Der Narzisst kennt keine Grenzen

Eine typische Eigenschaft von Narzissten ist ihr Drang, Grenzen zu überschreiten oder Grenzen zu leugnen. Zwar sind sie durchaus in der Lage, Grenzen zu erkennen, sie wollen aber Beschränkungen nicht akzeptieren. Narzissten glauben, es sei ein besonderer Ausdruck von Stärke, wenn es gelingt, Grenzen zu überwinden und andere von der eigenen Genialität zu überzeugen.

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Grenzen sind für einen Narzissten ausschließlich da, um sich an ihnen zu reiben, sie zum Einstürzen zu bringen und sie zu überwinden. Ein Narzisst will ständig über sich hinauswachsen. Er sucht die Herausforderung, das Abenteuer und die Sensation. Hat er ein Ziel erreicht, dann muss er das nächste, höhere Ziel erreichen. Ist eine Grenze durchbrochen, dann sieht er am Horizont schon die nächste Grenze, die er zum Einstürzen bringen muss.

Im Vordergrund steht für den Narzissten nicht nur die Errungenschaft, die mit dem Vorstoßen ins Unbekannte verbunden sein kann, sondern vor allem das Erlebnis von der eigenen Grandiosität. Er kann sich nur dann selbst spüren, wenn er Großartiges vollbracht hat. Da der Zugang zum  eigenen Selbst vernebelt bis verschüttet ist, kann er nur ein Gefühl für sich selbst entwickeln, wenn er entsprechende Reize von außen erfährt. Großartige und außergewöhnliche Leistungen, die Bewunderung von anderen Menschen, eine Vorzugsbehandlung und Besserstellung gegenüber anderer Personen geben ihm ein Gefühl von der eigenen Bedeutung. 

Grenzen aufzubrechen, die zuvor noch niemand durchstoßen hat, ist daher für ihn eine besondere Motivation und ein elementarer Ausdruck seiner Persönlichkeit. Gerade über das Außergewöhnliche  kann er sich in den Vordergrund bringen und sich der Aufmerksamkeit anderer sicher sein. Es muss neu, anders, ungewöhnlich, exzentrisch oder auch abschreckend, hässlich oder grausam sein – Hauptsache es berührt die Mitmenschen, damit sie sich ihm zuwenden.

Grenzen schaffen Strukturen

Durch Strukturen wird ein System organisiert. Strukturen geben Sicherheit, Orientierung und Halt. Ohne Struktur versinkt  alles in einem einzigen Chaos. Nichts ist mehr kalkulierbar, auf nichts kann man sich einstellen, alles wirkt irgendwie wirr und unwirklich. Man hat das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren und sich in einer fremden Welt verirrt zu haben, wenn man keine Struktur erkennen kann.

Zwar kann ein gut strukturiertes und funktionierendes System ein Gefühl der Sicherheit geben, gleichzeitig gewinnt es mit der Zeit durch den hohen Grad an Verlässlichkeit den Anschein der Monotonie und des Gewöhnlichen. Es findet keine besondere Beachtung mehr, weil es eben funktioniert. Heute staunt niemand mehr über ein Automobil oder über ein Telefon. Es gehört zum Alltag dazu und hat den Status eines Wunders verloren.

Daher sucht ein Narzisst immer nach dem Außergewöhnlichen, das er hinter den Grenzen vermutet. Ein Narzisst kann nicht akzeptieren, dass das menschliche Potenzial oder die materiellen Ressourcen auf unserem Planeten begrenzt sind. Alles muss immer noch besser, schneller oder höher gehen. Auf wissenschaftlichem Gebiet kann dieser Drang natürlich zu wertvollen Erfindungen führen und der Gesellschaft nützen. Leicht werden aber die Grenzen des Möglichen übersehen oder missachtet, weshalb ein bestehendes und funktionierendes System leichtfertig zum Einsturz gebracht werden kann.

Systeme brauchen Grenzen

Jedes funktionierende System hat Strukturen. Diese Strukturen beinhalten aber auch gleichzeitig die Grenzen. Ein Mensch kann nicht fliegen, ein Auto kann nicht schwimmen und ein Affe kann nicht am Nordpol leben. Werden die Grenzen eines Systems nicht beachtet oder werden Strukturen zerstört, dann wird eine Situation chaotisch. Der Sinn geht verloren, wenn keine greifbare Ordnung mehr besteht.

Auf der anderen Seite müssen alte Strukturen zusammenbrechen, wenn neue Strukturen entstehen sollen. Das ist ein natürlicher Wachstumsprozess. Deshalb muss es Veränderung geben, allein schon wegen dem lebensnotwendigen Anpassungsprozess auf veränderte Rahmenbedingungen. Nur garantiert der Zusammenbruch eines Systems noch keinen Fortschritt. Es ermöglicht Veränderung und Wachstum, der Endzustand muss aber nicht besser sein als der ursprüngliche Zustand. Es kann auch sein, dass eine lange Phase des Chaos entsteht.

Der Narzisst bringt ein System ins Wanken, um damit zu provozieren und aufzufallen. Sein Drang, möglichst schnell sein Ziel zu erreichen und dabei möglichst mit spektakulären Leistungen aufzufallen, stehen einer behutsamen und evolutionären Entwicklung entgegen. Ein bestehendes System wird von dem Narzissten bis zum Anschlag gefordert und ausgebeutet oder in andere Bahnen regelrecht gezwungen und vergewaltigt. Ein evolutionären Prozess hingegen bewahrt das gute Alte und fördert das gute Neue. Es wird mit Augenmaß, Zeit und Geduld vorgegangen, um den richtigen Weg zu finden, damit am Ende der Entwicklung wieder ein gesundes System entsteht, das funktioniert und Nutzen stiften kann.

Freiheit ist, wenn es keine Grenzen gibt!

