Wie man dem Redeschwall eines Narzissten entgehen kann?

Wenn ein Narzisst so richtig in Fahrt kommt und seine Erzählungen überhaupt keine Ende finden, wenn er sich lauthals beschwert oder seine Mitmenschen ununterbrochen erniedrigt, kann man seinen Redeschwall kaum noch bremsen. Man bekommt überhaupt keine Chance, etwas zu entgegnen, oder das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken, so sehr beherrscht der Narzisst die Unterhaltung mit seinem Rededrang. Was kann man tun, um ein entnervendes Gespräch mit einem Narzissten zu beenden?

Wie man dem Redeschwall eines Narzissten entgehen kann?

Bild: © antonioguillem – 123rf.com

Will der Narzisst etwas richtigstellen und seine Meinung hervorheben, kann er in einen regelrechten Redeschwall geraten und lässt dann niemanden mehr zu Wort kommen. Er muss einen Sachverhalt unbedingt klarstellen und alle anderen von seinen unfehlbaren Ansichten überzeugen – nicht durch objektiv bessere Argumente, sondern durch permanentes Einreden auf seine Mitmenschen. Er hört einfach nicht mehr auf zu reden, findet immer mehr Fakten und Beweise, die die Meinung der anderen widerlegen und seine eigenen bekräftigen, oder schweift weit vom Thema ab, nur um das Wort nicht an einen anderen abgeben zu müssen.

Das Gespräch und die Aufmerksamkeit der anderen dienen dem Narzissten in der Regel dazu, sich an seinen eigenen Ausführungen berauschen zu können. Dabei wird der Eindruck von Kompetenz oftmals weniger durch lückenloses Wissen und inhaltlich korrekte Beschreibungen erweckt als vielmehr durch die Lautstärke seiner Stimme, sein dominantes und einschüchterndes Auftreten, seine Zungenfertigkeit und Polemik sowie seinen Hang, jeden Zwischenruf sofort zu unterbinden. Der Narzisst unterstreicht seine Qualifikation mithilfe seiner überlegenen und beeindruckenden Präsenz und weniger durch gesichertes Wissen, Fairness und Objektivität.

Zuweilen muss er sein vermeintlich unerschöpfliches Wissen derart herausstellen, dass er einen stundenlangen Monolog hält ohne mitzubekommen, dass sein Publikum nur noch höflich nickt, sich im Grunde aber zu Tode langweilt. Da ein Narzisst immer im Mittelpunkt stehen will und davon überzeugt ist, dass niemand auch nur annäherungsweise so geniale Schlussfolgerungen zieht wie er, glaubt er, seine Mitmenschen mit seiner Intelligenz und seinen Erfahrungen beglücken zu müssen und ihnen mit seinen belehrenden Ausführungen einen Dienst zu erweisen.

Der Narzisst kann mit seinen Worten auf andere regelrecht einhämmern

Wenn sich der Narzisst angegriffen fühlt, weil man ihn kritisiert, ihm einen Fehler unterstellt, sich nicht seiner Meinung anschließt oder ihn ignoriert, kann er so in Wut geraten, dass er ohne Unterlass auf seinen Widersacher einredet – ja, geradezu verbal auf ihn einhämmert. Sofort wird derjenige, der sich nicht uneingeschränkt seiner Meinung unterordnet oder es sogar wagt, dagegen anzugehen, als Feind angesehen und mit Worten niedergewalzt. Der Narzisst wirft dem Aufsässigen Fehler, Inkompetenz und üble Absichten vor und redet sich dabei so sehr in Rage, dass sein Gegenüber nichts mehr zu entgegnen wagt, nur um den Narzissten nicht noch weiter zu provozieren.

