Double Bind – Die doppelten Botschaften eines Narzissten

Narzissten nutzen raffinierte Kommunikationsmethoden, um ihre Mitmenschen zu verunsichern und zu dominieren. Dazu gehört auch die Double-Bind-Kommunikation. Hierbei werden zwei Botschaften gleichzeitig vermittelt, die sich einander widersprechen und sich gegenseitig ausschließen. Der Empfänger der Botschaft wird hierdurch irritiert und kann die wahre Intention des Narzissten nicht ergründen.

Double Bind - Eine Frau wird wahnsinnig

Bild: © andriano – 123rf.com

Double Bind bedeutet übersetzt „doppelte Bindung“ und meint, dass von einer Person gleichzeitig zwei unterschiedliche Botschaften ausgehen: Die verbale Kommunikation stimmt nicht mit der nonverbalen Kommunikation überein oder es werden paradoxe Handlungsaufforderungen, widerstreitende Interessen oder widersprüchliche Informationen geäußert. Der Sender drückt mit seiner Körpersprache etwas anderes aus als das, was er mit seinen Worten äußert oder seine Aussagen sind in sich widersprüchlich, so dass es bei dem Empfänger zu einer Verunsicherung kommt.

Beispiele:

Ein Mann sagt zu seiner Frau: „Du kannst nun mit mir über dein Problem reden – ich bin jetzt voll und ganz für dich da!“ Dabei verlässt er aber den Raum und holt die Tageszeitung aus dem Briefkasten.

Die Mutter sieht traurig und bedrückt aus, entgegnet aber auf die Nachfrage ihres Kindes: „Mir geht es bestens, es ist alles in Ordnung!“

Ein Vater sagt zu seinem Sohn: „Du kannst mit mir über alles reden. Aber komm mir nicht mit deiner verrückten Idee, Philosoph werden zu wollen!“

Der Sender der Double-Bind-Botschaft verhält sich anders, als er es mit seinen Worten vorgibt, oder übermittelt paradoxe Inhalte, die keinen Sinn ergeben. Der Empfänger spürt, dass etwas nicht stimmen kann, und gerät auf diese Weise in ein Dilemma: Er weiß nicht, welche Schlüsse er aus der Botschaft ziehen soll, woran er sich orientieren kann und welcher Teil der Botschaft glaubwürdiger ist.

Der Narzisst nutzt die Double-Bind-Kommunikation zur Irritation

Da Narzissten in Interaktionen und Beziehungen immer die Führung übernehmen wollen, müssen sie ihr Gegenüber verunsichern, einschüchtern und in eine defensive Position drängen, damit es nicht mehr souverän und schlagfertig reagieren kann. Manchmal handelt es sich dabei um offen-aggressive Methoden, die der Narzisst anwendet, und manchmal ist das Vorgehen auch undurchschaubar und einfach nur verwirrend, wie z. B. bei der Double-Bind-Kommunikation. In diesem Fall wird in der Regel lediglich über ein ungutes Bauchgefühl wahrgenommen, dass etwas nicht stimmen kann.

Verliert der andere seine Selbstsicherheit, zweifelt er an seiner Wahrnehmung und wird er von negativen Gefühlen übermannt, wird damit seine Fähigkeit eingeschränkt, sich gegen den Narzissten wirksam zu verteidigen und angemessen auf ihn einzugehen. Er weiß nicht, wie er sich auf den Narzissten einstellen soll, weil dieser sich widersprüchlich äußert oder agiert, und verhält sich in der Folge zögerlich. Der Narzisst erwirkt auf diese Weise einen Vorteil für sich, kann so den anderen dominieren und seine Macht festigen.

Ein Beispiele für die Double-Bind-Kommunikation eines Narzissten in Partnerschaften:

Auf die Frage des Partners „Liebst du mich?“ antwortet der Narzisst mit ausdrucksloser Stimme: „Ja, tue ich!“

Äußert der Partner sodann Zweifel, weil sich die Aussage nicht so anhört, als liebe der Narzisst ihn wirklich, wiederholt dieser nur kühl: „Ich habe dir doch gesagt, dass ich dich liebe!“

Der Partner erhält also keine Gewissheit, ob er von dem Narzissten wirklich geliebt wird oder nicht: Der Narzisst spricht zwar von Liebe, doch schwingen in seinen Worten keine Emotionen mit. Dies kann dazu führen, dass der Partner weiterhin zweifelt und so von dem Narzissten in eine emotionale Abhängigkeit getrieben wird: Er sucht ständig nach Bestätigungen, die ihm signalisieren, dass er von dem Narzissten geliebt wird. Der Partner fixiert sich dann zu stark auf dessen Bedürfnisse, Meinung und Bewertung. Dies stärkt wiederum die Position des Narzissten, der sich durch die Abhängigkeit seines Partners überlegen fühlt.