Der Narzisst empfindet das Fehlen von Grenzen als ein Gefühl der Freiheit. Es ist eines der stärksten Bedürfnisse des Narzissten, unabhängig zu sein und stets alles tun zu dürfen, was er will. Er will sich von niemand etwas sagen lassen müssen. Er funktioniert nach seinen eigenen Regeln. In seiner Welt scheint alles vorstellbar und alles möglich. In seiner Welt kann er die unmöglichsten Ideen entwickeln, die er, wenn eine entsprechende Intelligenz und Tatkraft vorliegt, auch  verwirklichen will und dabei wie von einem Dämon getrieben wird. In diesem Zustand hat sich der Narzisst nicht mehr selbst unter Kontrolle. Er wird zu stark von seinen Eingebungen und einem Größenwahn getrieben, ohne sich der Realität noch gewahr zu sein.

Durch das Auflösen von Grenzen besteht auch die Gefahr, dass die persönliche Ich-Grenze eines Menschen verschwimmt. Der Narzisst erkennt nicht mehr, wo sein eigenes Selbst beginnt, wo es aufhört und das Selbst eines anderen beginnt. Das eigene Selbst wird ausgeweitet und erstreckt sich dann über die gesamte Umwelt. Der Narzisst glaubt dann, über alles in  seiner Umwelt verfügen zu können, weil es ein Teil seiner selbst ist. Das Individuelle verschwimmt, ähnlich wie ein Wassertropfen, der ins Meer fällt und dann kein einzelner Tropfen mehr ist, sondern in ein größeres Ganzes übergeht.

Eine in sich starke Persönlichkeit kann seine Individualität nur durch die Akzeptanz von Grenzen aufrechterhalten. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass das Ich nicht verlorengeht und dass es von der Umwelt überschwemmt oder aufgesogen wird. Sichere Grenzen führen zu einem sicheren Gefühl vom eigenen Selbst, zu einer Identität und zu einer inneren Festigkeit. Wo individuellen Grenzen nicht akzeptiert werden, findet ein Auflösungsprozess statt mit einer Entwicklung ins Ungewisse.

Das Gefühl für das eigene Selbst fehlt

Das Selbstgefühl des Narzissten ist unentwickelt, weshalb er auch kein Gefühl für seine Grenzen haben kann. Er kann nicht fühlen, was zu ihm gehört und was zu einem anderen gehört. Für den Narzissten fließt alles ineinander, was bei ihm innerlich zu einer Verwirrung führt. Um wieder Halt und Sicherheit zurückzuerlangen, schafft sich der Narzisst dann ein Image, das ihm eine Identität geben soll. Fortan muss er dann sehr viel Kraft investieren, um dieses Idealbild von sich aufrechtzuerhalten und zu verteidigen.

Lösen sich Grenzen in Beziehung auf, dann wird kein Unterschied mehr gemacht zwischen Meins und Deins. Alles gehört zu dem Narzissten – der Partner, dessen Haus, Auto,Vermögen, dessen Zärtlichkeit, Gefühle und sogar seine Gedanken. Alles was der Partner ist und hat, gehört auch dem Narzissten. Sobald sich der Narzisst mit einem Partner verbindet, verschwimmen die Grenzen zwischen den Individuen und es gibt keine zwei Persönlichkeiten mehr in der Beziehung, sondern nur noch ein Paar. Ähnlich wie der Wassertropfen, der ins Meer fällt und aufhört zu existieren, hören auch die Individuen in einer narzisstischen Beziehung auf, zu existieren.

Es gibt auf der emotionalen Ebene nur noch das Paar – das UNS – allerdings mit der Führerschaft des Narzissten. So ist es zu erklären, dass sich der Narzisst enorm schwer tut, wenn sich der Partner emotional distanziert. Wenn der Partner nicht dieselben Gedanken hat wie der Narzisst, wenn der Partner andere Wünsche und Vorstellungen äußert wie der Narzisst, wenn der Partner eigene Wege gehen möchte – auch wenn es nur für den Augenblick ist – dann entsteht in dem Narzissten ein Gefühl der Panik, weil er Angst hat, dass das zusammengewachsene Paar auseinanderbrechen könnte, dass sein Image beschädigt wird und dass er die Kontrolle verliert. Er würde das auf der seelischen Ebene als eine schmerzhafte Beschränkung erleben. Würde er sich nur auf sich selbst beschränken, dann würde er sich als ungenügend empfinden.

Fehlende Grenzen führen zum Leid

Daher fällt es einem Narzissten auch besonders schwer, einen persönlichen Misserfolg zu ertragen oder den Abbau der eigenen Leistungsfähigkeit sowie den Verlust von äußeren Attraktivität und der Gesundheit im Alter zu akzeptieren. Er leidet in hohem Maße, wenn sich seine Kinder oder seine Frau von ihm abwenden oder wenn sich seine Lebensumstände einfach nicht so entwickeln wollen, wir er es mit seinem eisernen Willen zu erzwingen versucht. Er tut sich extrem schwer, die eigenen Unzulänglichkeiten, seine Durchschnittlichkeit und seine Endlichkeit als persönliche Grenzen zu akzeptieren.

Es ist ein Teil der irrealen Welt des Narzissten, dass er aufgrund eines Mangels an Selbstgefühl die eigenen Grenzen nicht spüren und akzeptieren kann und somit seinen Partner vereinnahmt und mit ihm verschmelzen möchte. Er saugt alles aus seiner Umwelt auf und macht es zu seinem Besitz, ob es nun materiell, geistig oder emotional ist. Alles in seinem Umkreis gehört zu ihm und formt sein Image. Er ist die Umwelt und die Umwelt ist er.  Das Gefühl, über sich hinauszuwachsen und mehr zu sein, als man in Wirklichkeit ist, gibt dem Narzissten seelische Stabilität.


