Die narzisstische Tochter

Wenn Eltern zunehmend Schwierigkeiten im Umgang mit ihrer Tochter haben, weil diese sich extrem egoistisch, arrogant und gefühllos verhält, dann fragen sie sich häufig: “Ist meine Tochter narzisstisch? – Und wenn ja: Was können wir dagegen tun?” Sie stellen fest, dass sie den Zugang zu ihrer Tochter allmählich verlieren und das Verhältnis zwischen ihnen und ihrer Tochter von Streit, Intoleranz und Aggressionen geprägt ist.

Narzisstische Tochter mit ihrer Mutter

Bild: © fizkes – 123rf.com

Eine narzisstische Tochter fällt bereits in der Kindheit damit auf, dass sie immer im Mittelpunkt stehen muss, sich nur für sich selbst interessiert und sich wenig um andere kümmert. Sie glaubt, immer Recht zu haben sowie alles besser zu wissen und zu können. Sie besteht wie selbstverständlich auf eine Vorzugsbehandlung, vereinnahmt ihre Mitmenschen für ihre egoistischen Absichten und reagiert höchst empfindlich, wenn man sich ihr verweigert, sie kritisiert oder ihrer Ansicht nach ungerecht behandelt.

Das macht es Eltern nicht gerade leicht, mit ihrer Tochter umzugehen, weil sie extrem viel Aufmerksamkeit auf sich zieht und sofort aggressiv wird, wenn es nicht nach ihrem Willen geht. In den meisten Fällen gehen Eltern daher auf die Wünsche der Tochter ein in der Hoffnung, so ihre Ruhe zu haben. Leider steigert dies aber noch die narzisstischen Tendenzen der Tochter, da sie weiß, nur laut genug schimpfen und fordern zu müssen, damit sich ihr alle unterwerfen.

In der Kindheit sind narzisstische Phasen bei Kindern durchaus normal und entwicklungsfördernd. Nur wenn Störungen in diesen Phasen auftreten, die dazu führen, dass das Kind im Narzissmus verhaftet bleibt, entwickelt es im späteren Leben einen narzisstischen Persönlichkeitsstil. Man kann bei einem Kind noch nicht von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung sprechen – bestenfalls ist es verhaltensauffällig und zeigt narzisstische Tendenzen, die sich zu einer Persönlichkeitsstörung ausbilden können. Oft zeigen sich starke narzisstische Züge aber auch erst im Jugendalter oder wenn das Kind das Elternhaus verlassen hat.

Die narzisstische Tochter missbraucht die Eltern für ihre Zwecke

Im Erwachsenenalter kann sich der Narzissmus der Tochter deutlicher herausbilden und die Beziehung für die Eltern äußerst anstrengend werden: Immer muss sich alles nur um die narzisstische Tochter drehen und die Eltern werden ausschließlich für deren Bedürfnisse, Pflichten und Probleme missbraucht. Alles muss stets so laufen, wie sie es sich vorstellt: Sie hat immer Recht und die Eltern haben immer Unrecht. Manchmal schlägt die narzisstische Tochter auch ganz provokativ einen eigensinnigen oder sogar unvernünftigen Lebensweg ein, nur um sich von den Eltern abzusetzen und ihre Stärke und Autonomie zu beweisen.

Die Eltern haben kein Mitspracherecht bei der Gestaltung der gemeinsamen Beziehung. Die narzisstische Tochter diktiert die Regeln im Umgang und sobald die Eltern dagegen verstoßen, werden sie in irgendeiner Form bestraft. Wenn sie Kritik oder auch nur gutgemeinte Verbesserungsvorschläge für den Lebensstil, die Berufswahl, Partnerwahl oder den Erziehungsstil ihrer Tochter äußern, wird sie sofort aggressiv, wirft den Eltern unerlaubte Einmischung vor, hält ihnen diskreditierend Vorträge darüber, was sie in ihrer Kindheit angeblich alles falsch gemacht haben, hetzt andere gegen sie auf oder bricht den Kontakt einfach ab – bis ihr wieder einfällt, dass sie ihre Eltern für bestimmte Aufgaben benötigen könnte.

