Sehnsucht nach der narzisstischen Mutter nach einem Kontaktabbruch

Manche Betroffene haben zwar den Kontakt zu ihrer narzisstischen Mutter abgebrochen, leiden aber jetzt darunter, dass sie sie nicht mehr sehen. Zudem quälen Schuldgefühlen sie, weil sie denken, die Mutter nicht alleine lassen zu dürfen und ein schlechtes Kind zu sein, das sich nicht mehr um die Frau kümmert, die sie einst zur Welt gebracht und groß gezogen hat. Sie werden von Zweifeln geplagt und wissen nicht, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen.

Sehnsucht nach der narzisstischen Mutter nach einem Kontaktabbruch

Bild: © kmiragaya – 123rf.com

Betroffene haben zwar erkannt, dass es Ihnen besser geht, wenn sie den Kontakt zu ihrer narzisstischen Mutter vollständig abbrechen und auf diese Weise ihrem Egoismus, ihrer ständigen Nörgelei und ihren Kränkungen entgehen – nach einer gewissen Zeit fühlt sich diese Entscheidung aber doch irgendwie falsch an. Konnten sich Betroffene aufgrund des Kontaktabbruchs seelisch erholen und fühlen sie sich befreit von dem destruktiven Einfluss ihrer Mutter, verblasst allmählich die Erinnerung an ihr rücksichtsloses und ungerechtes Handeln sowie ihre mangelnde Liebe. Ihre Mutter beginnt ihnen mit der Zeit zu fehlen und sie entwickeln eine starke Sehnsucht nach ihr.

Betroffene sind außerdem von Schuldgefühlen belastet – vor allem, wenn die Mutter alt, krank und alleinstehend ist. Sie stellen sich vor, wie ihre Mutter ganz allein in ihrer Wohnung sitzt, sich selbst versorgen muss, keine Freunde hat und viele alltäglichen Tätigkeiten nicht mehr selbstständig oder nur unter größter Mühe ausführen kann. Unweigerlich fragen sie sich, wie sie sich wohl fühlen würden, wenn sie alt wären und niemand sich um sie kümmern würde. Sie versetzen sich in die Lage ihrer Mutter und stellen fest, wie schlimm es für diese sein muss, niemanden um sich zu haben.

Das traurige Schicksal ihrer Mutter geht ihnen nicht mehr aus dem Kopf und sie tut ihnen leid. Aber auch dann, wenn die narzisstische Mutter noch einen Partner, einen intakten Freundes- und Bekanntenkreis und keine größeren gesundheitlichen Beschwerden hat, kann ein völliger Kontaktabbruch das schlechte Gewissen von Betroffenen wecken. Sie machen sich bewusst, was ihre Mutter neben den zahlreichen Bosheiten und Verletzungen für sie in ihrer Kindheit getan hat, und denken, dass das Strafmaß vielleicht doch ein wenig zu hoch ist und etwas mehr Milde ihrerseits angebracht wäre.

Betroffene werden von ihren Zweifeln in Schach gehalten

Außerdem können Geschwister oder andere Verwandte dem Betroffenen einreden, er übertreibe und verhalte sich unbarmherzig, weil sie doch bestens mit der narzisstischen Mutter auszukommen meinen, keine Makel in ihrem Verhalten erkennen und deswegen überhaupt nicht nachvollziehen können, warum sich der Betroffene so rigoros zurückzieht und die Mutter von sich stößt. Sie erkennen nicht den emotionalen Missbrauch, den die narzisstische Mutter an ihrem Kind verübt hat, und verurteilen daher das drastische Vorgehen des Betroffenen. Dies fördert natürlich die Zweifel des Betroffenen, weil dieser zu dem Eindruck gelangt, dass er offenbar der Einzige in der Familie ist, der Schwierigkeiten im Umgang mit der Narzisstin hat, und sich deswegen in seiner Wahrnehmung irren muss.