Veröffentlicht in Blog, Eigenschaften eines Narzissten
47 Kommentare zu “Der Narzisst kennt keine Grenzen
  1. Silv sagt:

    Narzissten sind zu absoluten Höchstleistungen fähig. Sie sind oft sehr begabt und in Einzelbereichen sehr herausragend.Stellen das aber auch entsprechend hochmütig da

    Andererseits gibts auch herausragend etfolglose oder dumme Narzissten.
    Hat Hr. Grüttefien doch auch schon beschrieben

  2. Gila sagt:

    Grenzen :

    Als ich zu meinem Ex sagte, das er keine Grenzen einhält, meinte er ganz locker :
    “ Man muß im Leben mal die Grenzen überschreiten, um ans sein Ziel zu kommen.“
    Und SEIN Ziel, nicht Unser Ziel. Das bestätigt mir, das ich nur Mittel zum Zweck war, SEIN Ziel zu erreichen, in dem Glauben : UNSER Ziel…

    Und einer seiner eigenen Lieblingszitate ist :
    “ Aus einer Lüge wird manchmal die Wahrheit “

    Eigentlich sprechen diese Worte Bände, nur die sah ich zu diesem zeitpunkt noch nicht…..

  3. Friderike sagt:

    Was passiert eigentlich, wenn zwei Grenzenlose jeweils an die Grenze des Anderen stoßen?
    Das muß doch notwendigerweise in eine Wahrnehmung führen…

    • Flora sagt:

      Wie meinst du das?
      Die Frage ist absurd, wie kann man bei Grenzenlosen an Grenzen stoßen?
      Naja, ist ja auch schon spät LOL

    • Lise sagt:

      wieso notwendigerweise?

      So entsteht aber vielleicht das Trugbild des Seelenzwillings & Co. , was sich früher oder später schmerzhaft als wahrhaft Wahrnehmung herausstellt.

    • Gila sagt:

      Guten morgen

      Entweder gibt es Mord und Todschlag zwischen den beiden, oder sie betreten jeweils den Bereich des anderen und profitieren voneinander…

      Mein N hatte seine Grenzen :
      sein und mein Auto : darüber bestimmte er…
      sein und mein Tagesablauf : darüber bestimmte er.
      Da kann ich noch mehr aufzählen.

      Ich verstehe es so, bzw. erlebte es, das ein N die Grenzen der anderen dauernd überschreitet, aber selber hat er seine Grenzen schon, die er dem anderen aufbürdet….
      In seinen Bereich darf schon eingesehen werden, wenn er davon profietiert, ansonsten setzt er mit all seiner Macht sich für seine Grenzen ein.

      • Gila sagt:

        Die ersten zwei Zeilen gehen an Frederike 🙂

        • Friderike sagt:

          @ Gila: Danke sehr für diese Zeilen.
          Ich wollte mit dem, was ich schrieb, lediglich darauf aufmerksam machen, dass nach meinen Erfahrungen ein Narzisst grenzenlos ist, wenn es um SEINE Ausdehnung geht ; geht es aber darum, dass der andere Narzisst auch diese Prinzip verfolgt… ja, dann…
          Es ist genauso, wie Sie es beschrieben: ohne Bewußtsein und mit voll ausgelebtem Ego kann es nur krachen – nach den Gesetzen des Narzissmus. Die Wenigsten derer haben sich selbst im Griff.
          Wenn ein Narzisst einem anderen Menschen Profit wirklich gönnt, muss er wohl schon ganz schön geläutert sein .

      • Silv sagt:

        Narzissten profitieren vom Partner. Den sie dann zerstören. Vor allem den Coveranlagten.
        Ein Gesunder wendet sich schnell ab. Und bleibt auch dabei.

  4. Andrea sagt:

    Ein echt guter Beitrag. Man entdeckt immer Neues rund um das Thema Narzissmus und man beginnt zu reflektieren, was man selber alles so mit einem Narzissten erlebt hat – einzelne Situationen, teilweise auch völlig (vermeintlich) unspektakuläre Situationen – und es fällt einem plötzlich wie Schuppen vor den Augen. Eigentlich ganz unscheinbare Situationen, Worte, Sätze… die einem vielleicht in diesem Moment kurz komisch vorgekommen sind oder man vielleicht gedacht hat: „Oh hoppla“ oder „der Satz passt jetzt überhaupt nicht zu dieser Situation“ oder „was will er jetzt damit sagen?“… Und dann diese Situationen unter den Teppich gekehrt hat, weil es einfach unspektakulär war oder es eben einfach nicht wert war, dieser Situation Aufmerksamkeit zu schenken. Aber so vieles, was man dann rückblickend deuten kann – so vieles. So vieles, was aussagekräftig ist und womit der Narzisst etwas andeuten oder „sagen“ wollte. Was für IHN von Bedeutung war, aber nicht für den Gegenüber. Kleinigkeiten, kleine Erwähnungen, ein einfacher Satz, eine scheinbar völlig unscheinbare Situation… – alles Dinge, die irgendwie „nicht gepasst haben“, aber die rückblickend eine so große Bedeutung haben.

  5. Celine sagt:

    Narzissten respektieren die Grenzen anderer nicht, sondern sehen in ihnen eine Erweiterung ihrer selbst. Meine narzisstische Verwandte bezeichnet ihren Ehemann als „irgendwie wie ihr Arm oder Bein“.

    Klarer kann man es eigentlich kaum formulieren, was ein Narzisst unter einer Beziehung versteht.

    Ich selbst werde wieder massivst abgewertet, seitdem ich mich weigere, ihr eine Vollmacht zu unterschreiben, damit sie die Erbschaftsangelegenheiten in die Hand nehmen kann. Die kommt gar nicht auf die Idee, dass andere da mitbestimmen wollen – als wäre sie ganz allein auf der Welt.

    Die Vollmacht wird sie nie bekommen. Sogar ein gemeinsamer Biergartenbesuch ist nicht mehr zu rechtfertigen, da jegliches Vertrauen in sie verloren gegangen ist.

