Mobbing am Arbeitsplatz

Mittlerweile ist Mobbing in Betrieben keine Seltenheit mehr. Mitarbeiter müssen am Arbeitsplatz damit rechnen, von Vorgesetzten oder Kollegen ohne nennenswerten Grund gequält und misshandelt zu werden. Welche Motive verfolgen Menschen, die anständigen und fleißigen Arbeitnehmer durch anhaltende Tyrannei das Leben zur Hölle machen wollen. Was kann Menschen dazu bewegen, andere pausenlos zu erniedrigen und zu schikanieren? Und was löst dieses niederträchtige Verhalten bei einem Betroffene aus?

Bild: © Peggy Blume – Fotolia.com

Narzissten streben in einem Unternehmen nach Macht, sei es nun lediglich innerhalb einer Abteilung unter Kollegen oder als Vorgesetzter in einer Führungsposition. Immer versuchen Sie im Unternehmen eine Vorrangstellung zu erreichen. Um auf der Karriereleiter stetig höher zu steigen, erwarten Sie von ihren Mitarbeiter unentwegt Höchstleistungen und Perfektion. Um seine Ziele zu erreichen, kann der Narzisst extrem rücksichtslos und kaltherzig vorgehen. Fehler werden nicht toleriert, Widerspruch wird nicht geduldet, Kritik wird bestraft und leistungsschwache Mitarbeiter werden unverzüglich ausgewechselt sowie störende Kollegen vergrault.

Jeder, der dem Ansehen oder der Karriere des Narzissten zu schaden versucht, kann in dessen Visier geraten und unerbittlich bekämpft werden. Allerdings bekämpft ein Narzisst seinen Gegner selten direkt und offenkundig gemein. Der Narzisst bedient sich eher subtiler Techniken, um seine wahren Absichten zu verschleiern: Manipulieren, täuschen, hintergehen, missachten, lästern, verleumden, nachstellen, intrigieren, lügen oder heimlich sabotieren. Auch unter Kollegen, die weniger karriere-ambitioniert sind, können sich Narzissten befinden, die durch Erniedrigung und Ausgrenzung unbequeme Kollegen aus dem Team haben wollen, um einen möglichen Nachteil für sich abzuwenden. Manchmal kann das Mobben anderer Personen aus einer tiefen Kränkung oder reiner Lust am Quälen erfolgen.

Narzisstisches Verhalten ist oftmals der Nährboden für Mobbing am Arbeitsplatz. Wenn sich Mitarbeiter oder Kollegen querstellen, sich nicht im Sinne des Narzissten verhalten oder wenn sie gar besser sind und die Schwächen des Narzissten aufdecken könnten, dann wittert der Narzisst eine Gefahr, gegen die er sich wehren muss. Insofern muss in Abteilungen, wo sich ein Narzisst befindet, damit gerechnet werden, dass unfaire Mittel zum Einsatz gelangen.

Was ist Mobbing ?

Mobbing am Arbeitsplatz ist eine anhaltende, feindselige Haltung gegenüber einen Mitarbeiter.  Angriffe und Schikanen werden gezielt und systematisch über einen längeren Zeitraum ausgeübt, mit dem Ziel, die Würde des Mitarbeiters zu untergraben, ihn zu demütigen und auszugrenzen. Betroffene fühlen sich zunehmend außerstande, sich zur Wehr zu setzen und ihren Peinigern entschieden entgegenzutreten.

Einzelne unanständige Handlungen für sich betrachtet erscheinen zunächst harmlos und banal. Mobbing am Arbeitsplatz beginnt mit kleinen Gemeinheiten: Der Mitarbeiter wird nicht begrüßt, er bekommt den schlechtesten Büroarbeitsplatz zugewiesen, Informationen werden ihm vorenthalten oder Termine falsch weitergegeben. Es ist dann sehr schwer für den Mitarbeiter zu beurteilen, ob es sich um ein einmaliges Versehen oder um gezielte Absicht handelt. Mit der Häufigkeit solcher Vorfälle wird er sich mehr und mehr die Frage stellen, ob er etwas falsch macht oder ob er einfach nur zu sensibel ist. Er beginnt, zwischen Unsicherheit und Ohnmacht zu schwanken.

