ghettos oder besser ins Konzentrationslager mit denen (Achtung: Sarkasmus).

          Sag mal, merkst du eigentlich noch irgendwas? Wir reden hier immer noch von Menschen, selbst wenn diese klinische Diagnosekriterien von Narzissmus erfüllen sollten, was übrigens selten der Fall ist bei Menschen denen von Laien, Hobbypsychologinnen und griesgrämigen Hausfrauen Narzissmus unterstellt wird!

    • Laila sagt:

      Hallo Arianna, ich stimme Dir da völlig zu. Die Therapieplätze sollten den Leuten zur Verfügung stehen, die von Narzissten zerstört werden und zwar kostenlos. „Vertrauensvolle Basis“… Mit einem Narzissten… Klar doch. Wenn das gelingt, ist der Patient kein Narzisst, nie gewesen, das war dann eine falsche Diagnose, die heute recht oft gestellt wird, viele Therapeuten haben Narzissmus zu ihrer Lieblingsdiagnose erklärt, ohne zu wissen, wovon sie sprechen, allen voran unten genannter Herr Bonelli.

  6. Uschi sagt:

    So ganz nach dem Motto: ich zünde ein Feuer an, schmeiße noch Benzin drauf und nachher rufe ich die Feuerwehr an und heule, dass es bei uns brennt und sage jemand anders sei schuld!

  7. Uschi sagt:

    Unsere Narzisstin erzählt rührende Geschichten von Kinderheimen und einer schlechten Kindheit. Niemand hat es überprüft und ich zweifle daran, dass diese Geschichten wirklich wahr sind. Sie hat Geschwister und Nichten und Neffen, nur hat sie es mit denen auch verdorben. Sie spielt Vulnerabilität vor und damit hat sie uns gut gläubige Verwandten jahrelang an der Nase herum geführt.

    • Katinka sagt:

      Das kenne ich auch. Hatte immer Mitgefühl und wollte es “besser/anders” machen. Fiel mir auch nicht schwer. In der Rückschau relativiere ich so einiges, bzw blicke wachsamer hin. Bei vielen Dingen hat sie genau die Dinge mit angetan unter denen sie ja selbst (angeblich) so gelitten hat.

    • Laila sagt:

      Hallo Uschi, richtig so, Narzissten haben sich die Schlechte-Kindheit-Phase der Psychologie zu Nutze gemacht, um mit ihrem Verhalten ungestraft davon zu kommen und lachen sich innerlich kaputt darüber, dass es funktioniert. Die ganze Gesellschaft hat sich seitdem an der Nase rumführen lassen. Narzissten werden immer frecher und das auch noch mit Erlaubnis. Wir müssen sie wieder in ihre Schranken weisen, wie Arianne auch sagt, Regeln und Grenzen für Benehmen, wie es mal war, ohne wenn und aber, das muss von der gesamten Gesellschaft wieder durchgesetzt werden, damit werden wir die Narzissten nicht los, die hat es immer gegeben und es wird sie auch immer geben (genetisch bedingt), aber wir begrenzen den Schaden, den sie anrichten.

  8. Eena sagt:

    Wie unendlich viele dieser im Beispiel von Prof. Lammers. genannten vulnerablen Narzissten rutschen jeden Tag im Alltag, in Krankenhäusern, in Seniorenheimen usw. unerkannt an Ihrer Diagnose vorbei?

    Meine Mutter war nach einem Beinbruch jahrelang in verschiedenen Kliniken in Behandlung. Die ist oft aufgefallen, weil sie dauernd mit dem Pflegepersonal, den Ärzten, dem Reinigungsteam usw. Ärger hatte, kommandierend und fordernd aufgetreten ist, zugleich verleiht ihr die Einstellung,sie sei die tollste und Beste auf der Welt eine unglaubliche Zähigkeit(- entgegen aller Prognosen werde ich wieder laufen können! Euch zeige ich es!), die bei den Ärzten gut ankommt, und sie ist eine begnadete Schauspielerin,die gerne an der Wahrheit zu ihren Gunsten dreht. Die „Reinfallquote“ ist unglaublich.
    Nur Leute, die ihre Aggression,ihren grenzenlosen, grundlosen Hass mit gegenüber und ihre permanenten Grenzüberschreitungen mit gegenüber hautnah mitbekommen, verstehen was los ist. Und die ziehen dich aus Angst zurück .
    Keine Chance in 85 Jahren, dass ein Arzt sie durchschaut und diagnostiziert. Sie darf mir täglich legal das Leben zur Hölle machen- ungestraft und undiagnostiziert. Es muss sich dringend was ändern!

