Wie wird man Opfer eines Narzissten?

Warum fallen Betroffene auf die Verlockungen und Versprechungen des Narzissten herein und folgen diesen blind, obwohl die meisten von ihnen bereits am Anfang zahlreiche Hinweise auf die wahre Natur des Narzissten erhalten, die eigentlich zum sofortigen Abbruch der Beziehung führen, mindestens aber skeptisch machen müssten? Warum gehen Betroffene so leichtfertig über diese Warnsingale hinweg und werden dann zum Opfer eines Narzissten?

Bild: © New Africa – Fotolia.com

Viele Opfer von Narzissten stellen sich die Frage, warum ausgerechnet sie an einen Narzissten geraten mussten und warum sie so dumm waren, dessen niederträchtigen Absichten nicht schon viel früher zu erkennen? Allen sonderbaren Zeichen, kuriosen Signalen und eindringlichen Warnungen Dritter zum Trotz sind Betroffene davon überzeugt, dass sie in dem Narzissten ihren Traumpartner gefunden haben und ihr ungutes Bauchgefühl sie trügt. Sie gehen darüber hinweg, beschönigen das unpassende Verhalten des Narzissten oder bagatellisieren seine unrühmlichen Taten, nur um die Wahrheit nicht sehen zu müssen und auf diese Weise den Glauben bewahren zu können, den perfekten Partner fürs Leben gefunden zu haben.

Die unglaublich schönen Momente mit einem Narzissten in der Anfangszeit lassen im Grunde überhaupt keinen Zweifel an dessen aufrichtiger Liebe zu, so dass situativ auftretenden Befremdlichkeiten im Umgang mit dem Narzissten keine weitere Beachtung geschenkt wird. Betroffenen stößt das inadäquate Verhalten des Narzissten in bestimmten Situationen zwar auf, doch gehen sie dem Grund für ihre Wahrnehmung nicht weiter nach und glauben, dass das sonderbare Benehmen nichts zu bedeuten habe.

Schließlich birgt eine intensivere Beschäftigung mit dem merkwürdigen Verhalten des Narzissten die Gefahr, den momentanen zauberhaften Zustand und den Glauben an die perfekte Liebe zu zerstören. So wird über das Unerfreuliche hinweggesehen und schnellstmöglich abgehakt, nur damit die Illusion erhalten bleibt, einen echten Märchenprinzen gefunden zu haben. Betroffene lassen sich daher bedingungslos auf die Verführung ein und werden so zum Opfer des Narzissten.

Doch was bringt Betroffene dazu – trotz anfänglicher Hinweise, die eindeutig belegen, dass ihr Märchenprinz keineswegs makellos ist – die Wahrheit nicht zu sehen oder nicht sehen zu wollen?

Schwaches Selbstwertgefühl

Betroffene wollen sich durch die Beziehung mit dem Narzissten aufwerten und fühlen sich großartig bei dem Gefühl, mit einer so strahlenden Persönlichkeit zusammensein zu dürfen. Sie glauben, sich die beeindruckende Stärke, das große Selbstbewusstsein, die außergewöhnliche Attraktivität und die imposante Ausstrahlung, die ihnen selbst fehlen, durch den narzisstischen Partner aneignen zu können, um sich auf diese Weise selbst zu stärken. Der Mangel an Selbstliebe von Betroffenen wird durch das besondere Interesse des Narzissten an deren Person ausgeglichen. Der Narzisst wird von Betroffenen zur eigenen Selbstwertregulierung benötigt.

Verlorengegangene Lebensfreude

Die gleichbleibende Routine des Alltags oder zahlreiche Enttäuschungen können die Lebensfreude abtöten. Oft funktionieren Betroffene dann nur noch für den Beruf, für die Familie oder für Freunde und dafür, die Lebensaufgaben irgendwie zu bewältigen. Die immer gleichen Anforderungen und die Belastungen des Alltags erzeugen einen Mangel an Lustgefühlen – die Freude am Leben geht verloren und es fehlt eine aufbauende Perspektive. Zudem machen frustrierende Erlebnisse in der Vergangenheit misstrauisch und verbittern. Betroffene wollen endlich aus dieser Tretmühle herauskommen und wieder etwas Besonderes erleben. Sie wollen Teil von etwas Außergewöhnlichem und Aufregendem sein. Sie wollen das Leben wieder spüren. Wenn an diesem Punkt ein Narzisst mit seiner grandiosen Ausstrahlung und  Begeisterungsfähigkeit in ihr Leben tritt, dann lassen sie sich auf ihn ein.