Betroffene spüren, wie schwer es ihnen fällt, zu ihrer für sie seinerzeit unabwendbaren Entscheidung zu stehen, angesichts ihrer ambivalenten Gefühle, der Kritik von außen und anderslautender Meinungen. Sie schwanken zwischen ihrer Überzeugung und einem Gefühl von Treuebruch hin und her. Nicht selten tut die narzisstische Mutter ihrerseits alles dafür, dass die Schuldgefühle des Betroffenen lebendig bleiben, indem sie ihm permanent Undankbarkeit und Verrat vorwirft oder Gerüchte in die Welt streut, damit sich die gesamte Familie gegen den „Aufständler“ verschwört.

Betroffene stehen dann vor einem schier unlösbaren Problem: Revidiere ich meine Entscheidung und gehe wieder auf meine Mutter zu, muss dann aber erneut ihre Kritik, Vorwürfe, Belehrungen und Erniedrigungen über mich ergehen lassen? Oder bleibe ich konsequent und lasse nichts mehr von mir hören, muss dann aber mit meinem schlechten Gewissen und der Sehnsucht nach der Mutter fertigwerden? Es ist eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera, die dann oft in einem Kompromiss endet: Etwas Kontakt, aber nicht zu viel Nähe!

Wie gehen Betroffene mit dieser Situation um?

In ihrer Verzweiflung, keinen Ausweg aus dem Dilemma zu finden, suchen Betroffene wieder zaghaft den Kontakt zur Mutter in der Hoffnung, dass sich die Mutter über die Rückkehr ihres Kindes freut und aus dem konsequenten Verhalten ihres Kindes etwas gelernt hat. Leider wird diese Hoffnung aber meist schon nach wenigen Augenblicken, die sie mit der Mutter verbringen, zerstört: Als Erstes wird ihnen vorgeworfen, ihre Mutter im Stich gelassen zu haben und nur an sich selbst zu denken. Anschließend wird an ihrem äußeren Erscheinungsbild gemäkelt oder die Mutter erkundigt sich nach ihrem Berufs- und Privatleben, jedoch nur um aus den Informationen, die der Betroffene bereitwillig gibt, weitere Ansatzpunkte für Kritik abzuleiten.

Betroffene werden meist schon nach wenigen Minuten daran erinnert, warum der Kontaktabbruch notwendig war und es hierzu gar keine Alternative geben kann. Der erneute Kontaktversuch stellt sich zwar als kompletter Misserfolg heraus, zumindest tilgt er aber die ständigen Zweifel – vorerst, bis der Betroffene wieder Abstand zur Mutter hat und mit dieser Entscheidung erneut zu hadern beginnt. Oft stecken Betroffene in einem Teufelskreis, der daraus besteht, es immer wieder zu versuchen, enttäuscht zu werden und sich wieder zurückzuziehen, nur um dann erneut an ihrer Entscheidung zu zweifeln.

Finden Betroffene keinen Ausweg aus dieser Zwickmühle, versuchen sie häufig auch, einen Vermittler aus der Familie einzusetzen, der positiv und besänftigend auf die Mutter einwirken, ihr die Beweggründe ihres Kindes schonend beibringen und ein Gespräch zwischen beiden koordinieren soll. Oder Betroffene machen den Vorschlag, sich einer Familientherapie zu unterziehen, um die Fronten zu klären und wenigstens den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, der einen Umgang möglich macht. Da sich eine narzisstische Mutter aber in der Regel keiner Schuld bewusst ist oder Besserung lediglich heuchelt, wird sie die Bemühungen ihres Kindes früher oder später sabotieren.

Wie können Betroffene vorgehen?

Werden Betroffene während des Kontaktabbruchs von Zweifeln an ihrem rigorosen Vorgehen heimgesucht, sollten sie sich sowohl die Gründe für die Distanzierung als auch die Auswirkungen immer wieder vor Augen führen, die es haben wird, wenn sie den Kontakt mit der narzisstischen Mutter erneut aufnehmen. Im Idealfall sollten Betroffene ihre Erlebnisse in einem Tagebuch oder einem Brief an die Mutter, den sie aber nie abschicken, verarbeiten und sich ihre Gedanken in einem Moment des Zweifelns noch einmal durchlesen, um ihre Entscheidung zu festigen.