    In früheren Zeiten belehrte sie mich hochmütig, dass man Menschen unter dem Gesichtspunkt „des Nutzens“ auswählen müsse, um auf der Gewinnerseite des Lebens zu stehen. Bei einem Mann wären für sie vor allem Status und Geld ausschlaggebend, da sei sie „unerbittlich“. Dafür nimmt sie auch gerne wesentlich ältere Semester in Kauf.

    Bei der kommen womöglich noch soziopathische Züge ins Spiel. Sie führt einen rein parasitären Lebensstil.

    Es wird Zeit, dass ich mich ganz vom Acker mache.

  6. Primel sagt:

    @Stefan
    Ich finde deinen Beitrag hier sehr wichtig und richtig. Auch ich habe die bittere Erfahrung gemacht, dass man, wenn man einem Narzissten Grenzen setzt, in der Folge massiv bekämpft, diffamiert und verleumdet wird. Und genau, nicht nur vom Narzissten selbst, sondern auch und besonders von dessen Hofstaat, mit dem er sich umgibt. Diese Leute übernehmen on vorauseilendem Gehorsam diese Drecksarbeit.
    Ein Kampf ist hier ein aussichtsloses Unterfangen und geht auf Kosten der eigenen Gesundheit wie ich leider mittlerweile auch erkennen musste. Aber sich abwenden und ignorieren des Treibens kann auch keine Lösung sein.
    Siehe eben auch auf der großen politischen Bühne Trump, Erdogan, Kim Jong Un usw.usw.
    Also auch mich interessiert die Frage;wie setze ich einem Narzissten Grenzen ohne dabei selbst in Gefahr zu geraten?

    • Klarsicht sagt:

      Hallo Primel
      Ja, das ist eine gute Frage, wie setze ich dem Narzissten Grenzen ohne dabei selbst in Gefahr zu geraten. Ich glaube es ist auch nötig dem Narzissten Grenzen zu setzen, will man selbst dabei nicht völlig untergehen. Denn wenn man an die Sage denkt, als Narziss mit Echo… Echo hatte keine (eigene) Stimme, und das ging nicht gut. Der Narzisst geniesst zwar jemanden ohne eigene Stimme (z.B. als Ehefrau), aber genau… er sucht Reibung und so ist ein „Echo“ zwar angenehm, aber nicht das was er sucht und braucht, und v.a. auch nicht was ich als Gegenüber brauche. Wie also setze ich Grenzen? Indem ich es immer wieder tue, aber bei mir bleibe… auf meiner Grenze bleibe… d.h. ihm klar und deutlich sage, wo meine Grenze ist, ohne ihn dabei anzugreifen, zu kritisieren oder zu verletzen. Ihm sage, wo es mir weh tut und wie ich mich dabei fühle… Ihr kennt das schon, das Wörtchen Du vermeiden, nur in der Ich-Form sprechen. Dabei halte ich ihm auch den Spiegel vor, d.h. ich wiederhole, was er gesagt, was er getan hat, denn häufig ist er sich dessen gar nicht bewusst. Ich habe damit ganz gute Erfahrung gemacht. Es ist wie bei der Kindererziehung wo man sagt, Erziehen mit Güte und Liebe, aber mit Festigkeit. Gut, erziehen möchte man den Narzissten ja nicht gerade, es geht mir auch nicht darum ihn zu ändern, aber es geht mir darum selbst eine Stimme zu haben und nicht einfach einzustecken. Ich vergleiche es deshalb mit der Kindererziehung, weil auch dort: Ein Kind, das stört ist in Not, und wenn ich die Not des Kindes erkenne, es in die Arme nehmen kann, stört es nicht mehr. Und Narzissmus ist ein Schrei nach Liebe, wenn ich ihm diese Liebe geben kann, muss er nicht mehr danach schreien und nicht mehr soviel Störung verursachen. Ich habe mir aber auch immer überlegt, wie würde ich mich in seiner Situation fühlen? Stellt Euch vor wie es wäre, wenn die ganze Welt gegen uns wäre? Das hat mir geholfen einfühlsam zu sein, wenn ich meine Grenzen absteckte. Aber ich verbiege mich nicht (mehr), das habe ich von ihm gelernt und dafür bin ich ihm sehr dankbar! Denn ein Baum, der sich dauernd verbiegen muss, bricht einmal und wir wollen daran nicht zerbrechen. So ist das Jahre gut gegangen, und würde noch heute gut gehen, aber ich bin trotzdem müde geworden. Das dauernde Nachdenken, wie ich es wohl am besten und richtig ist, hat mich auch erschöpft… Aber das war es nicht (nur). Er hat, wie so viele Narzissten, mir ein X für ein U vorgemacht… und da fühle ich mich hintergangen und das möchte ich nicht mehr.
      Denkt daran: Narzissten ziehen uns deshalb so an, weil sie es verstehen bei uns den richtigen Knopf zu drücken, sie dabei aber selbst immer ein Rätsel bleiben. Und wäre dieses Rätsel gelöst, wäre es nicht so spannend (gewesen)…
      Ich geniesse es, von einem Narzissten geliebt worden zu sein, ich habe diese Farbenvielfalt genossen, ich schaue das Schöne an, das ich hatte, das weniger Schöne lasse ich stehen und schaue es gar nicht an, bzw. betrachte es als Lehrgang… Aber schlussendlich, wenn es vorüber ist, seid froh, dass es vorüber ist, wie auch immer es zum Ende kam, seid einfach froh, dass es vorüber ist.
      Ich wünsche Euch allen, dass Ihr für Euch einstehen mögt, Eure Grenzen setzt, ohne in Gefahr zu kommen, d.h. ohne ihn anzugreifen und ihn rasend zu machen.
      Alles Liebe
      Klarsicht

      • Lise sagt:

        immer in der ich- Form sprechen brachte mir den Vorwurf, nur von mir zu reden und seine Gefühle nicht zu beachten. Diese nichtkonfrontontative Kommunikation ist also auch nicht überall eine Lösung. Und was meine Grenzen sind oder mir weh tat wollte er nicht mehr hören, ich wurde als Opfer beschimpft. Mit einigem Recht sogar.
        Dagegen hilft, nicht um Liebe oder Gnade zu flehen oder mit großen traurigen Augen zu gucken, sondern machen.