Sucht nach Zärtlichkeit und sexueller Nähe

Der Sex mit dem Partner ist langweilig geworden oder es steht derzeit kein Partner zur Verfügung. Betroffene erleben keine körperliche Zärtlichkeit, fühlen sich nicht liebenswert und vermissen zutiefst das leidenschaftliche Einswerden mit einem gefühlvollen Partner. Es besteht eine große Liebesbedürftigkeit, weshalb das Verlangen nach erotischen Abenteuern als besonders quälend empfunden wird und sich der Verstand durch die eingeschränkte Sicht vernebelt. Verhängnisvollen Verlockungen wird dann aufgrund der übermächtigen Begierde zu leicht nachgegeben.

Weitere Gründe

    • großes Leiden (körperlich, seelisch)
    • hohe soziale Belastungen z. B. durch Schulden, neue Lebensbedingungen, einen wirtschaftlichen Abstieg, Erfolglosigkeit, Konflikte in einer Beziehung
    • Trauer und Verlusterfahrungen (Verlust einer nahestehenden Person, Verlust des Arbeitsplatzes etc.)
    • Einsamkeit
    • Mangel an Sicherheit und Geborgenheit

Die quälende innere Leere, das Gefühl von Wertlosigkeit oder Sinnlosigkeit sowie der Mangel an Liebe lassen den Wunsch entstehen, an etwas Besonderem oder Großartigem teilzuhaben. Man erträgt nicht länger die eigene Minderwertigkeit, die Durchschnittlichkeit des eigenen Daseins, das Gewöhnliche im Alltag und die drückende Langeweile. Man wünscht sich, es würde endlich etwas Spannung und Aufregung ins eigene Leben kommen oder jemand hält die Arme offen und spendet etwas Trost.

Der Narzisst nutzt diese Schwächen aus

Bei einer derartigen Ausgangslage hat der Narzisst leichtes Spiel: Er verführt seine Opfer, lässt sie an etwas Besonderem teilhaben und gibt ihnen das Gefühl, ein ganz besonderer Mensch zu sein. Deren Leben scheint plötzlich wieder einen Sinn zu bekommen, sie spüren wieder Feuer und Leidenschaft, Glück und Euphorie, Lust und Sinnlichkeit. Nie wieder wollen sie in das triste Leben, das sie zuvor geführt haben, zurückkehren und klammern sich daher an den Narzissten.

Die grandiosen Inszenierungen des Narzissten und seine scheinbar glaubwürdigen Liebesbekenntnisse treiben Betroffene in eine Abhängigkeit, weil sie in dem Narzissten einen himmlischen Retter sehen, der sie von der Einförmigkeit ihres Lebens, von ihrem Frust und inneren Mangel befreien kann. Der Narzisst befriedigt ihren Wunsch nach Beachtung und Wertschätzung, stärkt ihr Selbstwertgefühl, beschenkt und verführt sie, erfüllt ihre sexuellen Wünsche, macht ihr Leben wieder lebenswert und verleiht ihnen das Gefühl von vollendeter Lebensfreude.

Betroffene werden von dem Gefühl überwältigt, in der Beziehung mit dem Narzissten endlich das lang ersehnte Glück gefunden zu haben. Doch letztlich führt der Narzisst seine Opfer auf schmerzhaften Umwegen zu ihrem verborgenen Leid zurück und vermehrt es sogar noch: Erst entzückt er sein Opfer und versetzt es in einen Rauschzustand, dann vereinnahmt er es und missbraucht es für seine Zwecke. Hierzu wertet er sein Opfer beständig ab, zerstört somit sein Selbstwertgefühl und nimmt ihm vollständig seine Lebensfreude und sein Lebensglück. Manche Opfer von Narzissten sehnen sich nach diesen niederschmetternden Erfahrungen sogar nach dem tristen und gewöhnlichen Leben, das sie zuvor hatten, zurück – und erkennen erst dann, wie gut es ihnen eigentlich damit ging.

Der Idealisierung entkommen

Die große Sehnsucht nach Liebe und die Hoffnung auf die Erfüllung aller Träume können blind machen für die Realität. Abweichungen von den eigenen Idealvorstellungen werden als solche nicht erkannt, Störungen werden nicht ernst genommen, Konflikte werden unter den Teppich gekehrt und Fehltritte des Narzissten verharmlost. Alles wird idealisiert, damit der Traum von der perfekten Liebe nicht platzt und Betroffene nicht in ihr altes, abwechslungsloses Leben zurückkehren müssen.