Ohne eine Entschuldigung geht die narzisstische Tochter dann wieder auf ihre Eltern zu und stellt Forderungen, die diese ohne Widerworte zu erfüllen haben. Auf die Vorstellung der Eltern nimmt sie keine Rücksicht. Sie sieht in ihnen nur seelenlose Erfüllungsgehilfen, die als Kindermädchen für die Enkel, als Geldquelle bei finanziellen Engpässen oder als Laufburschen missbraucht werden können. Wenn sich die Eltern verweigern oder Kritik äußern, droht die narzisstische Tochter eiskalt mit dem Entzug ihrer Liebe oder damit, die Enkel nicht mehr sehen zu dürfen. Die Eltern werden als egoistisch, lieblos und streitsüchtig betitelt. Die narzisstische Tochter flößt so den Eltern ein schlechtes Gewissen ein, um sie auf diese Weise gefügig zu machen.

Warum ist unsere Tochter so geworden?

In der Regel lässt sich diese Frage ohne eine tiefgehende Analyse – zumeist mithilfe eines psychologischen Fachmanns – nicht eindeutig beantworten. Meist wirft es noch mehr Fragen und Zweifel bei den Eltern auf, wenn sie versuchen, eine eigene Theorie zu entwerfen. Für die Entwicklung eines narzisstischen Persönlichkeitsstils sind biologische, psychologische und milieubedingte Faktoren verantwortlich. Welcher dieser Faktoren dabei mehr wiegt oder hauptverantwortlich für das gestörte Verhalten der Tochter ist, kann ohne eine sorgfältige Untersuchung nicht beantwortet werden.

Eltern geben sich aber oft selbst die Schuld an dem Verhalten ihrer narzisstischen Tochter und finden schnell Versäumnisse ihrerseits in der Erziehung. Meist glauben sie, durch einzelne Begebenheiten oder unangebrachte Verhaltensweisen die Tochter in den krankhaften Narzissmus getrieben zu haben. Dies muss jedoch nicht der Fall sein. Ereignisse, die für die Eltern möglicherweise schwer wiegen und einen Grund liefern könnten, mögen für die narzisstische Tochter gar nicht der Ausschlag gewesen und emotional völlig neutral von ihr aufgefasst und problemlos verarbeitet worden sein.

Wollen Eltern dieses Thema aufarbeiten, dann brauchen sie die Bereitschaft und Offenheit ihrer Tochter, an diesem Prozess mitzuwirken und gemeinsam zu klären, was in der Vergangenheit in der Eltern-Kind-Beziehung schiefgelaufen sein könnte und was die Tochter im besonderen Maß emotional belastet oder vermisst hat. Alles andere ist lediglich Spekulation und belastet die Eltern nur mit einem schlechten Gewissen, das eine narzisstische Tochter immer zum eigenen Vorteil ausnutzen wird.

Die narzisstische Mutter-Tochter-Beziehung

Oft sind es vor allem die Mütter, die aus Schuldgefühlen heraus zu nachgiebig sind und alles tun, um das Verhältnis zur Tochter entweder zu verbessern oder nicht noch mehr zu belasten, und daher auf alle Wünsche der narzisstischen Tochter eingehen. Dies nährt aber den Narzissmus der Tochter weiter und führt eher dazu, dass diese noch unverschämter und maßloser wird, weil sie keine Grenzen aufgezeigt bekommt. Die Mutter hat aber Angst, die narzisstische Tochter in ihre Schranken zu weisen und durch ein unbedachtes Vorgehen einen weiteren Fehler zu machen neben dem ihr unbekannten Fehler, den sie in der Erziehung gemacht haben könnte.

Narzisstische Tochter mit ihrer Mutter

Bild: © Iakov Filimonov – 123rf.com

Eltern sollten stattdessen die unbefriedigende Eltern-Tochter-Beziehung und die Störfaktoren im Umgang klar und unmissverständlich ansprechen – jedoch ohne Vorwurf. Sie sollten betonen, dass sie bereit sind, an einem besseren Verhältnis zu arbeiten, dass sie um ihren Anteil wissen und in der Vergangenheit sicherlich nicht alles richtig gemacht haben. Sie müssen sich jedoch das arrogante und rücksichtslose Verhalten ihrer narzisstischen Tochter nicht gefallen lassen und alles schlucken, was diese von ihnen verlangt oder ihnen an den Kopf wirft.