    • Anka sagt:

      Hallo Eena,
      mir ist nicht klar, was du mit deinem Beitrag ausdrücken möchtest…

      Wieso sollte und könnte ein Arzt deine Mutter bzgl.ihres Verhaltens / Psyche „diagnostizieren“, wenn sie wegen physischer „Gebrechen“ (Bein) in Behandlung ist?

      Ja wirklich …
      Wieso darf sie dir täglich das Leben zur Hölle machen ???
      Gute Frage!

      Ach wirklich …
      Es muss sich dringend was ändern ???

      Was für eine Diagnose brauchst du denn (noch) und von wem, um Konsequenzen zu ziehen?
      Ist deine Diagnose
      „HÖLLE“ – für dein eigenes Leben – nicht ausreichend ?

      So ganz „taufrisch“ Volljährig kannst du nicht mehr sein …

      Da ist es wohl doch langsam wirklich an der Zeit, daß
      DU ETWAS ÄNDERST…!

      Ich wünsche dir viel Erfolg und Spaß daran, dir dein Leben GANZ NEU EIN-ZU-RICHTEN 😉👌
      Und, nur kein schlechtes Gewissen und/oder Schuldgefühle … 😁👍

      Alles Gute dir!

    • Lilli sagt:

      Hallo Eena,
      Dein Beitrag erinnert mich an meine Mutter und ihre Narzissmusprobleme, sie ist nun die Schwierige im Altersheim.
      Ich war immer wieder jahrelang zu ihr in Distanz gegangen.
      Im Altersheim erlebe ich sie wie eh und je.
      Du kannst ihre egozentrische Art nur loslassen und das, was Du von Deiner Mutter gerne hättest,
      von Gott, der Natur und
      anderen Menschen im Kollegen- und Hobby-/Freundeskreis bekommen.
      Ich konnte lange nicht trauern, dass meine Mutter ist, wie sie ist.
      Seit ich Trauerstunden darüber einhalte, bin ich in mir ruhender geworden.
      Ich wünsche Dir alles Gute …

      • Klarsicht sagt:

        Liebe Eena und Lilli
        Auch ich kann Euch nachfühlen und ein Lied über (m)eine solche Mutter singen… sie ist 88 Jahre alt und wird sich nicht ändern… Genau wie Lilli sagt in Distanz gehen, sie loslassen…
        Zum Satz:
        „Du kannst ihre egozentrische Art nur loslassen und das, was Du von Deiner Mutter gerne hättest,
        von Gott, der Natur und
        anderen Menschen im Kollegen- und Hobby-/Freundeskreis bekommen.“ würde ich noch anfügen: Versuche dies alles von D i r s e l b s t zu bekommen, dann wirst Du unabhängig und tappst nicht in die nächste Narzissmusfalle, dass Du an narzisstische Freunde gerätst, weil Du dort suchst, was Du zu Hause nicht bekommen hast…
        Und wenn einem das gelingt, von sich selbst zu bekommen, was man braucht, dann wird die Freiheit grenzenlos sein… 🙂
        Alles Liebe Klarsicht

        • Lilli sagt:

          Hallo Klarsicht,
          danke,
          das meine ich mit ‚Gott und der Natur‘,
          was Du als ‚von dir selbst bekommen‘ bezeichnest.
          Da würde ich auch keinen Seelsorger einbeziehen,
          das ist Liebe für mich.
          Dir auch alles Liebe …

  9. linchen75 sagt:

    Finde den Artikel in seiner absolutistisch pauschalisierend-schwammigen Grundhaltung und beispielhaften (Ab-)Wertung auch dezent schwierig – negiert er doch implizit (und detailliertere Ausführungen und Abgrenzungen bräuchte es bei einem derart sensiblen Thema unbedingt!).
    So hat es ggf absolut nicht das Allergeringste mit Narzissmus zu tun, wenn jmd (zB ein vielzitierter Hochsensibler oder Hochsensitiver mit entspr. Merkmalen) aufgrund seiner extrem breit gefächerten Vielschichtigkeit/Komplexität, überraschen Auffassungsgabe, Selbstkritik, Neigung zum übergründlichen Durchleuchten der Dinge, Menschen, Situationen, Empathie, Taktgefühl usw (…) in Situationen wie vom Gastautor beschrieben zB mehr als zu Recht kritikwürdige Mängelaspekte im Rahmen psychiatrischer Abläufe/Konzeptionen, unerfahrener Jung-Therapeuten, als „unfähig“ empfundene Vorgesetzte, irgendwann auch einmal „nervende“ Mitpatienten uvm als solche benennt! Hier kann es sich vielmehr um den „Klassiker“ handeln, dass sehr selbstkritische Menschen relativ oft in Situationen kommen, in denen ihnen schnell die untragbaren Aspekte des jew. Kontextes auffallen, sie selbst sich tendenziell eher immer zurückhalten, um niemanden zu verletzen, sich nicht in den Vordergrund zu spielen usw – und sich irgendwann (gesunderweise!!!) trauen, ihren oft geschluckten Ärger auch mal zu äussern – dies ist bei eher zurückhaltenden Menschen im therapeutischen Kontext sogar ausdrücklich gewünscht!
    Und KEIN guter Therapeut würde sich deshalb jemals angegriffen oder fachlich bedroht fühlen – und würde nicht mit einer Narzissmus-Diagnose „kontern“, um Oberwasser zu behalten! 🙂
    Es kann ein wünschenswertes Zeichen von gelungener Abgrenzung sein, sich imm psychiatr. Setting in der beschriebenen Form abzugrenzen – und eben auch ggf zu äussern, wie sehr man sich über Mitmenschen ärgert, die ihrerseits sehr viel weniger selbstkritisches Handeln, Denken, usw an den Tag legen – weil man derartige Schaumschläger, Trommler und eben auch fachlich unfähige Kollegen o.a. kaum erträgt, als charakterlos, amoralisch o.a. empfindet ab einem gew. Punkt – und dann allen fachlichen Ernstes mit der Narzissten-Keule zu kommen, ist unprofessionell wie plakativ und vielmehr hochgradig peinlich… 🙁

    (…und zu Herrn Bonelli wäre anzumerken, dass er selbst auffallend demonstrativ prägnante Merkmale der von ihm beschriebenen Betroffenen zur Schau trägt, wie nicht wenige kritische Konsumenten seiner Publikationen oft augenzwinkernd zu Bedenken geben… 😉 )

    • heike sagt:

      Alle Achtung – Deine Verbalakrobatik ist ja phänomenal….8-)
      Vielleicht solltest Du Dir den Beitrag nochmal in einer ruhigen Minute langsam durchlesen… Oder Dir vielleicht erklären lassen…

    • Yvonne sagt:

      @linchen75, Das sehe ich weitgehend auch so! Gut beschrieben. Auch ich habe Mühe mit vorschnellen Zuschreibungen oder gar Diagnosen. Finden lässt sich so bei jedem etwas. Vor allem vermutlich Narzissmus. Das heisst jetzt nicht, dass ich nicht glaube, dass maligner Narzissmus existiert und auch Schaden anrichten kann. Ich möchte nur mehr wissen und das Umfeld auch besser kennen, bevor ich vorschnell „Partei ergreife“ oder etikettiere. Wenn man bedenkt, wie und was z.B. Sigmund Freud alles den Frauen und ihrer Hysterie unterstellt hat, ist eine „gründlichere“ Kenntnis und Abklärung, auch des Umfeldes und des Wahrheitsgehaltes einfach notwendig. Das ist meine Meinung. Ich lasse jedoch andere Meinungen gerne gelten.