Jedoch gibt es auch Opfer von Narzissten, die den narzisstischen Missbrauch früher erkennen und sich nicht so tief wie andere in eine narzisstische Beziehung verstricken. Zwar genießen sie ebenfalls die anfängliche Idealisierung, werden aber mit der Zeit skeptisch, wenn alles immer nur durch die rosarote Brille gesehen wird oder der Narzisst sie mehr und mehr bedrängt und vereinnahmen möchte. Sie vermissen eine respektvolle Distanz, beginnen, ihre Gefühle gegenüber dem Narzissten zu zügeln, und warten erst einmal ab, bevor sie sich ganz auf die großspurigen Bekundungen des Narzissten einlassen.

Die wahre Qualität einer Beziehung zeigt sich erst dann, wenn das erste Verliebtsein verflogen ist und das Zusammensein mit anderen Inhalten gefüllt werden muss. Ein Partner sollte zeigen, dass er seine Versprechen in die Tat umsetzen kann und nicht nur in blumigen Worten davon redet. An seinen Taten sollte man den Menschen erkennen und nicht an seinen Absichten.

Mit dieser Einstellung bleiben Betroffene in ihrer Mitte und können so der großen Anziehungskraft entgehen, die von dem Wunsch nach Verschmelzung mit dem Partner ausgeht, und leichter ein Fehlverhalten des Narzissten erkennen und es als solches auch bewerten. Die vielen anfänglichen alarmierenden Hinweise werden mehr als solche wahrgenommen und sachlich abgewogen, ohne etwas zu beschönigen. Auf diese Weise können Betroffene verhindern, dass ihre persönlichen Grenzen überschritten werden, ohne dass sie es merken, und sie sich einem selbstsüchtigen Blender hingeben.


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Veröffentlicht in Beziehung mit einem Narzissten, Blog
31 Kommentare zu “Wie wird man Opfer eines Narzissten?
  1. Rabe sagt:

    Als Antwort auf diese Frage fällt mir ein, per Geburt. Weiter gefragt, wie wird man eine befruchtete Eizelle?
    Und diese Frage meine ich ernst.

  2. Maria sagt:

    DAnke für all Eure Beiträge. Sie geben mir Kraft und eröffnen mir einen Raum, neu mit mir selbst in Kontakt zu treten. Mein GEfühlschaos und die Abhängigkeiten zu erkennen, um mir meinem Anteil in der Beziehung anzusehen. Und dabei mir selbst die Chance auf Heilung zu geben.
    Danke für diesen wertvollen Ort der Begegnungen.

  3. Anett sagt:

    Wieder mal ein sehr sehr gelungener Artikel von Sven Grüttefien. Auch ich finde mich in einigen Schilderungen wieder. Lange habe ich gebraucht, um zu begreifen, wie es dem Narzissten nur gelingen konnte, in mein Leben zu dringen. Eigentlich habe ich es erst richtig erkannt bzw. bestätigt bekommen, als ich zufällig auf dieses Forum gestoßen bin. Schon seit einiger Zeit ist es mir eine echte Lebenshilfe, da ich nun weiß, dass nicht ich es bin, die falsch tickt, aber auch erkannt habe, dass es eben doch auch an mir lag, dass der Narzisst zeitweise die Oberhand über mein Leben bekommen konnte.
    Im Übrigen haben ich den Narzissten schon immer als Vertreter beiderlei Geschlechts gesehen.

  4. Yvonne sagt:

    Sehr guter Artikel. Er zeigt eben auch auf, dass auch die Opfer einen Teil beitragen, wenn auch unbewusst. Genau diese „Opferhaltung“, die meist schon vorhanden ist, zieht diese „Blut- und Energie-Sauger“ an. Auf jedes Opfer wartet sein Täter. Die „riechen“ das nämlich. Bei mir war es allerdings so, dass ich durchaus gerne gebe, solange eben ein fairer Austausch von Geben und Nehmen stattfindet. Sobald es kippt, gebietet der Selbstschutz sofort Grenzen zu ziehen, wenn man nicht völlig „ausgeblutet“ liegen bleiben will. Ich bin sicher auf 6 Narzissten ausgerutscht, bis ich endlich, endlich meinen Anteil sah. Ich konnte es einfach nicht fassen, dass die die Verletzlichkeit dermassen perfide ausnützen konnten. Unfassbar. Aber jetzt nicht mehr. Ich weigere mich, zur „Nahrung“ oder zum Opfer zu werden. Es gibt ein kurzes Wort dafür und das heisst NEIN! (und nicht vielleicht!)