Sie können die Vergangenheit nicht ungeschehen machen, sie können aber daran mitwirken, dass die Zukunft besser wird – was allerdings der Mitwirkung der narzisstischen Tochter bedarf. Wenn diese jedoch die Einladung zu einem offenen und klärenden Gespräch nur dazu nutzt, sich über ihre Eltern zu beschweren und ihnen Vorwürfe zu machen für das, was diese alles falsch gemacht haben, dann entsteht wieder ein Missverhältnis, auf dem keine gute Beziehung wachsen kann. Eltern müssen sicherlich ertragen, einiges zu hören, das ihnen nicht gefallen und möglicherweise auch wehtun wird. Es gehört dazu, der Tochter einen Raum zu geben, alles an- und aussprechen zu dürfen.

Aussprache mit einer narzisstischen Tochter

Viele Äußerungen der narzisstischen Tochter werden aber ihrem subjektiven Empfinden entspringen, Erinnerungen vielleicht aufgrund der langen Zeit verfälscht sein, die angesprochenen Missstände sind möglicherweise überhaupt nicht den Eltern zuzuschreiben oder werden einfach nur überbewertet. Die narzisstische Tochter selbst weiß in der Regel nicht so genau, warum sie zu einem solch unangemessenen und kaltherzigen Verhalten ihren Eltern oder anderen Menschen gegenüber neigt. Eine familientherapeutische Beratung kann dann vielleicht eher helfen als eine unsachliche Aneinanderreihung von Vorwürfen, die am Ende doch nur wieder Zorn hervorrufen.

Eltern sollten grundsätzlich ihre Bereitschaft signalisieren, wenn sie eine Klärung mit ihrem Kind herbeiführen wollen, und akzeptieren, dass ihre Tochter in der Kindheit unter etwas gelitten hat, vor dem sie sie nicht hinreichend beschützt haben oder beschützen konnten. Dies sollte als Tatbestand jedoch neutral aufgefasst werden. Die Eltern müssen sich nicht aufgrund eines Generalverdachts schuldig fühlen, sondern sollten in offenen und verständnisvollen Gesprächen die Sachlage klären, um die kritischen Punkte, an denen sie möglicherweise versagt haben, zu finden und sich so mit der Vergangenheit zu versöhnen.

Das Hinderliche am krankhaften Narzissmus ist aber, dass eine narzisstische Persönlichkeit automatisch in eine Abwehrhaltung verfällt, sobald sie mit kritischen Stellungnahmen konfrontiert wird. Reflexartig setzt sie alles daran, ihre vermeintliche Grandiosität zu schützen. Dies bedeutet, dass sich eine narzisstische Tochter nicht in eine klärende Beratung begeben möchte, weil sie Angst hat, dass ihre Schwächen und Makel aufgedeckt werden und man ihr den Schutzschild abnimmt. Sich als besser zu erleben – ganz besonders gegenüber den Eltern – ist zu ihrem Halt und Lebensantrieb geworden, den sie nur sehr schwer oder gar nicht ablegen kann. In letzterem Fall kommen Eltern dann nicht weiter und müssen akzeptieren, dass es keine Aussprache geben kann. Sie müssen sich deswegen jedoch nicht alles von ihrer narzisstischen Tochter gefallen lassen.

Die Tochter übernimmt den Narzissmus der Eltern

Es gibt aber auch den Fall, dass Eltern an ihrer Tochter zwar das narzisstische Verhalten erkennen, es aber keineswegs in Bezug zu ihrem Erziehungsstil setzen und sich überhaupt nicht vorstellen können, an der Entwicklung der schlechten Eigenarten ihrer Tochter beteiligt gewesen zu sein. Dann wird zu den typischen Schutzmechanismen gegriffen, die nur von den eigenen Fehlern ablenken sollen: „Wir waren doch immer für dich da!“ – „Wir haben dir eine schöne Kindheit und eine gute Ausbildung ermöglicht!“ – „Es hat dir an nichts gefehlt!“ Eltern wollen in einem solchen Fall nicht auf die eigenen Schwächen und Defizite angesprochen werden, sondern sich als makellos erleben, und weisen daher jeden Vorwurf kategorisch von sich.

Sie wollen dann ihren eigenen Narzissmus schützen und stellen ihre Makellosigkeit über den Schmerz ihrer Tochter. Die Antwort auf die Frage „Ist meine Tochter narzisstisch und warum ist sie so geworden?“ dürfte dann wohl darin liegen, dass sich die Eltern mehr um sich selbst gekümmert haben, als sich hinreichend den emotionalen Bedürfnissen der Tochter zuzuwenden, was eine narzisstische Entwicklung allemal begünstigt. In diesem Fall findet niemals eine zufriedenstellende Klärung statt und der Versuch einer Versöhnung besteht dann nur darin, sich gegenseitig Vorwürfe und den anderen kleinzumachen, um sich selbst hinterher groß fühlen zu können.

