Kontaktabbruch zum narzisstischen Vater

Wenn sich ein narzisstischer Vater zu sehr in das Leben seines Kindes einmischt, er ihm seinen Willen aufzwingen will und es zu kontrollieren versucht, kann für das Kind ein vollständiger Kontaktabbruch häufig die einzige Lösung sein, um zu einem selbstbestimmten Leben zu finden. Das Kind muss sich aus der übermächtigen Umklammerung seines Vaters lösen und dies gelingt häufig nur, wenn es sich komplett aus dessen Einflussbereich entfernt.

Kontaktabbruch zum narzisstischen Vater

Bild: © bialasiewicz – 123rf.com

Narzisstische Väter können enormen Druck auf ihr Kind ausüben, um es nach ihrem Idealbild zu formen. Sie verlangen, dass sich ihr Kind so verhält, wie sie es sich vorstellen, dass es Persönlichkeitsanteile, die nicht erwünscht sind, unterdrückt und dass es seine Wünsche und Bedürfnisse zugunsten des Vaters zurückstellt. Das Kind darf sich nicht entsprechend seiner natürlichen Veranlagung entwickeln, sondern muss so werden, wie es sich der Vater vorstellt.

Dies führt in der Regel dazu, dass sich das Kind von sich selbst entfernt und nicht so wird, wie es ist, sondern so, wie es äußeren Erwartungen entspricht – insbesondere denen des narzisstischen Vaters. Dies wird bei dem Kind zu einer latenten Unzufriedenheit führen, weil es nicht so sein darf, wie es nun einmal ist. Es wird fortan mit einer mehr oder weniger großen inneren Anspannung leben, weil es sich stets fragt, ob das Umfeld auch mit ihm einverstanden ist. Die Bestätigung durch andere erhält auf diese Weise eine übermäßige Bedeutung und das Kind macht sich abhängig von äußeren Bewertungen.

Da das Kind an der Seite eines narzisstischen Vaters nicht die Chance bekommt, sein wahres Selbst zu leben und zu entfalten, wird es auch kein besonders gutes Gefühl für sein wahres Selbst entwickeln. Ein vermindertes oder blockiertes Selbstgefühl führt aber dazu, dass sich auch kein stabiles Selbstwertgefühl entwickeln kann. Das Kind wird sich seines wahren Wertes, seiner Bedürfnisse, Eigenschaften, Fähigkeiten und Talente nie ganz bewusst und folglich in bestimmten Situationen wenig selbstsicher auftreten.

Narzisstische Väter formen ihr Kind nach ihrem Ebenbild

Dieser Umstand macht es für einen narzisstischen Vater umso leichter, sein Kind zu unterwerfen und zu steuern. Er nimmt dem Kind sein Selbstwertgefühl bzw. er lässt gar nicht erst zu, dass sich ein stabiles Selbstwertgefühl bei dem Kind entwickelt, und kann es dann hinterher leichter für die eigenen Zwecke missbrauchen. Die Selbstunsicherheit des Kindes dient dem narzisstischen Vater dazu, es nach seinem Willen zu formen. Dieser legitimiert sein Vorgehen mit der Aussage „Ich muss mein Kind aufs Leben vorbereiten!“ und kann darüber gleichsam seine Macht und Größe herausstellen.

Narzisstische Väter fühlen sich dazu berufen, ihr Kind sozusagen für das Leben fit zu machen. Da sie keinen Zweifel daran hegen, dass ihre Lebensweise und ihre Maßstäbe als Musterbeispiel dienen, meinen sie, diese Werte auch auf ihre Kinder übertragen zu müssen. Sie würden es als eine Ablehnung und Entwertung ihrer Person empfinden, wenn ihre Kinder nicht den von ihnen vorgegebenen Weg einschlagen, sondern einen alternativen Weg wählen.