  5. Renata sagt:

    Ein kluger und sehr gelungener Artikel! Danke Herr Grüttefien, Sie haben mir heute zu wichtigen Einsichten verholfen.

    Der innere Mangel ist das Einfallstor des Narzissten. Das habe ich so noch nie bedacht, dabei ist genau das zentral. Dazu die vergebliche Hoffnung, die innere Leere mit jemandem füllen zu können. Ist das nicht auch eine Form des Missbrauchs? Ich denke schon. Vielleicht sollten sich die über einen Narzissten Gestrauchelten auch einmal an der eigenen Nase nehmen, denn man kann die Verantwortung für ein erträgliches Leben nicht delegieren.

    Ich glaube, dass jeder über kurz oder lang verstehen und akzeptieren muss, dass ein Mensch letztlich und Innersten alleine ist und bleibt.
    Es liegt aber in der Macht jedes Einzelnen, dieser existenziellen Einsamkeit gesegnete Augenblicke abzuringen.

    • Klarsicht sagt:

      Ja, der innere Mangel kann eine Ursache sein. Doch woher kommt er? Lange, lange habe ich gebraucht zu sehen, woher er kommt, der innere Mangel. Er hat ihn nicht bewirkt, der Narzisst. Er zeigt ihn mir nur auf. Er hat auch einen, einen inneren Mangel. Doch es ist meine Geschichte, es sind meine Wunden, die mich das erleben lassen und ich treffe nicht per Zufall auf ihn, den Narzissten. Er zeigt mir meine Wunden auf, wo ich heilen soll. Und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Heilen muss ich selbst, oder mit fachlicher Hilfe. Er ist dafür nicht zuständig. Natürlich habe ich keine unauflösliche Verbindung zu ihm, bin Gott sei Dank immer selbständig geblieben, keine gemeinsamen Kinder, keine gemeinsame Wohnung, keine gemeinsamen Bank-Konten… da ist es einfacher, sich zu trennen…
      Alles Gute und Liebe denen die stärker mit ihm verbunden sind.

      • Anett sagt:

        Weitestgehend stimme ich Ihnen zu, dankbar bin dem Narzissten jedoch nicht. Heute kann ich sagen, dass ich an der Beziehung zu „meinem“ Narzissten auch gewachsen bin, nicht zuletzt, weil ich meine Defizite erkannt habe, woran er einen großen Anteil hat. Andererseits, was wäre der einzelne Mensch ohne seine Schwächen? Sind es nicht gerade auch die, die ihn einzigartig und liebenswert machen? Den perfekten Menschen gibt es doch wohl kaum.

        Und sie haben Recht, man hat keine unauflösliche Verbindung zu ihm, wenn man mal von der Eltern-Kind-Beziehung absieht, die sich bis zu einem gewissen Alter wohl kaum so einfach auflösen lässt.

        Auch ich habe mir immer ein gewisses Maß an Selbstständigkeit bewahrt, zum Teil auch wieder zurückgeholt: eigenes Auto, eigenes Konto, Vollzeitbeschäftigung und damit finanzielle Unabhängigkeit, überhaupt Unabhängigkeit … keine gemeinsamen Kinder oder gemeinsame finanzielle Verpflichtungen. Natürlich habe ich auch „Lehrgeld“ bezahlt und Erfahrungen gemacht, die ich mir doch gerne erspart hätte. Heute sehe ich es als Teil eines Lernprozesses, der mich auch ein Stück weit dahin gebracht hat, wo ich heute stehe.
        Alles Gute für die Zukunft.