Eltern müssen sich aufgrund von Schuldgefühlen nicht vor dem Herrschaftsanspruch ihrer narzisstischen Tochter duckmäuserisch kuschen und sich alles gefallen lassen. Um die Beziehung zu verbessern, braucht es allerdings die Bereitschaft der Tochter. Wenn diese nicht willig ist oder eine Aussprache nur dazu nutzt, sich als stark zu erleben und die Eltern niederzumachen, dann müssen Eltern akzeptieren, dass sie ihrer Tochter nicht helfen können und die wahren Gründe für die Fehlentwicklung ihrer Tochter nicht aufzudecken sind.

In diesem Fall sollten sie sich von ihrer Tochter abgrenzen, sich nicht in ihr Leben einmischen und sie nicht mit unnötiger Kritik konfrontieren. Sie sollten ihr nur zu Diensten sein, wenn sie es mit ihren Vorstellungen und Bedürfnissen vereinbaren können, den Kontakt minimieren und sich mit oberflächlichen Gesprächen begnügen, um sich vor seelischen Verletzungen zu schützen. Die Methode der Abgrenzung kann der narzisstischen Tochter dann noch am ehesten aufzeigen, dass sie nicht mit allem durchkommt und ihr Verhalten ändern muss, wenn sie etwas erreichen will.


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Veröffentlicht in Blog, Familie und Erziehung
9 Kommentare zu “Die narzisstische Tochter
  1. Kersten sagt:

    Hallo, mein Post hat hier nix mit dem Thema zu tun.

    Ich habe in einem sehr alten Thread auf dieser site etwas gefunden,
    das ich grauenhaft finde.. Aber es ist wohl wahr…

    Wenn der N etwas will, ist jedes Mittel recht.
    Wenn es darum geht, Geld zu kriegen oder Schulden nicht zurückzuzahlen, dann wird es bunt.
    Ich wehre mich grade mit Händen und Füssen, genau da reinzugeraten.
    Und das, was ich grade gelesen habe, stützt mein Bauchgefühl.

    Wenn ich je nachgebe, und mit mit Geld beteilige, dann wars das.
    Ich fürchte, dann hat er sein Ziel erreicht, und ich bin aber richtig die Dumme.
    Also: Er wird weiter ohne meiner Stützung auskommen.
    Seine spinnerten Träume (zum Teil auch meine, aber mit “wir”, nicht mit “ICH”),
    werde ich sicher nicht umsetzen. Denn dann wars das sowieso.

    Nicht dass jemand denkt, ich lass ihn jetzt zappeln, mit der Hoffnung,
    ich würde irgendwann nachgeben. Oh nein, darum gehts nicht.

    Es geht darum, dass ich mir die ganze Zeit Gedanken mache,
    ob ich zu geizig bin oder sowas,
    weil ich diese Versprechungen (“ich liebe Dich”)
    bei all der Streiterei nicht glaube.
    Weil ich einfach nicht in der Lage bin, b
    ei so unsicherer Sache noch mehr reinzustecken.
    Ich fühle, dass dann, wenn’s erreicht ist, nichts mehr kommt.
    Zumindest befürchte ich das.

    Und so bedürftig bin ich nicht – dass ich buchstäblich um JEDEN Preis um Zuneigung / Liebe kämpfe.

    Doch ich tu es. Zumindest ein bisschen.
    Leider. Ich kann so schlecht anders…

    Aber nicht bis zur Selbstaufgabe,
    da funktioniert noch sowas wie Eigenliebe/ Eigenschutz oder so.
    Wenn es richtig eng wird,
    dann weiche ich zurück, und das passiert grade.. seit Monaten, seufz..

    Und was in dem anderen Blog geschrieben war –
    dass viel eigene Anteile dieses Beziehungschaos ermöglichen – JA DAS STIMMT!

    Aber – das heißt nicht, dass es so bleiben muss.
    Das heißt nicht, dass man sich selber aufgeben muss,
    bis man nicht mehr weiß, was hinten und vorne ist.

