Ohne mich bist du nichts!

Ein Narzisst will sich über seinen Partner stellen und die Kontrolle in der Beziehung haben. Aus diesem Grund wertet er fortlaufend seinen Partner ab und destabilisiert damit dessen Selbstwertgefühl. Er will seinen Partner vollständig vereinnahmen und zwingt ihn daher in eine emotionale Abhängigkeit, damit dieser sich nur noch auf ihn fixiert. Folglich wird der Partner zur Unselbstständigkeit erzogen, damit er ohne den Narzissten nicht mehr existieren kann und ohne ihn nichts wert ist.

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Ein Narzisst muss sich in einer Beziehung über seinen Partner erheben und diesen ständig erniedrigen, um sich als besser zu erleben und somit sicher fühlen zu können. Er braucht die Macht und Kontrolle in der Beziehung, damit sein Partner nicht seine Schwächen und Defizite aufdeckt sowie seine tiefsten Ängste berührt. Insofern darf sich der Partner nicht einfach so verhalten, wie es ihm gerade gefällt, sondern er muss sich an dem Willen des Narzissten orientieren und sich diesem unterwerfen.

Der Partner hat für den Narzissten ausschließlich die Funktion, dessen Größenbild zu bestätigen und ihn damit emotional zu stützen. Der Partner muss ihm dabei helfen, seine Bedürfnisse zu befriedigen, und dem Narzissten unentwegt seine Grandiosität spiegeln. Der Narzisst geht die Beziehung nur ein, um von seinem Partner bewundert zu werden. Erfährt er hingegen Kritik, Ablehnung, Zweifel oder Desinteresse, wehrt er sich dagegen, indem er den Partner seinerseits kritisiert, entwertet, missachtet oder bestraft. Dem Partner wird nur gestattet, das Selbstbild des Narzissten zu stärken und dafür eigene Bedürfnisse, Wünsche oder Ansprüche zurückzustellen.

Damit ihm sein Partner gar nicht erst gefährlich werden kann und es gar nicht erst wagt, sich anders zu verhalten, als er es wünscht, muss der Narzisst pausenlos dessen Selbstwertgefühl schwächen. Unentwegt macht er ihm klar, dass er nichts kann – nicht einmal die einfachsten Dinge – und dass er ohne ihn nichts ist. Er wertet die Attraktivität, die Intelligenz, die Fähigkeiten, Leistungen und Erfolge seines Partners permanent ab, um ihn zu verunsichern und ihm seine Maßstäbe aufzuzwingen.

Der Partner wird systematisch destabilisiert

Auf diese Weise beginnt der Partner zunehmend, an seiner Person zu zweifeln, die Worte des Narzissten viel zu ernst zu nehmen und ihnen mehr Glauben zu schenken als der eigenen Wahrnehmung. Er erkennt nicht, dass es sich bei den Bewertungen des Narzissten lediglich um eine subjektive Meinung und ein Instrument zur Destabilisierung seiner Person handelt. Je mehr der Narzisst seinen Partner kritisiert und abwertet, desto unsicherer fühlt dieser sich und umso mehr verlangt er nach der Bestätigung des Narzissten. Mit der Zeit ist er so verwirrt, dass er überhaupt nicht mehr weiß, ob das, was er sagt, denkt, fühlt und macht, auch richtig ist und dem Narzissten gefällt.

Um Kränkungen zu entgehen und das eigene Selbstwertgefühl zu schützen, fixiert sich der Partner folglich voll und ganz auf die Meinung und Bedürfnisse des Narzissten und macht sich auf diese Weise von dessen Vorstellungen, Überzeugungen und Bewertungen abhängig. Er tut nichts mehr, ohne nicht zuvor das Einverständnis des Narzissten einzuholen, entweder durch dessen Worte, Mimik oder Körpersprache. Der Partner verhält sich extrem nervös, wenn er autonome Entscheidungen treffen soll, und fühlt sich geradezu hilflos, wenn er sich nicht zuvor mit dem Narzissten über die Vorgehensweise abstimmen konnte und sich nicht dessen Zustimmung sicher ist.

Der Narzisst hat dann aus seinem Partner eine Marionette gemacht, die ohne seine Führung keinen eigenständigen Schritt mehr gehen kann. Durch die systematische Entwertung und Einschüchterung wurde das Selbstwertgefühl des Partners nachhaltig beschädigt. Dieser wurde erfolgreich in den Glauben versetzt, ohne den Narzissten nichts zu können und nichts mehr wert zu sein. Der Narzisst hat seinem Partner das Selbstbewusstsein, die Selbstachtung sowie die Identität geraubt und steuert ihn ganz so, wie er es braucht und für richtig erachtet. Der eigene Wille des Partners hat aufgehört zu existieren.