Erste Mobbinghandlungen sind in ihrer Vorsätzlichkeit kaum zu beweisen. Es ist ein subtiles Verhalten, dass man so oder so deuten kann. Sprechen Mitarbeiter in dieser Phase den unfairen Umgang an, müssen sie damit rechnen, als empfindlich oder misstrauisch bezeichnet zu werden, was ihre Außenseiterrolle und ihre Verunsicherung nur noch weiter verstärken könnte.

Die Folgen für die Opfer

Halten die Schikanen über einen längeren Zeitraum an und nehmen sie mit abnehmenden Widerstand des Opfers sogar noch zu, dann kann dies gesundheitliche und seelische Folgen haben:

  • Nervosität und Angespanntheit
  • regelmäßiges Unwohlsein
  • Kopfschmerzen
  • Magen- und Darmverstimmungen
  • Müdigkeit, Erschöpfung, Antriebslosigkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • Schulter-, Nacken-, Rückenprobleme
  • Herzrhythmusstörungen
  • Schlafstörungen
  • Regeneration kaum noch möglich
  • Übermäßige Angst, Fehler zu machen oder unangenehm aufzufallen
  • Depressionen

In der Folge wird die geschwächte Verfassung des Mitarbeiters zu Fehlleistungen, mangelnder Motivation, Reizbarkeit und häufigen Ausfallzeiten führen. Der Mitarbeiter kann seiner Arbeitspflicht nicht mehr in vollem Umfang nachkommen, was zu weiteren Konflikten führt.

Ursachen von Mobbing

Mitarbeiter können bereits zum Mobbing-Opfer werden, wenn sie lediglich nichtsahnend eine berechtigte Kritik anbringen und dabei unglücklicherweise auf einen Narzissten stoßen, der jede Form von Kritik als einen persönlichen Angriff auf seine grandiose Person versteht. Sofort wird der Mitarbeiter von dem Narzissten zum Feind erkoren, unabhängig davon, ob es sich um seinen Kollegen oder Vorgesetzten handelt. Wer es wagt, den Narzissten bloßzustellen – und das womöglich noch in der Öffentlichkeit -, der muss sich auf entsprechend harte Gegenreaktionen einstellen. Der Mitarbeiter kann dann solange zum Sündenbock gemacht werden, bis sein Ansehen vollständig zerstört ist. Weitere Ursachen von Mobbing am Arbeitsplatz können sein:

  • Mangelnde Kommunikation
  • Fehlende oder mangelnde Führungskompetenz
  • Über- oder Unterforderung von Mitarbeiter. Im Fall der Unterforderung kann Mobbing zu einer Ersatzbefriedigung werden
  • Machtmissbrauch: Mitarbeiter werden aus Lust am Quälen drangsaliert
  • Konkurrenzkampf
  • Neid
  • Antipathie
  • Rassismus
  • gutes Verhältnis zu den Vorgesetzten, was Neid bei den Kollegen auslösen kann

Das Waffenarsenal eines Narzissten, um sein Opfer unentwegt zu demütigen und es in seiner Würde zu verletzten ist sehr umfangreich. Die Methoden wirken dabei so subtil, dass man es kaum nachweisen kann. Erst wenn jeglicher Respekt gegenüber dem Opfer verlorengegangen ist und sich das Ausmaß der Misshandlungen daraufhin immer weiter steigert, fällt die Diskriminierung auf. Typische Verhaltensweisen von Mobbern am Arbeitsplatz können wie folgt aussehen:

  • Kritisieren von Kollegen und Mitarbeiter
  • Permanente Drohungen und Beleidigungen
  • Offensichtliches Ignorieren ( Der Name des Opfers wird bei Bekanntmachungen nicht erwähnt )
  • Übertriebene und unbegründete Kontrolle der Arbeitsergebnisse
  • Einsatz von Gerüchten und falschen Informationen
  • Verdächtigungen und Unterstellungen
  • Fälschung von Unterlagen
  • Öffentliche Beleidigungen und Kritik vor versammelter Mannschaft
  • Verleumdungen und Denunzierungen
  • Schmieden von Intrigen
  • Verweigerung des Kontaktes: Das Opfer wird demonstrativ gemieden und „wie Luft“ behandelt
  • Zuweisung von Aufgaben, die den Mitarbeiter entweder über- oder unterfordern
  • Ausgrenzung und Isolation
  • Demontage der fachlichen Kompentenz oder des fachliche Ansehen 
  • Zuteilung von unliebsamen Aufgaben, Einsatzorten oder Arbeitszeiten
  • Sabotage von Arbeitsergebnissen
  • Passiv-aggressives Verhalten gegenüber dem Opfer