Betroffene dürfen sich natürlich auch an schöne Zeiten mit der narzisstischen Mutter erinnern – sofern es sie gab – oder in stiller Dankbarkeit an all das Positive denken, das ihre Mutter für sie tat. Sie sollten deswegen aber die Mutter nicht von dem Missbrauch, den sie verübt hat, entlasten. Betroffene müssen lernen, zu trennen: Man kann einer narzisstischen Mutter durchaus ein Gefühl der Dankbarkeit entgegenbringen, man muss ihr deswegen aber noch lange nicht zur Verfügung stehen und Zeit mit ihr verbringen wollen. Betroffene müssen einsehen, dass ihre Dankbarkeit von ihrer Mutter in Schuldgefühle umgemünzt wird, um sie dann wieder für ihre Zwecke missbrauchen zu können.

Manche Betroffene finden aber auch einen gangbaren Mittelweg: Sie halten Kontakt zur narzisstischen Mutter, limitieren diesen aber auf ein annehmbares Maß. Sie meiden während eines Besuchs kritische Themen, erzählen nicht viel von sich, um der Mutter keine Nahrung für Kritik und Vorhaltungen zu geben, und nehmen bissige und beleidigende Kommentare nicht mehr persönlich. Sie wissen, dass sie von ihrer Mutter keine Liebe erwarten können, und nehmen es hin, weil sie sich innerlich abgrenzen können, ihres Wertes als Mensch bewusst sind und ihre Mutter im Grunde dafür bedauern, dass sie so viel Groll und Verachtung in sich trägt und deswegen das Leben – und den Kontakt mit ihrem Kind – nicht in vollen Zügen genießen kann.


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Veröffentlicht in Familie und Erziehung
24 Kommentare zu “Sehnsucht nach der narzisstischen Mutter nach einem Kontaktabbruch
  1. Nlie sagt:

    Alle Kommentare sind schon etwas her , doch habe ich diese Seite gefunden . Ich leide schon lange unter den Narzissmus meiner Mutter die strikt natürlich behauptet sie ist gesund und so etwas hat sie nicht. Wenn mir jemand diese ganzen schrecklichen Geschichten erzählen würde was für ein psychischer missbrauch standgefunden hat , würde ich diese Person warnen und sie retten wollen. Doch bei mir fällt es immernoch etwas schwer . Immer wieder nach Kontakt Abbrüchen entstand wieder Kontakt und immer wieder läuft es auf das gleiche hinaus einen neuen Kontaktabbruch nach dem ich wieder am Boden liege. Obwohl ich an allem schuld bin wie meine Mutter mir immer sagt…. Grauenhaft dieses Gefühl schrecklich. Man hat Mitleid mit der Person die Harlekin Mitleid braucht und man hat Mitleid mit sich selber will sich retten doch dann kommt das schlechte Gewissen …. Aber man hat nur dieses Leben und wenn es völlig zerstört wird sucht man sich immer wieder aufs Neue ….. ich lese artikel und Artikel alles trifft zu alles erkennbar , suche nach Menschen die es erlebt haben und sich getrennt haben von den Eltern es geschafft haben , um mir Mut zu machen das ich es auch schaffe …

  2. L sagt:

    Als mir klar wurde,dass eine narzisstische Mutter oft der Grund ist, warum.man später in narzisstischen Beziehungen landet, war das eine große Erleichterung. Wir viele Kriegskinder hat auch sie Traumata erlebt, als 4 bis 7 jährige, im Ruhrgebiet, alleine bei Bombenalarm in der Wohnung, weil Oma arbeiten war. Diese Generstion der Kriegskinder hätten alle Psychiatrie benötigt. Stattdessen haben sie mit dem ganzen Irrsinn im Kopf Kinder bekommen, und das sind die Kinder, die jetzt zwischen 55 und 65 Jahre als sind. Ich sehe in meiner alten Mutter eine im Kopf völlig gestörte Person, kaltherzig aber voller Selbstmitleid, Parasiten und intrigant.
    Die andere Seite, die Momente wo ich schon etwas wie liebgehabtwerden spürte, waren nur in ganz früher Kindheit vorhanden, als ich noch ihr williges Spielzeug war. Diese Momente rufe ich mir ins Gedächtnis, wenn ich mit meinem inneren Kind arbeite. Denn das ist etwas, was alle tun sollten, Narzissten und Empathen …. mal nach dem kleinen Kind in der eigenen Seele gucken und es heilen. Kann ich nur empfehlen. Also ich bin mir selbst da eine viel bessere Mutter, als die biologische. Die emotionale Abgrenzung zu meiner Mutter ist stabil, weil sie für mich gar kein echter Mensch ist. Sie ist versorgt und ich besuche sie 1 mal die Woche für ca. 20 Minuten. Dann wird mir das Gejammer, die Befehle Hol mir mal dies, mach mal das), die Undanbarkeit, die Triangulation mit meiner bösartigen Schwester,die manipulativen Lügen etc. zuviel und geht mir auf die Nerven. Dann geh ich einfach. Wenn sie sich mal zusammenreißt bleib ich auch mal länger. Ist aber meistens nicht der Fall.