Der Partner übernimmt die Sichtweise des Narzissten

Die hier in wenigen Sätzen beschriebene Psychodynamik innerhalb der Beziehung mit einem Narzissten entwickelt sich in der Regel über Monate und ist für Betroffene in ihrer Tragweite meist nicht erkennbar. Da die Partner den Narzissten lieben und ihn daher ernst nehmen, sind sie bereit, sich mit seiner Sichtweise und seinem Urteil auseinanderzusetzen. Sie wollen ihn verstehen. Da sie aber selten eine zufriedenstellende Erklärung für sein Verhalten und seine Sichtweise bekommen, beginnen sie, die Ursache für die Unzufriedenheit und die Launen des Narzissten bei sich selbst zu suchen, und fangen an, an ihren Überzeugungen und Fähigkeiten zu zweifeln.

Die Objektivierung stellt deshalb eine besondere Herausforderung dar, weil der Narzisst schlagkräftige Argumente sowie nachvollziehbare Beispiele und Beweise für seine Sichtweise aufführt, die es dem Betroffenen sehr schwer machen, diese zu entkräften und etwas vergleichbar Überzeugendes dagegenzuhalten. Irgendwie scheint der Narzisst mit seiner klugen Argumentation immer Recht zu haben, weshalb Betroffene zwangsläufig beginnen, an ihrer Sichtweise zu zweifeln. Die Realität wird von dem Narzissten stets so wortgewaltig verdreht, dass Betroffene keine andere Wahl haben, als sich seinem Urteil anzuschließen – selbst wenn dabei ein ungutes Bauchgefühl entsteht. Betroffene werden regelrecht einer Gehirnwäsche durch den Narzissten unterzogen.

Der Partner traut sich nichts mehr zu

Hat der Betroffene sein Selbstwertgefühl erst einmal verloren, reichen dem Narzissten bereits kurze Floskel der Ermahnung, um jeglichen Widerstand sofort im Keim zu ersticken, wie „Ohne mich bist du gar nichts!“ oder „Versuch es gar nicht erst!“. Je intensiver der Betroffene in der Vergangenheit durch permanente Abwertungen vom Narzissten verunsichert wurde und je mehr die Sichtweise des Narzissten in die eigene Überzeugung eingegangen ist, desto schneller zieht er sich bei solchen abfälligen Bemerkungen zurück und äußert er keine Widerworte mehr.

Will der Betroffene eigenständige Entscheidungen treffen und ohne die Hilfe des Narzissten auskommen, wird er mit dessen pessimistischer Haltung konfrontiert durch Kommentare wie „Versuch es nur, aber weit wirst du damit nicht kommen!“ oder „Wie willst du das ohne mich schaffen?“. Der Narzisst sieht die autonomen Bestrebungen seines Partners bereits zum Scheitern verurteilt, bevor dieser überhaupt mit der Umsetzung begonnen hat. Mit so viel Misstrauen im Rücken gehen die Unternehmungen des Partners dann häufig auch als selbsterfüllende Prophezeiung schief und der Narzisst fühlt sich einmal mehr bestätigt: „Ohne mich bist du nichts!“

Der Betroffene spürt unbewusst, dass er vollständig von dem Narzissten abhängig ist, und zweifelt daher nicht mehr an dessen Urteil. In der Tat glaubt er, völlig hilflos zu sein, wenn er den Narzissten nicht mehr hat. Das Selbstvertrauen ist derart gesunken, dass für ihn überhaupt kein Zweifel mehr daran besteht, dass er ohne den Narzissten nichts kann und nichts wert ist. Offenbar ist auch die Erinnerung daran verlorengegangen, dass es vor dem Narzissten ein Leben gab, in dem er durchaus in der Lage war, selbstständige Entscheidungen zu treffen.

Der Partner kann sich nicht mehr lösen

Diese anerzogene Einstellung kann dazu führen, dass selbst die unverzeihlichsten Ausrutscher, größten Unverschämtheiten, perversesten Ausschweifungen oder gar körperliche Gewalt des Narzissten nicht zu einer Trennung führen. Weil der Betroffene zutiefst davon überzeugt ist, ohne den Narzissten nicht mehr leben zu können und ohne ihn nichts wert zu sein, lässt er ihm alles durchgehen. Er lässt sich alles gefallen, weil er glaubt, den Narzissten zu brauchen, und Angst hat, alleine nicht mehr zurechtzukommen.