Auch Vorgesetzte können zum Opfer von Mobbing werden, wenn sie einen verärgerten Narzissten in ihrer Abteilung haben: Wenn es dem Vorgesetzten an Entscheidungsfreudigkeit, Durchsetzungskraft und einem energischen Auftreten mangelt, dann kann ein Narzisst diese Schwäche zu seinem eigenen Vorteil ausnutzen. Der Abteilungs-Chef wird dann beispielsweise falsch informiert, seine Anweisungen werden unterlaufen, Aufträge werden unkorrekt oder unvollständig ausgeführt und Termine werden nicht eingehalten. Der Narzisst verhält sich dem Vorgesetzten gegenüber passiv-aggressiv: Vordergründig zeigt er sich freundlich und kooperativ, hintenherum spielt er ab ein falsches Spiel.

Im Fall von Unstimmigkeiten und Verzögerungen mimt der narzisstische Mitarbeiter einfach den Unschuldigen, indem er behauptet, bestimmte Informationen nicht erhalten zu haben, Aufträge falsch angewiesen oder verteilt worden oder dass andere unvorhersehbare Umstände für den Fehler verantwortlich sind. Indem der Narzisst jeden Affront und jede böse Absicht leugnet, lässt er den Vorgesetzten im Regen stehen. Schlimmstenfalls spielt der Narzisst sogar noch den Beleidigten, weil ihm Vorsätzlichkeit unterstellt wird. Lässt sich der Vorgesetzte auf diese scheinheiligen Ausweichmanöver ein und zeigt sich verzeihlich und großzügig, wird diese Toleranz zukünftig erst recht von dem Narzissten ausgenutzt.

Was können Unternehmen tun?

Mobbing wird immer von Personen betrieben, die aus niedrigen Gefühlen heraus andere Menschen quälen müssen und sich an deren Leid berauschen möchten. Da Narzissten das Gefühl brauchen, Macht über andere Menschen zu haben, über ihnen zu stehen und sich als besser und überlegen zu fühlen, liegt bereits hierin ein großes Potential für Konflikte, die einen unschuldigen Sündenbock produzieren. Dies kann auf jeder Hierarchie-Stufe passieren. Sobald sich ein Narzisst gekränkt fühlt, schlägt er zu. Oft ist es auch der pure Neid auf die Fähigkeiten oder das Glück eines anderen, der den Narzissten zu solch niederträchtigen Handlungen treibt.

Daher ist es empfehlenswert, wenn Vorgesetzte in ihrer Abteilung offen kommunizieren, präsent sind und ihre Mitarbeiter in Entscheidungen einbeziehen sowie einen vertrauensvollen und partnerschaftlichen Umgang pflegen. Dann können Mobbingprobleme bereits frühzeitig aufgedeckt werden. Problematisch wird es nur dann, wenn der Chef selbst Mobbing an Mitarbeitern verübt oder sich daran beteiligt. Auch wenn er nur wegsieht, weil er Konflikten lieber aus dem Weg geht, beteiligt er sich schon an dem Missbrauch, weil er es als Vorgesetzter duldet und seiner Fürsorgepflicht nicht nachkommt.

Was können die Opfer tun?

Der Mitarbeiter muss im Unternehmen nach Unterstützung suchen und sich jemanden anvertrauen, der ihm wirklich zuhört und sein Anliegen ernst nimmt. Oft werden solche Beschwerden bagatellisiert oder der Mitarbeiter wird vertröstet. Es wird aber nicht mit der notwendigen Ernsthaftigkeit gegen die Mobber vorgegangen. Aufgrund von zeitlichen Engpässen, anderen betrieblichen Prioritäten oder einer klaren Zuständigkeit verläuft die Sache oft im Sand. Es kann aber auch sein, dass der Mobber eine wichtige Funktion im Betrieb einnimmt und man ihn deshalb entweder schützt oder dieser es versteht, den Vorfall unter dem Teppich verschwinden zu lassen.