Dabei spart der Narzisst nicht mit beleidigenden Aussagen und hasserfüllten Entwertungen, die tief unter die Gürtellinie gehen. Der andere bekommt gar nicht erst die Chance, sich zu verteidigen, weil der Narzisst in seiner Hasstirade nicht einen Moment innehält und sich jedes seiner Worte wie ein Faustschlag anfühlt, so dass der andere bereits nach kurzer Weile stehend k. o. ist. Die Passivität seines Gegenübers stiftet den Narzissten aber erst recht dazu an, weiter auf diesen verbal einzudreschen. Dabei wird die Stimme immer lauter, der Blick immer aggressiver, die Vorhaltungen immer schamloser und seine Rachsucht immer größer.

Betroffene fühlen sich von dem gewaltigen Redeschwall des Narzissten wie in einen Schraubstock eingeklemmt und wissen nicht, wie sie sich aus dieser unangenehmen Situation lösen können. Statt zu flüchten und das Gespräch einfach zu beenden, bleiben sie wie das hypnotisierte Kaninchen vor der Schlange sitzen und stehen dem Narzissten für dessen Selbstdarstellung oder Aggressionsabbau zur Verfügung. Entweder wollen sie nicht unhöflich sein und das Gespräch mit dem Narzissten nicht einfach abwürgen oder sie sind von seiner unbarmherzigen Sprachgewalt so geschockt, dass sie wie gelähmt sind.

Mit seinem Redeschwall will der Narzisst seine Größe beweisen

Wenn sich ein Narzisst unbedingt durchsetzen und alle anderen von seiner Meinung überzeugen will, gleicht er manchmal einem ausbrechenden Vulkan, der die ganze Umgebung mit brennender Lava überschüttet. Der Narzisst redet mit seiner Wortgewalt alle in Grund und Boden, findet immer noch bessere und scheinbar unwiderlegbare Argumente und lässt niemals auch nur einen Hauch von Zweifel an der Richtigkeit seiner Überzeugungen aufkommen.

Bemerkenswert ist dabei auch, dass der Narzisst noch nicht einmal merkt, dass er während einer Unterredung zum Alleinunterhalter wird und sein Gegenüber überhaupt nicht in das Gespräch einbindet. Der andere bekommt die Rolle des schweigenden Zuhörers zugewiesen, der dem Narzissten mit seinem ehrfürchtigen Staunen dessen Grandiosität spiegeln soll. Oder er erhält die Rolle des Sündenbocks, der dem Narzissten mithilfe seiner Schamhaftigkeit dessen Überlegenheit beweist. Das Gespräch dient in beiden Fällen einzig und allein dazu, dass sich der Narzisst auf Kosten seiner Zuhörer großartig fühlen kann.

Hat der Narzisst seine emotionale Zufuhr erhalten, ist er zufrieden und stellt fest, dass es ein tolles Gespräch war, ohne zu merken, dass der andere froh ist, dass die leidige Predigt endlich vorüber ist. Wenn sich der Narzisst aber nach einem Gespräch gut fühlt, dann bedeutet dies für ihn, dass es ein gutes Gespräch gewesen sein muss und deswegen die anderen auch zufrieden sein müssen. Aufgrund seiner beschränkten Fähigkeit zur Selbstreflexion ist es einem Narzissten nicht möglich, die Signale aus seinem Umfeld richtig zu deuten und zu einer realistischen Einschätzung zu gelangen.

Wie kann man dem Redeschwall eines Narzissten entgehen?

Während eines Gespräches kann man versuchen, das Thema in eine andere Richtung zu lenken, indem man interessiert Fragen stellt, die zwar vordergründig mit den Inhalten zusammenhängen, die der Narzisst in seinem Monolog behandelt, die ihn aber ablenken und den Schwerpunkt verlagern.