Unternimmt der Betroffene einen Versuch, sich zu trennen, bekommt er zu hören: „Wie willst du denn nach einer Trennung ohne mich zurechtkommen?“ – „Du bekommst doch ohne mich nichts auf die Reihe – sieh dich doch einmal an!“ Dies sind dann einschüchternde Aussagen des Narzissten, die den Partner von dessen Überlegungen abbringen sollen. Lässt sich der Betroffene hingegen nicht von seinem Entschluss abhalten, legt der Narzisst nach: „Wenn du dich trennst, brauchst du hinterher nicht mehr bei mir anzukommen! Dann musst du selbst sehen, wie du zurechtkommst!“

Der Betroffene muss also ohne Selbstwertgefühl und ohne Sicherheitsnetz aus der Beziehung aussteigen, was ihn verständlicherweise zögern lässt. Er braucht dann gute Freunde oder Berater, die seine Wahrnehmung und seine Gefühle bestätigen sowie seine Entscheidung unterstützen. Sie müssen ihn über den Missbrauch aufklären, sich an seine Seite stellen und ihm die notwendige Stärke und Sicherheit geben, um sich aus dieser feindseligen Beziehung lösen zu können. Alleine schaffen Betroffene den Schritt aus dieser Beziehung heraus oftmals nicht mehr.


Veröffentlicht in Beziehung mit einem Narzissten, Blog
29 Kommentare zu “Ohne mich bist du nichts!
  1. Lilli sagt:

    Hallo,
    das Wesentliche war für mich, zu erkennen,
    dass keine Liebe und normale emotionale Bindung gegeben war,
    in meiner bereits dritten Partnerschaft mit einem Mann mit Narzissmusstörung,
    sondern emotionale Abhängigkeit,
    Co- und Komplementär- Abhängigkeit angesichts emotionalen Missbrauchs.
    Dass seine Launen und Abwerterei nicht irgendwie Überforderung seinerseits mit dem Familienleben ist, sondern egozentrische psychische Gewalt.
    Da ist Distanz das einzig Sinnvolle und Hilfe und Unterstützung durch kompetente Fachleute, Literatur, Blogs, Foren, Selbsthilfegruppen.
    Zuerst wurde mir in der Partnerschaft klar, was schiefläuft.
    Später begriff ich, dass schon meine Mutter narzissmusgestörte Züge hatte, und auch Freunde/innen.
    Das Wichtigste ist, Hilfsquellen zu finden,
    in der dritten Partnerschaft mit Kindern mit meinem narzissmusgestörten Mann, hatte ich Glück mit meinem Hausarzt, meiner Psychotherapeutin und der Ehe- und Familien- Beratungsstelle hier in unserer Großstadt.

  2. Bea sagt:

    Unsere Tochter ist mit einem krankhaften Narzissten verheiratet. Er hetzt sie systematisch gegen uns auf und wir müssen ohnmächtig zusehen wie er sie und ihre beiden Mädchen, 3j und neugeboren, manipuliert…
    Der Bericht beschreibt haargenau das wie wir unseren Schwiegersohn erleben! Super geschrieben!

  3. Katharina Herold sagt:

    Stimmt absolut. Das ist die traurige Wahrheit. Heftig wenn man sich das mal so klar vor Augen führt und absolut kein leichter Weg da rauszukommen.
    Gehirnwäsche ist genau das richtige Wort dafür und Marionette ebenso. Man wird missbraucht.
    Danke für diesen Artikel. Er hilft Betroffenen sehr anderen besser erklären zu können, was vorgefallen ist. Es bleibt sonst so undurchsichtig und durch die eigene Verwirrtheit der Wahrnehmung (durch die Gehirnwäsche) ist man immer wieder zutiefst verunsichert was denn nun wirklich die Wahrheit ist. Man verliert komplett die Orientierung. Und die Verwirrungstaktik des Narzissten bewirkt, dass der Verstand des Opfers an irgendeiner Stelle so verwirrt ist, dass er aufgibt und sich der Willkür des Narzissten unterwirft.

  4. Susanne L. sagt:

    Oh mein Gott, wie wahr. Ein brillanter Artikel.

  5. Waltraud sagt:

    Sehr gut beschrieben, was abgeht mit einem Narzissten. Wenn da noch einer von Komfortzone schreibt(wie in der Vergangenheit geschehen) die man nicht verlassen wolle. Man(n)/Frau wollte bestimmt lieber heute als morgen gehen. Hat man es mit so einem Gestörten zu tun, muss man sich das ganze gut überlegen und strategisch vorgehen, falls man denn das „Glück“ hatte, zu erkennen, mit was man es zu tun hat/te.