Der Mitarbeiter sollte sich von Instanz zu Instanz vorarbeiten. Zuerst muss er sich an den Vorgesetzten wenden. Findet er hier kein Gehör, dann sollte er den Personalchef kontaktieren, danach den Betriebsarzt, Vertrauensmänner, Betriebsrat oder direkt den Vorstand. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz verstößt der Arbeitgeber gegen seine Fürsorgepflicht und der Persönlichkeitsrechte des Arbeitnehmers, wenn er sich nicht der Beschwerde annimmt. Es ist sicherlich eine langwierige Prozedur, die unter Umständen sehr zermürbend sein kann und am Ende doch nur die Kündigung und Suche nach einem neuen Arbeitgeber zulässt.

Wenn es sich bei dem Mobber tatsächlich um einen Narzissten handelt, dann dürfte die Misshandlung eines Mitarbeiters oder Kollegen kein Einzelfall sein. Dann sollte man sich einmal intensiver mit der Vergangenheit des Narzissten befassen und der Frage, ob es früher schon einmal ähnliche Beschwerden in der Belegschaft gab. Hierzu können andere Mitarbeiter, Kollegen, Vorgesetzte oder eventuell frühere Arbeitgeber befragt werden. Auf diese Weise könnte sich der Verdacht bestätigen, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt und das es nicht die Schuld oder das Unvermögen des Mitarbeiters ist, sondern dass es der destruktiven Wesensart eines Narzissten geschuldet ist, wenn ein Mitarbeiter gemobbt wird.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter https://www.arbeitsschutzgesetz.org/


Veröffentlicht in Beruf und Führung
9 Kommentare zu “Mobbing am Arbeitsplatz
  1. Sonne sagt:

    Vielen Dank für die sachlichen und offenen Berichte. Das macht Mut!

    Mich würde interessieren, ob Ihr Erfahrungen oder Tipps habt, wie und ob man gegen Mobber rechtlich vorgehen kann. Nach einer persönlichen einschneidenden Erfahrung mit Mobbing durch den Vorgesetzten am Arbeitsplatz, fällt es mir sehr schwer zu akzeptieren, einfach nichts machen zu können. Auch wenn das Arbeitsverhältnis schlussendlich beendet worden ist (worüber ich rückblickend sehr froh bin) und ich auch die Gewissheit habe, nicht die erste Mitarbeiterin zu sein, der all dies widerfahren ist, so muss man doch irgendetwas tun können…Oder bin ich da zu naiv?

    Viele Grüße und habt schon einmal vielen Dank für euer Feedback.
    CS

    • Hallo Sonne,
      Strafbestände wie Nötigung, üble Nachrede, Beleidigung oder Verleumdung bedürfen einen konkreten Nachweis. Sie brauchen also gute Zeugen und Indizien, um die Tat auch wirklich beweisen zu können. Dann kann eine Klage Erfolg haben.

  2. Arianna sagt:

    Nun, die Frage ist vor allem, was der Mobber erreichen will. Ein ehemaliger Chef von mir wollte unbedingt zum Geschäftsführer avancieren und tat irgendwann alles, um mich loszuwerden, da er zu dem Schluss gekommen war, dass ich ihm bei diesem Ziel nicht genügend helfen würde.
    Eine ehemalige Kollegin war sehr gut darin, Misstrauen unter den Kolleg(innen) zu säen und sich selbst in Szene zu setzen als die große Vermittlerin, die Super-Mama, die dafür sorgt, dass alle sich am Ende doch vertragen. Das Ende war, dass niemand dem anderen traute – nur ihr. Alles, weil sie Angst hatte um ihre Stelle als Teamleiterin und neidisch war auf jede Kollegin, von der sie befürchtete, tüchtiger zu sein als sie und folglich eine Bedrohung. Aber sie lächelte immer so brav und schien immer zuzuhören… Wie viel von meinem Leid in der Abteilung auf ihr Konto ging, erfuhr ich erst kurz bevor ich die Firma verließ.
    Meiner Erfahrung nach kann man da nicht viel machen. Die Abteilung verlassen oder am besten die Firma – und wenn man jemanden bei Geschäftsführung, Personalabteilung und / oder Betriebsrat kennt, dem man vertraut, über diese Vorgänge informieren, damit die Probleme nicht ausarten. Je mehr Macht diese Menschen bekommen, desto schlimmer wird es – zum Nachteil aller.
    Und das, nur damit der narzisstisch gestörte eine kleine, befriedigende Minute erlebt hat und sich im Glanz seines Erfolgserlebnisses sonnen kann, während er gönnerhaft auf andere, seiner Ansicht nach minderwertige Menschen herunterzusehen. Abstoßend. Leider sind sie oft charmant und liebenswürdig, schmeicheln sich in dein Vertrauen ein – und ehe du es dich versiehst, hilfst du bewusst oder unbewusst einem miesen, falschen, niederträchtigen Egomanen bei der Verfolgung seiner unlauteren Zwecke. Deswegen rate ich immer, lauft um euer Leben, versucht nicht, gegen diese Menschen zu kämpfen oder sie zu ändern! Sie ändern sich nicht, und sie sind die ganze Mühe nicht wert.