  6. Lisa sagt:

    Das ist für mich einer der treffendsten Beiträge .Vielen Dank

  7. Maritt sagt:

    Für mich hatte mein Mann zwei Persönlichkeiten. In die eine Persönlichkeit habe ich mich verliebt. Aber überhaupt nicht weil sie großartig war und ich mir davon Glanz erhofft habe. Sondern weil es die ganz normale Persönlichkeit war, die man sich erhofft: gleiche Interessen, gleiche Einstellung, Verlässlichkeit…etc. Nur die andere Persönlichkeit hat nicht gepasst: Überheblich, verletzend, egoistisch, empathielos…etc. Und ich habe die ganzen Jahre versucht, der liebenswerten Persönlichkeit zum Sieg zu verhelfen. Ich habe viel versucht mit viel Hoffnung, dass ich es schaffen könnte. Denn dann wäre es eine schöne, ganz normale Beziehung gewesen.Auf Großartigkeit war ich nie aus. Erst als ich von Narzissmus gelesen habe, ist mir klar geworden, dass mein Kampf und mein Aushalten lebenslang sein wird. Erst dann ist es zur Trennung gekommen, die schwer war nach 35 gemeinsamen Jahren (Ortswechsel, Arbeitsplatzwechsel,finanzielle Verluste..). Ich bin noch immer der Meinung, dass die Unkenntnis über Narzissmus der Hauptgrund für ein Bleiben ist.

    • Melanie sagt:

      Liebe Maritt,
      für mich waren die zwei Persönlichkeiten, wie Du sie nennst, immer die
      zwei Gesichter…. In das nette Gesicht habe ich mich verliebt und viele
      Jahre das 2. Gesicht gar nicht wahrgenommen, weil es für mich total im
      Verborgenen war. Die Bücher „Das schleichende Gift“ und „Die Masken der
      Niedertracht“ beschreiben sehr gut die verborgene 2. Seite/Gesicht. Mit
      der Puppertät der Kinder trat das destruktive, verweigernde, nicht an-
      erkennende 2. Gesicht gegenüber den Kindern und mir immer mehr zu Tage.
      Für mich eine immense Lebensaufgabe, denn ich stand sehr häufig zwischen „allen Stühlen“…. Ich wollte den Forderungen der Kinder und ihm gerecht werden und ich war ständig im Zwiespalt, jedoch kam der Weg einer Trennung für mich zu diesem Zeitpunkt nicht in Frage, denn ich brauchte tatsächlich 44 Ehejahre für das absolute E n d e !!!
      Ich bin sehr froh, dass mir dabei ein „ZUFALL“ geholfen hat und freue
      mich jetzt auf mein selbstbestimmtes n e u e s Leben und ich kann mir
      nicht vorstellen, dass es für mich nochmals einen vertrauensvollen Partner geben wird, aber weiß man es? Ich bin nicht verbittert und hadere auch nicht mit meinem Schicksal, denn ich habe dieses Leben mit
      den vielen Höhen und Tiefen ja auch wirklich gelebt. Ich bin ein positiver Mensch und für mich ist das Glas halbvoll und nicht halbleer…
      In diesem Sinn wünsche ich allen hier viele positive Eingebungen und für die Zukunft alles Gute – es kann nur besser werden….
      Melanie

    • Waltraud sagt:

      So seh ich das auch. Ohne das Hintergrundwissen ist man nicht gefeit wieder auf seine Spiele reinzufallen, obwohl man schon getrennt ist. So ist es mir zumindest passiert und er hat mich dadurch für eine Zeit wieder unter seine Herrschaft gebracht.

    • Elke Baldy sagt:

      Ja, die Wahrnehmung des wohl wahren Wesenskerns, der Fokus auf das Gute (immerhin Sind die „positiven Illusionen“ eins der erforschten und empirisch bestätigten fünf Erfolgsgeheimnisse für gelingende Beziehungen), die Hoffnung und die Berücksichtigung der Interessen von Kindern – all das kann deutlich dazu beitragen, in der Beziehung zu bleiben.

      Die andere Seite dieses Bleibens kann – neben Verletzungen und deren Bewältigung – u.a. auch sein, dass man es lernt, Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen, Erwartungen (an sich und andere) zu überprüfen und Werte zu leben

      Das ist eine wunderbare Grundlage für Eine reife Beziehung, wobei natürlich die alte Beziehung so geheilt sein sollte, dass man wieder vertrauen kann

  8. Elke Baldy sagt:

    Es gibt noch weitere Gründe/Motive etc., sich auf eine Persönlichkeit mit höher ausgeprägten narzisstischen Merkmalen einzulassen und keineswegs ist dies generell mit Schwächen, Mängeln, Ängsten oder bestimmten (schwachen) Persönlichkeitsmerkmalen, Co-Abhängigkeit, fragilem Selbstwert oder selbstbezogenen Bedürfnissen verknüpft.