    • Lise1 sagt:

      Zitat:“So hat es ggf absolut nicht das Allergeringste mit Narzissmus zu tun, wenn jmd (zB ein vielzitierter Hochsensibler oder Hochsensitiver mit entspr. Merkmalen) aufgrund seiner extrem breit gefächerten Vielschichtigkeit/Komplexität, überraschen Auffassungsgabe, Selbstkritik, Neigung zum übergründlichen Durchleuchten der Dinge, Menschen, Situationen, Empathie, Taktgefühl usw (…)“

      Ist diese Beschreibung des Größenwahns eines „taktvollen überschlauen Empathen“ jetzt als Witz zu verstehen?

      Hochsensibilität und Narzissmus können 2 Seiten der gleichen Medaille sein und kommen oft parallel in den betroffenen Familien vor. Beides frühe Schutzmechanismen, um die gleichen schlimmen Verhältnisse zu überleben.

      • Lise1 sagt:

        Bestimmt kein Grund, sich derartig über Andere überlegen zu fühlen.

      • linchen75 sagt:

        ..Ihr seid untereinander aber auch watt garstig, alle Achtung! :)))
        …und auch a bissla vorschnell möglicherweise, aber wer derart quantitativ umfangreich unterwegs ist mit Kommentar-Kommentaren, kann auch mal Opfer seiner etwas unmodern gewordenen und engen Denkschubladen werden, das ist kein Problem ;***

        Nein, selbstverständlich kein „Witz“ – und schon gar kein Erheben über Andere – lediglich Benennen von (natürlich noch wesentlich mehr) Unterschieden – ohne Wertung in „besser“ oder „schlechter“.

        (Wen es interessiert, der schaue zB mal bei Anne Heintze vorbei – sie formuliert beispielsweise in einem Interview die Problematik, die regelmäßig entsteht, wenn HSPs/ggf hochbegabt usw. auf „normal Begabte/intelligente Vorgesetzte treffen… Kann man erstmal schlucken, letztlich ist es aber die eigene Fehlinterpretation, die dies in die „Wertungs-Schublade“ schmeisst.. 🙂 aber das ist natürlich menschlich und zu verschmerzen – schade aber dennoch ;))) )

        Und es ist sehr zu begrüßen, dass der Zusammenhang HSP/Narz schon mal aufgeschnappt wurde – wenn nicht jahrelange Erfahrung auf diesem Gebiet, aber bitte vorsichtiger mit derlei Themeneinwürfen. Mercì! :*

        • Anka sagt:

          Hallo linchen 😉

          „- wenn nicht jahrelange Erfahrung auf diesem Gebiet, aber bitte vorsichtiger …“

          Ein Satz, den du dir ggf. bitte auch zu Herzen nimmst…

          Bei jahrelanger Erfahrung ist dir ja bekannt, daß genau diese
          „messerscharfe Wahrnehmung“ ( nur von HSP?) zu vielfältigen „Schwierigkeiten“ führen kann.

          Wenn die „inhaltliche Ausführung“ in deinem 1. Beitrag auch zutreffen mag und auch Ausdruck eines „messerscharfen Verstandes“ sein kann …
          Den „messerscharfen Ausdruck“ habe ich pers. allerdings als wenig hilfreich empfunden, dein Anliegen der „Normal-Bevölkerung“ nahe zu bringen…

          Passiert mir aber vielleicht auch manchmal … 🤔

          Die Seite von A.H. ist mir bekannt.
          Kann natürlich ggfs. (😉) aber auch (für sich selbst) Fehlinterpretiert werden…

          Ist im Allgemeinen eben ALLES oft eine „DEUTUNG“

        • Feder sagt:

          Quantitative Kommentar-Kommentare…. herrlich!

    • Lilli sagt:

      linchen75
      Diagnosen als Keule benutzen und Oberwasser haben wollen,
      wie Du schreibst,
      das sind selbstverständlich nicht die Merkmale eines guten Fachmanns.
      Dein wortreicher Beitrag klingt in meinen Ohren jedoch nach grundsätzlicher Abwehr von Fachleuten.