An dem Kind wird dann alles abgelehnt, was nicht das Größenbild des narzisstischen Vaters unterstützt. Da ein Kind aber von der Zuwendung und Liebe der Eltern abhängig ist, wird es nichts gegen den Willen des Vaters unternehmen, um keine Bestrafungen und seelischen Schmerzen zu erfahren. Das Wort des narzisstischen Vaters wird so zum Gesetz und unerlaubte Bedürfnisse werden entweder nur heimlich mit schlechtem Gewissen ausgelebt oder zähneknirschend unterdrückt, was jedoch zu anhaltender Wut führt, die sich in gewissen Situationen unkontrolliert und spontan entladen kann. Da offener Widerstand gegen den Willen des Narzissten keinen Erfolg hat und nur zu weiteren emotionalen Verletzungen führt, bleiben keine anderen Möglichkeiten übrig.

Das Kind kann sich dem Einfluss des narzisstischen Vaters nicht entziehen

Im Erwachsenenalter ist das Kind in der Regel auch weiterhin dem Einfluss des narzisstischen Vaters ausgeliefert, auch wenn es sich räumlich distanziert, bereits eine eigene Familie gegründet hat und finanziell auf eigenen Beinen steht. Der Vater denkt gar nicht daran, das erwachsene Kind in die Freiheit zu entlassen, sondern mischt sich nach wie vor in alle Lebensbereiche ein: Berufswahl, Partnerwahl, Wahl des Wohnorts und Erziehungsstils. Ein narzisstischer Vater kann sogar so weit gehen, dass er eine Wohnung für sein Kind und dessen Partner sucht, kauft und einrichtet oder sich um die Erziehung der Enkelkinder kümmert und diese mehr Zeit bei den Großeltern als bei den Eltern verbringen.

Der narzisstische Vater nimmt allerdings sein vereinnahmendes Verhalten überhaupt nicht wahr, sondern stellt es so hin, als wolle er nur das Beste für alle. Dass er sein Kind bevormundet und wie einen dummen und unfähigen Menschen behandelt, ist ihm nicht bewusst. Er erwartet, dass sein Kind froh über seine Fürsorglichkeit ist, denn über die Dankbarkeit seines Kindes will er die eigene Grandiosität spüren – nur deshalb verhält er sich so aufopfernd.

Das Kind fühlt sich zwar von dem narzisstischen Vater drangsaliert und ärgert sich über dessen Verhalten, da es von ihm aber nichts anderes gewohnt ist, stellt es dessen Vorgehen auch nicht ernsthaft in Frage. Außerdem braucht das Kind die Zufriedenheit und den Stolz des Vaters, um selbst zufrieden und entspannt sein zu können. Wenn das Kind dem Willen des Vaters folgt, freut es sich nicht unbedingt darüber und würde vielleicht auch lieber eigene Wege gehen, aber es bekommt damit wenigstens emotionale Sicherheit. Dies hält es dann in der Abhängigkeit vom narzisstischen Vater gefangen.

Oftmals erkennt das Kind die emotionale Abhängigkeit und das grenzüberschreitende Verhalten des narzisstischen Vaters erst dann, wenn es einen Partner an seiner Seite hat, der sich über das ausufernde Interesse des Vaters an dem Leben seines Kindes wundert und es zunehmend als Belästigung empfindet. Dieser kann nämlich keine rechte Freude darüber entwickeln, dass der Vater seines Partners bei allen Themen eingebunden werden möchte und das Leben der beiden maßgeblich beeinflusst und lenkt. Spätestens dann wird das Kind – nämlich von seinem Partner – zu einer Entscheidung gedrängt: Will ich mich weiterhin dem Vater unterwerfen und damit meine Beziehung gefährden oder löse ich mich von meinem Vater und gehe meinen eigenen Weg?

Am Ende hilft nur ein Kontaktabbruch zum narzisstischen Vater

Meist versucht dann das Kind, den narzisstischen Vater in Gesprächen davon zu überzeugen, sich mehr zurückzuhalten, die Wünsche seines Kindes zu respektieren und sich nicht immer sofort beleidigt zu fühlen, wenn es mal nicht nach seinem Willen geht. Das Kind appelliert an die Einsicht des Vaters und fordert über Gespräche mehr Selbstständigkeit für sich ein. In der Regel endet die löbliche Überzeugungsarbeit aber damit, dass der Vater keine Kompromisse einzugehen bereit ist oder mit dem Ausschluss des Kindes aus der Familie droht. Dies stellt allerdings für das Kind das Worst-Case-Szenario dar, weshalb es einknickt und so wieder „auf Spur“ gebracht wird.