  3. Sanne sagt:

    Sehr geehrter Herr Grüttefien,

    an dieser Stelle auch von mir ein verspätetes aber dickes Lob für Ihre Seiten und Ihr Engagement! Ich denke, Sie können mit Ihren Seiten und den Büchern sehr vielen verzweifelten Menschen helfen 🙂

    Zum Thema:

    Meiner Erfahrung nach ist es weitestgehend zwecklos, sich gegen Mobbing wehren zu wollen, wenn der direkte Vorgesetzte schon nicht mitzieht. Wenn das nämlich der Fall ist, wird wohl der Mobber systematisch geschützt und der Vorgesetzte weiß davon, will es aber dem Opfer nicht sagen. Wenn das der Fall ist, nutzt auch der Gang zur PA nichts.

    In meinem eigenen Mobbing-Fall hatte ich die uneingeschränkte Unterstützung meines Vorgesetzten, im Endeffekt haben dann die Vorgesetzten rumdiskutiert, was sie machen sollen, haben aber mir einmal die Gelegenheit gegeben, mit meinem Mobber „mal zammzurucken“, wobei sich viele Dinge zu meinem Vorteil klären liessen und das Verhältnis zwischen mir und dem Typ hinterher einwandfrei war. Allerdings hat er sich dann wohl auf die Kollegen gestürzt und die haben sich das dann ein halbes Jahr ohne Widerrede gefallen lassen, bevor sie ihn dann am Ende der Probezeit einfach fallengelassen haben, auch unschön, sowas, finde ich. Ich denke, er war einfach ein Anfänger und wusste nicht, wie man sich in einem Konzern mit weiblichen Mitarbeitern benimmt…

    In einem anderen mir sehr gut bekannten Fall wird eine unternehmensweit bekannte Mobberin, die in den letzten 4 Jahren bereits mehr als 8 Fachkräfte vergrault hat und selbst nicht über fachliche Kompetenz verfügt, im Unternehmen gehalten und es werden ihr immer neue Opfer vorgesetzt, die es kaum ein Jahr lang aushalten, weil ihr Ehemann so „wertvoll“ für die Firma ist. Bevor diese Opfer gekündigt haben, mussten sie zum Psychologen, haben Psychopharmaka bekommen, aber schlußendlich doch gekündigt. Das hätten sie auch ohne Medis haben können.

    Um Verdächtigungen vorzubeugen: ich selbst habe für diese Frau nicht gearbeitet und keine geschäftlichen Interessen dort, es ist ein gut bekannter Fall aus dem Bekanntenkreis, der sich eben schon Jahre hinzieht.

    Im Grunde sollte man sich wirklich überlegen, ob es den Kampf wert ist, im Grunde ist es für einen selbst besser, sich aus solchen Strukturen endgültig zu verabschieden und den Mobber im Regen stehen zu lassen, evtl. noch mit einer fristlosen Kündigung, wenn es das Mobbing-Tagebuch hergibt oder alternativ mit einer langen Krankschreibung bis Vertragsende (ohne Psychopharmaka, dafür mit Zeit, neue Bewerbungen zu schreiben).

    Wenn die Firma ihrer Fürsorgepflicht nicht nachkommt, dann verdient sie keine engagierten Mitarbeiter, so sehe ich das jedenfalls.