    Es heißt nur, dass ich beim nächsten Mal (hoffentlich gibt es das)
    ganz genau darauf achten muss,
    was bin ich – was sind meine Wunden,
    die gerne gepflastert werden wollen.
    Kein Partner kann ein Pflaster sein.
    Das ist einfach zuviel verlangt.

    Aber eine gute Beziehung heilt ganz von alleine,
    indem böse Vorurteile / Erwartungen einfach nicht wahr werden.
    Ich hab das schon erlebt – es geht.

    Und trotzdem bin ich in einer Lebenskrise sowas von auf mich selber reingefallen.
    Suchte Schutz und Trost und Pflaster, und bekam ein Messer zum weiterschneiden.
    Auch nicht schlecht, war aber sicher nicht das, was ich gesucht habe…

    Danke fürs Lesen, und gegebenenfalls umkopieren an die richtige Stelle

  2. Hubertus sagt:

    Mariadirohan
    ————
    Ich sehe das etwas anders als du, für mich bedeutet es nicht “lebenslänglich” von mein Sohn mit starken narzisstischen Verhaltensmustern mir immer wieder Leid zufügt, ich darf dann LOSLASSEN, obwohl das sicherlich nicht einfach ist, in die Eigenverantwortung gehen, ich muss auf Dauer den Schmerz nicht ertragen, ich kann für mich einstehen.
    Ich bin da wesentlich näher in meinen Gedankenmustern bei Gabriele.

    Auch ich bin in so einer Situation, wo ich mich abgrenzen darf.Es ist meine Entscheidung.Ich habe die Wahl.

  3. Mariadirohan sagt:

    Was Gabriele sagt, ist alles gut und richtig, das trifft aber nur auf eine Beziehung Mutter-Tochter zu, die nicht durch eine schwere Persönlichkeitsstörung betroffen ist, sondern “nur” durch ein vielleicht falsches Verhalten und Interpretieren des Verhaltens des Einen oder Anderen gestört ist. Es ist, wie Kersten sagt, es ist nicht möglich, mit einem Narzissten ein Gespräch über die Beziehung zueinander zu führen, denn der Narzisst hat nie Schuld an irgendetwas, niemals, er ist fehlerfrei, steht über allem und hat immer Recht. Und so ist es, wie Kersten sagt, gruselig, wenn eine Eltern-Kind-Beziehung davon betroffen ist, denn Eltern sein ist lebenslänglich, es gibt kein Entkommen und wenn, ist der Schmerz nicht zu ertragen.

  4. Kersten sagt:

    “Das Hinderliche am krankhaften Narzissmus ist aber, dass eine narzisstische Persönlichkeit automatisch in eine Abwehrhaltung verfällt, sobald sie mit kritischen Stellungnahmen konfrontiert wird. Reflexartig setzt sie alles daran, ihre vermeintliche Grandiosität zu schützen. Dies bedeutet, dass sich eine narzisstische Tochter nicht in eine klärende Beratung begeben möchte, weil sie Angst hat, dass ihre Schwächen und Makel aufgedeckt werden und man ihr den Schutzschild abnimmt. ”
    Gruselig – hier treffen sich erwachsene NarzisstInnen mit Kindern. In der Beziehung als Paar kann man schneller sagen, beende die Beziehung. Beim Kind ist das schwerer. Aber möglich. Nur der Preis ist hoch – in der Konsequenz muss man das Kind aufgeben, und wie etwas fremdes behandeln, sonst MUSS man aus LIEBE immer nachgeben.