    • Friedel sagt:

      Liebe Waltraud,

      eine Komfortzone beginnt maximal, wenn man sich trotz aller -harmlos formuliert – Widrigkeiten entzogen hat.

      Eine Beziehung mit einem narzisstische geprägten Menschen, hohen Narzissmuswerten, ggf. noch antisoziale Anteile ist ganz weit weg von Komfort.

      Danke! für Deinen Kommentar!

    • Lilli sagt:

      Hallo Waltraud,
      das Glück zu erkennen,
      und der Mut dazu,
      ist nötig.
      Aus meiner Sicht ist die ‚Komfortzone‘ das so vertraute Elend,
      wo man Mut braucht, herauszutreten und es zu hinterfragen.
      Mir hilft auch der sog. Gelassenheitsspruch aus der anonymen Selbsthilfegruppe EA Emotions Anonymous:
      Gott gebe mir
      die Gelassenheit, Dinge
      hinzunehmen die ich nicht ändern kann,
      den Mut Dinge zu ändern die ich ändern kann
      und die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden.
      Gute 24 Stunden!

      • Waltraud sagt:

        Hallo,
        für mich war das vertraute Elend keine Komfortzone. Ganz im Gegenteil; 1. Trennung erfolgte von mir im 5. Schwanger-schaftsmonat. Da hab noch meinem Bauchgefühl vertraut, das mir sagte, dieser Mann wird mir nicht gut tun. Was dann folgte von seiner Seite waren die hier bereits bekannten Drohungen. Dafür zu sorgen, mir das Kind wegnehmen zu lassen in Schriftform. Dann wollte er mich auch über seinen Anwalt belangen, indem er Schadenersatz fordern wollte. Ihm wurde das aber ausgeredet wegen Aussichtslosigkeit. Er hat noch einiges versucht. Er hatte ziemlich schnell eine andere Frau und ein weiteres Kind. Dann kam der Zeitpkt. das er aufgelaufenen Unterhalt zahlen sollte. Mit der anderen Frau lief es nicht mehr. Und so hatte er den Plan mich wieder zu aktivieren. Er hatte zwar schon vorher immer in meiner Firma angerufen und die Gespräche wurden nie angenommen von mir und eines Tages ließ ich es zu und hatte bereits verloren, ohne es zu ahnen. Es begann eine Fortsetzung und mein Elend. Nach 4 Jahren mit ihm war ich ein körperliches und seelisches Wrack und immer noch ahnungslos, das ich ihm meinen Zustand zu verdanken hatte. Bei diesen Menschen ist man nie genug. Man gibt nicht genug und alles ist zu wenig. Ich hab zwar Versuche gestartet auszusteigen, aber ich hab meinen Zustand gesehen und mein Bauchgefühl sagte mir, er macht mich fertig (hatte er ja schon). Ich sah mich dem nicht gewachsen mit 2 Kleinkindern. Später kamen noch weitere Baustellen. Ich hab nur versucht, das ganze zu händeln und irgendwie zu überleben. Mehr gab’s nicht, nur grosses Unglück. Nach 25!! Jahren gab’s die 2. Trennung. Und ständig Anrufe von ihm. Nach 4 1/2 Jahren hatte er wieder einen Plan mich unter seine Fuchtel zu bringen. Und weil ich ihm eine Absage erteilte, zwecks Fortführung einer „Partnerschaft“ hat er das volle Programm aufgefahren, mich fertig zu machen. Ich hatte reagiert – völlig falsch. Ich wusste ja noch nichts von seiner Störung. Ich hab’s überlebt und dann wusste ich, wer er ist. Und dieses Wissen hat mich erst in die Position versetzt und auch auf diesen Seiten alles bestätigt zu bekommen, das ich richtig liege und mich endlich schützen und wehren kann. Im aussen hat und stellt er die Dinge immer so dar, das nicht er sondern ich selbst Schuld bin, was passiert ist. Er ist der Gute und ich die Böse. Lange hat mir das zusätzlich zu schaffen gemacht, das er mit seinen ganzen kriminellen Handlungen noch Gehör bei anderen findet für das Gegenteil. Diese ganze Ohnmacht die man trotz der ganzen Verlogenheit von ihm nicht abschütteln konnte. Ich wünsch diesem Menschen, was er verdient.
        Gestern wurde ich was gefragt, was so gesehen, harmlos war. Aber es hat dazu geführt, das ich dermassen wieder in der Vergangenheit bin und alles wieder präsent ist. Oh man, es gibt keine Worte dafür, was diese Gestörten im eigenen Leben anrichten und man wird es einfach los.
        PS.: Bei der Unterhaltsforderung für sein Kind mit der anderen Frau meinte er zum Gerichtsvollzieher, damit würde er der Mutter nur den Spanienaufenthalt finanzieren, es handelte sich um ca. 150 DM pro Monat und er wollte alles anrechnen lassen, was die Mutter fürs Kind aus der gemeinsamen Wohnung mitgenommen hatte. Dieser Mann ist sowas von abgefahren und einfach ohne Worte, die hat man irgendwann nicht mehr!