  10. Lise1 sagt:

    Ich kenn auch so ein angebliches Mobbingopfer, das das Mobbing unwissentlich selbst verursacht hat.
    Oder einen schüchternen Menschen, der „seinen Therapeuten beraten muss“

    Und auch einen Menschen, der angeblich immer unter Narzissten leidet, wie sie sagt, und wo ich mich frage, ob sie nicht das eigene Problem einfach auf andere überträgt. Damit hat sie ja die Schuldigen benannt und ist es selber auf keinen Fall.

  11. Sonja Sause sagt:

    Ich finde den Artikel sehr gut, da ich persönlich im Arbeitsumfeld einen solchen vulnerablen Narzissten hatte. Am Anfang eher schüchtern und unscheinbar. Er war auch sehr depressiv und es waren immer alle anderen Schuld (Vater, Mutter, Freundin, Verwandtschaft, Kollegen …). Am Anfang hat diese Mitleidsmasche ja funktioniert, man hatte Verständnis und unterstützte so gut es ging. Aber dann kam nach und nach die Größenphantasien raus (man braucht nur Ihm um was zu erreichen, er musste dem Chef sage wie es ging, wenn Ihm etwas nicht passte war das eh alles Blödsinn, sowieso nur von Idioten umzingelt, die nur Glück hatten, Kollegen (die seine Arbeit machten) unfähig …
    Er hat aber nichts selbst entschieden und immer jemanden vorgeschickt hinter dem er sich verstecken konnte (er wusste es im Nachhinein besser und sonst war eh seine Idee).
    Also ich finde dieses Artikel sehr passend für diese Person, wer solche Menschen näher kennt findet sie dort wieder.

  12. Sanne sagt:

    Ich finde das angegebene Beispiel der angeblich “vulnerablen Narzisstin” nicht sehr glücklich gewählt. Hierdurch wird jeder (berechtigtiger) Kritiker am System (Psychiatrie/Mobbing am Arbeitsplatz) zum Krankheitsfall abgestempelt, entwürdigt und mundtot gemacht.
    Auch sollte nicht vergessen werden, was Sam Vaknin -eine der grössten Kapazitäten auf diesem Gebiet – zur Ursache und Entstehung des Narzissmus geschrieben hat, nämlich dass diese eigentlich schon systemisch sei (also pandemisch). Das heutige Gesellschaftssystem mit seinen politisch-religiösen Ideologien erzeugt erst den narzisstischen Überlebensmodus, der auch funktionell gedeutet werden muss.
    Das System ist krank und vorsätzlich traumatisierend. Wer nur den Menschen verteufelt, will nur -wie üblich – an den Symptomen basteln und zudem Gesellschaftskritik zensurieren. Die Psychiatrie ist ihrerseits ein Herrschaftsinstrument des Systems.
    Tut mir leid – Thema greift zu kurz.

    • yvonne sagt:

      Danke! Sehe ich genau so. Bevor diese „Intrapsychische“ Diagnose vulnerabler Narzissmus gestellt wird, sollte auch das Umfeld und die gesellschaftlichen Bedingungen muteinbezogen und untersucht werden. Es kann sich nämlich herausstellen, dass „diese Narzisstin“ in vielen Punkten Recht hat. Sie kritisiert einige Punkte zu Recht. Und ja, tatsächlich ist die Psychiatrie selbst „krankmachend“ und ein Herrschaftsinstrument. Solche Narzissmus-Diagnosen sind sehr vereinfacht und überhaupt nicht „hilfreich“, da sie das Umfeld und die Gesellschaft, im Besonderen patriarchale Definitionsmacht völlig ausblenden.

    • Lise1 sagt:

      Sam Vaknin? Eine der größten Kapazitäten? *lol*

    • Lise1 sagt:

      Sanne, es wurde doch beschrieben, wie die Patientin mit ihren Mitmenschen umging. Warum „angeblich“?

      • Anka sagt:

        Liebe Lise1,

        Auch ich sehe das Bsp. der Patientin nicht gerade als „günstige Wahl“
        in einem Gastbeitrag auf dieser Seite.