  5. Gabriele sagt:

    Narzismus bei Kindern oder Jugendlichen ist wie auch bei Erwachsenen, einen Schutzfunktion.
    Die Frage muss also imemr lauten:
    “Wovor will sich das Kind bei uns schützen, wieso grenzt sie sich so vehement ab. Wieso ist sie so gebieterisch und angriffslustig ? usw”
    Das kann mit Versagensängsten zu tun haben, weil die Eltern dem kleinen Kind schon “übermächtig” vorkamen. Vielleicht hatten die Eltern viele Freunde …. MEHR als die Tochter hat in ihrem jetzigen Erwachsenenleben. Die eltern waren vermögen, finanziell gut gestellt ? Die Tochter hat finanzielle Schwierigkeiten und schämt sich dafür innerlich. Es gibt viele Gründe, dass sich eine Tochter so verhält, wie sie es tut.
    Eines muss allerdings auch klar sein. Egozentrik ist nicht die ursprüngliche Natur von Menschen.
    Das egozentrische Verhalten ist ein fremdbestimmtes Verhalten.
    Ich als Mutter würde, wenn meine Tochter mir gegenüber herrschsüchtig ist, maßregeln, vorlaut, dominant, ungerecht, fordernd, frech, verletztend …. sie einfach fragen: “Wieso verhälst du dich mir gegenüber so feindseelig und so egoistisch ? Habe ich dich irgendwie mit irgendwas irgendwann so sehr verletzt, dass du dich jetzt so übertrieben abgrenzen musst? ” Ich würde sie mit Fragen überhäufen, sie damit zum Nachdenken bringen und dass sie ihr eigenes Verhalten mal anschaut und lernt, Verantwortung dafür zu übernehmen. Wenn das nicht hilft, würde ich, wenn ich das nicht tolerieren will, auf Distanz gehen. Ich habe sowieso die Überzeugung, Kinder “gehören” einem nicht.
    Ich darf von Kindern nichts erwarten. Ich habe ihnen das Leben ermöglicht. Was sie damit machen, ist ihre Sache. LOSLASSEN ist angesagt. Die Liebe liebt. Die Liebe lässt los. (Auch wenn es weh tut)
    DANN kann es sogar sein, dass ich als Mutter genau dadurch wieder attraktiv werde, weil ich nicht ABHÄNGIG bin von der Zuneigung meiner Tochter. Sie ist auch nicht dazu da, mir einen Wert zu geben oder mein Leben zu bereichern. Das ist einfach nicht ihre Aufgabe ! Sie ist keine billige Kopie von mir selbst ! Das Kind muss sich dann nicht mehr schützen, fühlt sich nicht bedrängt, bevormundet, überbehütet, eingeschränkt und kann sich mir vorurteilsfrei wieder nähern und verhält sich vielleicht künftig etwas sanfter und rücksichtsvoller. Wenn alles nicht hilft, gut dann eben nicht. Gehe ich auf Abstand. Habe ja auch ein eigenes Leben und Freunde, um die ich mich kümmern kann oider mit denen ich Freude erleben kann. So muss man das sehen. Sich zurückziehen und ein Kind “fallenlassen” ist ein Unterschied. Ich lasse meine Tochter nicht fallen. Ich ziehe mich nur zurück. Und wenn sie eines Tages kommt und meine Nähe sucht, weil sie sie braucht, dann bekommt sie diese Nähe selbstverständlich. Ich bin die Mama und die bleibe ich immer.

  6. Mariadirohan sagt:

    Dass das auf Söhne auch mehr oder minder zutrifft, ist jetzt ja nicht das Thema und ist sicherlich ein anderes Mal an der Reihe. Immer schöne beim Thema bleiben! Die Männer kommen schon nicht zu kurz!

  7. Hubertus sagt:

    Danke für diesen ausführlichen Kommentar, vieles was du schreibst erlebt man ja in dysfunktionalen Familiensystemen, und in diesen toxischen Gruppendynamiken geht es um soziale Macht.
    Ich habe 4 Jahre gebraucht um mich daraus zu lösen, es ist ein ganz langsamer Prozess ist meine Erfahrung, es lohnt sich auf jeden Fall die Aufmerksamkeit vom Außen zu lösen, und nach innen zu gehen, mich selber zu erfahren und zu erkennen wie ich ticke, und wo meine unerlösten Anteile liegen, das macht zunehmend frei, und irgendwann spürst du ,dass deine Energie von Tag zu Tag größer wird, dann hast du dich gelöst, und lebst deine eigenen Bedürfnisse, Stärken und Fähigkeiten, denn nur das ist der Weg in die Freiheit und Authentizität.

  8. Böser Gutmensch sagt:

    Das gleiche trifft auch auf Söhne mehr oder minder zu.
    Lediglich kulturell / durch Rollenbilder bedingte kleine Detailunterschiede.
    Die Ursachen / Wirkungen sind m.M.n. gleich.

    Als kleiner, abgespeckter Einblick in die Gruppendynamik mit Geschwistern und Wechselwirkungen mit denselben.

    Sowohl meine Mutter als auch meine Oma hatten meinem älteren Bruder gegenüber Schuldgefühle und er wiederum machte mich zu seinem Feindbild / Sündenbock für Probleme in Schule / Umfeld. Was nicht unterbunden wurde.
    Bzw. auch zur Zielscheibe von Neid / Missgunst.