Beispiel: Der Narzisst erzählt langatmig von seiner Ausbildung zum Arzt und erwähnt nebenbei, dass er auf der Universität seine Frau kennengelernt hat. Eine geeignete Zwischenfrage könnte dann lauten: „Wie ist denn deine Frau auf die Idee gekommen, Medizin zu studieren?“

Wenn eine einzige Frage nicht genügt, den Gesprächsverlauf zu ändern, sollten so lange weitere Fragen eingeschoben werden, bis der Narzisst den Faden und sein ursprüngliches Thema aus den Augen verliert und sich mit einem neuen Gebiet befasst. Ganz nach dem Motto „Wer fragt, führt!“ kann auf diese Weise ein langweiliges Gespräch sukzessive in eine andere Richtung gelenkt werden, ohne dabei unhöflich zu werden.

Eine andere Möglichkeit wäre, das Gespräch zu vertagen, indem man vorgibt, wegen einer Verabredung oder Verpflichtung keine Zeit mehr zu haben, den Ausführungen des Narzissten bis zum Schluss zu folgen. Man bringt sein Bedauern zum Ausdruck, dankt für die nette Unterredung und verspricht, ein anderes Mal mehr Zeit mitzubringen. In Wahrheit ist man aber froh, dass der Spuk endlich vorüber ist. Der Narzisst wird sich geschmeichelt fühlen, weil man bereit war, seinen Ausführungen wenigstens bis zu diesem Punkt zu folgen, wird aber wahrscheinlich auf das Vereinbaren eines genauen Termins drängen, um den netten Plausch fortzusetzen.

An einer schnellen Beendigung des Gesprächs wird man wohl vor allem dann interessiert sein, wenn der Narzisst in Wut gerät und einen Monolog hält, in dem man fortlaufend beleidigt und entwertet wird. In diesem Fall kann man schlicht und einfach aufstehen und den Raum mit den Worten verlassen: „In diesem Ton rede ich nicht mit dir. Wenn du dich wieder beruhigt hast und auf die sachliche Ebene zurückfindest, führe ich das Gespräch gerne mit dir weiter!“ Man sollte sich energisch abgrenzen, bevor sich der Narzisst in einen Wahn redet, und ihm nicht länger als Prügelknabe zur Verfügung stehen.

Allerdings kann genau dieses abgrenzende Verhalten die Wut des Narzissten noch mehr beflügeln. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, doch zu bleiben, um den Narzissten zu beschwichtigen. Man sollte sich dann aber innerlich abgrenzen, die unsachlichen Aussagen und Beschimpfungen des Narzissten nicht persönlich nehmen und sich der Tatsache bewusst sein, dass er über seinen aggressiven Ausbruch nur seine Verletztheit offenbart und deswegen so tobt. Sieht man ihn dann beschämt und traurig an, beruhigt er sich wieder – man ist sich im Grunde aber seiner Schwäche und Verletzbarkeit voll und ganz bewusst. Mit dieser Einstellung empfindet man das Geschehen so, als hätte man dem Narzissten geholfen, und nicht so, als hätte man sich von dem Narzissten erniedrigen lassen.

Die hier beschriebenen anormalen Verhaltensmuster können auch im Rahmen anderer Persönlichkeitsstörungen oder psychischer Erkrankungen auftreten. Sie sind nicht explizit nur bei einem Narzissten zu beobachten, wenngleich sie hier besonders häufig und deutlich auftreten können. Das hier beschriebene Verhalten muss aber nicht automatisch bei jedem Narzissten vorhanden sein und es kann auch situativ bei ansonsten psychisch unauffälligen Personen auftreten.