        • Katja sagt:

          hier musste ich echt lachen, da ich das auch so erlebt habe:
          ob ich-form oder du-form…
          bei narzissten ist es im grunde wurscht, wie man kommuniziert – es wird sowieso zum eigenen nachteil ausgelegt.
          narzissten lassen sich nicht „erziehen“ oder gar liebevoll heilen – da gehts nur um siegen und rechthaben.
          an all ihr co-abhängigen (so wie ich auch einer bin!): rette sich, wer kann!

        • Klarsicht sagt:

          Ich weiss wovon Du sprichst, an diesem Punkt war ich auch einmal… Und dennoch, wenn er nicht hören will was meine Grenzen sind, dann ist meine Grenze dies nicht mehr mitzumachen und zu gehen. Ich weiss, das hört sich jetzt so einfach an, ich brauchte 2 Jahre Vorbereitungszeit zu gehen und das Ganze hat mich enorm viel Kraft und Gesundheit gekostet. Aber Grenzen zu setzen heisst sich selbst abzugrenzen, sich so zu abzugrenzen, dass der Narzisst nicht mehr andocken kann und dass es mir „nichts mehr ausmacht“. Schaut auf euch, nicht dauernd auf den anderen, was der andere tut. Was tut mir gut? Was brauche ich? Warum lasse ich das überhaupt zu? Das Buch von Heinz-Peter Röhr: “ Wege aus der Abhängigkeit. Destruktive Beziehungen überwinden“ hat mir enorm viel geholfen.
          Und als ich ging, hat der Narzisst mir gesagt, ich hätte ihn enorm im Positiven geprägt, aus ihm einen „fast normalen und gesunden Menschen“ gemacht… Ein schönes Kompliment, wenn vielleicht auch ein Mittel zum Zweck, dass ich bleiben würde? Doch für mich und mir gegenüber war er tatsächlich (fast) nicht mehr narzisstisch, für andere Menschen enorm! Dennoch, der Weg dorthin war enorm und das was ich durchgestanden hatte, möchte ich nicht nochmals durchstehen, auch wenn ich (wie immer im Leben) versuche „nur noch“ das Positive zu sehen.

          • Maria sagt:

            Bist Du tatsächlich gegangen Klarsicht?

            Keinen Kontakt mehr?
            Oder eben anstatt Beziehung lockere Affäre?

            Oder hat er bereits jemand Neues?

            Es liest sich so einfach….
            LG
            Maria

          • Klarsicht sagt:

            Ja, Maria, ich bin gegangen. Dies vor einem Jahr. Damals war ich sehr sehr erschöpft. Ich hatte das auch als Grund genannt, weshalb ich die Beziehung beende. Das Leben, das ich führte, erschöpfte mich zu sehr. Meine Gedanken damals: ich weiss nicht mehr welches Paar Handschuhe ich noch anziehen muss ihn anzufassen, ich habe keine (passenden) Handschuhe mehr. Dies das Bild hatte ich damals vor Augen… und ich wusste nur eines: wenn ich so weitermache, werde ich sehr krank. Ich spürte das und es hat sich auch bewahrheitet. Ich hatte 6 Monate später eine Herzoperation, einen Verschluss der Hauptarterie des Herzens oder wie der Chirurge sagte, ein gebrochenes Herz. Ich gebe ihm dafür keine Schuld, beileibe nicht! Ich hatte dafür auch andere bedeutende Faktoren. Doch es war mir eine grosse Warnung nicht mehr mit meiner Gesundheit zu freveln, für mich einzustehen… ich bin auch wer und auch wichtig. Doch ich wollte ganz im Guten von ihm gehen. Das stand mir an erster Stelle und ich denke, das ist für unsere Gesundheit sehr wichtig. Dass wir keinen Groll haben, Groll schadet nur uns selbst. Ich habe immer wieder versucht, seine Verletzungen zu sehen und mir zu erklären weshalb er so ist.
            Du frägst ob wir keinen Kontakt mehr haben. Er hat den Kontakt nach Intervallen von Monaten immer wieder gesucht, oft mit der Zielgerade ins Bett. (Eine andere Frau wolle er nicht, sagte er). Ich konnte mich nicht so schnell wieder öffnen, und v.a. habe ich eine grosse Wunde: Wie alle Narzissten hat er mich zu Beginn unserer Beziehung (vor 8 Jahren) in den Himmel gehoben. Ich, die ich diese Beziehung gar nicht gewollt hatte und so fühlte ich mich als Prinzessin und verliebte mich in ihn. Er wollte mich nach 2 Wochen bereits heiraten, was mir nach so kurzer Zeit so irreal vorkam. Und dann aus nichtigem Grunde der Absturz von der obersten Liga (=heiratswürdige Frau) zur untersten oder fast untersten Liga (=Bettgeschichte mit interessantem Hintergrund und tolle Gesprächspartnerin). Und das reicht mir einfach nicht. Ich will ihn nicht heiraten, aber ich will potentiell (weiterhin) dafür in Frage kommen dürfen. Ich weiss auch nicht, ob dies alles (zu Beginn) nur inszeniert war mich (ins Bett) zu kriegen. Und das reicht mir nicht, ich fühle mich nicht (mehr) wertvoll genug. Und dann gibt es nur den Abgang…

      • Flora sagt:

        Sorry, wer Narzissten Grenzen setzt wird entsorgt.

        Wer hinter ihre Maske blickt oder sich nicht mehr einlullern läßt, oder ausgelaugt und ausgesaugt ist ebenfalls.

        Die sind kein Rätsel, abseits von dem ganzen Gemenschel muss man den Realitäts check machen. Nerven kaputt, Konto leer, betrogen, belogen, verlacht und verscheißert? Soviel kann man gar nicht trinken um sich das schön zu reden.