    Ich persönlich halte es für unerlässlich, auch biografische und individuelle Aspekte zu berücksichtigen, die Schuld- und Negativ-Bewertungsebene zu verlassen (denn wo wäre dann ein Unterschied zum narzisstischen Verhaltensmuster?) und Heilung über Erkenntnis und Vergebung zu fördern.

    Aufklärung bringt sicher sehr gute Erkenntnisse und dient der Vorbeugung – Danke dafür.
    Doch es gibt weder DEN Menschen, noch DEN Narzissten, noch DEN Gegenpart eines stärker nsrzisstisch betonten Menschen.

    PS: die Schublade ‚(Co)Narzisst(in)“ gibt es so nicht – narzisstische Merkmale haben wir alle – sie bewegen sich wie alle Persönlichkeitsnerkmale bzw. -konstrukte in einem Kontinuum – daran wollte ich nochmal erinnern

  9. Elke Bakdy sagt:

    Es gibt noch weitere Gründe/Motive etc., sich auf eine Persönlichkeit mit höher ausgeprägten narzisstischen Merkmalen einzulassen und keineswegs ist dies generell mit Schwächen, Mängeln, Ängsten oder bestimmten (schwachen) Persönlichkeitsmerkmalen, Co-Abhängigkeit, fragilem Selbstwert oder selbstbezogenen Bedürfnissen verknüpft.

    Ich persönlich halte es für unerlässlich, auch biografische und individuelle Aspekte zu berücksichtigen, die Schuld- und Negativ-Bewertungsebene zu verlassen (denn wo wäre dann ein Unterschied zum narzisstischen Verhaltensmuster?) und Heilung über Erkenntnis und Vergebung zu fördern.

    Aufklärung bringt sicher sehr gute Erkenntnisse und dient der Vorbeugung – Danke dafür.
    Doch es gibt weder DEN Menschen, noch DEN Narzissten, noch DEN Gegenpart eines stärker nsrzisstisch betonten Menschen.

    PS: die Schublade ‚(Co)Narzisst(in)“ gibt es so nicht – narzisstische Merkmale haben wir alle – sie bewegen sich wie alle Persönlichkeitsnerkmale bzw. -konstrukte in einem Kontinuum – daran wollte ich nochmal erinnern

  10. norbert foeckeler sagt:

    sehr geehrter Herr Grüttefien,

    Warum wird hier immer davon ausgegangen das der Mann der Narzisst ist? Die Informationen sind so einseitig. So ist es halt einfacher !! und im Trend!
    Basteln Sie nur weiter am Matriarchat. Sie schaffen damit nur nimmermehr einsame Singles auf beiden Seiten. Das Schloss-Schlüsselloch Prinzip macht auch vor Persönlichkeitsstrukturen nicht halt und führt zu vielen glücklichen Symbiosen.
    Statt gegenseitiges Verständnis für Biografien zu predigen, heizen Sie die Konflikte an
    mit zweifelhafter Motivation. Für Harmonie fehlt die Lobby.
    Prozesse erkennen und gemeinsames Verständnis entwickeln wäre die hilfreiche Devise.

    Mit freundlichem Gruß N. F.

    Norbert

    • Waltraud sagt:

      Herr Foeckeler was Sie schreiben entbehrt doch jeglicher Grundlage. Hier wird sowohl der männliche als auch der weibliche Narzisst zum Thema gemacht. Die Mehrzahl der Narzissten befindet sich statisch auf der männlichen Seite. Was ist Ihr persönliches Problem in dieser Hinsicht?

    • Hallo Norbert,

      da immer nur von dem Narzissten die Rede, kann natürlich der Eindruck entstehen, dass nur das männliche Geschlecht gemeint ist. Tatsächlich wird aber bei den Beschreibungen eines Narzissten nicht zwischen den Geschlechtern unterschieden: Gemeint sind immer beide. Auf die speziellen Eigenarten des weiblichen Narzissten bin ich in dem folgenden Beitrag eingegangen:

      https://umgang-mit-narzissten.de/der-weibliche-narzisst/

    • Melanie sagt:

      In 44 Jahren Ehe habe ich um Harmonie und Anerkennung gekämpft und das mit dem Einsatz all meiner mir zur Verfügung stehenden Empathie! Das Aufdecken eines mehrjährigen Doppellebens hat mir dann. e n d l i c h. die Augen geöffnet! Ich kann nur sagen: Gott sei Dank!
      Vorgestern erfuhr ich von einem dazu sehr passenden Sprichwort: „Der Zufall ist das Glück des Schicksals“!

