Warum heiraten Narzissten?

Angesichts der Tatsache, dass Narzissten äußerst freiheitsliebende Menschen sind, sich nicht gerne für immer binden und zuweilen mehrere Liebschaften nebeneinander pflegen, ist die Frage “Warum heiraten Narzissten?” durchaus eine Überlegung wert. Was macht den Reiz einer Ehe für einen Narzissten aus, wenn er doch lieber seiner eigenen Wege geht und nicht bereit ist, sich auf einen anderen Menschen wirklich einzulassen und echte Nähe einzugehen?

Bild: © Konrad Bak – 123rf.com

Narzissten können nicht zurückstehen und mögen sich nicht einschränken. Sich in einer Ehe auf den Partner einzustellen, dessen Wünsche und Bedürfnisse zu beachten, Rücksicht zu nehmen und ihm bei dessen Problemen zur Verfügung zu stehen, ist für einen Narzissten keine Selbstverständlichkeit. Er verlangt in einer Ehe, dass sich alles stets um seine Bedürfnisse und Wünsche dreht – andere Interessen nimmt er überhaupt nicht wahr. Wenn er sich dennoch zwischenzeitlich dem Partner widmet, dann nur, weil er sich einen Vorteil davon erhofft oder vom Partner daraufhin eine Gegenleistung erwartet.

In einer Beziehung muss der Narzisst die Vormachtstellung haben, um seinen Partner beherrschen und alles unter Kontrolle haben zu können. Der Partner wird nur dafür gebraucht, die Bedürfnisse des Narzissten zu erfüllen, diesen hinreichend zu bewundern und dessen Idealbild von einem Partner zu entsprechen. Der Narzisst wertschätzt seinen Partner nur für die Eigenschaften und Verhaltensweisen, die ihm gefallen, wie z. B. die äußere Attraktivität. Alle anderen Eigenschaften des Partners, die nicht in das Idealbild des Narzissten passen, werden von ihm ausnahmslos abgewertet – bestenfalls werden sie ignoriert.

Der Narzisst nimmt seinen Partner nicht in dessen ganzer Persönlichkeit wahr, sondern nur die Anteile, die ihm nützlich sind. Er will in seinem Partner seine eigene Großartigkeit erkennen und sich als überlegen erleben. Aus diesem Grund kann der Narzisst seinen Partner vereinnahmen und ihn ein Leben lang an sich binden wollen, um jemanden zu haben, den er dominieren kann. Kommen später noch Kinder hinzu, erlebt er sich als Familienoberhaupt, das alles reguliert und die anderen Familienmitglieder von sich abhängig macht. Über das Heiraten kann der Narzisst eine Schar von treuen Bewunderern und Handlangern um sich sammeln, die ihm ein Leben lang dienen.

Narzissten heiraten, um sich damit aufzuwerten

Passt ein Partner in das Idealbild des Narzissten und erfüllt er allesamt dessen hohe Erwartungen, wird er von diesem ziemlich rasch vereinnahmt. Der Partner wird auf Händen getragen und idealisiert und die Hochzeit kann gar nicht schnell genug stattfinden, nur damit dem Narzissten seine wertvolle Errungenschaft nicht wieder abhandenkommt. Wird der Partner in der Ehe sowohl emotional als auch materiell abhängig gemacht, verliert der Narzisst zunehmend den Respekt vor ihm und behandelt seinen Partner als Leibeigenen, der immer für ihn da zu sein hat, ihm alle Wünsche von den Lippen ablesen und ihm sämtliche Unannehmlichkeiten vom Hals halten muss.

Warum heiraten Narzissten? Narzissten heiraten nicht aus Liebe – sie heiraten, um ihr Image aufzubessern, sich ihr Leben zu vereinfachen und unentwegt Bewunderung vom Partner und von den Kindern zu erhalten. In dem Ausdruck ihres Partners, in seinen Blicken, Worten und Taten sowie in der bedingungslosen Loyalität ihrer Kinder wollen sie fortlaufend ihre Einmaligkeit spüren. Sie brauchen einen hingebungsvollen Partner und brave, vorbildliche Kinder als Spiegel ihrer Grandiosität. Kommt der Partner oder kommen die Kinder dieser Funktion nicht nach, werden sie kritisiert und abgewertet. Die Ehe wird vom Narzissten auch oftmals nur noch aufrechterhalten, weil er nach außen den Schein wahren will und durch eine Scheidung sein grandioses Selbstbild nicht beschädigen möchte.