  6. Mimi sagt:

    Hallo Dana,

    genau mit diesem Problem habe ich mich auch jahrelang rumgeschlagen. Man erkennt, dass die Eltern Narzissten sind und dann…?

    Nach ca. 7 Jahren nicht enden wollender Recherche zu diesem wichtigen Thema habe ich nun eine Art Schlüssel zur Selbstheilung gefunden. Ich empfehle jedem, der sich mit dieser Thematik rumschlagt das Buch „Posttraumatische Belastungsstörung“ von Pete Walker. Die Übersetzung des Titels ist leider nicht ganz korrekt, richtig und im Original heisst das, was wir Kinder von Narzissten haben „Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung“, kurz KPTBS. Wer gut Englisch kann, dem empfehle ich NACH der Lektüre dieses Buches unbedingt die Kurse von Richard Grannon.

    Ich habe sie alle gemacht und habe dadurch einen Weg aus meinem gehirngewaschenen Zustand gefunden. Ich hatte vorher 2 Therapien gemacht, in welchen ich retraumatisiert worden bin, weil die beiden Therapeutinnen nichts über Narzissmus und KPTBS wussten. Insofern gebe ich Dir vollkommen recht: Therapien kann man vergessen.

    Wer sehr rechnen muss und sich die Kurse von R. Grannon nicht leisten kann (wobei ich das Preis-Leistungs-Verhältnis ungemein fair finde!), kann sich alternativ und / oder ergänzend auch die kostenlosen YouTube-Filme von Richard Grannon ansehen. Ich habe so ganz nebenbei mein Englisch auf Vordermann gebracht! 🙂

    Alles Gute für alle Betroffenen!

    • Dana sagt:

      Hallo Mimi, dass ich das noch erleben darf, Pete Walker und Richard Grannon empfohlen auf einer deutschsprachigen Seite👍. Walkers Buch gibt es ja inzwischen auf Deutsch, ich habe echt schon überlegt, ob ich bei Richard anfrage, ob ich seine Kurse übersetzen kann. Denn das Englische ist für viele Deutsche eine Riesenhürde.
      Ich schreibe hier übrigens nicht für mich, ich schreibe für die, die es leider nicht schaffen, von ihren narzisstischen Eltern wegzukommen und da haben Therapeuten in Deutschland einen großen Anteil dran, denn wenn die Kinder der Narzissten endlich merken, dass sie Hilfe brauchen und sich ja dann oft an Therapeuten wenden, weil sie niemand anderen haben, dann kommen sie meist vom Regen in die Traufe, wie Du auch schreibst, Retraumatisierung usw. Daran muss sich was ändern, deswegen schreibe ich Kommentare, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Danke für deine Antwort, ich kann mich nur anschließen, Pete Walker und Richard Grannon, way to go falls Betroffene hier Hilfe suchen!!! ❤️👍