      Ich danke Herrn Grüttefien für seine sehr guten und mir bei der Verarbeitung helfenden vielen Beiträge — diese Plattform gefunden zu haben verdanke ich auch dem „Zufall“!!!!

      Ich wünsche allen Drangsalierten, Gedemütigten, Betrogenen und doch noch glücklich Entkommenen viel Kraft — es tut sehr weh, aber es gibt eine glücklichere Zukunft, wenn wir es schaffen, unser Leid in der Vergangenheit zu begraben,
      Ganz herzlichen Gruß
      Melanie

      Ich verstehe hier alle angesprochen Narzissten in weiblicher und männlicher „Ausführung“!

      • Friedel sagt:

        Hallo Melanie,

        Dankeschön für Deine Ausführungen. Mich hat das berührt, nach 44 gelebten Beziehungsjahren den Blick positiv in eine selbstbestimmte Richtung zu geben. Aus meiner Sicht steht das für den Ausdruck der Motivation und Bestreben vieler Betroffener.

        Zutreffend empfinde ich auch den Impuls, das Leid zu begraben. Sinnbildlich betrachtet gelingt das vielen Betroffenen mit Zeit, Abstand und Aufbau des eigenen Lebens sowie guter Resilenzen. Die bringen aus meiner Sicht, eine Vielzahl der Betroffenen mit.

        Toxische Ausbeutung und Missbrauch dürfte schwierig sein zu vergessen, jedoch begraben, beinhaltet es von außen betrachten zu können und nach Beendigung der „Grabpflege“ tritt der Zustand der Gleichgültigkeit ein. Im günstigsten Fall sogar vereinzelte Situationen mit Humor betrachten zu können.

        Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute und viel Zufriedenheit.

        Friedel

        • Lise1 sagt:

          Resilienzen entwickeln sich, wenn man als Kind oder Heranwachsender schon viel Leid erfahren hat. Sie sind dann auch eine Anpassungsleistung und ein Hinweis, dass man keine tolle Kindheit hatte. Man lernte, mit schwierigen Situationen leben zu müssen.
          Auch für diesen Notausgang muss man nicht dankbar sein, denn es reultiert aus viel (teilweise vergessener) Pein, Traumata und/oder Minitraumatas.

          Daher haben Menschen, die versuchen, mit Narzissten (oder Autisten, Borderlinern und Ähnlichem) zu leben, ihnen zu helfen und in der Beziehung zu bleiben, oft diese Resilienz, beides hängt zusammen mit der frühen Biografie.

          • Friedel sagt:

            Lise 1

            Durchaus zutreffend. Resillienzen entwickeln sich aus dem Leid der Kindheit.

            Ich stimme Dir zu, dass die Dankbarkeitsfrage hier keine Rolle spielen sollte.

            Jedoch hilft es im – häufig ferngesteuertem Erwachsenendasein – aus Weg- Steinen eine Treppe zu bauen, das halbleere Glas wieder zu füllen und selbst aus der niederträchtigsten Erfahrung aufzustehen und neue Ziele anzuvisieren.

            Es geht auch deutlich einfacher. Diese Auswahl stellt sich leider vielfach nicht dar.

  11. marie sagt:

    Bei mir war es das Gefühl endlich „angekommen“ zu sein. Endlich jemanden zu haben, der einen versteht, weil er die gleichen Verletztungen wir ich in der Kindheit erlebt hatte. Ich wollte immer nur endlich die Familie, welche ich nie haben konnte/durfte. Mit ihm schien es, als hätte ich endlich jemanden gefunden,mit dem ich alt werden könnte. Er versprach mir (unbewusst), mir etwas zu geben, dass ich mir mehr als sehnlichst erhofft hatte.

  12. Angelina sagt:

    Alles hier stimmt hundertprozentig. Anscheinend gehörte ich aber zum Glück zu den Letzteren, die die immer warnende innere Stimme nicht ganz zum Verstummen bringen und endlich nach viel zu langer Zeit wieder darauf hören können.
    Nun sind der „tolle“ Narzisst und ich seit nunmehr 4 Jahren endgültig getrennt, und er hört immer noch nicht damit auf, mir irgendwelche Geschenke ans Auto zu stellen oder an den Scheibenwischer zu hängen.
    Deshalb habe ich die Polizei eingeschaltet.
    Es reicht endgültig! Ich werde nicht nachlassen, bis ich ihn für immer lost bin!