Ein zweiter Versuch erfolgt dann über eine zunehmende, aber unauffällige Distanzierung und einen passiven Widerstand: Der Vater wird nicht mehr regelmäßig unterrichtet und in alle Themen eingebunden, Unterhaltungen mit dem Vater bleiben an der Oberfläche, zuweilen wird der gegenteilige Standpunkt eingenommen und das Kind wagt es hin und wieder, den Vater vor vollendete Tatsachen zu stellen. Begegnungen mit dem Vater werden zu umgehen versucht und telefonisch ist das Kind häufig nicht erreichbar und ruft auch nicht immer zurück. In der Regel lässt sich ein narzisstischer Vater das aufsässige Verhalten seines Kindes nicht gefallen, weshalb er sich entweder noch energischer einbringt und das Kind zu kontrollieren versucht oder sich anderer Familienmitglieder bedient, die er vorschickt, um nach dem Rechten zu schauen und den Aufständler zu disziplinieren.

Wenn klare Ansagen sowie eine schleichende Distanzierung nicht zum erhofften Erfolg führen, bleibt nur noch der vollständige Kontaktabbruch. Um endlich den Freiraum zu erhalten, sich entfalten und nach den eigenen Werten und Überzeugungen leben zu können, muss das Kind den Mut aufbringen, sich vollständig von seinem Vater zu lösen. Nur so kann es der Umklammerung entkommen und darüber nachdenken, was für ihn wichtig ist  – und nicht für den narzisstischen Vater. Nur nach einem vollständigen Kontaktabbruch wird es dem Kind dann möglich sein, zu sich selbst zu finden und sich aus der emotionalen Abhängigkeit zu befreien.

In der Regel ist aber ein sofortiger Kontaktabbruch, den häufig die Partner von Betroffenen verlangen, nicht realisierbar, weil das Kind zu stark auf den plötzlichen „Entzug“ reagiert. Es wird unsicher und nervös, bekommt Schlafstörungen oder andere vegetative Symptome, weil sich die Distanzierung zu rasch ereignet und emotional nicht mitgegangen wurde. Das erwachsene Kind muss sich allmählich lösen, zunächst über Gespräche und eine schleichende Distanzierung das Verhalten des Vaters testen und die eigenen Reaktionen beobachten. Es braucht die Kontrolle über den Abnabelungsprozess. Wenn dabei alle anderen Versuche scheitern, wird es leichter die Einsicht gewinnen, dass als Lösung nur ein vollständiger Kontaktabbruch in Frage kommt, damit endlich Frieden ins Leben einzieht.


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Veröffentlicht in Blog, Familie und Erziehung
28 Kommentare zu “Kontaktabbruch zum narzisstischen Vater
  1. Kerstin Knopf sagt:

    Ich, weiblich, 59 Jahre alt, mein Leben ist ein Scherbenhaufen. Leider lebt mein 88jähriger hochtoxischer hochnarzisstischer und hochmanipulativer „Erzeuger“ immer noch. Abgesehen davon, dass er und meine hochtoxische Erzeugerin (gestorben 2007) meine jüngere ebenfalls hochtoxische Schwester (Jahrgang 1967) von frühester Kindheit an gegen mich aufgehetzt und ausgespielt hat, hat er mich, zusammen mit der restlichen Verwandtschaft, Tanten, Onkeln, Cousinen, Cousins und auch deren Partner und Nachkommen so fertig gemacht, dass ich mehr als 4 Jahre in 4 verschiedenen psychiatrischen Kliniken landete. Auch dort war das gesamte Überlebensklima immer hochtoxisch. Ich habe alle Symptome von starken Rücken- und Gliederschmerzen, Asthma Bronchiale, Burn-Out, Posttraumatische Belastungsstörung, und aufgrund der Zwangsmedikation in den Psychiatrien mit Haldol, Peracin, Akineton, Fluanxol, Lyogen, Truxal, Neurocil, Amisulprid, Benzodiazepinen, etc. auch schon seit vielen Jahren ein Metabolisches Syndrom mit starkem Übergewicht, 90 kg bei 1,61 m Körpergröße. Zahlreiche Mitpatienten von mir, die auch aus dysfunktionalen Elternhäusern kamen und hochtraumatische Kindheiten hatten, haben sich entweder schon vor vielen Jahren umgebracht oder sind an Krebs, Herz-Kreislaufkrankheiten – letztendlich alles AN GEBROCHENEM HERZEN gestorben. Leider lebt mein psychopathischer Erzeuger, der nie eine Einsicht in sein empathiloses und menschenverachtendes Verhalten hatte, immer noch. Bei sehr guter Gesundheit sogar, während ich, die Tochter, ein Wrack bin, auch in finanzieller und wirtschaftlicher Hinsicht. Alles, was die wirklich guten Autoren wie z.B. Alice Miller schreiben über die Intensität von jahrzehntelangen Missbrauchssituationen und die Destruktivität von solchen Eltern-Kind-Beziehungen, trifft auf mich und meine Herkunfts-„Familie“ in vollem Umfang zu. Miller rät vom Verzeihen den Eltern gegenüber ab. Der Meinung bin ich auch. Ich werde meinem „Erzeuger“ und den anderen Verwandten, die mich über 4 Jahre lang in der Psychiatrie haben foltern und quälen lassen, NIEMALS VERZEIHEN. Denn sie entschuldigen sich nicht, sie bieten mit keine Wiedergutmachung des erlittenen Unrechts an. Sie sind und bleiben zerstörerisch. Das ist schlimm. Ich bin, genau wie Alice Miller, der Meinung, dass sich in unserer Gesellschaft im Umgang mit dem 4. Gebot „Du sollst deine Eltern ehren…“ noch sehr viel ändern muss. Ich habe auch schon vor 3 Jahren einmal die Erfahrung mit meinem Erzeuger gemacht, dass ich ihm etwas verziehen habe, schriftlich, und er anschließend noch brutaler und rücksichtsloser gegen mich vorgegangen ist. Ich bin für den totalen Kontaktabbruch. Er ist ein KONTROLL_BESESSENER und hat es geschafft, mich innerhalb der Familie, der Verwandtschaft, in meinem Freundes- und Bekanntenkreis komplett zu isolieren, mit seinen unzähligen Soldaten und Flying Monkeys, genauso hat es meine jüngere hochtoxische Schwester mit mir gemacht. Ich schaue mir regelmäßig die neuesten Videos von Susanne Lohrey an. Diese Coachin trifft aus meiner Sicht IMMER den Nagel voll auf den Kopf, sie spiegelt exakt meine Situation wieder. Ich bete jeden Tag zu JESUS CHRISTUS. Seit ER meine MITTE geworden ist, glaube ich, dass ich eines Tages von meinen Verfolgern und Peinigern aus der Familie und Verwandtschaft frei sein werde. Es ist hart und brutal. An manchen Tagen geht es mir besser und ich habe wieder mehr Lebensfreude, an anderen Tagen bin ich wieder voll im Tiefpunkt angekommen. Ich bete jeden Tag zu Gott um Vergebung für mich, dass ich durch die Misshandlungen ZUR TÄTERIN AN MIR SELBST geworden bin. Beschreibt auch Susanne Lohrey, ich habe „gelernt“, mich an mir selbst zu versündigen und mich selbst zu hassen. Drum lerne ich jetzt mit Hilfe von JESUS CHRISTUS endlich mal die wirklich wahre, echte Selbstliebe.

  2. Sabine sagt:

    Bei mir ist es die Mutter….und vor wenigen Tagen kam „endlich“ die Grenzüberschreitung, die mich sehr klar den Kontaktabbruch durchziehen lässt. Bei aller Empathie für die Gründe warum sie so ist – jetzt reicht es sogar mir. Meine Freunde reden schon seit Jahren an mich hin, aber es hat nunmal die Zeit gebraucht….ich bin 48 übrigens, spät also und doch früh genug.