  7. Maria Bouha sagt:

    Hallo Dana, ich bin entsetzt, dass es auch heute noch nicht besser ist, mit den Therapien?
    Damals hätte ich mir auch gewünscht, nur mal einen kleinen Hinweis zu bekommen, warum mein Mann so extrem ausfällig war, mit Erpressung, wenn ich ihn verlasse, meinen Kopf abzuscheiden und in die Küchentür zu hängen.oder mit Schlägen, Möbel schmeissen etc.
    Ich hatte keinen blassen Schimmer, warum er so war, da ich ihm meine ganze Liebe gegeben habe.
    Ich hätte mich lösen können,,wenn ich nicht meine vier lieben Kinder gehabt hätte, die er auch töten würde, wenn ich ihn verlasse. Zur Bekräftigung legte er mir die Bild vor, auf deren Titelblatt ein 40 jähriger Türke prangte, der Frau und Kinder, zufälligerweise auch vier, getötet hatte.
    So habe ich mich noch10 Jahre verbogen, um den Wahnsinnigen in Schach zu halten. Ich musste lügen, dass ich ihn über alles liebe und ohne ihn nicht leben konnte.
    Doch als mein Jüngster dann 13 Jahre alt war, er und seine Brüder alt genug waren, sich vom Vater nicht nach Jordanien verschleppen zu lassen,,habe ich meinen Mann zur Scheidung überedet, die nur seinem Vorteil galt. Eine lange Geschichte, doch mein Schachzug gelang, weil ich ihm hundert mal täglich versicherte, dass ich ohne ihn Null bin und ihn bedingunglos liebe.
    Heute ist er wieder das vierte Mal verheiratet. Gllücklich? Nein, denn eine verlorene Seele, Spielernatur, kann nie für sich sorgen und er hasst mich und sagt zu unseren erwachsenen Söhnen, dass er mich hätte besser töten sollen und ich hätte durch die Scheidung sein Leben und das der Kinder zerstört.
    Von mir war als Mensch nie die Rede. Nur seine Mutter sagte Jahre später, dass ich die Beste von seinen Frauen war.
    Na klar, denn seine später geehelichten Landsfrauen wussten schnell, wie der Hase lief.

  8. Dana sagt:

    Hallo, sehr gut geschrieben, es wird nur leider, wie so oft, wenn es um dieses Thema geht, vergessen, dass Narzissten nicht nur Partner haben, sondern auch Kinder. Ihr Satz „Offenbar ist auch die Erinnerung daran verlorengegangen, dass es vor dem Narzissten ein Leben gab, in dem er durchaus in der Lage war, selbstständige Entscheidungen zu treffen.“ zeigt dies wieder einmal. Das große Problem der Kinder ist ja gerade, dass sie eben nicht auf derartige Erfahrungen zurückgreifen können. Immer wieder wird auch gesagt: Es dauert lange, bis man wieder zu sich selbst zurück findet… Was sollen Kinder von Narzissten sagen? Es gibt nichts, wohin man zurückfinden könnte. Deswegen haben viele Kinder von Narzissten auch enorme Probleme in ihrem Leben, auf gut Deutsch, sie kommen mit ihrem Leben nicht klar… Und was macht die Gesellschaft? Bietet sie Hilfe an? Nein! Sie straft diese Menschen weiter ab. Und Therapien kann man auch vergessen, die meisten Therapeuten haben nicht einmal den Hauch einer Ahnung, wovon man spricht. So viele Potenziale, die brachliegen, weil dieses Thema in der Gesellschaft nicht ernst genommen wird.

    • Silke sagt:

      Genau so ist es und Erlebe ich es auch . Mein Mann NSPler hat mich auch Wirtschaftlich ausgenommen, und Verunglimpft mich jetzt .

    • Gitte sagt:

      Liebe Dana, ich dachte auch, dass Therapeuten keine Ahnung haben. Weil ich hoffte, dass man mein Leid sieht…mich tröstet und mir bestätigt, wie schlecht ich doch behandelt wurde. Dass man mit mir auf dem Narzissten rumhackt und ihn beschuldigt. Das hilft mir allerdings nicht weiter und verschlimmert mein Opferdasein nur weiter. Denn es ist reines Kinderdenken. Es geht nicht darum, bemitleidet, bestätigt und getröstet zu werden, sondern darum, den inneren Erwachsenen im Klienten zu stärken. Es geht darum, bei SICH selbst hinzusehen und den eigenen Anteil/sein erlerntes Überlebensmuster in der Beziehung zu erkennen und zu verändern. Denn man kann mich nur missbrauchen, wenn ich es nicht erkenne und zulasse! Und das geschieht nur, wenn ich in meinen kindlichen Verhaltens- und Denkweisen verhaftet bleibe, die ich entwickelt habe, um geliebt zu werden und so zu überleben! Die narzisstisch missbrauchten Kinder von damals sind die vermeintlichen Erwachsenen von heute. Niemand ist wirklich erwachsen auf diesem Planeten… das ist das Dilemma der Welt. Wenige sind sich dessen bewusst, weil kaum einer seine damals übernommenen bzw. damals selbst entwickelten Sichtweisen hinterfragt und verändert. Helfen kann einem dabei niemand und es muss auch niemand anderer, ausser man selbst! Es gilt endlich Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, statt wie ein abhängiges hilfloses Kleinkind weiter darauf zu warten, dass Mutti/Vati (oder nun der Partner.. Freund… die Kinder… die Gesellschaft etc.) das für einen erledigt. Wir sind ERWACHSEN und fähig, selbst für uns zu sorgen! Ein guter Therapeut kann mich dabei lediglich unterstützen!Und ja… es gibt auch schlechte Therapeuten… Aber es liegt an mir, den passenden zu finden, indem ich rausfinde, was mit mir los ist und was ich brauche – statt zu hoffen, dass es ein anderer für mich tut.