    • Heidi sagt:

      Hallo Angelina, dass Du die Polizei eingeschaltet hast, ist eine gute Sache. Es kann zwar sein, dass das Deinen Belagerer wütend macht, aber das ist ja nicht Dein Problem. Diese Sorte Mensch braucht ganz klare Grenzen und ebenso klare Konsequenzen, falls er diese überschreitet. Halte durch, das stärkt Dich. Und an einem ist so ein Typ ganz sicher nicht interessiert: dass seine Zielperson (ich mag das Wort Opfer nicht) wächst und stärker wird. Dann wird man ganz schnell uninteressant. Viel Glück!

  13. Cordula sagt:

    Oh, wie wahr. Genauso habe ich die anfänglich traumhaft-schöne, wenn auch fast nur virtuelle Beziehung zu dem völlig gestörten Menschen empfunden. Die sich, als ich nicht gleich alles liegen und stehen lassen wollte in meinem bisherigen Leben, in einen Alptraum aus Bedrängtwerden und Psychoterror verwandelt hat. Dieser Mensch hat mich wissentlich seelisch so an die Wand gespielt, meine eigene Wahrnehmung untergraben und mich so von sich emotional abhängig gemacht, dass ich eineinhalb Jahre brauchte, bis ich wieder auf dem Damm war. Eineinhalb Jahre für eine kurze tatsächliche Begegnung von zwei Tagen, der Rest war Psychoterror per WhatsApp. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, wird mir immer noch schlecht, wie naiv und leichtgläubig ich war.

    • Nadine sagt:

      Hallo, Wie kann so was virtuell erfolgen? Wie hast du ihn kennen gelernt?

      • Lise1 sagt:

        Im Internet kann man sich leicht fake-Profile erstellen, die absichtlich auf bestimmte Personen abgestimmt sind und die beim Opfer den Eindruck des Seelenzwillings entstehen lassen.

        Partnerbörsen oder Hobbyforen sind voll davon. Man glaubt dann, einen gleich gesinnten Menschen per Mail oder chat zu kennen und zu lieben.

      • Cordula sagt:

        Hallo Nadine,

        ja, das geht auch virtuell. Ich habe ihn in einem Hobbyforum „kennengelernt“. Ihn dann später, da er am westlichen Ende Deutschlands lebt, also weit entfernt, für ein Wochenende getroffen. Die ganz große Show, viel zu groß, mit wirklich ALLEM, was das Lehrbuch so vorhält. Liebe meines Lebens, Kingdom Come, Seelenverwandte, der kannte mich doch kaum. Ich empfand das als viel zu übertrieben, zudem emfand ich immer einen Abstand zu ihm, einer Glasscheibe gleich. Als ich wieder heim fuhr, war ich irgendwie erleichtert, denn mein Bauchgefühl funkte mir, dass mit diesem Mann, stattliche 55 Jahre alt, etwas nicht stimmte. Hätte ich nur darauf gehört und das ganze als den Fehler abgehakt, der es war, wäre mir viel erspart geblieben. Denn als ich wieder daheim war, ging der 24/7 WhatsApp-Terror erst los.

      • Cordula sagt:

        Nachtrag: Ein Fake war er nicht, Name, Adresse, Beruf, Firma, hat alles gestimmt. Die äußere Hülle war die eines absolut authentischen Ehrenmannes mit lauteren Absichten. Tja, so kann man sich täuschen.
        In meiner Heilungsphase habe ich viel rechierchiert und auch viele seine Lügen aufdecken können. Dabei habe ich eine Frau aus seiner Ecke kennengelernt, die den ganzen Irrsinn im realen Leben mit ihm hatte. Jetzt weiß ich, dass ich noch mit einem blauen Auge aus der ganzen Sache herausgekommen bin. Hätte ich seinem Druck nachgegeben und mein ganzes Leben hier aufgegeben, säße ich jetzt ohne alles da.

        • Lise1 sagt:

          Mit fake meinte ich auch die Selbstdarstellung als der tolle Typ, der gar nicht vorhanden ist. Da mag Name und Beruf stimmen, aber die Selbstdarstellung des N ist völlige Illusion für das Opfer, wird auch oft an die Bedürfnisse des Opfers angepasst.

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