  3. Annalena sagt:

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Die große innere Anspannung und ein blockiertes Selbstgefühl haben 40 Jahre einen trüben Schleier auf Freude und Glück gelegt. Wenn das Leben quasi erst mit 40 Jahren beginnt, sollte man es genießen, jeden einzelnen Tag.

  4. Margriet sagt:

    Ich bin gerade nur stille Beobachterin. Mein hochnarzisstischer Ex hat meine Tochter so beeinflusst, dass sie von heute auf morgen zu ihm gezogen ist und bei Gericht seinen Antrag auf Übertragung der Alleinsorge auf ihn befürwortete. Sie solle zur Ruhe kommen, danach immer weniger Kontakt zwischen ihr und mir. Umgangsbeschlüsse ignoriert er, ich darf mich nicht nach ihr erkundigen. Sie wolle nicht zu mir kommen, habe kein Vertrauen zu mir. Ich bin mehr als überfragt, denn zwischen ihr und mir ist nie etwas vorgefallen, und wir hatten ein sehr inniges Verhältnis. Ich bete, dass meine Tochter „heil“ da rauskommt.

    • "Sanja" sagt:

      So eine Mutter wie Sie, würde ich mir wünschen! Mein Erzeuger ist ein Narzisst. Er hat mich so klein gemacht, klein gehalten, fertig gemacht und zerstört, dass ich es heute mit 33 Jahren nicht schaffe, allein ein normales Leben zu führen. Dabei möchte ich nur weg. – Meine Mutter? Sie unterstützt ihn wo sie nur kann. Gibt ihm Recht, pudert ihm den A****, bestätigt ihn, redet vor ihm laut gegen mich, regt sich mit ihm zusammen über MEIN Verhalten auf, hilft mir NIEMALS und steht NIEMALS auf meiner Seite. Vor Kurzem gab es hier einen „schlimmen Zwischenfall“, zwischen ihm und mir, der mich zutiefst traumatisiert hat – das Einzige das ihr dazu einfällt, ist, dass es ja „so und so“ war (also wieder eine Erklärung, die ihn in Schutz nimmt, sein Verhalten für gut heißt und IHN in Schutz nimmt – obwohl sie nicht einmal dabei war!). Obwohl ICH dadurch geschädigt wurde, bin ICH – wie schon mein ganzes Leben hier – die Böse.
      Ich wünsche mir so sehr eine liebende Mutter wie Sie! Es ist so ungerecht…

      • Waltraud sagt:

        Hallo Sanja, falls Du noch nicht den Kontakt abgebrochen hast, kann ich Dir nur dringend raten, es zu tun. So lange Du noch in irgend einer Form ihrem Einfluss ausgesetzt bist, kannst Du nicht gesunden und Dich wehren. Ich bin sicher, das Du Dein Leben im Griff hast, aber nur ohne Deine Eltern. Sie haben Dich nicht verdient. Gestalte Dir Dein Leben, wie Du es Dir wünscht. Mach Dich auf den Weg zu Dir. Du schaffst das!!

        • Sanja sagt:

          Liebe Waltraud, vielen Dank für die lieben und Mut machenden Worte.

          Leider ist das Problem, dass ich aus genau diesem Grund noch bei meinen Eltern wohne. Ich möchte unbedingt weg, aber ich kann es einfach nicht. Habe solche Angst (und weiß nicht einmal vor was). Vor allem nicht WIE (da ich auch keine Verwandte oder Freunde habe, die mich etwas unterstützen würden oder mir Mut zusprechen).
          Und so dreht sich das Horror-Rad Tag um Tag weiter…

          • Waltraud sagt:

            Hallo Sanja,
            könntest Du Dir vorstellen, Dich bei einem Psychologen beraten zu lassen? Damit Du Deine Ängste angehen kannst, die Dich noch hindern, ein selbstbe-stimmtes Leben zu führen. Oder evtl. eine Selbsthilfe-gruppe, wo man sich gegenseitig hilft und unterstützt. Es gibt bestimmt Möglichkeiten. Alles Gute für Dich