        Das Verhalten, könnte durchaus auch einem tatsächlichen jahrelangen „Kampf gegen Windmühlen“ entsprungen sein, einer anfänglichen „Erleichterung“ durch die „Anhörung“ der Therapeutin und einem gewissen Maß an „Vertrauen“, sich endlich einmal „Luft machen zu können“…

        Immerhin könnte das sozusagen, DIE BÜCHSE DER PANDORA GEÖFFNET haben…
        Damit wären für mich auch die Re-Aktoionen auf das für sie offensichtlich unerträgliche Verhalten der anderen Patienten zu erklären. Das waren dann wohl die „absoluten Trigger“ …
        Erstaunlich war für mich aber vor allem die „Deutung“ ihrer vorgebrachten Anliegen als (maßlose?) Forderungen.

        Sicherlich ist die Organisation eines florierenden Klinik-Betriebes eine echte Herausforderung …
        Und ganz sicher bin ich keine „Fachfrau“, geschweige denn eine „Koryphäe“ …

        Aber den Wunsch nach einem anderen, sprich lebenserfahreneren Gesprächsgegenüber kann ich absolut nachvollziehen…

        Ebenso ist mir nicht klar, was daran falsch gewesen sein sollte, das Bedürfnis nach mehr Einzelgesprächen vorzubringen…

        Da all dieses offensichtlich nicht umgesetzt wurde, hat sie die Visite genutzt ihren „Unmut“ auszudrücken…

        Es ist natürlich einfach zu sagen, sie hätte „die Therapie abgebrochen“…
        Für mich hat sie ein Umfeld verlassen, daß ihrem seelischen Wohl noch weiter abträglich war.

        Was für diese Frau tatsächlich aufzuarbeiten war???
        Wer kann das in der Kürze der Zeit schon mit absoluter Sicherheit sagen…

        „Schön“ war das geschilderte Verhalten gegenüber den Patienten sicher nicht! Das sehe ich auch so…

        Für mich (!) wäre der von Hr. Prof. Lammers geschilderte Umgang des therap. Personals mit „dem Problem“ mit Sicherheit RETRAUMATISIEREND gewesen.

        Das war jetzt nur eine Möglichkeit, das Beschriebene zu sehen!
        Im Zweifel…
        „Für den Angeklagten“

        • Lise1 sagt:

          Hallo, Anka, es steht dort, dass es der Patientin immer und überall passiert. Da es bis zur Abmahnung geht, ist hier eventuell in der Kürze des Artikels nur ein Teil der Vorfälle beschrieben.

          Im Zweifel für den Angeklagten gilt nur vor Gericht. Eine Diagnose ist kein Gerichtsurteil. Woanders schützt und unterstützt dieses Denken Menschen mit solchem Verhalten.

          • Anka sagt:

            Lise1,

            „IMMER UND ÜBERALL“…
            steht in dem Artikel ?
            Das ist mir entgangen.
            Ist aber eine sehr beliebte
            „Keule“…

            Ich kenne diese Frau nicht!
            Was auch immer „jahrelang“ in dem Artikel bedeutet, so verstehe ich nicht, wieso du auf „IMMER UND ÜBERALL“ kommst, wenn doch da ein Zusammenhang aufgezeigt ist.
            Genau dieses „IMMER UND ÜBERALL“ kann für Menschen Diagnosen / Urteile zur Folge haben, die einfach nicht wahr sind…
            Und das alles, weil der jeweilige Mensch „unbequem“ ist, sich nicht abwimmeln oder in die gewohnte „Normal-ität“ einpassen lässt.

            Dazu gehört auch eine sehr verbreitete „Autoritäten-Hörigkeit“, die „selbstverständlich vorausgesetzt“ wird.

            Nochmal …
            Ich kenne diese Frau nicht (!),
            allerdings einen Mann, der einen ähnlichen „Verlauf“ im Berufsleben hatte. Und da kann ich sagen, daß dieser durchaus „mehr auf der Pfanne“ hatte als …, jahrelang belächelt und subtil „gestriezt“ wurde…
            Und auch er ist ab und an Mal laut geworden. Wurde auch als aggressiv und cholerisch abgestempelt.
            Ist nicht wahr gewesen…
            Ich war dabei!