Ein weiteres Beispiel:

Der Narzisst verlangt von seinem Partner, dass er ihm dabei hilft, sein Auto zu waschen. Als der Partner anmerkt, der Narzisst müsse sich unbedingt neue Scheibenwischer kaufen, weil die alten schon völlig abgenutzt sind, entgegnet dieser: „Mein Auto geht dich nichts an! Ich kann mich allein um meinen Wagen kümmern – du musst mir nicht helfen!“

Weitere irritierende Doppelbotschaften von Narzissten:

„Du weißt, ich bin immer für dich da, wenn du mich brauchst. Aber diese Sache bekommst du doch nun wirklich auch allein hin!“

„Du bist für mich das Allerwichtigste in meinem Leben! Dieses Jahr fahre ich mit dir aber nicht in den Sommerurlaub. Ich muss einen Auftrag für einen wichtigen Kunden abwickeln!“

Der Narzisst sagt mit einem deutlich beleidigten Gesichtsausdruck zu seinem Partner, der sich mit einem Freund treffen will: „Mach dir ruhig einen schönen Abend mit deinem Freund – mach dir um mich keine Gedanken!“

Der Narzisst nutzt Doppelbotschaften, um seinen Partner zu manipulieren: Er will ihn von seiner Meinung und seinen Vorstellungen abbringen, will ihm ein schlechtes Gewissen einflößen, ins Unrecht setzen, ihn kritisieren und abwerten oder ihn einfach nur ärgern. Zudem hält er mithilfe der Double-Bind-Kommunikation seinen Partner in einer unbefriedigenden Situation gefangen, der dieser nicht entfliehen kann. Was wirklich gemeint ist, kann nicht aufgeklärt werden, weil der Narzisst entweder einer ehrlichen Stellungnahme ausweicht oder es immer so auslegt, als verstehe der andere alles falsch.

Die Double-Bind-Kommunikation hinterlässt somit bei dem Partner häufig den Eindruck, dass alles falsch ist, was er tut. Er will sich gerne auf den Narzissten einstellen, dieser gibt ihm aber keine Chance dazu, weil er ihn mit widersprüchlichen Aussagen konfrontiert. Der Partner kann bei einer derart perfiden Kommunikation niemals gewinnen. Er kann nur beharrlich versuchen, eine Klärung herbeizuführen, und die gegensätzlichen Signale, die von dem Narzissten ausgehen, benennen oder – wenn der Narzisst nicht darauf eingeht, was im Fall eines narzisstischen Partners wahrscheinlich ist – sich emotional abgrenzen und sich einfach nicht von den Widersprüchlichkeiten verunsichern lassen.

Auswirkungen der Double-Bind-Kommunikation in der Erziehung

Narzisstische Eltern können in der Erziehung zur Double-Bind-Kommunikation neigen und ihr Kind damit anhaltend verunsichern. Das Kind weiß nie, wie die Aussagen seiner Eltern gemeint sein könnten, es versteht die Eltern nicht, es kann sich nicht auf sie einstellen und sich auf sie verlassen. Es muss immer Zweifel haben, ob das, was die Eltern sagen, auch deren tatsächlichen Überzeugung entspricht oder ob sie dem Kind etwas vormachen und verheimlichen.

Das Kind findet somit bei den Eltern keine Sicherheit und Orientierung, sondern fühlt sich von deren paradoxem Verhalten und widersprüchlichen Aussagen bedroht. Es erfährt keine ehrliche Zuwendung und Bestätigung, kann sich daher seines Wertes und Verhaltens niemals sicher sein – und in der Folge auch kein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln. Es entwickelt stattdessen Angst, weil es nie weiß, was die Eltern von ihm erwarten, und Schuldgefühle, weil es nicht weiß, ob die Eltern mit ihm zufrieden sind.