  5. Andrea Schulz sagt:

    Ja dieser Beitrag beschreibt exakt den n. Vater. Ich bin Anfang 60 und nicht emotional in der Lage mich von meinem 88 jährigen Vater zu trennen. Er hat seine Frau, ich meine Mutter welche es nie geschafft hat für mich als Einzelkind da zu sein, vor 8 Monaten verloren. Sie war depressiv und hatte Shizophrenie seit über 15 Jahren. Ich denke ausgelöst u.a. durch den enormen Druck meines Vaters. Was er sagt ist Gesetz. Noch heute ist es für mich schwer ihm stets begreiflich zu machen, ich lebe mein eigenes Leben. Wir haben getrennte Wohnungen aber leben jeder in einem Ort, wo ich auch an meinen Arbeitsplatz gebunden bin für die letzten 4 Jahre bis zum Renteneintritt.Manche Tage versucht er mich als Ersatz für meine Mutter einzuvernehmen. Sagt das er mich sehr lieb hat und er froh ist das ich da bin und ich seine Frau bin. Für mich abartig und ich empfinde manchmal Eckel. Es bleibt aber bei Worten und ich bin Gott sei Dank nicht gezwungen dagegen vorzugehen. Ich pflege und betreue mit Herz seit vielen Jahren kranke Menschen in einem Pflegeheim. Das macht es mir schwer bei meinem eigenen Vater zu sagen ich breche den Kontakt ab, Jahrzehnte dacht ich immer meine Mutter ist die Böse weil ich mich als Einzelkind stets ungeliebt gefühlt habe. Heute weiß ich sie war zu schwach um sich aufzulehnen und für mich mehr da zu sein. Ich konnte seit meinem christlichen Glauben beiden Elternteilen verzeihen. Meine Mutter ist friedlich in meinen Armen letztes Jahr gestorben und meinem Vater sage ich immer wieder das ich seine Tochter bin und eine erwachsene Frau. Er ist trotz hohem Alters vollkommen klar bei Verstand und hat nur geringe körperliche Alterseinschränkungen. Da er sich vor Einsamkeit fürchtet hält er sich dann doch mit seiner Dominanz immer wieder zurück wenn ich ernste Worte gesprochen habe. Ich verstehe jeden Betroffenen sehr gut hier im Block und kann nur für mich sprechen und sagen das ich jetzt besser fahre indem ich vergeben konnte, was ein Prozess von Jahren war. So habe ich inneren Frieden gefunden und weiß auch mein Vater wird nicht ewig leben. Leider kann man nie die sehr vielen verlorenen Jahre zurück bekommen aber man hasst nicht mehr. Viel Glück und allen betroffenen Lesern und Schreibern wünsche ich einen passenden Weg für sich und die Kinder damit klar zu kommen und danke das es diese Seite hier gibt.

  6. Anni sagt:

    Aufschlussreich und deprimierend zugleich, dieser Artikel bestätigt wieder einmal viele meiner Vermutungen. Vielen Dank dafür. Das Ergebnis der Prägung durch einen narzisstischen Vater musste ich über 15 Jahre miterleben. Einerseits das erwachsene Kind ab 50, dass heute noch versucht, dem längst schon verstorbenen Vater zu gefallen, mit eigenem, stark ausgeprägtem Narzissmus und auf der anderen Seite seine drei Kinder, inzwischen auch erwachsen, die alle für sich komplett anders mit dem Narz Vater umgehen, von völligem Rückzug bis anhaltendem Kampf um Anerkennung, Mitleid oder Verachtung bzw. einer Mischung aus allem. Auch ich habe versucht, wenigstens den Jüngsten (wie auch meine eigenen Kinder) zu beschützen, der damals noch nicht die Möglichkeit hatte, sich dem Vater zu entziehen.