      • Dana sagt:

        Liebe Gitte, vielen Dank für Deine Antwort, ich stimme Dir da vollkommen zu, ich erwarte auch nicht, dass jemand die Kinder bemitleidet, tröstet usw, aber ich erwarte von einem Therapeuten genau das, was du hier schreibst, dass er den Kindern eine Stütze ist, dass er ihnen hilft, auf die Beine zu kommen, zu erkennen, dass sie etwas wert sind, dass sie selbstständig sind, dass sie sehr wohl ohne den Narzissten klarkommen im Leben, auch wenn ihnen ständig was anderes eingeimpft wurde. Aber das machen die wenigsten Therapeuten, die meisten drücken den Kindern irgendwelche Diagnosen auf und behandeln sie schlimmstenfalls sogar mit Medikamenten…. Die Kinder von Narzissten sind aber nicht krank! Sie brauchen lediglich jemanden, der versteht, warum sie so sind, jemanden, der sie in der Selbstfindung und in der Abnabelung vom Narzissten stärkt und ihnen nicht auch noch Vorwürfe macht oder gar der Meinung ist, man müsse nur an der Kommunikation zwischen den Parteien arbeiten…
        Aufgrund der mangelnden Kenntnis bei den Therapeuten und in der Gesellschaft kommen viele Kinder ein Leben lang nicht von ihrem narzisstischen Elternteil los. Hier gilt für viele im wahrsten Sinne, bis dass der Tod uns scheidet.

        • Anka sagt:

          Das entspricht auch meinen Erfahrungen.
          Leider …

          Der Artikel ist zwar auf „Partner“ bezogen, trifft aber voll auch auf die Bestrebungen der Frau zu, die mich auf die Welt gebracht hat.
          Ist viele Jahrzehnte her…
          Trotzdem zieht sich eine derartige Konditionierung wie ein „roter Faden“ durch das weitere Leben…

          Und, nix da mit warten bis dass der Tod scheidet.

          Echtes „Verstehen“ braucht man dafür nicht erwarten. Kann ja auch Keiner, der nicht selbst die Erfahrung gemacht hat.

          Mir hat der ehemalige „Chef“ einer psych.Abteilung einmal den Rat gegeben, die „Latte nicht zu hoch zu hängen“…

          Daraufhin war mir schlagartig klar,
          ich hatte nie „eine an/aufgelegt“

          Wie auch, wenn man nichts zu wünschen oder gar zu beanspruchen hatte?

          Allen einfach viel Mut, Kraft und endlich Selbstwert!

          Nix mehr mit
          „zweierlei Maß“

      • Susanne sagt:

        Wunderbarer Artikel! Er trifft zu 100% ins Schwarze. Ich glaube nicht, dass man das Dilemma einer narzisstischen Beziehung treffender beschreiben kann. Vielen Dank dafür!
        Ich war 25 Jahre mit einem Narzissten zusammen, davon 18 Jahre mit ihm verheiratet und wir haben 5 gemeinsame Kinder. Inzwischen bin ich seit 5 Jahren geschieden und erst nach dem Höllenritt der Trennungs-und Scheidungsphase wurde mit bewusst, dass ich es mit einem Narzissten zu tun hatte. Vorher befand ich mich einfach nur noch im Überlebensmodus und war damit beschäftigt, meine Kinder so gut es ging vor seinen verbalen Attacken zu schützen. Unglaublich, was einem alles im Leben so passieren kann! Für mich war es sehr wichtig zu recherchieren, um die Verhaltensweisen des Narzissten zu verstehen, und zu sehen, dass es nichts mit meinem Wert als Mensch zu tun hat. Ich konnte zuerst über das eigene Opferbewusstsein und anschließend auch über die aufkommende Wut hinauswachsen. Heute sehe ich es als schmerzvolle Lektion meines Lebens, durch die ich wachsen und mich weiterentwickeln konnte.
        So kann ich auch meinen Kindern helfen zu verstehen was passiert ist und ihren Selbstwert wieder aufbauen. Sie können inzwischen ihr Bauchgefühl wieder wahrnehmen und wissen, dass sie sich immer darauf verlassen können. Wenn sich etwas falsch anfühlt, dann IST es falsch! Egal, was irgendjemand sonst sagt oder denkt!
        Wenn man therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen möchte, ist es sehr wichtig, dass dieser Mensch sich mit dem Thema auskennt. Das ist leider nicht selbstverständlich und die Therapie geht unter Umständen dann nach hinten los.