      • Silv sagt:

        Eine Beziehung,in der es immer wieder existenziell wichtig ist, Grenzen zu setzen und letztendlich zu verteidigen, kann nicht gesund sein.

    • Friderike sagt:

      Ich empfinde derartige Lerninhalte für den Narzissten-Partner als eine große Chance, wenn dieser sein eigenes Ego dämpft und aufhört zu kämpfen.

  7. Céline sagt:

    Wenn ein Mensch über sich leistungsmäßig hinauswachsen will, sehe ich darin etwas Positives. Große künstlerische, wissenschaftliche, sportliche Leistungen wären ohne eine solche Motivation gar nicht zustandegekommen.
    Nach Erich Fromm bedeutet Narzissmus, dass nur das, was unmittelbar mit einem selbst zu tun hat, interessiert. Echtes Interesse an der Aussenwelt fehlt.
    Demnach hätten gerade Wissenschaftler, Künstler ihren Narzissmus weitgehendst überwunden, weil sie eben nicht nur um den eigenen kleinen Bauchnabel kreiseln, sondern ausgeprägtes Interesse an etwas haben, was ausserhalb ihrer selbst liegt. Sie vergessen völlig ihr kleines Ego und wachsen über sich selbst hinaus, im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Werk Beethovens ist einfach nicht genial zu interpretieren, wenn ich nicht ganz in sein Werk eingetaucht bin und mich dabei ganz vergessen habe.
    Nicht umsonst sprechen viele Philosophen vom Glück der Selbstvergessenheit.

    Hier definiert Erich Fromm Narzissmus
    „(…..) In der Pathologie des Narzissmus ist zwischen zwei seiner Formen – der gutartigen und der bösartigen – zu unterscheiden. Bei der gutartigen Form ist das Objekt des Narzissmus das Ergebnis der eigenen Bemühungen. So kann jemand beispielsweise von einem narzisstischen Stolz auf seine Arbeiten als Tischler, als Wissenschaftler oder als Landwirt erfüllt sein. Insofern der Gegenstand seines Narzissmus etwas ist, woran er arbeiten muss, findet sein ausschließliches Interesse an seiner Arbeit und seiner Leistung immer wieder ein Gegengewicht in seinem Interesse am Fortschritt der Arbeit selbst und an dem Material, mit dem er arbeitet. (…)
    Beim bösartigen Narzissmus ist der Gegenstand des Narzissmus nichts, was der Betreffende tut oder produziert, sondern etwas, was er hat, z.B. sein Körper, sein Aussehen, seine Gesundheit, sein Reichtum und so weiter. Diese Art von Narzissmus ist deshalb bösartig, weil ihm das korrektive Element abgeht, das wir in der gutartigen Form finden. Wenn ich „groß“ bin, weil ich eine bestimmte Eigenschaft habe und nicht weil ich etwas leiste, ist es nicht nötig, dass ich mit irgendjemand oder irgendetwas in Beziehung stehe. ― (1964a: Die Seele des Menschen. Ihre Fähigkeit zum Guten und zum Bösen, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band II, S. 210f.)“

    Stolz auf seine Nationalität wäre natürlich auch dem bösartigen Narzissmus zuzurechnen.

    Mir fällt an Narzissten auf, dass sie meist wenige Hobbies haben, es sei denn, es wären solche, mit denen man angeben kann. Intellektuelle Neugier fehlt völlig, Dazu müsste man ja seinen kleinen Bauchnabel mal kurzfristig vergessen.
    Aus diesem Grund finde ich diese Leute vor allem unerträglich langweilig. Es sind Betonschädel, die nichts an sich heranlassen ausser der eigenen Meinung. Die denken mit 20 dasselbe wie mit 70. Seelisch-geistige Entwicklung ist da nicht möglich.
    Da die narzisstische Selbstbespiegelung in der deutschen Psychotherapie gefördert wird, wundert es nicht, dass sich diese Leute meist schlecht fühlen und sich kaum als Freunde eignen.
    In Beziehung sollten natürlich in einem gewissen Grade Grenzen vorhanden sein. Aber um wirklich empathisch zu sein, und das ist die Voraussetzung für eine gelungene Beziehung, muss ich mein Ich zeitweilen auch vergessen können.
    Es kommt immer auf die Balance zwischen Selbstvergessenheit und Selbstbewahrung an.

    • Eine gewisse Durchlässigkeit ist unvermeidbar, wenn man persönlich wachsen möchte – das ist keine krankhafte narzisstische Eigenschaft, sondern hat etwas mit der eigenen Selbstentwicklung zu tun. Man lernt neue Dinge des Lebens kennen, öffnet sich dafür und setzt sich mit ihnen auseinander, um sie ggf. ins eigene Selbst zu integrieren. Der krankhafte Narzissmus integriert aber nicht und verändert dadurch das eigene Selbst im Sinne einer persönlichen Weiterentwicklung, er erweitert nur seinen Aktionsradius, vereinnahmt andere und verändert diese. Er verändert andere oder er verändert andere Dinge, sobald er Macht über sie gewonnen hat. Er selbst bleibt aber von Veränderungen unberührt – weil er ja zutiefst von sich überzeugt ist, perfekt zu sein.

      • Silv sagt:

        Und weil er sich nicht wirklich verändern kann. Die narzisstische Persönlichkeitsstörung überdauert jeglichen Änderungsversuch durch Außenwelt und Therapie. So wie alle Persönlichkeitsstörungen.

    • Flora sagt:

      Danke,

      den mittleren Absatz werde ich mir mal hinter die Ohren schreiben, um ihn so prägnant weiterzugeben.

      Sie haben keine Hobbys, sie sind in allem schnell gelangweilt. Es wird ne Runde damit angegeben, dann läßt man es irgendwo vor sich hingammeln.
      Auto / Boot / Technik. Es wird auch nicht verkauft oder verschenkt. Viele sind auch Messies.

    • Silv sagt:

      Quark. Erich Fromm.