    Ich wurde zum Glück nicht bestraft, wenn eine Intrige vorlag (reine Aussagen / Anschuldigungen wurden wohl zumindest von meiner Mutter richtig einsortiert, sie kannte ihre Pappenheimer zumindest). Obwohl er das durchaus ausnutzte und teils mit Anschuldigungen die Älteren gegeneinander ausspielte. Meine Oma war ihm gegenüber völlig glaubend. Er erfand die Geschichte, das er immer benachteiligt würde – was faktisch falsch war. Aber er zog so Vorteil aus den Schuldgefühlen und lernte diese zu schüren.
    Letzlich ist er also nicht allein Verantwortlich. Das ist wohl niemand jemals.
    Was die Wirkungen / Wechselwirkungen jedoch nicht besser macht… für niemanden.

    Wohl aber wurde ich immer ermahnt / beschuldigt / in Frage gestellt. Ich war ohnehin immer eher introvertiert (was nicht mit “schüchtern” gleichzusetzen ist, das war ich nie. Introvertiert heißt für mich eher, das ich eher in meinem inneren Erleben / Reflektieren die Welt begreife, als während / durch das interagieren / Handeln.)

    Die Schuldgefühle meiner Mutter / Oma waren, wie ich heute weiß unberechtigt. Eine Schuld meinem Bruder gegenüber gab es, die lag jedoch nicht in der Familie – es war bei meiner Mutter / Oma wohl ein Schuldgefühl darüber, ihn nicht beschützt haben zu können.
    Bei meiner Oma fließen auch Erfahrunfen aus dem Krieg und anderes mit hinein.
    Also eine Ohnmacht welche sich in einem Schuldmuster manifestierte. (Was durch die üblichen Rollenklischees eher bestärkt wird).

    Das übliche verunglückte fehlverarbeiten, könnte man sagen.
    Ich übernahm bald die übertriebene Rücksichtnahme und nicht Verurteilung meiner Bezugspersonen ihm gegenüber. Distanzierte mich aber zunehmend von ihm / grenzte mich ab, umso mehr je älter ich wurde. Dennoch konkurierte ich mit ihm nicht. Wenn wir interessen teilten, nahm ich mich zurück, bzw. verfolgte diese nur insgeheim oder gab Sie auf und suchte mir andere Dinge um meinen Frieden zu haben.
    Als wir älter wurden ging dann jeder zunehmend seinen eigenen Weg.

    Ausserhalb der Familie, konkurierte ich jedoch auch eher wenig / vermied dies meißt. Lediglich in meinem engsten Freundeskreis tat ich dies auch. Weswegen ich in einer Ellenbogengesellschaft, als Mann etwas aus dem Rahmen und damit auffalle. Gerade wohl weil ich versuche es zu vermeiden, aufzufallen.

    Aus den ständigen Ansprüchen heraus, rührte wohl auch mein übertriebenes gelebtes Moralaposteltum, bzw. mein Gerechtigkeitssinn – welcher lange zu sehr faktisch geprägt war und meine eigenen Gefühle (insbesondere Wut über falsche Anschuldigungen) ausser Acht ließ. Gibt schlimmeres, zumal ich durch Erfahrungen im Umfeld auch früh lernte meine “Hilfsbereitschaft” niemandem aufzuzwingen.
    Obwohl ich in der Familie darauf getrimmt war ohne Aufforderung Aufgaben zu übernehmen.
    Das zog sich lange durch mein Leben, wurde oft ausgenutzt und kulmierte dann schließlich gerade durch meine Ex darin, das ich heute immer noch ziemlich heftig reagiere wenn jemand manipulativ / ungerechtfertigte Anschuldigungen / Verleumdungen gegwn mich erhebt.
    Meine Ex legte es wohl darauf an mit mir “die Wutprobe” [ein Film] nachzuspielen – ohne das Sie diesen Film jedoch kannte.
    Sie sagte mal was wie: “Du erinnerst mich daran, wie ich früher war!”
    Mit dem Unterschied jedoch, das Sie eher ein eher extrovertiertes, impulsives Naturell hat.
    Vielleicht war ihre Streitlust tatsächlich ein Versuch mich mehr zu einem “Kämpfer” zu machen.
    Dich ich hatte genug Konflikte in meinem Leben und konnte diese meist ohne Dominanzgehabe lösen.
    Was allerdings ausserhalb ihres Verständnisses lag.

