Internetforen als ideale Spielwiese für Narzissten

Das Internet bietet Narzissten eine besondere Möglichkeit, ihre Eitelkeiten auszuleben, ohne ihre Identität dabei preisgeben zu müssen. Das Prinzip „Mehr Schein als Sein“ lässt sich problemlos im Cyberspace umsetzen. Narzissten können eine Persönlichkeit ganz ihrer Phantasie entsprechend kreieren und sich damit einem riesigen Publikum präsentieren. Ungehindert können sie so ihrer Neigung nachgehen, sich aufzublasen und andere Menschen zu erniedrigen.

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Die virtuellen Möglichkeiten bieten Menschen mit einer narzisstischen Störung eine großartige Bühne, um sich der ganzen Welt zu präsentieren und ihre Großartigkeit unzähligen Personen darzubieten. In Postings, Chats, Internetforen und sozialen Netzwerken können sie ihrer destruktive Energie unbehelligt freien Lauf lassen. In niederträchtigen und besserwisserischen Kommentare gespickt mit Lügen und provozierenden Bemerkungen, geschönter Selbstdarstellungen und reinem Zynismus können sie ihre Lust am Quälen in ihrer ganzen Abgründigkeit ausleben. Sie beleidigen in Foren andere, die sich durchaus ernsthaft mitteilen wollen und entblößen und kränken diese, was dem Narzisst aufgrund seines Mangels an Einfühlungsvermögen alles andere als schwer fällt, sondern vor allem Freude und Genugtuung bereitet.

Der Narzisst legt sich eine falsche Identität zu

Geschickt versteckt sich der Narzisst in Internetforen hinter einem Nickname, nutzt diverse kostenlose E-Mail-Accounts ohne die Möglichkeit der Rückverfolgung auf seine wahre Identität und entzieht sich auf diese Weise bequem jeglicher Verantwortung für den seelischen Schaden, den er bei anderen anrichtet. Im Zweifel ist er niemals angreifbar. Hier kann sich ein Mensch mit einer narzisstischen Störung in spielerisch einfacher Weise aufpusten und aktiv Cypermobbing betreiben. Andere Personen werden völlig ungehemmt angegriffen, kritisiert und „fertig“ gemacht. Die Tatsache, dass der Narzisst die Folgen seines Handelns nicht mitbekommt, also nicht spürt, wie es seinem Opfer am anderen Ende geht, steigert noch seine grenzenlose Unverschämtheit.

Am häufigsten nutzen narzisstische Täter freche und beleidigende Mails, in denen die Würde und das Ansehen einer anderen Person angegriffen werden. Daneben werden vertrauliche Informationen schamlos weitergegeben oder  peinliche Bilder oder Videos hochgeladen. Außerdem ist durch die virtuelle Form des Mobbings das Opfer für den Narzissten pausenlos verfügbar. Der Täter kann rund um die Uhr sein Opfer schikanieren und sich nach Belieben mit Gemeinheiten austoben. Das Opfer ist somit ununterbrochen erreichbar und kann sich der Demütigungen kaum entziehen.

Die Nachricht geht um die ganze Welt

Im Gegensatz zum Mobbing im realen Leben erfährt das Cybermobbing eine ganz neue Dimension. Wenn die Botschaft erst einmal im Internet steht, ist sie kaum wieder rückgängig zu machen. Der ganzen Öffentlichkeit wird der  demütigende Sachverhalt schonungslos zugänglich gemacht und im schlimmsten Fall gehen intimste Bilder und Videos um die ganze Welt. Das Opfer ist machtlos. 