Gründe, warum Narzissten heiraten:

  • um nach außen mit einer mustergültigen Familie aufwarten zu können, die ganz dem Ideal einer heilen Familie entspricht
  • um der gesellschaftlichen Norm zu entsprechen und nicht als Sonderling angesehen zu werden, der keinen Partner fürs Leben findet
  • um Kinder zu haben, die das Erbe antreten können und das Lebenswerk des Narzissten fortführen können
  • um Kinder zu haben, die als konstante Quelle von Aufmerksamkeit und Bestätigung dienen sollen
  • um sich die materiellen oder gesellschaftlichen Vorzüge des Partners einzuverleiben
  • um mit einem attraktiven Partner ein Prestigeobjekt zum Vorzeigen zu haben
  • um sich in dem Erfolg des Partners zu sonnen
  • um Schwächere oder Abhängige dominieren und sich als Oberhaupt oder Patriarch erleben zu können
  • um nicht allein sein zu müssen und sich aus diesem Grund wertlos zu fühlen
  • um einen Partner für niedere Dienste, die dem Narzissten lästig sind, einzuspannen
  • um sexuelle Bedürfnisse befriedigt zu bekommen

Im Vordergrund stehen eher oberflächliche, materielle oder egoistische Gründe für eine Ehe, als dass ein Narzisst aus inniger Liebe heiratet und er sich auf einen anderen wirklich einlassen kann und will. Die Frage nach dem Nutzen wiegt bei der Partnerwahl und dem Entschluss, ein Ehebündnis einzugehen, sehr viel mehr als die Frage, ob er den Partner mit all seinen Facetten bedingungslos annehmen und wertschätzen kann und auch bereit ist, sich ihm anzupassen, sich einzuschränken und ihm bei seinen Themen behilflich zu sein. Die Frage nach dem Geben stellt sich für einen Narzissten nicht. Sein hoher emotionaler Mangel zielt nur auf das Nehmen: „Was bekomme ich, wenn ich heirate?“

Narzissten heiraten nicht aus Liebe

Zeigt sich im Laufe der Ehejahre, dass das hohe Ideal einer Liebe, dass der Narzisst verlangt, nicht aufrechtzuerhalten ist, wird dies dem Partner angelastet. Der Partner wird zum Sündenbock erklärt, der sich nicht angemessen auf den Narzissten einstellen und ihn nicht richtig lieben könne. Sofern das Ehebündnis für den Narzissten noch Vorteile bietet, wird er aber daran festhalten und den Partner zukünftig dazu benutzen, seinen Frust über die gescheiterte Liebe an ihm auszulassen. Nach außen wird natürlich weiterhin der Schein der heilen Familie gewahrt. Innerlich aber leidet der Narzisst, weil sich seine Erwartungen nicht erfüllen lassen, er aber nicht erkennt, dass seine Ansprüche übertrieben und realitätsfremd sind.

Nichts geht Narzissten über ihre weiße Weste. Die Fassade muss unbedingt aufrechterhalten bleiben, selbst wenn es dahinter noch so kriselt. Zuweilen treffen Narzissten dann mit ihrem Partner eigenartige Vereinbarungen wie z. B., eine offene Beziehung oder eine Dreiecksbeziehung zu führen, getrennte Wohnungen zu nehmen oder getrennt in den Urlaub zu fahren, nur um das Zusammenbleiben noch erträglich zu machen. Während man sich in Gesellschaft übertrieben innig umarmt und liebkost, wird hinter verschlossenen Tüten nur noch gestritten oder man geht sich konsequent aus dem Weg.

Der Narzisst heiratet nicht aus Liebe, sondern um sich mit einer Ehe zu profilieren. Er fühlt sich angesehener und wertvoller, wenn er einen attraktiven Partner an seiner Seite hat, der sein Selbstbild von einer großartigen Persönlichkeit unterstützt und bereit ist, sich seinem Ideal von einer perfekten Liebe unterzuordnen. Um dieses Ziel zu erreichen, können Narzissten die große Liebe, endlose Leidenschaft und Rührseligkeit vortäuschen – und dies auf grandiose Weise, so wie es ihrer Art entspricht. Sie inszenieren die große Liebe nicht, weil sie sie innerlich so empfinden, sondern weil sie sich damit hervortun wollen: Eine Ehe muss dem Image dienen.


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Veröffentlicht in Beziehung mit einem Narzissten, Blog
24 Kommentare zu “Warum heiraten Narzissten?
  1. emily sagt:

    Hallo zusammen, hallo Herr Grüttefien,

    mein Ex-Narzisst war von seiner Frau verlassen worden nach 13 Jahren Beziehung und drei gemeinsamen Kindern. Sie hat gleich neu geheiratet und mit dem neuen Mann (wesentlich älter) weitere zwei Kinder bekommen. Mein Ex fuhr noch ständig (mehrmals die Woche) zu ihr bzw zu den Kindern, sagte, es würde ihm nichts ausmachen, er würde den neuen Mann auch sehr mögen. Die beiden „neuen“ Kinder würden ihn auch Papa nennen.