  3. Antinarz sagt:

    Ich habe vor nicht allzu langer Zeit raus gekriegt was für Mensch meine Mutter war.
    Eine Narzisstin, die meinen bereits verstorbenen Vater zu einem aggressiven Flying Monkey gemacht hat.
    Selbst mein Bruder hat sich zu einem Narz entwickelt.
    Ehrlich, ich übertreibe es nicht.
    Meine Mutter hat uns ihr Leben lang gegeneinander ausgespielt.
    Mein Vater hat mich gehasst, aber ich wusste nie warum er mir gegenüber so war.
    Mein Bruder hält mich für minderwertig und denkt ich hätte mir alles nur erschlichen.
    Er ist der Neid in Person, verdreht Tatsachen usw.

    Jetzt kam es so, dass meine Mutter dement wurde, und ihr ganzes Lügengebilde flog auf.
    Sie kam ins Heim, hatte aber noch ihre Wohnung und ich konnte in Ruhe stöbern.
    Ich fand Briefe an meinen Vater.
    Dort hetzte sie schon gegen mich als ich ein Kleinkind war.
    Sie war neidisch, weil ich Papas Liebling war.
    Jedenfalls besuchte ich sie anfangs noch im Heim, habe aber vor einigen Monaten aufgehört.
    Totaler Cut nach den Briefen.
    Die Betreuung fpr neine Mutter hat eine fremde Person.

    Weder mein Bruder noch ich wollten das machen.
    Erst, wenn sie beerdigt und ihre endlich mal Wohnung geräumt ist, bin ich zu 100% zufrieden.
    Mein Bruder ist jetzt schon für mich gestorben.
    Warum ich das alles überhaupt bemerkt habe ist schon Ironie.
    Mein Ex Freund ist ein passiv aggressiver Narz….er war mein „Lehrmeister“
    Und er ist auch von mir aus meinem Leben entfernt worden.

    Warum ziehe ich diese Brut an wie ein Hundehaufen die Fliegen?
    Ich bin nicht besonders anhä nglich, lebe lieber alleine, wirke eher unterkühlt und meine Empathie gilt eher der Tierwelt.
    Wollen die mich „harte Nuss“ knacken?

    • Waltraud sagt:

      Hallo Antinarz,
      durch die Ursprungsfamilie wurde und ist man ja geprägt in seinem Verhalten. Und man ist dadurch auf bestimmte Menschen geprägt. Etwas Vertrautes im Verhalten des anderen spricht einen unbewusst an. Deshalb ist es wichtig, zu wissen, womit es zu tun hat. Dann kann erst die Aufarbeitung anfangen. Du bist auf dem Weg.
      Alles Gute

      • Antinarz sagt:

        Liebe Waltraud.
        Das mit meiner Mutter war mir tatsächlich nicht bewusst.
        Den Ex Freund Narz hatte ich schon 2015 auf dem Zettel.
        Seitdem war er nur noch ein Bekannter, der mir ja ach so gerne half um mich um den Finger zu wickeln.
        Ich habe ihn aber ganz schön provoziert.
        Es hat in ihm gebrodelt, deshalb hat er ja mehr gepfuscht als sonst was.
        Passiv aggressiv eben.