  7. Natalie sagt:

    Ein ganz toller und hilfreicher Beitrag, vielen Dank!!!
    Auch ich habe hier Vater:Mutter vertauscht, da meine Mutter die Narzisstin ist und mein Vater komplett von ihr abhängig.
    Den Kontakt habe ich vor ca 3 Jahren abgebrochen.
    Ich bin sehr gespannt auf den angekündigten Beitrag.
    Vielen Dank für Ihre Arbeit, Herr Grüttefien 🙂

  8. Kersten sagt:

    Mir hats beim Lesen gegruselt.
    Es ist exakt beschrieben.
    Genauso funktioniert der narzisstische Vater.

    Ich hatte die Kids versucht zu schützen,
    Ganz automatisch. Weil der Druck auf sie
    Enorm und ungerecht war.

    Ob es hilft, geholfen hat, keine Ahnung.
    Die Zukunft wird es zeigen.

  9. Udo sagt:

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Bei mir ist es die Mutter. Ich habe beim Lesen Vater=Mutter getauscht.
    Mein Vater stand sein Leben lang im Schatten. Er konnte sich nie für mich einsetzen. Meine Mutter ist sehr dominant. Da gab es keine zweite Meinung. Nie!
    Ich habe vor knapp 6 Jahren den Kontakt abgebrochen. Sie hat keine Ruhe gegeben. Sie hat keine Grenzen akzeptiert. Mit Hilfe von Polizei und RA scheint aktuell Ruhe zu sein.

    Dennoch. Es bleibt der Schmerz. Und die Sehnsucht. Ich habe mit 50 angefangen meine Blütenblätter zu entfalten. Meine Selbstzweifel sind verflogen.

    Ich weiß wer ich bin! Und was ich bin!
    Und meine Frau hat zu mir gestanden. Und mein Sohn darf mit Mama und Papa groß werden.
    Und mein Sohn hat von seinem Vater gelernt: Es ist nie zu spät. Man kann in seinem Leben mutig sein. Man kann etwas verändern. Man kann zu sich und seiner eigenen Familie stehen.

    DAS zählt für mich! Ich bin stolz auf mich!

    • Arte sagt:

      „DAS zählt für mich! Ich bin stolz auf mich!“

      Ja, DAS zählt, Udo. :-))

    • Manfred sagt:

      Ich bin aktuell in der gleiche Situation, in einer toxischen Beziehung,mit 2 Söhnen 10 und 15, jedoch ist die Mutter Narzisstisch, ich bin beteits (ängstlich) vermeident diagnostiziert. Ein Sohn verhält sich bereits ähnlich wie sie, der andere vermeidend. Die Scheidung läuft zwar aber Gehör und Unterstützun zum Wohl der Kinder finde ich leider nicht. Jugendamt, Anwalt, Psychtherapeut. Erstmalig werde ich jetzt von der Beratun “Narz mich nicht“ verstanden. Ob es irgendwie hilft die Kinder in Ihrer weiteren Entwicklung zu schützen ist noch offen zumal wir zwar räumlich getrennt aber noch in einem Haus leben. Ich habe leider wenig Hoffnung. Ich bin für jeden Rat dankbar

  10. Tina M. sagt:

    Vielen Dank für den aufschlussreichen Beitrag!
    Ich kann davon sehr viel auch auf eine narzisstische Mutter übertragen, die ich wohl habe – was leider aber sehr lange gedauert hat, bis ich es realisierte. Ich bin gespannt auf den angekündigten Beitrag hierzu!

  11. Melanie W. sagt:

    Was kann ich als Mutter tun? Meine Tochter ist knapp 15 und ist mitten in der Pubertät. Mit mir ist sie frech und diskutiert über alles. Mit meinem Ex-Mann, bei dem die Kinder nur alle 2 Wochenenden sind, wird niemals diskutiert. Ich habe ihr schon gesagt, dass sie genau, wie sie mir ihre Meinung sagt, dies auch bei ihrem Vater tun soll. Sie traut sich aber nicht, da er sie dann permanent „zusammenscheisst“…
    Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie auch schon narzisstische Züge annimmt. Sie kann mir gegenüber sehr verletzend werden, obwohl ich alles mache…

    • Lina sagt:

      Das ist ganz normal bei Kindern von Narzissten. Dort spüren die Kinder, dass die Liebe an Bedingungen geknüpft ist und sie wollen ja auch vom Papa geliebt werden. Denn das Kind ist ja auch ein Teil vom Papa. Bei Ihnen fühlt sie sich sicher genug, um frech zu sein. Habe ich genauso erlebt. Seien Sie sicher: das Kind wird wieder und wieder vom Vater enttäuscht werden und der Kontakt wird dann so gut wie einschlafen, wenn es die Sache durchschaut. Und man braucht als Mama einfach nur anders sein als der Narzisst. Die Kinder merken das nach und nach und machen sich ihren eigenen Reim drauf.