    Ich mache eine Psychotherapie, die Therapeutin war ganz beseelt von diesem Familienglück und für mich wenig hilfreich. Daher versuche ich es hier…

    Ich wurde nach nur drei Monaten von ein auf den anderen Moment fallengelassen bzw. entsorgt mit den Worten: „Die Anfangseuphorie ist weg“. Er habe mich lediglich sympathisch gefunden (habe ich an anderer Stelle berichtet). Sämtliche Dinge, die er gesagt habe, habe er nicht so gemeint.

    Ich würde gerne verstehen, wie das zusammenpasst, wenn doch die Frau sich getrennt hat. Wäre über einen Rat dankbar, denn für mich sieht es gerade so aus, dass er sich nur bei mir so schlimm verhalten hat.

    emily

  2. Carmen sagt:

    Die Frage ist doch nicht WIESO heiraten Narzissten, sondern eher, wie lange BLEIBEN Sie verheiratet? Da ist doch die wichtige Info drin, denn die wenigsten Narz, bleiben länger als 5 Jahre verheiratet. Gibt natürlich auch längere Ehen, aber da ist dann auch die Frage, haben die Partner das erst spät herausgefunden oder hatten sie einfach Angst sich zu trennen.
    Die jüngeren Narz aber bleiben in der Regen nicht lange verheiratet, weil das Ego erneut ausgewertet werden muss.

    • lilli sagt:

      Sie heiraten oder gehen verbindliche Lebenspartnerschaften ein,
      um als Mensch nicht allein zu sein.
      Denn die bewundernden sog.Monkeys kennen ihn/sie nicht auf der menschlichen Ebene.

  3. Sabina sagt:

    Herzlichen Dank, Herr Grüttefien, für diesen aus meiner Sicht hervorragenden und treffenden Beitrag hinsichtlich dessen warum Narzissten heiraten.

    Durch meine eigene, zwischenzeitlich gereifte Wahrnehmung, zudem eine persönlich gemachte, ziemlich heftige Erfahrung mit einem Partner narzisstischer Prägung, kann ich jeder Aussage in diesem Beitrag nur zustimmen.

    Und ja, alles was der Narzisst denkt und tut ist davon gesteuert, dass er die Fäden in der Hand halten will, er die Nummer Eins sein will und alles andere um ihn herum sich nach ihm und seinen Vorstellungen zu verhalten hat. Dem liegt eine unbewusste, tiefe innere Angst zugrunde. Eine Angst vor der eigenen inneren Leere, die mit allen Mitteln versucht wird über Dinge im Außen zu kompensieren. Was natürlich nur zeitenweise gelingen kann und der Narzisst dadurch nach kurzzeitiger Befriedigung mehr oder weniger ständig auf der Suche im Außen ist, nach Neuem, nach Ablenkenden, idealerweise etwas, worin der Narzisst seine illusionäre Großartigkeit auf irgendeine Weise bestätigt findet.

    Dummerweise merkt man diese Dinge anfangs nicht bzw. einem selbst sind derartige Beweggründe völlig fremd. Man glaubt an das Gute im Gegenüber und an dessen lautere Absichten. Insbesondere, da sich der Narzisst ja anfangs total anders verhält, den anderen quasi mit Liebenswürdigkeit und Begeisterung überschüttet, und ein Verstehen des Partners und dessen Gefühlswelt in tiefgehenden vertraulichen Gespräche vorgetäuscht wird. Dass das alles eine Täuschung ist, merkt der Partner des Narzissten zunächst nicht. Im Gegenteil. Möglicherweise fühlt sich der Partner des Narzissten sogar zum ersten Mal von einem anderen Menschen richtig angenommen und verstanden. Möglicherweise merkt es auch der Narzisst selbst nicht, da er in seinem Wahn so und so einer grundlegenden Selbsttäuschung aufliegt. Seinem anfänglichen Liebesrausch und seinen damit verbundenen Verhaltensweisen könnten folglich durchaus echte eigene Emotionen zugrunde liegen, deren Ursprung jedoch in einem tiefen, meist unbewussten persönlichen inneren Defizit liegen. Die daraus resultierende innere Leere, die der Narzisst jedoch nicht als Leere sondern als unangenehme Empfindungen in sich wahrnimmt, welche er jedoch mangels Selbstreflektion nicht erkennen, zuordnen oder gar zur persönlichen Weiterentwicklung nutzen kann, wird durch äußere Dinge und andere Menschen versucht zu kompensieren. Menschen sind damit in der Welt des Narzissten letztendlich nichts Objekte zur äußeren Ausgestaltung seines Lebens, die je nach Bedarf benutzt werden und auch sehr schnell ausgetauscht werden können.