        Meine Mutter hat auch ach so gerne geholfen, aber wie ich heute weiss, nur damit sie sagen konnte: „Ohne mich kannst du nix.“

        Ist auch ne Form von sich ins Leben eines Menschen zu schleichen.
        Verlogene Hilfsbereitschaft.

        Ich kann aber das meiste alleine und brauche keinen von denen.

        Und wie gesagt…..die Mutti ist dement, der Vatti tot, der Ex Narz ist weg und meinen Bruder habe ich seit Ewigkeiten nicht gesehen.
        Herz, was willst du mehr?!
        LG

        • Waltraud sagt:

          Hallo liebe Antinarz,
          verlogene Hilfsbereitschaft trifft es ganz gut. Ich hab es als manipulatives Helfen bezeichnet bei meinem Ex. Das Du lieber alleine lebst und unterkühlt wirkst und Deine Empathie eher der Tierwelt gilt ist bei mir ähnlich. Aber ich würde meinen, das hat eben mit dem Erlebten zu tun. Früher war ich wohl sehr naiv, was Menschen betrifft. Heute lass ich nicht mehr so schnell jemanden in mein Leben und habe gelernt, Grenzen zu setzen, was ich zu lange nicht gemacht habe und mich deswegen schlecht fühlte.
          Das mit dem „knacken“ – Narzissten wollen ihr Gegenüber knacken, damit sie sich als großartig erleben können. Darin sind sie hartnäckig. Deshalb ist es wichtig, das Störungsbild genau zu kennen und dann kann man sie tatsächlich lesen, wie Du ja schon berichtet hast. Und das ganze ist nicht mehr einseitig, indem der Narzisst allein die Spielregeln bestimmt. Aber an diesem Punkt sollte man dann auch aussteigen und sich möglichst abwenden, was nicht immer möglich ist, wenn es gemeinsame Kinder gibt.
          Lg

    • Britta sagt:

      Ich glaube, du versuchtest dein Umfeld zu kompetenten, starken Menschen auf Augenhöhe aufzubauen, um zu wachsen, denn die 98 Prozent ungereifter Idioten bringt uns ja nicht zu uns selbst, die mit ihrem kleinmut ziehen uns genauso runter. Naja, und da bist du scheinbar auf Blender, also Narzissten reingefallen, weil du dir angewöhnt hast empatisch zwischen den Zeilen zu lesen

  4. Tessa sagt:

    Kurz vor 60 und erst spät erkannt, welche destruktiven, narzisstischen Manipulationen mein Leben geprägt haben, bin ich sehr traurig darüber. Jede Woche, wenn ich meine Mutter im Pflegeheim – wo alleinig ich für die bestmögliche Versorgung gesorgt habe – besuche. Wie ein Film laufen wiederholt viele Lebensphasen an mir vorbei. Was ist der Grund, dass ich immer noch zu ihr halte. Es ist mein Wunsch nach einer liebevollen und aufmerksamen Mutter, die ich nie hatte, und auch nie haben werde. Diesem Traum und Wunsch weine ich hinterher, je älter ich werde. Ihre Jahre mit über 90 sind gezählt, deutlich auch erkennbar. Mit dem Verzeihen ist es so eine Sache. Frei bin ich letztendlich tatsächlich erst, wenn diese Frau – Mutter – den Weg über den Regenbogen antritt. Bis dahin sorge ich zuverlässig und fürsorglich für sie. Lebenslang gut konditioniert. Und sie wird sich nie – trotz unzähliger Gespräche und Streits – darüber bewußt sein, was sie angerichtet hat.