  13. Lise1 sagt:

    Sehr geehrter Prof. Lammers,

    also kann man einige Narzissten doch behandeln.
    Einige Videos, die ich bei youtube sah, von Prof. Bonelli und auch ein Interviev mit Ihnen haben in mir den Eindruck schon vor Längerem geweckt. Entwickeln sich da die Therapien weiter, so dass sich neue Möglichkeiten eröffnen? Oder läuft die Zunahme in der narzisstischen Gesellschaft den Therapiemöglichkeiten davon?

    Ich glaube, dass es n i c h t zu der Hoffnung führen sollte, eine Beziehung erhalten zu können, wenn man den Partner selber diagnostiziert (das finde ich sowieso auch gefährlich) und zur Therapie drängt. Ich meine nur, dass der pauschale Satz, Narzissten sind untherapierbar in dieser Absolutheit nicht stimmt.

    • Lilli sagt:

      Hallo Lise1,
      ich denke, wenn Leute mit Narzissmusproblemen
      und Leute mit schon mitgebrachten oder in dieser Beziehung entstandenen Co-Abhängigkeits- Problemen,
      zusammen sind,
      ist insofern wichtig zu erkennen,
      was den anderen umtreibt,
      um selbst eine eigenständige Persönlichleit zu werden oder wieder zu werden.
      Wie stark genau die Schwierigkeiten des anderen sind, undxwas er tun könnte,
      hilft mir nicht weiter.
      Wie weit löse ich mich und gehe auf Distanz,
      welche Schwierigkeiten habe ich selbst und was andere ich ?,
      ist für mich die Frage.

      • Lilli sagt:

        … und was andere ich bei mir ? …

      • Anka sagt:

        Liebe Lilli, glaubst du ernsthaft daß es möglich ist zu erkennen, was einen anderen Menschen wirklich „umtreibt“?

        Wenn man davon ausgeht, daß unser Verhalten zu 99% (angeblich) unbewusst abläuft, halte ich die „richtige Erkenntnis“ doch für unwahrscheinlich, Jedenfalls für einen Außenstehenden.

        Bestenfalls kann man bei entsprechender eigenen Aufmerksamkeit bemerken, daß da im Moment ein unbwewußtes oder irgendwie geprägtes/ konditioniertes Verhalten vorliegt. Vielleicht auch als psycholog. „Abwehrmechanismus“

        Die „Gründe“ dafür kann man sich aber höchstens „zusammenreimen“ und evtl. „nahe dranne liegen“ …

        Letztlich, so meine ich, kann nur jeder einzelne für sich und in sich selber diese Muster erkennen und damit auch auflösen…

        • Lise1 sagt:

          Anka, es stimmt, dass es aus einem inneren Antrieb kommen muss, wenn man sich ändern will. Einiges ist der Selbstwahrnehmung aber sorgfältig verborgen, da muss dann auch Unterstützung von außen kommen.

          • Anka sagt:

            Lise1,
            das sehe ich auch so.
            Im persönlichen Umgang ist aber nur der entsprechende Moment von Bedeutung. Der kann genutzt werden, um ruhig und klar seine Meinung auszudrücken und auch sein eigenes „Befinden“.
            Ich bezog mich mehr auf evtl. private, seperate „Grübelei“ über die „unerkannte Motive des Anderen“.

        • Lilli sagt:

          Hallo Anka,
          sicher kann man sich irren, eine Einschätzung ergänzen oder ändern,
          doch sich keine abwägende Einschätzing mehr zuzutrauen,
          wäre aus meiner Sicht die Verunsicherung in der eigenen Wahrnehmung,
          die wir nicht brauchen.

          • Anka sagt:

            Lilli, natürlich darf und sollte man der eigenen Wahrnehmung in dem Moment trauen!
            Vor allem das eigene Gefühl,und was es in einem selbst auslöst ist ja wichtig zu erkennen, um das dem Gegenüber dann auch mittzuteilen.
            Dabei aber BEI SICH zu bleiben …, ist eben manchmal nicht ganz so einfach, wie man in „entspannter Selbstreflektion im stillen Kämmerlein“ manchmal meint.

            Geht mir jedenfalls manchmal so…

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