    Und nicht selten ist es so, dass Partnern erst durch den würdelosen Austausch und Abschuss durch den Narzissten, dem damit empfundenen einhergehenden Schock und der menschlichen Verletzung seitens des Gegenübers, das, nunmehr direkt selbst betroffen, die tiefliegende Kälte und emotionale Distanz des Narzissten zu spüren bekommt, was unendlich schmerzhaft sein kann.

    Doch kann dieser Schmerz zugleich sehr heilsam sein. Für uns selbst, unser Verständnis auch uns selbst gegenüber und der besseren Erkenntnis, was und welche Werte uns wichtig sind im Leben und mit welcher Art von Menschen wir uns künftig umgeben wollen. Menschen, die es ehrlich meinen, unsere Werte teilen und der Seele gut tun. Wir uns dessen bewusst werden und uns wertvoll genug fühlen, unser Leben dahingehend entsprechend positiv zu gestalten, ob nun mit oder ohne Partner.

    • Mariadirohan sagt:

      Liebe Sabina,
      du hast alles wunderbar in Worte gefasst, was ich empfinde und vielleicht nicht so gut ausrücken kann. Besser kann man einen Narzissten nicht beschreiben. Aber wie kann man ihm entgehen, wenn man unerfahren ist und nach einer lieblosen Erfahrung glaubt, endlich den Menschen gefunden zu haben, den man sich immer als Partner gewünscht hat? Um auf einen Narzissten hereinzufallen, muss man nicht einmal besonders unerfahren und naiv sein, sie sind so raffiniert, dass man es nicht merken kann, was auf einen zukommt. Ich habe hier in diesen Foren so viel gelernt, und dafür möchte ich allen danken, besonders Ihnen, Herr Grüttefien. Ich habe meinen inneren Frieden wiedergefunden, ich glaube nicht mehr, ein besonders dummer Mensch zu sein, oder keinen Geschmack zu haben, keine Bildung, keine Manieren, ich nehme fast nichts mehr persönlich, seit ich weiß, dass ich nur eine von vielen Opfern bin und es diese Art von Menschen gibt und davon viel zu viele. Und das Schönste ist, ich nehme ihn einfach nicht mehr ernst, für mich ist er ein Hanswurst. Vielleicht sogar bedauernswert, denn er leidet, wenn er die für ihn notwendige Bewunderung und Zuneigung nicht bekommt. Und die ist nun schwer zu bekommen in Corona-Zeiten, und von mir bekommt er nichts mehr und ich leide nicht mehr.

      • Sabina sagt:

        Liebe Maria,

        danke für deine Zeilen und Gedanken…

        Du gibst dabei die Frage in den Raum: “Aber wie kann man ihm entgehen, wenn man unerfahren ist und nach einer lieblosen Erfahrung glaubt, endlich den Menschen gefunden zu haben, den man sich immer als Partner gewünscht hat?”.

        Ich denke fast, dass man dieser Erfahrung nicht wirklich entgehen kann. Vor allem sind wir besonders gefährdet, wenn wir zuvor in einer vielleicht lieblosen Beziehung gewesen sind, und/oder uns einsam fühlten, und unsere Sehnsucht nach einer liebevollen Partnerschaft groß ist. Diese Sehnsucht bildet einen gewissen vorbereiteten “Boden” für den Samen des Narzissten, sprich, er kann genau dort, an unserem empfundenen Mangel, andocken. Wie ein Puzzle-Teil oder wie Schlüssel und Schloß.
        Auch bei mir war es so.

        Was offenbar ein Dilemma vieler Betroffener ist, und dazu zähle rückblickend auch ich mich, nicht beizeiten auf das eigene Bauchgefühl geachtet und diesem bzw. uns selbst und unserer eigenen Wahrnehmung nicht so wirklich vertraut zu haben. Sondern trotz gewisser spürbarer innerer “Warnsignale”, die nicht selten schon frühzeitig auftreten, wir diese Warnsignale nicht als solche annehmen. Sondern sie beschwichtigen, schön reden oder gar ignorieren, oder sie als Zeichen eigener innerer Baustellen wahrnehmen, über die man ja hinauswachsen will. Letzteres dann oft sogar noch als Herausforderung und möglicherweise förderlich für die eigene persönliche Weiterentwicklung wahrgenommen wird, was in einem solchen Fall meist jedoch den genau entgegengesetzten Effekt und Verlauf für uns und unseren Selbstwert haben wird. Im weiteren Verlauf ist es zum Beispiel oft so, dass wir zu Dingen ja sagen, die wir eigentlich gar nicht wollen, um des lieben Friedens Willen und um keine schlechte Stimmung zu verursachen. Und um der vermeintlichen “Liebe” willen, nach der wir uns ja so sehnen! Allerdings macht uns diese Sehnsucht blind! Auch blind gegenüber Dingen, Verhaltens- und Denkweisen, die eigentlich gar nicht zu uns passen.