    • lilli sagt:

      Hallo Tessa,
      wie gut kann ich deine Worte nachfühlen.
      In ‚meinem‘ buddhistischen Meditationskreis schaut der buddhistische Priester aufmerksam und gütig, wenn eine/r von uns sein privates oder berufliches Leid anspricht, und sagt, so selbstverstöndlich mit beruhigender Wirkung:
      „Ein Leben ohne Schwierigkeiten gibt es nicht“.
      Bei dem einen oder anderen beneide ich, was ich selbst nicht habe.
      Bis ich ein Problem aus dessen Leben höre, das ich aber eben auch nicht habe.
      Mein Leben ist m e i n
      Leben. Es ist so, dass ich genau m e i n Leben lebe.
      Irgendwie ne Altersweisheit, die mich sehr freut.
      Egal was schwierig war oder ist,
      in m e i n e m Leben
      hab i c h es durchlebt. Hier in diesem Thema mit m e i n e r Mutter.
      Es ist meine Geschichte,
      in guten wie in schlechten Stunden/Tagen/ Zeiträumen.
      Ich habe wie viele Menschen, Schrittchen für Schrittchen mit auch Rückschritten, mehr Freiheit gewonnen, mehr Liebe gegeben und bekommen.
      U.a. durch Sven Grüttefien,
      der keine Schwierigkeiten überspringenden, traumhaften Liebesromane
      schreibt, wie der Protagonist seines wirklichen Lebens in dem Film ‚Besser geht’s nicht‘,
      sondern u.a. sein Aufklärungsbuch
      ‚Suchst du Liebe oder Bewunderung?‘.
      lilli

  5. Tessa sagt:

    Ganz genau, der letzte Absatz trifft auf den Punkt, allerdingt – in meinem Fall erst – wo die Mutter im Pflegeheim ist, Abstand und Distanz und ich „nur“ noch einmal die Woche besuche. Es gelingt nicht bei jedem Besuch gleich, je nachdem auch, wie anstrengend beruflich meine Woche war. Die ewig gleich leiernde Schallplatte und das ansteigende Negativdarstellen von Heimbewohnern, um sich selbst aufzuwerten. Manchmal unterträglich! Gelegentlich fahre ich dann schlichtweg über den Mund und verabschiede mich schnell. ICH WILL MIR DAS NICHT MEHR ANHÖREN, ich will auch an manchen Tagen nicht mehr, diese Triggerei mit mir tragen die erste Zeit danach. Dann ist ganz schnell Ruhe. Da steckt leider viel Wahrheit drin im Beitrag der Anja Strack.

  6. lilli sagt:

    Hallo,

    als alte Tochter einer sehr alt gewordenen Mutter mit Narzissnusproblemen,
    ist mir ein Anliegen, über die Literatur zum Thema hinausgehend,
    zu schreiben,dass meiner Meinung nach,
    die Entstehung eines narzisstischen Lebensstils bzw. massiver Narzissmusprobleme,
    mit der Unterdrückung
    von mehr oder weniger Talenten oder eifach Begabungen, einhergeht.
    In dem Film ‚Schlafes Bruder‘, einer Literaturverfilmung von Joseph Vilsmayer, ist eine besonders starke Begabung und unter schwierigsten Bedingungen geschehende Persönlichkeitsentwicklung, an einem dadurch stark auf sich selbst bezogenen Menschen, dargestellt.
    Wie sich die Verschaltungen im Gehirn unter welchen Bedingungen bilden und auswirken könnten, darin ist die moderne Gehirnforschung unterwegs.
    Also bei meiner Mutter denke ich, dass ihr unterdrücktes starkes künstlerisches Talent, durch sich ihr bietende Gelegenheiten durchbrechen konnte,
    zum Nachteil von uns Kindern, für die sie zu wenig Zeit hatte bzw. als Helfer ausnutzte
    Anders gelagerte Talente, Rechnen, Sprache, Handwerk, Pflege von etwas,… , konnte sie deshalb nicht wertschätzen.
    Mein Vater übte seinen Beruf mit Maschinen erfolgreich aus und unterstützte seine von ihm bewunderte Frau.
    Wenn die darin eingespannten Kinder da nicht aussteigen können,
    wachsen Egozentriker/innen und abhängige Diener/innen heran, und der narzisstische Lebensstil bis zu Narissmusproblemen,
    existiert von Generation zu Generation weiter.
    Also:
    mindestens Jahre lang aussteigen, eigene Entwicklung mit normalen Mitmenschen leben.
    Nicht als selber Egozentriker/in oder Diener/in am vererbten Sosein kleben bleiben.
    Unabhängig davon, ob man diese Mutter später noch sieht oder nicht.
    lilli

  7. N sagt:

    Danke für den interessanten Beitrag!