Die Diskrepanz zwischen den unterschiedlichen Botschaften und seiner eigenen Wahrnehmung führt bei dem Kind zu anhaltendem Stress und kann zu Bindungsstörungen, emotionalen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten führen, in ganz schlimmen Fällen sogar zu schizophrenen Symptomen. Narzisstische Eltern machen das Kind mit dem widersprüchlichen Verhalten der Double-Bind-Kommunikation krank, brauchen aber diese Form des Dialogs, um sich gegenüber ihrem Kind zu erhöhen und um es in einer Abhängigkeit gefangen zu halten.


Autor der Webseite

Mein Name ist Sven Grüttefien. Ich bin der Verfasser dieser Webseite. Als ausgebildeter Heilpraktiker für Psychotherapie habe ich mich auf die Beratung von Menschen, die unter narzisstischen Missbrauch leiden, spezialisiert und biete zu diesem Thema zahlreiche Bücher, Coachings, Seminare und Vorträge an.

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20 Kommentare zu “Double Bind – Die doppelten Botschaften eines Narzissten
  1. Constanze sagt:

    Hallo,
    Ich bin so dankbar für diese Webseite, weil ich endlich ERKANNT habe. Meine ganze Kindheit, Jugend und Erwachsenenleben bis ich letztes Jahr diese Seite entdeckt habe (mit 41), habe ich etwas gespürt, gefühlt und dauernd wurde von meiner Mutter mir weis gemacht, dass es das Gegenteil ist oder ich spinne oder übertreibe oder übersensibel sei. Als Kind nimmt man doch alles für wahr und vertraut seinen Eltern, in meinem Fall nur die Mutter. Schrecklich!! Diese Double-Bind Methode ist so gefährlich, schrecklich gegenüber Kindern!! Meine Mutter hat das nur gemacht und hat mich dementsprechend an mir zweifeln lassen. Wie soll man Vertrauen in sich selber entwickeln, wenn man nur angeblich richtiges Verhalten suggeriert bekommt, aber gar nicht ist?!?
    Jetzt wo ich selber Kinder habe und mir dessen bewußt bin, antworte ich ihnen ehrlich. Ich verhemliche ihnen nichts!! Ausserdem vermittel ich ihnen, was Gefühle sind, wie man damit umgeht und kommuniziert. Man muss sich nicht für seine Gefühle und Probleme schämen, ganz im Gegenteil!! Und, ich bin schon der Meinung, man kann den Kindern alles erklären – die sind nicht doof und müssen sich auch keine Sorgen machen, wenn man ihnen es vermittelt. Ich glaube, wir machen uns nur selber etwas vor, haben irgendwelche Ängste oder kein Vertrauen, wenn wir glauben, dass der Andere sich Sorgen macht. Ist doch eigentlich nur eine Frage der Kommunikation und Vertrauen in sich selber und die Welt. Man muss sich nur selber mal beobachten!! Sind wir ehrlich zu uns selber oder machen wir uns was vor?? Wollen wir uns vielleicht selber nur vor etwas schützen statt die anderen „schützen“ zu müssen?
    Ich wünsche allen, dass sie mehr auf ihr Inneres hören können, erkennen und sich nicht mehr von Narzisten schlecht beeinflussen lassen. Jeder ist Gold wert!! (und nicht nur die Narzisten)
    Schöne Woche!

  2. Amy sagt:

    Narzissten wollen kein Mitgefühl und keine gute, sichere Bindung zu anderen. Sie glauben nicht daran. Ihre Mitmenschen sind für sie nur dazu da, ihren Psychomüll bei ihnen abzuladen.

    • Waltraud sagt:

      Sie wollen aber Mitgefühl bei anderen auslösen, um ihre Ziele besser zu erreichen. Sie ziehen doch gern die Opfermasche ab.

      • May sagt:

        Mitgefühl bedeutet, dass man irgend etwas nicht im Griff hat. Darum wollen sie keines. Sie nehmen es vielleicht an – vorläufig, um Aufmerksamkeit zu bekommen; aber so bald sie können, spielen sie sich wieder als die Sieger auf und vergessen, dass sie jemals um Mitgefühl gebettelt haben. Im Gegenteil. Sie drehen später gern den Spieß um und sehen auf die herab, die ihnen mit Mitgefühl begegnet sind, behaupten, dass diese wer weiß was für Probleme haben und dass sie, die Narzissten, ihnen natürlich großmütig damit helfen werden. Alles schon erlebt…

        • Waltraud sagt:

          Es wird von Narzissten genutzt um als Sieger hervorzugehen. Auch setzen sie gern die Retter und Helfer Nr. ein, um zu verschleiern einerseits,was das schädigende Ansinnen ist und um sich im aussen als Gutmensch zu verkaufen. Alles was in ihren Augen die besten Erfolgschanchen bietet wird eingesetzt. Da wird auch gern die Mitleidstour abgezogen, damit ihnen andere zu Hilfe eilen, um gemeinsam gegen das zu schädigende „Opfer“ zu intrigieren bzw. in eine Falle zu locken. Alles so erlebt leider

    • Hoff.44 sagt:

      Bei mir fängt mein Mann schon gleich am Frühstückstisch sein Psychomühl abzuladen. Es ist ihm auch egal, ob die Kinder dabei sitzen. Auch wenn ich versuche immer wieder die Wogen zu glätten, er kriegt sich einfach nicht ein,bis es eskaliert,dann bin ich oder die Kinder schuld.

      • Hoff.44 sagt:

        Ps: und er hat natürlich nichts schlimmes gesagt oder getan, er ist sehr gerne ein Opfer in seiner eigenen Inszenierung. Sogar meine Tochter hat vor kurzem gesagt:“…du hast irgendeine Persönlichkeitsstörung- du kannst lieb sein und schon im nächsten Moment sind alle um dich herum A…. Das hält doch keiner aus. „

  3. Tanja Potulski sagt:

    Meine Mutter erzählt mir ständig, wie einsam sie ist, seit mein Vater tot ist. Wenn ich dann sage, dass ich sie morgen besuchen möchte, lehnt sie ab, weil sie so viel zu tun hat. Treibt mich in den Wahnsinn!

  4. Christina Lombriser sagt:

    Mein verstorbener Mann schimpfte so allgemein über die Frauen….ich musste dies wohl oder übel mitanhören und fragte mich innerlich wie er wohl zu mir stehe da ich ja auch eine nämlich seine Frau bin. Wenn ich fragte ob er auch mich damit meine drehte er den Spiess um und schnauzte mich an mit der Bemerkung, dass es wohl immer nur um mich gehe. Dabei wollte ich nur differenzieren, es richtig verstehen. So habe ich gelernt nicht mehr nachzufragen und schon gar nicht zu kontern….mit meiner seelsorgerlich- traumatherapeutischer Begleitung schiebt sich einiges wieder ins richtige Licht und ich begegne begreifend mir selber…und bin ftoh ind dankbar für s’Leben.
    Freunfliche Grüsse
    Christina

    • Maureen sagt:

      Liebe Christina!
      Danke für deine Zeilen. Das ist das erste Mal, dass ich von jemand lese, der das selbe erlebt hat. Bei mir ist es der Ex (12 Jahre Beziehung). Er hat einen derartigen Frauenhass und äußert diesen auch (v.a. wenn er betrunken ist). Wenn ich ihn darauf angesprochen habe, bin ich als blöd hingestellt worden: „wie komm ich nur drauf, dass ich gemeint sei“. Wohl hab ich mich nie dabei gefühlt, weil ich ja dennoch auch Frau bin. Derzeit schimpft er verallgemeinernd auf meine Freundinnen und gibt dem „blöden Frauen-Pack“ die Schuld, dass ich gegangen bin. Alles Liebe und Gute!

    • Alina sagt:

      …leider ist es in meinem Fall auch das verkehrte, nicht nachzufragen…ich hätte offensichtlich kein Interesse an ihm. Ich verbringe viel Zeit mit dem Versuch, seine verschlüsselten Botschaften zu enträtseln. Dass ich damit nicht alleine stehe, hilft mir sehr. Ich habe schon oft gedacht, ich sei einfach zu doof, eine „einfache Kommunikation „ zu verstehen.Danke

  5. Virgel sagt:

    Hallo Herr Grüttefien,

    Danke fur den Artikel. Ich kann diese Bezeichnung noch nicht, lediglich die Auswirkungen.
    Und JA, gegenüber Kinder ist dieses Verhalten SEHR schädlich – kann man nur hoffen, dass nur ein Elternteil so ist und das andere gut auffängt!
    Vg

  6. KK sagt:

    Weiteres Beispiel: Er sagt: „Ich mag dich.“ „Du bist mir wichtig.“ „… das zeigt, dass du mir nicht egal bist.“ usw.
    Dann aber wochenlang keine Reaktion auf Nachrichten, Verabredungen werden in letzter Minute abgesagt oder er verschwindet ganz ohne Worte. Ghosting.