        Unsere Selbstwahrnehmung verliert durch unsere Schöndenkerei oder Ignoranz zunehmend an Einfluss auf uns und unser Verhalten. Im anderen Fall kann sich unsere Selbstwahrnehmung in unserem Inneren auf so unangenehme Weise bemerkbar machen, dass wir beginnen immer ehr an uns selbst zu zweifeln und uns zu hinterfragen, was wiederum dazu beiträgt, nach und nach immer mehr unser Selbstwertgefühl zu sabottieren.

        Mit dem Abschuss durch den Narzissten bekommt das Selbstwertgefühl der meisten Betroffenen den letzten Tritt um völlig am Boden zu sein.

        Ich denke, dass in dieser gemachten Erfahrung trotz allem auch ein großer Schatz für uns verborgen ist. Ganz besonders in Bezug auf unser Selbstwertgefühl, dem Vertrauen und der Wahrnehmung uns selbst gegenüber. Und der Fähigkeit, dies sowie die eigenen Werte auch entsprechend nach außen zu vertreten. Auch wenn das bedeuten sollte und die “Gefahr” besteht, dass sich Menschen von uns abwenden, weil wir nicht weiter interessant oder brauchbar für sie sind.

        Es freut mich für dich, liebe Maria, dass du ihn nicht mehr ernst nimmst, du deinen inneren Frieden wiedergefunden hast und ganz besonders, dass du nicht mehr leidest!!!

        In Verbundenheit, Sabina

        Es ist ein kostbares Geschenk, das in einer so schmutzigen Umhüllung gewickelt ist, dass es seine Zeit braucht, um es überhaupt als Geschenk wahrnehmen und auch als ein solches annehmen zu können. Doch ein Geschenk, dass wenn es einmal von uns ausgepackt wurde, uns nie mehr verloren gehen wird.

  4. Mariadirohan sagt:

    Nach meiner jahrzehntelangen eigenen Erfahrung und Beobachtung anderer Partnerschaften heiraten Narzissten nicht aus Liebe, weil sie gar nicht in der Lage sind zu lieben bis auf eine Ausnahme: Sie lieben ihre eigenen Kinder, ihr eigen Fleisch und Blut, das ist die einzige Liebe, zu der sie fähig sind. Aber auch diese Liebe ist eine toxische Liebe. Die Kinder sollen nur sie lieben, und so schrecken sie nicht davor zurück, dem anderen Elternteil die Kinder zu entfremden, indem sie sie ständig auf Fehler und Fehlverhalten des anderen Elternteils hinweisen und diesen schlecht machen.
    Im Übrigen ist die Liebe für sie ein Spiel, und am meisten lieben sie daran die Eroberung, es setzt das sogenannte Love Bombing ein, und das Opfer ist geblendet von so viel Aufmerksamkeit und bedingungsloser Liebe. Nach einer lieblosen Ehe mit einem Mann, dem ich nicht viel bedeutete, sagte ich meinem Narzissten: „Nun habe ich doch noch meinen Traummann gefunden!“ Der Traummann outete sich bereits nach drei Monaten des Zusammenlebens, als ich nicht so funktionierte, wie er es sich gedacht hatte. Ich betete ihn nicht bedingungslos an, ich hatte eigene Interessen, und ich hatte nicht die Absicht, mich von meinen Eltern, von meinen Kindern oder anderen mir vertrauten Personen fernzuhalten und sie aus meinem Leben zu streichen. Das war nicht in seinem Sinne.
    Narzissten heiraten, weil sie ein Opfer brauchen das sie demütigen können, wenn sie schlechte Laune haben, das sie ständig unterdrücken und kontrollieren können, und es ist bequemer, so ein Opfer immer gleich parat zu haben und nicht erst suchen zu müssen, was ja mit einer Phase verbunden ist, in der sie sich Mühe geben und sogar ihr eigenes Ego zurückstellen müssen, denn das können und wollen sie nicht ständig tun müssen.
    Das Hobby des Love Bombings setzen sie zwar weiter bei neuen Opfern ein, es kribbelt so schon im Bauch, und das neue Opfer ist noch nicht misstrauisch und tut das, was er braucht: Es betet ihn an. Wie kann seine Frau so dumm sein, ein solches Exemplar nicht richtig zu würdigen? Es ist ja kein Wunder, dass er fremdgeht. Der Arme! In einer gut funktionierenden Partnerschaft würde er ja auch gar nicht fremdgehen,
    Sagt er, aber das wird er immer tun! Und sich zu Hause auskotzen.