Rechtfertigende Antworten bringen niemals eine Klarstellung, sondern verleiten die Gegenseite nur dazu, noch unerbittlicher zuzuschlagen. Die Provokation war für den Narzissten nur der Anfang – sozusagen die Spieleröffnung. Geht das Opfer darauf ein und bietet weiteren Stoff zur Gegenattacke, steigert sich noch das Ausmaß der perfiden Angriffe. Das Opfer ist dann fortlaufend Unterstellungen sowie der Verbreitung von Unwahrheiten, Verleumdungen und Diskriminierungen ausgesetzt. Dabei machen die Häme, Nachrufe und Vorwürfe der anderen, die sich  der Meinung des Narzissten anschließen und die entsetzen Blicke aller, die das Opfer täglich aushalten muss, das Leben zur blanken Hölle. Die Folge für die Opfer sind dann oft Wut, Angst und Isolation bis hin zum Selbstmord.

Leichte Opfer sind dabei vor allem diejenigen, die im realen Leben aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Figur abgelehnt werden, die sich durch ihre Sprache und Nationalität unterscheiden, die ängstlich und schüchtern sind, die eine Behinderung aufweisen oder unter einem anderen Handicap leiden, sich selbst aggressiv verhalten, sich gegen die Meinung des Narzissten stellen oder einfach zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Menschen, die sich aufgrund ihres mangelnden Selbstwertgefühls leicht einschüchtern lassen und sich nicht wehren können, sind das gefundene Fressen für die narzisstischen Täter.

Vorrangig Jugendliche werden im Internet gemobbt

Das Cypermobbing wird vor allem von jungen Menschen ausgeübt. Jeder fünfte Jugendliche wird in Internet gemobbt. Zu diesem Ergebnis kommt eine bundesweite Studie, über die das Nachrichtenmagazin „Focus“ im Mai 2013 berichtet hat. Die betroffenen Mädchen und Jungen werden beleidigt, verleumdet oder es werden Lügen über sie verbreitet. Was harmlos auf dem Schulhof beginnt, setzt sich gnadenlos zum Höhenflug im Internet fort. Ein Fünftel wird sogar im Internet erpresst. Die Tatorte für das unmenschliche Miteinander sind dabei zu 80 Prozent soziale Netzwerke wie Facebook.

In den virtuellen Räumen des Internets fehlt es an einer Autoritätsperson, die das willkürlich aggressive Handeln unterbinden kann. In Deutschland gibt es bislang keine eigene Rechtsprechung zum Cybermobbing. Aufgrund des mangelnden Identitätsnachweises ist es sehr schwierig, Täter zu entlarven und zu überführen. Grundsätzlich gilt aber, dass Mobbing ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht eines Menschen darstellt, das durch Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes geschützt ist. Somit können Verhaltensweisen, die dieses Persönlichkeitsrecht verletzten, wie z.B. Beleidigung, Verleumdung oder übler Nachrede strafrechtlich belangt werden. Doch eine Strafverfolgung der Täter erschwert sich meist wiederum, weil der Server im Ausland angemeldet ist, weshalb sie nicht unter deutsches Recht fallen.

Die Justizminister der Bundesländer trafen sich unlängst zu einer Konferenz, um dem Cypermobbing dem Kampf anzusagen. So wird derzeit der aktuelle Strafrahmen bei Beleidigungen und diffamierenden Einträgen im Internet geprüft. Außerdem will man die Betreiber von Plattformen und sozialen Netzwerken mit ins Boot holen, um beleidigende Einträge zügig zu löschen und Nutzer deutlicher vor strafbaren Handlungen warnen.

Narzissten vertuschen ihre Minderwertigkeitsgefühle

Der Mensch mit einer narzisstischen Störung versteckt sich hinter einem falschen Decknamen mit falschen Personendaten, um jederzeit und völlig willkürlich über die Verletzlichkeit anderer Menschen verfügen zu können. Die Not, in die er andere Menschen stürzt, gibt ihm das Gefühl, diesen überlegen zu sein. Er kann sie weiterquälen oder aus ihrem Leid befreien, indem er mit den Schikanen aufhört oder die Behauptungen richtigstellt. Der Narzisst besitzt also Macht und stabilisiert auf diese Weise seinen Selbstwert.