    In letzter Zeit komme ich mit derartigem Mist wieder besser klar. Trotzdem kotzt mich derartiges immer noch an. Und helfen / mir Probleme anderer zu Herzen zu nehmen überlege ich mir mindestens dreimal.
    Diese Art narzistischer Seelennahrung ist mir also nicht mehr wirklich zugänglich. Was ein Stück weit eine Distanz schafft – da dies früher meist mein Zugang zu anderen war.
    Smalltalk / Feindbilder / Heldenverehrung zu teilen sah ich immer schon eher skeptisch.
    Heute nur umso mehr.

    Das hat meine Ex zielgerichtet und konsequent missbraucht / ausgenutzt um mir zu Schaden, nachdem Sie begriffen hatte wie Sie mir weh tun kann.
    Nebst gezielter Rufschädigung. Wohl um mir zu “helfen”, zu begreifen wie leicht Menschen darüber zu manipulieren sind.
    Ich war nicht ” naiv”, ich begriff das durchaus. Sah und sehe darin aber immer noch eher etwas für alle Beteiligten eines daraus resultierenden Drama-Dreicks problematisches.
    Das konnte ich meiner Ex wiederum nicht vermitteln (zumal Sie das konsequent verneint…). “Gemein ist gut” …
    Naja… Alle Dinge sind wohl Gift. Das lässt sich auch auf Verhaltensmuster übertragen.

    Sie redet sich und anderen ein, Sie hätte mir “helfen” wollen.
    Das wiederum, jemanden etwa zu schlagen / bestehlen / betrügen der einem Nahe steht entzieht sich meinem Verständnis – naja, nicht meinem Verständnis, wohl aber meiner Toleranz dem gegenüber.
    Das wiederum muss ich ihr zu gute halten, mich auch von mir nahen Personen abzugrenzen wenn diese sich wiederholt uneinsichtig über meine Grenzen hinwegsetzen habe ich durch die Beziehung zu ihr tatsächlich gelernt.

    Was Sie nie Begriff, war das ich nicht auf jede ihre Manipulationen einging. Sie wollte mich für naiv halten. Ich verstand das aber durchaus. Was ich lange nicht verstand war, warum Sie ihr wahres Ich so sehr eingemauert hat.
    Für mich war es eben normal eher einzustecken als auszuteilen.
    Als ich nach der Beziehung dann lernen wollte auch mal – wie es ja bei uns üblich ist, ganz “freundschaftlich” auch mal auszuteilen, lernte ich lediglich daraus, das meine Ansichten dazu korrekt waren und sind.
    Es ist geradezu primitives Höhlenmenschgehabe. Sticheleien sind meist mitnichten “freundschaftlich”. Es geht dabei meist um Rangordnungsgehabe (wovon Frauen nicht ausgenommen sind – vielmehr gibt es zwei Hierarchien je Gruppe – eine für Männer, eine für Frauen. Was es schwierig für alle nicht den induzierten Rollenbildern folgenden macht, in davon geprägten Strukturen zu agieren. Zumal viele Menschen diesen ihren primitiven Aspekt nicht mal für wahr haben wollen.

    Naja, es ändert sich da gerade einiges. Muss es auch.

    Hoffentlich kann jemand aus diesem Text etwas für sich selbst ziehen. Ist natürlich nur meine Sicht und nicht pauschal übertragbar.

    Die meisten können wunderbar austeilen, tun sich beim einstecken jedoch sehr schwer.
    Ich wiederum tue mich jetzt mit beidem schwer, da ich nun häufig nicht mal mehr Zweifel daran hege das dies oft völlig sinnlos geschieht. (Auch aus “Rangordnungssicht” heraus oft eher Sinnfrei wird Gewalt ausgeübt – [Sarkastisch:] natürlich bei uns ganz zivilisiert, also eher über psychische Gewalt. Das wird oft als geradezu “normal” wahrgenommen. Selbst wenn es oft eher unnatürlich ist.
    Hinzu kommen dann noch jene, welche diese Soziodynamiken instinktiv gut verstehen und ausgesprochen Rücksichtslos und egozentrisch manipulieren – wobei Sie sich selbst kaum verstehen aber dafür einen umso ausgeprägteren Instinkt für soziale Macht haben.

    Das geht natürlich auch ohne Rücksichtslosigkeit – was jedoch zunehmend schwieriger ist, je mehr soziale Macht auf eine Person vereint ist.

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