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Veröffentlicht in Blog, Tipps zum Umgang
22 Kommentare zu “Wie man dem Redeschwall eines Narzissten entgehen kann?
  1. Hofmann sagt:

    Liebe lilli, ich lese seit zwei Jahren, danke für Deine grosszügigen Kommentare und Meinungen. Sie haben mir viel geholfen und mich ein grosses Stück nach vorne gebracht…. Ich befreie mich gerade aus einer toxischen Beziehung . Es schmerzt, doch wenn ich lese, dasses vielen genauso geht, tröstet das ein wenig. tulipan

    • lilli sagt:

      Hallo Hofmann,

      das freut mich! Doch auch für mich ist wichtig, nicht allein zu sein mit den Narzissmusproblemen und meiner Neigung zur Co-Abhängigkeit dazu.
      Ich denke zwar schon auch mal, ich schreibe zu viel, doch ich habe Schreiben als Hobby, schreibe private Kinder- und Hundegeschichten für meine Kinder und Enkel, auch als Weitergabe von gesundem Egoismus und gesunder Mitmenschlichkeit an sie.
      Tja die Menschen mit Narzissmusproblemen seit meiner Mutter, mich freizuschwimmen habe ich als Lebensaufgabe angenommen. Ich hab darin schon das fortgeschrittene ‚Freischwimmerabzeichen‘.
      Geblieben bin ich, weil ich eine Liebesbeziehung auf Augenhöhe selber nicht konnte und ich mich von meiner sehr alt gewordenen Mutter nach Jahren der Distanz nicht völlig trennen wollte.
      Mein dritter Partner ist auch nicht ganz so krass wie meine ersten beiden.
      An meiner alten Mutter rührte mich sehr an, dass sie doch begriffen hatte und anders wollte, doch nicht so recht konnte.
      Den Redeschwall eines Menschen mit Narzissmus,
      wollte ich lange mit ‚Geduld und Spucke‘ oder ‚Ärmelhoch-gekrempelt-Ansagen‘ hinführen zur Gesprächsebene, mit meinem pädagogischen Beruf.
      Doch auch mein Mann verfällt noch oft in nen Redeschwall, während dem er nicht mehr zu erreichen ist und nur längerer Abstand hilft.
      Ich habe dabei in den Abständen, auch in den zwischen den Partnerschaften Singlezeiten, mich selbst als Persönlichkeit weiterentwickelt und eben freigeschwommen.
      Ich meinerseits danke Sven Grüttefien für die geniale Möglichkeit, in Form von Themen und themenbezogenen Beiträgen den ‚Umgang-mit-Narzissten‘ einzuüben zu ermöglichen.
      Die Möglichkeit, mich mit einem Paukenschlag zu befreien und einen Mann auf Augenhöhe zu lieben, fand ich nicht.
      Wenn ich bei einem Mann Verliebtheit spürte, hatte er mindestens einen stärker narzisstischen Persönlichkeitsstil, wenn nicht sogar Narzissmusprobleme.
      Diese Menschen wie schon meine Mutter, können nicht viel anders.
      Und ich selbst konnte lange auch nur mehr oder weniger als Co- handeln.

      Alles Gute dir, Hofmann,
      wie uns allen …
      lilli

  2. SonjaS sagt:

    einfach ohren auf durchzug schalten und labern lassen, kommt eh nichts sinnvolles aus deren munde. ich gehe mit narzissten so um, dass ich sie einfach umgehe, sprich ihnen aus dem weg gehen. das ist am einfachsten. nach 54 jahren erfahrung mit narzopathen erkenne ich die schon meilenweit, es sind die scheinriesen dieser welt, somit kann ich einen schönen grossen bogen um sie machen.

    • lilli sagt:

      Für mich das Allerallerschwerste,
      die Ohren auf Durchzug zu stellen!
      Ich muss zu seinem Redeschwall in Präsenz Abstand halten!
      D.h. ich muss seine ‚Themen‘ meiden, z.B.dass unsere Kinder noch höhere Berufe hätten ergreifen ‚dürfen‘, … . Sie leben ihr Leben und nehmen ihn diesbezüglich nicht ernst, denn er hat eine Firmen-interne Aufsteigerkarriere, die es so heute gar nicht mehr gibt, ist heute duales Studium, und was die Kinder ‚gedurft‘ hätten, hat er selber nicht gemacht.
      Seine verdrehte widersprüchliche Kommunikation in Präsenz ganz meiden, mich von diesen ‚Themen‘ ausklinken,
      darum geht’s bei mir,
      um zur Ruhe zu kommen
      und in meiner Mitte zu sein.