  5. Amy sagt:

    Na, ich weiß nicht… Ich habe mir von meiner N. Mutter sehr viel über ihre verflossene Ehe mit meinem Vater anhören können. Das klang mir schon danach, als wäre sie ehrlich in ihn verliebt gewesen und dazu bereit, mit ihm eine gute Ehe zu führen.
    Aber sie war überhaupt nicht auf die Realität vorbereitet. Sie hat den Alltag nicht einkalkuliert, die Kameradschaft, die notwendig ist, um eine Ehe aufrecht zu erhalten. Sie hat mit vielen Flausen und romantischen Ideen im Kopf geheiratet und gemeint, dass es immer so bliebt wie während der Verliebtheitsphase, wo mein Vater sie anscheinend auf Händen trug.
    Eines ist sicher, narzisstisch Gestörte ertragen keinen banalen Alltag. Es soll immer alles sein wie in einer Seifenoper oder einem kitschigen Liebesroman. Vielleicht “lieben” sie ihren Partner am Anfang aufrichtig, aber wenn sie ihn dann als Menschen wahrnehmen müssen und nicht als fehlbaren Menschen, der ihnen nicht immer alle Wünsche von den Augen abliest und nicht immer alles weiß, ist das der Anfang vom Ende.
    Ehe ist nun einmal nicht romantisch. Sie kann romantische Momente enthalten, ich halte diese auch für wichtig, aber sie sind nicht die Basis für eine funktionierende Beziehung. Wer erwartet, in ein Märchenschloss einzuziehen, wird zwangsläufig enttäuscht.
    Manche Menschen machen diesen Fehler vielleicht, lernen dann aber dazu und akzeptieren eine “normale” Beziehung zu ihrem Partner. Narzisstisch Gestörte können das nach meiner Erfahrung nicht. Entweder es ist immer alles supertoll oder sie fühlen sich um die Beziehung betrogen, von der sie meinen, dass sie ihnen zusteht.

    • Thomas Hagenunger sagt:

      Amy, sehr gut beschrieben.
      In dieser Manier hat meine Ex 2 Ehen mit 3 Kindern geschrottet. Ich war der zweite Mann. Neben Nebenkontakten ihrerseits wurden die Männer übergangslos ausgetauscht und in meinem Fall die Tochter instrumentalisiert und entfremdet. Bis heute wohnt die Ex bei ihrer ebenfalls narzisstischen Herkunftsfamilie und wird dort gepampert obwohl sie in der Kindheit hinter ihrer, am Down-Syndrom leidenden, Zwillingsschwester zurückstehen musste!

    • Sonnenblume sagt:

      Hallo Amy,

      …. so kommt es mir auch vor. Es gefällt mir, wie Du es beschrieben hast. Bei meiner Mutter, die ein Kriegskind war, erscheint es mir zudem auch noch zusätzlich so, dass ihre nichtlebbare Kindheit (durch Flucht und Vertreibung) dazu führen musste, dazu traumatisiert, dazu führte, in gewisser Weise nur “kindlich” egoistisch lieben zu können. Eben unreif. Das “ich” konnte nicht erwachsen werden, es fehlte an grundlegenden elementaren Bedingungen, wie Sicherheit, Nahrung, Wärme, ein verlässliches Zuhause und anwesenden Eltern etc.

      Heute sehe ich, wie der Hintergrund ihrer narz. und dependenten Persönlichkeitsstörung beschaffen ist und habe größtes Verständnis und kann es in aller Freiheit mit Respekt und Würdigung einordnen.

      Sie hat wesentlich mehr Schaden genommen als ich dabei. Mein Vater starb dann auch noch plötzlich von heute auf morgen mit 47 Jahren und sie stand mit 4 Kindern alleine da. Wobei ich die älteste war mit fast 18 Jahren. Sie brauchte Halt und suchte ihn bei mir. Was natürlich die falsche Adresse ist. Der falsche Platz, die unangemessene Beziehung. Aus der Not geboren.

      Heute weiß ich das.

      Und ich sehe in meinem Leben die Prägung und habe die Chance dadurch zu wachsen und mich Schritt um Schritt eben zu entwickeln. Sie kann inzwischen einfach nur meine biologische Mutter sein, ich achte und ehre alles, was sie mir im Rahmen ihrer Möglichkeiten geschenkt hat und geben konnte. Auch wenn ich meine Achtung vor ihr immer wieder verloren habe, konnte ich mit Gottes Hilfe zu dem zurückkehren, was jedem Menschen zukommt. Anerkennung dessen, was ist wie es ist. Und Verhalten und Person zu unterscheiden. Denn die Würde des Menschen ist unantastbar.