      • Lilli sagt:

        Gut geschrieben, Dana,
        MEINE Co- und Komplementär- Abhängigkeit im ganzen Ausmaß zu erkennen,
        beim dritten Partner mit Narzissmusstörung,
        war mein Schlüssel zur Selbstbestimmung.
        Wichtig war,
        MIR zu helfen bzw. helfen zu lassen, bzw. zu suchen, wer oder was mir half,
        und es immer weniger,
        den Leuten mit narzissmusgestörten Zügen,
        in Verwandtschaft, Partnerschaft oder Freundschaften,
        ‚rechtzumachen‘,
        sondern in Distanz zu gehen und mein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

    • Luna sagt:

      Um auf die Therapien bei Kindern zurück zu kommen…es braucht für eine Therapie die Einverständniserklärung des narzisstischen Vaters/der narzisstischen Mutter. Oder man muss sich erst einmal das alleinige Sorgerecht erkämpfen. Kann man also vergessen.

      • Anka sagt:

        Ist das wirklich so?
        Also auch, wenn die „Überweisung“ von einem Kinderarzt käme?
        Demnach müsste ja jeder (medizinisch) notwendige Schritt zu einem Facharzt von „Laien“ als richtig und notwendig „abgesegnet“ werden?

        Das wäre ja unglaublich !

        • Friedel sagt:

          @Anka

          Genauso ist es für viele betroffene Mütter, die für das Kindeswohlergehen für ihre Kinder eintreten. Und richtig, es ist unglaublich, jedoch an der Tagesordnung.

          • Anka sagt:

            Da kann ich ja von „Glück“ sprechen, daß ich wegen des Wohls meiner Kinder „ohne Rücksicht auf Verluste“ gesprungen bin …
            Da ist mir ja doch was erspart geblieben!

            In med. Belangen bin ich damals nie diesbezüglich angesprochen worden…

            Vielleicht hat sich in den Jahren auch einiges geändert…

          • Friedel sagt:

            @Anka

            Richtig, da hattest Du Glück. Der Alltag sowie behördliche und gerichtliche Vorgehensweisen sieht vollkommen anders aus. Es gibt Foren, in denen betroffen Mütter sich austauschen. Die Darstellungen sind haarsträubend. Für einen normalen Menschenverstand nicht fassbar!

            Stell Dir vor ein kleines Kind, dass in der Zeit beim Vater mehrfach und wiederholt Auffälligkeiten und Verletzungen im …..bereich hat. Nur dort. Untersuchungen, viele behördliche Personen involviert…. und niemand glaubt.

      • Friedel sagt:

        @Luna
        Was Du beschreibst ist leider „Alltagsgeschäft“ für sehr viele Mütter. Mit dem normalen und gesunden Menschenverstand nicht zu verstehen. Behörden, Gericht, Verfahrensbeistände sowie narzissmusgeprägte Väter, sicher auch Mütter, verfügen jedoch über das Wohlergehen von schutzbedürftigen Kindern, entgegen dramatischen Darstellungen sowie dem Wunsch des Kindes. Es wird Recht angewendet von Dritten, die entgegen jeder Darstellung anzweifeln und schutzbefohlene Kinder verpflichten.

      • Dana sagt:

        Mein Beileid an alle, die geteiltes Sorgerecht haben, wenn der andere Part ein Narzisst ist, das ist die Hölle. Auch etwas, was unbedingt mehr Öffentlichkeit braucht, nicht nur Therapeuten haben keine Ahnung, auch die meisten Richter, Jugendamtmitarbeiter, Rechtsanwälte usw wissen nicht, womit man es hier zu tun hat. Wirklich verstehen werden es natürlich immer nur die, die es selbst erlebt haben, aber dennoch muss doch bei Gerichten usw klar sein, worin das Problem besteht. Ich kann ja als Richter auch nicht sagen, tja, also ich bin nie vergewaltigt worden, deswegen habe ich da auch kein Verständnis und sehe auch nicht, warum ich mich mit den Auswirkungen beschäftigen sollte…. Achja und der Vergewaltiger kommt natürlich frei, es gibt ja kein Problem…

      • Dana sagt:

        Übrigens meine ich bei „Kindern“ und Therapien für Kinder von Narzissten alle Altersgruppen, auch wenn man Erwachsen ist, ist man trotzdem nach wie vor das Kind eines Narzissten.

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