Allerdings zeigt sich durch das hemmungslose Ausleben skrupelloser Boshaftigkeiten erst recht das mangelnde Selbstwertgefühl eines Narzissten. Im Gegensatz zu seinem aufgeblasenem Benehmen und seinen bösartigen Postings und provozierenden Kommentaren ist er selbst ein verunsichertes, ängstliches und chronisch gekränktes Individuum, das sich nicht anders wehren und seinem Frust Ausdruck verleihen kann. Meist wurde der Narzisst selbst im Elternhaus oder von Freunden erniedrigt und gedemütigt und sucht sich nun Schwächere, um seiner Wut ein Ventil geben zu können. Im Grunde steckt hinter einem überheblichen und respektlosem Auftreten eine jämmerliche Persönlichkeit, die sich an der Hilflosigkeit anderer und der eigenen Gemeinheit erfreut.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie auf der Website www.cybermobbing-hilfe.de. Hier finden Sie zahlreiche weiterführende Informationsquellen und Hilfen für die Opfer.


Veröffentlicht in Narzisstische Gesellschaft
2 Kommentare zu “Internetforen als ideale Spielwiese für Narzissten
  1. Frau Holle sagt:

    Nicht nur das Cyber-Mobbing ist eine adäquate Plattform für Narzissten. Ich denke mir, dass die vielen Online-Partnerbörsen eine ideale Spielwiese für Narzissten sind – männliche und weibliche. Ganz offen wird hier in den Profilen über alle möglichen Sehnsüchte und Bedürfnisse geschrieben. Zum Beispiel ein männlicher Narzisst braucht doch nur ganz viele weibliche Profile zu lesen, um einen repräsentativen Überblick über die Bedürfnislagen vieler Frauen zu bekommen. Danach legt er sein eigenes Profil an, in welchem sich gleich ganz viele Frauen mit ihren Sehnsüchten wiedererkennen. Oder er schreibt nur das allernötigste und bearbeitet seine „Objekte“ gezielt in der anschließenden Mailkommunikation – die Verführung beginnt schon mit dem Aussuchen seiner für seine Zwecke geeigneten Profile. Hier ist so viel Raum für Projektion und Gegenprojektion…

    Ich habe meinen letzten narzisstischen Partner über eine der größten Online-Partnerbörsen am Markt kennen gelernt. Darüber habe ich unter dem Studium dieser Seite hier häufig nachgedacht, so dass ich mir jetzt einmal ein männliches Fake-Profil angelegt und gezielt bestimmte, besonders für eine Narzisstenrolle prädestinierten Frauenprofile gelesen habe. Das waren alles potenzielle Opfer! So viele einsame, enttäuschte Frauen voller Sehnsucht… Dasselbe gilt wohl auch für Männer – nur, dass diese nicht so geübt sind im Äußern und Beschreiben von gefühlsmäßigen Dingen. Möchte nicht wissen, wie viele besonders übel narzisstisch strukturierte Partnerschaften so entstanden sind. Ich denke, dass gerade das Loslösen von diesen virtuellen Prinz-Traumbildern später in der Realität besonders schmerzhaft und schwer ist für die Opfer der Narzissten. Diese Zusammenhänge habe ich damals nicht erkannt – heute würde ich jedem von der Online-Partnersuche dringend abraten!

    • Coco sagt:

      Guten Tag
      Auch ich bin einem Narzissten im Netz über Online Partnersuch fast auf den Leim gegangen. Ihr Artikel beschreibt es genau richtig. Solche Männer machen sich einen Spass daraus. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass er so viele Frauen ausgenutzt hat. Tja schade, ich war nur 1 Monat auf dieser Seite angemeldet. Ich hätte ihn melden sollen, so wäre vielen Frauen Leid erspart geblieben. Man erkennt solche Männer auch an dem, dass sie die Frauen immer wieder in die Warteschlagen legen bevor sie sich wieder melden. So verursachen sie mit der Zeit, dass die Frauen hörig werden. Hände weg von solchen Typen. Das Leben ist auch allein schön.

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