  3. Carine sagt:

    Das habe ich von einem Pubertier vor 10 Tagen erlebt, das mich im Auto fertiggemacht hat, als ich erklärte, dass Ärzte und Apotheker bessere Mittel zur Bekämpfung gegen Akne kennen würden, als TikTok es empfehlen würde.
    Verbale Attacken, Hasstiraden, Verleumdungen beim Kindesvater und bei der Psychologin, bei denen ich noch zur Rede gestellt und mich für die angebliche Respektlosigkeit rechtfertigen musste….der Alptraum.

    • Melanie sagt:

      …hier hilft nur ein „Stoppschild“ und Abgrenzung so weit es möglich ist…
      und nur noch den „Sachvortrag“!!!!

      Ich wünsche Dir viel Kraft und Durchhaltevermögen👍👍👍
      LG Melanie

      • lilli sagt:

        … und nicht in die Macht-/Wettkampf- Spirale geraten.
        Diplomatisch als Alternative aufzeigen.
        (Hattest du selber Akne?, ist auch mit Arzt nicht leicht zu bessern.
        Genauso nervig ist dann später, wenn man Pech hat, die Schwangerschafts-Akne.)

  4. Anja Strack sagt:

    Unglaublich! So war meine Mutter!
    Sie hat sich heißgeredet, Genugtuung empfand sie, wenn ich dann irgendwann in Tränen ausgebrochen bin….. Seit ihrem Tod bin ich irgendwie befreit.

  5. Mary sagt:

    Wahnsinn ihr beschreibt meinen Vater 1:1 und ich habe leider die Erfahrung gemacht, dass ich immer seine Aggressionen als redeschwall abbekommen, weil er im heim lebt und sonst niemanden dafür hat. Früher hat meine schwer demente Mutter alles abgefangen, aber über sie regt er sich am meisten auf, weil sie nichts mehr kann und ungezogen und aggressiv zu ihm ist.

  6. Carolin sagt:

    Es war nicht so sehr der Redeschwall. Es war die Rhetorik, die mich ausgeknockt und in die Knie gezwungen hat. So lange wurde verbal eingedroschen, bis ich meine Schuld eingestanden habe. Die Kinder, ich – wir waren alle schuld. Auslöser waren Kleinigkeiten und Nichtigkeiten, an die man sich am Ende gar nicht mehr erinnern konnte. Argumente und Beschwichtigungen wirkten da absolut nicht. Und auch Tränen, Bitten, Traurigkeit führten nur zu Missachtung und Häme. Ich habe nie verstanden, wie so eine Rhetorik funktioniert, wie er das perfektionieren konnte. Denn auf der anderen Seite war er unfähig, tiefere Gespräche zu führen. Seine Rhetorik im Alltag war voller Standardfloskeln, die rhetorisch bemitleidenswert sind. Aber es hat Jahrzehnte gebraucht, das zu begreifen. Die Rhetorik war so massiv, dass ich mich am Ende beschmutzt und unfassbar hilflos gefühlt habe. Es grenzte fast an Folter, da ich am Ende oft niedergekniet und um Entschuldigung für etwas gebeten habe, was ich nicht verschuldet hatte. Nur so hat er endlich aufhört. In diesen Situationen konnten die Augen vor Aggression rot und böse sein und seine Hand auch mal zuhauen. Er konnte aber auch das unschuldige Opfer sein, das immer politisch korrekt handelt und dem man Übles zufügt. Neben der Rhetorik war das Schweigen permanent anwesend. Ein falsches Wort und er hat mich tage- und auch wochenlang mit Nichtachtung bestraft. Dann spielte er den Besonnenen, der souverän handelt und Ruhe wahrt. Alleine meine Entschuldigung konnte dieses Schweigen brechen. Woher kam nur dieses Übermaß an Schuld, die er uns allen auferlegt hat? Niemals hätte er seinen eigenen Anteil eingesehen, geschweige denn sich entschuldigt. Niemals hat er erkannt, welchen Schmerz er uns allen zufügt.