      Wir wissen heute, dass Prägungen im Kindesalter elementar mitbestimmen, wie es im späteren Leben möglich ist, Vertrauen und Beziehungsfähigkeit zu entwickeln.

      Immerhin war sie eine liebevolle Mutter. Und hat sehr gut für mein leibliches Wohl sorgen können. Das erzeugte in mir viel Wärme. Was später kam, war immer wieder sehr schwierig für mich.

      Sogesehen würde ich trotzdem sagen, dass auch Narzissten aus Liebe heiraten können, aber ihre LIebe ist sehr unreif und bleibt in den Kinderschuhen stecken.

      Ich sehe das in allen Abstufungen in meinem Umfeld sehr deutlich. Und manchmal denke ich, können sich heute Menschen schlecht binden, da sie utopische Vorstellungen haben, was ein Mensch alles sein sollte, vor lauter Idealbilder und märchenhaften Vorstellungen. Der Himmel auf Erden quasi. Was vollkommen unrealistisch ist, wie Du es so treffend beschrieben hast.

      Abgesehen davon gibt es wohl eine ganz große Sehnsucht in uns allen, bedingungslos angenommen und geliebt zu werden.

      Selbst so ein Mensch zu werden, ist für mich ein attraktives Ziel. Und damit liebe ich auch meine Mutter, auch wenn ich mit ihr wenig Kontakt haben kann und das Maß eben klein geblieben ist, was möglich ist.

      Das fühlt sich inzwischen frei und friedlich an. Auch wenn es immer noch weh tut.

      Schmerz ist aber nichts schlimmes. Sondern Teil einer Liebe.

      Zu ahnen, was möglich wäre und nicht geschieht, macht einfach traurig.

      Viele Grüße von
      Sonnenblume

  6. Holger sagt:

    Sehr guter Artikel. Ich habe jahrelang nicht begriffen, in welcher Situation ich mich befinde. Als meine Frau vor 1,5 Jahren mit den beiden Kindern ausgezogen ist, ging die Welt für mich unter. Mittlerweile weiss ich, dank der vielen Beiträge hier, das ich mich in einer toxischen Ehe befunden habe. Die Scheidung läuft und bald kann ich das Buch zuklappen. Ich gehe nicht zurück….ich nehme nur Anlauf. In diesem Sinne. Danke für diese tolle Seite hier!

  7. Castafiore sagt:

    Gibt es eigentlich Narzissten, welche eine Einsicht haben und tatsächlich geheilt werden? Und wenn ja, wie geht das konkret in der Psychotherapie ab?

    • lilli sagt:

      Hallo Castafiore,

      Deine flehentlichen Zeilen berühren mich,
      lange hielt ich die Schwierigkeiten in unserer Ehe für ein Kommunikationsproblem.
      Mein Mann und Vater unserer Kinder ist kein ganz so krasser Fall,
      doch mehr Besserung als die Anwendung allen Rates hier, geht bei ihm auch nicht.
      Ich war viele Jahre in der Familienberatungsstelle, was mich und unsere Kinder stärkte,
      er ging auf Anregung des Beraters einige Male alleine hin und sagte auch, dass er Selbstwertprobleme hätte,
      doch sein Ego ist so groß wie vorher.
      Ich habe Abstand genommen, mich um mich selbst mehr gekümmert,
      mir einen eigenen Bereich eingerichtet.
      Er ist vorsichtiger geworden, seit ich nicht mehr so auf ihn eingehe und mich nicht mehr schuldig fühle wenn ihm was nicht passt.
      Ich wünsche Dir alles Gute und gute Entscheidungen für Dich.

  8. lilli sagt:

    Aus Liebe,
    nur dass Liebe nicht für jeden dasselbe ist, wie man durch die rosarote Brille meint
    und die unterschiedlichen Vorstellungen davon sich
    erst während der Ehe verdeutlichen.
    Für mich ist der aufgezeigte ‘Umgang mit Narzissten’ hier und die ganze Literatur zu diesem Thema sehr hilfreich.
    Und alle Eure Beiträge dazu.
    Für Angehörige ist das Wichtigste die eigene Persönlichkeit zu behalten oder (weiter)zu entwickeln.

  9. Art sagt:

    Dieser Artikel und insbesondere die 11 Punkte, warum ein Narzisst die Ehe eingeht, haben mich sehr berührt, da alle Punkte auf meine Exfrau zutreffen und ich habe diese im Vorfeld wirklich gar nicht erkannt. Liebe macht blind, auch wenn sie einseitig ist.