  12. Lambert Thomas sagt:

    In meinem Fall waren die Eltern kriegskindheitstraumatisiert und zeigten Beide Borderline – Symptome mit ambivalenter Eltern – Kind – Beziehung.

  13. Virginia sagt:

    Hallo,
    Dies ist ein wirklich interessanter Artikel , ABER was offen bleibt: Wie kann man einem solchen Kind schon frühzeitig helfen? Vor allem wie kann man ein Kind im Wechselmodell (50:50) unterstützen und stärken???

    Lg

  14. Heike Werner sagt:

    Ein toller Beitrag.Aber was kann man tun,wenn das Kind noch jünger ist und Gericht und Jugendamt darauf dringen,dass das Kind seinen nerzistischen Vater besucht,obwohl das Kind gar nicht möchte.Der Vater wohnt ca 400 Km entfernt und er klagt diese Besuchszeiten ständig wieder bei Gericht ein,weil diese Besuche immer in einem Fiasko enden und mein Enkel nicht mehr hin will.Beim letzten Besuch hat ihn meine Tochter hingebracht und er wollte nicht mit ins Haus rein,weil sein Freund erst 2 h später kommen durfte(ohne seinen Freund würden wir ihn wohl gar nicht erst dazu bringen,seinen Vater zu besuchen),dann hat mein Enkel seine Mama angerufen und sie musste ihn eher als ausgemacht abholen und am nächsten Tag war er nicht mehr dazu zu bewegen,zu seinem Vater zu gehen.Wir sind mit unserem Latein am Ende und bitte glauben Sie uns…..wir beeinflußen das Kind nicht.Aber der Vater lügt,dass sich die Balken biegen und das 10jährige Kind merkt es genau.Wie können wir dem Kind/Enkel helfen?Das ist alles so unendlich ermüdent.

    • Lina sagt:

      Solange das Kind noch nicht selbst entscheiden darf, wüsste ich nur 2 Sachen, die ich probieren würde.
      1. Jugendamt einschalten und bersten lassen, was die empfehlen
      2. Dem Narzissten gegenüber NICHT zeigen, wie sehr man das verhindern möchte, sondern, im Gegenteil, so tun als wenn man als Mutter dann die freie Zeit genießen würde, am besten mit einem notfalls erfundenen neuen Freund. Mein Ex-Mann hat es gehasst wenn er wusste, dass ich die Zeit schön genutzt habe. Man darf dem Narzissten nicht zeigen was man möchte weil er dann automatisch das Gegenteil macht, um seine Macht zu genießen.

  15. Andrea Doll sagt:

    Ein hilfreicher Beitrag wie so oft. Vielen Dank Herr Grüttefien! Können Sie ergänzend auch über den Kontaktabbruch zur narzisstischen Mutter schreiben?

  16. Hendrik K sagt:

    Absolut richtig- . Noch schlimmer wird es, wenn sich die Mutter auf die Seite des Vaters stellt und gemeinsam am Verhalten „gearbeitet“ wird. – ein Konatkabbruch ist leider die einzige Lösung aus diesem Dilemma, die Entzugserscheinungen sind nicht ohne…(aber dafür hatte man es früher, unter dem Einfluss der Eltern ja so „leicht“).
    Vielen Dank für diesen Beitrag, Herr Grüttefien.

    • Markus G sagt:

      Das stimmt, auch ich kann das absolut bestätigen.
      Es ist fast schon erschreckend, wie gut der Vater beschrieben wird ohne dass ihn Herr Grüttefien kennt.

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