    • Sina sagt:

      Das ist die absolute Hölle, Carolin. Tut mir sehr leid, dass du diese Erfahrung machen musstest.
      Das hat dem Narzen in meiner Welt damals auch gefallen, mich so in die Ecke zu drängen und in einer Lautstärke niederzubrüllen die unmenschlich war. Er wusste ja, ich würde beschwichtigen und klein beigeben – um meine Tochter vor dieser unsäglichen Sauerei zu schützen und aus Scham den Nachbarn gegenüber. Unfassbar wie berechnend, eiskalt und vorausschauend agiert wurde.

  7. N sagt:

    Danke für diesen sehr guten Beitrag! Wenn es nicht so wahr und tragisch wäre, könnte man sich bezüglich der Redeschwälle und kranken Monologe des Narzissten echt kaputtlachen.
    Mittlerweile ist meine Devise: das tue ich mir nicht (mehr) an. Sofortige Unterbrechung des Gesprächs und Raum verlassen. Funktioniert ganz gut.

    • SonjaS sagt:

      genauso ist es!

    • Glow sagt:

      Ja, das hat bei mir auch eine ganze Weile gut funktioniert – aber (und so bin ich auch bei diesem Artikel gelandet), als ich das nämlich letztens wieder Mal gemacht habe (weil er mich übel beschimpft hat und total übergriffig agiert hat), hat er mir einen Link zu einem Bericht geschickt, worin es um „silent treatment“ geht. „Nicht ICH sei das Opfer…“

  8. Elisabeth sagt:

    Ich frage mich, wieso hier auf den Narzissten so eingegangen wird? Kann man ihm nicht einfach zu verstehen geben, dass seine Monologe unangebracht sind, auch wenn er dann beleidigt ist? Und ist es nicht auch schon eine Grenzüberschreitung, wenn man gezwungen ist, die ganze Zeit zuzuhören?

    • Ja, natürlich ist das ein grenzüberschreitendes Verhalten des Narzissten! Aber anstatt seine Monologe als unangebracht zu bewerten, ist es besser, sich diplomatisch aus dem Gespräch zurückzuziehen. Wenn man ihn kränkt, wird er entweder noch mehr und noch lauter reden oder zu einem späteren Zeitpunkt erneut anfangen. Da ein Narzisst es nicht ertragen kann, ignoriert und einfach abgewimmelt zu werden, ist wohl mit Nachwirkungen rechnen müssen.

  9. Sina sagt:

    Naja, ein grandioser Redner war er nicht. Er konnte auch keine seiner Ausführungen untermauern sondern stückelte lediglich Gesprächsfetzen und Bildzeitungsschlagzeilen zusammen, in der Annahme einen schlauen Monolog zu halten. Was er hingegen SEHR gut konnte: mich unterbrechen. In einer Tour. Wenn er etwas nicht hören wollte fuhr er mir bei jedem Wort, bei jeder Silbe in die Parade. Natürlich war ICH die Respektlose!!!

    • lilli sagt:

      Wie schrecklich für ein Kind, Carolin!
      Meine Mutter schrie mich an und schlug mich, dann musste ich im Kinderzimmer bleiben bis ich wieder „brav“ wäre.
      Da blieb ich je älter je länger, und las die Bücher meiner älteren Schwester.
      Seitdem hab ich in Büchern gesucht und gefunden!
      Beim Ausrasten der Mutter verschwinden und ein Buch lesen, oder wegfahren und ein Buch kaufen und dann im Café lesen, das half mir oft weiter.
      Auch ein guter Film half und hilft mir weiter, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
      Mir war beim Wechseln ins Gymnasium klar, dass meine Mutter mich nicht unterstützte, sondern nur von meiner „Emanzipation“ reden wollte.
      Bei meinen narzisstischen Partnern bin ich dann auch selber ausgerastet und fragte mich ob ich selber auch narzisstisch wäre.
      Doch ich ging zur Psyhotherapie hatte Glück und fand dann auch Sven Grüttefiens so praktikablen ‚Umgang-mit-Narzissten‘.
      Ich sage längst nicht mehr, du bist so egozentrisch , du hast massive narzisstische Probleme.
      Ich sagte mal: Du hast zu hohe Ideale, die gibt es in Wirklichkeit nicht.
      So viel wissen oder können zu müssen wie du meinst, das bringt niemand. Wenn ich dann geh und ziemlich Abstand nehme, nimmt er mich ernst,
      wenn er auch nicht viel empathischer werden kann.
      lilli

      • lilli sagt:

        … im Grunde ist man damit beschäftigt, Abstände einzuhalten,
        um genug für sich selbst zu sorgen und sich zu erholen von seinen Vereinnahmungszwängen.
        Wenn ich zu einem meiner Enkelkinder babysitten gehe, vermeide ich, dass er mitkommen kann, denn da sollte dann passieren was er will.
        Und wenn er urplötzlich ins Handy oder Tablet schauen will, kann das Kind die Ärmchen ausstrecken oder ein Spielzeug heranbringen, wie selbstverständlich ließe er es einfach sitzen oder stehen.
        Ich hole es dann von ihm weg.
        Das mit ihm besprechen zu wollen, führt zu angeschwiegen werden, und wenn ich weiter insistiere, zu einem Redeschwall mit Themaverfehlung.
        In der Regel geh ich ohne ihn.

        • lilli sagt:

          … dass man neben Narzissten-innen mit Abwerterei und Beleidigung konfrontiert ist,
          finde ich immer wieder schrecklich!
          Sehr hilfreich finde ich hier diese Zeilen oben im Text:
          „Beschimpfungen des Narzissten nicht persönlich nehmen und sich der Tatsache bewusst sein, dass er über seinen aggressiven Ausbruch nur seine Verletztheit offenbart und deswegen so tobt. Sieht man ihn dann beschämt und traurig an, beruhigt er sich wieder – man ist sich im Grunde aber seiner Schwäche und Verletzbarkeit voll und ganz bewusst. Mit dieser Einstellung empfindet man das Geschehen so, als hätte man dem Narzissten geholfen, und nicht so, als hätte man sich von dem Narzissten erniedrigen lassen.“
          So gelingt es mir des öfteren,
          rege mich aber doch auch hin und wieder darüber auf und werde selber beleidigend.-
          Change it or leave it!♡!

          • lilli sagt:

            … und gut klappt bei mir auch das Lenken des Gesprächs durch Fragen stellen:
            „Wenn eine einzige Frage nicht genügt, den Gesprächsverlauf zu ändern, sollten so lange weitere Fragen eingeschoben werden, bis der Narzisst den Faden und sein ursprüngliches Thema aus den Augen verliert und sich mit einem neuen Gebiet befasst. Ganz nach dem Motto „Wer fragt, führt!“
            Das steht oben im Text.
            Wenn’s schief geht, sage ich nach einiger Zeit Distanz:
            Schief gelaufen, haken wir’s ab und machen wir wieder vernünftiger weiter.
            Es ist ein mal drei, mal vier, der auch mal fünf Schritte vor,
            und einer zurück.
            Kein Spaziergang,
            doch er wird nachdenklicher, und ich flexibler und schneller im ‚Umgang mit Narzissten‘.
            Allen alles Gute!
            Mein Slogan beim Umgang mit Menschen und ihren mehr oder weniger großen Narzissmusproblemen seit meiner Mutter:
            Love it and change it –
            or leave it.

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