  8. Stefan sagt:

    Dass Narzissten Grenzen nicht akzeptieren, macht sie sehr gefährlich für ihre Umwelt. Nicht nur für den Partner. Richtig schlimm wird es, wenn der Drang nach vorn mit Dummheit kombiniert ist – leider geht die Verleugnung der Realität ja oft mit einer Verweigerung von Bildung einher, daher ist diese Kombination bei narzisstischen Personen nicht selten.

    So können Narzissten ganze „Szenen“ oder Gemeinwesen vergiften, vor allem, in dem sie polarisieren. Narzissten sind derart auf sich gepolt, dass sie selbst moralische Grenzen und solche des Anstands überschreiten. Wer das nicht akzeptieren will und versucht, Stellung zu beziehen, wird nicht nur vom Narzissten, sondern auch von den Fans solcher Menschen niedergebrüllt.

    Ich denke, das ist ein ganz zentrales Problem beim Umgang mit diesen Personen. Eigentlich macht man sich an deren Terror mitschuldig, wenn man ihnen keine Grenzen setzt. Andererseits rückt man dann in deren Fokus und wird diffamiert und gemobbt.

    Letztlich kann man, um sich selbst zu schützen, dann nur kapitulieren. Diese Erfahrung musste ich machen. Das bedeutet aber letztlich, dem üblen Treiben dieser Personen freie Bahn zu lassen und zuzusehen, wie andere Menschen gemobbt und bewährte Strukturen eingerissen werden. Am Ende herrschen allgemeines Misstrauen und Hass statt Kooperation, der Zusammenhalt einer ganzen Gruppe ist dahin.

    Die Crux ist, dass man für die nötige Auseinandersetzung, selbst für Stellungnahmen, kaum Verbündete findet, da die meisten Leute Probleme scheuen, sich die Sache schönreden („Ja, er ist schräg, aber tut ja auch so viel für die Szene!“) oder schlicht und einfach selber Probleme haben, deren Lösung der Narzisst ist. Andere sehen die Konsequenzen nicht, die eintreten, wenn man solchen Leuten freie Bahn gibt. Am Beispiel Amerika kann man sehen, dass ein einziger Narzisst an der richtigen (falschen) Stelle eine ganze Gesellschaft polarisieren kann.

    Ich habe da für mich noch keine Lösung gefunden.

    Ich würde hier SEHR gerne einmal einen Artikel über den Umgang mit den Fans von Narzissten lesen bzw. Leuten, die ihnen auf den Leim gegangen sind. Es kann doch nicht sein, dass die einzige Lösung ist, ihnen das Feld zu überlassen, weiterzuziehen und zu hoffen, dass sie bleiben wo sie sind und dort nur begrenzt Schaden anrichten.

    • Silv sagt:

      Nein. Der ausgeprägte Narzissmus geht oft mit Intelligenz und Bildung einher.

    • Silv sagt:

      Die Lösung heißt für mich: Abstand und möglichst weit weg- wenn möglich. Und am besten Kontaktabbruch. Solche Charaktere ändern sich nicht durch unseren Einfluss. Das zu meinen, könnte selbst narzisstisch sein😉’Helfer‘ werden entweder ausgenutzt odet ausgelacht (‚wegen ihrer Dummheit‘)

  9. Lucia sagt:

    Sehr guter Beitrag!! Hat mir exakt meine Erfahrungen mit einem Narzissten gezeigt. Ich lese jeden Artikel hier aber manchmal macht mich das nur sehr wütend.( Was nicht heißen soll, dass die Artikel schlecht sind oder unzutreffend, im Gegenteil.) Bei diesem aber wird mir einfach nochmal das “ funktionieren “ der Narzissten klar in dem Sinne , das ich in positiver Weise Verständnis entwickeln kann. Und gerade die Grenzen eines Narzissten werden ja auch hier ziemlich deutlich, wenn man sich nicht von der Umwelt oder auch vom eigenen Partner wenigstens hin und wieder in gesundem Maß abgrenzen kann, ist man eigentlich total abhängig.
    Für mich kam der Beitrag hier gerade zur rechten Zeit, dieses Kapitel wieder ein Stück weiter hinter mir zu lassen. Nach 17 Jahren mit ihm und nun fast 5 jährige Trennungszeit, in der er mir das Leben regelmäßig zur Hölle gemacht hat, helfen mir solche Betrachtungen wie oben weiter Abstand zu gewinnen. Es ist nicht leicht sein Leben nach einer solchen Erfahrung neu zu ordnen, ich merke wie sehr mich diese Zeit leider auch geprägt hat, aber in dem man manche Sachen analysiert, kann man wieder mehr zu sich selbst finden.
    Mich würde auch die Antwort auf den ersten Kommentar sehr interessieren. Das klingt sehr nach religiösen Ausrichtungen in denen viel meditiert wird. Ich persönlich halte davon nicht viel. Man begibt sich da unter Umständen in Hände bei denen man nicht weiß, wessen Geistes Kind sie sind….aber das ist sicher ein ganz anderes Thema.

  10. Kerstin Zimmermann sagt:

    Lieber Herr Grüttelfien,
    Ihre Beschreibung des „Nicht-Grenzen“ akzeptieren und völligem Aufgehen in der Einheit ( im Meer) erinnert mich sehr stark an Menschen, die berichten, daß sie erleuchtet sind oder erwacht. Dort wird auch berichtet, daß sie kein Ich mehr haben oder es getötet und transformiert haben und alles gleichgültig sei. Ebenso wird die Übung emfohlen, auf Dinge zu zeigen z. B. Haus, Tier, Zaun, Mensch usw. und zu sagen: Das Selbe, das Selbe, das Selbe. Meine Frage an Sie: hat dies mit narzistischem Verhalten zu tun? Ich freue mich auf eine Antwort Ihrerseits.