    • Sanne sagt:

      „Allerdings hat er sich dann wohl auf die Kollegen gestürzt und die haben sich das dann ein halbes Jahr ohne Widerrede gefallen lassen“

      Mir fällt grad auf, dass das blöd formuliert war, die erwähnten Kollegen sind nämlich eigentlich alle auf mich los: was ich mir einbilde, den Mund aufzumachen, der arme Kerl, der ist halt neu, der muss sich erst noch einleben… so ging das dann.

      Mein Standpunkt war, dass er sich schlecht einleben kann, wenn man ihm die Regeln nicht erklärt und dass ich in jedem Fall nicht diejenige bin, an der er das unwidersprochen trainieren darf. Im Grunde haben mich also die Kollegen gemobbt, nicht der Neue.

      Aber während ich durch ein offenes Gespräch mit ihm unsere Kollegenprobleme lösen konnte, haben die anderen eben den Mund gehalten, seinem Vorgesetzten gesagt, ich würde übertreiben, die ganze Zeit auf mich eingeredet, dass ich mich zurücknehmen soll, und gehofft, sein unmögliches Verhalten Frauen ggü. würde von selbst besser. Und der Typ hat sich halt gedacht, gut, die eine, die lässt sich nix gefallen, die beschwert sich gleich, aber den anderen scheint’s nichts auszumachen.

      Wie gesagt, ich finde, dass das unschön gelaufen ist und weniger zum Nachteil des Neuen spricht, als zum Nachteil der z.T. langjährigen Kollegen. Auch die haben jetzt nicht nur eine, sondern zwei Fachkräfte weniger 😉

  4. dorina sagt:

    Ich habe es am eigenen Leib erlebt. Zuvor haette ich es mir niemals vorstellen koennen. Fies und raffiniert ist, dass Mobber einem ihre Schikanen sogar noch als Hilfe und Unterstuetzung verkaufen wollen und oft auch koennen. Dies traegt in erheblicher Weise zur Destabilisierung der Opfer und Ausschaltung der Kontrollinstanzen bei. Besonders schlimm ist auch, dass es unserioese Anwaelte und Aerzte gibt, welche Mobbingopfer gezielt ansprechen und ihnen Hilfe versprechen. Aber statt dieser bekommen die Opfet nur unberechtigte fette Rechnungen. Seit vorsichtig! Vor allem,wenn psychiatrische Kliniken damit werben, dass sie sich auf Hilfe fuer Mobbingopfer spezialisiert haetten!! Das haben sie nur im Marketing! Eine Klinik, die wirklich Mobbingopfern helfen wuerde, waere nämlich von den einflussreichen Narzissten und Mobbern schnell geschlossen! Auch gibt es Sozialverbaende, welche nur aus Marketinggruenden Hilfe bei Problemen am Arbeitsplatz versprechen.

  5. Frau Holle sagt:

    Der Arbeitgeber unterliegt im Rahmen seiner Fürsorge der Pflicht, nachweisbares Mobbing umgehend abzustellen. Sollte er das nicht tun, kann er für Folgeschäden belangt werden.

    Allerdings ist es erforderlich, dass das Opfer das Mobbing nachweisen kann – also die Vorfälle möglichst gründlich dokumentiert. Hierzu ist ein Mobbingtagebuch gut geeignet.

    Falls möglich, führe man eine kleine Kladde mit sich, in der alle Vorkommnisse festgehalten werden:
    Was ist passiert?
    Wer ist beteiligt?
    Wer hat es mitbekommen?
    Wen habe ich evtl. mit welchem Ergebnis bereits angesprochen?

    Auch, wenn es aufwendig ist, sollte das Opfer möglichst alle Korrespondenz/Anweisungen etc. sicher aufbewahren. Wenn der Vorgesetzte der Mobber ist, sollte man darauf achten, sich alle Anweisungen schriftlich geben zu lassen und möglichst keine Gespräche mehr ohne Zeugen führen.

    Das größte Problem in Mobbingfällen ist tatsächlich die fehlende Nachweisbarkeit, es gibt oft kaum Beweise, so dass auch Klagen sehr häufig nicht erfolgreich sein können.
    Viele Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen können hierzu wertvolle Tips geben.
    Viel Glück !

  6. Karl-Heinz Schuster sagt:

    Hallo Herr Grüttefien,

    habe das Bedürfnis einmal danke zu sagen. Ihr Engagement finde ich sehr wertvoll. Verweise oft auf Ihre Seite.

    Liebe Grüße
    Karl-Heinz Schuster

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*