  7. Uschi sagt:

    ……und da fragt so manch einer, ob sich Narzissten bewusst sind, was für Schaden sie anrichten. Wenn man das liest, besteht kein ZWEIFEL mehr!

  8. Waldhaus sagt:

    Lieber Herr Grüttefien. Ich lese Ihre Berichte immer sehr aufmerksam und bin sehr dankbar dafür, habe ich doch für mich eine Menge über mein Leben hinzu gelernt. Jedoch in diesem Bericht über Double Bind muss ich Ihnen widersprechen. Ich habe diese Methode – wenn man das so nennen will – oft bei meinen Kindern angewandt, wenn ich sie schützen und nicht mit meinen Alltagsproblemen belasten wollte. Und GERADE, weil ich sie nicht verunsichern wollte. Als die Kinder größer waren, haben sie natürlich an meinem Gesichtsausdruck bzw. Tränen bemerkt, dass etwas nicht stimmt und haben nachgefragt. Auch hier habe ich nicht immer die ganze Wahrheit gesagt, weil Kinder – je nach Alter – ja auch noch nicht alles begreifen können. Aber natürlich habe ich versucht, ihnen die Situation so kindgerecht wie möglich zu erklären. Bin ich nun deshalb auch Narzisst? Bei einem Erwachsenen sehe ich das so, dass man schon sehr naiv sein muss, wenn man sich durch solch ein Verhalten in die Irre führen lässt. Ich habe leider erst nach 55 Jahren den Narzissmus erkannt, jedoch wusste ich auch vorher, dass bei so lieblosen Bekundungen meines Gatten die Liebe nicht mehr vorhanden sein kann. Und hätte mein Partner mir, während ich ihm behilflich bin, gesagt, dass er das auch allein kann und keine Hilfe benötigt, dann hätte ich ihm die Sache auch allein überlassen (und ihm das Tuch an den Kopf geworfen), auch bevor ich erkannt habe, dass er Narzisst ist. Vielleicht sind die von Ihnen genannten Beispiele auch nur unglücklich gewählt. Ich habe in meiner Ehe solche Spielchen meines Partner sehr oft erlebt, aber nicht bei so simplen Alltagsproblemen. Er versteht es sehr gut, solche Double Binds in den Alltag zu integrieren, dass ich vor der Erkenntnis, dass er Narzisst ist, schon so manches Mal an mir und meinem Verstand gezweifelt habe. Diese Widersprüche kamen auch nicht unmittelbar hintereinander sondern Tage oder Wochen später, so dass ich den Zusammenhang nicht mehr feststellen konnte. Heute bin ich darauf „geschult“ und reagiere auf solche Spielchen nicht mehr.

  9. Pp57 sagt:

    Mhm- ich bin mit allergrößter Sicherheit kein Narzisst, eher Hochemphat. Trotzdem gibt man es gerade, wenn es einem schlecht geht, nicht so gerne gegenüber seinen Liebsten zu, dass es so ist. Man möchte doch, dass diese sich nicht unbedingt Sorgen machen sollen und versucht, damit allein erst einmal fertig zu werden. Also eher reine Rücksichtnahme.

    • Uschi sagt:

      Rücksichtnahme ist immer gut. Narzissten wollen einem bewusst schaden. Man kann dies mit Notlüge und unverschämten Lügen vergleichen. Man kann Notlügen anwenden, um jemanden nicht zu verletzen, z.B. wenn JEMAND fragt, wie ihm/ihr der neue Anzug/Kleid steht: um niemanden zu verletzen, sagt man nicht, dass man es abscheulich findet.

      Das MOTIV ist der Unterschied.

  10. Waltraud sagt:

    Das habe ich schon in der Kindheit erfahren. Aber erst als Erwachsene habe ich dieses als „Double Messages“ – das Gesprochene stimmt nicht überein mit dem gefühlsmäßig wahr genommenen, verstanden. Das führt zu Verwirrung und man traut seiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr. Fatal wenn einem dann ein Narzisst begegnet, der das voll für sich nutzt und man selber bleibt zu lange ahnungslos, was da so vor sich geht. Es ist halt was vertrautes aus der Kindheit und man sucht oder gerät deshalb in die Falle des bereits bekannten und vertrauten.

  11. Lewis sagt:

    Ich kenne diese Verhaltensweise. Man nennt das einen „performativen Widerspruch“. Das hat mein Vater auch oft gemacht.

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