    Ich selbst kann nur sagen, dass No Contact (seit ca 5 Jahren) das Beste ist, was mir im Bezug zu meiner Mutter passieren konnte.
    Ich vermisse sie niemals, es ist eher ein sehr befreiendes Gefühl, nichts mehr mit dieser gestörten Frau zu tun zu haben.
    Da mein Vater und meine Geschwister (immer schon) ihre Flying Monkeys sind, habe ich mit denen auch keinen Kontakt mehr.
    Das klingt eigentlich schrecklich, ist es aber in solchen toxischen Familien tatsächlich nicht. Es ist die Rettung.
    Viele Grüße 🙋🏽‍♀️

    • Britta sagt:

      Ich werde mich weiter schützen, und versuchen, mich von meiner Ambivalenz zu trennen. Mein Kontaktabbruch war 4,5 Monaten

      • Nicole sagt:

        Nic 67 ich habe zum 3. Mal den Kontakt zu meinen narzistischen Eltern abgebrochen..und habe wieder ein schlechtes Gewissen meine Mutter ist die treibende Kraft mein Mann mit dem ich seit 17 Jahren verheiratet bin muss vernichtet werden er passt ihr nicht Drama pur ..ich konnte irgendwann nicht mehr und trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen obwohl ich es war die mit 56 aufgestanden bin und wortlos heulend gegangen war meine Eltern sind sehr dominant haben die Welt nicht mehr verstanden Wie wird man damit fertig ?mit Ehemann auch deswegen zerstritten für meinen Mann sind die Beiden Geschichte

  8. Kai sagt:

    Den letzten Absatz halte ich für sehr unrealistisch und kaum machbar. Man kann nicht über den Kindheitswunden und Traumata stehen und sich dann spielend leicht abgrenzen und einen Besuch ertragen. Den Eindruck zu erwecken, dass dies möglich sein finde ich falsch. Bei einer normalen Mutter zu der es ein schwieriges Verhältnis gibt mag das machbar sein. Bei narzisstischen Müttern sitzt das Trauma zu tief, als das man mit Disziplin oder Arbeit an sich selber „darüber stehen“ könnte. No-Contact hat sich nicht ohne Grund als so hilfreich herausgestellt.

    • lilli sagt:

      Ja, no contact ist die Rettung der eigenen Entwicklung.
      Als ich meiner Mutter nach etlichen Jahren nochmal kurze Besuche machte, war sie neunzig, gut versorgt im Seniorenheim,
      und ich selbst über sechzig und mit persönlicher Zuufriedenheit im Ruhestand.

    • sandra@eifworld.com sagt:

      Sehe ich leider auch so. Ich hatte das genau so eine Zeit lang versucht. Klappt nicht – das ist sehr anstrengend. Man ist dauernd „auf der Hut“ und mich hat jedes Treffen Stunden danach noch beschäftigt.

    • Britta sagt:

      Ich sehe das genauso!!! Bin zwar noch tief in Ambivalenz, kam aber des öfteren an massive Erschöpfung en, Suizidbedürfnisse, Limitierte Intervalltreffen, gingen ebenso alle sofort nach hinten los, und meine Wunde wurde am Ende Tellergröße wie eine Atombombe. Ich darf nicht zuruckblicken

  9. Anja Strack sagt:

    Für mich war es eine Erlösung, als sie gestorben ist. So erschreckend das auch klingen mag. Seitdem bin ich freier.

    • Tessa sagt:

      Ja, ein zulässiger Gedanke und Kommentar. Es ist erschreckend. Erschreckend ist aber auch erst dann frei zu sein. Bin ganz bei Dir. Traurig, aber so ist es.