    • Hallo Frau Zimmermann,
      man muss hier unterscheiden. Beeinträchtigung der Ich-Umwelt-Schranke können bei vielen verschiedenen psychischen Störungen auftreten oder durch den Konsum von Drogen entstehen. Dieses Kennzeichen ist nicht typisch für den krankhaften Narzissmus. Der Narzisst will ja nicht sein eigenes Ich aufgeben, sondern er will es durch Beeinflussung der Außenwelt erweitern und vereinnahmt aus diesem Grund seine Mitmenschen und seine Umwelt. Je mehr zu ihm gehört, je mehr er lenken kann, desto mächtiger fühlt er sich. Er selbst lässt sich aber von den Außenwelt nicht beeindrucken.

    • Lise sagt:

      Der religiöse Begriff der Wiedergeburt, und somit ein Würdigwerden für die jeweilige Sekte/Kirche ist mit solchem dauerhaft verändertem Seelenleben und Empfinden eng verbunden.
      Es fällt auf, dass viele manipulative Menschen von den oberen bis in die untersten Führungsetagen/Seelsorger
      zu finden sind. Sie suchen dort Ihre Heimat, weil sie dort machen können, was Ihnen gemäß ist. Wenn Sie das ablegen würden oder eine wirksame Therapie durchlaufen würden, müssten Sie damit aufhören.

      @ Celesine
      gerade unter Menschen, die gern auf Bühnen stehen, egal ob Künstlern oder Politikern, sind viele, die auf den Applaus angewiesen sind. Nicht ohne Grund sind dort auch Süchte massiv zu Hause, weil sie trotz des sehr aufreibenden Lebens und aller Anstrengung ihr Loch in der Seele nicht füllen können.
      dass die Menschheit von den Höchstleistungen profitiert mag sein, aber es gibt katastrophale Beziehungen im Privatleben bei diesen Höchstleistern. Künstler, Politiker, Weltmeister, Nobelpreisträger egal ob Literatur, Physik oder Mathematik u. s. w
      Sie vereinnahmen Ihr Umfeld und verlassen es und machen sich Wege frei, wo andere physische oder psychische Grenzen haben.
      Applaus oder Aufmerksamkeit ist mehr Wert als Geld.

      • Celine sagt:

        @lise

        Kann man nicht mal neidlos akzeptieren, dass es Menschen gibt, die begabter, intelligenter sind als man selbst.

        Weshalb müssen Sie Menschen, die ausserordentliche Werke geschaffen haben, schon wieder abwerten als Menschen, die dann wenigstens ein mieses Privatleben haben.

        Hochbegabung hat oftmals natürlich auch ein verfeinertes Gefühlsleben zur Folge. Man kann eines nicht vom andern trennen. Und das verfeinerte Gefühlsleben beschert dann auch ein schöneres Privatleben.

        Bei Ihnen kommt schon wieder der typisch deutsche Neidhammelfaktor ins Spiel.

        • Lise sagt:

          neidisch bin ich nicht und das die Hochstleistungen waren und sind nützlich.

          Was ich meine, ist der Preis, den Angehörige zahlen, wenn Hochstleistungen gen aus stark narzisstische Gründen gebracht werden.
          Und wie oft können sich Hochstleistungen irgendwann in Suchten oder Kliniken wiederfinden den, auch sie zahlen einen Preis, die eigenen Grenzen zu missachten

          • Celine sagt:

            @lise
            Intellektuelle, künstlerische Höchstleistungen und Narzissmus schließen sich eigentlich aus.

            Voraussetzung für solche Höchstleistungen ist immer eine Hochbegabung, die mit großer Neugier und Schaffensfreude einhergehen. Das zeigt sich meist schon in der frühen Kindheit. Die Kinder können sich stundenlang mit leuchtenden Augen mit einer Kartoffel beschäftigen, während andere immerzu Aufmerksamkeit brauchen und nichts mit sich anfangen können.

            Genau das fehlt Narzissten, ihre „Höchstleistungen“ beschränken sich auf die virtuose Kunst des Manipulierens, des Intrigierens, der Ausbeutung anderer, der schlafwandlerischen Sicherheit, den richtigen Wirt für die eigenen parasitären Absichten zu finden. Für Tätigkeiten, mit denen man schnelle Bewunderung erheischen kann, können sie sich allerdings mal vorübergehend ins Zeug legen. Aber sobald die Bewunderung ausbleibt, erlahmen auch die Aktivitäten und sie verfallen in Stumpfsinn, dem Alkohol, Drogen oder nehmen sich das Leben. Wenn eine Familie vorhanden ist, wird die terrorisiert, um so wenigstens Macht und Kontrolle ausüben zu können.

            Meist springt ihnen ihre Hohlheit aus dem Gesicht. Der Gesichtsaudruck ist entsprechend flach, die Mimik undifferenziert, übertrieben, das Lächeln falsch.

            Manchmal werden gerade echte Höchstleister Opfer von Narzissten, weil sie sich als Wirt für diese blutsaugenden Zecken eignen. Die Ressourcen sind groß, da gibt es viel zu holen.

        • Silv sagt:

          @celine 😊👈

  11. Elena sagt:

    Exakt gut beschrieben, die beschriebenen Symptome passen sehr gut zu meoinem Exfreund, Psychiater und Chefarzt in Sauerland. Zwei Aussprüche, „ich gehöre in jedem System zur Elite, hätte Hitler gewonnen, wäre ich Stadthalter in Wladiwostok.“ Oder:“ich gucke auf die Menschen, wie ein Biologe auf die Fliegen.“ Da kann man nur sagen, Gnade der späten Geburt.
    Alt werde, die Pensionierung, und Maligne Melanom haben sein ganzes narzistisches System schließlich gehörig ins Wanken gebracht. nach 15 Jahren Trennung ist er zu seiner Ehefrau zurückgekehrt, ich konnte ihn nicht mehr ertragen. „Meine Frau- früher Schreckschraube-hat gesagt, sie wird mich pflegen, du bist ja so weit weg.“ Welch ein glück und Zugewinn an Lebensfreude für mich.

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