  10. Der Optimist sagt:

    Dem Artiekl kann ich nur zustimmen. Ich war mit einer Narzisstin verheiratet und nach der Heirat ging der ganze Zirkus los mit sinnlosen und grundlosen Streitereien , die ausschließlich von ihr provoziert wurden über Themen , über die kein Mensch streiten kann.
    Diese Steitereien dienten nur dem Zweck meine Person zu erniedrigen durch Abwertungen , Beleidigungen und runter machen vor Dritten. Über diese seltsamen Streitereien , Eifersucht , Kein Vertrauen schenken , Isolierung und Kontrolle bin ich eben auf diese NPS gekommen , die zu 100% auf meine Frau zu traf. Bin jetzt mittler Weile geschieden und das Beste an dieser Sache ist , dass Sie durch die eingereichte Scheidung mir und Dritten suggerieren will , dass Sie lediglich wollte , dass ich jetzt glücklich werden kann. Also selbst da stellen diese Menschen sich dar als wenn sie selbstlos wären. Kommt bei ihren Flying Monkeys unglaublich gut an. Also unter dem Strich heißt das dann ” Schaut Euch die an wie selbstlos sie andere glücklich machen will ” Es ist wirklich unglaublich wie man aus solcher Situation sich noch selbstherlich darstellen kann um in gleisendem Licht da zu stehen. Was natürlich verschwiegen wird , dass man im Alleingang die Ehe durch dieses Verhalten vernichtet hat. Das wird bei den Flying Monkeys natürlich ganz anders dargestellt. Ich meine die Täter / Opfer Umkehr halt wieder. Über sowas kann man nur den Kopf schütteln.

    • Kathrin sagt:

      Das Interessante an dem Ganzen ist tatsächlich der extreme Unterschied zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Mein narzisstischer Exfreund würde exakt das Gleiche über unsere Beziehung sagen wie Du. Ich hätte grundlos Streit provoziert und ihn abgewertet. Er hat mir sogar mal einen Artikel über “Gaslighting” mit der Aufforderung, das doch endlich mal bleiben zu lassen, geschickt. Er wisse genau, dass seine Freunde und ich Schuld daran sind, dass er depressiv geworden sei, und er habe nie etwas Schlimmes getan.
      Das Gefühl, als eifersüchtige,provokante Zicke dargestellt zu werden, während er das arme Opfer ist, nagt immer noch sehr an mir. Ich fühl mich so ungerecht behandelt.

      • lilli sagt:

        Hallo Kathrin,

        für eine/n Natzisstin/en
        gibt es keine andere Meinung als seine/ ihre, die eigene Meinung des/r anderen ist für sie unglaublicherweise das Provozieren von Streit.
        Deshalb kann man nur Abstand nehmen
        und sich seine/ihre Persönlichkeitsstörung so weit wie möglich fern halten.
        ‘Wer sich rechtfertigt, hat schon verloren’ ist auch eines der Themen hier im Blog.

        • Hoff.44 sagt:

          Genau, seine Meinung ist die einzige richtige,die Wahrheit aller Dinge. Wenn man eigene gegensätzliche Meinung äußert, hat man schon verloren und Streit provoziert und natürlich ist man Schuld daran. Doch ich weiß nicht, wieviel Abstand ich noch nehmen kann und soll, mehr geht glaube ich gar nicht, wenn man noch zusammenwohnt. Irgendwie erreicht er mich immer noch und holt mich aus der Versenkung raus, ich wehre mich wieder und schon ist die Schuldzuweisung da.

    • Waltraud sagt:

      Ja genauso kenn ich es auch. Es wird alles so verdreht, das der Narzisst/in der Gutmensch schlechthin ist und sowas von selbstlos nur das Glück der anderen im Sinn hat. Wenn man das ganze Konstrukt durchschaut hat, kann man sich nur noch übergeben bei soviel Verlogenheit.

  11. Thomas Hagenunger sagt:

    Selbst vom Partner initierte Paarberatungen sind Verschwendung von Geld und Energie. In einer Patchworkfamilie (abgelehnt von den Kindern der ersten Ehe der EX) im nahen Umfeld der ebenfalls narzisstischen Schwiegerfamilie ist man von Anfang an der ungeliebte Aussenseiter. Alles geprägt von Illoyalitäten der narzisstischen verdeckten Narzisstin!

  12. Sil sagt:

    Der/ die NarzisstIn kanns halt auch einfach garnicht: aufichtig lieben.
    Weder der offene noch der verdeckte Narzisst.
    Diese Fähigkeit wurde kindheitsbedingt zerstört.
    An solchem Beziehungen/ Ehen hoffnungsvoll festzuhalten und herumzufeilen macht keinen Sinn.
    Weiss ich heute.

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