      • lilli sagt:

        Ja,
        der Beschreibung
        ‚Erlösung‘ und ‚erschreckend‘
        füge ich noch
        ‚tieftraurig‘
        hinzu.
        Am Ende ist es tieftraurig,
        wenn die Mutterihrem Kind wegen Narzissmusproblemen
        innerlich fern ist,
        und es nur unterdrückt erträgt.
        Da jede/r ein eigener Mensch ist,
        hilft nur viel oder völliger Abstand.
        Traurig aber wahr.
        Ich selbst habe die Feude, mich mit meiner Tochter gut zu verstehen, in spürbarer Liebe, weil persönlicher Freiheit zur Verschiedenheit mit Toleranz.
        Im wörtlichen Sinn
        in-so-fern
        es einem Elternteil mit mehr oder weniger Narzissmusproblemen möglich ist, liebt er/sie dich mehr oder weniger.
        Doch um als ihr/sein Kind der eigene Mensch zu werden, der man ist,
        muss man diese Mutter/ diesen Vater verlassen,
        um im Abstand befreit selber zu leben,
        in learning by doing, unperfekt,
        ‚Besser geht’s nicht“

        Sehnsucht nach der Mutter ist archaisch.
        Schwerverletzte, sterbende Soldaten im Krieg rufen nach dem Schutz ihrer Mutter:’Mama‘,
        nicht den Namen von jemand später in sein Leben Gekommene/n.

        • Britta sagt:

          Wie soll ich bloß mit der Überzeugung klar kommen, das ich wertlos und ein ganz schlechter Mensch sei? Und wer nimmt mir meinen eigenen narzisst. Teil da unten weg??

  10. lilli sagt:

    Hallo,

    dies Thema beschäftigte mich mein Leben lang.
    Und ist hier wieder wunderbar aufgezeigt!
    Nach mehreren Jahren Kontaktabbruch, versuchte ich es wieder nach der Geburt unserer Kinder.
    Doch sie hatte keine Zeit oder wollte alles bestimmen.
    Nach dann vielen Jahren Kontaktabbruch, besuchte ich sie im Altersheim,
    was gut ging, wenn ich nicht lange blieb.
    Sie sagte mehrmals ‚das vergesse ich dir nie, dass du mich besuchst‘, was auch noch in der Situation erheiternd war,
    denn sie war schon sehr alt.
    Meine Geschwister meiden mich, einzig mein Bruder ruft mich zu Festtagen an,
    zu denen ich ihm umgekehrt nur scrheibe.
    Ein schmerzliches Thema.
    Für mich war der Kontaktabbruch zu Mama überlebenswichtig. Und meinen Geschwistern und den ganzen Spielchen nicht nachzulaufen, ebenso.
    Zumal ich auch in meinen Partnerschaften damit konfrontiert war, und noch mit ziemlich narzisstischem Lebensstil meines Ehemanns,
    konfrontiert bin.
    Mein Lichtblick sind meine Kinder, die in Liebe gleichberechtigt in ihren Partnerschaften/ Familien leben.
    Doch auch um den Preis von mehr Abstand zu uns, als ich mir wünschte.
    Ist aber gut so.
    GLG lilli

    • Schwalbe sagt:

      Ich habe seit meinem 18 Lebensjahr immer wieder den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen, damals wusste ich noch nichts von Narzissmus.
      Jedesmal war ich voll Erleichterung, Schuld, Zweifel, Trauer, Wut…
      Jedesmal begann der gleiche Tanz nach Kontaktaufnahme…

      Nun, selbst Mutter eines erwachsenen Kindes, seit 6 Jahren kein Kontakt mehr. Zu niemanden meiner Familie.

      Damals war einfach Schluss-
      ich habe zurück geschossen und auf die Unterlassungserklärung meiner Eltern meinerseits mit Unterlassungserklärung und Öffenlichmachung gedroht…

      ich bin weder böse, noch gekränkt- diese Eltern sind mir nicht mehr wichtig, ich habe mich vollkommen gelöst. Als Rollenhalter Vater und Mutter habe ich ein Gefühl von Liebe ihnen gegenüber. Jedoch, in diesem Leben werde ich sie nicht mehr wieder sehen, das habe ich sie wissen lassen.
      Konsequent wurde Briefe, Pakete usw. zurück geschickt. Klingt grausam.
      Was jedoch mir und meinem Kind wiederfahren ist, rechtfertigt diese Maßnahme.

      Ich bin erlöst, indem ich die elterlichen Bande gelöst habe- mr gehts gut!

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